Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hechtsheim (Stadt Mainz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Hechtsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1762 werden zwei jüdische Einwohner unter damals insgesamt 417 Einwohnern genannt. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 24, 1828 28 jüdische Einwohner, 1855 43, 1861 74 (3,6 % von insgesamt 2.051), 1875 86, 1880 86 (3,4 % von 2.558), 1900 und 1905 97, 1910 74 (2,2 % von 3.344). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gesamtgemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (Ausschreibungen der Stelle siehe unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mainz.
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Karl Kapp (geb. 28.7.1885 in Hechtsheim, gef. 26.9.1916), Richard Kapp (geb. 12.12.1896 in Hechtsheim) und Unteroffizier Luzian Weiß (geb. 31.5.1884 in Hechtsheim, gef. 15.6.1916). 
  
Um 1924, als noch 54 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,5 % von insgesamt 3.603 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Weiß, Leo Kapp und Berthold Selig. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war M. Kahn tätig, als Rechner ein Herr Reins. Den Unterricht an der jüdischen Religionsschule besuchten damals fünf Kinder.
   
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 71 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der letzte Vorsitzende der Gemeinde war Julius Weiß. Bis 1937 war die Zahl der jüdischen Einwohner auf 30 zurückgegangen. 1939 war nur noch eine jüdische Person in Hechtsheim wohnhaft, die im September 1942 deportiert wurde.  
      
Von den in Hechtsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene Fried geb. Michel (1882), Emma Hirsch geb. Levy (1899), Eugenie Hirsch geb. Weis (1891), Irma Kahn geb. Kapp (1886), David Kapp (1882), Heinrich Kapp (1918), Ludwig Kapp (1892), Sitta (Sitty) Kapp (1895), Justina Kramer geb. Selig (1869), Lilli Löb geb. Muhr (1888), Bina Marx geb. Muhr (1878) Johanna (Johanette) Mayer geb. Kapp (1880), Elisabeth (Elisabetha) Meister geb. Michel (1885), Berthold Selig (1878), Margaretha Selig geb. Berthold (1879), Otto Selig (1878), Hetty Strauss geb. Kapp (1900), Elisabeth (Elisabetha) Sußmann geb. Selig (1864), Emma Weis geb. Selig (1901), Elisabeth Weiß geb. Michel (1883), Ilse Babette Weiss (1902), Julius Weiss (1880), Klara (Clara) Weiss (1868), Lotte Weiss (1924), Max Weiss (1889).     
   


 

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (Anzeigen 1863 - 1907)  

Hechtsheim Israelit 12081863.jpg (35777 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1863: "Religionslehrer gesucht! Die israelitische Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz wünscht zum 1. September dieses Jahres oder später einen Religionslehrer, Vorsänger und Schochet anzustellen. Einkommen 300 Gulden nebst freier Wohnungen. -  Meldungen sind zu richten an 
Leo Selig, Vorsteher."
 
Hechtsheim Israelit 14081872.jpg (33423 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1872: "Vacanz. Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Hechtsheim bei Mainz ist vakant und soll demnächst wieder besetzt werden. Gehalt 325 Gulden und etwa 200 Gulden Nebeneinkünfte. Bewerber ledigen Standes erhalten den Vorzug. Desfallsige Gesuche sind zu richten an den dortigen Vorstand Jacob Selig."
 
Hechtsheim Israelit 23081871.jpg (40196 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1871: "In der israelitischen Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet vakant und sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 325 Gulden, Nebenverdienste mindestens 175 Gulden. Freie Wohnung. Geeignete unverheiratete Bewerber wollen ihre Zeugnisse einreichen. Der Vorstand. Jakob Selig."
 
Hechtsheim Israelit 08111876.jpg (46560 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Lehrer gesucht. In der israelitischen Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz soll die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters (unverheiratet) baldigst besetzt werden. Fixer Gehalt 650 Reichsmark, Nebeneinkünfte circa 300 Reichsmark. Reisespesen werden nur bei erfolgtem Engagement vergütet. Meldungen nebst Zeugnisse beliebe man einzusenden an den Vorstand."
 
Hechtsheim Israelit 02011878.jpg (46036 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1878: "Die israelitische Religionsgemeinde zu Hechtsheim bei Mainz sucht einen unverheirateten Religionslehrer, Kantor und Schächter mit einem jährlichen Fix-Gehalt von 620 Mark. Die Stelle kann sofort angetreten werden. Spesen werden nur dem bewilligt, mit welchem die Gemeinde den Vertrag schließt. Darauf Reflektierende wollen ihre Zeugnisse an den Vorstand einsenden. Hechtsheim. Jacob Selig."
 
Hechtsheim Israelit 13021902.jpg (73976 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902: In der israelitischen Gemeinde Hechtsheim, Rabbinat Mainz, ist sofort oder bis 1. April dieses Jahres die Stelle eines seminaristisch gebildeten, möglichst unverheirateten Lehrers, Kantors und Schochets zu besetzen. Das jährliche Einkommen dürfte 1.200 – 1.300 Mark betragen. Meldungen nebst Zeugnissen sind an den unterzeichneten Vorstand zu richten. 
Moses Kapp,
1. Vorsteher."
 
Hechtsheim Israelit 19091907.jpg (63338 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1907: "In unserer Gemeinde ist sofort die Stelle eine geprüften Religionslehrers, Vorbeters und Schochets verbunden mit der Erteilung des Religionsunterrichts in der benachbarten Gemeinde Ebersheim zu besetzen. Gehalt Mark 800.-. Besoldung für den Unterricht in Ebersheim ca. Mark 200, Nebeneinkommen ca. Mark 400. Seminaristisch gebildete Bewerber haben den Vorzug. Offerten sind zu richten an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Hechtsheim bei Mainz."

   
Lehrer M. Kahn feiert seinen 70. Geburtstag (1931)    

Hechtsheim Israelit 22011931.jpg (30313 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931: "Herr Kollege M. Kahn in Hechtsheim konnte vor wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiern. Wir begrüßen den Kollegen im Namen des Unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Freistaate Hessen und wünschen ihm für eine noch lange Reihe von Jahren Gesundheit und Geistesfrische. (Alle Gute) bis 100 Jahre."  

   
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Antisemitische Regungen in Hechtsheim 1881

Hechtsheim Israelit 23021881.jpg (120093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1881: "Mainz, 20. Februar (1881). Die Judenhetze in verschiedenen unserer Nachbargemeinden scheint eher im Zu-, als im Abnehmen begriffen zu sein. So wurden am Mittwochabend um 11 Uhr an dem Hause eines in Hechtsheim wohnenden Israeliten die Fenster mit Pflastersteinen derart zertrümmert, dass sogar das Fensterkreuz in Stücke flog. Auch einem Christen wurden die Fenster eingeworfen, doch wohl nur aus dem Irrtum, denn bis vor Kurzem war die Wohnung des Christen von einem Israeliten bewohnt und war dieser Wohnungswechsel wahrscheinlich noch nicht zur Kenntnis der Fenstereinwerfer gelangt. – Auch in Heidesheim wurden vorgestern die Fenster eines dorten wohnenden Israeliten während der Nacht mit Steinen eingeworfen. – In Nieder-Olm ferner, wo man erst kürzlich die einem Israeliten gehörigen Obstbäume gewaltsam zerstörte, wurde vorgestern Nacht ein Zettel an das Haus eines Juden geklebt mit dem Inhalte, dass, wenn binnen 8 Tagen die Juden nicht ausgewandert seien, man denselben den Hals abschneiden würde. Das sind die Folgen des zelotischen Wahnwitzes gewisser Leute und ihres Anhanges, sowie der unter dem Deckmantel des Christentums verübten Hetzereien in gewissen Blättern! Gott besser’s! (Mainzer Anzeiger)."
   
Hechtsheim Israelit 20071881.jpg (77350 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1881: "Hechtsheim, 18. Juli (1881). Von Samstag auf Sonntagnacht waren hier sieben bis acht Plakate folgenden Inhalts angeschlagen worden: ‚Hepp! Hepp! Alle unsere Freunde und Gesinnungsgenossen fordern wir auf, heute Nacht 12 Uhr an dem bestimmten Platze zu erscheinen, damit wir gemeinschaftlich gegen die Juden vorgehen können!!!!! Unsere Mitbürger bitten wir, wenn sie etwas hören, sich ruhig zu verhalten!!! Der Vorstand des Antisemiten-Vereins.’ Man hat indes in der verflossenen Nacht nichts gehört und die Ruhe wurde in keiner Weise gestört. Man glaubt deshalb allgemein, dass es nur ein dummer Bubenstreich gewesen ist, durch welchen die Leute in Angst versetzt werden sollten."       

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeige von Siegfried Selig (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901: "Eine Krankenwärterin zu einem älteren Herrn, in unmittelbarer Nähe von Mainz für sofortigen Eintritt gesucht
Näheres bei Siegfried Selig, Hechtsheim bei Mainz."   

 
Anzeige von Frau Gretha Muhr (1911)         

Hechtsheim FrfIsrFambl 24111911.jpg (44810 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1911: "Suche für eine alleinstehende, ältere Dame ein tüchtiges, zuverlässiges Mädchen. Dasselbe kann sich ein schönes angenehmes Heim sichern. Näheres bei F
rau Gretha Muhr, Hechtsheim bei Mainz."  

      
    
    

Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus vorhanden. 1840 wurde eine Synagoge in der Synagogengasse erbaut.   
  

Enthüllung der Gedenktafel für die Gefallenen in der Synagoge (1926)  

Hechtsheim CV 08011926.jpg (37487 Byte)Artikel in der Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 8. Januar 1926: "In Hechtsheim (Rheinhessen) wurde am 13. Dezember in der Synagoge die Gedenktafel für die vier im Weltkrieg gefallenen Söhne der dortigen jüdischen Gemeinde enthüllt. Kreisrabbiner Dr. Levi (Mainz) hielt eine ergreifende Weiherede, welche von Psalmvorträgen des Herrn Lehrer Kahn umrahmt war."  

1939 wurde die Synagoge zu einem Wohnhaus umgebaut.    

Adresse/Standort der SynagogeSynagogenstraße 

Fotos

Historische Fotos sind noch nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite.  
     
Erinnerung an die Synagoge: die 
heutige Synagogenstraße
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 31.3.2005)
Hechtsheim Synagoge 200.jpg (66386 Byte)  
     
     

   
  

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Mainz  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hechtsheim (interner Link)

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 341.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 178.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben). 
Dieter Krienke: Die Synagogen der Mainzer Vororte Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel. In: Die Mainzer Synagogen. Hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainz 2008. Weitere Informationen zu diesem Buch bei den Literaturangaben auf der Seite zu den Synagogen in Mainz.     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hechtsheim  Hesse.  A synagogue was built there in 1841. The community, numbering 97 (about 3 % of the total) in 1900, dwindled to 30 Jews in 1933 and to one only in December 1938.    
             

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011