Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Landstuhl (Kreis Kaiserslautern) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Bericht zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Landstuhl bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Bereits im Spätmittelalter lebten einige Juden in der Stadt, die im 16. Jahrhundert ausgewiesen wurden.  
  
Erst seit 1868 zogen wieder jüdische Personen/Familien in der Stadt zu. Seitdem entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1868 eine Familie, 1875 19 jüdische Einwohner, 1880 42, 1908 52 in 15 Familien. Die jüdischen Familienvorsteher waren als Viehhändler oder als Kaufleute (u.a. Textilhandlungen) tätig.  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein eigener Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten von 1903 und 1911). Später übernahmen den Unterricht der Kinder auswärtige Lehrer (um 1924 Lehrer Heymann aus Odenbach). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.     
    
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 80 Personen gehörten (1,8 % von insgesamt etwa 4.500 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde August Weis, Isaak Reinheimer und Emil Oppenheimer. G. Brill war als Rechner tätig. Den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen für die damals neun jüdischer Schülerinnen und Schüler der Stadt erteilte der schon genannte Lehrer Emil Heymann aus Odenbach. 1932 waren die Gemeindevorsteher Julius Aron (1. Vors., Weiherstraße 15), Albert Abraham (2. Vors., Fabrikstraße 3) und Alfred Weiß (3. Vors. Weiherstraße 52). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die wenigen in Saalstadt lebenden jüdischen Personen (1933 3).  
  
1933 lebten noch etwa 55 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 54 jüdische Personen gezählt, 1937 47, 1938 34. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Betsaales zerstört (s.u.), jüdische Häuser und Läden wurden überfallen und demoliert. Die letzten sieben in Landstuhl wohnhaften jüdischen Personen wurden im Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert.    
    
Von den in Landstuhl geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Abraham geb. Mayer (1884), Herta Aron (1901), Klara Aron geb. Frank (1872), Ruth Bliesdorf (1879), Eugen Ehrmann (1895), Emil Hené (1885), Siegbert Hené (1886), Ingeborg Irma Koch (1923), Emil Oppenheimer (1867), Emil Erich Oppenheimer (1906), Flora Oppenheimer geb. Simon (1870), Klara Reinheimer (1879), Dr. Ludwig Reinheimer (1894), Max Reinheimer (1882), Anneliese (Anne) Roos (1924), Johanna Roos geb. Mai (1868), Emilie Wälder geb. Rosinus (1907), Simon Weis (1862).    
    
Seit 2008 befindet sich an der Stadtmauer an der Zehntenscheune eine bronzene Gedenktafel zur Erinnerung an die umgekommenen Juden aus der Stadt. Es sind 19 Namen auf der Tafel festgehalten (vgl. Bericht unten).   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1903 / 1911

Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. August 1903: "Vakanzen.  Landstuhl (Pfalz). Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt Mark 900.-"  
 
Landstuhl FrfIsrFambl 23061911.jpg (68932 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1911: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters sofort zu besetzen. Gehalt Mark 1.200 nebst ca. Mark 300 Nebenverdienst. Durch ziemlich freie Zeit ist jedem Bewerber Gelegenheit geboten, sich noch einem Nebenerwerb zu widmen. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften erbeten an August Weis, Synagogenvorsteher, Landstuhl (Pfalz)."  

         
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Über den aus Landstuhl stammenden Frankfurter Stadtarzt Dr. Ludwig Reinheimer (1894-1942)   

Dr. Ludwig Reinheimer ist am 26. April 1894 in Landstuhl als Sohn von Lazarus Reinheimer und Karoline geb. Klein geboren. Er war verheiratet mit Helene geb. Lange. Nach dem Medizinstudium war er in Frankfurt am Main bis zu seiner vorzeitigen Entlassung in den Ruhestand als Stadtarzt tätig. 1938 wurde er in das KZ Buchenwald verschleppt. Im Februar 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und in das "Arbeitserziehungslager" Frankfurt-Heddernheim verbracht. Hier betreute er, so gut es angesichts der katastrophalen Unterversorgung mit Medikamenten und Verbandsstoffen ging, seine Mitgefangenen. Vom September 1944 bis 14. Februar war er im KZ Groß Rosen, danach kam er auf einen "Krankentransport" nach Flossenbürg. Er starb im KZ Flossenbürg Ende Februar 1945. 
Nach ihm wurde in Frankfurt (Merton-Viertel) die Ludwig-Reinheimer-Straße benannt.  


  

     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige des Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes A. Reinheimer Söhne (1900)   

Landstuhl Israelit 27081900.jpg (41993 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1900: "Wir suchen für unser Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft zum sofortigen Eintritt oder eventuell später einen angehenden Commis und Lehrling. Selbstgeschriebene Offerten erbeten. Kost und Logis im Hause. 
A. Reinheimer Söhne
, Landstuhl, Pfalz."   

 
    
    
     
Zur Geschichte der Synagoge

Ein Betraum konnte im Haus einer jüdischen Familie in der Kanalstraße 5 eingerichtet werden. Seit den 1890er-Jahren bestand ein Synagogenbauverein mit dem Ziel, dass eine Synagoge in der Stadt gebaut werden könnte. Doch konnte dieser Plan nicht verwirklicht werden. Um 1930 fügte der Synagogenbauverein an die Synagoge in der Kanalstraße einen Anbau an, bei dem es sich um die Nische für den Toraschrein gehandelt haben dürfte, da im selben Jahr die "Landstuhler Zeitung" über die feierliche Einweihung eines neuen Toraschrankes berichtet.    

Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betraum in der Kanalstraße von SA-Angehörigen demoliert. Die Ritualien wurden entwendet, teilweise der Polizei übergeben.
 
Das Haus des Betsaals ist erhalten und wird für Wohnzwecke verwendet.  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge            Kanalstraße 5

Fotos
(Quelle: links aus O. Weber s.Lit. S. 122, rechts: Hahn, Aufnahmedatum Ende 2004) 

Die ehemalige Synagoge 
in Landstuhl
Landstuhl Synagoge 144.jpg (102629 Byte) Landstuhl Synagoge 100.jpg (56992 Byte)
  Aufnahme 1988 - mit Pfeil markiert sind die Fenster des ehemaligen Betsaales, zu dem der etwas höher gestaltete Eingang führte Aufnahme von Ende 2004 - die Fenster des Betsaales sind im Hintergrund unmittelbar rechts der Bäume zu erkennen
     
     

 

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

2008: Gedenktafel zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Landshuter wird angebracht. 
Beitrag, entnommen aus dem Jahresbericht des Sickingen-Gymnasiums" 2007/08 (Link):  "Ein Zeichen gegen das Vergessen"
LANDSTUHL: Gymnasiasten enthüllen Gedenktafel an jüdische Mitbürger. 

Die Stadt Landstuhl hat ihrer jüdischen Mitbürger gedacht, die der NS-Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen sind. Eine Gedenktafel wurde enthüllt, die in die alte Stadtmauer an der Zehntenscheune eingelassen ist. 
19 Namen sind auf der Bronzetafel zu lesen. Am 27. Januar 1945 befreite die russische Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Anlässlich dieser Tatsache machte Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. 
Den Gedenktag nahmen Schüler der 13. Jahrgangsstufe am Sickingen-Gymnasium zum Anlass, sich mit den Landstuhler Familien und ihrem Schicksal zu beschäftigen. Zusammen mit ihrer Lehrerin Sonja Tophofen versuchten sie, deren Lebensweg aufzuspüren und in einem Heft zu dokumentieren. 
Zwei Abiturienten, Luisa Mosemann und Daniel Stemler, erläuterten den zahlreichen Gästen - unter ihnen auch Nachfahren der Betroffenen - ihren Umgang mit dem Thema. Demnach befanden sich unter den Landstuhler Einwohnern sowohl Täter als auch Opfer. Als ein 'Zeichen gegen das Vergessen' bezeichnete Bürgermeister Klaus Grumer die Aktion: 'Wir können uns aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte nicht fortstehlen. Es lädt uns Verantwortung auf.' In einem Vortrag rollte Roland Paul vom Lauterer Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde die Historie der Juden auf. Er erzählte von ih­rem Leben als Händler im Vieh- oder Obst- und Gemüsegeschäft, dem An­ und Verkauf von Kolonialwaren, Mode oder Alteisen. Sie engagierten sich in der Gesellschaft und in Vereinen. 'Wir sind in erster Linie Deutsche, dann Juden', sei ihm mal geantwortet worden, berichtete Paul. Mindestens 800 Personen aus der gesamten Pfalz seien deportiert worden. Vor Jahrzehnten habe er schon angeregt, eine Gedenktafel anzubringen. Dieser 'beklagenswerte Missstand" sei nun nach über 60 Jahren behoben. 
Die Schüler hätten diese Schicksale aufgearbeitet, so Oberstudiendirektor Gerhard Dohna. 'Nur wenn wir uns mit den Gräueln auseinanderset­zen, können wir genug Mitgefühl entwickeln, um Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung zu bekämpfen." Manfred Erlich von der Jüdischen Kultusgemeinde in Neustadt wünschte sich in seinem Grußwort, dass das Erinnern nicht nur auf einen Gedenktag im Jahr beschränkt bliebe. Diese Vergangenheit solle eine ewige Mahnung sein: 'Mögen wir die Kraft aufbringen, dass so etwas nie wieder geschieht." (ibr Rheinpfalz)".  
   

 


Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Landstuhl  

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Landstuhl (interner Link)  

Literatur:  

Roland Paul: Die jüdische Gemeinde in Landstuhl. Anmerkungen zu ihrem Schicksal im Dritten Reich. In: Heimatkalender für Stadt und Landkreis Kaiserslautern 1982-. S. 60-64. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 110.122.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 230 (mit weiteren Literaturangaben).
1988 wurde eine Dokumentation erstellt:  Sonja Tophofen: In Erinnerung an die Landstuhler Opfer jüdischen Glaubens unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (Hrsg.: Grundkurs Geschichte des Sickingen-Gymnasiums Landstuhl, Leitung Sonja Tophofen; mitgewirkt haben Thomas Becker u.a.). Landshut Sickingen-Gymnasium 2008 30 S. 
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Landstuhl  Palatinate. Jews were present in the Middle Ages but were expelled in the 16th century. From 1868, they again lived in the town, reaching a peak population of 81 in 1925. Most were cattle trades with some dealing in clothing. The community maintained a prayer room and a cemetery (established in 1895). In June 1933, about four months after the Nazi takeover, there were 61 Jews (total 5.539) in Landstuhl. In 1936, with emigration mounting, 12 belonged to the Zionist movement. Twenty-six Jews remained in 1938. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was set on fire and Jewish homes and stores were destroyed. The last seven able-bodied Jews were deported to the Gurs concentration camp on 21-22 October 1940.        
           

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. November 2010