|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
zur
Übersicht "Synagogen im Landkreis Mainz-Bingen"
Heidesheim
am Rhein (VG Heidesheim am Rhein, Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Heidesheim bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis um
1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
Erstmals wird 1569-75 in einem Kammergerichtsprozess ein jüdischer
Einwohner (Jud Aaron zu Heidesheim) genannt.
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien zu: 1730 zwei
Familien, um 1780 die Familien des Salomon Löwensberg, Adam und Simon
Rosenthal, Adam Ehrenstamm, Moises Benedikt und Franziska Ehrenstamm (Witwe von
Benedikt Ehrenstamm). Die jüdischen Familien betrieben Viehhandel. Sie lebten
fast alle in sehr einfachen Verhältnissen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1815 38 jüdische Einwohner, 1824 31, 1830 35, 1834 28, 1900 15, 1910 7.
Offiziell gehörten die in Heidesheim lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde
in Oberingelheim, doch hatten sie eigene Einrichtungen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (Betsaal,
s.u.) und einen Friedhof. Die jüdischen Kinder besuchten die allgemeine
christliche Schule am Ort und erhielten ihren Religionsunterricht durch einen
auswärtigen Lehrer (vermutlich durch den jeweiligen jüdischen Lehrer in
Ober-Ingelheim). 1825 wird von sieben jüdischen Kindern am Ort berichtet (vier Jungen,
drei Mädchen); vermutlich sind es auch in der Folgezeit nicht mehr Kinder
gewesen.
Auf Grund des Rückgangs der jüdischen Einwohner wurde die jüdische Gemeinde
am Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelöst.
Nach 1933 sind die meisten der damals noch am Ort lebenden jüdischen
Personen (1932: noch fünf Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Wohnung einer jüdischen Frau überfallen, diese misshandelt
und ein Teil ihres Mobiliars demoliert. Der Apotheker Max Holländer wurde
gezwungen, der Gemeinde sein Besitztum, die Schlossmühle beziehungsweise das
Mühlenschloss zu "schenken". Er emigrierte wenig später in die USA,
wo er verstarb.
Von den in Heidesheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosalie Baer geb.
Ehrenstern (1875), Ingeborg Emden (1917), Rosa Gruner geb. Ehrenstamm (1891),
Hermine Hilb geb. Maier (1862), Emil Löwensberg (1863), Berta Sauerbach geb.
Stein (1877), Helene Stein (1873), Fritz Isaak Zeitin (1910).
Im Februar 2012 wurden für den Apotheker Max Holländer und seine Frau
Johanna sog. "Stolpersteine" verlegt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Unwetter über Heidesheim - auch jüdische Familien
schwer geschädigt (1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1876:
"Heidesheim bei Mainz, 17. April 1876. Ihre geehrten Leser werden
schon in den politischen Blättern von dem schrecklichen Unheil gelesen
haben, welches unseren Ort betroffen hat. Sonntag, den 2. April, gegen
Abend, entlud sich auf der Höhe von Wackernheim ein furchtbarer
Wolkenbruch. Die hernieder stürzenden Wassermassen kamen mit
entsetzlichem Tosen zu uns herunter, Alles mit sich fortreißend, Alles
zerstörend. Sechszehn Häuser sind eingestürzt, acht Menschen und viele
Tiere fanden den Tod in den Fluten. Auch zwei jüdische Familien sind hart
betroffen und haben einen großen Teil ihrer Habe verloren; doch haben
sie, Gott sei Dank, an Leben und Gesundheit keinen Schaden gelitten. Mit
knapper Not wurde eine todkranke, jüdische Frau aus dem
zusammenstürzenden Hause getragen; aber trotzdem sie in den hernieder strömenden
Regen hinausgebracht werden musste, befindet sie sich nicht allein seitdem
nicht schlechter, sondern sie sieht ihrer Genesung entgegen." |
Antisemitische Regungen in Heidesheim (1881)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1881: "Mainz, 20. Februar
(1881). Die Judenhetze in verschiedenen unserer Nachbargemeinden scheint
eher im Zu-, als im Abnehmen begriffen zu sein. So wurden am Mittwochabend
um 11 Uhr an dem Hause eines in Hechtsheim wohnenden Israeliten die
Fenster mit Pflastersteinen derart zertrümmert, dass sogar das
Fensterkreuz in Stücke flog. Auch einem Christen wurden die Fenster
eingeworfen, doch wohl nur aus dem Irrtum, denn bis vor Kurzem war die
Wohnung des Christen von einem Israeliten bewohnt und war dieser
Wohnungswechsel wahrscheinlich noch nicht zur Kenntnis der
Fenstereinwerfer gelangt. – Auch in Heidesheim wurden vorgestern die
Fenster eines dorten wohnenden Israeliten während der Nacht mit Steinen
eingeworfen. – In Nieder-Olm ferner, wo man erst kürzlich die einem
Israeliten gehörigen Obstbäume gewaltsam zerstörte, wurde vorgestern
Nacht ein Zettel an das Haus eines Juden geklebt mit dem Inhalte, dass,
wenn binnen 8 Tagen die Juden nicht ausgewandert seien, man denselben den
Hals abschneiden würde. Das sind die Folgen des zelotischen Wahnwitzes
gewisser Leute und ihres Anhanges, sowie der unter dem Deckmantel des
Christentums verübten Hetzereien in gewissen Blättern! Gott besser’s!
(Mainzer Anzeiger)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betsaal war in Heidesheim im Hause der Familie
Ehrenstamm eingerichtet. 1882 wird er in einer damals ausgestellten
Versicherungspolice mit einem Versicherungswert von 1.060 Mark genannt. In
dieser Versicherungspolice wird auch das Gebäude und das Inventar beschrieben:
"Die Westdeutsche Versicherungs-Actien-Bank versichert [...] folgende
Gegenstände, welche Eigentum der Israelitischen Religionsgemeinde sind, und
sich in dem zu Heidesheim, Kreis Bingen, Oberdorfstraße ohne Nr. gelegenen,
massiv unter Ziegeldach ohne Docken erbauten [...] Gebäude befinden: 1. drei
Gesetzesrollen (= Torarollen), 2. verschiedene Gebetbücher, 2. zehn
Bänke und Stühle 4. ein Altar (= Toraschrein), 5. ein
Bücherschrank 6. ein Gebet inklusive Einrahmung 7. ein
Betstuhl 8. diverse Leuchter 9. Utensilien zur Bekleidung der
Gesetzesrollen".
Um 1900, spätestens um 1910 wurde der Betsaal aufgegeben, da auf Grund
des nicht mehr zustande kommenden Minjan keine regelmäßigen
Gottesdienste mehr in Heidesheim abgehalten werden konnten. Der Betsaal soll
nach mündlicher Überlieferung in einem Nebengebäude des Anwesens
Oberdorfstraße 12 eingerichtet gewesen sein. In dem noch erhaltenen Gebäude,
soll sich eine Nische befinden, die einst mit einem Davidstern gekennzeichnet
war (Angaben im Buch des Landesamtes S. 181).
Nach Schließung des Betsaales in Heidesheim wurden von den noch am Ort lebenden
jüdischen Personen die Gottesdienste in Oberingelheim
besucht.
Adresse/Standort der Synagoge: vermutlich in
einem Anbau zur Oberdorfstraße 12
Fotos
Außer zum
jüdischen Friedhof liegen noch keine Fotos / Abbildungen zur jüdischen
Geschichte in Heidesheim vor; über Hinweise oder Zusendungen freut sich
der
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
|
| |
|
|
| |
|
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2009:
Gedenken an die aus Heidesheim umgekommenen
jüdischen Personen |
Artikel von Dennis Rink in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 11. November 2009 (Artikel):
"Heidesheimer gedenken der Nazi-Opfer.
HEIDESHEIM. Der 9. November 1938 ist als eines der dunkelsten Kapitel in die deutsche Geschichte eingegangen. In der Pogromnacht fielen viele jüdische Mitbürger der Gewalt und dem Hass der Nationalsozialisten zum Opfer. Wie in Mainz, wo in dieser Nacht die Synagogen in Brand gesteckt und Wohnungen ausgeplündert wurden, wüteten die Nazis auch in
Heidesheim..." |
| |
| Dezember 2010:
In Heidesheim sollen "Stolpersteine"
verlegt werden |
Aus einem Artikel von Michaela Paefgen-Laß
über Aktivitäten mehrerer Heidesheimer Vereine in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 1. Dezember 2010 (Artikel,
nur ein Abschnitt aus diesem Artikel wird zitiert): Artikel
"Ball zum Gastgeber Südafrika zurückschießen.
KULTUR UND POLITIK Heidesheimer Verein spendet Fußbälle aus fairem Handel aus Erlös von Veranstaltungen im WM-Sommer
........
Der Verein 'Kultur und Politik' setzt sich seit dem Jahr 2000 parteienübergreifend ein für die kreative und vielseitige Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Kulturen und Gesellschaften. Unter anderem veranstaltet der Verein jährliche Schweigemärsche durch Heidesheim zur Erinnerung an die Reichspogromnacht und Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. Als nächstes Projekt werden in Heidesheim
Stolpersteine gesetzt, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger der Gemeinde erinnern sollen." |
| |
| Dezember 2011:
Zum Stand der Planungen für
die Verlegung von "Stolpersteinen" in Heidesheim |
Artikel von Lena Fleischer in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 27. Dezember 2011: "Premiere an
der Schlossmühle.
Stolpersteine. Auch Heidesheim erinnert an die
Opfer der Nazis / Kooperation mit Künstler Gunter Demnig..."
Premiere an der Schlossmühle (Allgemeine Zeitung, 27.12.2011) |
| |
| Februar 2012:
Die ersten "Stolpersteine" werden in
Heidesheim verlegt |
Artikel von Sascha Diehl in der
"Allgemeinen Zeitung" vom 24. Februar 2012: "'Vergangenheit
aufarbeiten'.
Gedenken - Heidesheim verlegt erstmals Stolpersteine zur
Erinnerung an Nazi-Opfer..."
„Vergangenheit aufarbeiten“ (Allgemeine Zeitung, 24.02.2012) |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
1971 Bd. I S. 342. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 181 (mit weiteren Literaturangaben).
|

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|