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Friedhöfe in der Region"
zur Übersicht über die
jüdischen Friedhöfe in Unterfranken
Pfaffenhausen (Stadt
Hammelburg, Kreis Bad Kissingen)
Jüdischer Friedhof
Zur Geschichte jüdischer Einwohner
In Pfaffenhausen lebten einige Juden zumindest im 16.
Jahrhundert. 1568 wird "Nat-Jüdt" (Jude Nathan) als wohnhaft in
Pfaffenhausen genannt. Möglicherweise ist er bald wieder vom Ort verzogen, da
1575 "Natta Jud zuo Bonlant" (Bonnland)
genannt wird, vielleicht dieselbe Person.
Zur Geschichte des Friedhofes
Der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen wurde um 1580 vermutlich auf
Initiative der jüdischen Gemeinde Hammelburgs angelegt. Er diente in den
folgenden Jahrhunderten als Verbandsfriedhof für die verstorbenen Mitglieder
der jüdischen Gemeinden in Geroda (bis 1911), Oberthulba,
Untererthal,
Unterriedenberg, Bad
Kissingen (bis 1801), Bonnland, Dittlofsroda,
Hessdorf,
Westheim, Gemünden und
Hammelburg.
Der Friedhof war bereits im 19. Jahrhundert von der Schließung bedroht.
Wegen der Lage mitten im Ort beantragte der Gemeindeausschuss von Pfaffenhausen
1873 beim Königlichen Bezirksamt die Schließung wegen "1. Luftverderbnis
in Folge der unmittelbaren Nähe des Leichenackers am Orte Pfaffenhausen und
dadurch bedingt örtliche Krankheitserscheinungen. 2. Verunreinigung des
Trinkwassers durch gelöste Leichenstoffe aus dem genannten
Leichenacker...". Der Antrag des Gemeindeausschusses wurde jedoch
abgelehnt.
Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof war diejenige von David Birk aus Gemünden.
Im Juli 1938 wurde der Friedhof aus "sanitären Gründen" geschlossen.
Die zum Friedhofsverband gehörenden Gemeinden mussten danach die Toten auf dem Friedhof
in Geroda beisetzen.
In der NS-Zeit wurden auf Veranlassung des damaligen NS-Bürgermeisters
sämtliche Grabsteine von Schulkindern am 13. November 1938 umgeworfen. Ab 1939
wurde der Friedhof als Viehweide benutzt. Im Taharahaus des Friedhofes wurde ein
NSV-Kindergarten eingerichtet. Im Friedhof wurden Eichen gepflanzt
("Hitler-Eichen"). Das alte gusseiserne Tor des Friedhofes wurde
entfernt und der Einschmelzung zu Kriegszwecken übereignet. Mauerteile des
Friedhofes wurden entfernt. NS-Mitglieder Pfaffenhausens verwendeten sie zum
Hausbau und gravierten in die Steine das Hakenkreuz ein. Umgeworfene Grabsteine
wurden benutzt, um das Saale-Ufer in Pfaffenhausen einzufassen. Gegen Kriegsende
befahl der NS-Bürgermeister einem örtlichen Bauunternehmer, im Friedhof eine
Barackensiedlung für Ausgebombte zu errichten; der Bauunternehmer weigerte sich
jedoch. Bis zum Einmarsch der Amerikaner lagen die auf dem Friedhof noch
vorhandenen Steine auf Stapeln und wurden dann im Eiltempo wieder aufgestellt.
Trotz der schweren Zerstörungen in der NS-Zeit ist der Friedhof mit den
erhaltenen Steinen eines der wichtigsten Kulturdenkmale im Bereich der Stadt
Hammelburg geblieben. Am ehemaligen Tahara-Haus befindet sich eine
Hinweistafel mit der Inschrift: "Dieser jüdische Friedhof wurde seit
dem 16. Jahrhundert ununterbrochen benutzt. Im Juli 1938 wurden der jüdischen
Kultusgemeinde weitere Begräbnisse verboten. Zur Erinnerung [und] Mahnung".
Lage des Friedhofes
Der Friedhof liegt in der Mitte von Pfaffenhausen an einem nach Norden
abfallenden Hang. Eingefriedet ist das Areal teils mit einer massiven
Bruchsteinmauer, teils mit Maschendrahtzaun. Die Fläche des Friedhofes beträgt
121 ar.
Der Friedhof im
Frühjahr 2010
(Fotos: Hahn) |
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Das Eingangstor mit
Blick
über das Saaletal |
Das Taharahaus rechts
des Eingangstores |
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| Blicke vom
Friedhof auf Hammelburg |
Blick vom Friedhof
auf einen
Teil von Pfaffenhausen |
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Teilansicht des
Friedhofes |
Grabstein im Vordergrund links
für Sara Kleemann aus Hammelburg |
Grabstein mit "segnenden
Händen" der Kohanim für Joseph Cahner |
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| Grabstein für Musikprofessor
Herrmann Steuermann (geb. 1848 in Obbach, gest. 1909 in Würzburg) |
Grabstein für
Abraham Schleßinger
(1829-1883) |
Grabstein für Nathan Stern
aus Hammelburg
(gest. 1928) |
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Teilansicht des Friedhofes -
vom
Eingang auf der rechten Seite |
Grabstein links
"abgebrochene Säule" für einen mitten im Leben Verstorbenen |
Teilansicht
des Friedhofes |
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| Grabstein links der Mitte für
Babette Klingenstein geb. Lamm (1853 in Ottensoos - 1923 in Westheim) |
Grabstein Mitte für Simon
Sitzmann von Riedenberg (gest. 1903), rechts für Klara Distelburger von
Oberthulba |
Grabstein links für Regina
Schleßinger von Hammelburg (1828-1907), rechts für David Schleßinger
(gest. 1895) |
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Teilansicht mit Blick
zur
Kirche von Pfaffenhausen |
Grabstein mit einer Krone (des
"guten Namens") für Abraham Bonnländer |
Grabstein für
Babetta Hamburger (gest. 1879) und Emanuel Hamburger (gest. 1890), beide
von Hammelburg |
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Grabstein links der Mitte für
Isak Engelhardt aus Unterriedenberg
(gest. 1908) |
Grabstein Mitte (mit
Levitenkanne) für Meier Löb Bergmann aus Völkersleier (gest. 1910) |
Grabstein für Frida Kohn geb.
Feuchtwanger (1870 in Schwabach
- 1934 in Hammelburg) |
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Grabstein für Leopold
Klingenstein
aus Westheim (1847-1928) |
Blick auf das
Taharahaus |
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Der Friedhof im
Sommer 2003
(nach Monaten der Trockenheit in völlig ausgetrocknetem Zustand;
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.8.2003) |
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Hinweistafel
am Friedhof |
Der Eingang von der Südseite
mit Taharahaus |
Blick über den Friedhof
Richtung Ortsmitte Pfaffenhausen, links das Tahara-Haus |
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Blick über die 121 ar
große
Friedhofsfläche |
Im Hintergrund die
Erdfunkstelle Fuchsstadt (Intelsat Teleport) |
Blick nach
Hammelburg |
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| Teilansichten des Friedhofes |
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| Einzelne ältere Grabsteine |
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| Grabstein für Nathan Stern
aus Hammelburg |
Grabstein für Henriette
Cahner geb. Kohnstamm aus Brückenau |
Grabstein für Samuel Schiff
aus Oberthulba (gest. 1937) |
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Ältere Fotos
(Fotos: Hahn, aufgenommen
Mitte der 1980er-Jahre) |
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Eingangstor zum Friedhof -
im
Hintergrund Hammelburg |
Teilansicht -
im Hintergrund
Hammelburg |
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Blicke über den
Friedhof und auf Pfaffenhausen |
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Hinweis auf Schwierigkeiten im Umgang
mit dem Friedhof: beim jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen handelt es
sich um eines der bedeutendesten Kulturdenkmale im Stadtgebiet von
Hammelburg. Dennoch präsentiert sich der Friedhof in teilweise sehr
ungepflegtem Zustand. Auch eine radikale Abholzaktion im März 2008 von
mehreren Eichen, die 1939 vom damaligen NS-Bürgermeister gepflanzt wurden
("Hitler-Eichen"), zeigt nicht gerade einen sorgsamen Umgang mit
dem Friedhofsgrundstück: die Bäume wurden angesägt und von einem Bagger
umgedrückt. Grund der vom Ortsvorsteher angeordneten Aktion war, dass
sich Anwohner beschwert hätten, die Bäume wurden ihnen die Aussicht auf
das Tal versperren.
(Informationen und nachfolgende Fotos von Petra Kaup-Clement) |
Der Friedhof in
ungepflegtem Zustand
im Sommer 2007 |
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Die Abholzaktion
im März 2008 |
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 | Germania Judaica II,2 S. 335-336, III,1 S. 510-511. |
 | Michael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Pfaffenhausen, in:
Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 13 Nr. 78
Dezember 1998 S. 18. |
 | Israel Schwierz: Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern.
1988. S.63. |
 | Roland Flade: 50 Jahre danach. Die Stadt Hammelburg erinnert sich.
Eine Dokumentation, hrsg. von der Stadt Hammelburg, 1995. |
 | Volker Rieß: Sie gehören dazu...
Erinnerungen an die jüdischen Schüler der Lateinschule und des
Progymnasiums – verbunden mit einigen Aspekten zur Geschichte der Juden in
der Stadt Hammelburg und ihren Stadtteilen (Frobenius-Gymnasium Hammelburg.
Festschrift zum Schuljubiläum 1994), Hammelburg 1994, S. 83-102. |
 | Ders.: Jüdisches Leben in und um Hammelburg.
Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10.
Dezember 2000, Hammelburg 2001.
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