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Bad Königshofen im Grabfeld (Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der in früheren Jahrhunderten an der Kreuzung der Straßen
Bamberg-Fulda und Schweinfurt-Thüringen verkehrsgünstig gelegenen Stadt
Königshofen lebten Juden bereits im Mittelalter. Allerdings ist wenig
von ihnen bekannt. Von den Judenverfolgungen 1298
("Rindfleisch-Verfolgung") und 1348/49 (Pestzeit) waren
allerdings auch die Juden in Königshofen betroffen. Nach der Verfolgung in der
Pestzeit gibt es über 200 Jahre keine Hinweise auf eine jüdische Ansiedlung in
der Stadt.
Die neuzeitliche jüdische Gemeinde bestand bis 1938/42. Ihre
Entstehung geht in das 18. Jahrhundert zurück. Seit 1746 werden
Juden aus Königshofen genannt. Nach einer von Elisabeth Böhrer in einem Akt im
Staatsarchiv Würzburg gefundenen Aufstellung werden für das Jahr 1763
namentlich vier jüdische Familienväter als "im Hochstift wohnende zur
Hochfürstlichen Hofkammer zahlbare Schutz Juden" genannt. 1789 waren
gleichfalls vier Schutzjudenfamilien, 1794
sechs in der Stadt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1800 22 jüdische Personen, 1810 22, 1813 24, 1830 21, 1839
25, 1848 38, 1867 50 (2,5 % von insgesamt 2.027 Einwohnern), 1871 64, 1880 68,
1890 81, 1900 89, 1910 101. Durch den anhaltenden Zuzug aus den umliegenden Landgemeinden wurde
die Höchstzahl jüdischer Einwohner um 1925 erreicht (s.u.).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden für Königshofen fünf
Matrikelstellen für die folgenden jüdischen Familienvorstände
festgehalten (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Jacob Abraham
Einstädter (Ellenhandel), Isak Abraham Einstädter (Ellenhandel), Löb Abraham
Einstädter (Unterhändler), Salomon Levi Strauß (Ellenhandel), Behrmann Feist
Friedmann (Unterhändler) bzw. seit 1826 David Friedmann (Garküchnerei).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule
sowie ein rituelles Bad. Die Schule wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Betsaal in
dem der jüdischen Gemeinde gehörenden Haus in der
Rathausstraße eingerichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand
die Religionsschule in enger Beziehung mit der Religionsschule in Trappstadt.
Die beiden Gemeinden teilten sich den Religionslehrer (siehe Ausschreibungen von
1876 und 1878 unten). Die Toten der Gemeinde wurden bis 1920 auf dem jüdischen
Friedhof in Kleinbardorf, danach auf einem eigenen Friedhof
in Königshofen (auf Gemarkung Ipthausen) beigesetzt.
Um 1925, als 130 Personen der jüdischen Gemeinde
angehörten (6,8 % von insgesamt etwa 1.900 Einwohnern), waren die Vorsteher
der Gemeinde: Karl Einstädter (Vorsteher von 1907 bis 1932), Jacob Engel,
Sali Haas, Albert Malzer und Moses Blechner. Als Lehrer, Kantor und Schochet war
Heinrich (Heinz) Adler-Heller tätig. Er erteilte an der Religionsschule der
Gemeinde damals 11 schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht.
Auch in umliegenden Gemeinden hielt er den Religionsunterricht (z.B. in Höchheim).
An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Frauenverein (Heilige
Schwesternschaft, Ziel: Wohltätigkeit), die Chewra Kadischa (Männerverein),
der Synagogenchorverein und die Concordia. Königshofen angeschlossen war
inzwischen auch die in Trappstadt bestehende Synagogengemeinde, zu der nur noch
19 jüdische Personen gehörten (1932: 15 Personen). Die Gemeinde war dem
Distriktsrabbinat Burgpreppach zugeteilt (im Handbuch der Gemeindeverwaltung
1924/25 allerdings unter Aschaffenburg eingeordnet). Im Schuljahr 1932/33
unterrichtete Lehrer Adler-Heller noch 18 Kinder in der Religionsschule. Erster
Vorsteher der jüdischen Gemeinde war seit 1932 als Nachfolger von Karl
Einstädter Sali Haas, als Schatzmeister der Gemeinde war Alfred Malzer tätig.
1933 lebten 94 jüdische Personen in Königshofen. Die
Nationalsozialisten hatten sich bereits seit mehreren Jahren bemerkbar gemacht,
insbesondere durch die Schändungen des jüdischen Friedhofes der
Königshofener Gemeinde in Ipthausen (1921, 1925 und 1933). Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Boykottmaßnahmen verließen bis 1936 32
jüdische Einwohner die Stadt. Relativ lange konnten sich die jüdischen
Viehhändler halten (bis um 1937). Von 1936 bis 1938 unterrichtete Lehrer Justin
Bernheimer die neun schulpflichtigen jüdischen Kinder aus Königshofen sowie
die Kinder in Höchheim (zu seiner Berufung
nach Königshofen siehe die Mitteilung unten). Bis zum Novemberpogrom 1938 waren 69 jüdische
Einwohner ausgewandert (32, überwiegend in die USA) oder in andere Städte
verzogen (Meiningen, Frankfurt, Berlin). Fünf verstarben in der Stadt. Nach dem
Novemberpogrom 1938 konnte noch weitere Personen auswandern, sodass Anfang 1940
nur noch 16 jüdische Gemeindeglieder in Königshofen lebten. Die letzten sechs
mussten am 20./21. August ihre Häuser räumen und in das benachbarte
Kleineibstadt umziehen, von wo sie im April 1942 nach Izbica deportiert wurden.
Von den in
Königshofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Clara Blechner geb. Friedberger (1886), Moritz Blechner
(1881), Mina Blumental geb. Friedmann (1883), Friederica de Boers geb. Bernhard
(1877), Denny Einstädter (1880), Helma Frank (1920), Henny Frank geb.
Einstädter (1895), Irma Frank
geb. Einstädter (1894), Josef Frank (1885), Lieselotte Frank (1931), Werner
Frank (1934), Bernhard Friedmann (1925), Hedwig Friedmann geb. Adler (1895),
Josef Friedmann (1887), Leo Ganz (1913), Emilie Goldstein geb. Einstädter
(1866), Bertha Gutmann geb. Malzer (1885),
Josef Herbst (1864), Johanna Hofmann (1926), Julius Hofmann (1892), Ludwig
Hofmann (1923), Selma Hofmann geb. Schlorch (1894), Selma Holzinger geb.
Oppenheimer (1888), Johanna Joel (1893), Josef Kahn (1895), Ignaz Kohn (1884),
Martha Kohn (1885), Max Kohn (1865),
Helma Levy (1920), August Mainzer (1869), Luise Palm geb. Kohn (1897), Hermann Reiss (1890), Klara Reiss geb. Schloss (1891), Max
Rothschild (1885), Ida Schuster geb. Samuel geb. (?), Sofie Stern geb. Stern
(1871), Johanna Zeilberger geb.
Reinhold (1890), Julius Zeilberger (1883).
(Anmerkung: nachweislich ist der
große Teil der genannten Personen aus diesem Königshofen, da in den Formularen
bei Yad Vashem "Königshofen /Grabfeld" beziehungsweise beim
Bundesarchiv angegeben wurde oder der
Familienname eindeutig in dieses Königshofen weist; bei einigen wenigen der
genannten Personen besteht eine Unsicherheit, da es jüdische Gemeinden auch in
anderen Orten mit Namen Königshofen gab).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des
Religionslehrers und Vorsängers 1876 / 1878 / 1894 /
1922
| Aus den Ausschreibungstexten geht auch der
Name der damaligen Gemeindevorsteher hervor: um 1876 ein Herr Kohn,
um 1876/78 G. J. Einstädter, um 1894 Hermann Einstädter, um 1922 Karl
Einstädter. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1876:
"Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers in der hiesigen,
mit der Religionsschulstelle Trappstadt kombinierten Gemeinde ist zu
besetzen. Gehalt Mark 700 bei freier Wohnung und Beheizung.
Bewerbungen mit Zeugnisvorlage an den unterzeichneten Vorstand.
Königshofen (im Grabfeld), 9. Mai 1876. Kohn." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876:
"Erledigte Religionslehrer- und Vorbeter-Stelle in Königshofen im
Grabfeld (Bayern). Fixer Gehalt 700 Mark, Ertrag der Schächterfunktion
300 Mark. Hierauf Reflektierende wollen sich unter Beilage ihrer Zeugnisse
an Unterzeichneten werden. G.J. Einstädter." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1878:
"Die kombinierte israelitische Gemeinde Königshofen (Grabfeld) und
Trappstadt (Bayern) sucht einen tüchtigen Religionslehrer und Vorsänger.
Gehalt 820 Mark, 3 Raummeter Holz etc. Nur Besitzer von guten Zeugnissen
wollen sich melden mit der Angabe, ob verheiratet oder ledig, Schochet
oder nicht. Russen und Polen finden keine Berücksichtigung. G.J.
Einstädter, Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1894:
"Die Stelle eines Religionslehrers (auch Schechita) wird am 1.
Dezember hier frei. Bewerber belieben sich zu wenden an
Hermann
Einstädter, Königshofen, Grabfeld (Bayern)."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922:
"Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen seminaristisch geprüften Religionslehrer,
Schochet und Kantor, der auch im Stande ist, einen Synagogenchor zu
leiten. Die Gemeinde ist Mitglied des bayerischen Versorgungsverbandes.
Gehalt Mark 150.000.-. bei weiterem Nebeneinkommen von ca. Mark 30.000.-
und freier Wohnung. Angebote mit Beifügung von Referenzen und
Zeugnisabschriften erbitten baldigst zu richten an den Vorstand der
Kultusgemeinde Königshofen Grabfeld. Karl Einstädter." |
Justin Bernheimer wird Lehrer in Königshofen (1936)
Mitteilung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1936: "Kollege Justin Bernheimer, bisher in Scheinfeld,
wurde als Lehrer nach Königshofen im Grabfeld berufen." |
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Mitteilung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1936: "Schulamtsbewerber und Religionslehrer Justin
Bernheimer in Scheinfeld wurde als
Religionslehrer nach Königshofen im Grabfeld
berufen." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Wohltätigkeitskonzert zugunsten der
Winterhilfe im November 1932
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Dezember 1932: "Königshofen/Grabfeld. Zum Besten der Winterhilfe
veranstaltete Lehrer und Kantor Heinz Heller-Adler am Sonntag, dem 27.
November 1932, im hiesigen großen Saale des Turnerheims ein
Wohltätigkeitskonzert. Das Protektorat dieser Veranstaltung hatte der Stadtrat
sowie die Geistlichkeit und das 'Rote Kreuz' übernommen. Heinz
Heller-Adler stellte ein Orchester, bestehend aus der 'Grabfeldkapelle'
mit einer Verstärkung mehrerer Musikschüler des staatlichen
Konservatoriums in Würzburg zusammen. Der Abend wurde dem Leiter zu einem
großen Erfolg. Das Programm brachte neben der Ouvertüre zur Oper 'Der
fliegende Holländer' Teile für gemischten Chor und Soli aus dem
Oratorium 'Die Schöpfung' von Haydn sowie weitere Werke von Mozart und
Beethoven. Den Chor bildeten Damen und Herren aus allen Schichten der
Bevölkerung Königshofens. All diesen Werken bereitete der Dirigent Heinz
Heller-Adler eine besonders gelungene Wiedergabe. Ein voll besetztes Haus
brachte ihm einen herzlichen Beifall. Ein erheblicher Erlös konnte den
einzelnen Wohltätigkeitsvereinen von Königshofen übergeben
werden." |
Berichte zu einzelnen Personen der
Gemeinde
Zum Tod des bischöflichen Geistlichen Rates Pfarrer
Dr. Friedrich Frank (1832-1904)
Zu seinem Tod im August 1904 erschien - sehr ungewöhnlich - ein Nachruf in
der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" vom 1.9.1904:
"Königshofen. 24. August. Heute starb dahier ein Mann, der es
verdient, zu den "Gerechten unter den Völkern dieser Welt" gerechnet
zu werden, der bischöfliche Geistliche Rat, Herr Dr. Friedrich Frank, Pfarrer
am hiesigen Elisabethen-Spital, im Alter von 72 Jahren. Der Verstorbene gehörte
lange Zeit dem Bayerischen Landtage und dem Reichstage an und war in Wirtheim,
Preußen geboren. Seine schriftstellerische Tätigkeit verschaffte ihm großen
Ruhm und Ehre; großes Interesse hegte er ganz speziell um die Judenfrage und
trat mit aller Energie den antisemitischen Unwahrheiten entgegen. Er schrieb
u.a. über "Die Kirche und die Juden", "Der Ritualmord",
"Die Schächtfrage", Bücher, welche selbst in antisemitischen
Prozessen eine Rolle spielten. Seine Werke wurden auch in Ihrem geschätzten
Blatte (sc. in der Zeitschrift "Der Israelit") schon des öfteren
gebührend gewürdigt und verschaffen ihm für alle Zeiten ob ihrer Offenheit,
Gründlichkeit und lauteren Wahrheit einen unsterblichen Namen und den Dank des
jüdischen Volkes. Mögen Viele von ihm lernen, sein Quellenstudium nachahmen
und die Reinheit seiner Gesinnung und Handlungsweise, seine Nächstenliebe und
Toleranz in Wort und Schrift zu erstreben." |
Zum Tod von Johanna Samuel (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891:
"Nachruf. Königshofen im Grabfelde. Am 1. Tag des Neumondes des
Monats Adar (11. März 1891) wurde hier eine Frau zu Grabe getragen,
deren Namen auch in diesen Blättern ein ehrendes Andenken gewidmet zu
werden verdient. Frau Johanna Samuel Witwe, Gattin des vor 7 Jahren
verstorbenen Gerson Samuel - er ruhe in Frieden -, was eine
wackere Frau im vollsten Sinne des Wortes; denn sie besaß alle guten
Eigenschaften und Vorzüge, wie solche vereint nur bei einer wahrhaft
frommen Jüdin zu finden sind. Sie bewies ihre Frömmigkeit, Herzensgüte
und Milde während ihres ganzen Lebens, namentlich aber auch in ihrem
längeren Leiden, welches sie mit stiller Ergebung in Gottes Willen trug.
Ihr Haus war stets den Armen geöffnet und war sie immer und überall zu
helfen bereit, wo sie es nur vermochte. Ihren Kindern war sie eine
liebevolle und sorgsame Mutter, deren vorzügliche Erziehung von der
Verwirklichung ihrer edlen und frommen Grundsätze Zeugnis ablegt.
Geachtet und geliebt von Jedermann, der sie kannte, hat sie durch ihren
musterhaften Lebenswandel 'die Krone des guten Namen' und durch ihr edles
Streben und Wirken ein dauerndes Andenken sich erworben. Die Früchte
ihrer guten Taten wird sie im Jenseits ernten. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Babette Freund (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1909:
"Königshofen im Grabfeld. 12. Juli (1909). Nach nur zweitätigem
Kranksein verschied am 28. Juni Frau Babette Freund im Alter von 81
Jahren. Mit ihr ist eine jener Frauen dahingegangen, wie sie heute leider
immer seltener werden. Durchdrungen vom Geiste der Gottesfurcht und
Menschenliebe, war sie nicht nur von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln
hochverehrt, sondern auch von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet.
Ihre tiefe Religiosität, ihr friedfertiges Wesen, ihre Zuvorkommenheit
gegen jedermann zeugten von ihren edlen Tugenden. Bis zur letzten Stunde
bewahrte sie ihre seltene Geistesfrische. Wie ihr ganzes Leben, so war
auch ihr Tod, ein sanftes Entschlummern. Ihr Andenken wird fortleben bei
all denen, die sie kannten und ihr nahe standen. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Jette Löb (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1921:
"Königshofen, 12. Februar (1921). Zu den selbstlosen
Persönlichkeiten, die ihre Kräfte vollkommen in den Dienst anderer
stellen, gehörte auch die im Krankenhause zu Würzburg verstorbene Jette
Löb. Ein Kind noch, versah sie schon den Haushalt in einer verwandten
Familie und pflegte 15 Jahre lang die erblindete Hausfrau bis zu deren
Lebensende. Von vielen Familien in den verschiedensten Gemeinden war die
Verblichene als Krankenpflegerin hoch geschätzt und geliebt ob ihrer
Pflichttreue. Auch im frauenlosen Hause, wo sie zuletzt bereitwilligst die
Führung des Hauswesens und die Miterziehung des Kindes übernahm,
entfaltete sie ihre vielen guten Eigenschaften. Religiosität, Fleiß,
Herzensgüte, waren ihre Leitsterne durch das Leben. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
80. Geburtstag von Gietchen Friedmann geb. Gutmann (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "Königshofen
im Grabfelde, 27. April (1929). Am letzten Tag des Pessachfestes
feiert Frau Gietchen Friedmann geb. Gutmann, aus Niederwerrn, in seltener
geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Mit ihrem 1917
verstorbenen Gatten, Bernhard Friedmann, pflegte sie gemeinsam ein echt
jüdisches Familienleben und erzog ihre 7 Kinder zu religiösen,
tüchtigen Menschen. (Alles Gute) bis 100 Jahre." |
Zum Tod von Gietchen Friedmann geb. Gutmann (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1931: "Königshofen
im Grabfeld, 29. August (1931). Im gesegneten Alter von 82 Jahren verstarb
am 12. Elul die allseits verehrte Kaufmannswitwe Frau Gietchen Friedmann
geb. Gutmann, tief betrauert von ihren Kindern und Anverwandten. Sie war
eine edle, aufopfernde Mutter und Menschenfreundin, die sich in allen
Kreisen der Bevölkerung der höchsten Wertschätzung erfreute.
Die ganze Gemeinde erwies ihr die letzte Ehre. Aus den Nachbargemeinden
waren die jüdischen Lehrer herbeigeeilt, um der tief religiösen Frau das
letzte Geleite zu geben. An der Trauerfeier beteiligten sich aber auch
außerordentlich viele nichtjüdische Freunde, um in letzter Stunde der
beliebten Mitbürgerin den Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum 60. Geburtstag und zum 25jährigen Amtsjubiläum des
Kultusvorstehers Karl Einstädter (1931)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
August 1931: "Königshofen. Am Samstag, dem 4. Juli, feierte der 1.
Kultusvorstand der hiesigen Gemeinde, Herr Karl Einstädter, seinen 60.
Geburtstag und gleichzeitig sein 25jähriges Amtsjubiläum. Während der
25 Jahre hat der Jubilar durch seine unermüdliche Tätigkeit der
Kultusgemeinde große Dienste geleistet. Seine Sachlichkeit, seine
Wohltätigkeit und vornehme Denkungsweise verhalf ihm zu Ansehen und
allgemeiner Beliebtheit. Lehrer und Kantor Heller-Adler veranstaltete zu
Ehren des Jubilars eine würdige Feier in der Synagoge. Möge dem Führer
der hiesigen Kultusgemeinde eine noch lange und gesegnete Tätigkeit
beschieden sein." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Aron Reinhold (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1890:
"Für meinen Sohn, 13 1/2 Jahre alt, Gymnasiast bis Oberquarta, suche
ich bis zum 1. Oktober, eventuell später, eine Stelle als Lehrling
entweder Bank- oder Manufaktur-Branche. Bedingung: Sonnabend geschlossen.
Offerten erbeten an
Aron Reinhold, Königshofen, Bayern." |
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes David
Friedmann (1904)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 14. April 1904:
"Lehrlings-Gesuch.
Ich suche für mein (Samstags und Feiertage geschlossenes) Manufaktur-
und Modewarengeschäft per sofort einen Lehrling mit guter
Schulbildung.
David Friedmann, Königshofen im Grabfeld." |
Verlobungsanzeige von Camilla Löb und Simon Goldstein (1923)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1923: "Gott
sei gepriesen.
Camilla Löb - Simon Goldstein. Verlobte.
Frankfurt am Main - Hanauer Landstraße 20. Königshöfen im Grabfeld /
Frankfurt am Main.
Empfang: Samstag, 11. August
1923." |
Geburtsanzeige von Bernhard Friedmann (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1925:
"Die
glückliche Geburt eines strammen Stammhalters BERNHARD zeigen hocherfreut
an
Josef Friedmann und Frau geb. Adler.
Königshofen im Grabfeld, 30. Mai
1925." |
Ergänzendes Dokument - Bestellung von J. Goldstein
(1898)
Bestellung von J.
Goldstein
aus Königshofen im Grabfeld
(Aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Die Karte mit der
Bitte um Preisauskunft über Dezimalwaagen wurde verschickt
am 2. März 1898 an die Fa. J. Eisenheimer, Eisenhandlung in
Schweinfurt. |
Zur Geschichte der Synagoge
Auf Grund der Anfang des 19. Jahrhunderts noch relativ geringen Zahl der
jüdischen Einwohner ist anzunehmen, dass erst in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts ein Betsaal eingerichtet wurde. Ein solcher erster Betsaal befand
sich bis 1904 in einem der jüdischen Gemeinde gehörigen Haus in der
Rathausstraße. Der Betsaal war im zweiten Stock; im ersten Stock war die
Religionsschule untergebracht, im Erdgeschoss die Wohnung des (christlichen)
Synagogendieners. Der Betsaal wird im nachfolgenden Bericht zur Einweihung
der neuen Synagoge 1904 als "alte bisherige Synagoge"
bezeichnet.
Um 1900 hatte die Zahl der jüdischen Einwohner so zugenommen, dass ein Neubau
nötig war. Die Finanzierung wurde u.a. durch Aufnahme von Darlehen möglich
gemacht. Dieser wurde 1903/04 erstellt und am 29. Juli 1904 mit einem
großen Fest der Gemeinde und der ganzen Stadt eingeweiht. Bezirksrabbiner Dr.
Kohn aus Burgpreppach nahm die Einweihung vor.
| Eine Meldung zur Finanzierung des
Synagogenneubaus 1902 |
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1902:
"Königshofen. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde vergibt zum
Neubau der zu errichtenden Synagoge eine Anleihe von 18.000 Mark in Obligationen
à 200 Mark zu 4 Prozent verzinslich". |
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| Hinweis zur Einweihung |
Ankündigung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Juli 1904:
"Würzburg. Die israelitischen Kultusgemeinde Königshofen im
Grabfeld begeht am 29., 30. und 31. Juli die Feier der Einweihung der
neuerbauten Synagoge." |
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| Berichte über die Einweihung |
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" am 1.
September 1904 über die Einweihung der Synagoge in Königshofen: "Königshofen
im Grabfeld (Einweihung der Synagoge). Als ein Ehren- und Freudenfest für
die israelitische wie auch für die Stadtgemeinde Königshofen konnte mit Recht
die jüngst stattgehabte Feier der Synagogen-Einweihung genannt werden, welche
ganz programmmäßig in schönster und befriedigendster Weise verlief. Das Fest
wurde eingeleitet durch eine Abschiedsfeier in der alten bisherigen Synagoge.
Nach vollendetem Nachmittagsgebete sprach Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn -
Burgpreppach von Herzen kommenden und zu Herzen gehende Abschiedsworte. Der
königliche Herr Bezirksamtmann, begleitet von zwei Gemeindeältesten, sowie die
Vertreter der königlichen Behörden hatten sich vollzählig eingefunden und
begleiteten den Festzug, ebenso die hochwürdige Geistlichkeit, die
Stadtverwaltung mit Herren Bürgermeister und Beigeordnete. Daran schlossen sich
der Herr Baumeister Val. Trott und die beim Bau beschäftigt gewesenen Meister.
Vor dem Portale richtete Herr Bezirks-Amtmann Thomas an die Festversammlung eine
herzliche Ansprache, welche weit über den Rahmen einer offiziellen Rede
hinausging und die bewies, wie sehr man seitens der königlichen Behörden die
Bestrebungen der Israeliten Königshofens zu würdigen weiß. Er pries den
Opfersinn der Kultusgemeinde, welche trotz der geringen ihr zur Verfügung
stehenden Mittel ein Gotteshaus errichtete, das in gleicher Weise der Gemeinde
und der Stadt zur Zierde gereiche, betonte mit Recht das schöne Einvernehmen
zwischen den Konfessionen unserer Stadt und schloss mit einem begeistert
aufgenommen Hoch auf unserem vielgeliebten Prinzregenten, dem Hort des Friedens
und der Humanität. Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn hielt eine einstündige
Weiherede. Redner verbreitete sich über die Bedeutung des Gotteshauses und
über die Wirkung, welch von demselben ausgehen soll, wies darauf hin, dass die
Gesetzestafeln, die innen angebracht seien und weithin sichtbar auch am Giebel
der Synagoge ragen, mahnen sollen, das Leben im Gotteshaus mit dem Leben
außerhalb desselben in Einklang zu bringen, führte aus, dass im Gotteshause
die Nächstenliebe gelehrt und die Vaterlandsliebe gepflegt wird und schloss mit
den Worten, dass nicht Prunk und Reden ein Gotteshaus weihen können, sondern
nur wahre Gottesfurcht und Tugend. Die der Form und dem Inhalte nach
meisterhafte Rede ergriff sichtlich alle Herzen und übte einen nachhaltigen
Eindruck aus.
- Im Archiv für den Amtsbezirk Königshofen im Grabfeld veröffentlichte in Nr.
46 (sc. der Beiträge zur Heimatkunde) Herr Spitalpfarrer Dr. Frank
"Gedanken eines Christen bei der Einweihung der jüdischen Synagoge zu
Königshofen im Grabfeld am 29. Juli 1904", welche ein wahrer Kiddusch
HaSchem ("Heiligtum des Namens Gottes") sind und bei der ganzen
Bevölkerung den tiefsten Eindruck hervorriefen."
|
Artikel
in der "Frankfurter Israelitischen Gemeindezeitung" vom 5.
August 1904: "Königshofen im Grabfeld (Bayern), 29. Juli.
Anlässlich der Synagogen-Einweihung hatte heute unsere Synagoge
Festgewand angelegt. Nachmittags 2 1/2 Uhr fand in der bisherigen Synagoge
die Abschiedsfeier statt. Nach dem Mincha-Gebet richtete Distriktsrabbiner
Dr. Cohn - Burgpreppach Abschiedsworte an die Versammlung. Die Tora-Rollen
wurden unter Gesang aus dem heiligen Schrein der bisherigen Synagoge
ausgehoben und sodann in feierlichem Zuge, in dem man u.a. den
Königlichen Bezirksamtmann Thomas und andere Ehrengäste bemerkte, zur
Wohnung des Kultusvorstands Alb. Malzer und von dort zur neuen Synagoge
gebracht.
Vor der Synagoge, deren Vorplatz und nächste Umgebung mit Fahnen,
Kränzen und Girlanden geschmückt ist, nahm der Synagogenchor Aufstellung
und intonierte den 19. und 20. Vers des 118. Psalms. Frl. Rosa Reinhold
sprach den Prolog und überreichte den Schlüssel zur Synagoge an den
Königlichen Bezirksamtmann Thomas. Dieser übergab mit einer Ansprache
die Synagoge dem Kultusvorstand. Redner schloss mit einem begeistert
aufgenommenen Hoch auf den Prinzregenten. Kultusvorstand Malzer übernahm
namens der israelitischen Kultusgemeinde Königshofen die Synagoge.
Nachdem die Behörden, die Gemeinde und sonstigen Gäste in derselben
eingezogen waren, wurden die Torarollen in die heilige Lade verbracht,
unter den vorgeschriebenen Zeremonien und Gesängen. es folgte nun die
Weiherede, gehalten von dem Distriktsrabbiner Dr. Cohn - Burgpreppach,
womit die Synagogenfeier abschloss. Abends 7 1/4 Uhr fand abermals
Gottesdienst statt. Nach demselben war gesellige Unterhaltung in der 'Rosenau'." |
Die Synagoge war in romanischem Stil aus weißen Sandsteinen errichtet
worden. Sie kostete die Gemeinde den damals hohen Betrag von 40.000 Mark.
Dennoch war sich Spitalpfarrer Dr. Frank in den "Beiträgen zur
Heimatkunde" (Nr. 46 1904) sicher, dass die Israelitische Kultusgemeinde
"es gewiss niemals bereuten (wird), aus eigenen Kräften den Bau
hergestellt zu haben, der ein bleibendes Denkmal ihres Glaubens und ihrer
Gottesliebe ist. Ich glaube keinem Widerspruch zu begegnen, wenn ich sage, dass
der geschmackvolle, elegante, formgerechte Bau es auch verdient, ein Schmuck
für Königshofen und eine Zierde des ganzen Grabfeldes genannt zu werden".
Rechtzeitig vor den Feiern zum 25jährigen Bestehen der Synagoge 1929
wurde eine umfassende Renovierung beschlossen und durchgeführt. Am
Schabbat Nachamu (16./17. August 1929, 11. Aw 5689) konnte mit einem
großen Fest der Gemeinde die Wiedereinweihung der Synagoge gefeiert werden.
Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach war anwesend, hielt die
Festpredigten und weihte die zu diesem Anlass in der Synagoge aufgehängte
Kriegergedächtnistafel für die vier Gefallenen des Ersten Weltkrieges
ein.
Bericht
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
November 1929: "Königshofen i. Grabfeld (Unterfranken). Zu einem
imposanten Ereignis gestaltete sich die am Schabbos Nachmu stattgefundene
Feier des silbernen Synagogenjubiläums verbunden mit der Weihe einer
Kriegergedächtnistafel. Anlässlich dieser Feier und aus notwendigen Gründen
hat die Gemeinde ihr Gotteshaus in würdiger Form renovieren lassen.
Unwillkürlich ist der Besucher entzückt von der einfachen, schlichten Art der
Renovierung, die so recht stimmungsvoll auf die Andacht im Gotteshaus wirkt und
so die goldenen Worte am Almemor zur Wahrheit werden lässt: "En se ki
im beth elokim". "Wahrlich der Raum ist nichts anderes, als ein
Gotteshaus". Die eigentliche Feier begann vor dem Abendgottesdienst des
Sabbat und wurde eingeleitet von dem Japhetschen Matouwu, der dreistimmig
von dem Chor in wunderbarer Weise gesungen wurde. Es darf hier gleich rühmend
erwähnt werden, dass wohl selten Gemeinden in dieser Größe zu finden sich,
die einen solch schön geschulten Männerchor aufzuweisen haben. Der Chor
besteht nun seit Bestehen des Gotteshauses, also volle 25 Jahre. Als nun nach
dem Minchogebet das Jigdal in der Melodie unserer ernsten Feiertage
verklang, betrat Herr Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach die Kanzel,
um die eigentliche Weihe der Kriegergedenktafel vorzunehmen. Seine
tiefdurchdachte, herrliche Ansprache machte auf alle Anwesenden, insbesondere
auf die zahlreiche geladenen und erschienenen Gäste wie die Vertreter der
Geistlichkeit, der Stadtverwaltung, der Kriegervereine u.m. einen gewaltigen
Eindruck. Wie die Kugel draußen im Feindeslande keinen Unterschied kannte und
macht und wahllos sich in das Herz des Kriegers bohrte, führte der Redner aus,
so sollen auch wir alles Trennende von uns abstreifen. Es möge unserem schwer
darniederliegenden Vaterlande die so überaus nötige Einigkeit bescheiden sein,
auf dass es sich zu neuer Blüte und Pracht baldigst entfalte. Die Hülle der
Tafel fiel und in goldenen Buchstaben wurden auf einfachem Steine die Namen der
vier gefallenen Helden der Kultusgemeinde sichtbar. Das Seelengebet beschloss
die ernste, erhebende Feier. Im Morgengottesdienste stand ebenfalls die
Ansprache des Herr Rabbiners Dr. Ephraim im Mittelpunkte. Seine Worte galten
einer Betrachtung darüber, ob überhaupt ein Gotteshaus nötig sei, da ja der
Allmächtige überall, wo wir ihn anrufen, zu finden sei. Auch bei dieser Feier
ließ der Chor seine schönen Gesänge hören, in der Hauptsache beim Aus- und
Einheben der Tora und beim Umzug sämtlicher Torarollen. Nach dem Ausgange des
Sabbats vereinte jung und alt ein Tanzvergnügen. Hier wurden verschiedene
Ansprachen gehalten, so u.a. von den einstigen Lehrern der Gemeinde Herrn Zucker
aus Dresden und Herrn Herrmann aus Bamberg. In teils ernster aber auch launiger
Weise hielten genannte Herren einen Rückblick über ihre einstige Tätigkeit in
der Gemeinde.
Das Gotteshaus bildet nicht nur eine Zierde des sauberen Grabfeldstädtchens, sondern
es ehrt die Gemeinde selbst, die alles daran setzte, in ihrer Mitte ein solches Kleinod
zu besitzen. Dank gebührt in erster Linie dem Verband israelitischer Gemeinden
Bayerns, der durch Zuweisung einer größeren Summe es überhaupt ermöglichte,
das Gotteshaus in solch würdiger Weise neu erstehen zu lassen. Nicht minder
Dank gebührt Herrn Kultusvorstand Karl Einstädter, der keine Arbeit und Mühe
scheute und dessen Angaben viel dazu beitrugen, dass die Synagoge einen solch
würdevollen Eindruck auf jedermann macht. Nicht zuletzt Dank dem derzeitigen
Lehrer Herrn Heinz Heller Adler, der als anerkannter Meister auf gesanglichem
Gebiete durch seine Kunst und als Dirigent des Chores ein gut Teil zur Verschönerung
der Feier beitrug. Möge es der Kultusgemeinde, die den Sinn für alles, was das
jüdische Herz bewegt, in der Tat umzusetzen verstehen, vergönnt sein, auch das
goldene Synagogenjubiläum festlich begehen zu können." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1929: "Königshofen,
16. August (1929). Am vergangenen Freitag abend fand in der Synagoge die
25jährige Jubelfeier mit Gedenktafelweihe für die gefallenen Krieger
statt. Das aus diesem Anlasse von hiesigen Meistern neu renovierte
Gotteshaus war der feierlich ernsten Stunde entsprechen mit frischem Grün
und bayrischen Landesfarben ausgestattet. Vertreter der Behörden waren
anwesend. Zur Feststimmung hat insbesondere unser allverehrter Herr
Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach beigetragen, der in
herrlichen Worten den unauslöschlichen Dank unseren gefallenen Helden zum
Ausdruck brachte, die die Treue zu ihrem Vaterlande mit ihrem Blute
besiegelten. Die Feier wurde verschönt durch die zu Herzen gehenden
Weisen des Herrn Kantor Heller-Adler unter Mitwirkung des von ihm
trefflich geschulten Synagogenchors." |
Nur noch neun Jahre sollte die Synagoge nach der Renovierung 1929 als
religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde in Königshofen dienen.
Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge geschändet und ihre Inneneinrichtung zerstört. Jüdische
Männer aus Königshofen wurden gezwungen, das Mobiliar der
Synagoge und den im Vorraum aufbewahrten Toraschrein der Gemeinde Sulzdorf zu
Brennholz zu zersägen. Dann wurde die Synagoge samt Ritualien und Torarollen
angezündet. Ein Teil des Tora - Silberschmuckes war von Gemeindegliedern vorher
in Sicherheit gebracht worden. Die durch den Brand beschädigte Synagoge wurde
im Krieg noch eine Zeitlang als Getreidespeicher zweckentfremdet. 1951
wurde das Gebäude an einen Gewerbetreibenden zum Abbruch verkauft. Dieser
errichtete auf den Grundmauern eine Autoreparaturwerkstätte.
Im Schulgebäude mit dem früheren Betsaal in der Rathausstraße wurden um
1940 die letzten in Königshofen lebenden jüdischen Einwohner
einquartiert. Das Gebäude ist erhalten.
Ein Gedenkstein für die ehemalige Synagoge ist vorhanden.
Adressen / Standorte der Synagogen:
 | bis 1904: Rathausstraße 3 |
 | 1904-1938: Bamberger Straße 1 (frühere
Anschrift: "An der Untereßfelder Straße"). |
Fotos
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Januar 2011:
Bericht einer Zeitzeugin
Hinweis: mit dem Thema "Jugend in der NS-Zeit"
beschäftigte sich die Klasse 9c des Gymnasiums Bad Königshofen. 23
Schülerinnen und Schüler interviewten sechs Zeitzeugen, die aufgrund
ihres Alters noch Zeugnis geben können. Die "Main-Post"
berichtete hierüber in mehreren Artikeln. Hier ein Bericht über die
Zeitzeugin Hermine Haag. |
Artikel von jkl in der "Main-Post" vom 17. Januar
2011 (Artikel):
"BAD KÖNIGSHOFEN
Eine Zeit voller Trauer, Angst und Ungewissheit
Hermine Haag berichtete den Gymnasiasten, was eine Kindheit in den Tagen der Nazi-Diktatur ausmachte
Eine weitere Zeitzeugin der Nazizeit ist auch die heute 80-jährige Hermine Haag. Sie war bei Kriegsausbruch zwar erst acht Jahre alt, bekam aber doch schon Vieles mit.
Vorneweg bemerkt sie in einem Gespräch mit der Main-Post, dass es in der Grabfeldstadt viele Geschäfte gab, die von Juden betrieben wurden. Einer der Juden, der mit Angehörigen kurz vor einer Deportierung auswandern wollte, verkaufte sein Haus an ihren Vater. Das sei noch vor der Pogromnacht, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stattfand, gewesen, erinnert sich die Rentnerin.
Die betroffenen Juden hätten bereits auf ihre Schiffskarten gewartet, die sie von Hamburg nach Amerika bringen sollten.
Doch zuvor sollte sich an der Haustüre eines Anwesens noch Spektakuläres abspielen. Die SA, die Sturmabteilung einer paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP, kam vorbei und wollte die Ausreisewilligen abholen. Von der geplanten Auswanderung habe die SA aber nichts gewusst.
'Die Juden wurden ohne Grund mitgenommen und in ein örtliches Gefängnis
gebracht', schildert Hermine Haag den traurigen Vorgang. Als sie am Marktplatz abgeholt worden seien, habe ihr Vater gesagt:
'Der Hausbesitzer bin ich – hier geht niemand über die Schwelle'. Aber das half nichts. Angehörige hätten später eine Kaution für die Freilassung bezahlt. Schließlich verließen die drei Juden nach der Kristallnacht ohne Wissen der Kreisleitung die Stadt Königshofen. Sie wurden zum Schiff nach Hamburg gebracht und damit vor dem sicheren Tod gerettet.
Schicksal ungewiss. 'Während der Kriegszeit hat unsere Familie nichts mehr von ihnen gehört und wir wussten auch nicht, ob sie in Amerika
ankamen', sagt Hermine Haag. Später erfuhren die Haags jedoch aus sicherer Quelle, dass sie in den Vereinigten Staaten eine Hühnerfarm aufbauten und ein beschauliches Leben führen.
Schrecklich sei es gewesen, so die Rentnerin, mit anzusehen, dass die Synagoge an der Bamberger Straße rigoros zerstört wurde.
'Um Himmels Willen – was passiert denn jetzt dort...' Diesen Satz hat Frau Haag noch heute im Gedächtnis.
Dass Juden aus Königshofen auch in Konzentrationslagern landeten – das habe sie als Kind am Rande mitbekommen. Doch was das genau bedeuten sollte, konnte sie sich als Kind damals nicht vorstellen. Wurden Juden abgeholt, habe sie es mit der Angst zu tun bekommen. Sie fürchtete um ihr eigenes Leben.
Wenn in Gesprächen Worte wie 'Kreisleiter' oder 'Parteigenosse' erwähnt wurden, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken.
'Denn diese Leute waren von uns Mädchen sehr gefürchtet', sagt die Rentnerin. Stets habe man ihnen gegenüber den
'Heil-Hitler-Gruß' mit erhobener Hand sprechen müssen. Die jungen Frauen waren im BDM integriert, dem Bund Deutscher Mädel, und hätten bei ihren Auftritten eine weiße Bluse sowie einen schwarzen Rock tragen müssen.
Als später die Amerikaner einzogen, wurden die 'guten Häuser' in Königshofen beschlagnahmt. In der einstigen
'Adler Post', einer Traditionsgaststätte, seien die Amerikaner ohne legitime Rechte heimisch geworden. Im Kaufhaus Reinhard, einen Steinwurf davon entfernt, wurde von den Amerikanern ohne lange zu fragen eine Bar installiert. Dort trafen sich die Soldaten bei Musik und Getränken.
Immer in Angst vor den Bomben. Die Inhaber sahen sich kurzerhand aus dem Laden verbannt und mussten in ihrem Haushalt im oberen Stockwerk ein kleines Geschäftszimmer einrichten.
'Da hattest Du praktisch nichts mehr zu sagen', fügt Hermine Haag hinzu.
'Als dann Bomben fielen, ist ganz Königshofen ausgerissen'. Hermine Haag weiß zu berichten, dass sie aus Angst vor weiteren nächtlichem Bombenhagel vorübergehend nach Bundorf flüchtete, um bei einer Hausgehilfin Unterschlupf zu finden. Das Textilgeschäft in Königshofen wurde aus Furcht vor einer Bombardierung von den Inhabern geschlossen.
Der zuständige Kreisleiter hat laut Hermine Haag darauf folgendermaßen geantwortet:
'Wenn ihr nicht schnellstens das Geschäft wieder aufmacht, wird es
beschlagnahmt'. Rasch kamen die Kaufleute zurück und öffneten die Türen.
Kinder mussten ihr Leben lassen. Eine Bombardierung gab es in der Hindenburgstraße. Drei auf der Straße spielende Kinder kamen dabei ums Leben, wie Hermine Haag heute noch von Trauer ergriffen erzählt.
'Auch in das Gebäude der Reinigung Brucker in der Juliusstraße nahe des Kirchplatzes schlug eine Bombe ein, wobei ein Herr Wohlgemut sein Leben lassen
musste'.
Die Zeitzeugin weiter: 'Zum Schutz vor der Bombe wollte er gerade in den
Keller...'. Schließlich sei noch im Bereich der Zeughausstraße eine Bombe gefallen, die aber nur Sachschaden anrichtete.
Hermine Haags Fazit: 'Es war eine schlimme Zeit, die sich nicht mehr wiederholen darf, denn jeder Tote ist einer zu viel, aber eine stete Mahnung, sich ständig für den Frieden
einzusetzen'." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 444. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 344-345. |
 | Herbert Schultheis: Die Reichskristallnacht in
Deutschland nach Augenzeugenberichten. Bad Neustädter Beiträge zur
Geschichte und Heimatkunde Frankens Bd. 3. Hg. von Herbert Schultheis. Bad
Neustadt a.d. Saale 1985 S. 111-113. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 41. |
 | Reinhold Albert: Geschichte der Juden im Grabfeld. Schriftenreihe
des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld Heft 2. Bad Königshofen im
Grabfeld 1990. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 560-561. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 184.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Koenigshofen im
Grabfeld Lower Franconia. Jews were victims of the Rindfleisch
massacres of 1298 and the Black Death disturbances of 1348-49. The modern
community grew to 101 in 1910 (total 1.802), with a synagogue built in 1904 and
a cemetery opened in 1921. Both were desecrated in 1925. In 1933, 94 Jews
remained; 69 left the town by the end of 1928, including 27 for the U.S. and 37
for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was wrecked, all the tombstones in the Jewish cemetery were smashed,
and eight Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Another 13 Jews
left in 1939. The last six were expelled to Kleineibstadt in August 1941 and
from there to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April
1942.

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