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Gleusdorf (Gemeinde
Untermerzbach, Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Gleusdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1909. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück (nach Angaben bei
I. Schwierz s.Lit. bestand "wahrscheinlich ab ca. 1520" eine jüdische
Gemeinde).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: es sind noch keine Zahlen vorhanden (um 1817/20: neun Familien).
Die Matrikelliste von 1817 für Gleusdorf ist nicht erhalten. Auf einer
aus dieser Zeit erhaltenen Unterschriftsliste für die Eidesleistungen werden
die folgenden jüdischen Familienvorsteher genannt (mit neuem Familiennamen):
Salomon Hermann, Isaac Kunzenhauser, Männlein Herrmann, Jonas Herrmann, Hajum
Herrmann, Witwe Schindel Rau, Moses Weil und Witwe Klärla Bank. Nicht in die
Matrikel wurde Schir Fleischmann aufgenommen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer in der Gemeinde tätig war, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Einer dieser Lehrer war Mitte des
19. Jahrhunderts der 1897 in Wiesenbronn verstorbene Lehrer Jacob Rosenbaum
(siehe Bericht unten).
1909 wurde die jüdische Gemeinde Gleusdorf aufgelöst und das Vermögen
der Gemeinde der Israelitischen Kultusgemeinde Memmelsdorf
übertragen.
Von den in Gleusdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Baum (geb. 1880 in
Gleusdorf, später in Bamberg wohnhaft, umgekommen nach Deportation 1941 nach
Riga).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod des Lehrers Jacob Rosenbaum (1897)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897:
"Wiesenbronn, im Kislew. Wiederum hat der Tod eine weite
Lücke gerissen, nicht nur in eine Familie und in unsere Gemeinde, sondern
für das ganze Judentum wird der Verlust unersetzlich sein. Unser Lehrer
und Führer, der hier nahezu 34 Jahre seines Amtes mit großer Treue
waltete, Herr Jacob Rosenbaum weil nicht mehr unter uns. Nachdem er noch
am Sonntag unterrichtete, machte am Dienstag Nacht eine Herzlähmung
seinem edlen Leben, welches nur der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilus
Chasodim (Wohltätigkeit) gewidmet war, ein Ende. Mehr als 60 Jahre stand
er als Lehrer, Chasan und Schochet in den jüdischen Gemeinden Germersheim,
Klein-Ostheim, Gleusdorf, Rödelmaier
und zuletzt hier in einer Weise vor, die ihm überall die Achtung, Liebe
und Anhänglichkeit seiner Kultusmitglieder erwarb. Davon legte seine am
Eref Schabbos (Freitag) stattgehabte Beerdigung den sprechendsten Beweis
ab. Von nah und fern waren Freunde, Schüler und Kollegen herbeigeeilt, um
dem teueren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Trauerhause
gaben die Herren Lehrer Strauß - Kleinlangheim, Lehmann - Schonungen,
Eisenheimer - Großenbuseck,
Rosenbaum - Berolzheim (Sohn des
Verstorbenen) und der protestantische Lehrer Zemer - Wiesenbronn, den
Gefühlen des Schmerzes in ergreifenden Reden Ausdruck. Die ganze
Bevölkerung Wiesenbronns, ohne Unterschied des Konfession, gab dem von
Allen verehrten Dahingeschiedenen das Geleite. Auf dem Begräbnisplatze,
in dem eine Stunde entfernten Rödelsee, hatten sich zahlreiche Freunde
und Verehrer des Verlebten eingefunden und hier gaben Lehrer Frank -
Rödelsee und Kissinger - Frankenwinheim ein treffliches Lebensbild, des
als Jehudi, als Lehrer und als Mensch gleich groß dastehenden Mannes, der
uns ebenso unersetzlich als unvergesslich sein wird. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum vorhanden. Mitte des
19. Jahrhunderts wurde eine Synagoge erbaut. Beim Gebäude handelt es sich
um einen massiven Sandsteinquaderbau.
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1909 wurde das Synagogengebäude
verkauft. Es kam in Privatbesitz und wurde später als Mehrzweckraum (Werkstatt,
Abstellraum usw.) verwendet. Das Gebäude ist bis zur Gegenwart erhalten. Im
Inneren ist noch der blaue Innenanstrich erkennbar, gleichfalls die Spuren des
Torascheines.
Adresse/Standort der Synagoge: Dorfstraße 3
(Nebengebäude rechts)
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 60-61; S. 1992² S. 65. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 136-137.
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n.e.

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