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Zu den Synagogen im
Kreis "Südliche Weinstraße" und Stadtkreis Landau
Altdorf (VG
Maikammer, Kreis
Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Altdorf bestand eine jüdische
Gemeinde bis Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18.
Jahrhunderts zurück. 1635 werden erstmals jüdische Einwohner am Ort genannt.
Um 1770 gab es eine ausreichende Zahl jüdischer Männer am Ort, um regelmäßig
Gottesdienste abhalten zu können.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1808 73 jüdische Einwohner (22,3 % der Gesamteinwohnerschaft), 1825 96
(16,0 %), 1835 100 (15,3 %), 1848 102 (in 26 Familien), 1857 76, 1875 23, 1900
13, 1910 neun.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im
19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und
Schochet tätig war (vgl. unten der Bericht über den in Altdorf um 1870
tätigen Lehrer Jakob Frank. Als die Zahl der jüdischen Einwohner zurückging,
hatte Altdorf keinen eigenen Lehrer mehr. Vermutlich hat der in Venningen
angestellte Lehrer die jüdischen Kinder in Altdorf zugleich in Religion
unterrichtet (vgl. unten die Ausschreibung der Stelle in Venningen von
1892). 1894 wurde die jüdische Gemeinde Altdorf aufgelöst und die hier noch
lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Venningen
zugeteilt.
Um 1924 wurden noch fünf jüdische Einwohner gezählt, die zur Gemeinde
in Venningen gehörten. Vor Beginn der
Deportationen 1940 waren noch drei jüdische Personen am Ort.
Von den in Altdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Die Recherche zu Altdorf in den angegebenen Listen ist nicht möglich, da es
mehrere Orte Altdorf mit jüdischen Gemeinden gab und in den Listen nicht
ausreichend differenziert wird.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 für
Venningen und (geplant) für Altdorf
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1892: "Schuldienst-Erledigung.
Die israelitische Verweserstelle zu Venningen bei Edenkoben (Pfalz) ist
erledigt und wird andurch mit einem dreiwöchentlichen Meldetermin zur
Bewerbung ausgeschrieben.
Mit dieser Stelle ist zugleich der Schächter- und Vorbeterdienst
verbunden und verteilen sich die Gehaltsbezüge wie folgt: 1( Bar aus der
israelitischen Kultuskasse 685,71 Mark, 2) Anschlag eines Gärtchens bei
dem Schulhause 2.06, 3) Anschlag der Wohnung 20,60, 4) Anschlag der
Kasualien 171,43. Zusammen 879,80 Mark.
Bemerkt wird noch, dass, falls die Israelitische Kultusgemeinde Altdorf
der hiesigen Gemeinde zugeteilt werden sollte, vorstehende
Gehaltsbezüge dadurch nicht erhöht werden. Der Verweser muss das Seminar
besucht haben, damit er von der Regierung angestellt werden kann.
Venningen, den 14. September 1892. Der israelitische Kultusvorstand. Aron
Teutsch." |
Zum Tod des Volksschullehrers Jakob Frank (Lehrer in Altdorf, vermutlich um
1870)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Januar 1929: "Ein Gedenkblatt einem teuren Freunde. Am Tag
nach dem Sukkot-Fest (8. Oktober 1928) geleitete ein stattliches
Trauergefolge in dem pfälzischen Dörfchen Rockenhausen die sterblichen
Überreste von Lehrer Jakob Frank zur letzten Ruhe. Als Sohn eines
plälzischen Volksschullehrers in Marienthal 1844 geboren, besuchte er das
Lehrerseminar Kaiserslautern und
wirkte 35 Jahre als Volksschullehrer in den Orten Altdorf,
Steinbach am Glan und Albersweiler
(Orte, deren Lehrerstellen heute längst aufgelöst sind), am letzteren
Orte über 2 Dezennien stets in vorbildlicher, diensteifriger,
gewissenhafter Weise. Im Jahre 1898 wurde er infolge Krankheit
pensioniert, konnte sich aber in der Ruhe wieder so erholen, dass ihm noch
die Gnade ward, 30 Jahre im Kreise seiner Familie, zuletzt im Hause einer
verheirateten Tochter, genießen zu dürfen. In dieser Zeit konnte er der
Beschaulichkeit seiner Lieblingsbeschäftigung sich ungestört widmen, dem
jüdischen Studium. Sein innig religiöser Sinn, seine Herzensfrömmigkeit
führten ihn dazu, täglich für sich und gar oft mit gleichgesinnten
Kollegen und Freunden zu 'lernen'. Dazu war er umso mehr befähigt, da er
von Jugend auf im frommen Elternhaus 'gelernt' hatte, und auch deshalb,
weil er über ein umfassendes Allgemeinwissen, große Belesenheit und
meisterhafte Beherrschung der Sprache verfügte. Neben dem umfassenden
Wissen waren es sein gerader, schlichter Sinn, sein menschenfreundliches
Wesen, sein gutes, stets heiteres Gemüt, die ihn besonders auszeichneten.
So wirkte er anregend und fördernd als Lehrer, Liebe ausstreuend und
Zuneigung erntend. Er war ein ganzer Mann, der in Beruf und Leben sich
überall herzliche Zuneigung und Freundschaft erworben hatte, die über
das Grab hinaus reicht. In herzlichen Worten gedachten seiner bei seinem
Hingange die beiden Rabbiner: Dr. Baron (Kaiserslautern)
und Dr. Meyer (Pirmasens). Als
Kollege und seinerzeitiger Amtsnachfolger sprach Oberlehrer Haymann (Rodalben)
dem lieben Dahingegangenen den Abschiedsgruß, ihn als waren Freund,
hilfsbereiten Amtsgenossen und idealen Lehrer feiernd. Von weit her waren Schüler
und Freunde erschienen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er hat Segen
verbreitet, darum wird sein Andenken auch in Segen erhalten
bleiben. H.R." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den Heilpädagogen Julius Moses (1869-1945)
Prof.
Dr. Julius Moses ist am 22. Januar 1869
in Altdorf (Pfalz) geboren. Er ließ sich nach dem Medizinstudium 1896 in Marnheim
als Praktischer Arzt nieder. Im Ehrenamt war er als Armenarzt und
Fürsorgearzt tätig. Am Fröbelseminar und an der Handelshochschule
Mannheim hatte er Lehraufträge inne. Durch zahlreiche Publikationen
genoss er in der Fachwelt als Heilpädagoge hohes Ansehen. In der
jüdischen Gemeinde in Mannheim spielte er eine tragende Rolle, zuletzt
von 1923 bis 1933 als Vorsitzender des Synagogenrats. Nach 1933 verlor er seine
Approbation, worauf er sich mit seiner Familie zur Emigration nach
Palästina entschloss. Julius Moses starb am 12. Juli 1945 in Tel
Aviv. |
Link: Wikipediaartikel
zu Julius Moses
Foto von Prof. Moses - Quelle: V. Keller: Bilder vom jüdischen Leben
Mannheims 1988. S. 70. |
Zur Geschichte der Synagoge
Über die Synagoge (Betraum) in Altdorf ist nur wenig bekannt.
1815 wurde sie auch von den in Böbingen und Freinsheim lebenden jüdischen
Personen besucht. Vermutlich wurde sie bis um 1875/80 verwendet und danach
geschlossen. Zwei Torarollen aus der Altdorfer Synagoge wurden in die Venninger
Synagoge übertragen.
Adresse/Standort der Synagoge: unbekannt
Fotos
| Zur jüdischen
Geschichte in Altdorf sind noch keine Fotos vorhanden; über Zusendungen
oder Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 41-42 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 72 (mit weiteren Literaturangaben).
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n.e.

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