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Eichenhausen (Gemeinde
Wülfershausen a.d. Saale, VG Saal a.d. Saale, Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eichenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1816 70 jüdische Einwohner (25,1 % von insgesamt 279), 1867 35
(12,4 % von 283), 1880 29 (10,4 % von 278), 1900 30 (10,8 % von 279), 1910 15
(5,5 % von 270).
Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien (nach
Mitteilung von Elisabeth Böhrer vom 26.7.2010) noch zusammen im Gräflich
von Sodenschen Schloss in Eichenhausen, wo sich vermutlich auch die
Einrichtungen wie Betsaal und Schule befanden. Über das jüdische Zusammenleben
und den jüdischen Unterricht erfährt man aus einem Dokument vom März 1809 (Mitteilung
des Gräflich von Sodenschen Patrimonalgerichtes - Dokument Staatsarchiv
Würzburg nach E.B.): "In dem Gräflich vom Sodenischen Schloß zu
Eichenhausen wohnen bis 12 Judenhaushaltungen und haben bis 18 Kinder, die den
Schulunterricht und sonstige Bildung nöthig
haben".
Bei der Erstellung der Matrikelliste im Juli 1817 werden in Eichenhausen
auf insgesamt 12 Matrikelstellen die folgenden jüdischen
Familienvorstände genannt (mit neuem
Familiennamen; in Klammer Erwerbszweig): Schlom Rosenstock (Schnittwarenhandel),
Abraham Ast (Schacherhandel), Jaidel Federlein (Korn- und Pelzhandel), Wolf
Seifensieder (Lichterzieher), Isaac Frey (Zahnarzt), Jacob Axmann (Lumpen- und
Papierhandel) Löser Auschenberger (Spaßmacher, verschiedentliche Dienste),
Samuel Bien (Schnittwarenhandel durch seinen Sohn Abraham), Samuel Hirschbaum
(Judenschullehrer, Handel mit Schnittwaren und Mandel), Löw Friedmann (Handel
mit Baumwollenwaren durch sein Schwesterkind Samuel Isaac), Mayer Seifensieder
(Seifen und Lichterziehen), Israel Sattler (trat 1825 an die Stelle des
gestorbenen Mayer Hirsch); zwei weitere Plätze wurden 1825 eingetragen Jaidel
Veilchenblau und Schulum Rosenstock (Metzger, seit 1825).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde
wurden seit 1762 auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Kleinbardorf
beigesetzt. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
am Ort (siehe oben der 1817 genannte Samuel Hirschbaum). Seit der 2. Hälfte des
19. Jahrhunderts stellten die Gemeinden
Eichenhausen und Rödelmaier einen gemeinsamen Lehrer an
(vgl. unten die
Ausschreibungen der Stelle 1876 und 1890).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Theo (Theodor)
Rosenstock (geb. 16.2.1888 in Eichenhausen, gefallen als Soldat im 10.
bayerischen Infanterieregiment 17 am 29.9.1915).
Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus
Eichenhausen rechts neben der Dorfkirche in der Ortsmitte an einer Mauer.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 12 Personen in Eichenhausen
(4,4 % von 270 Einwohnern), dazu 15 in Rödelmaier gehörten, war Vorsteher der
Gemeinde S. Veilchenblau. Die jüdische Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Bad Kissingen.
1933 lebten nur noch vier jüdische Männer und eine jüdische Frau in
Eichenhausen (2,0 % von insgesamt 257 Einwohnern). Es kam zu Anschlägen auf die
noch am Ort lebenden jüdischen Einwohner. So wurden in der Nacht vom 13. auf
den 14. April 1935 nicht nur einige Scheiben der Synagoge zertrümmert, sondern
vermutlich mit Wagenschmiere bei dem jüdischen Landwirt Karl Rosenstock an die
Hoftüre die Worte geschrieben "Ab nach Palästina, Juden-Aas".
Dieselben Worte wurden an das Wohnhaus der verwitweten jüdischen Krämerin
Amalia Veilchenblau gemalt. Mehrere Häuser nichtjüdischer Einwohner wurden
gleichfalls mit "Judenknecht", "Volksverräter" usw.
beschmiert, darunter das Hoftor des 1. Bürgermeisters Gottfried Steinmüller
und das des Schweinehändlers und 2. Bürgermeisters Josef Behrmann.
Im April 1938 schlossen
sich die letzten zwei jüdischen Einwohner Eichenhausens der Gemeinde Bad
Neustadt an, nachdem 1936 einer verstorben und im Oktober 1937 zwei andere
nach Palästina emigriert waren. Im März 1939 konnte ein Gemeindeglied nach
Kuba auswandern.
Von den in Eichenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Gönninger geb. Veilchenblau (1894), Regina
Neumann geb. Gerstle (1884), Amalie (Malchen) Veilchenblau geb. Lustig (1864),
Bernhard Veilchenblau (1891), Bertha Veilchenblau geb. Heinemann (1868), Ludwig Veilchenblau (1892), Nanni
Veilchenblau (1890), Berta Weiler geb. Weinstock (1894), Betty Weimersheimer
geb. Heilbronner (1898), Sofie Weimersheimer geb. Adler (1898), Arthur Weinstock
(1887).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 und
1890
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1876:
"Gesucht wird auf sogleich ein Lehrer für die kombinierte Schule
Rödelmaier-Eichenhausen, Rabbinat Kissingen. Fixer Gehalt 600 Mark. Wenn
der Betreffende die Schechita, welche 100-150 Mark jährlich trägt,
übernehmen könnte, wäre besonders erwünscht. Meldungsgesuche sind zu
richten an den Kultus-Vorsteher Hirsch Franken in Rödelmaier bei Neustadt
a.d.S." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890:
"Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle der
kombinierten Gemeinden Rödelmaier und Eichenhausen ist erledigt. Fixer
Gehalt Mark 412, freie Wohnung nebst bedeutendem Nebenverdienst.
Reflektanten wollen sich melden an den Vorstand der israelitischen Gemeinde
Rödelmaier, Bayern. Der Kultusvorstand: Hirsch Franken." |
Weitere Dokumente
Postkarte von L.J. Veilchenblau (1894)
Postkarte von 1894
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Bestellung von L.J.
Veilchenblau aus Eichenhausen bei der Eisenhandlung Eisenheimer in
Schweinfurt, geschrieben am 17. Mai 1894 in Eichenhausen |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine (neue?) Synagoge wurde 1865 erbaut. Bis nach
1933 wurden in ihr - gemeinsam von den in Eichenhausen und Rödelmaier lebenden
jüdischen Personen - Gottesdienste abgehalten. In der Synagoge wurde auch -
nach Auflösung der dortigen Gemeinde - der
Toraschrein der Synagoge Rödelmaier
aufbewahrt.
Nach 1933: In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1935 wurden
einige Scheiben der Synagoge zertrümmert. Damals wurde die Synagoge in
Eichenhausen bereits nicht mehr benutzt, da kein Minjan mehr zum Gottesdienst
zustande kam (Mindestzahl der 10 jüdischen Männer). 1937 wurde das Gebäude an die Ortsverwaltung für 150 RM verkauft.
Die Torarollen der Gemeinden Eichenhausen und Rödelmaier kamen nach Neustadt
a.d. Saale, wo sie den Krieg überstanden.
Das Gebäude wurde von 1949 bis 1959 als Lagerhalle verwendet, doch wurde
es immer baufälliger, sodass es 1978 bis auf die Grundmauern abgebrochen
werden musste und auf diesen - noch sichtbaren Grundmauern - ein Wohnhaus
errichtet wurde. Außer diesen Grundmauern ist von der Synagoge nichts mehr
erhalten. Da sich die Besitzer des Grundstückes des Synagogengebäudes
weigerten, an dem neuen Haus eine Gedenktafel anbringen zu lassen, wurde
diese auf der linken Seite des Kriegerdenkmals des Ortes (vor dem Friedhof) im
Jahr 1987 angebracht mit dem Text: "In Eichenhausen bestand bis 1938
eine Jüdische Kultusgemeinde. Synagoge Ortsstraße 37. Die Gemeinde gedenkt
ihrer ehemaligen Jüdischen Mitbürger".
Adresse/Standort der Synagoge: Ortsstraße 37
Fotos
Historische Ansicht
der Synagoge
(Foto erhalten von Kreisheimatpfleger
Reinhold Albert) |
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Das auf den Grundmauern der
Synagoge
erbaute Wohnhaus
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach, www.synagogen.info) |
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Das Wohnhaus
anstelle der Synagoge |
Gedenktafel am Ortsfriedhof |
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Fotos von 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2007) |
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| Das auf den Grundmauern der
Synagoge erbaute Wohnhaus |
Die Gedenkstätte
am Ortsfriedhof |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 286. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 48-49. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 418.
|
 | Herbert Schultheis: Juden in Mainfranken 1933-1945
unter besonderer Berücksichtigung der Deportationen Würzburger Juden. Bad
Neustädter Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde Frankens Band 1. |
 | Dirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band
13. Würzburg 2008. S. 216.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eichenhausen Lower
Franconia. A Jewish community existed in the mid-18th century, numbering
70 in 1816 (total 279) and building a synagogue in 1855. Of the five Jews
present in 1933, three emigrated in 1936-37.

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