|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Unterfranken"
Rödelmaier (VG
Bad Neustadt a.d. Saale, Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer
sowie Kreisheimatpfleger Reinhold Albert)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Rödelmaier bestand eine jüdische Gemeinde bis um
1910, seit dem Ende 19. Jahrhundert in enger Verbindung mit der Gemeinde in Eichenhausen.
Zunächst waren die beiden Gemeinden selbständig, zumal
gerade in Rödelmaier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine relativ
große Gemeinde bestand: 1832 lebten 148 jüdische Personen am Ort.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Rödelmaier auf
insgesamt 30 Matrikelstellen (einschließlich einem Nachtrag von 1820)
die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und
Erwerbszweig): Loser Seligmann Franken (Viehhandel), Gumpel Hohna Weinstock
(Viehhandel, kleiner Kapitalist), Aron Mayer Stern (Hauthandel, Spezereihandel),
Simon Moses Bernstein (Tuch- und Schnittwarenhandel), Mayer Moses Collin
(Pelzwaren- und Schnitthandel), Marcus Loser Rosenfeld (Schnittwarenhandel),
Seligmann Lippmann Eichgaß (lebt von Almosen), Jonas Hirsch Brunn (Schmusen,
Botengehen), Seligmann Hohna Franken (Viehhandel, Kapitalist), Hirsch Judla
Sachs (Viehhandel), Judlein Löw Anweg (Schmuser), Mennlein Löw Schloß (Leibgeding
der Tochter), Mayer Judla Stern (Schnittwarenhandel), Löser Salomon Rosenfeld
(wird vom Sohn ernährt), Hohna Abraham Dorfzaun (Schmusen), Doppel Abraham Fleischhacker (Schlachter), Herz Abraham Enggaß (Schmusen) Salomon Moses Haar
(Buchbinderei), Gerson Joel Amthor (Schmusen), Marcus Moses Pelzfreund
(Pelzwarenhandel), Hohna Joseph Weinstock (Viehhandel), Abraham Berg Sußapfel
(Schmusen), Calman Saffla Heidemann (Hauthandel), Hirsch Menke Eltott (Haut- und
Wollenhandel), Samuel Kohn Kahnlein (Hauthandel), Moses Simson Eltott
(Schmuser), Oscher Simson Stein (Papierhandel), Jacob Hohna Franken
(Viehhandel), Mayer Hohna Franken (Schmuser, Beschneider), Moses Löw Bernstein
(wird vom Sohn ernährt), Lämmlein Weinstock (Bauer, seit
1820).
Bis 1871
ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Ab- und Auswanderungen auf 48 jüdische Einwohner zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts
wurde Rödelmaier Filialgemeinde zu Eichenhausen
beziehungsweise die in Rödelmaier lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde in
Eichenhausen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule und ein rituelles Bad.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Mitte des 19.
Jahrhunderts war einige Zeit in Rödelmaier der 1897 in Wiesenbronn verstorbene
Lehrer Jacob Rosenbaum am Ort (siehe Bericht unten). In der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts stellten die Gemeinden
Eichenhausen und Rödelmaier einen
gemeinsamen Lehrer an. In den unten stehenden Ausschreibungstexten von 1876 und
1890 wird als
Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Rödelmaier Hirsch Franken genannt.
Um 1924 gehörten zur jüdischen Gemeinde mit Sitz in Eichenhausen
zusammen 27 Personen, von denen 12 in Eichenhausen
und 15 in Rödelmaier lebten. Vorstand der Gemeinde war S. Veilchenblau. Die jüdische Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Bad Kissingen.
Ob 1933 und in der nachfolgenden NS-Zeit jüdische Personen in
Rödelmaier lebten, ist unbekannt (bei Ophir/Wiesemann s.Lit. gibt es keine
Angaben zu Rödelmaier; bitte gegebenenfalls Mitteilungen an den Webmaster,
Adresse siehe Eingangsseite).
Von den in Rödelmaier geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen des Gedenkbuches:
Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung): Johanna Arnold geb.
Dispecker (1872), Jakob Dorfzaun (1856), Jette Franken (1879), Fanny Klugmann
(1863), Siegfried Levin (1881), Marianna Schloßmann (1861), Isaak Weinstock
(1859).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 und
1890
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1876:
"Gesucht wird auf sogleich ein Lehrer für die kombinierte Schule
Rödelmaier-Eichenhausen, Rabbinat Kissingen. Fixer Gehalt 600 Mark. Wenn
der Betreffende die Schechita, welche 100-150 Mark jährlich trägt,
übernehmen könnte, wäre besonders erwünscht. Meldungsgesuche sind zu
richten an den Kultus-Vorsteher Hirsch Franken in Rödelmaier bei Neustadt
a.d.S." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890:
"Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle der
kombinierten Gemeinden Rödelmaier und Eichenhausen ist erledigt. Fixer
Gehalt Mark 412, freie Wohnung nebst bedeutendem Nebenverdienst.
Reflektanten wollen sich melden an den Vorstand der israelitischen Gemeinde
Rödelmaier, Bayern. Der Kultusvorstand: Hirsch Franken." |
Zum Tod des Lehrers Jacob Rosenbaum (1897)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897:
"Wiesenbronn, im Kislew. Wiederum hat der Tod eine weite
Lücke gerissen, nicht nur in eine Familie und in unsere Gemeinde, sondern
für das ganze Judentum wird der Verlust unersetzlich sein. Unser Lehrer
und Führer, der hier nahezu 34 Jahre seines Amtes mit großer Treue
waltete, Herr Jacob Rosenbaum weil nicht mehr unter uns. Nachdem er noch
am Sonntag unterrichtete, machte am Dienstag Nacht eine Herzlähmung
seinem edlen Leben, welches nur der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilus
Chasodim (Wohltätigkeit) gewidmet war, ein Ende. Mehr als 60 Jahre stand
er als Lehrer, Chasan und Schochet in den jüdischen Gemeinden Germersheim,
Klein-Ostheim, Gleusdorf,
Rödelmaier
und zuletzt hier in einer Weise vor, die ihm überall die Achtung, Liebe
und Anhänglichkeit seiner Kultusmitglieder erwarb. Davon legte seine am
Eref Schabbos (Freitag) stattgehabte Beerdigung den sprechendsten Beweis
ab. Von nah und fern waren Freunde, Schüler und Kollegen herbeigeeilt, um
dem teueren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Trauerhause
gaben die Herren Lehrer Strauß - Kleinlangheim, Lehmann - Schonungen,
Eisenheimer - Großenbuseck,
Rosenbaum - Berolzheim (Sohn des
Verstorbenen) und der protestantische Lehrer Zemer - Wiesenbronn, den
Gefühlen des Schmerzes in ergreifenden Reden Ausdruck. Die ganze
Bevölkerung Wiesenbronns, ohne Unterschied des Konfession, gab dem von
Allen verehrten Dahingeschiedenen das Geleite. Auf dem Begräbnisplatze,
in dem eine Stunde entfernten Rödelsee, hatten sich zahlreiche Freunde
und Verehrer des Verlebten eingefunden und hier gaben Lehrer Frank -
Rödelsee und Kissinger - Frankenwinheim ein treffliches Lebensbild, des
als Jehudi, als Lehrer und als Mensch gleich groß dastehenden Mannes, der
uns ebenso unersetzlich als unvergesslich sein wird. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Lebenslauf des aus Rödelmaier stammenden jüdischen Lehrers
Hermann Dorfzaun (geb. 1850 in Rödelmaier, gest. 1921 in Frankfurt)
Hinweis: nach Angaben von Fredel Fruhmann vom 3.1.2012 (eine Urenkelin von
Leopold Dorfzaun, dem Bruder von Hermann Dorfzaun; ergänzende Informationen aus
dem Staatsarchiv Würzburg) ist Hermann Dorfzaun am 28.
Mai 1850 als Sohn des Schneidermeisters Abraham Dorfzaun (1810-1870?) und seiner Frau
Bella geb.
Goldschmidt (geb. 1820 in Mühlfeld als
Tochter von Loeb Goldschmidt und seiner Frau Golda; verheiratet seit Mai 1849;
gest. 1870?) in Rödelmaier geboren. Die Todesdaten von Abraham und Bella
Goldschmidt konnten in Rödelmaier im Zeitraum bis 1875 nicht verifiziert werden
und sind daher noch unsicher.
Seine Geschwister waren: Sara (1851-1862, gest. mit 11 Jahren), Gittel (Gutel;
geb. 1853), Leopold (Loeb, geb. 1855, siehe unten), Jakob (Jacob, geb. 21. April
1857, lebte nach Strätz Bd. I S. 124 zuletzt im Israelitischen
Pfründnerhaus in Würzburg, 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort
umgekommen), Moses (1859, nach 5 Tagen verstorben), Babette (1860, nach 6 Tagen
verstorben), Moses (1862, nach 17 Wochen gestorben).
Hermann Dorfzaun war um 1878 Lehrer in Neustadt
a.d.Saale, danach 38 Jahre Schochet in Frankfurt, wo er 1921 gestorben ist.
Der 1810 in Rödelmaier geborene Abraham Dorfzaun war ein Sohn des in der
Matrikelliste (s.o.) genannten Hohna Abraham, der 1817 den Familiennamen
Dorfzaun angenommen hat, und seiner Frau Sara geb. Goldmann. Nur bei dieser Familie in Rödelmaier begegnet
der ungewöhnliche Familienname Dorfzaun.
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1921:
"Frankfurter Berichte. Personalien. Erew Pessach trugen wir Hermann
Dorfzaun zu Grabe, einen Mann, der es verdient, dass wir ihm einige
Worte liebevollen Gedenkenswidmen. 38 Jahre versah er das Amt eines
Schauchet der Israelitischen Gemeinde. Nachdem er einige Jahre in Neustadt
an der Saale gewirkt hatte, wurde er von Rabbiner Horowitz seligen
Angedenkens hierfür berufen. Er verwaltete sein Amt in vorbildlicher
Weise. Pflichtbewusstsein war seines Wesens Grundzug. Er war durchdrungen
von religiöser Empfindung, und lebendig war in ihm der Vorsatz, de Tauroh
(Tora) als Licht für seinen Lebensweg zu wählen. In den Dinei Schechitoh
(rabbinische Entscheidungen für das Schächten) war er bewandert wie kaum
ein anderer, und mit peinlicher Genauigkeit beachtete er jede einzelne
Vorschrift. Von den Rabbinen, denen er unterstellt war, wurde er als einer
der tüchtigsten, gewandesten und pflichttreuesten Schauchtim gerühmt.
Wie sehr seine Frömmigkeit und sein religiöser Sinn geschätzt wurden,
zeigte sich in der Verleihung des Chower-Titels bei seinem 70. Geburtstag.
- So streng er gegen sich selbst war, so milde war er im Urteil über
andere, und nie hörte man von ihm ein abfälliges Wort über einen Mitmenschen;
er hatte ein Lew rauw (großes Herz) in des Wortes heiligster Bedeutung,
und von ihm konnte man mit Recht sagen, dass er vor Gott
wandelte.
Mustergültig war sein Familienleben. Sein Haus war erfüllt von wahrhaft
jüdischem Geiste, und so ist es ihm im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin
auch gelungen, alle seine Kinder zu echten Jehudim zu
erziehen." |
Lebenslauf des aus Rödelmaier stammenden
jüdischen Lehrers Leopold Dorfzaun (geb. 1855 in Rödelmaier, gest. 1928 in
Fischach)
Anmerkung: Nach Angaben von Fredel Fruhman (eine Urenkelin von
Leopold Dorfzaun) vom 3.1.2012 war Leopold (Löb) Dorfzaun ein am 16. Mai 1855
in Rödelmaier geborener Sohn von
Abraham Dorfzaun (1810-1870) und seiner Frau Bella geb. Goldschmidt (1820-1870;
zu beiden siehe oben). Weiteres zu seiner Familie siehe oben bei seinem Bruder
Hermann Dorfzaun.
Links:
Kantor Leopold Dorfzaun (geb. 1855 in Rödelmaier, gest. 1928 in
Fischach)
(Foto erhalten im August 2010 von Fredel Fruhman, eine Urenkelin von
Leopold Dorfzaun bzw. Enkelin des Schwiegersohnes von Kantor Dorfzaun, dem
Lehrer Salomon Neumann in Gochsheim,
später Kassel, der mit Frieda geb. Dorfzaun verheiratet war. |
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
April 1928: "Fischach. Am Schabbos Chol hamoed (= Schabbat
während der Halbfeiertage des Pessachfestes = 7. April 1928) verschied im
Alter von 72 Jahren nach längerer Krankheit Kollege Kantor Leopold
Dorfzaun. In Rödelmaier (Unterfranken) geboren, kam er in jungen
Jahren schon als Gemeindebeamter nach Königshofen,
amtierte 21 Jahre in der Gemeinde Schwanfeld
und seit 1897 bis zu seiner Pensionierung am 1. Januar 1925 als Kantor und
Schochet in Fischach. Als Kantor war
Dorfzaun Autodidakt, und es ist erstaunlich, wie er als solcher - mit
unverwüstlicher Stimme begabt - die traditionellen Gesänge beherrschte.
In der Schechitoh war seine Meisterschaft erkannte. An seiner Bahre
sprachen Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Neuwirth (Ichenhausen),
in Berücksichtigung der Feiertagsstimmung und dem Wunsche des Verewigten
entsprechend, kurze Worte des Dankes und des Abschieds; Herr Kollege
Oberkantor Steinfeld (Augsburg) entledigte
sich seines Auftrages, im Namen des Israelitischen Lehrervereins in Bayern
dem langjährigen Mitglied letzten Gruß und Dank für dessen treue
Mithilfe abzustatten, in kurzen, treffenden Worten. Zuletzt rief noch der
älteste Sohn dem geschiedenen Vater herzliche Abschiedsworte nach." |
Neue Forschungsergebnisse zu dem in Rödelmaier
geborenen Joseph Sachs ("Goldmann Sachs")
vgl. die bei der Seite zu
Trappstadt eingestellten Informationen zu Markus Goldman
Foto
links: Lange hat Historikerin Elisabeth Böhrer geforscht, unter anderem
auch im Stadtarchiv von Bad Königshofen. Foto:
Friedrich.
Artikel von Hanns Friedrich in der "Mainpost" vom 7. Februar
2009 (Artikel):
KLEINBARDORF/RÖDELMAIER. Aus Freunden wurden Partner. Erkenntnisse gesichert – Goldman und Sachs lebten in Rhön und Grabfeld
Seit Mittwoch ist es sicher: Joseph Sachs war im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld beheimatet, wurde in
Rödelmaier geboren und im jüdischen Friedhof in
Kleinbardorf, nahe Bad Königshofen, 1868 bestattet. Das hat die aus Schweinfurt stammende Historikerin Elisabeth Böhrer, die heute in Sondheim/Rhön wohnt, herausgefunden. In Unterlagen konnte sie das Geburtsdatum 1816 ebenso ermitteln wie den Geburtsort von Joseph Sachs, nämlich Rödelmaier bei Bad Neustadt.
Auch Cordula Kappner aus Zeil am Main, die seit Jahrzehnten Nachforschungen über das Leben der jüdischen Bürger im Landkreis Haßberge anstellt, war auf der Spurensuche von Joseph Sachs und hatte herausgefunden, dass Sachs nach Amerika ausgewandert war.
Elisabeth Böhrer forschte weiter und fand heraus, dass Joseph Sachs in Bad Kissingen gestorben und in Kleinbardorf begraben ist, weil
Rödelmaier, wo er und seine Großeltern wohnten, zu diesem Bezirksfriedhof gehörte. Joseph Sachs ist der Vater von Samuel Sachs, der eine Goldman Tochter geheiratet hat. Im Jahre 1882 wurde Samuel Sachs von seinem Schwiegervater in die Firma aufgenommen, die sich dann in Goldman Sachs umbenannte und die bekannte Karriere in Amerikas Bankenlandschaft machte.
Beide Familien, Goldmann und Sachs, waren befreundet. Dass die Familie Sachs wohlhabend war, zeigt auch der große und prächtig gestaltete Grabstein am Friedhof von Kleinbardorf. Das Problem der langen Suche war das Geburtsdatum, das um zehn Jahre gegenüber dem auf dem Grabstein angegebenem differierte. Der Grund: Auf Grabsteinen im Judentum wird mehr auf das konkrete Sterbedatum als das Geburtsdatum Wert gelegt.
Dokument aus Amerika. Der endgültige Beweis, dass Joseph Sachs in Kleinbardorf beerdigt ist, brachte aber ein Dokument aus Amerika. Dort ist ein Geburtsdatum genannt, das identisch mit dem von Elisabeth Böhrer herausgefundenen Datum, dem 4. August
1816 (statt dem im Artikel der "Mainpost" angegebenen 1868 [webmaster]), ist.
Doch zur ganzen Forschungsgeschichte: Elisabeth Böhrer gehört seit 26 Jahren dem historischen Verein in Schweinfurt an. Über den Kleinbardorfer Erwin Hermann kam sie auf die Spur von Joseph Sachs. Der bat im vergangenen Jahr die Historikerin um Unterstützung, nachdem er das Grab von Joseph Sachs gefunden hatte.
Cordula Kappner hatte herausgefunden, dass Joseph Sachs mit Markus Goldman befreundet war und dass zwei Töchter von Goldman mit Söhnen von Joseph Sachs verheiratet waren. So war es für Elisabeth Böhrer wichtig, auch einmal den Grabstein vor Ort zu sehen, nachdem sie sich zuvor anhand von digitalen Fotos informiert hatte. Darauf konnte sie lediglich Grußformeln erkennen.
Mittlerweile steht fest, dass es sich bei dem Stein am Judenfriedhof nicht nur um einen Gedenkstein für Joseph Sachs handelt, sondern dass er wirklich dort beerdigt ist. Das bestätigen zwei hebräische Übersetzer.
Weiteres fand Elisabeth Böhrer in der Publikation 'Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817 - Bearbeiter: Dr. Dirk Rosenstock, heraus. Dort entdeckte sie acht Ortschaften, in deren Zusammenhang der Name Sachs verzeichnet ist. Wichtig war bei der Suche nach dem richtigen Joseph Sachs der
'Vatersname', nämlich 'Joseph ben Naphtali', was übersetzt in etwa 'Josef, der Sohn des
Hirsch' bedeutet.
Recherche im Staatsarchiv. Im Staatsarchiv Würzburg fand die Forscherin dann die Namen von Sohn und Vater, wobei herauskam, dass Joseph Sachs zehn Jahre früher geboren wurde, als bisher angenommen. Hilfe kam aus Alsleben und zwar von Rosi und Kurt Mauer. Beide waren bekanntlich 2008 in Amerika und auch in der Goldman Sachs Bank in New York zu Gast. Von dort hatten sie Unterlagen mitgebracht, die nun sehr hilfreich waren: In diesem Buch sind die Namen sämtlicher Goldman- und Sachs Kinder zu finden.
Dadurch, dass auf dem Grabstein Kissingen genannt ist, wurde sie auf die heutige Kurstadt aufmerksam und konnte dort Einblick in die Kurlisten im Stadtarchiv nehmen. In den Unterlagen fand sie dann den Namen
'Karoline Oberbrunner aus Trappstadt' und stellte damit die Verbindung zu Markus Goldman in
Trappstadt her. Eine Karoline Oberbrunner war nämlich die Halbschwester von Markus Goldmann.
Sie besuchte Joseph Sachs an dessen Geburtstag in Kissingen. Nach und nach wurde klar, dass Joseph Sachs in Kissingen gestorben, dort aber nicht begraben wurde, obwohl es dort einen jüdischen Friedhof gibt. Den Grund fand die Historikerin schnell heraus: Joseph Sachs musste aus einem Ort stammen, dessen Verstorbene auf dem Friedhof in Kleinbardorf beerdigt sind. Elisabeth Böhrer:
'Im Judentum ist es so, dass man sich gerne in der Erde der Väter bestatten lässt.' Spuren fand sie auch im Stadtarchiv Würzburg, wo Sachs vom 19. November 1840 bis 2.
September 1841 als Schulpräparant war. Vom August 1844 bis Mai 1846 war er als Religionslehrer in
Miltenberg und dort auch Vorsänger in der Synagoge. Für die Historikerin Elisabeth Böhrer hat eine lange Suche zu einem glücklichen Ende geführt." |
| |
Website von "Goldman Sachs":
http://www2.goldmansachs.com/
Wikipedia-Artikel zu
Goldman Sachs
Links: Goldman Sachs Tower in New Jersey (Foto aus englischem
Wikipedia-Artikel) |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Marianne Schlossmann
(1916)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7.
Juli 1916: "Älteres israelitisches Mädchen sucht Stelle als
Haushälterin oder Köchin sofort.
Marianne Schlossmann, per Adresse Rosenbaum, Rödelmaier, Post
Neustadt an der Saale." |
Zur Geschichte der Synagoge
Das Gebäude einer früheren Synagoge in Rödelmaier, über die
bislang so gut wie keine Informationen vorliegen, ist nicht erhalten. Bei seinen
Recherchen vor Ort konnte in den 1980er-Jahren Israel Schwierz (siehe Literatur)
"trotz intensivster Nachforschungen" den Standort einer Synagoge in
Rödelmaier nicht in Erfahrung bringen.
Nach den
durch Kreisheimatpfleger Reinhold Albert Anfang im Januar 2011 vor Ort erhaltenen Informationen,
die allerdings bislang nicht durch Katasterpläne oder andere Quellen bestätigt
werden konnten, befanden sich die Synagoge und Schule der jüdischen Gemeinde
möglicherweise im Bereich des Grundstückes
mit der Flurnummer 61. Dieses Grundstück liegt in unmittelbarer Nähe des
Schlosshofes (Gutshof) beziehungsweise des gegenüberliegenden Schlosses. Die Gebäude stehen
allesamt bereits lange Zeit nicht mehr.
Nach
Auflösung der jüdischen Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts / 1910 wurde der
Toraschrein der Synagoge Rödelmaier in die Synagoge nach Eichenhausen
gebracht und dort aufbewahrt. Die noch in Rödelmaier lebenden wenigen
jüdischen Personen besuchten seitdem die dortige Synagoge.
Adresse/Standort der Synagoge: möglicherweise auf
Flurstück 61 (Information von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert)
Link zu den Google-Maps
(der grüne Pfeil markiert die Lage von Flurstück 61 an der Eichstraße)
Größere Kartenansicht
Fotos
(historische Fotos erhalten von Kreisheimatpfleger Reinhold
Albert)
Außen- und
Innenansicht des Gebäudes
der ehemaligen Synagoge |
 |
 |
| |
Die
Innenaufnahme rechts wurde vom Bereich des Toraschreines aus gemacht.
Im Vordergrund ist die Bima zu sehen, von wo aus die Tora gelesen
wurde.
Außerdem erkennt man die traditionellen Leuchter und im Hintergrund oben die
Gitterabschrankungen der Frauenempore. Im Betraum der Männer gibt es
noch
keine Bankreihen, sondern die traditionellen Betständer (bewegliche
Betpulte).
Hinter der Bima erkennt man den oberen Teil der Eingangstüre von Westen.
|
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979:
kein Artikel zu Rödelmaier |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 107. |

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|