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in Pirmasens
Pirmasens (Kreisstadt,
Rheinland-Pfalz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Pirmasens wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Berichte ergänzt.
Übersicht:
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Berichte
zu den Beamten und Angestellten der
Gemeinde -
Zum Tod von Lehrer
Salomon Reitlinger (Bericht von 1892 in
Zweibrücken, war nach 1849 Lehrer in Pirmasens) -
Zum Tod von Lehrer
Jakob Nathan (1890) -
Ausschreibung der Stelle eines Schochet und Hilfsvorbeters (1896)
-
Anzeige
von Lehrer und I. Kantor Abraham Michel (1898) -
Religionslehrer
Markus Slodki (Ober-Ramstadt) wird Kantor in
Pirmasens (1896) -
Kantor Markus Slodki wird zum bayrischen Staatsbürger ernannt (1897) -
Neujahrsgrüße von Kantor Markus Slodki und seiner Frau Marie geb. Schwab
(1898 / 1900) -
Erhöhung
des Gehaltes des Kantors Markus Slodki (1901) -
Kantor Markus Slodki wird auf weitere zehn Jahre angestellt (1902) -
Fotos aus der Familie
Slodki -
Anzeigen von Kantor
Markus Slodki (1896 / 1900 / 1901) -
Auch
in Pirmasens wird die Schächtung hängend vorgenommen (Mitteilung von Kantor Slodki 1901) -
Ausschreibung
der Synagogendiener-(Schamasch-)Stelle 1901
-
25-jähriges Orts- und Amtsjubiläum von Kantor Markus Slodki (1921)
-
Ausschreibung
der Stelle(n) des Lehrers / Kantors und Schochet (1929) -
Abraham Michel wird für weitere 10 Jahre als Lehrer und erster Kantor
fest engagiert (1902)
-
60. Geburtstag von Toni Michel, Frau
von Lehrer Abraham Michel (1932) -
70.
Geburtstag von Oberlehrer Abraham Michel (1934, von
1891 bis 1930 Lehrer in Pirmasens)
-
Hauptlehrer
Julius Lamm wechselt von Rockenhausen nach Pirmasens (1930)
-
Lehrer Lamm referiert bei einer Lehrerkonferenz in Neustadt an der
Weinstraße (1932) |
 | Berichte
aus dem Bezirksrabbinat
- Über
die Entstehung des Rabbinates in Pirmasens und den ersten Rabbiner Jakob
Israel Beiersdorf (Beitrag von Gerhard Heinrich Klesmann, 2009)
- Lob des
Rabbiners Juda Oppenheim(er) (1866)
- Die
Gemeinde ist mit Rabbiner Dr. Meyer zufrieden (1904)
- Verlegung
des Sitzes des Bezirksrabbinats Zweibrücken nach Pirmasens (1911)
- Zum
Tod von Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (1930) |
 | Einzelne
Meldungen aus der Gemeinde
- Nichtberücksichtigung
jüdischer Einwohner für bürgerliche Ehrenämter (1879)
- Kinderfest
des israelitischen Kasinos an Purim 1887
- Vorträge in der Gemeinde
(1901)
-
25-jähriges Bestehen des "Israelitischen Frauenvereins" (1911)
- Der
Unterstützungsverein der jüdischen Gemeinde spendet zu Kriegsbeginn (1914)
-
Rücksichtnahme auf die jüdischen Feiertage (1916) )
-
Aktivitäten des Jüdischen Jugendvereins (1921)
-
Vortrag in der Gemeinde durch eine Referentin des "Bundes Zionistischer
Frauenvereine" (1927)
-
In Pirmasens erscheint in großer Auflage eine "völkische Zeitung" und
verbreitet nationalsozialistische Hetze (1927)
- In Pirmasens besteht noch einer der letzten jüdischen Schulen der
Pfalz (1936)
- Auch
die jüdischen Kinder aus Rodalben besuchen die jüdische Schule in
Pirmasens (1938) |
 | Berichte
zu einzelnen Gemeindegliedern
- Zum Tod von
Julius Schohl II (1896)
- Zum Tod von Abraham Cahn
(1897)
- Bitte
um Spenden für eine arme Braut (1900)
- Zum Tod von Samuel
Kahn I (1901)
-
Zum
Tod von Sophie Bodenheimer geb. Kahn aus Rastatt (1902)
-
Die
Frau von Ferdinand Schohl wird 1. Vorsitzende des (nichtjüdischen)
"Vereins zur Förderung der Fraueninteressen" (1902)
- Zum
Tod von Caroline Drechsler, Frau des Vorstehers Jakob Drechsler (1902)
-
Zum Tod von Abraham Schmohl
(1902)
- Zum
Tod von Julius Schohl I aus Pirmasens (gest. in Badenweiler 1902)
-
Über Moritz Kahn, den Meisterschützen in Pirmasens (1906)
- Max
Dreyfus: deutscher Meister, Europameister und Weltmeister im Boxen
(Mittelgewicht) (Artikel von 1913, 1921 und 1927)
-
Kriegsauszeichnungen für Dr. Hermann Drexler und Moritz Kahn
(1915)
- Kriegsauszeichnung
für den jüdischen Leutnant Ludwig Levy (1918)
- Zum
Tod von Fabrikant Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde
(1927)
-
Nachfolger von Moritz Neu als Mitglied des bayrischen Landesverbandes wird
Rechtsanwalt Eugen Eigner (Pirmasens) (1927)
- Zum
Tod von Kaufmann Hans Kuhn, Offizier des Ersten Weltkrieges (1935)
- Erinnerung
an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im
Oktober 1940: Grabstein für Emil Scheuer in Gurs |
 | Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
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Anzeige von Ferdinand Schohl - Haushaltshilfe gesucht (1890)
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Anzeige von
Metzgermeister J. Meyer (1893)
-
Anzeige von Frau H. Seligmann - Suche nach einer Familien- und
Haushaltshilfe (1895)
- Anzeige von Carl
Dreifuß (1896)
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Anzeige des Restaurants
Meyer (1896)
-
Anzeige von Salomon Hirsch - Haushaltshilfe gesucht (1896)
-
Anzeige - Lehrlingssuche - von Bäckermeister F. Simon (1896)
-
Anzeige von Alphonse Wolff (1896)
-
Anzeigen
der Fa. Gebr. Simon (ab 1. März 1900 in Pirmasens)
-
Verlobungsanzeige von Helene Edinger (Hamburg) und Jacob Schwarz
(Pirmasens) (1900)
- Anzeige der Schuhbesatzfabrik J.
Wolfsheimer (1903)
- Haushaltshilfe
und Kinderbetreuerin gesucht (1904)
- Anzeige
von Adolf Roos (1905)
-
Verlobungsanzeige von Evy Adler und Dr. Leo Friedländer (1921)
- Anzeige der
Frau von Alfred Weil (1921)
-
Anzeige der
Damenschneiderin Rahel Kollender (1921)
-
Verlobungsanzeige von Erna Großmann und Alfred Weitzner (1921)
-
Verlobungsanzeige von Meta Seligmann und Adolf Fuchs (1922)
- Hochzeitsanzeige
von Siegfried Maier und Siddy geb. Baer (1924)
- Anzeigen von Fischel
Markdorf (1925 / 1926)
-
Anzeige von Rechtsanwalt Dr. Leo Friedländer (1926)
- Anzeigen des
Schuh-engros-Geschäftes Leopold Dreifuß (1920 / 1927)
- Anzeige der
Frau von Hugo Friedländer (1927)
-
Geburtsanzeige von
Ruth Juda,
Tochter von Simon und Emma Juda (1927)
- Verlobungsanzeige
von Steffy Baer und Walter Schestowitz (1928)
-
Verlobungsanzeige von Erna Neu und Dr. Adolf Abraham (1927)
-
Verlobungsanzeige für Meta Scheuer und
Julius Dannheisser (1928)
-
Rechtsanwalt Eugen Eigner erhält auch die Zulassung am Landgericht
Zweibrücken (1929)
-
Verlobungsanzeige
von Betty Reinheimer und Paul Krauss (1932)
- Nach
der Emigration: Hochzeitsanzeige von Bella Strauss und John H.
Lamm (1944) |
Berichte zu
den Beamten und Angestellten der Gemeinde
Zum Tod des Lehrers Salomon Reitlinger (Lehrer in
Pirmasens ab 1849)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1892: "Zweibrücken. 20. Mai
(1892). Unser greiser Mitbürger Herr Salomon Reitlinger, israelitischer
Lehrer in Pension, welcher noch vor einigen Tagen unter allgemeiner
Anteilnahme seiner zahlreichen Freunde und Bekannten aus Nah und Fern in
aller erfreulicher Frische seinen 80. Geburtstag beging, ist gestern
Nachmittag nach kurzem Krankenlager entschlafen. Mit seinem Dahinscheiden
hat ein arbeitsames, im Beruf, wie in der Familie reich gesegnetes Leben
seinen Abschluss gefunden. Geboren am 12. Mai 1812 zu Wallerstein bei Nördlingen,
widmete sich Herr Reitlinger dem Lehrerberuf und kam 1849 von Feuchtwangen
in die Pfalz, wo er in Pirmasens, Edenkoben,
Brücken, Thaleischweiler,
Essingen und von 1857 bis 1889 in unserer Stadt mit hingebender Treue des
Amtes eines israelitischen Lehrers und Kantors waltete. Einen ergreifenden
Beweis von der großen Liebe und Achtung, welche er sich während der
langen Zeit seiner Wirksamkeit in hiesiger Stadt zu erwerben verstand,
bildeten die herzlichen Kundgebungen zu seinem 80. Geburtsfeste, des
Tates, welcher sich für den alten Herrn zu einem Ehrentage gestaltete." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Israelitischer Kantor und Lehrer" 1892 Nr. 5:
derselbe
Text wie oben. |
Zum Tod von Lehrer Jakob Nathan
(1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 24. Juli 1891: "Pirmasens,
22. Juni. Ein Leichenzug mit einem hier ungewöhnlich großen Trauergefolge
bewegte sich gestern Nachmittag 3 Uhr nach dem jüdischen Friedhofe. Es galt
der Bestattung eines schlichten Volksschullehrers, des ältesten der hiesigen
Lehrer, Herrn Jakob Nathan. So ehrte die hiesige Einwohnerschaft sich
selbst, indem sie durch die Ehrung des Tobten bewies, dass die Achtung und
Liebe der Bevölkerung nicht durch Würden und Ämter, nicht durch irdische
Glücksgüter, sondern durch Redlichkeit und Leutseligkeit erworben werden.
Der Lokal-Lehrerverein und Männergesang- und Cäcilienverein, dessen
Ehrenmitglied der Verstorbene war, hatten prachtvolle Kränze gespendet. Der
Lehrerverein sang auch am Sterbehause und am Grabe je einen Trauerchor,
welche Lieder durch den herrlichen Vortrag von ergreifender Wirkung waren.
Die Grabrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer aus
Zweibrücken. Dieselbe war, wie man
es bei diesem begabten Redner allerdings gewöhnt ist, von vollendeter Form
und erbauendem Inhalt." |
Anzeige von Lehrer und I. Kantor Abraham Michel
(1898)
Anmerkung: Abraham Michel war von 1891 (als Nachfolger von Lehrer
Nathan) bis 1930 - fast 40 Jahre lang - Leiter der Israelitischen Volksschule,
zugleich Erster Lehrer (Oberlehrer) der Gemeinde.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Knaben,
welche höhere Lehranstalten, Progymnasium oder Realschule mit
Einjährigen-Berechtigung zu Pirmasens besuchen wollen, finden
liebevolle Verpflegung, Beaufsichtigung und Nachhilfe
bei
A. Michel, Lehrer und I. Kantor, Pirmasens
(Pfalz)." |
Ausschreibung der Stelle eines Schochet und Hilfsvorbeters (1896)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1896: "Gesucht 1
Schochet, welche Arbeit ca. Mk. 600 einträgt, ferner wird demselben Mk.
600 als Hilfsvorbeter vergütet. Reflektanten wollen ihre Zeugnisse
binnen 14 Tagen einsenden an
Jacob Drechsler,
Kultusvorstand in Pirmasens." |
Religionslehrer Markus Slodki (bis Ober-Ramstadt) wird Kantor in Pirmasens
(1896)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1896: "Ober-Ramstadt.
Der hiesige israelitische Religions-Lehrer Herr M. Slodki, ist als
Kantor nach Pirmasens zum 1. Juni dieses Jahres engagiert." |
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Mitteilung
in "Der Gemeindebote" vom 17. April 1896: "Der israelitische Religionslehrer
Marcus Slodki in Ober-Ramstadt
ist einstimmig zum Kantor in Pirmasens gewählt worden."
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Kantor Markus Slodki wird zum bayrischen Staatsbürger ernannt (1897)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1897: "Pirmasens.
Unser Kantor und Schochet, Herr M. Slodki, wurde vor Kurzem von
allerhöchster Stelle naturalisiert und zum bayrischen Staatsbürger ernannt,
wozu wir Herrn Slodki bestens gratulieren." |
Neujahrsgrüße von Kantor Markus Slodki und seiner (ersten) Frau Marie geb.
Schwab (1898 / 1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Nur auf diesem
Wege!
Wünschen allen Bekannten, Kollegen und Freunden eine
Einschreibung und gute Versiegelung
Kantor Markus Slodki und Frau (Marie geb. Schwab), Pirmasens
(Rheinpfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1900: "Nur auf diesem
Wege!
Wünschen allen Verwandten, Kollegen und Freunden und Bekannten eine
Einschreibung und gute Versiegelung
Kantor Markus Slodki und Frau (Marie geb. Schwab), Pirmasens
(Rheinpfalz)." |
Verlobung von Markus Slodki mit
Bertha geb. Levi (1011)
Von einer Verlobung zwischen Kantor Slodki (Pirmasens)
und der Berta Levi (aus Walldorf / Bayern)
berichtet die "Israelitische Wochenschrift" vom 19. Oktober 1911 S. 10.
Erhöhung des Gehaltes des Kantors Markus Slodki (1901)
Anmerkung: Markus Slodki, der am 2.
April 1871 in Konin/Polen (1871 russisch) geboren ist, war von 1895 bis 1896
Religionslehrer, Vorbeter und Schochet in
Ober-Ramstadt. Da er keine Religionslehrerprüfung absolviert hatte, konnte
er auf diese Stelle nicht bleiben und bewarb
sich auf die 1896 ausgeschriebene Stelle des Schochet und zweiten
Kantors ("Hilfsvorbeter") der jüdischen Gemeinde Pirmasens. Seit 1914 wohnte er mit seiner Frau Berta
geb. Levi (aus Walldorf) im Haus
Zweibrücker Straße 40. Die beiden hatten zwei Kinder Else und Walter.
Markus Slodki starb 1939 in Pirmasens an einer Krebserkrankung und wurde im
jüdischen Friedhof (Waldfriedhof) beigesetzt. Seine Frau wurde am 29. November
1941 in das Ghetto Riga (Lager Jungfernhof) deportiert und ist umgekommen. Die
Kinder Else und Walter konnten 1939 in die USA emigrieren.
Ergänzend zu Walter Slodki: Walter Josef Slodki besuchte
ab 1924 das jetzige Leibniz-Gymnasium in
Pirmasens (Abitur 1933). Er war Mitglied im Sportverein TUS Pirmasens (nach 1933
jüdischer Turn- und Sportverein JTUS). Außerdem war er unter anderem im Gabelsberger Stenographenverein aktiv.
Nach dem Schulabschluss arbeitete er bei der Schön- und Die-Gmbh, einer
Schuhfabrik; 1937 leitete er noch eine Berliner Werkzeugmaschinenfabrik. 1939 emigrierte
er über England nach New York. Während des Krieges wurde Slodki als amerikanischer Soldat eingesetzt.
Um die große Not der unmittelbaren Nachkriegszeit lindern zu helfen, schickte er viele Carepakete nach Pirmasens.
Er war in den USA in einer Schuhmaschinenfirma tätig. Bei der 2. Pirmasener Maschinenmesse 1953 besuchte er nach 14 Jahre wieder Pirmasens. 1967 war er Referent im Rahmen der Schuhledermesse. Seit 1966 gibt es am Leibniz-Gymnasium in Pirmasens den Slodkipreis für das beste
Abitur. Walter Slodkis letzte große Tat war die Übergabe einer Spende von 2.000 DM für die Begrünung von
Pirmasens; er wurde in Pirmasens mehrfach geehrt und ausgezeichnet. Walter - der
2012 noch seinen 98. Geburtstag feiern konnte und am 8. Januar 2013 im New York starb - war
verheiratet mit seiner aus Wien stammenden Frau Charlotte (geb. 4. September
1920), die am 10. August 2016 gestorben ist. Gräber Walter und
Charlotte Slodki:
https://de.findagrave.com/memorial/245789659/walter-slodki https://de.findagrave.com/memorial/245789637/charlotte-slodki
Walter-Slodiki-Platz in Pirmasens
https://www.pirmasens.de/leben-in-ps/kultur/gedenkprojekt/dezentrale-gedenkorte/walter-slodki-platz/
Walter-Slodik-Preis des Leibniz-Gymnasiums Pirmasens
https://leibniz-pirmasens.de/schulleben/historie/historie-slodki-preis.html
Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Slodki
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1901: "Pirmasens, 15.
Februar (1901). Eine tolerante Gemeinde ist die hiesige jüdische
Kultusgemeinde, die ihrem Synagogen-Kantor, Herrn Slodki, während seiner
fünfjährigen hiesigen Amtstätigkeit nicht weniger als bereits zum
dritten Male seinen Gehalt bedeutend erhöht hat. Ein Zeichen, welcher
Beliebtheit sich Herr Slodki in hiesiger Gemeinde erfreut. Mögen auch
andere Gemeinden diesem Beispiel folgen." |
Kantor Markus Slodki wird auf weitere zehn Jahre angestellt (1902)
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Januar 1902: "Pirmasens. In
hiesiger Israelitischer Kultusgemeinde wurde der Kantor Slodki nach
ca. 6-jähriger Amtstätigkeit von dem hiesigen Synagogen-Ausschuss auf
weitere 10 Jahre definitiv angestellt." |
Fotos aus der Familie Slodki
(aus dem Archiv von Otmar Weber, Dahn; vgl. Beitrag von Otmar Weber vom
Januar 2016:
Informationen zur Geschichte der Familie Slodki (pdf-Datei)
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Kantor Markus Slodki
(um 1912/13) |
Markus Slodki
(1871-1939) |
Berta Slodki geb.
Levi
(1884-1941) |
Berta Slodki in
Frankfurt/Main im
März 1940 vor ihrer Deportation |
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Oberrealschule Klasse 9a
im
Mai 1932 mit Walter J. Slodki |
Der Abiturient Walter
J. Slodki
am 6. April 1933 |
Links Zeugnis Realschule
1924-26
Rechts Reifezeugnis April 1933 |
Jüdischer Jugendbund um
1935 mit
Rabbiner Dr. Nellhaus im Restaurant JENA |
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Walter J. Slodki als
Leiter der
Handballmannschaft des JTUS PS 1935 |
Handballmannschaft
JTUS PS
(Jüdischer Turn- & Sportverein Pirmasens) |
Letztes Foto von Walter
J. Slodki
(Dezember 2012) |
Anzeigen von Kantor
Markus Slodki (1896 / 1900 / 1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1896: "Ein Mädchen,
das sich auch der häuslichen Arbeit unterzieht, wird als Stütze der
Hausfrau bei einer kleinen Familie für sofort gesucht. Offerten
bitte an
Kantor M. Slodki, Pirmasens (Pfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1900: "Köchin.
Für ein kleineres Restaurant am größeren Platze wird ein braves und
durchaus tüchtiges Mädchen als perfekte Köchin, die auch ein wenig im
Haushalt mithilft, alsbald gesucht. (Dienstmädchen vorhanden).
Bewerberinnen mit nur Ia Zeugnissen wollen Offerten nebst
Gehaltsansprüchen gelangen lassen an Kantor Slodki,
Pirmasens." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1901: "Die
'(Allgemeine) Zeitung des Judentums", Jahrg. 1892 bis 1900, jeder
Jahrgang gebunden; Der 'Israelit', Jahrg. 1893 bis 1900 ebenfalls
gebunden. Die 'Israelitische Wochenschrift" (Jeschurun), Jahrgänge
1895,1896,1897, gebunden. Der "Jüdische Kantor" von Blaustein,
Jahrgänge 1895 bis 1898, ebenfalls gebunden; 'Lehrerheim' von Dr.
Neustadt, Breslau, Jahrgänge 1895, 1896, 1897, gebunden- Die Werke werden
billig abgegeben, auch einzeln. Offerten an Marcus Slodki in
Pirmasens." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: "Heirat.
Für ein junges, hübsches Mädchen, aus achtbarer Familie aus dem
Rheinland, 26 Jahre alt, Mitgift 5.000 Mark und Aussteuer, suche
passende Partie. Junge Leute, Metzger oder Viehhändler, die sich
selbständig machen wollen, bietet sich gute Gelegenheit. Junger Witwer
ohne Kind nicht ausgeschlossen. Diskretion Ehrensache. Offerten sind zu
richten an
Kantor M. Slodky, Pirmasens, Rheinpfalz." |
Auch
in Pirmasens wird die Schächtung hängend vorgenommen (Mitteilung von Kantor
Slodki 1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Pirmasens,
2. August (1901). Geehrter Herr Redakteur! Auf die Anfrage des Herrn A. Rosenblatt,
Memmingen im Israelit vom 1. dieses Monats (Juli) wollen sie bitte
berichten, dass das Schächten der Kälber auch im hiesigen öffentlichen
Schlachthause hängend vorgenommen wird.
Kantor M. Slodki." |
Ausschreibung der
Synagogendiener-(Schamasch-)Stelle 1901
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1901: "Schamasch-Stelle.
In hiesiger Kultusgemeinde ist per sofort die Stelle eines
Synagogendieners bei einem festen Gehalt von 500 Mark nebst 4-500 Mark
Vergütung als Vereinsdiener und sonstigen Nebeneinkünfte zu besetzen.
Reflektiert wird auf einen Privatmanne, der energisch und tüchtig ist,
der auch hauptsächlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der
Synagoge zu sorgen hat, im Alter von 30-35 Jahren. Reflektierende, im
Besitze der deutschen Staatsangehörigkeit, wollen sich unter Vorlage
ihrer Zeugnisse alsbald bei dem unterfertigten Vorstande melden. Reisevergütung
erhält derjenige, dem die Stelle übertragen wird. Pirmasens (Pfalz), 14.
Januar.
Jakob Drechsler, Synagogen-Vorstand." |
25-jähriges Orts- und Amtsjubiläum von Kantor Markus Slodki (1921)
Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1921: "Pirmasens.
Der Kantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Markus Slodki,
begeht am 28. Mai die Feier seines 25-jährigen Orts- und Amtsjubiläums." |
Ausschreibung der
Stelle(n) des Lehrers / Kantors und
Schochet (1929)
Anzeige in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1929:
"Bekanntmachung.
Die israelitische Volksschullehrerstelle in Pirmasens ist durch die Inruhestandsetzung des bisherigen Stelleninhabers erledigt und soll mit
einem den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Bewerber wieder
besetzt werden. Ich lade hiermit zur Bewerbung um die Stelle ein. Mit der
Stelle soll neben den gesetzlichen Bezügen als Volksschullehrer das
Hilfskantorat verbunden werden, außerdem kann der Religionsunterricht an
den Mittelschulen in Aussicht gestellt werden. Bewerbungen um die
Lehrerstelle sind an die Regierung der Pfalz, Kammer des Innern, in Speyer
zu richten.
Pirmasens, den 31. Juli 1929.
Der 1. Vorstand der
israelitischen Kultusgemeinde: gez. Karl Dreifuß". |
Abraham
Michel wird für weitere 10 Jahre als Lehrer und erster Kantor fest engagiert
(1902)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 7. Februar 1902: "In
die am 23. dieses Monats stattgefundene Gemeindeversammlung zu Pirmasens
wurde der seit langen Jahren in dieser Gemeinde als erster Kantor und
staatlich angestellter Lehrer tätige A. Michel auf zehn Jahre fest
engagiert." |
70.
Geburtstag von Oberlehrer Abraham Michel (1934, von 1891 bis 1930 Lehrer in
Pirmasens)
Anmerkung: Lehrer Abraham Michel ist am 3. Juni 1864 geboren.
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April
1934: "Pirmasens. Am Sonntag, den 3. Juni (1934), vollendet
Herr Oberlehrer A. Michel in geistiger und körperlicher Frische sein 70.
Lebensjahr. Fast fünf Jahrzehnte hat der Jubilar als Volksschullehrer in
Diensten des bayerischen Staates und der pfälzischen Judenheit gestanden.
Vierzig Jahre hindurch bis zu seiner vor vier Jahren erfolgten
Pensionierung hat Herr Oberlehrer Michel die hiesige israelitische
Volksschule geleitet und zugleich den Dienst des Kantors in der
israelitischen Kultusgemeinde versehen. Durch seine gewissenhafte
Amtsführung und treueste Pflichterfüllung sowie durch sein würdevolles
Auftreten hat es sich die Anerkennung der vorgesetzten Behörden und die
höchste Wertschätzung in allen Kreisen der Gemeinde und der
Bürgerschaft erworben. Wir wünschen dem verehrten Jubilar noch einen
recht langen gesegneten
Lebensabend." |
60. Geburtstag von Toni Michel, Frau von Lehrer Abraham Michel (1932)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1932: "Pirmasens. Am 6.
Mai feierte Frau Oberlehrer Toni Michel, die Gattin des früheren
langjährigen Leiters der hiesigen israelitischen Volksschule, ihren 60.
Geburtstag. Frau Michel, die seit Jahren im Verbande der israelitischen
Frauenvereine der Pfalz den Vorsitz führt und auch dem Ausschuss des
Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz angehört, hat auf dem
Gebiete der sozialen Fürsorge und der Wohlfahrtspflege Hervorragendes
geleistet und hierfür an ihrem Geburtstage seitens der jüdischen Verbände,
Gemeinde- und Vereine, sowie zahlreicher Einzelpersonen Dank und Anerkennung
geerntet." |
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Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1932: "Pirmasens.
Am 6. Mai feierte Frau Tony Michel, die Gattin des Oberlehrers und
früheren langjährigen Leiters der hiesigen israelitischen Volksschule, ihren
60. Geburtstag. Frau Michel hat in der Kriegs- und Nachkriegszeit als
Vorsitzende des Verbandes der israelitischen Frauenvereine der Pfalz, sowie
als Ausschuss- und Vorstandsmitglied verschiedener jüdischer und
nichtjüdischer Organisationen eine umfangreiche und wertvolle Tätigkeit auf
dem Gebiete der sozialen Fürsorge und der Wohlfahrtspflege entfaltet und
hierfür an ihrem Geburtstage seitens der Verbände und Vereine, der Gemeinden
und Rabbiner, sowie zahlreicher Einzelpersonen Dank und Anerkennung in
reichstem Maße geerntet. Die Wertschätzung ihrer Persönlichkeit und ihres
edlen Wirkens fand in einer Fülle von Ehrungen in Form von Zuschriften,
Adressen und Geschenken sichtbaren Ausdruck. Besonders erwähnt seien nur die
Beweise dankbarer Anerkennung und herzlicher Anteilnahme, welche der
tatkräftigen und hochherzigen Führerin und Förderin seitens der
israelitischen Frauenvereine der Pfalz, für welche Frau Emma Loew aus
Ludwigshafen eine kostbare
Glückwunschadresse überreichte, seitens des Verbandes der israelitischen
Kultusgemeinden der Pfalz und der hiesigen Kultusgemeinde, in deren Namen
der Vorsitzende, Herr Karl Dreifuß, ihre Verdienste gebührend
würdigte, dargebracht wurden. Frau Michel gehört auch dem Verband
bayerischer israelitischer Gemeinden als Tagungsmitglied seit einer Reihe
von Jahren an. Wir wünschen der Jubilarin noch viele Jahre segensreichen
Schaffens zum Wohle unserer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen und im Dienste
derjenigen Organisationen, denen sie bisher in selbstloser Weise ihre Kräfte
gewidmet hat." |
Hauptlehrer Julius Lamm wechselt von
Rockenhausen nach Pirmasens (1930)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
1. Mai 1930: "Rockenhausen
(Rheinpfalz). Nach nahezu sechsjähriger Tätigkeit verlässt in den
nächsten Tagen der Lehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr
Hauptlehrer Lamm, Rockenhausen, um seiner von der Regierung der Pfalz
ergangenen Berufung als Lehrer der israelitischen Volksschule Pirmasens,
zu folgen. Herr Hauptlehrer Lamm hat es verstanden, sich während seiner
hiesigen Tätigkeit die Achtung und Anerkennung der Gemeinde, sowohl als
Lehrer der hiesigen Volksschule wie auch als Kantor zu erwerben. Wir
bedauern seinen Wegzug und wünschen ihm und den Seinen für sein
künftiges Wirken Glück und Segen." |
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Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
März 1930: "Kollege Berlinger (München) wurde am 1. Februar zum
Hauptlehrer befördert. Die Volksschullehrerstelle Pirmasens wurde dem
Hauptlehrer Lamm (Rockenhausen) übertragen." |
Lehrer Lamm referiert bei einer Lehrerkonferenz in Neustadt an der Weinstraße
(1932)
Artikel
in den "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 15. Mai
1932: "Freie Vereinigung Israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz.
Die Jahresversammlung am 5. Mai in Neustadt
a. d. Hdt. ließ in ihrer Besuchsstärke die Spuren dieser Zeit und in
ihren Besprechungen deren Ernst erkennen. Die Grüße des Verbandes
israelitischer Kultusgemeinden der Pfalz überbrachte als dessen Vertreter
Herr Stadtrat Strauß (Bad Dürkheim).
Der Vorsitzende wies in seiner Begrüßungsansprache auf die durch den
Zeitenwandel notwendig gewordene Überprüfung 'fester' Werte, Begriffe und
Einrichtungen. Der neuerliche Verfall des Restbestandes an jüdischen
Volksschulen in der Pfalz war Veranlassung, die Hamletfrage wieder einmal
für den Bezirk der jüdischen Volksschule aufzuwerfen. Kollege Lamm
(Pirmasens) referierte demgemäß über 'Die jüdische Volksschule ein Bollwerk
des Judentums'. Er beleuchtete das Thema von der politischen,
weltanschaulichen, rechtlichen und finanziellen Seite. 'Gründet jüdische
Volksschulen, wo immer es nur möglich ist' — dies sei die Forderung der
heutigen Zeit. Die Notwendigkeit und der Beschluss, diese 'Zeichen der Zeit'
allen maßgeblichen Kreisen deutlich zu machen, war das Ergebnis der
Aussprache, an der sich auch der Vertreter des Verbandes, Herr Stadtrat
Strauß, lebhaft beteiligte. Die Unterhaltung über Standes- und persönliche
Sorgen bildete den Schluss der Versammlung." |
Berichte aus dem Bezirksrabbinat
Über
die Entstehung des Rabbinates in Pirmasens und den ersten Rabbiner Jakob Israel
Beiersdorf (1759-1831, Rabbiner in Pirmasens von 1785-1826)
Hierzu einige Angaben von Gerhard Heinrich Klesmann, Pirmasens (mitgeteilt
am 16.12.2009): Die Beiersdorfs (auch in den Schreibweisen Beyersdorf, Baiersdorf) waren eine alteingesessene jüdische Pirmasenser Familie.
Jakob Israel Beiersdorf, der erste Rabbiner in Pirmasens, wurde am 22. Dezember 1759 in
Baiersdorf bei Nürnberg geboren und war seit August 1785 in Pirmasens ansässig. Der Familienüberlieferung nach verdankte er seine Rabbinerposition der Fürsprache einflussreicher Verwandtschaft, wie ein Tagebuch des Enkels von Rabbiner Beiersdorf festhielt:
'Euer Urgroßvater Rabbiner Israel Beiersdorf studierte so wie Amschel Rothschild von Frankfurt Theologie in Fürth. Durch diesen wurde er bekannt mit Rosette Alexander (ebenfalls von
Frankfurt, siehe Anmerkung 2 unten), der Cousine von Amschel Rothschild, und heiratete sie. Durch den Einfluss Rothschilds bekam er die Rabbinerstelle in Pirmasens, wo ihm zu Ehren Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt das Haus erbauen ließ, das wir früher
bewohnten (Anmerkung 1 unten). Wie bekannt, waren mein Großvater und die Großmutter hoffähig, denn wenn immer die Fürstin, die in Buchsweiler vorzog zu wohnen, hierher nach der Residenz kam, wurden sie zum Besuch ins Schloss eingeladen. Wie mir die Großmutter erzählte, hegte der Landgraf eines Tages den Wunsch, in deren
Sukka (Laubhütte) zu speisen, was auch geschah.'
Rabbiner Jakob Beiersdorf blieb bis Ende des Jahres 1826 im Amt, im Januar 1827 wird
Aaron Kohn Merz neuer Rabbiner in Pirmasens und verpflichtet sich, an seinen Vorgänger Beiersdorf bis zu dessen Ableben einen jährlichen
'Sustentations - Beitrag von fünfzig Gulden abzugeben'.
Jakob Beiersdorf scheint ein recht wohlhabender Mann gewesen zu sein, auch wenn im Juli 1830 sein ganzes Vermögen mit nur 100 Gulden angegeben und er als
'unzahlfähig' bezeichnet wird. Wahrscheinlich hat er sein Vermögen schon Jahre zuvor seinem 1795 geborenen Sohn Judas Beiersdorf, einem Tuchhändler und Spezereikrämer übertragen, der 1830 mit 4800 Gulden zu den drei vermögensten Mitgliedern der Kultusgemeinde zählt. Bezirksrabbiner Jakob Beiersdorf ist am 27. Juni
1831 im Alter von 90 Jahren und 11 Monaten gestorben.
Um seine Nachlassenschaft kümmerte sich der Ackersmann Heinrich Baer als 'Curator' und versteigerte den Nachlass am 14. Mai 1832 öffentlich. Neben dem normalen Hausrat kommen auch Objekte unter den Hammer, die an die frühere Tätigkeit als Rabbiner erinnern:
' 1 kleiner Schreibpult, (...), eine messingne Oellampe samt der Hohle, eine silberne Sackuhr (...), 1 Kiste mit 135 Stück hebräische Bücher, (...) in der dahiesigen Synagoge eine Thora auf Pergament-Rollen und ein eigener Platz sammt dem dazu gehörigen
Frauenplatz'.
Jakob Israel Beiersdorf war mit Rosetta geb. Alexander (geb. 1763,
Anmerkung 2 unten) verheiratet. Sie starb 15 Jahre nach ihrem Mann, am 24. März 1846 und ist auf dem alten
jüdischen Friedhof in der Dankelsbach in Pirmasens beerdigt. Die Inschrift auf ihrem Grabstein lautet:
' Rosette Alexander, Witfrau von Jacob Bayersdorf, Rabbiner in Pirmasens, gestorben im 83. Lebensjahre, den 24. März 1846.
F.S.I.A.' Das Grabmal ist heute noch erhalten.
Sohn Judas Beiersdorf (geb. 1793, gest. 4.2.1865), von Beruf Tuchhändler und Spezereikrämer, heiratete Johanna
Keim (geb. 1801, gest.13.3.1843).
Anmerkung 1: Das Rabbinatshaus Alleestrasse 4 soll zusammen mit dem Schloss und der Exerzierhalle von den Franzosen zerstört worden sein. Später wurde an dieser Stelle das Gasthaus
"Zur Burg" errichtet.
Anmerkung 2: Ihr Vater war Salomon Alexander, der nach dem Steuerregister von 1788 zu den vermögensten Juden in Pirmasens zählte. Nach dem Tod des Landgrafen 1790 und dem durch Verlegung der Residenz nach Darmstadt und den kriegerischen Ereignissen im Gefolge der Französischen Revolution einhergehenden ökonomischen Niedergang von Pirmasens, verarmte auch Salomon Alexander zusehends. Als sich das
'Tribunal Correctionel' Saarbrücken im Jahre 1800 in Pirmasens nach dem Aufenthaltsort und den Vermögensumständen Salomon Alexanders erkundigt, erfährt man dort,
'dass vor dem Krieg ein HandelsJud Nahmens Salomon Alexander hier in Pirmasens gewohnt, damals aber schon durch misslungene Händel in Rückstand gekommen, sich im 1793 Jahr von hier nach Franckfurth geflüchtet und daselbst gestorben ist, er hat drey Töchter hinterlassen, wovon eine in F’furth verheurathet und in gute VermögensUmstände seyn soll, die andere in Edesheim, die aber so wie die dritte, welche an den hiesigen Rabbiner verheurathet ist, in dürftigen Umständen ist. Hier haben die Erben noch ein ziemlich großes Hauß
stehn, welches aber durch den Krieg sehr ruinirt worden und dermahlen unbewohnbar
ist' . In diesem Alexander’schen Anwesen befand sich 1770 die Synagoge.
Hinweis (nach Angaben von Gerhard
Heinrich Klesmann): die Nachkommen von Rabbiner Jakob Beiersdorf und
von seinem Sohn Judas Beiersdorf lebten noch mehrere Generationen in
Pirmasens:
Die Abbildung links zeigt: "1838 - In der Allee: Türinschrift am
Wohnhaus des Handelsmannes Judas Beiersdorf"; aus dem Buch von
Oskar Schäfer: Pirmasenser Chronik - Gassennamen und Hausinschriften.
Pirmasens 1927 S. 69. |
| Der Enkel des Rabbiners: August Isaak Beiersdorf
wird 1899 (Adressbuch der Stadt Pirmasens) als Essighändler in der
Alleestraße 16 genannt; seine Söhne Albert, Arthur, Gustav, Jakob und
Ludwig werden im selben Adressbuch alle als Buchhalter genannt. |
| Die Urenkeln des Rabbiners: Albert
Beiersdorf starb natürlichen Todes am 20.10.1936 in Pirmasens; Gustav
und Arthur Beiersdorf kamen nach 1939 in Konzentrationslagern ums
Leben; Ludwig Beiersdorf wurde zusammen mit Ehefrau Berth geb.
Schneider - aus Straßburg stammend - am 12.3.1943 von der Gestapo in
Berlin verhaftet, zum Bahnhof Putlitzerstraße gebracht und anschließend
mit dem 36. Deportationszug (insgesamt 941 Insassen) in das LZ Auschwitz
transportiert, wo beide auf Grund ihres Alters und der dadurch bedingten
Arbeitsunfähigkeit kurz nach der Ankunft ermordet wurden. |
Lob des Rabbiners Juda
Oppenheim(er) (1866)
Aus
einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1866:
"...Gleichzeitig sei mir gestattet, auch den ehrwürdigen Rabbiner, Herrn J.
Oppenheimer in Pirmasens, rühmend zu erwähnen, der in dieser Beziehung ganz
besonders dadurch ... ist, dass er junge Lehramtskandidaten in der
Heiligen Tora gründlich unterrichtet und sie auch außerdem materiell
reichlich unterstützt. Viele tüchtige Lehrer sind derart schon von ihm
herangebildet worden, die im Gebiete der Religion segensreich wirken können.
Zu seinem, des Herrn Rabbiners Oppenheimer, Lobe sei es noch gesagt, dass er
die Lehrer seines Bezirkes streng überwacht, auch dass die Religionslehre
genau in der Religion von Mose und Israel unterrichtet und die Kinder
zu wahrhaften Israeliten herangebildet werden.
Die Freundlichkeit, mit der derselbe dem Lehrer entgegenkommt, ziert ihn
nicht minder als sein religiöses Streben - G"tt gebe ihm seinen Lohn.
R. G." |
Die Beisetzung einer Frau durch
Rabbiner Seligmann an einem jüdischen Feiertag wird von Rabbiner Oppenheimer
abgelehnt (1870)
Anmerkung: in der orthodox-jüdischen Zeitschrift wurden liberal gesonnene
Rabbiner in der damaligen Zeit immer wieder äußerst kritisch beurteilt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1870: "Aus dem Westrich.
(Pfalz.)
Wenn alle Rabbinen ihr Tun und Lassen dem Schulchan Aruch (jüdische
Vorschriftensammlung) unterordnen und für Gott und seine heilige
Religion wirken würden, ja dann würde es im Judentume noch nicht so traurig
aussehen, wie es leider jetzt der Fall ist, wo selbst Rabbiner mit dem
unlöblichen Beispiele vorangehen, des Mammons willen eine Vorschrift
nach der anderen über Bord zu werfen und zu tun — was andere unserer
Weisen - ihr Andenken sei zum Segen - verboten haben.
In Zweibrücken sollte am 2. Pessach-Tage eine jüdische Frau beerdigt
werden und ward der Bezirksrabbiner Herr J. Oppenheimer in
Pirmasens, — dem nebenbei gesagt die
Vorschriften des Schulchan Aruch noch bekannt und heilig sind
- telegraphisch berufen, am Feiertag die Leichenrede zu halten.
Derselbe wollte aber weder nach Zweibrücken reisen, noch eine
Bestattungsrede halten. Was geschah aber? Herr Seligmann,
Rabbiner in Kaiserslautern ...
fuhr am Feiertage per Eisenbahn von Kaiserslautern nach Zweibrücken (8
Wegstunden) und hielt eine Trauerrede. Was man doch für Geld Alles haben
kann!" |
Die Gemeinde ist mit Rabbiner Dr. Meyer zufrieden (1904)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1904: "Pirmasens, 26. Juli.
Dieser Tage fand im Rathaussaale die von der königlichen Regierung
einberufene Versammlung der Mitglieder der hiesigen israelitischen
Kultusgemeinde statt, welche zu dem von Zweibrücken ausgehenden Antrag
auf Amtsenthebung des Bezirksrabbiners Dr. Meyer Stellung nehmen sollte.
Dieselbe war gut besucht. Die Versammlung gab, wie die ‚Pirmasenser
Zeitung’ berichtet, ihre Zufriedenheit mit der Amtsführung des Herrn
Dr. Meyer warmen Ausdruck und beauftragte ihren Vertrauensmann, Herrn
Schuhfabrikaten Karl Wolff, in diesem Sinne zu wirken." |
Verlegung des Sitzes des Bezirksrabbinats Zweibrücken nach Pirmasens (1911)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1911: "Durch
Entschließung der Königlichen Regierung der Pfalz vom 14. September Nr.
29 750 T ist der Sitz des Rabbinatsbezirks Zweibrücken nach
Pirmasens
verlegt worden. Die Zuständigkeit des Rabbiners sowie die Zugehörigkeit
der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken zum Rabbinat und die
Aufsicht über die dortigen Kultusinstitutionen und Kultusdiener bleiben
ausdrücklich aufrechterhalten. Hiermit sind die zehnjährigen Differenzen
in befriedigender Weise erledigt." |
| |
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911. "Pirmasens, 13.
September (1911). Die Verlegung des Bezirksrabbinatssitzes von Zweibrücken
nach Pirmasens ist jetzt durch die Regierung verfügt worden.
Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer wird jetzt seinen Wohnsitz in Pirmasens
nehmen." |
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (1930)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1930: "Zum Heimgang des Bezirksrabbiners Dr. Eugen Meyer in
Pirmasens. Von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad
Dürkheim.
Der Rabbinatsbezirk Pirmasens und darüber hinaus das pfälzische Judentum
hat soeben einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Am Isru chag Pessach
ist Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer (Pirmasens), geboren in Ingenheim
bei Landau im Jahre 1867, seit 1899 im Rabbinatsbezirk Zweibrücken -
Pirmasens tätig (Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer war auch zu Beginn
seiner Amtierungszeit Verweser des Münchener Rabbinats), auf der Reihe
nach Bad Nauheim, wo er Erholung
suchte, einem Herzschlag erlegen. Kaum vierundzwanzig Stunden zuvor hatte
er noch beim Festgottesdienst des letzten Pessachtages zur Gemeinde seines
Sitzes Pirmasens gesprochen und, wie er es so oft tat, durch eine Predigt
zur Erhöhung der Festandacht beigetragen. Aufs ergreifendste hat sich
also hier das Wort des Patriarchen Jakob bestätigt, das er jenem
göttlichen Wesen zugerufen, mit dem er die Nacht hindurch gerungen. Lo
aschallechacho ki im berachtoni 'Ich lasse Dich nicht, Du habest mich
denn gesegnet'. Ja, seine Gemeinde nahm nicht von ihm Abschied, bevor sie
nicht noch einmal von ihm gesegnet worden war, bevor ihr nicht noch einmal
jene religiöse Belehrung zuteil geworden, die er Jahrzehnte hindurch dank
seiner glänzenden Beredsamkeit, die ihren Eindruck nie verfehlte und alle
Zuhörer begeisterte und mit fortriss, in ganz hervorragendem Maße zu
übermitteln vermochte. Wajehi jodow emunoh ad bo haschomesch
'Seine Hände hielten in Treue aus bis Sonnenuntergang'.
Ein sehr treffendes und anschauliches Bild von ihm und seinem Wirken hat
an seiner Bahre vor einer überaus großen Trauergemeinde Bezirksrabbiner
Dr. Einstein (Landau) entworfen und die Individualität des heimgegangenen
Freundes recht plastisch vor unser Auge treten lassen. Auch widmete er ihm
im Auftrage der Bayerischen Rabbinerkonferenz herzliche
Abschiedsworte.
Sein Leben und Schaffen brachten uns auch die anderen Nachrufe nahe, die
Worte treuen Gedenkens, die ihm vom Rabbinatsbezirk Pirmasens durch das
Mitglied des Synagogenrats der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens,
Moritz Mayer, vom Verbande der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz
durch Kommerzienrat Albert Joseph, vom jüdischen Jugendbund in Pirmasens
durch dessen Vorstand, von einem Vertreter der ostjüdischen
Gemeindemitglieder und einem Mitglied der sozialdemokratischen Partei
gewidmet wurden. die vielen Worte der Anerkennung und Würdigung priesen
insbesondere die Güte seines Herzens, seine nie versagende Hilfsbereitschaft,
sein mutvolles und tapferes Eintreten für das, was er als wahr und recht
erkannt hatte.
Tief bewegt waren alle, die Dr. Eugen Meyer die letzte Ehre erwiesen, als
einer seiner Söhne vor dem offenen Grabe von seinem Vater Abschied nahm,,
ihm wundervolle Worte kindlicher Pietät nachrief, dem Schmerze darüber
Ausdruck verlieh, dass die Hände des geliebten Vaters sich nun nicht mehr
segnend auf die Häupter seiner Kinder breiten können.
Kindliche Pietät hatte der Verblichene seinen Kindern schon vorgelebt. Um
auch in irdischem Sinne mit seinen Eltern, an denen er immer mit
herzlicher Liebe gehangen, wieder vereint zu sein, hatte er angeordnet,
dass er auch dem Friedhof seines
Geburtsortes Ingenheim bei Landau an der Seite seiner Eltern bestattet
werde, wo er nun ausruht von seinem kampfreichen Leben - - -
Ja, er hat nun ausgekämpft - der Friede des jom schekullo schabbat,
des ewigen Sabbattages, ist nun eingekehrt auch in seine Seele, die oft so
ruhelos war, so lange sie noch mit ihrem Körper verbunden war - ein
wahrhaft versöhnender und aufrichtender Gedanke für seinen
Familienkreis, für seine schmerzgebeugte Gattin, seine wehmuterfüllten
Kinder, für alle, die ihm nahe gestanden, die tief bestürzt waren, als
sie von seinem so jäh erfolgten Heimgang hörten.
Das, was an ihm irdisch ist, ist nun unserem leiblichen Auge für immer
entrückt. Aber sein liebes Bild lebt fort in unseren Herzen übers Grab
hinaus nach der Verheißung aus dem Danielbuche: Wehamaschkilim jashiro
hksohar horokia umazidke horrabim kakochowim heolom woed - 'Die Verständigen
werden glänzen wie der Ganz der Himmels und die, welche viele zum Heile geführt,
wie die Sterne auf immer und ewig.' - - -
Am 4. Mai fand in der Synagoge zu Pirmasens eine Trauerfeier für den
Heimgegangenen statt, bei der Bezirksrabbiner Dr. Baron (Kaiserslautern)
die Gedächtnisrede hielt und Kultusvorstand Dreyfuß (Pirmasens) dem
Verewigten einen Nachruf widmete." |
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Grabstein für Dr. Eugen
Meyer, Bezirksrabbiner in Pirmasens (1867-1930)
auf dem jüdischen
Friedhof
in Ingenheim |
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Einzelne Meldungen aus der
Gemeinde
Nichtberücksichtigung jüdischer Einwohner für
bürgerliche Ehrenämter 1879
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1879: "Pirmasens
(Pfalz), im Oktober. Die ‚Frankfurter Zeitung’ erhält folgende
Zuschrift:
Wie schwer es selbst gebildeten Personen, die einen Zweifel an ihrer
toleranten Gesinnung entrüstet zurückweisen würden, ankommt, Toleranz
zu üben, das zeigt in auffallender Weise die Jahresliste der
Geschworenen, Schöffen und Hilfsschöffen für unseren
Amtsgerichtsbezirk. Dieser Bezirk und insbesondere die Stadt selbst, der
Sitz des künftigen Amtsgerichts, zählt eine große Zahl Bürger
israelitischen Glaubens, die geachtete bürgerliche Stellung, Bildung und
strenge Rechtlichkeit zur Bekleidung eines jeden gemeindlichen Ehrenamtes
fähig und würdig erscheinen lassen. Erfreulich ist denn auch das im
Allgemeinen bestehende Verhältnis bürgerlicher Eintracht zwischen der
christlichen und israelitischen Bevölkerung. Umso mehr musste aber bei
der letzteren das Gefühl intoleranter Zurücksetzung wach werden, als der
Ausschuss, dem die Auswahl der Geschworenen, Schöffen, und Hilfsschöffen
für den hiesigen Amtsgerichtsbezirk oblag, unter die große Zahl der
ausgewählten Personen keinen einzigen Israeliten aufnahm. Unter den Gewählten
befinden sich Leute von geringer Schulbildung und von wenig unabhängiger
äußerer Stellung; es lässt sich also die unbegreifliche Tatsache des
Ausschlusses der Israeliten auch nicht durch die Annahme einer übergroßen
Zahl für fragliche Ehrenämter besser befähigter christlicher Mitbürger
erklären. Da ferner der Ausschuss wohl selbst nicht wird behaupten
wollen, dass es dem Zufall oder absichtslosem Übersehen zuzuschreiben
sei, dass kein Israelite auf die Jahresliste gesetzt ward, so wird er den
Vorwurf intoleranten Verfahrens wohl hinnehmen und sich sagen müssen,
dass er bei Ausübung einer ihm obliegenden gesetzlichen Befugnis den
Intentionen des Gesetzgebers nicht gerecht worden ist, der jeden Deutschen
ohne Rücksicht auf Glaubensbekenntnis zu den fraglichen Ehrenämtern
beigezogen wissen will." |
Kinderfest des israelitischen
Kasinos an Purim 1887
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1887: "Pirmasens, 14. März
(1887). Letzten Donnerstag den 10. März (Purim) gab das israelitische
Kasino zu Pirmasens seinen Mitgliedern in seinen Lokalitäten (Hartmut’sche
Säle) ein Kinderfest mit nachfolgendem Konzert. Es war eine wahre Freude,
die Kinder in ihren sehr hübschen und wohl gelungenen Maskenanzügen sich
tummeln zu sehen, welche Freude man auch dem Gesichte einer jeden
einzelnen Mutter ablesen konnte. Nach einigen Spielen der Kleinen ließ
sich Jung und Alt den Kaffee mit Purimkuchen vortreffliche schmecken.
Vorträge der Kinder wechselten ab mit Spielen derselben und mit sehr gut
ausgeführten Leistungen auf dem Klavier. – Erst gegen 7 Uhr verließen
die Kleinen die Lokalitäten mit dem Bewusstsein, einen schönen Tag
verbracht zu haben, der ihnen noch lange Zeit in angenehmer Erinnerung
bleiben wird. Abends 8 Uhr trafen wir schon eine stattliche Anzahl von
Mitgliedern und eingeführten auswärtigen Gästen und erfreute uns die
Kapelle Hoch mit ihren schönen Leistungen. Einige Mitglieder der
Gesellschaft unterhielten uns in der Pause mit Vorträgen auf Klavier und
Violine, denen der wohl verdiente Beifall in reichem Maße zuteil wurde. -
Im Laufe des Abends wurde auf fast allseitiges Verlangen einstimmig
beschlossen, Samstagabend den hohen Geburtstag unseres erlauchtenköniglichen
Prinzregenten durch eine Versammlung mit verherrlichen zu helfen. Bei
dieser Feier wurden mehrere Toaste ausgebracht besonders auf Seine königliche
Hoheit Prinz Luitpold und außerdem beschlossen, nachstehendes Telegramm
abzusenden: ‚Seiner königlichen Hoheit dem Prinzen Luitpold, Bayerns
weisem Reichsverweser, München, erlaubt sich das israelitische Kasino zu
Pirmasens bei der aus Anlass allerhöchstdessen Geburtsfestes abgehaltenen
Versammlung untertänigste Glückwünsche und Zeichen der Ergebenheit zu
senden.’ Pirmasens, 12. März 1887. Der Vorstand Carl Frank.
Nach Absingung verschiedener patriotischer Lieder trennte sich die
Versammlung in später Stunde. Sonntagabend 7 Ur traf folgendes Telegramm
ein: München P. 13.3.1887. 6 Uhr 20 Nachmittag. Herrn Carl Frank,
Vorstand des israelitischen Kasinos Pirmasens. Seine königliche Hoheit
der Prinzregent senden den Teilnehmern an der gestrigen Versammlung Allerhöchst
ihren huldvollsten Dank für die dargebrachten Glückwünsche. Im Allerhöchsten
Auftrage. Freiherr Freyschlag von Freyenstein. Generalmajor,
Generaladjutant." |
Vorträge in der Gemeinde (1901)
Aus
den "Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und
Literatur in Deutschland" Heft Dezember 1901 S. 35:
"Pirmasens.
Vorträge: 17. Oktober, Dr. Karpeles, Berlin: Die Juden in der
Weltkultur. - 27. November, Dr. med. Blum, Pirmasens: Die Hygiene des alten
Testaments im Lichte moderner Anschauung." |
25-jähriges Bestehen des "Israelitischen Frauenvereins" (1911)
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Mai 1911: "Pirmasens.
Der hiesige israelitische Frauenverein beging in würdiger Weise die
Feier seines 25jährigen Bestehens, zu der sich eine zahlreiche
Mitgliederzahl sowie geladene Gäste eingefunden hatten. Frau Selma Kiwi
begrüßte die Erschienenen in herzlicher Weise und wies auf den Zweck und die
Bedeutung des Festes hin. Nach dem Vortrag eines von Frau Lehrer Ida
Seelig, Nordhausen, verfassten,
sehr sinnigen Prologs ergriff Herr Hauptlehrer A. Michel das Wort zu
einer Festansprache, in der er in großen Zügen zunächst den Werdegang des
nur idealen Zwecken dienenden Vereins schilderte, um dann auf seine
bedeutsame, vielseitige Wirksamkeit hinzuweisen und mit einem warmen Appell
an die Anwesenden zu schließen, auch ferner ihre Kräfte dem Verein zu
widmen, damit er in immer wirksamerer Weise seiner Aufgabe, menschliche Not
und Elend zu lindern, gerecht werde. Eine Reihe wohlgelungener musikalischer
und deklamatorischer Darbietungen beschloss die Feier." |
Der
Unterstützungsverein der jüdischen Gemeinde spendet zu Kriegsbeginn (1914)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 25. September 1914: "Der Unterstützungsverein der jüdischen
Gemeinde in Pirmasens hat dem Bürgermeisteramt 800 Mark zur freien
Verfügung für diejenigen Armen der Stadt überlassen, deren Ernährer in
den Krieg gezogen sind." |
Rücksichtnahme auf
die jüdischen Feiertage (1916)
Anmerkung: es ging um das jüdische Wochenfest Schawuot am 6. und 7. Siwan =
7. und 8. Juni 1916.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Juni 1916: "Pirmasens.
(Verschiebung des fleischlosen Tages.) Herr Oberbürgermeister Strobel
erließ folgende Bekanntmachung: 'Mit Rücksicht auf die bevorstehenden
israelitischen Feiertage wird den Israeliten gestattet, das ihnen für
Mittwoch, 7. d. Mts., zukommende Fleisch schon am Dienstag, 6. d. Mts., in
der Zeit von 2 bis halb 6 Uhr bei Metzgermeister Ullmer zu beziehen. Die
Fleischbezugskarten sind vorzuweisen; mehr als die zugewiesene Menge darf
nicht bezogen werden.'" |
Aktivitäten
des Jüdischen Jugendbundes Pirmasens (1921 / 1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 2. Dezember 1921: "Pirmasens.
Jüdischer Jugendbund. Vors.: Theo Friedländer.
Seit Beginn unserer diesjährigen Winterarbeit fanden statt: Dienstag den 27.
September Literarischer Abend mit Besprechung des Dramas 'Der Jude von
Konstanz' von Wilhelm von Scholtz nebst Aufführung des 1. Aktes.
- Samstag den 29. Okt. Bunter Abends bestehend aus
Theateraufführung, Einzeldarbietungen und Tanz. - Sonntag
den 30. Oktober. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Emil Cohn - Bonn. Thema:
'Der Groll des Juden". - Montag den 7. November. Vortrag des
Herrn Prof. Dr. Julius Goldstein - Darmstadt. Thema 'Rasse und Politik'.
- Sonntag den 20. November Heimnachmittag mit Rezitation des
Weihespiels 'Salomo" von Emil Cohn. - Außerdem war jeden
Dienstag ein Vereinsabend, an dem Bücherbesprechungen mit anschließendem
Meinungsaustausch vorgenommen wurden. Am Dienstag den 22. November wurde
'Der Brief des Uria'. Trauerspiel in 5 Akten von Emil Bernhard, vorgelesen." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 13. Januar 1922: "Pirmasens.
Jüdischer Jugendbund. Adresse: Theo Friedländer. Im Monat Dezember 1921
fanden statt: Donnerstag den 1. Dezember Vortrag der Frau Prof. Dr.
Goldschmidt, Kattowitz. Thema: 'Ethik des Verkehrs'. - Donnerstag den 29.
Dezember nachmittags: Kinderfest mit Erzählung der Chanukka-Geschichte und
darauf folgender Gabenverteilung. Die Geschenke wurden in einer
Arbeitsgemeinschaft junger Jugendbund-Mädchen angefertigt. Abends:
Chanukka-Feier mit Deklamationen jüdischen Inhalts von Morris Rosenfeld, J.
L. Perez, Gertrud Marx, sowie ernster Klaviermusik (Prélude von Rachmaninov).
Ferner Aufführung eines Schauspiel 'Benjamin Seeligmann' (nach Martin
Lehnhardt von Cäsar Flaischlen für den Jugendbund bearbeitet). Anschließend
Tanz mit Verlosung. - Außerdem fand jeden Dienstag ein Vereinsabend statt.
Wir hörten an denselben einen Vortrag über den 'Sozialen Gedanken im
Judentum' sowie Vorlesung des 'Rabbi von Bacharach' Heinrich Heine'."
|
Vortrag in der Gemeinde durch eine Referentin des "Bundes Zionistischer
Frauenvereine" (1927)
Artikel
in der "Jüdischen Rundschau" vom 11. Februar 1927: "Frankfurt a. M. Frau
Jettka Levy, Berlin, die 2. Vorsitzende des Bundes Zionistischer
Frauenvereine, hielt für den Keren Kajemeth in mehreren Städten
Süddeutschlands Vorträge über zionistische und jüdische Fragen. Frau Levy
sprach am 18. Januar in Frankfurt a. M. und am 20. Januar in
Mannheim vor den dortigen Ortsgruppen des Bundes Zionistischer Frauen
über 'Die Frau und der Zionismus', sowie am 23. und 24. Januar in
Pirmasens und Offenbach über 'Die
jüdische Frau und ihre Pflicht zur Gemeinschaftsarbeit' vor einem geladenen
Kreis in der Mehrzahl nichtzionistischer Frauen. Es gelang Frau Levy durch
ihre die Frauen unmittelbar gefühlsmäßig packende und überzeugende Art ihres
Vortrags, die Zuhörerinnen mit dem Palästinawerk innerlich zu verbinden und
die Erkenntnis von der Notwendigkeit der aktiven Mitarbeit zu wecken." |
In Pirmasens erscheint in großer Auflage eine "völkische Zeitung" und verbreitet
nationalsozialistische Hetze (1927)
Hinweis: die Zeitschrift nannte sich "Der Eisenhammer: Kampfblatt der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Gau Pfalz".
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Centralvereins deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens") vom 18. Februar 1927: "Die völkische Bewegung in der
Pfalz. Der 'Eisenhammer' hat eine Auflage von 20 000.
Seit der Lockerung der Besatzung macht sich in der Pfalz eine
starke völkische Bewegung bemerkbar. Eine ähnliche Bewegung sehen wir auch
im Rheinlande, wo - besonders von Köln ausgehend - eine
heftige nationalsozialistische Agitation entfaltet wird. Nicht ohne
ernste Gründe hat der Centralverein vor kurzem, wie hier ausführlich
dargestellt worden ist, überall im Rheinlande in stark besuchten
Versammlungen seine Mitglieder über die Lage unterrichtet und zum Kampf
aufgeboten.
Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des Centralvereins, ist soeben von
der Pfalz zurückgekehrt, wo er in Besprechungen und auch in Versammlungen
unsere Freunde beraten und ausgerufen hat. Es ist bezeichnend, dass die
völkische Wochenschrift 'Eisenhammer', die in Pirmasens erscheint,
jede Woche in 20 000 Exemplaren verbreitet wird. Wer die Auslagenhöhe von
Provinzzeitungen kennt, wird zugeben, dass die Auflage dieses völkischen
Organs groß ist. Obwohl man sich darüber klar sein muss, dass viele Leser
des 'Eisenhammer' das Organ nur deshalb beziehen, weil es - ähnlich dem
'Stürmer' in Nürnberg - ein 'Enthüllungsblatt' bedenklichster Art ist, so
dürfen wir keinesfalls die Gefahren dieser neuen völkischen Welle
unterschätzen.
Unser Landesverband Pfalz und auch unser linksrheinischer
Landesverband sind mit allen geeigneten Mitteln auf der Wacht, dieser
völkischen Bewegung entgegenzutreten. Die Monatsausgabe der 'C.V.-Zeitung'
wird in besonders stattlicher Zahl in den gefährdeten Gebieten verbreitet,
zahlreiche Broschüren werden an alle Berufsstände versandt.
Aufklärungsversammlungen für Nicht-Juden finden statt; neue sind
geplant, und auch sonst geschieht, was erforderlich ist, soweit die Mittel
dafür ausreichen,
Wir halten es aber für unsere Pflicht, unsere Freunde in der Pfalz
und im Rheinland wie auch in allen anderen Gebieten des Reiches auf diese
Entwicklung hinzuweisen, damit auch sie zu ihrem Teil in jeder geeigneten
Weise an diesem Kampf teilnehmen." |
| |
Mitteilung
im "CV-Dienst" vom 20. August 1927: "'Der Eisenhammer'.
Die bisher in Pirmasens erscheinende völkische Zeitschrift 'Der Eisenhammer'
wird jetzt infolge einer Umgründung unter dem Namen: 'Der Werktag'
herausgegeben, der allerdings eine Beilage 'Der Eisenhammer'
enthält." |
Erste Morddrohungen in der
NS-Presse der NSDAP Pirmasens (1928)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. April 1928: "Der Galgen in der
Wahlpropaganda. Ein Leser übersendet uns einen Ausschnitt aus einer
Zeitung in Pirmasens, in der die Ortsgruppe Pirmasens der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zu einer Versammlung
einlädt. Die Überschrift dieser Einladung lautet: 'An den Galgen mit den
Volksverderbern', und diese nicht missverständliche Aufforderung wird dann
noch deutlicher spezialisiert durch Benennung der 'Feinde', denen sie gilt,
nämlich: 'Juden und Judengenossen, die weißen und die schwarzen
Juden', von denen es dann abermals heißt: 'An den Galgen mit den 'Feinden
des Volkes': Wenn Empfänger dieser Einladung sie als Aufforderung zu
Gewalttätigkeiten verstehen, werden die Verfasser das natürlich nicht
wahr haben wollen und für sich eine blutrünstige Ausdrucksweise in Anspruch
nehmen, die man bei Kommunisten bisher nicht straflos hingehen lässt. Man
hat es ja auch erlebt, dass Rathenau und Erzberger Opfer solcher
'Propagandasprache' geworden sind." |
Feier zum Volkstrauertag mit
Rabbiner Dr. Meyer (1928)
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. März 1928:
"Konfessioneller Friede am Volkstrauertage. Der Verlauf der
Gefallenen-Gedenkfeiern am vorletzten Sonntag hat bewiesen, dass in vielen
Gegenden des Reiches der konfessionelle Friede wieder von maßgebenden
Stellen als hohes Gut gehegt und gepflegt wird. Wir haben eine Fülle von
Zuschriften, Berichten und Zeitungsartikeln erhallen, die eine erfreuliche
Bestätigung dieser Wahrnehmung bieten, die im einzelnen hier wiederzugeben
allerdings zu weit führen würde. Bei der gemeinsamen Gedenkfeier auf dem
Hauptfriedhofe in Frankfurt am Main hielt im Namen aller Konfessionen
Rabbiner Dr. Salzberger von der dortigen Israelitischen Gemeinde die
Gedächtnisrede. Hier wie in den meisten später genannten Städten war die
Feier vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge veranstaltet. In
Elbing war dem dortigen Rabbiner Dr. Neufeld der ehrenvolle
Auftrag geworden, der Toten aller Konfessionen zu gedenken. Die
dortige Lokalpresse berichtet spaltenlang über den würdigen Verlauf der
paritätischen Feier. Mit besonderer Genugtuung erfüllt auch der uns
vorliegende Bericht aus Pirmasens, wo Bezirksrabbiner Dr. Eugen Meyer auf
der interkonfessionellen Feier neben den anderen Geistlichen zu Worte kam. —
In Andernach sprach bei der gemeinsamen
Feier der militärischen Vereine usw. Herr Windmüller für den Reichsbund
jüdischer Frontsoldaten. Von dem katholischen Friedhof aus zog die zu der
gemeinsamen Feier versammelte Trauergemeinde nach dem jüdischen Friedhofe,
wo ein kurzer Gedenkakt stattfand. Hier sprach im Namen des Reichsbunds
jüdischer Frontsoldaten Herr Dr. Veis und dankte den erschienenen
Vereinen für ihre Teilnahme. — In Wetzlar
kam vor einer großen Trauergemeinde neben den christlichen Geistlichkeit
Herr Prediger Katzenstein für die jüdische Gemeinde zu Worte: auch hier war
der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten vertreten. - Schließlich sei noch das
Städtchen Haigerloch erwähnt, wo Lehrer und Rabbinatsverweser
Spier die sozusagen interkonfessionelle Gedenkrede hielt, nachdem im
vorigen Jahre der katholische Geistliche die Gedenkrede gehalten hatte." |
In
Pirmasens besteht noch eine der letzten jüdischen Schulen der Pfalz (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am
1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier
Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet,
in Ludwigshafen zwei Klassen
(vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern,
Landau und Neustadt
an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen
wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal)
angewiesen, nach Kaiserslautern
Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau
Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau)
und nach Neustadt Schulamtsbewerber
Samson aus Landau. Sämtliche
Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt.
Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren
Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer,
Pirmasens und Rodalben." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1936:
"Jüdische Schulen und Schulklassen.
Frankfurt am Main, 6. Oktober (1936). Im bayerischen Regierungsbezirk
Pfalz wurde zum 1. September in vier Städten jüdische Sonderklassen an
allgemeinen Volksschulen errichtet, und zwar zwei Klassen in Ludwigshafen
und je eine in Kaiserslautern, in Landau und Neustadt.
Außerdem bestehen noch seit früher jüdische Schulen in Speyer,
Pirmasens und Rodalben..." |
Auch
die
jüdischen Kinder aus Rodalben besuchen die Schulen in Pirmasens (1938)
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. Mai 1938: "Rodalben.
Sämtliche Knaben und Mädchen unserer Kultusgemeinde gehen in Pirmasens
zur Schule, und zwar besuchten bis Ostern 6 Knaben und 4 Mädchen die
israelitische Volksschule, 2 Knaben die Oberrealschule daselbst. Ein
Mädchen hat jetzt ihre Schulzeit beendet, ein anderes Mädchen wurde in
das städtische Mädchenlyzeum zu Pirmasens aufgenommen. Auch
unsere Gemeindekinder nahmen an den Religionsprüfungen und an der
Schulschlussfeier in der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens
teil." |
Berichte
zu einzelnen Gemeindegliedern
Zum Tod von Julius Schohl II (1896)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1896: "Pirmasens, 27.
Cheschwan. Vor wenigen Tagen ist hier Herr Julius Schohl II. in der schönsten
Blüte seines Lebens nach langem, schweren Leiden gestorben. Sein
Leichenbegängnis, an dem sich auch der Veteranen- und Kriegerverein
beteiligte, zeigte recht deutlich, welch’ hohen Ansehens sich der
Verstorbene erfreute. Besonders ist ihm seine große Wohltätigkeit
nachzurufen, was auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Meyer –
Zweibrücken in
seiner Leichenrede besonders hervorgehoben hat." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 27. November 1896: "Pirmasens,
17. November. Unsere Gemeinde beklagt den Tod eines ihrer besten Männer.
Herr Julius Schohl II ist in der Blüte der Lebensjahre dahingegangen.
Die Beerdigung, welche am 21. dieses Monats unter Beteiligung des Musikkorps
vom Veteranen- und Kriegerverein stattfand, zeugte von der großen
Beliebtheit des Mannes in Stadt und Gemeinde. Herr Schohl II war ein
Wohltäter im wahren Sinne des Wortes. Er unterließ es nie, an Armen und
Bedürftigen ohne Unterschied des Glaubens echtes Gmilus Chesed (=
Wohltätigkeit) auszuüben. Herr Bezirksrabbiner Dr. Meyer -
Zweibrücken hielt trotz des
strömenden Regens unter sehr großer Beteiligung der Gemeinde am Grabe eine
meisterhafte Rede, in der er das Leben und Schaffen des Dahingeschiedenen
getreu schilderte. Möge dem teuren Manne die Erde leicht sein!"
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Zum Tod von Abraham Cahn (1897)
Anmerkung: ähnlich der Nachruf in "Der Gemeindebote" vom 20. August 1897 S. 2-3.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1897: "Pirmasens, 13. August.
Kaum sind die Trauerwochen vorüber, so beklagt unsere Gemeinde wieder den
Tod eines unserer frömmsten und würdigten Männer. Herr Abraham Cahn ist
im 76. Lebensjahr von seinem kurzen, aber schweren Krankenlager zu einem
besseren Dasein von Gott abberufen worden. Wer nur den Dahingeschiedenen
kannte, weiß, was er während seines Lebens geleistet hat. Herr Abraham
Cahn war ein braver und gelehrter Jehudi
in wahrem Sinne des Wortes. Ganz besonders ist sein Wohltätigkeitssinn
und seine Gerechtigkeitssinn zu erwähnen; trotz seines hohen Alters war
er stets der erste in der Synagoge. An der großen Teilnahme bei der
Beerdigung konnte man auch recht deutlich sehen, welcher Beliebtheit sich
der Verstorbene in der Stadt und Umgegend erfreut hat. Am Grabe sprach in
Abwesenheit unseres Bezirksrabbiners, Herr Bezirksrabbiner Dr. Einstein
– Landau
und hob die
Tugenden des Entschlafenen hervor. Der Dahingegangene ruhe in Frieden, die
Hinterbliebenen aber möge Gott trösten mit dem Trauenden um Zion und
Jerusalem." |
Zum Tod von Wilhelm Hirsch (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1897: "Pirmasens,
5. Elul (5657 = 2. September 1897). Erst vor ca. 3 Wochen wurde Ihnen
von dem Tode eines hiesigen frommen Mannes berichtet, und heute beklagt
wieder unsere Gemeinde das Ableben eines ihrer hochbetagten und würdigen
Männer. Herr Privatier Wilhelm Hirsch ist am 26. Ab (= 24. August
1897) im Alter von 86 Jahren sanft entschlafen. Besondere Verdienste
erwarb sich der Verstorbene in den früheren Jahren in hiesiger Gemeinde
durch Hebung der Religiosität; fast 25 Jahre lang war er erster Vorstand,
zuletzt 10 Jahre als Ausschuss-Mitglied und ist während seiner
Vorstandschaft die Synagoge gebaut und das Beit HaChajim (Friedhof)
angekauft worden. Unter allgemeiner und großer Teilnahme an der
Beisetzung sprach am Grabe in meisterhafter Ausführung unser ehrwürdiger
Herr Bezirksrabbiner Dr. Meyer -
Zweibrücken, er entwickelte in seiner Rede das Schaffen und Wirken des
Dahingeschiedenen. Emet (Wahrheit)" |
Bitte um Spenden für eine arme Braut (1900)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1900: "Brautausstattung.
Einem armen fleißigen und braven Mädchen, Braut (Tochter eines armen,
braven Kultusbeamten), die sich gut versorgen kann, fehlen noch einige
hundert Mark zur Aussteuer und Ergänzung der Mitgift, damit die Hochzeit
sein kann. Darum Ihr edelmütigen Schwester und Brüder in Israel, helfet,
denn groß ist der Lohn derer, die arme Bräute unterstützen. Der
Unterzeichnete, der milde Graben zur weiteren Beförderung mit Dank
entgegennimmt, der auch später in diesem Blatt quittieren wird, ist auch
bereit diskret den Namen der bedürftigen Braut zu nennen. Kantor Markus
Slodki, Pirmasens (Rheinpfalz)." |
Zum
Tod von Samuel Kahn I (1901)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 1. Februar 1901: "Pirmasens, 14. Januar (1901). Nach
kaum dreitägigem schweren Krankenlager verschied im 77. Lebensjahre am
letzten Montag Abend Herr Samuel Kahn I. Der Verstorbene, der in
hiesiger Stadt geboren und erzogen war und weit in der Umgegend der Stadt
eine gut bekannte Persönlichkeit war, war auch ca. 37 Jahre hiesiger
Synagogendiener, welches Amt er treu und gewissenhaft bis an seinen
Sterbetag versah. An der großen Beteiligung des Leichenzuges konnte man
wahrnehmen, welche Liebe und Achtung sich der Verstorbene weit und breit
erworben hatte, was auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken in
seiner Leichenrede hervorhob. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde ein
dauerndes sein." |
Zum Tod
von Sophie Bodenheimer geb. Kahn aus Rastatt (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1902: "Pirmasens,
2. Februar. Nach kurzem, aber schwerem Krankenlager starb im 62. Lebensjahre
die hier bei ihren Kindern auf Besuch und Erholung weilende Frau Sophie
Bodenheimer Wwe. geb. Kahn aus Rastatt.
Die Verstorbene war eine brave, biedere und fromme Frau, die in den letzten
Jahren von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht wurde.
Unter großer Beteiligung wurde die Leiche zum Bahnhof geleitet, von wo aus
sie nach Rastatt überführt wurde, um an
der Seite ihres Gatten gebettet zu werden. St." |
Die Frau von Ferdinand Schohl wird 1. Vorsitzende des (nichtjüdischen) "Vereins
zur Förderung der Fraueninteressen" (1902)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. März 1902: "Pirmasens. Vor
einigen Tagen wurde auf Veranlassung angesehener christlicher Damen hiesiger
Stadt eine Ortsgruppe des 'Vereins zur Förderung der Fraueninteressen'
hierselbst ins Leben gerufen, zu deren 1. Vorsitzende eine jüdische
Dame, Frau Ferdinand Schohl, einstimmig gewählt wurde, trotzdem
dieselbe unter dem Hinweis auf ihre Konfession in bescheidener Weise von
ihrer Wahl abzusehen gebeten hatte. Wir nehmen von diesem Vorkommnis umso
freudiger Notiz, als hierin nicht nur eine öffentliche Anerkennung des
bekannten Wohltätigkeitssinnes der Familie Schohl, sondern auch ein Beweis
erfreulicher Toleranz erblickt werden muss. Dass auch der Gemahl von Frau
Schohl, Herr Ferdinand Schohl, ein begeisterter Förderer gemeinnütziger
Veranstaltungen, so namentlich der städtischen Volksbibliothek, des
Theater-Vereins etc. hierselbst, ist, sei nur nebenbei hervorgehoben.
Jedenfalls rechtfertigt dieser Wohltätigkeitssinn, der sich nicht allein im
öffentlichen Leben für gemeinnützige Zwecke, sondern auch innerhalb unserer
Glaubensgenossenschaft in reichem Maße kundgibt, die Hochachtung und
dankbare Anerkennung." |
Zum Tod von Caroline Drechsler, Frau des Vorstehers
Jakob Drechsler (1902)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1902: "Pirmasens, 12 März
(1902). Nach kurzem Krankenlager starb in Alter von 66 Jahren Frau Caroline
Drechsler, die Frau unseres Vorstehers Jakob Drechsler. Dieselbe war 20
Jahre Vorsteherin unseres Frauenvereins, streng religiös und in allen
Kreisen hoch angesehen." |
| |
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. März 1902: "Pirmasens.
Wiederum hat der Tod eine schmerzliche Lücke in unsere Gemeinde gerissen. Am
vorgestrigen Tage, verschied nach kurzer Krankheit die Gattin unseres
langjährigen Synagogenvorstandes, Herrn Jakob Drexler, Frau Karoline
Drexler, geb. Frank. Viele Jahre Vorsitzende des jüdischen
Frauen-Vereins, war sie eine wackere Frau in des Wortes schönster
Bedeutung, eine treue Anhängerin unserer religiösen Satzungen; dabei
jederzeit hilfsbereit, wo es galt, Gemilut Chesed (= Wohltätigkeit)
üben. Eine große Anzahl Leidtragender und Freunde geleiteten die
Heimgegangene zum stillen Friedhofe, woselbst der Schwiegersohn der
Verstorbenen, Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer aus
Zweibrücken, in einer tief
durchdachten, ergreifenden Grabrede die edlen Tugenden der nun in Gott
ruhenden edlen Frau der Trauerversammlung nochmals vor Augen führte."
|
| Ein weiterer Artikel zum Tod von Caroline
erschien in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 21. März 1902 S. 4.
|
Zum Tod von Abraham Schmohl (1902)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. März 1902: "Pirmasens. Am
letzten des vorigen Monats - 21. Adar - verschied hierselbst im hohen
Alter von 84 Jahren der Senior unserer Kultusgemeinde und einer der
ältesten Bürger unserer Stadt, der ehrwürdige und in hohem Ansehen stehende
Herr Abraham Schohl. Unter der treubesorgten und liebevollen Pflege
seiner Familien Angehörigen war dem nun Verstorbenen, der jederzeit ein
treuer Anhänger unserer Religionssatzungen gewesen, ein schöner und
angenehmer Lebensabend beschieden. Die Beerdigung, zu der außer den
zahlreichen Familien-Angehörigen, noch eine große Menge jüdischer und
christlicher Bürger der Stadt herbeigeeilt war, legte beredtes Zeugnis ab
von der Liebe und Verehrung, die dem Dahingeschiedenen in reichem Maße
entgegengebracht wurden." |
Zum
Tod von Julius Schohl I aus Pirmasens (gest. in Badenweiler (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902:
"Pirmasens, 10. Elul. Herr Julius Schohl I. hier ist im 48.
Lebensjahre von seinem schweren und langen Leiden, in Badenweiler, wo er
Heilung seines Leidens suchte, zum besseren Jenseits von Gott abgerufen
worden. Das heutige große Leichenbegängnis unter Voranschreiten eines
Musikkorps- und Kriegervereins (der Verstorbene war Reserveleutnant),
konnte einem Juden sagen, wer der Verblichene war und was er während
seines Lebens geleistet hat. Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) übte
er stets im Geheimen aus, sodass kein Zweiter davon wusste. In Stadt und
Umgegend sehr beliebt, war er auch hauptsächlich ein treuer Gatte und
Vater seiner Familie, was Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken am
Grabe hervorhob. Kantor Slodki." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 26. September 1902: "In Badenweiler
ist Herr Julius Schohl I. aus Pirmasens im 48. Lebensjahre
gestorben. Der Verstorbene war Reserveleutnant, und an dem Begräbnis
beteiligten sich das Offizierskorps, der Veteranen- und Kriegerverein.
Bezirksrabbiner Dr. Mayer - Zweibrücken
hielt die Grabrede." |
Über Moritz
Kahn, den Meisterschützen in Pirmasens (1906)
Artikel
in der "Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1906: "Ein jüdischer
Meisterschütze.
Trinkbecher und Pokale als Embleme eines jüdischen Kaufmanns? In unserer
immer trinkfeindlicher werdenden Zeit und bei der vielgerühmten
Enthaltsamkeit der Juden? Dazu eine Büchse mit gespanntem Hahn? Sind denn
Mordwaffen ein Handwerkszeug für biedere Bürger geworden, die dazu noch so
friedlich ihrem Gewerbe nachzugehen pflegen wie jüdische Kaufleute? Die
Schießscheibe belehrt uns schon, dass nicht gar so schlimme Absichten dem
ernst und doch unternehmungslustig dreinschauenden Mann beseelen können.
Seine sehnige Gestalt weist auch nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem
in der Trinkstube heimischen Gesellen auf. Wenn wir näher hinblicken,
bedeutet uns vollends der Schmuck, der die Männerbrust ziert, dass wir den
Jünger eines harmlosen, wenn auch nicht bedeutungslosen Sports vor uns
sehen, und unsere Freunde aus der Pfalz erkennen freudig einen alten, lieben
Bekannten wieder: den Kaufmann Moritz Kahn in Pirmasens, im ganzen
Lande viel genannt und hoch geehrt als der beste Pfälzer Schütze.
Es mag wohl an der Durchschlagkraft der modernen Schusswaffen liegen, dass
Moritz Kahn das Heimatland viel zu klein geworden ist, um seine Kunst zu
beweisen. Weit über die Grenzen der Pfalz hinaus ist sein Ruf als Schütze
gedrungen, und wo es ein großes Schützenfest gibt, da darf er nicht fehlen.
Ja, gerade die bedeutenden Veranstaltungen, die alle guten Schützen des
Reiches auf den Plan rufen, sehen ihn auf dem Festplatz, und wenn keine
Büchse mehr knallt und es an die Feststellung der Resultate geht, dann darf
Moritz Kahn an erster Stelle unter den Kameraden stehen: die größte Zahl der
Ringe hat er geschossen. Der Titel 'Meister' wird ihm neidlos und freudig
zuerkannt, und zumal seine engeren Landsleute sind stolz auf den schlichten
und liebenswürdigen Gefährten, dessen Büchse sich immer wieder aufs 'Treff'-lichste
bewährt.
Wenn Moritz Kahn auf dem Schießstand steht, dann zuckt kein Nerv in seinem
Antlitz. Er besitzt die seltene Kunst, nicht nur das scharfe Auge zielsicher
auf das Zentrum zu richten, sondern auch förmlich sein ganzes Wesen
vollständig auf den einen Punkt zu konzentrieren, den er erreichen will. Wo
er auch erscheint, trifft er ins Schwarze. Zumal auf dem 15. Deutschen
Bundesschießen, das in diesem Jahre alle Stämme in der bayerischen
Hauptstadt zusammenführte, bewährte sich sein Können, von dem die
Feldfestscheibe 'München' und zahlreiche andere Scheiben zeugen; unter 5500
Schützen, die hier zusammenkamen, um sich zu messen, errang Kahn die 12.
Stelle. Ebenso zählte er bei dem Jubiläumsfestschießen, das anlässlich der
Jubiläen des badischen Großherzogpaares vor Kurzem in Karlsruhe abgehalten
wurde, zu den hervorragendsten Schützen. So ist denn auch die Zahl der
Preise, die ihm zugefallen find, Legion und auf großen und kleinen Schießen
erringt er sich Pokale, goldene Uhren, Gemälde und zahllose andere
Ehrengaben; daneben muss er auch reiche Bargeld-Preise sich gewähren lassen,
die nun einmal für die besten Schützen ausgesetzt sind.
Dass es eine Jude ist, der so hohe Geltung und Anerkennung findet,
darf uns nicht Wunder nehmen; denn wo die Juden überhaupt Gelegenheit haben,
auf dem Gebiete des ritterlichen Sports, in Körperzucht und den
Leibesübungen sich reger zu betätigen, da beweisen sie ihre
Geschicklichkeit. — Wer mit ihnen zusammen im Schwimmbassin oder am
Schießstand 'arbeitet', der kennt ihre Selbstzucht, die zu Erfolgen führt." |
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Erinnerung
an den Meisterschützen Moritz Kahn in "CV-Zeitung" vom 8. Juli 1927: "Ein
pfälzischer Meisterschütze. Die jüngste Nummer der pfälzischen Verkehrs-
und Touristenzeitung 'Die Pfalz am Rhein' (2. Juni-Heft 1927) bringt eine
Abbildung und sehr ehrende Mitteilungen über den pfälzischen Meisterschützen
Moritz Kahn in Pirmasens, einem treuen Mitgliede unseres C.V. Kahn
hat beim letzten großen Deutschen Bundesschießen in München 1906, bei den
großen Preisschießen in Hamburg, Frankfurt, Karlsruhe usw. vorzügliche
Schießerfolge gehabt. Neben vielen wertvollen Preisen ist er Inhaber der
Meisterschaftsmedaille." |
Max Dreyfus: deutscher Meister, Europameister und
Weltmeister im Boxen (Mittelgewicht) - Artikel von 1913, 1921 und 1927
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. August 1913: "Pirmasens,
8. August. Der bekannte deutsche Sportsmann Herr Max Dreyfus, angehörend
dem 1. Athletenklub Pirmasens, wurde dieses Jahr von oben genanntem Verein
zur Hundertjahrfeier zu den Weltmeisterschaftskämpfen nach Breslau
entstand und erhielt bei diesen Austragungen die siebente
Weltmeisterschaft im Mittelgewicht; so auch erhielt derselbe im Jahre 1912
die fünfte Europameisterschaft und im Jahre 1911 die vierte deutsche
Meisterschaft von Deutschland. Dreyfus wurde auch bei diesen Erfolgen mit
dem Pirmasenser Stadtorchester sowie unter Beteiligung mehrere Vereine vom
Bahnhof abgeholt. Zu bemerken sei noch, dass Dreyfus dieses Jahr erst zum
Militär gezogen und mithin kaum 20 Jahre alt ist." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1921: "Pirmasens. Die
3. Europameisterschaft im Ringen und die 6. im Gewichtheben
(Schwermittelgewicht) errang sich beim großen internationalen Wettstreit um
die Europameisterschaften in Offenbach am Main Max Dreifus von hier."
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Artikel
in der Zeitschrift "Aus alter und neuer Zeit" vom 10. November 1927: "SPORT.
Während man viele jüdische Leichtathleten und Boxer kennt, haben die
wenigsten Leute von der Existenz jüdischer Schwerathleten eine Ahnung. Dabei
gibt es allein in Deutschland eine ganze Reihe jüdischer Kraftsportler. Wir
nennen aus der Zeit vor dem Kriege den Vorsitzenden des I. Kreises
(Rheinland), Leopold Coßmann (Bonn), den Vorsitzenden des II. Kreises
(Mittelrhein-Hessen), Julius Joseph (Darmstadt),
den allzu früh an einer Kriegsverletzung dahingeschiedenen Max Dreyfus
(Pirmasens), sowie die heute noch in der Deutschen Meistermannschaft
aktiven Brüder Julius und Hermann Baruch (Kreuznach).
Der Senior des Kraftsports ist der 60jährige Simon Friedemann (Rodheim
a.d.H.), Inhaber vieler Meisterschaften und Deutscher Meister 1926 der
Ältestenklasse (s. Bild).
Aus der Nachkriegszeit sind zu nennen: Felix Marx (Kreuznach)
und H. Schimanski (Iserlohn), deren Bilder wir schon früher gebracht haben,
sowie der 23-jährige Walter Cohn, Sieger bei den Deutschen Meisterschaften
in Köln (1926) und in Nürnberg (1927),
und der 21jährige Ringer Erich Cohn (beide Hagen i. W ).
Der junge Hamburger Boxklub 'Maccabi' arrangierte am 24. dieses Monats
seinen zweiten öffentlichen Kampfabend. Von 8 Kämpfen endeten 4
unentschieden bzw. mit dem Siege 'Maccabis', während die übrigen 4 knapp
nach Punkten verloren wurden."
Von den Fotos u.a.: Simon Friedemann -
Rodheim v. d. H." |
Kriegsauszeichnungen für Dr. Hermann Drexler und Moritz Kahn (1915)
Mitteilung
in "Dr. Blochs österreichischer Wochenschrift" vom 9. April 1915: "Pirmasens.
Dr. Hermann Drexler, Sohn des Ledergrossisten Herrn Julius Drexler
hierselbst, erhielt den bayerischen Sanitäts-Verdienstorden zweiter Klasse,
nachdem ihn früher schon das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen worden
ist. Sanitätsunteroffizier Max Kahn, Sohn des Eisenhändlers Herrn
Moritz Kahn, hierselbst, erhielt das bayerische Militärverdienstkreuz
dritter Klasse mit Krone und Schwertern." |
Kriegsauszeichnung für den jüdischen Leutnant Ludwig Levy (1918)
Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13.
September 1918: "Pirmasens. Rechtspraktikant Leutnant Ludwig Levy
erhielt nunmehr auch das Eiserne Kreuz I. Klasse." |
Drei Jugendliche werden wegen Hakenkreuzschmierereien verurteilt (1923)
Mitteilung
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins) vom 18. Oktober 1923:
"Das Schöffengericht Pirmasens verurteilte mehrere junge Leute, die
jüdische Häuser mit Hakenkreuzen verunziert haben, zu vierzehn Tagen
Gefängnis." |
Zum Tod von Fabrikant Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde
(1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19.
September 1927: "Pirmasens. Am 31. Juli 1927 starb zu
Heidelberg, wo er von schwerem Leiden Genesung suchte, Herr Fabrikant
Moritz Neu, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens, im 62.
Lebensjahr. Der leider allzu früh Dahingegangene, der schon seit Jahren
als Mitglied der Gemeindeverwaltung Pirmasens den Verbandsarbeiten seine
Aufmerksamkeit schenkte, gehörte seit 1923 dem Vorstand des Verbandes der
Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz und seit 1926 der Tagung des
Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden als Mitglied an. Von warmer
Liebe zum Judentum erfüllt, brachte er der Verbandsarbeit das regeste
Interesse entgegen. Trotz seiner leidenden Zustandes versäumte er keine
Verbandssitzung und seine von tiefer Sachkunde getragenen Ausführungen
fanden stets ein williges Ohr. Umso schmerzlicher wird die Lücke
empfunden, die sein Tod in unsere Reihen gerissen hat. Herr Ludwig Strauß
aus Bad Dürkheim, der beide
Verbände bei der Beerdigung vertrat, brachte in seiner Rede zum
ergreifenden Ausdruck, was wir alle empfinden: Dass wir an dem
Verstorbenen einen aufrechten Menschen und einen lieben Freund verloren
haben, den wir nicht vergessen werden." |
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Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 16. September
1927: "Moritz Neu (Pirmasens) gestorben. Der Landesverband Pfalz hat
einen schweren Verlust zu beklagen. Moritz Neu (Pirmasens) ist nach längerem
schweren Leiden am 31. August verstorben. Er war Gründer und langjähriger
Vorsitzender unserer Ortsgruppe Pirmasens und gehörte seit vielen
Jahren dem Vorstande des Landesverbandes Pfalz an. Von unseren Ideen tief
durchdrungen, hat er in unermüdlicher Treue bis zu seinem Tode für uns
gearbeitet. Die Trauerfeierlichkeit legte von der hohen Wertschätzung
Zeugnis ab, deren sich der Entschlafene in allen Kreisen erfreute. Die
Kultusgemeinde, deren Vorstand er war, die Angestellten und Arbeiter seiner
Firma, eine Reihe wirtschaftlicher Verbände, verschiedene Logen, der Verband
israelitischer Kultusgemeinden der Pfalz, das israelitische Altersheim, der
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der jüdische Jugendbund feierten die
Tugenden des Verewigten. Für den Centralverein sprach Dr. Kehr (Kaiserslautern)
warmempfundene Worte des Dankes und des Abschieds für den Mitarbeiter und
Freund. Sein Andenken wird bei uns geehrt sein." |
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Nachfolger von Moritz Neu als Mitglied des bayrischen Landesverbandes wird
Rechtsanwalt Eugen Eigner (Pirmasens) (1927)
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Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. Oktober 1927: "München. An
Stelle des verstorbenen Fabrikanten Moritz Neu in Pirmasens wurde der
Ersatzmann Rechtsanwalt Eugen Eigner in Pirmasens als Mitglied der
Tagung des bayrischen Landesverbandes berufen." |
Zum Tod von Kaufmann Hans Kuhn, Offizier des Ersten
Weltkrieges (1935)
Artikel in
der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1935:
"Pirmasens.
Im Alter von 42 Jahren verschied hierselbst plötzlich an den Folgen einer
Blutvergiftung das allgemein geschätzte Gemeindemitglied Herr Kaufmann
Hans Kuhn. Im Weltkriege zum Offizier befördert, hatte er von den ersten
Mobilmachungstagen an bis zu seiner im Jahre 1917 erfolgten schweren
Verwundung in der vorderste Front gestanden und sich durch sein tapferes
Verhalten die höchsten Auszeichnungen erworben. Bis 1919 befand er sich
in englischer Gefangenschaft. In unserer Gemeinde hat Herr Kuhn sich dank
seiner Fähigkeiten und Neigungen sowohl in der Jugendbewegung als auch im
kulturellen Leben hervorragend bewährt. Er gehörte dem Bildungsausschuss
der Gemeinde an und hatte die geistige Führung im Allgemeinen Jüdischen
Jugend- und Sportverein Pirmasens inne. Seit Oktober 1934 stand er auch
als Leiter der Geschäftsstelle in Diensten der Gemeinde. An seiner Bahre
sprach Bezirksrabbiner Dr. Nellhaus dem letzten Willen des Verstorbenen
gemäß ein Gebet, in welchem er die Empfindungen des Schmerzes und der
Dankbarkeit gebührend ausdrückte." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 2. Januar 1935: "Pirmasens. Im
Alter von 42 Jahren verschied Hans Kuhn plötzlich an den Folgen einer
Blutvergiftung. Er gehörte dem Bildungsausschuss der Gemeinde an und hatte
die geistige Führung im Allgemeinen Jüdischen Jugend- und Sportverein inne.
Seit einigen Monaten stand er auch als Leiter der Geschäftsstelle in
Diensten der Gemeinde." |
Erinnerung an die Deportation in das
südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober
1940: Grabstein für Emil Scheuer in Gurs
Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs
für
Emil Scheuer,
geb. am 22. Juni 1881 in Bad
Kreuznach, später wohnhaft in Pirmasens und Mannheim,
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er am 10. Februar 1942
umgekommen ist. |
Kurze Mitteilungen zu
einzelnen Gemeindegliedern
- 1891: Verlobung von Fräulein Simon (Grünstadt)
mit Leon Hené (Pirmasens) (in: "Rechenschaftsbericht der Achawah -
Verein zur Unterstützung hilfsbedürftoger israelitischer Lehrer..." für das
Jahr 1892 (1893) S. 8)
- 1911: Verlobung von Elsa Beiersdorf (Pirmasens) mit Abraham
Mayer (Worms) (in "Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue
jüdische Presse" vom 17. März 1911 S. 6.)
- 1911: Austritt aus der Studentenverbindung "Bavaria": stud.iur.
Benno Dreifuß aus Pirmasens ist aus der Verbindung Bavaria ausgeschieden
(in: "KC-Blätter" vom 1. April 1911 S. 111).
- 1920: stud.iur. et rer.pol. Willi Hahn aus Pirmasens ist
aktiv in der studentischen Verbindung Licaria in München (in:
"KC-Blätter" vom November 1920 S. 140). Anmerkung: die Studentenverbindung
Licaria München wurde 1895 als freie jüdische Studentenverbindung gestiftet.
Die Ausrichtung erfolgte nach dem Vorbild der Prinzipien und Tendenz der
jüdischen schlagenden Korporationen Viadrina Breslau, Badenia Heidelberg und
Sprevia Berlin, mit denen sich Licaria 1896 zum Kartell-Convent der
Tendenz-Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens (KC)
zusammenschloss.
- 1921: stud. rer. pol. Max Moch aus Pirmasens wurde in der
studentischen Verbindung V.J.St.Jordania in München aufgenommen (in: "Der
jüdische Student" März 1921 S. 76). Anmerkung: die "Jordania"
war eine 1905 gegründete zionistische jüdische Studentenverbindung in
München.
- 1926: Tod von Dorothea Meyer geb. Hirsch (Pirmasens) im Alter
von 73 Jahren (in "Israelitisches Familienblatt" vom 11. November 1926)
- 1926: Verlobung von Paula Hellsinger (Pirmasens, Hauptstraße
9) mit Isi Pineles (Ludwigshafen am Rhein, Wredestraße 19) (in
"Israelitisches Familienblatt" vom 23. Dezember 1926).
- 1927: Hochzeit von Isi Pineles (Ludwigshafen, Schillerstraße 17) mit
Paula Hellsinger (Pirmasens, Hauptstraße 9) in der Klaus-Synagoge
Mannheim H 7,6 am 20. Mai 1927 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom
19. Mai 1927).
- 1927: Tod von Julius Igersheimer (Pirmasens) (in: "Frankfurter
Israelitisches Familienblatt" vom Juni 1927 S. 21)
- 1927: Hochzeit in Pirmasens von M. Jena mit Clotilde Jena
geb. Weil (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 21. Juli 1927)
- 1927: Verlobung von Hella Hellsinger (Pirmasens) mit David
Birnbach (Frankfurt am Main, Ostendstraße 29) (in "Israelitisches
Familienblatt" vom 24. November 1927)
- 1928: 70. Geburtstag von Jakob Raumer in Pirmasens am 17.
März 1928 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 15. März 1928)
- 1928: Trauung von David Birnbach (Frankfurt am Main, Ostendstraße
29) mit Hela Hellsinger (Pirmasens) (in: "Frankfurter
Israelitisches Familienblatt" vom Mai 1928 S. 291)
- 1928: Geburt eines Sohnes von Moses Jena und Clotilde geb. Weil
(Restaurant Mayer, Pirmasens) (In: "Israelitisches Familienblatt" vom
16. Mai 1928)
- 1932: 60. Geburtstag von Rosa Kusel in Pirmasens,
Häfnersgasse 12 am 22. Februar 1932; vgl.
https://www.pirmasens.de/leben-in-ps/kultur/gedenkprojekt/dezentrale-gedenkorte/alte-haefnersgasse-12/
sowie
https://gedenkbuch.neu-isenburg.de/namen/kusel-kussel-rosa-ilse und
https://www.uni-koblenz.de/de/transfer/aktuelles/weitergedenken/denkmaeler-gedenkstaetten/gedenktafeln-der-familie-kusel-in-pirmasens
- 1932: am 8. Juli 1932 70. Geburtstag von Julie Rauner in
Pirmasens (in: 'Israelitisches Familienblatt" vom 7. Juli 1932 S. 5). |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige
von Ferdinand Schohl - Haushaltshilfe gesucht (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1890: "Eine kinderlose Familie
sucht zu sofortigem Eintritt ein Mädchen mit guten Zeugnissen, das perfekt
kochen kann und sich allen häuslichen Arbeiten willig unterzieht. Hoher Lohn
und dauernde Stellung zugesichert.
Ferdinand Schohl, Pirmasens." |
Anzeige von Metzgermeister
J. Meyer (1893)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1893: "Ein kräftiger Junge
kann unentgeltlich die Metzgerei und Wurstlerei erlernen.
J. Meyer, Metzger,
Pirmasens (Pfalz), Hauptstraße." |
Anzeige von Frau H. Seligmann - Suche nach einer Familien- und Haushaltshilfe
(1895)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1895: "Ein Fräulein
(mosaisch)
das mit Kindern umzugehen versteht und Handarbeiten ausführen kann, findet
per sofort Stelle.
Demselben wäre Gelegenheit geboten alle Haushaltungsarbeiten (Kochen etc.)
zu erlernen.
Gefällige Offerten nebst Beifügung von Photographie u. Gehaltsansprüchen an
Frau H. Seligmann. Pirmasens (Rheinpfalz), 8 Schützenstr. 8." |
Anzeige von Carl Dreifuß (1896)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1896: "Ein Fräulein
für kleine Comptoirarbeiten zum sofortigen Eintritt gesucht: bevorzugt
werden solche, weiche die Schulaufgaben eines Knaben von 8 Jahren
beaufsichtigen können. Freie Station. Familienanschluss. Offerten tunlichst
mit Photographie, beliebe man zu richten an
Carl Dreifuß,
Pirmasens." |
Anzeige des Restaurants Meyer
(1896)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1896: "Zur
Stütze der Hausfrau, wird für ein jüdisches Restaurant eine in
der Küche und Haushalt erfahrene Person gesucht. Offerten an
Restaurant Meyer, Pirmasens (Pfalz.)" |
Anzeige von
Salomon Hirsch - Haushaltshilfe gesucht (1896)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1896: "Gesucht
zur Führung des Haushaltes einer kleinen Familie ohne Kinder eine
ältere Person; dieselbe muss, da die Frau nicht ganz gesund ist, einen
jüdischen Haushalt selbstständig führen können.
Offerten an Salomon Hirsch, Pirmasens (Pfalz)." |
Anzeige -
Lehrlingssuche - von Bäckermeister F. Simon (1896)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1896: "Ein junger Mann
achtbarer Eltern, welcher Lust hat, die Bäckerei und Konditorei
gründlich zu erlernen, wird sofort gesucht.
Wiener Feinbäckerei u. Konditorei
F. Simon, Pirmasens (Pfalz.)" |
Anzeige von Alphonse und Abraham
Wolff (1896)
Anmerkung: eine ähnliche Anzeige erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
15. Februar 1899, hier mit der Adresse von Alphonse Wolff: Landauer Straße Nr.
22.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1896: "Ein tüchtiges
Mädchen, das kochen kann, wird gesucht von
Alphonse Wolff, Pirmasens (Pfalz)." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1900: "Suche per
sofort ein tüchtiges
Mädchen, das alle Hausarbeiten verrichten kann.
Frau Abraham Wolff,
Pirmasens, Pfalz, Landauerstraße 22". |
Anzeigen der
Fa. Gebr. Simon (ab 1. März 1900 in Pirmasens)
Anmerkung: Gebr. Simon hatten in Andernach ein Manufaktur- und
Konfektionsgeschäft; sie eröffneten in Pirmasens wohl eine Filiale, da sie in
Andernach auch weiterhin inserieren (siehe Seite
zu Andernach).
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1900: "Haushälterin-Gesuch!
Zur Führung eines größeren Haushalts, suchen wir per Februar oder
März, ein selbstständiges, tüchtiges Fräulein bei hohem Gehalt. Offerten mit
Gehaltsangabe erbitten
Gebr. Simon, Andernach a. Rhein,
ab 1. März in Pirmasens." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1900: "Wir suchen für
unser Manufaktur- und Konfektionsgeschäft einen
Lehrling oder ein Lehrmädchen
von achtbaren Eltern. Eintritt müsste bald erfolgen. Station im Hause.
Gebr. Simon, Pirmasens." |
Verlobungsanzeige von Helene Edinger (Hamburg) und Jacob Schwarz (Pirmasens)
(1900)
Anmerkung: Jacob (Jakob, Jambo) Schwarz ist am 22. Dezember 1872 in Pirmasens
geboren, lebte später in Frankfurt am Main und in
Schweppenhausen. Er wurde am 15.
Dezember 1942 ab Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 9.
Februar 1943 umgekommen ist. Helene geb. Edinger ist am 12. Dezember 1877 in
Hamburg geboren und war auch später in Hamburg wohnhaft. Sie wurde ab Hamburg am
6. Dezember 1941 nach Riga deportiert und ermordet.
Jakob Schwarz und Helene geb. Edinger heirateten am 13. Dezember 1900 und waren
Mitinhaber des Hamburger Schuhgeschäftes "Edinger & Schwarz", Inhaber Siegfried
Edinger - Bruder von Helene - und Jakob Schwarz. Jakob und Helene hatten eine
Tochter Senta (geb. 14. September 1901) und einen Sohn Max (geb. 20. Dezember
1902). Die Ehe zwischen Jakob und Helene Schwarz wurde 1912 geschieden. Sie
lebten danach an verschiedenen Orten. Helene führte das Schuhgeschäft alleine
weiter.
Weitere ausführliche Biographie - Schwerpunkt Hamburg - siehe:
https://www.stolpersteine-hamburg.de/?&MAIN_ID=7&r_name=Schwarz&r_strasse=&r_bezirk=&r_stteil=&r_sort=Nachname_AUF&recherche=recherche&submitter=suchen&BIO_ID=4708
Wie auch Informationen zu Familie Schwarz - Schwerpunkt Pfalz -
https://www.christen-und-juden.de/html/PS_schwarz.htm und
https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-34809
Anzeige der Schuhbesatzfabrik J. Wolfsheimer (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1903: "Branchekenntnis
nicht erforderlich.
Suche sofort bei freier Station für meine Schuhbesatzfabrik ein Fräulein
als Aufseherin. Dieselbe muss die Arbeiten in Empfang nehmen. Nur
Damen, welche die Buchführung verstehen, wollen Offerten nebst
Photographie einreichen.
J. Wolfsheimer, Pirmasens." |
Haushaltshilfe und Kinderbetreuerin gesucht (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1904:
"Gesucht zum 15. April ein besseres, älteres
Mädchen
zu zwei
Kindern, im Alter von 2 und 4 Jahren. Dasselbe muss waschen, bügeln und
nähen können. Gute Behandlung und hoher Lohn zugesichert.
Frau David Weill, Pirmasens (Pfalz)." |
Anzeige von
Adolf Roos (1905)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai
1905: "Mädchen, gesetzten Alters, sofort als
Pflegerin
zu einer alleinstehenden, älteren Dame gesucht. Offerten an
Adolf Roos, Pirmasens". |
Anzeige
von Ferdinand Stern (1920)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Mai 1920: "Reell und billig!
Lassen Sie sich mal eine Probe meiner
Ia Waschseife
kommen, Sie bestellen nach!
Ferdinand Stern Pirmasens, Pfalz." |
Verlobungsanzeige von Evy Adler und Dr. Leo Friedländer (1921)
(vgl. unten Anzeige von Rechtsanwalt Dr. Leo Friedländer von 1926)
Anzeige
in den "KC-Blättern" von 1921 Heft 10-12 S. 169:
"Evy Adler - Dr. Leo Friedländer (Licaria)
Referendar
Verlobte
Haßfurt am Main - Pirmasens, Pfalz
Oktober 1921." |
Anzeige der Frau von Alfred Weil (1921)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1921: "Kriegerwitwe
wird zu allein stehender Frau mit 5jährigem Knaben sofort nach Frankfurt am
Main gesucht.
Frau Alfred Weil Pirmasens." |
Anzeige der
Damenschneiderin Rahel Kollender (1921)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember 1921: "Damenschneiderin
sucht tüchtige Mitarbeiterin als Teilhaberin
zwecks Eröffnung eines Ateliers in Frankfurt am Main.
Schabbos und Jomtof geschlossen.
Angebote erbeten an Frl. Rahel Kollender
Pirmasens (Pfalz) Hauptstraße 38." |
Verlobungsanzeige von Erna Großmann und Alfred Weitzner (1921)
Anmerkung: Skole (ukrainisch Сколе), der Herkunftsort von Erna Großmann, ist
heute eine Stadt in der Westukraine (Oblast Lwiw) in den Karpaten. Historisch
war sie Teil des Kronlandes Galizien und Lodomerien in der Habsburgermonarchie,
wo sie als Sitz einer Bezirkshauptmannschaft fungierte. Bekannt ist Skole auch
als Geburtsort des Kunsthändlers Jsrael Ber Neumann und verzeichnet jüdisches
Kulturerbe. Vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Skole
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember 1921: "Statt jeder
besonderen Anzeige!
Erna Großmann - Alfred Weitzner
Verlobte
Skole (Galizien) - Pirmasens (Pfalz)". |
Verlobungsanzeige von Meta Seligmann und Adolf Fuchs (1922)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. März 1922:
"Statt Karten
Meta Seligmann - Adolf Fuchs
Verlobte
Pirmasens, März 1922." |
Hochzeitsanzeige
von Siegfried Maier und Siddy geb. Baer (1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 10. April 1924:
"Siegfried Maier - Siddy Maier geb. Baer.
Vermählte. Heilbronn - Pirmasens.
Trauung: Sonntag, 13. April, Baden-Baden, Hotel Central'." |
Anzeigen von Fischel Markdorf (1925 / 1926)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925:
"Lehrstelle.
Suche für meinen Sohn, 16-jährig, welcher die 6. Klasse der Realschule
besucht, angenehme Lehrstelle als Uhrmacher oder Goldarbeiter.
Selbiger ist sehr geweckt und intelligent und stammt aus gutem Hause.
Bedingung ist freie Station mit Familien-Anschluss und Schabbat und
Feiertage frei. Gefällige Anfragen wolle man richten an
Fischel Markdorf,
Uhrmacher, Pirmasens, Pfalz, Pfarrgasse
2." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 15. April 1926:
"Suche für meinen Sohn, der 6 Klassen der Realschule besucht hat,
eine
Lehrstelle als Bäcker und Konditor, eventuell Polsterer und Tapezier.
Mein Sohn ist 16 Jahre alt, von kräftiger Statur und von guter Erziehung.
Erwartet ist Schabbat und Jomtof (Feiertag) frei, ebenso Verpflegung und
Familienanschluss. Geneigte Zuschriften erbeten an Fischel Markdorf,
Uhrmacher in Pirmasens, Pfarrgasse 2." |
Anzeige von
Rechtsanwalt Dr. Leo Friedländer (1926)
Anmerkung; KC = Kartell-Convent der Verbindungen Deutscher Studenten
Jüdischen Glaubens. Dr. Leo Friedländer war - nach Mitteilung in den
"KC-Mitteilungen" vom 15. Dezember 1926 S. 101f - 2. Vorsitzender im Vorstand
des Landesverbandes Pfälzischer K.C.er (Sitz in Kaiserslautern).
Anzeige
in den "KC-Mitteilungen" vom 20. Oktober 1926: "Ab 15. Oktober 1926 übe ich
meine Praxis in
Pirmasens, Bahnhofstraße 33 aus.
Meine Societät mit Herrn Rechtsanwalt Eugen Eigner ist aufgelöst.
Dr. Leo Friedländer (Lic.) Rechtsanwalt." |
Anzeigen des
Schuhengros-Geschäftes Leopold
Dreifuß (1920 / 1927)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Oktober 1920: "Buchhalterin
perfekt in Korrespondenz zum sofortigen Eintritt in ein Schuh en gros-Haus,
das am Schabbos geschlossen ist, gesucht (Eventuelle Kost im Hause).
Leopold Dreifuß Pirmasens." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1927: "Tüchtige
Korrespondentin gesucht
Es kommen nur solche junge Damen in Frage, welche perfekt stenographieren
und Maschinenschreiben können und nachweisbar mit Erfolg bereits tätig
waren. Das Geschäft bleibt Sonnabend und an Feiertagen geschlossen.
Bewerberinnen wollen ausführliche Offerte mit Zeugnisabschriften und
Referenzangaben an
Fa. Leopold Dreifuß, Pirmasens, richten." |
Anzeige von Ludwig Mathes im
Restaurant Mayer (1927)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1927: "Alleinkoch
28 Jahre alt, in der rituellen Küche durchaus bewandert (war 7 Jahre in
einer solchen Stellung tätig), sucht sich zu verändern, Anfrage erbeten an
Ludwig Mathes Restaurant Mayer
Pirmasens Bahnhofstraße 14." |
Anzeige der Frau von Hugo
Friedländer (1927)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. August 1927: "Mädchen oder
Stütze
für einen nicht rituellen Haushalt bei gutem Lohn in angenehme Dauerstellung
sofort oder später gesucht. F
rau Hugo Friedländer, Pirmasens, Pfalz, Hauptstraße 15a". |
| |
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. März 1928: "Köchin oder
Stütze
die perfekt kochen kann, für einen nicht rituellen Hausstand gesucht.
Stellung angenehm und dauernd. Offerten mit Zeugnisabschriften, Bild und
Gehaltsansprüchen an
Frau Hugo Friedländer Pirmasens, Hauptstraße 15." |
Geburtsanzeige von Ruth Juda,
Tochter von Simon und Emma Juda (1927)
Verlobungsanzeige von Erna Neu (Pirmasens) und Dr. Adolf Abraham (1927)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 13. Januar 1928:
"Statt Karten!
Erna Neu Dr. med. Adolf Abraham
Verlobte
Pirmasens Landauer Straße 46 - Köln
Hohenzollernring 21." |
Verlobungsanzeige
von Steffy Baer und Walter Schestowitz (1928)
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 27. Januar 1928:
"Statt Karten
Steffy Baer - Walter Schestowitz. Verlobte.
Pirmasens - Wiesbaden
Zur Zeit Wiesbaden, Weinbergstraße 21.
Zuhause: Samstag, den 11. und Sonntag, 12. Februar, Bertramstraße
10." |
Verlobungsanzeige für Meta Scheuer und Julius Dannheisser (1928)
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 31. Mai 1928:
"Meta Scheuer - Julius Dannheiser
Verlobte
Monsheim (Rheinhessen) -
Pirmasens." |
Rechtsanwalt Eugen Eigner erhält auch die Zulassung am Landgericht Zweibrücken
(1929)
Anmerkung: Rechtsanwalt Eugen Eigner ist am 4. Oktober 1875 in
Oberlustadt geboren. Seine Anwaltspraxis
war in Pirmasens in der Bahnhofstraße 21.
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 1. Februar 1929:
"Ich bin ab 16. Januar dieses Jahres gleichzeitig als
Rechtsanwalt am Landgericht Zweibrücken
zugelassen.
Eugen Eigner
Rechtsanwalt beim Amtsgericht Pirmasens, zugelassen beim Landgericht
Zweibrücken." |
| |
Grabstein
für Rechtsanwalt Eugen/Eugene Eigner, gestorben 16. Juli 1948; Grab im
Floral Park Cemetery in South Brunswick, Middlesex, New Jersey/USA.
Information und Fotos aus:
https://de.findagrave.com/memorial/196439738/eugene-eigner
|
Verlobungsanzeige von Betty Reinheimer und Paul Krauss (1932)
Anzeige
in der Zeitschrift des "Centralvereins" ("CV-Zeitung") vom 18. November
1932: "Statt Karten!
Betty Reinheimer - Paul Krauss
Verlobte
LANDSTUHL (Pfalz) Kaiserstraße 32 -
PIRMASENS Kaiserstrasse 5
November 1932." |
Nach
der Emigration: Hochzeitsanzeige von Bella Strauss und John H. Lamm (1944)
Anzeige
in der Zeitschrift "Aufbau" vom 10. März 1944:
"Bella Strauss - John H. Lamm.
Engaged. March 11,1944.
(formerly Bad Mergentheim) -
(formerly Pirmasens)
870 West 180th Str., Apt. 3-B". |
Weitere Informationen zu Personen aus Pirmasens:
- Karl Wolff (geb. 10. Mai 1915 in Pirmasens als Sohn von Maximilian
Wolff und seiner Frau Meta geb. Lindheimer, gest. 23. Juni 2006 in Atlanta,
Georgia) ausführliche Biographie
https://spurenimvest.de/2023/09/22/wolff-karl-2/
|