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Hechtsheim (Stadt
Mainz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Hechtsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
1762 werden zwei jüdische Einwohner unter damals insgesamt 417 Einwohnern
genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1824 24, 1828 28 jüdische Einwohner, 1855 43, 1861 74 (3,6 % von
insgesamt 2.051), 1875 86, 1880 86 (3,4 % von 2.558), 1900 und 1905 97, 1910 74
(2,2 % von 3.344).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gesamtgemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (Ausschreibungen
der Stelle siehe unten). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mainz.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Karl Kapp (geb.
28.7.1885 in Hechtsheim, gef. 26.9.1916),
Richard Kapp (geb. 12.12.1896 in Hechtsheim) und Unteroffizier Luzian Weiß
(geb. 31.5.1884 in Hechtsheim, gef. 15.6.1916).
Um 1924, als noch 54 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,5 %
von insgesamt 3.603 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Weiß, Leo Kapp und Berthold
Selig. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war M. Kahn tätig, als Rechner
ein Herr Reins. Den Unterricht an der jüdischen Religionsschule besuchten
damals fünf Kinder.
Nach 1933 ist ein Teil
der
jüdischen Gemeindeglieder (1933: 71 Personen) auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der letzte Vorsitzende der
Gemeinde war Julius Weiß. Bis 1937 war die Zahl der jüdischen Einwohner
auf 30 zurückgegangen. 1939 war nur noch eine jüdische Person in Hechtsheim
wohnhaft, die im September 1942 deportiert wurde.
Von den in Hechtsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Helene
Fried geb. Michel (1882), Emma Hirsch geb. Levy (1899), Eugenie Hirsch geb. Weis
(1891), Irma Kahn geb. Kapp (1886), David Kapp (1882), Heinrich
Kapp (1918), Ludwig Kapp (1892), Sitta (Sitty) Kapp (1895), Justina Kramer geb.
Selig (1869), Lilli Löb geb. Muhr (1888), Bina Marx geb. Muhr (1878) Johanna (Johanette)
Mayer geb. Kapp (1880),
Elisabeth (Elisabetha) Meister geb. Michel (1885), Berthold Selig (1878), Margaretha Selig
geb. Berthold (1879), Otto Selig (1878), Hetty Strauss geb. Kapp (1900),
Elisabeth (Elisabetha) Sußmann geb. Selig (1864), Emma Weis geb. Selig (1901),
Elisabeth Weiß geb. Michel (1883), Ilse Babette Weiss (1902), Julius Weiss (1880), Klara
(Clara) Weiss (1868), Lotte Weiss (1924), Max Weiss (1889).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
(Anzeigen 1863 - 1907)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1863: "Religionslehrer
gesucht! Die israelitische Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz wünscht zum
1. September dieses Jahres oder später einen Religionslehrer, Vorsänger
und Schochet anzustellen. Einkommen 300 Gulden nebst freier Wohnungen. -
Meldungen sind zu richten an
Leo Selig, Vorsteher." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1872: "Vacanz.
Die israelitische
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Hechtsheim bei Mainz
ist vakant und soll demnächst wieder besetzt werden. Gehalt 325 Gulden
und etwa 200 Gulden Nebeneinkünfte. Bewerber ledigen Standes erhalten den
Vorzug. Desfallsige Gesuche sind zu richten an den dortigen Vorstand Jacob
Selig." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1871: "In der israelitischen
Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schochet vakant und sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 325
Gulden, Nebenverdienste mindestens 175 Gulden. Freie Wohnung. Geeignete
unverheiratete Bewerber wollen ihre Zeugnisse einreichen. Der Vorstand.
Jakob Selig." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Lehrer gesucht.
In
der israelitischen Gemeinde zu Hechtsheim bei Mainz soll die Stelle eines
Religionslehrers, Vorsängers und Schächters (unverheiratet) baldigst
besetzt werden. Fixer Gehalt 650 Reichsmark, Nebeneinkünfte circa 300
Reichsmark. Reisespesen werden nur bei erfolgtem Engagement vergütet. Meldungen
nebst Zeugnisse beliebe man einzusenden an den Vorstand." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1878: "Die israelitische
Religionsgemeinde zu Hechtsheim bei Mainz sucht einen unverheirateten
Religionslehrer, Kantor und Schächter mit einem jährlichen Fix-Gehalt
von 620 Mark. Die Stelle kann sofort angetreten werden. Spesen werden nur
dem bewilligt, mit welchem die Gemeinde den Vertrag schließt. Darauf
Reflektierende wollen ihre Zeugnisse an den Vorstand einsenden.
Hechtsheim. Jacob Selig." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902: In der israelitischen
Gemeinde Hechtsheim, Rabbinat Mainz, ist sofort oder bis 1. April dieses
Jahres die Stelle eines seminaristisch gebildeten, möglichst
unverheirateten Lehrers, Kantors und Schochets zu besetzen. Das jährliche
Einkommen dürfte 1.200 – 1.300 Mark betragen. Meldungen nebst
Zeugnissen sind an den unterzeichneten Vorstand zu richten.
Moses Kapp, 1.
Vorsteher." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1907: "In unserer
Gemeinde ist sofort die Stelle eine geprüften Religionslehrers, Vorbeters
und Schochets verbunden mit der Erteilung des Religionsunterrichts in der
benachbarten Gemeinde Ebersheim
zu besetzen. Gehalt Mark 800.-. Besoldung für den Unterricht in Ebersheim
ca. Mark 200, Nebeneinkommen ca. Mark 400. Seminaristisch gebildete
Bewerber haben den Vorzug. Offerten sind zu richten an den Vorstand der
israelitischen Religionsgemeinde zu Hechtsheim bei Mainz." |
Lehrer M. Kahn feiert seinen 70. Geburtstag (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931:
"Herr Kollege M. Kahn in Hechtsheim konnte vor wenigen Tagen seinen
70. Geburtstag feiern. Wir begrüßen den Kollegen im Namen des
Unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Freistaate Hessen und
wünschen ihm für eine noch lange Reihe von Jahren Gesundheit und
Geistesfrische. (Alle Gute) bis 100 Jahre." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Antisemitische Regungen in Hechtsheim 1881
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1881: "Mainz, 20. Februar
(1881). Die Judenhetze in verschiedenen unserer Nachbargemeinden scheint
eher im Zu-, als im Abnehmen begriffen zu sein. So wurden am Mittwochabend
um 11 Uhr an dem Hause eines in Hechtsheim wohnenden Israeliten die
Fenster mit Pflastersteinen derart zertrümmert, dass sogar das
Fensterkreuz in Stücke flog. Auch einem Christen wurden die Fenster
eingeworfen, doch wohl nur aus dem Irrtum, denn bis vor Kurzem war die
Wohnung des Christen von einem Israeliten bewohnt und war dieser
Wohnungswechsel wahrscheinlich noch nicht zur Kenntnis der
Fenstereinwerfer gelangt. – Auch in Heidesheim wurden vorgestern die
Fenster eines dorten wohnenden Israeliten während der Nacht mit Steinen
eingeworfen. – In Nieder-Olm ferner, wo man erst kürzlich die einem
Israeliten gehörigen Obstbäume gewaltsam zerstörte, wurde vorgestern
Nacht ein Zettel an das Haus eines Juden geklebt mit dem Inhalte, dass,
wenn binnen 8 Tagen die Juden nicht ausgewandert seien, man denselben den
Hals abschneiden würde. Das sind die Folgen des zelotischen Wahnwitzes
gewisser Leute und ihres Anhanges, sowie der unter dem Deckmantel des
Christentums verübten Hetzereien in gewissen Blättern! Gott besser’s!
(Mainzer Anzeiger)." |
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Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1881: "Hechtsheim, 18. Juli
(1881). Von Samstag auf Sonntagnacht waren hier sieben bis acht Plakate
folgenden Inhalts angeschlagen worden: ‚Hepp! Hepp! Alle unsere Freunde
und Gesinnungsgenossen fordern wir auf, heute Nacht 12 Uhr an dem
bestimmten Platze zu erscheinen, damit wir gemeinschaftlich gegen die
Juden vorgehen können!!!!! Unsere Mitbürger bitten wir, wenn sie etwas hören,
sich ruhig zu verhalten!!! Der Vorstand des Antisemiten-Vereins.’ Man
hat indes in der verflossenen Nacht nichts gehört und die Ruhe wurde in
keiner Weise gestört. Man glaubt deshalb allgemein, dass es nur ein
dummer Bubenstreich gewesen ist, durch welchen die Leute in Angst versetzt
werden sollten." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Siegfried Selig (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901: "Eine
Krankenwärterin zu einem älteren Herrn, in unmittelbarer Nähe von
Mainz für sofortigen Eintritt gesucht.
Näheres bei Siegfried Selig, Hechtsheim bei
Mainz." |
Anzeige von Frau Gretha Muhr
(1911)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November
1911: "Suche für eine alleinstehende, ältere Dame ein tüchtiges, zuverlässiges
Mädchen. Dasselbe kann sich ein schönes angenehmes Heim sichern.
Näheres bei F
rau Gretha Muhr, Hechtsheim bei Mainz." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus
vorhanden. 1840 wurde eine Synagoge in der Synagogengasse erbaut.
Enthüllung der Gedenktafel für die Gefallenen in der
Synagoge (1926)
Artikel in
der Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 8. Januar 1926: "In Hechtsheim
(Rheinhessen) wurde am 13. Dezember in der Synagoge die Gedenktafel für
die vier im Weltkrieg gefallenen Söhne der dortigen jüdischen Gemeinde
enthüllt. Kreisrabbiner Dr. Levi (Mainz) hielt eine ergreifende
Weiherede, welche von Psalmvorträgen des Herrn Lehrer Kahn umrahmt war." |
1939 wurde die Synagoge zu einem Wohnhaus umgebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Synagogenstraße
Fotos
| Historische Fotos
sind noch nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite. |
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Erinnerung an die Synagoge:
die
heutige Synagogenstraße
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 31.3.2005) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 341. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 178. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Dieter Krienke: Die Synagogen der Mainzer Vororte
Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel. In: Die Mainzer Synagogen.
Hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für
Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainz 2008. Weitere Informationen zu diesem Buch
bei den Literaturangaben auf der Seite zu den Synagogen
in Mainz.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hechtsheim Hesse. A
synagogue was built there in 1841. The community, numbering 97 (about 3 % of the
total) in 1900, dwindled to 30 Jews in 1933 and to one only in December
1938.

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