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Landstuhl (Kreis
Kaiserslautern)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Landstuhl bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Bereits im Spätmittelalter lebten einige Juden in der
Stadt, die im 16. Jahrhundert ausgewiesen wurden.
Erst seit 1868 zogen wieder jüdische Personen/Familien in der Stadt zu.
Seitdem entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1868 eine Familie, 1875 19 jüdische Einwohner, 1880 42, 1908 52 in
15 Familien. Die jüdischen Familienvorsteher waren als Viehhändler oder als
Kaufleute (u.a. Textilhandlungen) tätig.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein eigener Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe
Ausschreibungen der Stelle unten von 1903 und 1911). Später übernahmen den
Unterricht der Kinder auswärtige Lehrer (um 1924 Lehrer Heymann aus Odenbach).
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 80 Personen gehörten (1,8 % von insgesamt
etwa 4.500 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde August Weis,
Isaak Reinheimer und Emil Oppenheimer. G. Brill war als Rechner tätig. Den
Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen für die damals neun jüdischer
Schülerinnen und Schüler der Stadt erteilte der schon genannte Lehrer Emil
Heymann aus Odenbach. 1932 waren die Gemeindevorsteher Julius Aron
(1. Vors., Weiherstraße 15), Albert Abraham (2. Vors., Fabrikstraße 3) und
Alfred Weiß (3. Vors. Weiherstraße 52). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch
die wenigen in Saalstadt lebenden jüdischen Personen (1933 3).
1933 lebten noch etwa 55 jüdische Personen in der Stadt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 54
jüdische Personen gezählt, 1937 47, 1938 34. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Inneneinrichtung des Betsaales zerstört (s.u.), jüdische Häuser und
Läden wurden überfallen und demoliert. Die letzten sieben in Landstuhl
wohnhaften jüdischen Personen wurden im Oktober 1940 in das KZ Gurs in
Südfrankreich deportiert.
Von den in Landstuhl geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Abraham geb.
Mayer (1884), Herta Aron (1901), Klara Aron geb. Frank (1872), Ruth Bliesdorf
(1879), Eugen Ehrmann (1895), Emil Hené (1885), Siegbert Hené (1886), Ingeborg
Irma Koch (1923), Emil Oppenheimer (1867), Emil Erich Oppenheimer (1906), Flora
Oppenheimer geb. Simon (1870), Klara Reinheimer (1879), Dr. Ludwig Reinheimer
(1894), Max Reinheimer (1882), Anneliese (Anne) Roos (1924), Johanna Roos geb.
Mai (1868), Emilie Wälder geb. Rosinus (1907), Simon Weis (1862).
Seit 2008 befindet sich an der Stadtmauer an der Zehntenscheune eine
bronzene Gedenktafel zur Erinnerung an die umgekommenen Juden aus der
Stadt. Es sind 19 Namen auf der Tafel festgehalten (vgl. Bericht
unten).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1903 / 1911
Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. August
1903: "Vakanzen. Landstuhl (Pfalz). Religionslehrer,
Vorbeter und Schächter. Gehalt Mark 900.-" |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1911:
"In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorbeters und Schächters sofort zu besetzen. Gehalt Mark 1.200 nebst ca.
Mark 300 Nebenverdienst. Durch ziemlich freie Zeit ist jedem Bewerber
Gelegenheit geboten, sich noch einem Nebenerwerb zu widmen. Bewerbungen
mit Zeugnisabschriften erbeten an August Weis, Synagogenvorsteher, Landstuhl
(Pfalz)." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Über den aus Landstuhl stammenden Frankfurter Stadtarzt
Dr. Ludwig Reinheimer (1894-1942)
Dr. Ludwig Reinheimer ist am 26.
April 1894 in Landstuhl als Sohn von Lazarus Reinheimer und Karoline geb.
Klein geboren. Er war verheiratet mit Helene geb. Lange. Nach dem
Medizinstudium war er in Frankfurt am Main bis zu seiner vorzeitigen
Entlassung in den Ruhestand als Stadtarzt tätig. 1938 wurde er in das KZ
Buchenwald verschleppt. Im Februar 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet
und in das "Arbeitserziehungslager" Frankfurt-Heddernheim
verbracht. Hier betreute er, so gut es angesichts der katastrophalen Unterversorgung
mit Medikamenten und Verbandsstoffen ging, seine Mitgefangenen. Vom
September 1944 bis 14. Februar war er im KZ Groß Rosen, danach kam er auf
einen "Krankentransport" nach Flossenbürg.
Er starb im KZ Flossenbürg Ende Februar 1945.
Nach ihm wurde in Frankfurt (Merton-Viertel) die Ludwig-Reinheimer-Straße
benannt. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes A.
Reinheimer Söhne (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1900: "Wir
suchen für unser Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft
zum sofortigen Eintritt oder eventuell später einen angehenden Commis
und Lehrling. Selbstgeschriebene Offerten erbeten. Kost und Logis
im Hause.
A. Reinheimer Söhne, Landstuhl, Pfalz." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betraum konnte im Haus einer jüdischen Familie in
der Kanalstraße 5 eingerichtet werden. Seit den 1890er-Jahren bestand ein
Synagogenbauverein mit dem Ziel, dass eine Synagoge in der Stadt gebaut werden
könnte. Doch konnte dieser Plan nicht verwirklicht werden. Um 1930
fügte der Synagogenbauverein an die Synagoge in der Kanalstraße einen Anbau
an, bei dem es sich um die Nische für den Toraschrein gehandelt haben dürfte,
da im selben Jahr die "Landstuhler Zeitung" über die feierliche
Einweihung eines neuen Toraschrankes berichtet.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der
Betraum in der Kanalstraße von SA-Angehörigen demoliert. Die Ritualien wurden
entwendet, teilweise der Polizei übergeben.
Das Haus des Betsaals ist erhalten und wird für Wohnzwecke
verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge: Kanalstraße
5
Fotos
(Quelle: links aus O. Weber s.Lit. S. 122, rechts: Hahn,
Aufnahmedatum Ende 2004)
Die ehemalige
Synagoge
in Landstuhl |
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Aufnahme 1988 - mit Pfeil
markiert sind die Fenster des ehemaligen Betsaales, zu dem der etwas
höher gestaltete Eingang führte |
Aufnahme von Ende 2004 - die
Fenster des Betsaales sind im Hintergrund unmittelbar rechts der Bäume zu
erkennen |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| 2008: Gedenktafel
zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Landshuter wird
angebracht. |
Beitrag, entnommen aus dem Jahresbericht des
Sickingen-Gymnasiums" 2007/08 (Link):
"Ein Zeichen gegen das Vergessen"
LANDSTUHL: Gymnasiasten enthüllen Gedenktafel an jüdische Mitbürger.
Die Stadt Landstuhl hat ihrer jüdischen Mitbürger gedacht, die der NS-Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen sind. Eine Gedenktafel wurde enthüllt, die in die alte Stadtmauer an der Zehntenscheune eingelassen ist.
19 Namen sind auf der Bronzetafel zu lesen. Am 27. Januar 1945 befreite die russische Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Anlässlich dieser Tatsache machte Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Den Gedenktag nahmen Schüler der 13. Jahrgangsstufe am Sickingen-Gymnasium zum Anlass, sich mit den Landstuhler Familien und ihrem Schicksal zu beschäftigen. Zusammen mit ihrer Lehrerin Sonja Tophofen versuchten sie, deren Lebensweg aufzuspüren und in einem Heft zu dokumentieren.
Zwei Abiturienten, Luisa Mosemann und Daniel Stemler, erläuterten den zahlreichen Gästen
- unter ihnen auch Nachfahren der Betroffenen - ihren Umgang mit dem Thema. Demnach befanden sich unter den Landstuhler Einwohnern sowohl Täter als auch Opfer.
Als ein 'Zeichen gegen das Vergessen' bezeichnete Bürgermeister Klaus Grumer die Aktion:
'Wir können uns aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte nicht fortstehlen. Es lädt uns Verantwortung
auf.' In einem Vortrag rollte Roland Paul vom Lauterer Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde die Historie der Juden auf. Er erzählte von ihrem Leben als Händler im
Vieh- oder Obst- und Gemüsegeschäft, dem An und Verkauf von Kolonialwaren, Mode oder Alteisen. Sie engagierten sich in der Gesellschaft und in Vereinen.
'Wir sind in erster Linie Deutsche, dann Juden', sei ihm mal geantwortet worden, berichtete Paul. Mindestens 800 Personen aus der gesamten Pfalz seien deportiert worden. Vor Jahrzehnten habe er schon angeregt, eine Gedenktafel anzubringen. Dieser
'beklagenswerte Missstand" sei nun nach über 60 Jahren behoben.
Die Schüler hätten diese Schicksale aufgearbeitet, so Oberstudiendirektor Gerhard Dohna.
'Nur wenn wir uns mit den Gräueln auseinandersetzen, können wir genug Mitgefühl entwickeln, um Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung zu bekämpfen." Manfred Erlich von der Jüdischen Kultusgemeinde in Neustadt wünschte sich in seinem Grußwort, dass das Erinnern nicht nur auf einen Gedenktag im Jahr beschränkt bliebe. Diese Vergangenheit solle eine ewige Mahnung sein:
'Mögen wir die Kraft aufbringen, dass so etwas nie wieder geschieht." (ibr Rheinpfalz)". |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Roland Paul: Die jüdische Gemeinde in Landstuhl.
Anmerkungen zu ihrem Schicksal im Dritten Reich. In: Heimatkalender für
Stadt und Landkreis Kaiserslautern 1982-. S. 60-64. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 110.122. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 230 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | 1988 wurde eine Dokumentation erstellt: Sonja Tophofen:
In Erinnerung an die Landstuhler Opfer jüdischen Glaubens unter der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (Hrsg.: Grundkurs Geschichte des
Sickingen-Gymnasiums Landstuhl, Leitung Sonja Tophofen; mitgewirkt haben
Thomas Becker u.a.). Landshut Sickingen-Gymnasium 2008 30 S.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Landstuhl Palatinate. Jews
were present in the Middle Ages but were expelled in the 16th century. From
1868, they again lived in the town, reaching a peak population of 81 in 1925.
Most were cattle trades with some dealing in clothing. The community maintained
a prayer room and a cemetery (established
in 1895). In June 1933, about four months after the Nazi takeover, there were 61
Jews (total 5.539) in Landstuhl. In 1936, with emigration mounting, 12 belonged
to the Zionist movement. Twenty-six Jews remained in 1938. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was set on fire and Jewish homes and stores
were destroyed. The last seven able-bodied Jews were deported to the Gurs
concentration camp on 21-22 October 1940.

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