Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Pfaffenhausen (Stadt Hammelburg, Kreis Bad Kissingen) 
Jüdischer Friedhof
   

Zur Geschichte jüdischer Einwohner

In Pfaffenhausen lebten einige Juden zumindest im 16. Jahrhundert. 1568 wird "Nat-Jüdt" (Jude Nathan) als wohnhaft in Pfaffenhausen genannt. Möglicherweise ist er bald wieder vom Ort verzogen, da 1575 "Natta Jud zuo Bonlant" (Bonnland) genannt wird, vielleicht dieselbe Person.
   
  
     

Zur Geschichte des Friedhofes

Der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen wurde um 1580 vermutlich auf Initiative der jüdischen Gemeinde Hammelburgs angelegt. Er diente in den folgenden Jahrhunderten als Verbandsfriedhof für die verstorbenen Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Geroda (bis 1911), Oberthulba, Untererthal, Unterriedenberg, Bad Kissingen (bis 1801), Bonnland, Dittlofsroda, Hessdorf, Westheim, Gemünden und Hammelburg
  
Der Friedhof war bereits im 19. Jahrhundert von der Schließung bedroht. Wegen der Lage mitten im Ort beantragte der Gemeindeausschuss von Pfaffenhausen 1873 beim Königlichen Bezirksamt die Schließung wegen "1. Luftverderbnis in Folge der unmittelbaren Nähe des Leichenackers am Orte Pfaffenhausen und dadurch bedingt örtliche Krankheitserscheinungen. 2. Verunreinigung des Trinkwassers durch gelöste Leichenstoffe aus dem genannten Leichenacker...". Der Antrag des Gemeindeausschusses wurde jedoch abgelehnt. 
  
Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof war diejenige von David Birk aus Gemünden. Im Juli 1938 wurde der Friedhof aus "sanitären Gründen" geschlossen. Die zum Friedhofsverband gehörenden Gemeinden mussten danach die Toten auf dem Friedhof in Geroda beisetzen.     
   
In der NS-Zeit wurden auf Veranlassung des damaligen NS-Bürgermeisters sämtliche Grabsteine von Schulkindern am 13. November 1938 umgeworfen. Ab 1939 wurde der Friedhof als Viehweide benutzt. Im Taharahaus des Friedhofes wurde ein NSV-Kindergarten eingerichtet. Im Friedhof wurden Eichen gepflanzt ("Hitler-Eichen"). Das alte gusseiserne Tor des Friedhofes wurde entfernt und der Einschmelzung zu Kriegszwecken übereignet. Mauerteile des Friedhofes wurden entfernt. NS-Mitglieder Pfaffenhausens verwendeten sie zum Hausbau und gravierten in die Steine das Hakenkreuz ein. Umgeworfene Grabsteine wurden benutzt, um das Saale-Ufer in Pfaffenhausen einzufassen. Gegen Kriegsende befahl der NS-Bürgermeister einem örtlichen Bauunternehmer, im Friedhof eine Barackensiedlung für Ausgebombte zu errichten; der Bauunternehmer weigerte sich jedoch. Bis zum Einmarsch der Amerikaner lagen die auf dem Friedhof noch vorhandenen Steine auf Stapeln und wurden dann im Eiltempo wieder aufgestellt.
  
Trotz der schweren Zerstörungen in der NS-Zeit ist der Friedhof mit den erhaltenen Steinen eines der wichtigsten Kulturdenkmale im Bereich der Stadt Hammelburg geblieben. Am ehemaligen Tahara-Haus befindet sich eine Hinweistafel mit der Inschrift: "Dieser jüdische Friedhof wurde seit dem 16. Jahrhundert ununterbrochen benutzt. Im Juli 1938 wurden der jüdischen Kultusgemeinde weitere Begräbnisse verboten. Zur Erinnerung [und] Mahnung".          
      
   


Lage des Friedhofes

Der Friedhof liegt in der Mitte von Pfaffenhausen an einem nach Norden abfallenden Hang. Eingefriedet ist das Areal teils mit einer massiven Bruchsteinmauer, teils mit Maschendrahtzaun. Die Fläche des Friedhofes beträgt 121 ar.

Die Lage ist eingezeichnet im Stadtplan Hammelburg des Städteverlages - als Suchbegriff im Straßenverzeichnis am besten "Von-Hutten-Straße" eingeben
            
Rechts: Google Maps
Größere Kartenansicht

    
Fotos 

Neuere Fotos 

Der Friedhof im 
Frühjahr 2010
(Fotos: Hahn)
Pfaffenhausen Friedhof 379.jpg (95152 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 380.jpg (69907 Byte)
  Das Eingangstor mit Blick 
über das Saaletal
Das Taharahaus rechts 
des Eingangstores
     
Pfaffenhausen Friedhof 370.jpg (65315 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 371.jpg (89419 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 372.jpg (86756 Byte)
Blicke vom Friedhof auf Hammelburg Blick vom Friedhof auf einen 
Teil von Pfaffenhausen
  
     
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Teilansicht des 
Friedhofes
Grabstein im Vordergrund links für Sara Kleemann aus Hammelburg Grabstein mit "segnenden Händen" der Kohanim für Joseph Cahner
     
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Grabstein für Musikprofessor Herrmann Steuermann (geb. 1848 in Obbach, gest. 1909 in Würzburg) Grabstein für 
Abraham Schleßinger 
(1829-1883)
Grabstein für Nathan Stern
aus Hammelburg 
(gest. 1928)
     
Pfaffenhausen Friedhof 381.jpg (92659 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 378.jpg (106385 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 383.jpg (112417 Byte)
Teilansicht des Friedhofes - vom 
Eingang auf der rechten Seite
Grabstein links "abgebrochene Säule" für einen mitten im Leben Verstorbenen Teilansicht
des Friedhofes
     
Pfaffenhausen Friedhof 384.jpg (108598 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 385.jpg (111384 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 386.jpg (113946 Byte)
Grabstein links der Mitte für Babette Klingenstein geb. Lamm (1853 in Ottensoos - 1923 in Westheim) Grabstein Mitte für Simon Sitzmann von Riedenberg (gest. 1903), rechts für Klara Distelburger von Oberthulba Grabstein links für Regina Schleßinger von Hammelburg (1828-1907), rechts für David Schleßinger (gest. 1895)
     
Pfaffenhausen Friedhof 387.jpg (91639 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 388.jpg (81971 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 389.jpg (103479 Byte)
Teilansicht mit Blick zur 
Kirche von Pfaffenhausen
Grabstein mit einer Krone (des "guten Namens") für Abraham Bonnländer Grabstein für Babetta Hamburger (gest. 1879) und Emanuel Hamburger (gest. 1890), beide von Hammelburg
     
     
Pfaffenhausen Friedhof 390.jpg (109130 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 391.jpg (104252 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 392.jpg (110092 Byte)
Grabstein links der Mitte für Isak Engelhardt aus Unterriedenberg 
(gest. 1908)
Grabstein Mitte (mit Levitenkanne) für Meier Löb Bergmann aus Völkersleier (gest. 1910) Grabstein für Frida Kohn geb. Feuchtwanger (1870 in Schwabach 
- 1934 in Hammelburg)
     
Pfaffenhausen Friedhof 393.jpg (103566 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 394.jpg (78860 Byte)  
Grabstein für Leopold Klingenstein 
aus Westheim (1847-1928)
Blick auf das 
Taharahaus
 
       
     
Der Friedhof im Sommer 2003 
(nach Monaten der Trockenheit in völlig ausgetrocknetem Zustand;
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.8.2003)
   
Pfaffenhausen Friedhof 114.jpg (32747 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 113.jpg (63076 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 112.jpg (51040 Byte)
Hinweistafel 
am Friedhof
Der Eingang von der Südseite mit Taharahaus  Blick über den Friedhof Richtung Ortsmitte Pfaffenhausen, links das Tahara-Haus
     
Pfaffenhausen Friedhof 100.jpg (69778 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 104.jpg (66653 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 111.jpg (55572 Byte)
Blick über die 121 ar 
große Friedhofsfläche
Im Hintergrund die Erdfunkstelle Fuchsstadt (Intelsat Teleport) Blick nach 
Hammelburg
     
Pfaffenhausen Friedhof 110.jpg (76205 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 105.jpg (93125 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 106.jpg (76696 Byte)
Teilansichten des Friedhofes  
     
Pfaffenhausen Friedhof 102.jpg (110387 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 109.jpg (112498 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 108.jpg (109071 Byte)
Einzelne ältere Grabsteine
 
Pfaffenhausen Friedhof 103.jpg (66631 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 101.jpg (86735 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 107.jpg (88164 Byte)
Grabstein für Nathan Stern aus Hammelburg Grabstein für Henriette Cahner geb. Kohnstamm aus Brückenau   Grabstein für Samuel Schiff 
aus Oberthulba (gest. 1937)
     
     
Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, aufgenommen 
Mitte der 1980er-Jahre)
Pfaffenhausen Friedhof 121.jpg (53425 Byte)   Pfaffenhausen Friedhof 120.jpg (63784 Byte)
   Eingangstor zum Friedhof - 
im Hintergrund Hammelburg
Teilansicht -
im Hintergrund Hammelburg 
       
  Pfaffenhausen Friedhof 122.jpg (67560 Byte)  Pfaffenhausen Friedhof 123.jpg (58351 Byte)
      Blicke über den Friedhof und auf Pfaffenhausen
      
     

Hinweis auf Schwierigkeiten im Umgang mit dem Friedhof: beim jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen handelt es sich um eines der bedeutendesten Kulturdenkmale im Stadtgebiet von Hammelburg. Dennoch präsentiert sich der Friedhof in teilweise sehr ungepflegtem Zustand. Auch eine radikale Abholzaktion im März 2008 von mehreren Eichen, die 1939 vom damaligen NS-Bürgermeister gepflanzt wurden ("Hitler-Eichen"), zeigt nicht gerade einen sorgsamen Umgang mit dem Friedhofsgrundstück: die Bäume wurden angesägt und von einem Bagger umgedrückt. Grund der vom Ortsvorsteher angeordneten Aktion war, dass sich Anwohner beschwert hätten, die Bäume wurden ihnen die Aussicht auf das Tal versperren.    
(Informationen und nachfolgende Fotos von Petra Kaup-Clement)     

Der Friedhof in ungepflegtem Zustand 
im Sommer 2007
 Pfaffenhausen Friedhof 630.jpg (104316 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 631.jpg (110891 Byte)
     
    Pfaffenhausen Friedhof 633.jpg (116731 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 632.jpg (99929 Byte) 
       
      
Die Abholzaktion
 im März 2008
Pfaffenhausen Friedhof 640.jpg (119682 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 641.jpg (106681 Byte)
      
Pfaffenhausen Friedhof 644.jpg (91011 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 643.jpg (105316 Byte) Pfaffenhausen Friedhof 642.jpg (108895 Byte)
     

   

     
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Hammelburg
Zur Seite über die Synagoge in Hammelburg (interner Link) 
Seite zum jüdischen Friedhof Pfaffenhausen in der Website des Hauses der Bayerischen Geschichte  

Literatur:

Germania Judaica II,2 S. 335-336, III,1 S. 510-511.
Michael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Pfaffenhausen, in: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 13 Nr. 78 Dezember 1998 S. 18.
Israel Schwierz: Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988. S.63.
Roland Flade: 50 Jahre danach. Die Stadt Hammelburg erinnert sich. Eine Dokumentation, hrsg. von der Stadt Hammelburg, 1995.
Volker Rieß: Sie gehören dazu... Erinnerungen an die jüdischen Schüler der Lateinschule und des Progymnasiums – verbunden mit einigen Aspekten zur Geschichte der Juden in der Stadt Hammelburg und ihren Stadtteilen (Frobenius-Gymnasium Hammelburg. Festschrift zum Schuljubiläum 1994), Hammelburg 1994, S. 83-102.
Ders.: Jüdisches Leben in und um Hammelburg. Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10. Dezember 2000, Hammelburg 2001.
  

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 25. Mai 2011