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Saarbrücken
(Saarland)
mit Orten der Umgebung
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Saarbrücken besteht eine jüdische Gemeinde bis zur
Gegenwart, unterbrochen von den Jahren einer gewaltsamen Auflösung der
Gemeinde sowie der Vertreibung bzw. Deportation und teilweisen Ermordung ihrer
letzten Mitglieder in der NS-Zeit.
Vermutlich schon im Mittelalter lebten einzelne Juden in (Alt-)Saarbrücken
und in St. Johann. In
einem Freiheitsbrief, den Graf Johann I. 1321 den beiden Städten verlieh, behielt er sich die Herrschaft über die Juden auch
weiterhin vor. Mit dieser allgemein gehaltenen Formulierung ist jedoch noch nicht eindeutig der Nachweis erbracht, dass
Juden damals in den beiden Städten ansässig waren, zumal weitere Nachrichten
fehlen.
Erst im 18. Jahrhundert konnten jüdische Personen wieder in der Stadt
zuziehen. Als Geldgeber der Fürsten von Nassau-Saarbrücken und als Pächter von
Eisenbetrieben in der Grafschaft Saarbrücken werden einzelne Juden genannt.
Seit 1760 waren jüdische Kauf- und Handelsleute in der Stadt willkommen,
um für ein weiteres Wirtschaftswachstum zu sorgen. Gesetze wurden
verabschiedet, wonach Juden Häuser und Felder erwerben konnten und für ihr
Vieh Weide und Wasser erhielten. Die zunächst positive Entwicklung wurde jedoch
1776 unterbrochen, als sich die christlichen Kaufleute gegen die
jüdische Konkurrenz wehrten. Im Juli 1776
erkauften sich die Bürger der Städte Saarbrücken
und St. Johann von Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken für 75 Louis d'or
die Ausweisung der Juden der Stadt. Die Kaufleute erbrachten 25 und die Gemeindekassen 50
Louis d'or. Innerhalb der Stadtmauern und im Umkreis von 2 Stunden durfte nach
dem Dekret des Fürsten kein Jude mehr
wohnen.
Unter französischer Herrschaft konnten seit der Zeit um 1800 wieder jüdische
Personen zuziehen. Der vermutlich erste war 1793 Wirt Isaak Kahn aus Tholey.
Es folgte 1795 die Händlerfamilie Simon Moses aus Lixheim in Lothringen. 1808
wurden 61 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem
nach dem Aufschwung Saarbrückens als Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie an
der Saar zogen zahlreiche jüdische Personen und Familien aus der weiteren
Umgebung zu: aus Orten im Gebiet des heutigen Saarlandes, aber auch aus Orten im
Bereich des Elsasses, Lothringens und der Pfalz.
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1829 14 jüdische Familien, 1837 zehn jüdische Familien, 1843 45
jüdische Einwohner, 1871 in St. Arnual, Altsaarbrücken und St.
Johann zusammen 232 jüdische Einwohner, 1885 376, 1905 872, 1910
1103.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden durch jüdische
Gewerbetreibende zahlreich offene Läden und Handelsgeschäfte eröffnet.
1916 gab es 13 jüdische Textilwarengeschäfte und 14 Leder- und Schuhgeschäfte
im Besitz jüdischer Personen. 1910 waren vier der zusammen 44 Ärzte der Stadt
jüdische Gemeindeglieder, 1919 sieben der damals 40 Juristen. Im Stadttheater
gab es unter den Schauspielern wie im Orchester jeweils mehrere jüdische
Personen. Mehrere Industriebetriebe waren von jüdischen Unternehmern aufgebaut
worden, darunter chemische Fabriken und Tabakfabriken. Zwei Hotels und eine
Apotheke gehörten gleichfalls jüdischen Personen.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts kamen etliche osteuropäische Juden
auf der Flucht vor den dortigen Pogromen in die
Stadt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war u.a. ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Kantor der Gemeinde tätig war. Weiter war ein Schochet
angestellt (vgl. die Ausschreibung der beiden Stellen 1892 unten). In den
1920er-Jahren gab es zwei Kantoren, von denen einer Oberkantor war. Die
osteuropäischen Juden richteten einen eigenen Betraum ein.
Saarbrücken war zeitweise Sitz eines Rabbiners. Als Rabbiner waren tätig: 1921
bis 1924 Rabbiner Dr. Siegfried Alexander, 1924 bis 1928 Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob,
1929 bis 1934 Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf, 1935 bis 1938 Rabbiner Dr.
Lothar Simon Rothschild.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Vizefeldwebel
Karl Abraham (geb. 24.3.1889 in Saarbrücken, gef. 10.12.1917), Fritz Bickart
(geb. 22.6.1893 in Saarbrücken, gef. 23.4.1917), Unteroffizier Heinrich
Dottenheimer (geb. 13.4.1888 in Müllheim/Baden, gef. 22.8.1914), Vizefeldwebel
Ernst Freund (geb. 20.11.1892 in Saarbrücken, gef. 18.12.1914), Jakob Heinrich
Heil (geb. 23.1.1878 in Dieburg, gef. 24.6.1915), Max Lion (geb. 15.10.1883 in
Saarbrücken, vor 1914 in Gelsenkirchen wohnhaft, gef. 25.9.1915), Unteroffizier
Emil Hirsch (geb. 16.9.1882 in Homburg, Pfalz, gef. 18.10.1917), Hermann Hirsch
(geb. 17.8.1886 in Talling, gef. 22.8.1914), Max Japhet (geb. 12.7.1887 in
Saarbrücken, gef. 17.7.195), Richard Kahn (geb. 11.6.1888 in Worms, gef.
25.4.1918), Gefreiter Robert Kahn (geb. 24.2.1889 in Schirrhofen, gef.
5.4.1916), Moritz Kirchheimer (geb. 28.8.1886 in Berwangen, gef. 25.7.1917),
Manfred Levy (geb. 2..9.1899 in Saarlouis, gef. 27.10.1918), Leopold Lion (geb.
9.4.1896 in Saarbrücken, gef. 12.7.1915), Lnt. Hugo Lyon (geb. 30.5.1889 in
Saarbrücken, gef. 7.9.1917), Alexander Marx (geb. 20.11.1898 in Ratingen, gef.
16.12.1916), Arthur Marx (geb. 18.11.1895 in Saarbrücken, geb. 18.12.1914),
Rüdiger (Roger) Michel (geb. 2.9.1894 in St. Avold, gef. 24.7.1917), Julius
Mortge (geb. 6.5.1890 in Rhens, gef. 14.1.1918), Isidor Salomon (geb. 16.9.1881
in Zell, Mosel, gef. 1.10.1915), Unteroffizier Samuel Kurt Schlesinger (geb.
28.6.1886 in Nordhausen, gef. 26.8.1914), Gustav Weil (geb. 8.11.1870 in Konken,
gef. 27.2.1917), Jacob Weil (geb. 18.3.1890 in Gailingen, gef. 5.3.1915), Leo
Weiler (geb. 18.6.1889 in Ensdorf, gef. 22.12.1914), Unteroffizier Siegfried
Wolfermann (geb. 6.12.1897 in Saarbrücken, gef. 9.10.1917), Arthur Wolfsbruck
(geb. 7.2.1892 in Walduren, gef.
16.5.1917).
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde etwa 2.200 Personen gehörten (fast
2 % von insgesamt etwa 120.000 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Gottfried Marx
(Sulzbachstraße 24), Vorsteher der Repräsentanz Dr. Bichart (Sulzbachstraße
3). Rabbiner Dr. Jacob wohnte in der Dudweilerstraße 69. Als Ober-Kantor war J.
Lißner tätig, als weiterer Kantor J. Wolfermann. Synagogendiener war A. David.
Die Religionsschule der Gemeinde besuchten 117 Kinder. Zur jüdischen Gemeinde
Saarbrücken gehörten Mitte der 1920er-Jahre auch die jüdischen Einwohner u.a.
in Friedrichsthal
(Saar); den heutigen Stadtteilen von Saarbrücken: Altenkessel,
Brebach, Schafbrücke und
Scheidt; Heusweiler;
Völklingen mit Stadtteilen Fürstenhausen,
Ludweiler und Wehrden;
Sulzbach/Saar; Dudweiler;
Güchenbach (Ortsteil von Riegelsberg),
Quierscheid, Püttlingen.
1932 waren die Gemeindevorsteher: Gottfried Marx (1. Vors.,
Heinestraße 7), Dr. Weiler I (2. Vors. Bismarckstraße 45), Ferdinand Seligmann
(3. Vors. Graf-Johann-Straße 24). Die beiden Vorsitzenden der Repräsentanz waren
Martin Mendelssohn (1. Vors., Quienstraße 21) und Dr. Leo Weiler (2. Vors.,
Karcher Straße 4). Es gab zur Bewältigung der Gemeindeaufgaben mehrere Ausschüsse:
Schul- und Jugendpflege-Ausschuss (Vorsitzender Dr. Leo Weiler), Bau-Ausschuss
(Vorsitzender Martin Mendelssohn), Synagogenausschuss (Vorsitzender Frenkel),
Friedrichs-Ausschuss (Vorsitzender Friedberg), Armen- und
Krankenpflege-Ausschuss (Vorsitzender Mendelsohn), Revisions-Ausschuss
(Vorsitzender Cohn), Statuten-Ausschuss (Vorsitzender Dr. Weiler I.),
Finanzausschuss (Vorsitzender Dr. Scheuer). Der seit 1929 tätige Rabbiner Dr.
Rülf wohnte Mainzer Straße 171. Als Kantoren und Lehrer waren Rudolf Loewy
(Neumarkt 1) und Sigmund Friedemann (Uhlandstraße 32, siehe Bericht über
ihn unten) tätig.
An jüdischen Vereinen und Wohlfahrtseinrichtungen bestanden: eine Örtliche
Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege (Zentralstelle für jüdische
Wohlfahrtspflege), die Brüderschaft Chaj-Anoschim (1932 unter
Vorsitz vom Simon Salomon, Petersbergstraße 9), die Durchwandererfürsorge, der
Israelitische Frauenverein (1932 unter Vorsitz von Ida Blum, Rathausplatz
4), der Wohltätigkeitsverein (1932 unter Vorsitz von Leo Oppenheimer in
Scheidt), eine Ortsgruppe des Central-Vereins, der Ostjüdische Verein, die Saarloge (Vorsitzender Rechtsanwalt
Gustav Levy) und die Schwestervereinigung der Saarloge (1932 unter Vorsitz von
Frau Herrmann, Bleichstraße 6). Im Schuljahr 1931/32 wurde 310 Kindern der
Gemeinde Religionsunterricht erteilt. Es gab seit 1927 einen Jüdischen Kinderhort (Nassauer
Straße 6 mit 30 Plätzen). An Stiftungen gab es u.a. die Flora- und
Sally-Weil-Stiftung (Zweck und Arbeitsgebiet: Stipendien für die
Berufsausbildung; Adresse über Rabbiner Dr.
Rülf).
Obwohl Saarbrücken mit dem Saarland von 1920 bis 1935 als Folge des
Versailler Vertrages aus dem Deutschen Reich ausgegliedert war und als
Mandatsgebiet dem Völkerbund unterstand, setzten auch hier mit der
Machtübernahme der Nationalsozialisten im Reich 1933 als erstes starke
Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte ein (siehe Bericht unten). Die
internationale Regierungskommission unternahm keine Maßnahmen gegen die
Boykottierung der jüdischen Geschäfte. Auf Grund dieser Boykottmaßnahmen,
weiterer ständig zunehmender Repressionen und
der antijüdischen Stimmung in der Stadt haben bereits 1933 jüdische Einwohner
die Stadt verlassen. Mit der Angliederung der Saar an das Reich nahm die
Auswanderung zu. Bis Juni 1936 hatten bereits 36 % der Saarbrücker Juden die
Stadt verlassen. Bis dahin waren 69 jüdische Geschäfte verkauft worden. In der
jüdischen Schule gab es 1936 noch 145 Schülerinnen und Schüler, 20 % aus
anderen jüdischen Gemeinden des Saarlandes. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge niedergebrannt; die jüdischen Männer (etwa 130 bis 150)
wurden durch die Straßen der Stadt geführt und misshandelt. In den folgenden
Tagen wurden die meisten von ihnen in das KZ Dachau verbracht. im Mai 1939
wurden noch 175 jüdische Personen gezählt. Bei Kriegsausbruch wurde die Stadt
vorübergehend evakuiert. Nur wenige der jüdischen Einwohner durften
zurückkehren, andere wurden in Zwangsarbeitslager geschickt. Am 22. Oktober
1940 wurden sechs jüdische Einwohner in das KZ Gurs in Südfrankreich
deportiert.
Von den in Saarbrücken geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): eine
Zusammenstellung der etwa 250 Namen konnte noch nicht vorgenommen
werden.
Nach 1945: nach Kriegsende konnten Mitte 1946 40 überlebende Juden
eine neue Kultusgemeinde gründen, bis um 1950 kamen 180 jüdische Personen in
die Stadt zurück. Um 1960 gehörten ihr etwa 600 Personen an. Im Jahr 2005
zählte die Synagogengemeinde Saar etwa 1.100 aktive Mitglieder.
Weitere Informationen über die neue jüdische Gemeinde über die Website www.synagogengemeindesaar.de.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Anfangszeit der jüdischen Gemeinde
Neue Ansiedlung jüdischer Personen im 18. und wieder im 19. Jahrhundert (Artikel von 1843)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juli
1843: "Saarbrücken, 28. Juni (1843). Es ist höchst wichtig,
die Dokumente zu sammeln, welche den Geist und die Gesinnung der
Rheinländer betreffs der Emanzipation der Israeliten darlegen. Es kann
bald Gelegenheit kommen, sie zu benutzen. Ich übersende daher anbei die
Beurteilung, welche die in ihrem Blatte mitgeteilte Petition der
ehrenwerten Bürger von Saarbrücken und St. Johann, sechster Punkt: die
Emanzipation der Juden (s. No. 22), im 'Saarbrücker Anzeiger' No. 74
gefunden. Ich glaube, jedermann wird sich über diesen klagen, schlagenden
Artikel freuen, der in diesen seinen Eigenschaften, so viel auch über den
Gegenstand geschrieben wird, ein seltener ist.
'Wir gehen daher sofort über zu dem sechsten und letzten Punkt: die Emanzipation
der Juden. Wenn alle bisherigen Bitten lediglich dem Gebiete der Politik
und somit des Verstandes angehören, so hat diese Bitte zugleich etwas in
sich, das die edelsten Gefühle des menschlichen Herzens berührt.
Es war am 8. Juli 1776, als die Bürger der Städte Saarbrücken
und St. Johann für 75 Louisdor, wovon die Kaufmannschaft 25 aus eigenen
Mitteln, die Gemeindekassen 50 aufbrachten) von ihrem Fürsten das Recht
erkauften: dass innerhalb ihrer Mauern und bis auf 2 Stunden im Umgang
kein Jude wohnen dürfe. Die Söhne und Enkel dieser Bürger, tragen
im Jahre 1843 bei unserem Fürsten dahin an, dass die Juden, die
bereits bei uns eingebürgert sind, zum vollen Genusse aller der Rechte
zugelassen werden sollen, die uns selbst zustehen. Und was sind die Motive
dieses Schrittes? Die Petition beruft sich auf die Gleichheit der Lasten,
die die Juden mit uns teilen, auf den humanen Geist der Zeit und des
Christentums, Sitte und Religion, die teuersten Güter des gebildeten
Menschen.
Nichts kann mehr den Fortschritt bezeichnen, den des öffentliche Geist in
den 67 Jahren gemacht, welche zwischen den beiden Tatsachen liegen; es ist
der große Gedanke des angeborenen Menschenrechts, den die Zeit zum
Bewusstsein gebracht hat; es ist das dadurch erwachte Rechtsgefühl, das
sich verletzt findet bei dem Anblicke von Nebenmenschen, die mit gleichen
Fähigkeiten, gleichen Ansprüchen geboren, unter den letzten Trümmern
mittelalterlicher Ideen, halb ehr-, bald rechtlos, ein verkümmertes
Dasein führen." |
Aus der Geschichte des Rabbinates Saarbrücken
Über Rabbiner Dr. Siegfried
Alexander (Rabbiner von 1921 bis 1924)
Anmerkung: Dr. Siegfried Alexander (geb. 1886 in Losens, Posen,
umgekommen 1944 im KZ Auschwitz): studierte von 1907 bis 1912 in Berlin und
Würzburg (Promotion ebd. 1915); im Ersten Weltkrieg Frontsoldaten, dann
Feldhilfsrabbiner, seit 1919 Rabbiner in Köthen, Anhalt; seit Oktober 1921
Rabbiner in Saarbrucken, seit Mai 1924 bis zur Auflösung der Gemeinde 1938
Rabbiner in Berlin in der Gemeinde Ahawas Achim, dazu akademischer
Religionslehrer an höheren Schulen im Bezirk Wedding und Seelsorger des
jüdischen Krankenhauses und Altenheims; blieb auch nach 1938 in Berlin als
Rabbiner, Seelsorger und Religionslehrer; am 12. März 1943 mit seiner Frau in
das KZ Auschwitz deportiert.
Zum neuen Rabbiner in Saarbrücken wurde Dr.
Siegfried Alexander gewählt (1921)
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. August 1921:
"Zum Nachfolger des nach Saarbrücken berufenen Rabbiners Dr.
Alexander in Köthen ist Herr Rabbiner Leo Baneth aus Berlin gewählt
worden". |
Rabbiner Dr. Siegfried Alexander wird als neuer Rabbiner in Saarbrücken
eingeführt (1921)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. August
1921: "Köthen. Für den nach Saarbrücken berufenen
Rabbiner Dr. Siegfried Alexander, gebürtig aus Lobsenz in Posen,
wurde Rabbiner Leon Baneth aus Berlin nach hier
berufen." |
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Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 10. November 1921: "Saarbrücken. Dr. Alexander,
bisher Rabbiner in Köthen, wurde hier als Rabbiner
eingeführt." |
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Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. November
1921: "Dr. Alexander, bisher Rabbiner in Köthen, wurde in
Saarbrücken als Rabbiner eingeführt". |
Über Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob (Rabbiner von 1924 bis
1928)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Ernst I. Jacob (geb. 1899 in Göttingen als Sohn des
Rabbiners Dr. Benno Jacob, gest. 1974 in Pittsburgh, PA, US): studierte von 1920
bis 1924 in Breslau (hier auch Rabbinerexamen). Seit 1924 Rabbiner in
Saarbrücken, seit 1928/29 bis 1938 Bezirksrabbiner in Augsburg; November 1938
im KZ Dachau; im Januar 1940 in die USA emigriert, wo er ab 1943 als Rabbiner in
Springfield und ebd. als Prof. für Geschichte tätig war. Seit Ende 1968 im
Ruhestand. Sein Sohn Prof. Dr. Walter Jacob (geb. 1930) wurde gleichfalls
Rabbiner; bekannt u.a. als Gründer und erster Präsident des Abraham Geiger
Kollegs Potsdam.
Über Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf (Rabbiner von
1929 bis 1934 und 1951 bis 1952)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Friedrich Salomon Rülf (geb. 1896 in Braunschweig,
gest. 1976 in Vevey, Schweiz): studierte von 1914 bis 1923 in Breslau; im Ersten
Weltkrieg Feldhilfsgeistlicher, 1923 bis 1936 Rabbiner und Leiter der
Religionsschule des Schulvereins am Hamburger Tempel; 1926 Rabbiner in Bamberg,
1929 bis 1934 Rabbiner in Saarbrücken, dazu Vorsitzender der jüdischen
Wohlfahrtsorganisationen und der jüdischen Schulen in Saarbrücken, 1934
jüdischer Vertreter beim Völkerbund anlässlich der Volksabstimmung im
Saargebiet; Januar 1935 nach Palästina/Israel emigriert, wo er bis 1951 als
Lehrer, Schulleiter und Rabbiner tätig war, 1951 Rückkehr nach Deutschland,
September 1951 bis 1952 Rabbiner im Saargebiet, 1953 Rabbiner in Amsterdam, seit
1956 wieder in Israel. Zum Gedenken an seine Verdienste vergibt die
Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS)) die
Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille an Personen, Institutionen oder Initiativen,
die sich um die Verständigung zwischen Juden und Christen verdient gemacht
haben. Seit 2008 ist der Platz vor dem Saarcenter nach ihm
benannt.
Rabbiner Dr. Friedrich Rülff emigriert nach Palästina
- sein Nachfolger wird Dr. Lothar Rothschild (1934/1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6.
Dezember 1934: "Saarbrücken 29. November (1934). Der
bisherige Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken, Dr. Friedrich
Rülf, der erst vor kurzem in einer öffentlichen Erklärung dem der
saarländischen Judenheit gemachten Vorwurf undeutscher Gesinnung
entgegengetreten ist, und sich gegen judenfeindliche Tendenzen,
insbesondere gegen die Boykottierung jüdischer Unternehmungen und
Geschäfte, gewandt hat, verlässt am 1. Januar 1935 seinen Posten, um
sich in Palästina niederzulassen. Zu seinem Nachfolger wurde Dr.
Lothar Rothschild gewählt, der seine Studien am Breslauer
Jüdisch-Theologischen Seminar absolviert
hat." |
Über Rabbiner Dr. Lothar Simon Rothschild (Rabbiner von
1935 bis 1938)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Lothar Simon Rothschild (geb. 1909 in Karlsruhe,
gest. 1974 in St. Gallen): studierte von 1928 bis 1933 in Breslau und in Basel;
1935 bis 1938 Oberrabbiner für Saarbrücken und das Saarland, 1938 in die
Schweiz emigriert, wo er zunächst als Leiter der Flüchtlingshilfe Basel tätig
war; seit 1940 Lehrbeauftragter und Dozent an der Universität Zürich sowie in
St. Gallen, 1943 bis 1968 Rabbiner in St. Gallen, 1968 bis 1974 Rabbiner in
Kreuzlingen.
Rabbiner Dr. Lothar Rothschild verlässt Saarbrücken (1938)
Artikel
im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 4. November 1938:
"Rabbiner Dr. Lothar Rothschild, der das Rabbinat der
Synagogengemeinde Saarbrücken und das Bezirksrabbinat für das
Saarland seit dem 1. Januar 1935 versehen hat, hat dieser Tage seinen
Wohnsitz nach der Schweiz verlegt. In einer verhältnismäßig kurzen,
aber ereignisreichen Zeit, in der die Zahl der Gemeindemitglieder auf ein
Zehntel ihres Bestandes zurückging, hat Herr Dr. Rothschild die Aufgaben
seines Amtes mit tiefem Verständnis für die Sorgen und Nöte jedes
Einzelnen und steter Hilfsbereitschaft ausgeübt. Insbesondere galt seine
Sorge der Förderung der Jugendlichen. Als Redner hat sein Name weit über
den kreis seiner Gemeinde hinaus Anerkennung gefunden. Dr. Rothschild
gehörte dem Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und
auch dem Rat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland an. (Der
'Jüdischen Rundschau' entnommen).
Den Leser des 'Jüdischen Gemeindeblattes' ist Rabbiner Dr. Rothschild
durch seine lehrreichen und interessanten Beiträge
bekannt." |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultusbeamten
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors
sowie der Stelle des Schochet
1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1892:
"Die Kultusgemeinde des Kreises Saarbrücken sucht sofort einen
musikalisch gebildeten Kantor und Religionslehrer, welcher befähigt sein
muss, einen Synagogenchor zu leiten, wie auch Predigten zu halten. Gehalt
2.000 Mark pro Jahr. Nebeneinkommen ca. 600 Mark.
Ferner einen Schochet, welcher als Hilfskantor zu fungieren hat.
Garantiertes Einkommen 1.500 Mark pro Jahr. Offerten sind zu richten an Den
Vorstand." |
Hinweis auf den 1930 bis 1936 in Saarbrücken tätigen
Lehrer und Kantor
Siegmund Friedemann (1902-1984)
Über
den Lebenslauf von Kantor Siegmund Friedemann informiert ein
französischer Artikel von Joë Friedemann in judaisme.sdv.fr: Link
zu diesem Artikel (auch als
pdf-Datei eingestellt)
Siegmund Hachenburg ist am 3. April 1902 in Altstadt-Hachenburg geboren.
Er ließ sich am "Bildungsseminar für Jüdische Lehrer" in
Hannover ausbilden. Nach abgeschlossenem Studium war er in Camberg
tätig, anschließend in Wallau. 1926
trat er Stelle des Lehrers und Kantors in Merzig
an. Hier heiratete er Herta geb. Kahn. Seit 1930 war er in Saarbrücken
tätig. Nachdem durch den Saarbrücker Rabbiner Dr. Rulf zu Beginn der
NS-Zeit eine jüdische Grundschule begründet worden war, unterrichtete
Friedemann an dieser Schule. Im Oktober 1936 trat er in den Dienst der Gemeinde von Saverne
(Zabern). Nach dem deutschen Einmarsch folgten Jahre, die durch
Internierung, Flucht und ständige Bedrohung geprägt waren. Seit 1946
wieder im Dienst von Gemeinden im Bereich Elsass-Lothringen: Sarrebourg,
Belfort und Sarreguemines. |
Aus
dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Unerlaubte Maßnahmen des Direktors des
städtischen Schlachthofes (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März
1910: "Saarbrücken, 16. März 1910. 'Geht's nicht mit
dem Verbot, so geht's vielleicht mit der Gebührenschraube', so dachte
wohl ein von dem Direktor des städtischen Schlachthofes 'inspirierter' Stadtvater,
Herr Schlosser, der kürzlich in der Stadtverordnetensitzung den Antrag
stellte, für das Schächten eine höhere Schlachthausgebühr zu erheben,
wie es in der Begründung des Antrags hieß, beim Schächten das
Niederwerfen des Viehs eine 'größere Abnützung der Winden' bedinge. Da
unser Glaubensgenosse Stadtverordneter Israel aber diese Gründe
gründlich wiederlegte, so zog es Herr Schlosser vor, nicht erst die
Ablehnung seines Antrages abzuwarten, sondern zog ihn schleunigst
zurück." |
Vortragstätigkeit des "Hilfsvereins" (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1910:
"Saarbrücken, 29. April (1910). Auf Einladung des Vorstandes
der Synagogengemeinde fand im großen 'Tannhäuser'-Saale eine Versammlung
von Mitgliedern der hiesigen sowie auch einiger Nachbargemeinden statt, in
welcher Herr Siegmund Bergel aus Berlin einen Vortrag über das
Thema 'Die Juden im Osten und Westen' hielt. Herr Rechtsanwalt Albert
August begrüßte die Versammlung in warmen Worten, wies auf die
Notwendigkeit der Begründung des Hilfsvereins hin und erteilte dem Redner
das Wort. In großen Zügen schilderte dann Herr Bergel die politischen
und sozialen Verhältnisse der Juden des Westens, um desto länger bei den
Juden des Ostens zu verweilen. Die Notlage der russischen und rumänischen
Juden und die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre in Russland
machten eine planmäßige Hilfsarbeit nötig. Die jüngsten Nachrichten
aus diesem Lande der Unkultur lassen leider wieder Schlimmes befürchten.
Der Hilfsverein habe auch wesentlichen Anteil an dem Hilfswerke zugunsten
des namenlos elenden jüdischen Proletariats in Galizien, und zwar durch Einführung
von Hausindustrie (Haarnetzarbeiten, Spitzenklöppelei). Der Vortrag klang
in einen warmen Appell an de Bewährte Mildtätigkeit aus, dem von Seiten
der Anwesenden durch Einzeichnung als Mitglieder in die aufgelegten Listen
zahlreich entsprochen wurde. Der Hilfsverein hat bereits seit seiner
Begründung hier eine große Zahl von Mitgliedern. Diese bilden mit den
neugewonnenen Mitgliedern jetzt eine eigene Ortsgruppe Saarbrücken. Zu
ihrem Vorstand gehören die Herren Rechtsanwalt A. August, G.
Scheuer, J. Köster, J. Jacobsohn und J. Lissner." |
Überfall einer Festversammlung des Ostjüdischen Vereins durch
Nationalsozialisten (1930)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1930:
"Saarbrücken. In einer Festversammlung des Ostjüdischen Vereins
drangen Nationalsozialisten ein und überfielen die Festteilnehmer, sodass
das Überfallkommando alarmiert werden musste. Mehrere Personen wurden
schwer verletzt." |
Antijüdischer Boykott im Saargebiet (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni
1933: "Antijüdischer Boykott im Saargebiet.
Saarbrücken, 16. Juni 1933. Im Saargebiet hat eine Bewegung zur
Boykottierung jüdischer Geschäftsleute eingesetzt. Es werden Flugzettel
verteilt, in denen es als Pflicht jedes 'guten Saarländers' bezeichnet
wird, in jüdischen Geschäften nicht einzukaufen. Die Saarbrückener
Zeitung hat den jüdischen Buchhändlern und Zeitungsverkäufern
mitgeteilt, dass ihnen das Blatt nicht mehr zwecks Weiterverkaufs
zugestellt werden wird. Als Gegenmaßnahme gegen diese Boykottbestrebungen
haben die Eigentümer der betroffenen Geschäfte beschlossen, sich nur
noch unabhängiger Zeitungen als Insertionsorgane zu bedienen. Es herrscht
allgemeines Erstaunen darüber, dass die internationale
Regierungskommission bisher noch keinerlei Maßnahmen zur Bekämpfung der
Boykottbewegung getroffen hat." |
Die Zahl der jüdischen Einwohner im Saarland ist stark zurückgegangen (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar
1937: "Saarbrücken, 6. Februar (1937). Einer Bemerkung im
'Nachrichtenblatt der Synagogengemeinden des Saarlandes' ist zu entnehmen,
dass der Plan besteht, alle nicht mehr lebensfähigen jüdischen Gemeinden
im Saarland zu einer neuen Gemeinde zusammenzuschließen. Dabei soll der
Besitzstand der einzelnen Gemeinden so verwertet werden, wie es im
Interesse der Gemeinden und der gesamten saarländischen Judenheit liegt.
Es besteht die Absicht, neben der engeren Zusammenarbeit der Gemeinden als
solchen auch die einzelnen Menschen dadurch zu stärken, dass sie das
Empfinden haben, wieder einer geschlossenen Gemeinde anzugehören.
Bekanntlich ist die Zahl der Juden im Saarland im Verlaufe des letzten
Jahres sehr zurückgegangen." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod des Gemeindevorstehers und Stadtrates Myrtil Lazard
(1898)
Mitteilung
in der Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Januar 1898:
"In St. Johann an der Saar starb der Mitbegründer und Mitinhaber des
Bankhauses Lazard, Brach und Co., M. Lazard, 57 Jahre alt. Er war erster
Vorsitzender des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, Kreistagsmitglied
und Stadtverordneter und in den 70er- und 80er-Jahren auch Mitglied der
Handelskammer." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28.
Januar 1898: "St. Johann - Saarbrücken, 17. Januar (1898). Unter
überaus großer Anteilnahme seitens der Behörden, Bürgerschaft sowie
der ganzen Gemeinde wurde vergangenen Freitag unser erster Vorsteher, Herr
Myrtil Lazard zu Grabe getragen. Der Heimgegangene, der fast ein
Vierteljahrhundert dem Vorstand angehörte und sein 1888 den Vorsitz in
demselben führte, stand bei der hiesigen Bevölkerung in hohem Ansehen.
Seit 1893 Mitglied des Stadtrat, hat er sich durch seine Fähigkeiten,
besonders in Finanzangelegenheiten, große Verdienste erworben. Unser
Bürgermeister, Herr Dr. Neff, gab daher auch dem Verlust, der die Stadt
betroffen, in der für Donnerstag anberaumten Stadtverordnetensitzung in
beredten Worten Ausdruck und vertagte dieselbe zu Ehren des
Hingeschiedenen bis nach der Bestattung. Besonders schwer aber wird der
Verlust dieses ausgezeichneten Mannes von unserer Gemeinde empfunden. Es
würde über den Rahmen dieses kurzen Berichtes hinausgehen, wollte ich
alle Verdiente aufzählen, die der Verstorbene um dieselbe sich erworben.
Möge der Allgütige die trauernde Familie, die so jäh ihrer Krone
beraubt worden, und die Gemeinde ob des Verlustes ihres Oberhauptes trösten.
Das Andenken des Dahingeschiedenen wird unauslöschlich bei uns fortleben.
Er ruhe in Frieden!" |
Auszeichnung für Gabriel Scheuer, Vorstandsmitglied des
Kriegervereins und Vorsteher der jüdischen Gemeinde (1905)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" vom 10. Februar 1905: "Anlässlich der Ordensfeier
hat Herr Gabriel Scheuer in Saarbrücken den Kronenorden IV. Klasse
erhalten. Derselbe ist seit 25 Jahren Vorstandsmitglied des dortigen
Kriegervereins und seit langer Zeit auch Vorsteher der jüdischen
Gemeinde." |
Zum Tod von Henriette Weil geb. Lyon (1904)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1905: "St.
Johann a. Saar, 31. Dezember 1904. Eine wackere Frau unserer Gemeinde
wurde am 26. dieses Monats (26. Dezember 1904) zu Grabe getragen. Frau
Henriette Weil geb. Lyon ist im Alter von 62 Jahren ihrem
Familienkreise und unserer Gemeinde entrissen worden. Die Verstorbene hat
sich im glorreichen Feldzuge von 1870/71 durch die freiwillige Pflege
Verwundeter und Kranker große Verdienste erworben, wofür sie mit der
Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten dekoriert worden ist. Eine weitere
Anerkennung dieser ihrer Liebestätigkeit wurde ihr später durch die
Verleihung der Jubiläumsmedaille, anlässlich des 100. Geburtstages
weiland Kaiser Wilhelms des Großen, zuteil. Ehre ihrem
Andenken!" |
Hervorragende Leistungen im Schwimmen zwei jüdischer Jugendlicher (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9.
September 1911: "Bei dem vergangene Woche in Saarbrücken
stattgefundenen Preisschwimmen des dortigen Schwimmklubs haben der Sohn
und die Tochter des Großviehhändlers Moses Marx je einen zweiten
Preis bekommen, und zwar hat Arthur Marx den zweiten Herrenpreis
und Fräulein Alice Marx den zweiten Damenpreis, bestehend in
schönen Objekten, errungen. Beide haben die Strecke von Bahnhof Brebach
bis neue Brücke Saarbrücken, 4.000 Meter, ohne Pause
durchschwommen." |
Hugo Lyon erhält das Eiserne Kreuz (1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. November
1916: "Saarbrücken. Leutnant und Kompanieführer der Maschinen-Gewehr-Kompanie
des Infanterie-Regiments Nr. 25, Hugo Lyon, Sohn des Kaufmanns Alfons
Lyon, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes M. Kronenberger (Dudweiler)
(1878)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1878:
"Für mein Manufaktur- und Konfektions-Geschäft suche ich für
sofort einen angehenden Commis, sowie einen mit den nötigen
Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Samstags geschlossen. Kost und Logis
im Hause.
M. Kronenberger, Dudweiler bei Saarbrücken." |
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Jacob Kahn in Brebach (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: "Ich
suche für mein Manufakturwarengeschäft einen tüchtigen Commis und einen
Lehrling. Jacob Kahn, Brebach an der Saar." |
Anzeige des Hamburger Engros-Lagers S.A. Israel & Co. (1895)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Mai 1895:
"Lehrling.
Wir suchen zum baldigen Eintritt einen Lehrling aus achtbarer Familie,
Offerten an
S.A. Israel & Co. Hamburger Engros-Lager, St. Johann
(Saar)." |
Anzeige von Frau Wolff in Dudweiler (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900: "Tüchtige
Haushälterin suche ich für sofort, da ich durch Geschäft
verhindert, mich mit Haushalt zu befassen.
Frau Wolff, Firma: Hanau & Co., Dudweiler." |
Schneidermeister Moses David in
Völklingen sucht einen Gesellen (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Suche
sofort einen jungen, jüdischen Schneidergesellen. Moses David,
Schneidermeister in Völklingen bei Saarbrücken". |
Anzeige von Max Hanau in St. Johann (1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. August 1903: "Suche für September ein jüdisches Mädchen,
welches kochen kann und schon gedient hat, sowie im Besitze von guten
Zeugnissen ist.
Max Hanau, St. Johann an der Saar, Futterstraße 8." |
Todesanzeige für Hermann Köster (1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins)
vom 1. Mai 1924: "Am 22. April entschlief sanft mein lieber Mann,
unser guter Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Hermann Köster im 65. Lebensjahre.
Saarbrücken, Augsburg, den 25. April 1924.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Betty Köster geb. Schönberg Paul Köster Elfriede Jüngster
geb. Köster Hugo Jüngster". |
Geburtsanzeige von Carry Nissenbaum (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1925: "Gott
sei gepriesen.
Die glückliche Geburt einer gesunden Tochter Carry zeigen
hocherfreut an
Moses Nissenbaum und Frau Manja geb. Marschallik.
Saarbrücken III, 14. August 1925. Gustav Bruchstraße
59." |
Weitere Dokumente zur jüdischen Geschichte
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim /
Ries)
Postkarte
aus der Familie von
Victor Cohen aus
Saarbrücken an Jacob Apt
in Pattensen (1924) |
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Die
Karte mit Grüßen zum (jüdischen) Neujahr wurde am 28. September 1924
aus der Familie von Victor Cohen (Saarbrücken) verschickt, der sich
nach dem rückseitigen Text damals zur Kur (?) in Bad Nauheim befand
(gestorben am 21. Juli 1925 und beigesetzt im jüdischen
Friedhof Saarbrücken, Dokumentation
Steinheim-Institut). Die Bemerkung auf der Rückseite, "Victor bleibt noch 8 Tage,
er fühlt sich ganz wohl, wenn es nur standhält", lässt vermuten, dass er
gesundheitliche Probleme hatte. Der Empfänger der Karte war Jacob Apt.
Dieser war nach seinem Umzug aus seinem Geburtsort Niederaula
von 1893 bis 1930 Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde in Pattensen. Jacob Apt war der Schwager von Victor Cohen. Riekchen Apt war eine
Schwester von Victor Cohen. Der letzte Gruß auf der Vorderseite in Sütterlin-Schrift
zeichnet eine Trude. Victor Cohen hatte eine Tochter mit Namen Trude.
Link:
auf der Website www.juden-in-pattensen.de
eine Seite
zum "Lebensweg von Jacob Apt". |
Zur Geschichte der Beträume / der Synagogen
Ein erster Betsaal lässt sich 1831 im Haus
des Bankiers Moritz Simon, der bis 1857 Vorsteher der jüdischen Gemeinde war,
in der damaligen Hintergasse 30 (heute Nr. 2) nachweisen.
Um 1860 war ein Betsaal in der Talstraße eingerichtet, 1870 einer im
Haus des Lehrers Peter Lemmes in der damaligen Allestraße 12 (heute Nr. 3). Ab
1882 stand der Riehm'sche Saal in der Bahnhofstraße 22 (heute Nr. 4) für die
Gottesdienste der Gemeinde zur Verfügung.
In den 1880er-Jahren wurde der Bau einer Synagoge geplant. Architekt
Friedrich Mertz aus Saarbrücken-St. Johann zeichnete 1888 die Pläne. 1889 fand
die Grundsteinlegung statt. Am 22. Dezember 1890 konnte die Synagoge
feierlich eingeweiht werden. In der Synagoge war eine Orgel eingebaut.
Architekt Mertz hat einen zweigeschossigen zentralisierenden Kuppelbau als
Synagoge entworfen. Im Hauptraum gab es für die Männer eine Bestuhlung mit 166
Plätzen, auf der Empore für die Frauen 114 Plätze.
In jüdischen Periodika konnte noch kein Bericht zur Einweihung der
Synagoge gefunden werden. Aus dem Jahr 1925 liegt ein Bericht über einen
patriotischen Gottesdienst in der Synagoge vor:
Patriotischer Festgottesdienst in der Synagoge (1925)
Artikel
in der "Jüdisch-Liberalen Zeitung" vom 28. August
1925: "Saarbrücken (Jüdische Vaterlandsliebe). Dass die
Juden an der Grenzmark, im Saargebiet, in keiner Weise ihren Brüdern im
unbesetzten Deutschland nachstehen und sich an Vaterlandsliebe und
Anhänglichkeit an Deutschland von niemandem übertreffen lassen, bewies
der erhebende Verlauf der Jahrtausendfeier im ganzen Saargebiet und
insbesondere in Saarbrücken.
Es fand ein feierlicher Festgottesdienst in der Synagoge statt. Rabbiner
Dr. Jacob hielt die Festpredigt. Im Anschluss an das Wort des Propheten
Jeremia: 'Suchet das Wohl des Landes, in das ich Euch geführt habe und
betet dafür zu Gott, denn in seinem Wohl liegt Euer Wohl', zeigte er, was
der Rhein dem deutschen Volke bedeutet als ein herrliches Gut der Natur,
der Kultur und der Geschichte. Am Rhein haben sich Deutschtum und
Judentum, die sich in vielem verwandt sind, gefunden und verbunden. Ein
Symbol dafür ist, dass viele der schönsten und beliebtesten Rheinlieder
von Juden gedichtet sind. Der Redner schloss mit dem Wunsche, dass der
Rhein nicht der Schauplatz eines neuen Krieges werden möge, sondern eine
Brücke darstellen soll zwischen den großen Nationen Europas. 'Rhein und
Saar ewig deutsch'. In dieses Gelöbnis der Jahrtausendfeier stimmen auch
die Saarbrücker Juden freudig ein.
Die jüdischen Einwohner beteiligten sich durch Ausschmückung ihrer
Häuser, sowie ganz besonders durch sehr schöne Schaufensterdekorationen
und festliche Beleuchtung während der Nacht in hervorragender Weise am
Verlauf des Festes." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge durch Brandstiftung zerstört. Der Abbruch der Brandruine erfolgte
1939.
1945 kam die Synagogengemeinde wieder in den Besitz des Gebäudes, die es
jedoch an die Stadt verkaufte. 1948/49 wurde auf dem ehemaligen
Synagogengrundstück ein Bankgebäude der Vereinsbank Saarbrücken
errichtet.
Die neue jüdische Gemeinde nach 1945 hielt
ihre Gottesdienste zunächst in verschiedenen Räumen der Stadt ab. 1947
begannen Überlegungen zum Bau einer neuen Synagoge. Für sie legte der
Saarbrücker Architekt Heinrich Sievers (1903-1967) im August 1947 einen ersten
Entwurf vor. Nach umfassenden Korrekturen an diesem ersten Entwurf begannen im
September 1948 die Bauarbeiten. Am 14. Januar 1951 konnte die Synagoge am
Beethovenplatz eingeweiht werden.
Standort der Synagoge:
Synagoge 1890-1938: Futterstraße 25/Kaiserstraße
neue Synagoge nach 1951: Lortzingstraße / Beethovenplatz
Fotos:
(Abbildungen aus der Publikation des Landesamtes s.
Lit.)
Die Pläne des
Architekten
Friedrich Mertz (1888) |
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Längsschnitt der
Synagoge
(links Toraschrein) |
Fassade der
Synagoge
zur Kaiserstraße |
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| Die Synagoge
(1938) |
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Blick
zur Synagoge von der Kaiserstraße - die Aufnahme rechts
ist eine Ausschnittvergrößerung des Fotos links |
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Die im Januar
1951
eingeweihte Synagoge |
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Die Synagoge
Saarbrücken wurde
1948-1950 erbaut |
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Einzelne Presseberichte
| November 2008: Gedenken
zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 |
Artikel
in der "Saarbrücker Zeitung" vom 10. November 2008: "350
Besucher gedenken der Pogromnacht. Vorsitzender der Synagogengemeinde
schlägt Runden Tisch gegen Antisemitismus vor".
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken. |
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| März 2010:
In Saarbrücken werden "Stolpersteine" verlegt |
Artikel in der "Saarbrücker
Zeitung" vom 3. März 2010 (Artikel):
"Ab 10. März liegen 'Stolpersteine' in Saarbrücker Boden - Erinnerung an Opfer der Nazis
Saarbrücken. Er wurde aus seiner Wohnung in der Karcherstraße 17 gezerrt und brutal verprügelt. Die Folgen dieses Überfalls überlebte Max Hanau nicht. Der Jude, geboren im Jahr 1875, starb am 13. November 1938 an den Folgen dessen, was er in der Pogromnacht am 9. November 1938 in Saarbrücken erleiden musste.
An ihn und an 27 weitere jüdische Bürger, die im Saarbrücker Stadtteil St. Johann lebten und Opfer des Nazi-Regimes waren, soll nun öffentlich erinnert werden: mit so genannten
'Stolpersteinen' des Bildhauers Gunter Demnig. Dabei handelt es sich um zehn mal zehn Zentimeter große Betonsteine, die in den Bürgersteig vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer eingelassen werden. Der obere Teil besteht aus einer Messingplatte. Die Inschrift darauf erinnert an die Person, die hier lebte – zu lesen sind der Name, das Geburts- und das Todesdatum. Und es ist anhand der Inschrift nachzuvollziehen, wie die Nazis diesem Menschen Leid antaten – ob dieser zum Beispiel in ein KZ deportiert oder eben, wie im Falle Max Hanaus, ein Opfer des Pogroms wurde.
Am Mittwoch, 10. März, werden die 'Stolpersteine' nach Saarbrücken kommen. Das erklärte jetzt Richard Bermann, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, auf SZ-Anfrage.
'An diesem Tag wird Gunter Demnig 28 Steine in ganz St. Johann verlegen.' Der erste werde morgens um 9 Uhr am Rathausplatz 7 in den Boden eingelassen. Bermann:
'Finanziert wurden die Steine durch Spenden von Privatleuten und von zwei Parteien. 3000 Euro kamen zusammen, der Betrag reichte genau für 30
,Stolpersteine''. Verlegt werden allerdings nur 28 (siehe Artikel unten). Die Initiative, sie nach Saarbrücken zu bringen, kam von ihm selbst, erzählt Bermann. Große Hilfe habe er von der Stadt, besonders von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (die auch Schirmherrin ist), dem Kulturdezernenten Erik Schrader und der Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer bekommen.
Am Anfang der Recherche stand ein Ordner mit über 200 Namen, berichtet Bermann.
'Mosaiksteinartig' habe er zwei Jahre lang die Informationen zusammengesucht. Was nicht einfach gewesen sei. Bermann:
'Ich habe schließlich nur Namen genommen, bei denen alles zweifelsfrei nachweisbar
war.' Eigentlich sollten die nicht unumstrittenen Steine (die SZ berichtete) bereits im September verlegt werden. Doch da kam dem Künstler eine Ehrung dazwischen, erklärt Bermann:
'Ich bin froh, dass es nun soweit ist.'" |
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| Juni 2010:
Bischof Ackermann besucht die
Synagoge |
Artikel aus dem Pressedienst des Bistums Trier vom 7. Juni 2010 (Artikel):
"Bischof Ackermann besucht Saarbrücker Synagoge.
Saarbrücken - Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann hat im Rahmen seiner Visitation im Dekanat Saarbrücken am letzten Freitag auch die Synagogengemeinde Saar besucht und dort ein längeres Gespräch mit der Gemeindeleitung geführt. Der Vorsitzende, Richard Bermann, unterstrich in einem Grußwort, es handele sich um den ersten Besuch eines katholischen Bischofs seit der Gründung der Synagogengemeinde im Jahr 1946. Man sei dankbar für dieses besondere Zeichen der Verbundenheit." |
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| Februar 2012:
Auch in Völklingen sollen
"Stolpersteine" verlegt werden |
Artikel in der "Saarländischen
Online-Zeitung" vom 3. Februar 2012 (Link
zum Artikel): "Projekt Stolpersteine in der Stadt Völklingen auf den Weg
gebrach - Aktion gegen das Vergessen
Völklingen – Ein Völklinger Aktionsbündnis hat das gleichnamige Projekt
'Stolpersteine' gemeinsam mit der Stadt Völklingen auf den Weg gebracht. Bei der Vorstellung im Neuen Rathaus nannte Oberbürgermeister Klaus Lorig das Projekt eine
'Aktion gegen das Vergessen'. Die Vertreter des Aktionsbündnisses Caroline Conrad und Andreas Hämer erläuterten während der öffentlichen Vorstellung, wie die Völklinger Initiative entstanden ist: Angeregt durch die bereits in vielen saarländischen Städten und Gemeinden verlegten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunther Demnig entstand die Idee, dies auch in Völklingen auf den Weg zu bringen, um so den Blick auf die Opfer des Hitlerfaschismus zu lenken und sie zu ehren.
... Mittlerweile wurden über 31.000 Stolpersteine in ca. 670 Orten in Deutschland, Österreich, Ungarn, Niederlanden, Belgien, Tschechien, Polen, Ukraine, Italien und Norwegen verlegt. Die geplante Aktion in Völklingen ist damit Teil eines international angelegten Gedenk-Kunstwerks des Künstlers Gunther Demnig. Sie erhält angesichts der im Dezember 2011 vom Völklinger Stadtrat verabschiedeten Resolution gegen rechte Gewalt noch eine zusätzliche, besondere Bedeutung.
Seit seiner Gründung hat das Aktionsbündnis Stolpersteine Völklingen die Schicksale von 20 Opfern recherchiert, zu denen Juden, Antifaschisten, Kommunisten, ein Schüler der damaligen
'Städtischen Oberschule für Jungen' (heute Albert-Einstein-Gymnasium), ein Kinderarzt aus Luisenthal sowie ein geistig behinderter, elfjähriger Junge gehören. Allein fünf Angehörige des derzeitigen Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar Richard Bermann, der während der Pressekonferenz seine Familiengeschichte umriss, wurden in Konzentrationslagern ermordet. Sie wohnten zuletzt in Völklingen.
Wie das 'Aktionsbündnis Stolpersteine Völklingen' erklärte, ist die Verlegung der Stolpersteine für Mitte 2012 geplant. Um das Vorhaben finanzieren zu können, appelliert das Aktionsbündnis an die Spendenbereitschaft von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen oder Institutionen, die Patenschaft für einen Stein zu übernehmen und ihn zu finanzieren. Ein Stein kostet 120 Euro. Ein entsprechendes Spendenkonto bei der Stadtsparkasse ist eingerichtet (Kontonummer 895 104 63, BLZ 590 510 90, Kontoinhaber: Patric Bies, Verwendungszweck
'Stolpersteine).
Wer weitere Information zu Opfern des Hitlerfaschismus in Völklingen hat, kann sich gerne an folgende
Kontaktadresse wenden.
Aktionsbündnis Stolpersteine c/o Caroline Conrad - Kreuzbergstraße 7
- 66333 Völklingen." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 726. |
 | Hans-Walter Herrmann. Das Schicksal der Juden im Saarland
1920 bis 1945. Reihe: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen
Bevölkerung im Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800-1945. Hg.
Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz in Verbindung mit dem Landesarchiv.
Saarbrücken Bd. 6. Koblenz 1974. |
 | Albert Marx: Die Jüdische Gemeinde Saarbrücken
(1933-1945). In: "Zehn statt tausend Jahre" - Die Zeit des Nationalsozialismus
an der Saar 1935-1945. Katalog zur Ausstellung des regionalgeschichtlichen
Museums im Saarbrücker Schloss. Saabrücken 1988 S.
201ff. |
 | ders.: Die Geschichte der Juden an der Saar. Vom Ancien
Régime bis zum Zweiten Weltkrieg. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken
1985. 1992. |
 | Cilli Kasper-Holtkotte: Juden im Aufbruch. Zur
Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800. Hannover
1996. |
 | Eva Tigmann: "Was geschah am 9. November
1938?" - Eine Dokumentation über die Verbrechen an der jüdischen
Bevölkerung im Saarland im November 1938. Eine Veröffentlichung des
Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel. 1998. S. 74-83. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 451-455 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Andrea
von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel.
Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.
In diesem Buch findet sich S. 167-179 die Lebensgeschichte von Oda
Kissinger, geboren als Oda Scheuer am 30. März 1922 in Saarbrücken, lebt
2011 in Tel Aviv.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Saarbruecken.
Jews are mentioned in neighboring St. Johann in 1321. Significant Jewish
movement to Saarbruecken commenced in 1760 and in the 1770s the municipality
passed laws to encourage Jews to settle in order to stimulate economic growth.
Jews were permitted to purchase homes and fields and received pasture and water
rights for their cattle. In about 1776, the Jews were expelled following
vehement opposition of local merchants to the competition they posed. Almost
none were present in 1789. In 1808, under the French, the Jewish population
reached 61. A wealthy merchand, Yirmeyahu Hirsch, was among the founders of the
Assembly of Jewish Notables and the consistory of the Saar and served as the
secretary of the former. With the inauguration of a railway station in St.
Johann in 1852, Saarbruecken became a center of the coal and steel industries in
the Saar, but the Jews preferred to continue in trade. Most were peddlers.
Jewish cemeteries were opened in 1840 and 1845 and a new synagogue was erected
in 1890. In the second half of the 19th century, most Jews belonged to the
middle and lower classes. They also ran a few large businesses, like the Lyon
department store in St. Johann (founded in 1857) with branches in Luxembourg and
other countriers, the Bamberger & Herz textile house, and the E. Weil Soehne
form with over 400 employees. In 1916, there were 74 Jewish business
establishments in the city, including 13 selling textiles and 14 dealing in
leather and shoes. In 1910, four of the city's 44 doctors were Jews and in 1919,
seven of its 40 lawyers. The Jewish population was 1.000 in 1905, making the
community the largest in the Saar. In 1909, St. Johann became part of the city.
In accordance with the Treaty of Versailles, the Saar came under League of
Nations administration in the aftermath of Worldwar I. The decision produced a
general strike and rioting that targeted Jewish and French businesses. Jews were
eclected to the municipal council from the late 19th century and were prominent
in politics during the Weimar period. Dr. Walter Sender headed the
Social-Democratic faction in the Saar state council in 1922-25 and served
together with the Social-Democratic Eduard Lehmann on the city council. Twenty
Jewish artists and administrative personnel were emploved in the municipal
theater in addition to its Jewish orchestra members. The Jewish population
increased to 2.214 (about 2 % of the total) in 1925 in an atmosphere of economic
prosperity. By 1931, 136 Jewish firms and business establisments were operating
in the city (about 8 % of the total). Jews operated chemical and tobacco
factories, two hotels and a pharmacy, and a wide variety of stores. The growth
of the Jewish population derived from an influx of Jews from Eastern Europe as
well as from Alsace-Lorraine after the Germans were forced to leave. The East
European Jews maintained their Orthodox traditions, opening their own synagogue
and keeping their distance from the established Reform community. The East
European presence also engendered Zionist activity after Worldwar I. The Central
Union (C.V.) had a major branch in the city. To accomodate the overflow crowds
an the High Holidays, an additional synagogue was opened in a hall placed at the
community's disposal by the municipality. Religious classes were attended after
school by 200-300 children. A kindergarten was started in 1927, later becoming a
day care center. ORT founded a branch in 1930, teaching crafts and agriculture
to prepare Jews for emigration, especially to Palestine.
Though relations with the German population were generally good, there were also
a number of antisemitic incidents in the post-Worldwar period. In 1933, when the
Nazis came to power, Saarbruecken was one of 18 Jewish communities in the Saar,
with a population of about 2.400. The Nazi Party initiated anti-Jewish boycotts
and persecution just as in the Reich. Jews were dismissed from jobs and banned
from local swimming pools. Doctors were reduced to receiving non-Jewish patients
clandestinely at night. Jewish schoolchildren were abused and physically
attacked. Consequently a Jewish school for 200 children was opened in 1934. The
economic position of the Jews quickly deteriorated and many liquidated their
businesses. The day care center became a focus of Jewish organizational activity
and from 1934 the Jewish Cultural Association of Saarbruecken organized cultural
affairs for all the Jewish communities of the Saar. With the annexation of the
Saar to the Reich under the January 1935 plebiscite, Jewish emigration increased.
By June 1936, 36 % of the city's Jews had left and by 1939 only 175 remained
(total polulation 130.772). In 1935-36, 69 Jewish businesses were sold. Under
Nazi rule, anti-Jewish agitation intensified. The community was the only one in
the Saar still active in 1936. The Jewish school had 145 students in 1936, 20 %
from other communities. However, only 33 attended the following year. The
Maccabi sports club was active; the Zionist opened an information office; and
welfare services for all the communities in the Saar were coordinated in
Saarbruecken. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
burned and 130-150 Jewish men were led through the streets and abused before
being sent to the Dachau concentration camp. With the outbreak of war in September
1939, the city was temporarily evacuated. The Jews were sent to forced labor
camps and not permitted to return. Six are known to have been deported to the
Gurs concentration camp in southern France in 22 October 1940. At least 100 Jews
perished in the Holocaust, including 73 in Auschwitz. After the war, 180 Jews
returned to the city, some afterwars emigration. In 1960 the Jewish population
was about 700.

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