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Beaumarais
(Stadt Saarlouis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Beaumarais bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis
1936/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück,
wenngleich eine selbständige jüdische Gemeinde in Beaumarais nur einige
Jahrzehnte nach 1863 bestand. Zuvor bildeten die in Beaumarais und Wallerfangen
eine gemeinsame Gemeinde. 1783 lebten in beiden Orten zwölf jüdische Familien.
1817 kam es zu einem Streit zwischen den Familien beider Orte, in
den der Oberrabbiner von Trier eingeschaltet war und der offenbar zur
(vorübergehenden?) Trennung der beiden Gemeinden geführt hat. Beim Streit
dürfte es um die Frage nach dem Hauptort der Gemeinde gegangen sein, da nicht
an beiden Orten eine Synagoge betrieben werden konnte. Damals besuchten in
Beaumarais lebenden Juden den Betsaal in Wallerfangen. Auch in den folgenden
Jahrzehnten blieb Wallerfangen Hauptort: 1838 wurde hier eine neue Synagoge gebaut. In den
Verzeichnissen bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts erscheint Beaumarais immer als Filialort
von Wallerfangen, z.B. in einem Verzeichnis über die jüdischen
Gemeindeglieder im Kreis Saarlouis von 1855: "Wallerfangen mit
Beaumarais".
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1824 36 jüdische Einwohner, 1895 50.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.) und eine Religionsschule. Die Toten
der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Dillingen, nach 1905 auch
auf dem Friedhof in
Saarlouis
beigesetzt. Ob ein rituelles Bad vorhanden war, ist nicht bekannt.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war Ende des 19. Jahrhunderts
zeitweise ein eigener Religionslehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). An
Namen der Lehrer sind bekannt: um 1889 D.N. Zajac (s.u.), 1892/92 Lehrer
Wahremberg, bis 1897 A.D. Richard.
Um 1924, als 33
jüdische Gemeindeglieder am Ort gezählt wurden (2,75 % von insgesamt etwa
1.200 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Bernhard Hanau II, Leo Hanau
und Robert Hanau. Damals wurde der Religionsunterricht der noch fünf
schulpflichtigen jüdischen Kinder durch den jüdischen Lehrer Rudolf Loewy aus
Saarlouis erteilt.
Zur Zeit der Eingliederung der Saar in das Deutsche Reich lebten 1935
noch 24 jüdische Personen in Beaumarais. Die meisten von ihnen sind
in den folgenden Jahren vom Ort verzogen beziehungsweise konnten emigrieren.
Von den in Beaumarais geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Maurice Bernard (1889),
Marx Hanau (1875), Simon Hanau (1878), Caroline
Israel geb. Bernard (1855), Bruno Neumann (1913).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 und
1893 sowie Lehrerstellegesuch 1897
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1892:
"Die Kultusgemeinde Beaumarais bei Saarlouis sucht per sofort einen
Kantor, Lehrer und Schochet. Gehalt 400-450 Mark nebst freier Kost und
Logis. Nur unverheiratete Bewerber wollen sich melden bei dem
Vorstand Nathan Hanau." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1893:
"Durch Versetzung unseres früheren Herrn Lehrer Wahremberg
ist die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle neu zu
besetzen. 300 Mark reines Gehalt nebst Kost und Logis und ca. 200 Mark
Nebeneinkommen. Nur unverheiratete wollen sich melden bei Marx Hanau I.
in Beaumarais bei Saarlouis." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1897:
"Lehrerstellegesuch. Suche zu Purim anderweitige Stellung.
A.D. Richard, Religionslehrer und Kantor (nicht Schochet). Beaumarais
bei Saarlouis." |
Aufruf zur Unterstützung des in Beaumarais vorübergehend tätigen Lehrer D. M.
Zajac (1889)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1889:
"Aufruf! Einem von vielen ehrwürdigen Rabbinen als höchst
achtungswert und würdig empfohlenen Religionslehrer, welcher in einigen
Lokal-Gemeinden hiesigen Kreises beinahe zwei Jahre zur allgemeinen
Zufriedenheit Unterricht erteilte, ist es durch Verfügung Königlicher
Regierung, weil er Ausländer ist, verboten worden, ferner als Lehrer zu
fungieren und ist derselbe hierdurch mit seiner Familie in die größte
Notlage versetzt worden. ich bitte deshalb dringendst unsere
Glaubensgenossen, für diese Familie, welche lieber darbt, als öffentlich
ihre Not zu klagen und die nicht durch eigenes Verschulden in diese
drückende Lage geraten ist, mir schleunigst Spenden zusenden zu
wollen.
Jakob Rosenthal, Vorsitzender des Synagogen-Vorstandes in
Wetzlar.
Unter Bestätigung der obigen Angaben erklären sich gern bereit, für den
bezeichneten Lehrer Spenden in Empfang zu nehmen: der Provinzialrabbiner
Dr. Munk in Marburg; Bezirksrabbiner Dr. Margulies in Weilburg; Rabbiner
Dr. Plato in Köln.
(Vorstehender Aufruf ist schon einmal unter dem 6. Juni 1888 in nr. 52
vorigen Jahres veröffentlicht worden. Die dringendste Not zwingt nun den
Bittsteller sich öffentlich zu nennen. Derselbe, D.M. Zajac mit
Namen, inzwischen in Beaumarais, Bürgermeisterei Wallerfangen im
Kreise Saarlouis, als Religionslehrer angestellt worden, wurde aber
neuerdings von der Regierung aufgefordert, bis zum 1. April 1890 das
Königreich Preußen zu verlassen. Wenn derselbe nicht bis dahin in einem
anderen deutschen Bundesstaat irgendeine Anstellung findet, muss er nach
Amerika auswandern, wozu ihm die nötigen Mittel fehlen. Die
Originalzeugnisse des Herrn Zajac, welche die geschilderten Verhältnisse
bestätigen, lagen uns zur Einsicht vor. Auch wir bitten um reichliche
Gaben für ihn und sind gerne bereit, Spenden in Empfang zu nehmen. Die
Expedition des 'Israelit'." |
Dokument zu dem jüdischen Lehrer D. Laieg (= D.M. Zajac?) (1890)
(Quelle: Postgeschichtliche Heimatsammlung Wallerfangen R.
Frantz)
Briefumschlag
mit Adresse: "Herrn D. Laieg. Israhelitscher Lehrer in Beaumaris
bei Walerfangen bei Saarlouis".
Der Brief wurde am 18. März 1890 in Metz nach Beaumarais geschickt. Der
Wallerfanger Eingangsstempel vom 19. März 1890 auf der Briefrückseite
(nicht abgebildet) belegt dies.
Nähere Informationen zu diesem Lehrer liegen leider nicht vor. Über
Hinweise ist der Webmaster dankbar - Mailadresse siehe Eingangsseite.
Möglicherweise handelt es sich um eine völlige Verschreibung des
Namens des Lehrers D.M. Zajac (vgl. Aufruf oben), der bis 1. April
1890 das Königreich Preußen verlassen sollte. |
Zur Geschichte der Synagoge
Nach einem Bericht von 1817 besuchten die in
Beaumarais lebenden Juden die Synagoge in Wallerfangen, was
offenbar nicht unproblematisch
war, da es in diesem Jahr zu einem Streit zwischen den in Beaumarais und
Wallerfangen lebenden Juden kam. Vermutlich wollten die jüdischen Familien in
Beaumarais sich damals schon von Wallerfangen lösen und einen eigenen Betsaal
haben. Dazu kam es jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1844 und
1850 konnte an der Muhlenstraße eine Synagoge erstellt werden. Zwar war
Beaumarais damals immer noch Filiale zur Gemeinde in Wallerfangen, allerdings
war dort auf Grund der gestiegenen Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder nicht
mehr ausreichend Platz in der dortigen Synagoge.
Bei der in Beaumarais erbauten Synagoge handelte es sich um einen einfachen
Längssaalbau mit Satteldach. Straßenseitig hatte er drei hohe
Rundbogenfenster, an der südöstlichen Giebelwand ein Rundfenster.
1891 wollte die Gemeinde einen Neubau erstellen, doch wurde eine Bitte um
finanzielle Unterstützung durch das Innenministerium abgelehnt, wodurch ein
Neubau nicht möglich war. Es blieb bei der bisherigen Synagoge, die durch die seit Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgehende Zahl von Gemeindeglieder
ausreichte und vermutlich bereits 1936 aufgegeben wurde. Beim Novemberpogrom
1938 kam es offenbar dadurch zu keinen Aktionen gegen das Gebäude.
Die ehemalige Synagoge blieb nach 1945 zunächst lange leerstehend, bis
1962 ein Lagerhaus eingerichtet wurde. 1967 ist das Gebäude bis auf die Höhe
der Fensterbänke abgebrochen wurden, wurde aufgestockt und zu einem Wohnhaus
umgebaut.
Standort der Synagoge: In der
Muhl 3
Fotos
/ Darstellungen:
(Quelle: Fotos von Hans Nicola, erhalten von Thomas
Laurent / Vermittlung durch Günter Zenner, Haifa)
| Historische Aufnahmen
der Synagoge |
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| Aufnahmen der
Synagoge in der Muldenstraße (Foto Mitte mit Hakenkreuzfahne; Foto rechts
Ausschnittvergrößerung des Fotos in der Mitte) |
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Historische Aufnahmen
im
Ort |
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Rechts: die jüdische
Metzgerei
in der Hauptstraße (1937) |
Links (angekreuzt): ehemaliges
jüdisches Wohnhaus (Foto von 1939) |
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| Bauakte von 1962 bei
Einrichtung eines Lagerhauses in der ehemaligen Synagoge |
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Ein neues Fotos
des auf dem Synagogengrundstück heute stehenden Hauses wird noch
erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia
Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 435 (Artikel von Rupert Schreiber; mit weiteren Literaturangaben). |
 | Dora Dimel: Die Geschichte des Stadtteils
Beaumarais. 1979. S. 270-274: Die Juden in Beaumarais. |

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