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Suhl mit
Heinrichs (kreisfreie Stadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Suhl bestand eine jüdische Gemeinde von 1871 bis September
1942.
Bereits im 16.
Jahrhundert lebten - zumindest für einige Jahre - Juden in der Stadt. Ab 1533
wird ein Jude namens Eberle / Eberlin zu Suhl genannt, 1552 die Juden
Itzig, Weiß und Salomon. Sie lebten vermutlich im Bereich der früheren
Judengasse (heutige "Judithstraße"). 1555 wurden die Suhler
Juden wie alle ihre Glaubensgenossen aus dem Bereich der Grafschaft Henneberg
ausgewiesen. Von 1560 bis 1848 lebten keine Juden in der Stadt.
Anfang des 18. Jahrhunderts entstand unmittelbar vor Suhl eine
jüdische Gemeinde in Heinrichs. Hier lebten 1811 in zehn Häusern, die
Juden gehörten, zusammen 17 jüdische Familien. Ein weiteres Haus gehörte der
jüdischen Gemeinde. Es wurde als Synagoge und Schule mit Lehrerwohnung genutzt
(im heutigen Hinterhof der Bäckerei Striebe, Meininger Straße 114 in Heinrichs). Noch
Anfang der 1840er-Jahre bemühten sich jüdische Personen in Heinrichs
vergeblich um eine Niederlassungserlaubnis in Suhl. Mehrere sind in dieser Zeit
nach Nordamerika ausgewandert (siehe Bericht unten von 1843).
1848 wurden erstmals wieder Juden in Suhl aufgenommen: Moses und Löb
Simson konnten am 24. August dieses Jahres in Suhl ein Haus am Markt erwerben
und hier einen Schnittwarenhandel eröffnen. 1850 erwarben Moses und Löb Simson
gemeinsam Anteile am Alten Stahlhammer in Suhl, der 1866 in Alleinbesitz
des Moses Simson überging und Ausgangsobjekt für den späteren Großbetrieb
der Simson-Werke wurde. 1856 hatte die Firma Simson 20 Mitarbeiter, 1918 waren
es 3.500. Die Firma produzierte hochwertige Waffen, Fahrräder (ab 1896 - Simson
war einer der großen deutschen Fahrradproduzenten) und Autos (ab 1908; zwischen
1923 und 1930 auch ein Rennwagen unter der Bezeichnung Simson Supra).
Nach den Bestimmungen des Vertrages von Versailles wurde die Firma Simson der
einzige konzessionierte Waffenproduzent für Maschinengewehre in Deutschland. In
der NS-Zeit ist 1934 der Familie Simson die Kontrolle über die Firma entzogen. Noch im
selben Jahr wurde die Firma nach einem Scheinprozess mit konstruiertem Material
enteignet. Familie Simson konnte ins Ausland fliehen (USA 1936). Die Firma
bestand nach einer sehr wechselvollen Geschichte bis in die jüngste
Vergangenheit (Waffenfabrik in der NS-Zeit, von 1952 bis 1990 als VEB
Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl, danach bis 2003 als Suhler
Fahrzeugwerk GmbH. (Grundlage Artikel bei wikipedia, siehe Link unten).
Im April 1859 beschlossen die in Heinrichs
und Suhl lebenden jüdischen Einwohner, sich künftig "Synagogengemeinde
Heinrichs mit Suhl" zu nennen. 12 Jahre später nannte sich die Gemeinde
"Synagogengemeinde Suhl mit Heinrichs". 1880 lebten 91 jüdische
Personen in der Stadt, 1905 etwa 150. Jüdische Einwohner betrieben inzwischen mehrere angesehene
Gewerbebetriebe und Handlungen in der Stadt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule und einen Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle
unten von 1877).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Suhl: der Gefreite
Julius Goldmann (geb. 1896 in Suhl, gefallen 14.5.1918), der Sanitätsgefreite
Bruno Sander (geb. 1892 in Suhl, gefallen 28.4.1917), Otto Sommer (geb. 1894 in
Suhl, gefallen 4.10.1917) sowie Max Stern (geb. 1898 in Schwarza, gefallen
19.5.1918).
Mitte der 1920er-Jahre zählten zur jüdischen Gemeinde etwa 150
Personen (0,93 % von ca. 16.000 Einwohnern; 1932/33 waren es noch 120 Personen).
Zur Suhler Gemeinde gehörten auch die in Heinrichs lebenden 10 jüdischen
Personen sowie die in Zella-Mehlis lebenden 15 Personen. Den Synagogenvorstand
bildeten damals (großenteils dieselben Personen auch noch 1932/33): Daniel
Meyer, Daniel Nussbaum, O. Ottensoser. Zur Repräsentanz gehörten Julius
Sommer, Isaac Nussbaum, Siegmund Sander, Isidor Sander, Simon Mannheim, Adolf
Brylewski. Als Lehrer und Vorbeter war Abraham Levy tätig. Er unterrichtete im
Religionsunterricht 12 Kinder. Unter den jüdischen Vereinen ist der gemeinsame
Israelitische Frauenverein für Suhl, Zella-Mehlis und Heinrichs zu nennen
(gegr. 1895, 1925/32 unter der Leitung von Meta Sander in Suhl mit 35
Mitgliedern). Seine Ziele waren die
Unterstützung Hilfsbedürftiger und die Unterhaltung einer Nähestube. Dazu gab
es eine Unterstützungskasse für durchreisende Arme.
Mit dem Boykott der jüdischen Geschäfte am 1. April 1933 begann eine
starke Aus- und Abwanderung der jüdischen Einwohner der Stadt. Im April 1938
gab es noch 24 jüdische Haushaltungen. In der Pogromnacht 1938 wurde die
Synagoge zerstört (s.u.). 1939 lebten noch 20 bis 30 jüdische Personen in der
Stadt. 1942 wurden die letzten Suhler Juden deportiert. Nur zwei in
sogenannter "Mischehe" lebende Personen konnten in der Stadt
überleben.
Von den in Suhl geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Maria Arnold geb. Baum
(1872), Emma Brylewski geb. Schaye (1877), Frieda Trude Dörnberg geb. Simson
(1887), Berta Dublon geb. Sander (1884), Käthchen Ehrlich geb. Goldmann (1882),
Helene Emden geb. Brunn (1875), Heinrich Friedmann (1903), Max Friedmann (1861),
Clothilde Goldmann (1882), Lilly Goldmann geb. Sander (1895), Paula
Goldmann (1884), Doris Guttmann geb. Sander (), Hanni Haehnlein (1939), Irma
Haehnlein geb. Stern (1901), Susanne Haehnlein (1929), Günther Jacobi (1930),
Margarete Jacobi geb. Nussbaum (1905), Renate Jacobi (1926), Selma Kahn (1899),
Adelheid Kaufmann geb. Mannheimer (1869), Deborah Levi geb. Ehrlich (1863),
Helene Charlotte Levi (1890), Leopold Levi (1887), Martha Levi (Levy) geb.
Hirschfeld (1866 oder 1868), Emilie (Emmy) Levy (1874), Meta Löwenstein geb.
Meyer (1870), Dina Ida Ernestine Mannheimer geb. Kissinger (1872), Erich
Mannheimer (1898), Martha Mannheimer geb. Friedmann (1907) Max Mannheimer
(1875), Max Mannheimer (1893), Serry Mannheimer geb. Steinbock (1886), Siegfried
Mannheimer (1896), Simon Mannheimer (1867), Tilly Mannheimer (1897), Emilie
Meyer (1869), Else Nussbaum (1907), Jenny Nussbaum geb. Rosenthal (1876),
Johanna Nussbaum (1900), Karl Nussbaum (1902), Wolf Nussbaum (1862), Jenny
Rosenbaum geb. Levi (1887), Jelasawa Sander (1890), Käthe Henriette Sander
(1900), Elfriede Spangenthal geb. Brylewski (1906), Hugo Stern (1889), Karoline
Stern geb. Morgenroth (1866), Else von der Wall geb. Lang (1884), Bertha Wolff
geb. Baum (1873).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1877
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1877:
"Nachdem unser bisheriger Lehrer, welcher das Amt 30 Jahre
bekleidete, vorgerückten Alters halber seine Pensionierung beantragt hat,
ist die hiesige Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters
anderweitig zu besetzen und ersuchen wir Reflektanten, uns ihre Zeugnisse
baldigst einzusenden. Festsetzung des Gehalts erfolgt ja nach
Qualifikation.
Suhl in Thüringen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde: Meyer." |
Aus der
jüdischen Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts
Als noch keine jüdischen Personen in Suhl zuziehen
durften (1843)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Mai 1843:
"Aus dem Hennebergischen, 26. März (D.A.Z.). Es ist wenig bekannt
und scheint selbst die Aufmerksamkeit der preußischen Regierung noch
nicht auf sich gezogen zu haben, dass die Juden in der Grafschaft
Henneberg sich in einer ungleich ungünstigeren Rechtslage befinden als
die des ganzen übrigen Staates. Es ist dort noch die alte
Partikulargesetzgebung beibehalten worden, und in Folge davon dürfen die
dortigen Juden keine Grundstücke erwerben, sich nicht als Handwerker
etablieren, sich ohne eingeholte Erlaubnis nicht verheiraten. Namentlich
sind ihnen die Suhler Stadtrechte feindselig. Gleichwohl ist dieser kleine
Teil Landes verhältnismäßig stark von Juden bewohnt, und namentlich
halten sich n den Flecken Heinrichs und Schwarza sehr viele auf. Nach Suhl
darf keiner ziehen. Ein junger Mann in Suhl, namens Nathan Mayer, der
früher den Kleinhandel (Schacherhandel?) betrieben, aber das Handwerk
eines Leinwebers erlernt hatte und nun dem Handel entsagen und sich seiner
Profession widmen wollte, konnte, trotz aller Bemühungen, die Erlaubnis
nicht erhalten und musste so zu seinem früheren Geschäfte zurückkehren.
Ein angesehener und wohlhabender Jude in Heinrichs, namens Julius Mayer,
wollte nach Suhl ziehen und wendete sich, da der dortige Magistrat
widersprach, an die Regierung, endlich ans Ministerium, musste aber, mit
Rücksicht auf das bestehende Recht, abgewiesen werden. Er verkaufte nun
Hab und Gut und zog mit seiner Familie nach New York, wo es ihm wohl gehen
soll, und viele junge Leute aus der Grafschaft schlossen sich ihm an.
Gleichwohl treiben die Juden dieser Flecken viele Geschäfte mit Suhl und
leben mit den dortigen Bürgern auf dem freundschaftlichsten
Fuße." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Tuch- und Manufakturwarengeschäftes en gros & en detail M.
Ronnefeld (1865)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1865:
"Commis-Gesuch.
Für mein Tuch- und Manufakturwaren-Geschäft en gros & en detail wird
ein Commis, der in der Buchführung tüchtig ist, und Fachkenntnisse
besitzt, unter vorteilhaften Bedingungen zum baldigen Antritt gesucht.
Franco-Offerten erbittet man an M. Ronnefeld in
Suhl." |
Anzeigen des Bank- und Manufakturwarengeschäftes M. Baum
(1870 / 1872)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1870:
"Für mein Bank- und Manufakturwaren - En gros & En
detail-Geschäft suche ich zum baldigen Antritt einen mit guten
Vorkenntnissen versehenen jungen Mann als Lehrling. M. Baum in
Suhl." |
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Anzeigen
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1872:
"Für mein Manufaktur - en détail-Geschäft suche ich einen jungen
Mann als Commis, der in einem derartigen Geschäft bereits gearbeitet
resp. gegenwärtig seine Lehrzeit daselbst beendet. Derselbe muss ein
flotter Verkäufer sein und vorkommend den Lagerposten in meinem
Manufakturwaren - en gros-Geschäft versehen können.
M. Baum, Suhl.
Für mein Bank- und Manufakturwaren - en gros & en détail-Geschäft
suche ich einen Lehrling, mit guten Schulkenntnissen versehen, per 1.
April. M. Baum, Suhl." |
Lehrlingssuche des Tuch-, Manufaktur- und
Moderwarengeschäftes Gebr. Simson (1887)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Februar 1887:
"Lehrlings-Gesuch. Wir suchen per 1. April dieses Jahres für
unser Tuch-, Manufaktur- und Modewarengeschäft einen jungen Mann mit
guten Schulkenntnissen als Lehrling.
Gebr. Simson, Suhl." |
Anzeige des Schuh- und Herrengarderobegeschäftes Hermann Friedmann
(1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1904: "Lehrling,
Lehrmädchen oder Verkäuferin für mein Schuh- und
Herrengarderobegeschäft für sofort oder später gesucht. Freie Station
im Hause.
Hermann Friedmann, Suhl
(Thüringen)." |
Haushaltshilfe gesucht (1906)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Oktober
1906: "'Stütze.' Suche kinderliebes junges Mädchen, nicht
unter 20 Jahren, befähigt, die Schularbeiten jüngerer Kinder zu
überwachen und im Schneidern bewandert. Etwas Kochen erwünscht, doch
nicht durchaus erforderlich. Ausführliche Offerten an
Frau Karl Sander, Suhl in Thüringen." |
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben
Umschlag eines an die Firma
Simson & Co.
in Suhl geschickten Briefes
(aus der Sammlung von
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Der Eilbrief aus Hamburg wurde
am 20. Oktober 1930 nach Suhl geschickt |
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Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005)
| Die ehemalige "Judengasse" |
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Blick in die
Judithstraße, frühere Judengasse |
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| Ort der Deportation 1942 |
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Hinweis auf das
Gebäude, von dem die jüdischen Einwohner Suhls
1942 deportiert wurden. |
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Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst hatte die jüdische Gemeinde (von 1871 bis 1906)
einen Betraum, der sich in einem Saal am früheren Mühlplatz 7 (erster Stock
des Harras'schen Hauses) befand (das Gebäude Harras'sche Haus wurde
abgebrochen, der Mühlplatz besteht nicht mehr).
Die 1938 zerstörte Synagoge war 1904/06 in zweijähriger Bauzeit in
traditionellem byzantinisch-maurischem Stil mit Elementen des Jugendstiles
erbaut worden. Die Einweihung der Synagoge war am 7. August 1906. Die Seitentürme gaben ihr das Aussehen eine Kirche. In der
Synagoge hatte es Platz für 200 Personen. Auf drei Seiten war eine Empore
angebracht.
Die Einweihung der Synagoge in Suhl (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. August
1906: "Suhl. Dieser Tage fand die Einweihung der neu erbauten
Synagoge statt. Die städtischen Behörden, sowie auch die beiden ersten
evangelischen Geistlichen waren bei der Feier
vertreten." |
Nur 32 Jahre war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens in der Stadt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört.
Seit November 1985 steht am Standort der Synagoge ein von dem Künstler Jürgen
Conrad gestalteter Gedenkstein. Er ist aus hellem Naturstein geformt und zeigt die
Darstellung einer Menora mit eingearbeitetem Davidstern. Bis Anfang der
1990er-Jahre stand auf den Fundamenten der einstigen Synagoge eine Baracke. Dann
wurde das Grundstück mit einer Wohnanlage neu überbaut.
Adresse/Standort der Synagoge: heutige Straße der Opfer des Faschismus
(frühere Hohenlohestraße 13)
Fotos
Historische Aufnahmen der
Synagoge in Suhl |
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Außenaufnahme der Synagoge in
Suhl |
Innenaufnahme mit Blick zum
Toraschrein |
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| Die Zerstörung der Synagoge in der
Pogromnacht 1938 |
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Quelle: Fotos aus der
Darstellung
von Hans Nothnagel (Hg.) s. Lit. |
Der Brand der Synagoge am
frühen Morgen des 10.11.1938 |
Die ausgebrannte Ruine
(Frontansicht) |
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Die ausgebrannte Ruine
(Seitenansicht) |
Abbruch der Synagoge |
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Die Gedenkstätte für die zerstörte
Synagoge
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005) |
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Gedenkstein für
die zerstörte Synagoge an ihrem Standort |
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne
Berichte
| 2007/2008:
Berichte von zwei Gedenkveranstaltungen |
Erschienen am 10. November 2007 in der Zeitschrift "Freies Wort"
- Artikel von Ruth Schafft
Erinnerung an den Pogrom - Lieder und Texte aus Talmud und Thora
Jalda Rebling gestaltete das Gedenken auf ganz besondere Weise und machte jüdisches Leben erlebbar
Suhl. - Jalda Rebling singt leise, anrührend. Es ist ein jüdisches Lied, der Text auf hebräisch. Die Gäste im Oberrathaussaal summen mit. Ein jeder in seine eigenen Gedanken versunken...
Mit der gestrigen Veranstaltung wollte die Stadt zur Erinnerung an den nationalsozialistischen Pogrom vor 69 Jahren, jenem Tag, an dem auch die Suhler Synagoge in Flammen aufging, neue Wege gehen,
"das Gedenken neu erlebbar machen durch konkretes jüdisches Leben", erklärt Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel, der neben der bekannten Schauspielerin und Sängerin auch Wolfgang Nossen, den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringens, und zahlreiche Suhler im voll besetzten Saal zu einem
"nachdenklichen Nachmittag" begrüßte.
Gedenken einmal anders – ohne offizielle Reden und Appelle, stattdessen mit viel Emotionen, mit Wärme, mit Texten aus dem Talmud und der Thora. Mit Liedern und Geschichten, die Trauer, aber auch das Glück und die Hoffnung des jüdischen Volkes vermitteln, vorgetragen von Jalda Rebling.
"Vergesst es nie", das waren die Worte ihrer Mutter, als sie 1945 aus dem KZ Bergen-Belsen befreit wurde. Doch wie gedenkt man in einer Stadt wie Suhl der jüdischen Opfer? Mit den letzten Transporten in die KZ im Mai und September 1942 der noch etwa 130 in Suhl wohnenden Juden erlosch ein für alle Mal jegliches jüdisches Leben in der Stadt. Fast alle Männer und Frauen wurden ermordet oder sind gestorben, nur wenige überlebten den Holocaust. Seit vergangenem Jahr erinnern in Suhl
"Stolpersteine" an einige von ihnen. Schüler im Leistungskurs Geschichte des Gymnasiums erforschten und erforschen Einzelschicksale. Geschichtslehrerin Heidemarie Schwalbe berichtet außerdem von Kontakten ihrer Schüler zu einer betagten Jüdin, Tochter der Suhler Familie Sander, die von ihrer Mutter nach England geschickt wurde und seither in Birmingham lebt. Im Dezember werden ihre Enkel und Urenkel nach Suhl kommen. Ziel, so Heidemarie Schwalbe, sei es, mit den von Schülern erforschten Lebensgeschichten eine Broschüre zu erstellen – auch als begleitendes Informationsmaterial auf dem Weg von
"Stolperstein" zu "Stolperstein". So wollen die Schüler Geschichte lebendig halten.
Das Lebendig-Halten treibt auch Jalda Rebling um. Wie gedenkt man der Opfer in vier, fünf Jahren? Was ist in 20 Jahren – wie machen es dann unsere Kinder? Was können wir tun, damit das, was geschehen ist, nie wieder geschehen kann? Viele Fragen. Antworten, sagt sie, habe sie keine. Dafür hat Jalda Rebling eine Stimme, sie nicht nur als Künstlerin erhebt.
Nach der Veranstaltung begaben sich die Teilnehmer zur Stele, die an die einstige Synagoge erinnert, um – der jüdischen Tradition folgend – einen Stein niederzulegen. Jalda Rebling und Wolfgang Nossen sprachen das Kaddisch-Gebet.
Der Gedenkveranstaltung ging ein Workshop voraus, eingebettet in das Bundesprojekt
"Vielfalt tut gut", das in Suhl unter dem Motto "Suhl bekennt Farbe" seine konkrete Umsetzung erfährt. 19 Teilnehmer, vornehmlich aus dem Sozialbereich, waren vertreten, leider keine Schulen, so Sabine Schmidt vom Jugendamt in einem Freies Wort-Gespräch. Dabei sei es um interkulturelle Kompetenzen gegangen, ein Thema, das in den drei folgenden Workshops unter verschiedenen Aspekten diskutiert werden soll. Nicht so sehr Wissensvermittlung, vielmehr soll das Hinterfragen der eigenen Empfindungen im Umgang mit anderen Kulturen im Vordergrund stehen, erklärt die Vertreterin des Jugendamtes." |
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Erschienen am 28. Januar 2008 in der Zeitschrift "Freies Wort"
- Artikel von Ruth Schafft
Gedenkveranstaltung - Auf den Spuren jüdischen Lebens - Suhler
Gymnasiasten erforschten das Schicksal einst in Suhl lebender Juden
Suhl – Vier Suhler Gymnasiasten nahmen gestern die Gäste der Gedenkveranstaltung mit auf den Spuren jüdischer Mitbürger, die einst in Suhl lebten, machten Halt an den Wohn- und Geschäftshäusern der Familien Sander, Herzberg und Brylewski. Seit drei Jahren erforschen Schüler im Leistungskurs Geschichte unter Leitung ihrer Lehrerin Heidemarie Schwalbe das Schicksal der Juden – 130 lebten hier.
Etwa 50 Suhler – darunter Vertreter der Stadt, der Kirche, Stadträte – fanden sich gestern am Nationalen Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust auf dem jüdischen Friedhof ein, um an das unsägliche Leid der jüdischen Menschen zu erinnern. Dort begann der Rundgang auf den Spuren jüdischen Lebens.
Der Friedhof ist für Juden von zentraler Bedeutung, für sie der gute Ort, der immer und ewig ist.
"Es ist deshalb das Schlimmste zu wissen, dass Angehörige kein Grab haben", erklärt Rico Schuberth, Gymnasiast. Er hat sich mit den jüdischen Friedhöfen, ihren Grundprinzipien und Besonderheiten näher befasst, berichtete, dass 1720 der erste in Heinrichs entstand, wo es 1917 die letzte Beerdigung gab. 1903 wurde am Hoheloh der zweite jüdische Friedhof eingeweiht. Die Toten werden begraben, eine Verbrennung lehnt das Judentum strikt ab.
"Wir können nur ahnen, wie viel Abscheu und Schmerz die Shoa für die jüdischen Menschen
bedeutet", schloss der Abiturient seinen aufschlussreichen Vortrag.
Die Sanders wohnten im Steinweg 26, dem heutigen Rokokohaus, wo Isidor Sander ein Lederwarengeschäft führte. Im gleichen Haus lebte damals auch die nichtjüdische Familie Rehfeld. Von deren Tochter erfuhr Annelie Pfannschmidt für ihre Schülerarbeit Näheres aus dem Leben der Sanders. Sie waren beispielsweise in der jüdischen Gemeinde sehr aktiv und besonders Meta Sander, die Ehefrau, war sehr sozial eingestellt. 1936 wurde sie schwer krank und starb im April des gleichen Jahres.
Diesen Schmerz, die schwere Zeit, die Repressalien, die SA-Männer, die mit
"hängt die Juden auf" brüllend durch den Steinweg zogen – all das konnte Isidor Sander nicht mehr ertragen und nahm sich im Juli 1936 das Leben. Da war Tochter Helene schon längst in England, wohin sie geschickt wurde, um ihr Englisch zu vervollkommnen. Dort lebt sie, 92-jährig, noch heute und pflegt besonders mit Heidemarie Schwalbe einen regen Briefwechsel. Sie zeigt sich erfreut darüber, dass durch die Projektarbeiten der Suhler Schüler Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ihre beiden Geschwister sind bereits gestorben. Ilse-Marion, die 1939 über Genf nach England auswanderte, Helmut, der nach Palästina ging und dort bis zu seinem Tod 2002 lebte. Mit seinem Sohn, so berichtete Heidemarie Schwalbe, gibt es weiterhin Kontakt.
Das Kaufhaus Herzberg, am Markt, Ecke Bleymüllerstraße neben dem "Bären" gelegen, galt in den 1920er- und 30er-Jahren als erste Adresse. Dort wurden die Suhler freundlich beraten, das Gebäude selbst bestach durch sein schönes Ambiente. Gegründet 1918 wurde es von Alfred und Margot Herzberg geführt.
Als mit der Machtübernahme der Nazis auch in Suhl der Boykott jüdischer Geschäfte begann, kauften die Suhler dennoch bei Herzberg ein. Erst als SA die Kunden fotografierte und die Bilder in der Zeitung veröffentlichte, wurde es ruhig. So schilderte Alexander Koberstein jene Zeit. Die Herzbergs mussten 1937 ihr Geschäft verkaufen und zogen nach Berlin. In der Reichspogromnacht wurde Alfred Herzberg von der Gestapo verhaftet. An den Folgen der Misshandlung verstarb er wenige Monate später. Frau Herzberg, so wusste der Suhler Abiturient, weiter zu berichten, emigrierte mit den Töchtern Ingelene und Erika nach Chile. Letztere besuchte Suhl seit ihrer Auswanderung zwei Mal.
In den Zwanziger Jahren übernahm die Familie Brylewski das Kaufhaus Leschziner am Markt, Ecke Pfarrstraße, wo sich heute das Wäschegeschäft befindet. Über das Schicksal von Aaron Brylewski, das seiner Frau Emma und der Kinder Werner, Elfriede und Heinz berichtete Christian Meißner. Ab 1933 musste auch diese Familie Schikanen ertragen, die fünf Jahre später in der Liquidierung ihres Geschäftes gipfelten – auf Betreiben des Nazi-Bürgermeisters König, dem aus seinem Amtszimmer der Anblick auf ein jüdisches Kaufhaus zutiefst zuwider war. Im gleichen Jahr wurde aus der Villa der Brylewskis in der Kellerstraße das so genannte
"Judenhaus". Dort mussten einige jüdische Familien einziehen und ihre eigenen Häuser verlassen. 1942 wurde das Ehepaar Brylewski sowie die Tochter mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Belzec deportiert und dort ermordet.
Zum Abschluss legten Teilnehmer der Gedenkveranstaltung an der Gedenktafel im Alten Rathaus, wo die Namen aller in Suhl lebenden jüdischen Mitbürger festgehalten sind, Blumen nieder."
Originalartikel
mit Fotos |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Hans Nothnagel/ Ewald Dähn: Juden in Suhl - ein
geschichtlicher Überblick. Konstanz 1995. Hg. von Erhard Roy Wiehn,
Konstanz. |
 | Hans Nothnagel/ Hans Michael/ Annekathrin Peters:
Eine dokumentarische Nachlese zur Geschichte der Juden in Suhl. In: Hans Nothnagel
(Hg.) Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 1 Suhl 1998
S.11-109. |
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link). Zu Suhl S. 248-251. |
 | Sehr
informative Broschüre "Jüdisches Leben in Suhl" - Kleine
Suhler Reihe Nr. 25. Hrsg. von der Stadtverwaltung Suhl in Zusammenarbeit
mit Holger Aderhold und Annette Wiedemann im September 2008.
76 Seiten.
Downloadbar
als pdf-Datei über Link (kann über die "Galerie im CCS"
in Suhl bestellt werden, Tel. 03681/788301).
Download auch
über internen Link möglich. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Suhl. Evidence of Jews in Suhl
dates from 1315. In spite of several expulsions, Jewish settlement was
continously renewed. At the beginning of the 18th century, Jews were restricted
to a settlement outside the town gates. The first Jewish resident was allowed to
acquire a house within the city only in 1848. In 1856, the ten Jewish families
from Suhl set up a community together with the Jews of Heinrichs. In 1880, the
community numbered 91, establishing a cemetery
in 1905 and a synagogue in 1906. By the time the Nazis assumed power in 1933,
the community numbered 120 (about 40 households). The general boycott of 1 April
1933 led to the first emigrations. By April 1938, there were only 24 Jewish
households in Suhl. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
burned down, and in 1939 only 20-30 Jews still lived in Suhl. Those who did
not manage to escape had to move to "Jewish houses". All were deported
in 1942, with the exception of two Jews who were probably protected by marriage
to non-Jews.

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