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Zu den Synagogen im
Kreis "Südliche Weinstraße" und Stadtkreis Landau
Kirrweiler / Pfalz
(VG
Maikammer, Kreis Südliche Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hochstiftisch-speyerischen
Amtsort Kirrweiler bestand eine jüdische Gemeinde bis 1916. Ihre Entstehung
geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1635 werden drei jüdische
Familien aus Kirrweiler genannt, die auf der Flucht vor den kriegerischen Wirren
des Dreißigjährigen Krieges in Speyer um Schutz nachsuchten. 1674 erfährt man
von drei in Kirrweiler wieder ansässigen Juden (beziehungsweise jüdische
Familien).
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Einwohner rasch an, sodass 1766
eine neue Synagoge erbaut werden konnte (s.u.). 1785 gab es acht
jüdische Familien am Ort.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl
der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 30 jüdische Einwohner (in acht
Haushaltungen, 2,6 % der Gesamteinwohnerschaft), 1815 39, 1825 41 (10,3 %), 1843
53, 1847/48 82 (in 18 Familien). Zur jüdischen Gemeinde in Kirrweiler gehörten
damals auch die im benachbarten Maikammer
lebenden Juden ("Israelitische Kultusgemeinde Kirrweiler-Maikammer").
Seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts ging die Zahl der Juden am Ort durch Ab- und Auswanderung stark
zurück. 1875 wurden noch 59, 1900 33 jüdische Einwohner gezählt. Die Gemeinde
wurde zum 1. April 1916 aufgelöst und die am Ort noch
lebenden Juden (1924 noch 16) der Gemeinde in Venningen
zugeteilt.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe die
vermutlich letzten Ausschreibungen der Stelle vom Anfang des 20. Jahrhunderts
durch den damaligen Gemeindevorsteher Moses Rubel unten). Unter den Lehrern am
Ende des 19. Jahrhunderts ist noch Simon Strauß bekannt, der 1900 nach Germersheim
und 1902 nach Erlenbach wechselte. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat
Landau.
1933 lebten noch 10 jüdische Personen in Kirrweiler. In
den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Kirrweiler geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Berwin geb.
Süss (1888), Moses Blumenstiel (1886), Auguste Kern geb. Süss (1884), Robert
Rubel (1898), Martha Silberberg geb. Süss (1891), Abraham Süss (1880), Gustav
Süss (1868), Marie Süss ().
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1898 / 1901 /
1903 / 1904
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898:
"Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und
Schochet-Stelle zu Kirrweiler, Pfalz, ist sofort zu besetzen.
Gehalt Mark 500.-, nebst freier Wohnung. Kasualien ca. Mark 300.- Offerten
zu richten an den Vorstand Moses Rubel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901:
"Religionslehrer, Chasan und Schochet gesucht nach Kirrweiler,
Rheinpfalz. Fixum 600 Mark, Nebenbezüge ca. 150 Mark bei freier Wohnung.
Offerten mit Zeugnissen an den Vorstand Moses Rubel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1903:
"Religionslehrer, Vorbeter und Schächter gesucht.
Fixo-Gehalt Mark 600 bei freier Wohnung und Nebenverdiensten.
Eintritt sofort. Bewerber wollen Zeugnisse einsenden
an den
Kultusvorstand Moses Rubel,
Kirrweiler, Rheinpfalz". |
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Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1903:
"Kirrweiler (Rheinpfalz). Religionslehrer, Vorbeter und
Schächter; 600 Mark, freie Wohnung und Nebeneinkommen; Eintritt sofort.
Meldungen an Moses Rubel." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1904:
"Religionslehrer, Chasan und Schochet
gesucht. Gehalt Mark 600, bei freier Wohnung und etwas Nebenverdienst.
Offerten zu richten an den
Israelitischen Kultusvorstand:
Moses Rubel, in Kirrweiler (Pfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1904:
"Religionslehrer,
Chasan und Schochet gesucht. Gehalt Mark 600 bei freier Wohnung und
etwas Nebenverdienst. Offerten sind zu richten an den israelitischen
Kultusvorstand Moses Rubel, Kirrweiler i.
Pfalz." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum beziehungsweise eine erste
Synagoge vorhanden. 1953 wurde bei Umbauarbeiten in der Kirchstraße 4 eine aus dem ausgehenden 17.
Jahrhundert stammende Mikwe entdeckt. Das Haus wurde 1689 erbaut,
rechts und links davon wohnten damals die jüdischen Familien am Ort. Hier
dürfte sich auch die erste Synagoge beziehungsweise ein Betraum befunden
haben.
Am 31. Oktober 1766 kaufte die jüdische Gemeinde für 222 Gulden 20
Kreuzer "von der ledigen Voegele, Tochter des Schutzjuden Sender in
Kirrweiler" ein Grundstück, auf dem eine neue Synagoge mit einem rituellen
Bad erbaut wurde. Seit 1830 plante die Gemeinde den Umbau der Synagoge.
Man kaufte zunächst von Friedrich Söllinger ein Fläche für 50 Gulden hinzu. 1844
erbaute man im vorderen Teil des Grundstückes das jüdische Schul- und
Lehrerhaus
unmittelbar an die im rückwärtigen Teil stehende Synagoge an, wobei Material
und Stil des Synagogenbaus aufgenommen wurden. Zeitgleich wollte man die
Synagoge vergrößern und verschönern, was jedoch auf den Widerstand der Juden
aus Maikammer stieß, die mindestens seit
Ende des 18. Jahrhunderts zur Gemeinde in Kirrweiler gehörten. Die
dortigen jüdischen Familien bemühten sich damals um Einrichtung eines eigenen
Betsaals und hatten daher keine Interesse, zur Vergrößerung der Synagoge in
Kirrweiler etwas beizutragen. Ihre Eingabe an die Behörden wurde freilich negativ beschieden. Die jüdischen Familien
aus Maikammer mussten weiterhin nach Kirrweiler zum Gottesdienst.
Nicht bekannt ist, ob die Pläne der Vergrößerung und Verschönerung der
Synagoge in Kirrweiler realisiert wurden.
Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner in
Kirrweiler und Maikammer stark zurückgegangen war, kein regelmäßiger
Gottesdienst mehr stattfinden und auch die Synagoge nicht mehr unterhalten
konnte, wurde die Gemeinde 1916 aufgelöst. Das Grundstück mit Synagoge
und jüdischer Schule wurde 1917 verkauft. Die ehemalige Synagoge wurde
nun als Abstellraum und Schreinerei verwendet.
Das Inventar der Synagoge Kirrweiler kam 1916 nach Edenkoben,
wobei in einem Inventarverzeichnis damals u.a. genannt werden: zwei Torarollen
mit je zwei Mänteln, eine blaue Decke zum Vorbeterpult, ein sechsarmiger
Kronleuchter, ein grüner Seidenvorhang zum Toraschrein, weitere Vorhänge in
weißer und blauer Seide zum Toraschrein, ein siebenarmiger Standleuchter. An
das 1914 eröffnete Israelitische
Altersheim in Neustadt gingen eine weiße Decke zum Vorbeterpult, zwei
Vorhänge zur heiligen Lade (einer aus rotem Samt, einer als hellem Damast),
eine Torarolle mit zwei Mänteln und silberner Toraschmuck (ein Torazeiger (Jad,
1860 gestiftet) und ein Toraschild (Tass, 1906
gestiftet)).
Das Haus des jüdischen Lehrers beziehungsweise der jüdischen Schule wurde 1970
abgebrochen, um an der Stelle ein Wohnbaus bauen zu können. Im Synagogengebäude wurde
1986 eine Wohnung eingerichtet. 1987 wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal
erklärt.
Adresse/Standort der Synagoge: Schlossstraße
1
Fotos
(Quelle: Foto der Mikwe und der Synagoge aus Schmidt s.
Lit. S. 66; das Foto von der Synagoge und Schule erschien erstmals in der
Publikation von H. Arnold 1967; Farbfoto aus der Website der Gesellschaft für
christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Pfalz s. Links; die Fotos finden sich
auch bei Weber s. Lit. S. 104 und Landesamt s. Lit. S. 213)
Mikwe aus der Zeit Ende
des
17. Jahrhunderts in der Kirchstraße 4 |
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In das Becken
führte eine (auf dem Foto nicht erkennbare) Treppe hinab, an der sich
Nischen für Kerzen und eine Kleiderablage befinden (links am Rand
erkennbar) |
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Ehemalige Synagoge
und
Schul-/Lehrerhaus
(1967 oder davor) |
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Blick auf die
Synagoge (im Hintergrund; durch den damals noch bestehenden Anbau sind nur
zwei der Rundbogenfenster erkennbar); rechts im Vordergrund das 1844
vorgebaute Schul- und Lehrerhaus, das 1970 abgebrochen wurde, um ein neues
Wohnhaus zu erstellen |
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| Gegenwärtige Situation |
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Blick auf die
ehemalige Synagoge, rechts das nach 1970 an der Stelle des
Lehrer- und
Schulhauses erstellte neue Wohnhaus |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Hermann Arnold: Von den Juden in der Pfalz.
Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften Speyer. Bd. 56. 1967. |
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Heinz Friedel: Kirrweiler. Die Geschichte eines
pfälzischen Weindorfes. 1978 S. 63-68. |
 | Franz Schmidt: Die Steine reden: Zeugnisse
jüdischen Lebens im Landkreis Südliche Weinstraße. Rhodt 1989. passim. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 96-97.104 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 212-213 (mit weiteren Literaturangaben).
|
n.e.

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