Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bergzabern Synagoge 101.jpg (71897 Byte) 

 

Bad Bergzabern (Kreis Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)
(Abbildung oben aus dem Buch: "Juden in Bergzabern" s.Lit., Titelbild)

In Bergzabern lebten Juden bereits im Mittelalter. Eine erste (unbestätigte) Erwähnung von Juden am Ort stammt von 1336. Als Graf Walram von Zweibrücken 1344 Bergzabern den Juden Jakob Daniels von Trier und Vivelin dem Roten von Straßburg verpfändete, lebten mehrere Juden in der Stadt, die in der Pfandurkunde ausdrücklich erwähnt werden. Durch die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurde das jüdische Leben in der Stadt vernichtet. 1360 wird der jüdische Goldschmied Fromelin von Bergzabern in Trier genannt. Möglicherweise war er ein Überlebender der Verfolgung.
  
Erst im 17. Jahrhundert werden Juden wieder in Bergzabern genannt (1623). 1681 gab es sechs jüdische Haushaltungen mit zusammen 22 Personen in der Stadt. Auch im 18. Jahrhundert lebten Juden in Bergzabern (1768 gleichfalls sechs jüdische Haushaltungen). 
    
Genaue Zahlen jüdischer Einwohner liegen jedoch erst wieder aus dem 19. Jahrhundert hervor: 1808 nahmen 28 Juden aus Bergzabern feste Familiennamen an. 1825 werden 39 jüdische Einwohner gezählt (1,5 % der Gesamteinwohnerschaft), 1839 91 (in 18 Familien). Zum Zeitpunkt der Synagogenneubaus (s.u.) 1850 waren es 21 Familien mit 106 Personen. Bis um 1880 (123 jüdische Einwohner) nahm die Zahl weiter zu, um danach durch Aus- und Abwanderung zurückzugehen (1900 81 jüdische Einwohner). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule (seit 1837 Israelitische Elementarschule, geschlossen 1915) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im 17. Jahrhundert zunächst noch auf dem jüdischen Friedhof in Annweiler, danach auf dem jüdischen Friedhof in Ingenheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgeben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau. Zur jüdischen Gemeinde in Bad Bergzabern gehörten auch seit Auflösung der dortigen Gemeinde 1901 die in Pleisweiler lebenden jüdischen Einwohner. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Friedrich Dreyfuß (geb. 22.11.1898 Bergzabern, gef. 16.6.1918), Hermann Mannheimer (geb. 22.1.1897 Bergzabern, gef. 20.9.1918) und Leo Mannheimer (geb. 22.1.1897 Bergzabern, gef. 23.2.1919).    
   
Um 1925, als noch 46 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (1,6 % von insgesamt etwa 2.800 Einwohnern) bildeten den Gemeindevorstand Jacob Frank, Leopold Rosenberg und Benno Machol (alle drei auch noch 1932 Gemeindevorsteher). Als Schochet war Alfred Trautmann tätig. Den Religionsunterricht der damals zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Lehrer Raphael Mandel aus Ingenheim (1932 drei Kinder).  
 
1932
wurden 43 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung und des wirtschaftlichen Boykotts verließ zwischen 1934 und 1938 ein Großteil der jüdischen Einwohner die Stadt. Im Oktober 1940 wurden die vier in Bergzabern bis dahin verbliebenen jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert. 

Von den in Bad Bergzabern geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alvina (Alwine) Clothilde Bändel geb. Wolf (1879), Eugen Bär (1872), Emilie Blum (1866), Meta Deichmann (1877), Hermine Dreyfuss geb. Braun (1871), Jakob Frank (1879), Lina Frank geb. Diehl (1885),  Rosa Hené geb. Dreifus (1870), Babette Barbara Martha Holzer geb. Trautmann (1907), Johanna Kahn geb. Halfen (1861), Friedrika (Friedricke) Lehmann geb. Levy (1880), Ernst Levy (1895), Grete Levy (1923), Rudolf Levy (1920), Johanna Löb (1878), Benno Machol (1875), Karl Machol (1881), Ilse Samuel (1927), Ida Straaß geb. Trautmann (1865), Leopold Straaß (1895), Simon Straaß (1893), Alfred Trautmann (1869), Arthur Trautmann (1873), Johanna Trautmann geb. Urnstein (1877), Friedrich (Fritz) Heinrich Wolf (1876).    
   
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 

Keine Jagdrechte mehr für einen jüdischen Angler (1933) 
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1933: "In Bergzabern hatte ein Pächter die Ausübung der Fischerei an die Inhaber einer jüdischen Firma abgetreten. Gegen diese Übertragung hat jetzt das Bezirksamt Einspruch erhoben mit der Begründung, dass Juden im heutigen nationalen Staat keine Jagdrechte auszuüben haben."  

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige der Konditorei Dreyfuß (1893)

Bergzabern Israelit 23031893.jpg (32183 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1893: "Auf Pesach! Feinstes Mandelkonfekt à Pfund Mark 2.-, sowie Torten in jeder Größe und feinster Qualität versendet unter Nachnahme. Konditorei Dreyfuß, Bergzabern (Rheinpfalz)."  

 
   
      

Zur Geschichte der Synagoge

Es ist nicht bekannt, ob es im Mittelalter jüdische Einrichtungen gab. Vermutlich gab es seit Ende des 17. oder spätestens im 18. Jahrhundert einen Betsaal in der Stadt. Allerdings liegt erst aus dem Jahr 1815 ein Nachweis vor, dass in Bergzabern eine Synagoge (Betsaal) eingerichtet war. Da die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zunahm, kaufte die jüdische Gemeinde 1839 ein Haus, um darin eine Synagoge, die Schule und das rituelle Bad einzurichten. Zwar wurde das Baugesuch genehmigt, doch die jüdische Gemeinde kam inzwischen zur Ansicht, dass das erworbene Gebäude ungeeignet sei. 1848 wurde ein anderes Anwesen gekauft, um hierin eine Synagoge einzurichten. Dieses Gebäude war 1724 von den Kapuzinern als Hospiz erbaut und 1800 an einen Privatmann verkauft wurden. Der Erwerb des Gebäudes und der Umbau zur Synagoge einschließlich der Einrichtung eines rituellen Bades kostete die Gemeinde insgesamt etwa 6.000 Gulden. 1850 konnte die Synagoge feierlich eingeweiht werden. Sechs Jahre später erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" ein Artikel, in dem die jüdische Gemeinde als vorbildlich geschildert und an den Bau der Synagoge 1850 erinnert wird:   

Bergzabern AZJ 07011856.jpg (90762 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. November 1856: "Aus dem Regierungsbezirk Trier, im November (1856). Den mancherlei traurigen Beispielen gegenüber, welche diese Blätter aus den Gemeinden zu berichten haben, lassen Sie mich ein würdiges in der Gemeinde Bergzabern aufführen, welche, aus 21 Familien bestehend, 1850 nicht bloß mit 6000 Fl. eine neue Synagoge und ein neues Bad aufführte, sondern auch eine gute Elementarschule besitzt. Dem trefflichen Lehrer Eichhold hat die Gemeinde aus freien Stücken 50 Fl. zu seinem guten Auskommen zugelegt. Es darf aber nicht übersehen werden, dass überhaupt das Verhältnis des jüdischen Lehrer in der bayerischen Rheinpfalz ein weit erfreulicheres ist, als in unserer Rheinprovinz...."   

Vorsteher der jüdischen Gemeinde zum Zeitpunkt des Synagogenbaus war Seligmann Blum. Vor allem seinen Bemühungen war die Errichtung der Synagoge zu verdanken. Blum war viele Jahre als Beschneider (Mohel) in Bergzabern und jüdischen Gemeinden in einer weiten Umgebung tätig. Zu seinem Tod am 9. September 1875 erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" folgender Artikel:   

Bergzabern Israelit 27101875.jpg (54164 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Bergzabern. Den 9. September starb im 80. Lebensjahre Herr Seligmann Blum, Schwiegervater des Oberrabbinen von Frankreich, Herrn Isidore. Das war ein durch seine religiöse Gesinnung und Wohltätigkeit ausgezeichneter Greis. Als Mohel (Beschneider) ging er oft 20 Stunden weit und dies selbstverständlich unentgeltlich, um das göttliche Gebot bei den Reichen und Armen zu erfüllen. Er war lange Zeit Vorstand der israelitischen Gemeinde, und seinen Bemühungen und Opfern ist die Errichtung der hiesigen Synagoge zu verdanken; ebenso war er Mitglied des Gemeinderats zu einer Zeit, wo es noch eine Seltenheit war, dass ein Israelit zu diesem Ehrenamt zugelassen wurde. Herr Blum wurde allgemein geehrt und geliebt."   

Die Synagoge in Bergzabern musste immer wieder renoviert werden. Eine erste Reparatur erfolgte bereits 1867. In der Synagoge gab es 120 Sitzplätze im Erdgeschoss (Männer) und 70 Plätze auf der Frauenempore. Nach einem Inventarverzeichnis aus dem 20. Jahrhundert gab es zehn Torarollen, 30 Toramäntel, acht Sätze silberner Toraschmuck und sechs Tora-Vorhänge. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurden am Vormittag des 10. November die Fenster der Synagoge eingeschlagen, die Inneneinrichtung mit Hämmern und Äxten zertrümmert und das Dach teilweise abgedeckt. Die Ritualien, Bibliothek und das Archiv der Gemeinde wurden von der SA "sichergestellt". Eine Torarolle wurde teilweise verbrannt. Einige Tage später wurde die geschändete Synagoge durch einen SA-Sturm und die RAD-(Reichsarbeitsdienst-)Abteilung Bergzabern abgebrochen. 1939 kaufte die Stadt das Grundstück für 830 Reichsmark.

Nach 1945 musste die Stadt allerdings im Zusammenhang mit dem Restitutionsverfahren für das Grundstück der Synagoge und das durch Bomben beschädigte Schulhaus 3.330 Reichsmark an die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz zahlen. Auf dem Synagogengrundstück wurde eine Parkanlage und ein Parkplatz (zwischen der protestantischen Kirche und der Sparkasse) angelegt. Seit 1978 ist eine Gedenktafel südöstlich der Marktkirche am Parkplatz der Sparkasse in den Boden eingelassen. Die Gedenktafel trägt die Inschrift: "Hier stand von 1848 bis zur 'Kristallnacht' 1938 die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde".
      

Adresse/Standort der SynagogeNeugasse zwischen protestantischer Kirche und Sparkasse (1932: alte Anschrift: Markplatz 304).

Fotos 
(Quelle der historischen Fotos: Dokumentation des Landesamtes S. 83-84)   

Bergzabern Synagoge 100.jpg (92122 Byte) Bergzabern Synagoge 102.jpg (84468 Byte)   
Historische Aufnahme der Synagoge
 (Eingangsbereich, Westfassade)
Die geschändete Synagoge nach 
dem Novemberpogrom 1938 
zu Beginn der Abbrucharbeiten
  
          
     
Gedenktafel und Synagogengrundstück 2006 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.9.2006)
  
Bergzabern Synagoge 251.jpg (119003 Byte) Bergzabern Synagoge 250.jpg (68980 Byte) Bergzabern Synagoge 103.jpg (12640 Byte)
Das ehemalige Synagogengrundstück (rechts des Gehweges; die Gedenktafel liegt zwischen Gehweg und dem weißen parkenden Auto) und die Gedenktafel mit dem Text: "Hier stand von 1848 bis zur Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde" Gedenken am 
Synagogenplatz (Bericht)
 

      
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Bergzabern  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 68.
Juden in Bergzabern. Mitteilungsblatt des Historischen Vereins der Pfalz, Bezirksgruppe Bad Bergzabern. Heft 7, 1988. Hg. vom Vorstand der Bezirksgruppe Bad Bergzabern im Historischen Verein der Pfalz. Bad Bergzabern 1988.
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 43-44.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 83-85 (mit weiteren Literaturangaben).
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bergzabern. Palatinate. A few Jews lived in Bergzabern in the mid-14th century. None remained after the Black Death persecutions of 1348-49. The community was reestablished in the 17th century, numbering six families in 1681 and 1768. Nineteen families (106 Jews) were present in 1848, including 13 merchants, three artisans, and three merchant-farmers. The Jewish population rose to 123 in 1880 but then declined to 81 in 1900 and 43 in 1932. A synagogue was consecrated in 1850. The Jewish elementary school,  opened in 1837, was recognized as a municipal institute in 1870, but closed in 1915 for lack of students. On Kristallnacht (9-10 November 1938), rioters razed the synagogue. Seventeen Jews remained in May 1939, most leaving by the end of 1940. Nineteen emigrated in the Nazi era and the rest moved to other localities in Germany. In addition to two Jews who were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, at least 12 more perished in the Holocaust.            
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. November 2010