Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gleusdorf (Gemeinde Untermerzbach, Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In Gleusdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1909. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück (nach Angaben bei I. Schwierz s.Lit. bestand "wahrscheinlich ab ca. 1520" eine jüdische Gemeinde).  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: es sind noch keine Zahlen vorhanden (um 1817/20: neun Familien).   
  
Die Matrikelliste von 1817 für Gleusdorf ist nicht erhalten. Auf einer aus dieser Zeit erhaltenen Unterschriftsliste für die Eidesleistungen werden die folgenden jüdischen Familienvorsteher genannt (mit neuem Familiennamen): Salomon Hermann, Isaac Kunzenhauser, Männlein Herrmann, Jonas Herrmann, Hajum Herrmann, Witwe Schindel Rau, Moses Weil und Witwe Klärla Bank. Nicht in die Matrikel wurde Schir Fleischmann aufgenommen.     
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer in der Gemeinde tätig war, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Einer dieser Lehrer war Mitte des 19. Jahrhunderts der 1897 in Wiesenbronn verstorbene Lehrer Jacob Rosenbaum (siehe Bericht unten).  
 
1909 wurde die jüdische Gemeinde Gleusdorf aufgelöst und das Vermögen der Gemeinde der Israelitischen Kultusgemeinde Memmelsdorf übertragen.    
   
Von den in Gleusdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Baum (geb. 1880 in Gleusdorf, später in Bamberg wohnhaft, umgekommen nach Deportation 1941 nach Riga).    
    
     
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zum Tod des Lehrers Jacob Rosenbaum (1897)   

Wiesenbronn Israelit 16121897.jpg (125681 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897: "Wiesenbronn, im Kislew. Wiederum hat der Tod eine weite Lücke gerissen, nicht nur in eine Familie und in unsere Gemeinde, sondern für das ganze Judentum wird der Verlust unersetzlich sein. Unser Lehrer und Führer, der hier nahezu 34 Jahre seines Amtes mit großer Treue waltete, Herr Jacob Rosenbaum weil nicht mehr unter uns. Nachdem er noch am Sonntag unterrichtete, machte am Dienstag Nacht eine Herzlähmung seinem edlen Leben, welches nur der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) gewidmet war, ein Ende. Mehr als 60 Jahre stand er als Lehrer, Chasan und Schochet in den jüdischen Gemeinden Germersheim, Klein-Ostheim, Gleusdorf, Rödelmaier und zuletzt hier in einer Weise vor, die ihm überall die Achtung, Liebe und Anhänglichkeit seiner Kultusmitglieder erwarb. Davon legte seine am Eref Schabbos (Freitag) stattgehabte Beerdigung den sprechendsten Beweis ab. Von nah und fern waren Freunde, Schüler und Kollegen herbeigeeilt, um dem teueren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Trauerhause gaben die Herren Lehrer Strauß - Kleinlangheim, Lehmann - Schonungen, Eisenheimer - Großenbuseck, Rosenbaum - Berolzheim (Sohn des Verstorbenen) und der protestantische Lehrer Zemer - Wiesenbronn, den Gefühlen des Schmerzes in ergreifenden Reden Ausdruck. Die ganze Bevölkerung Wiesenbronns, ohne Unterschied des Konfession, gab dem von Allen verehrten Dahingeschiedenen das Geleite. Auf dem Begräbnisplatze, in dem eine Stunde entfernten Rödelsee, hatten sich zahlreiche Freunde und Verehrer des Verlebten eingefunden und hier gaben Lehrer Frank - Rödelsee und Kissinger - Frankenwinheim ein treffliches Lebensbild, des als Jehudi, als Lehrer und als Mensch gleich groß dastehenden Mannes, der uns ebenso unersetzlich als unvergesslich sein wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

  

Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war vermutlich ein Betraum vorhanden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Synagoge erbaut. Beim Gebäude handelt es sich um einen massiven Sandsteinquaderbau.   

Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1909 wurde das Synagogengebäude verkauft. Es kam in Privatbesitz und wurde später als Mehrzweckraum (Werkstatt, Abstellraum usw.) verwendet. Das Gebäude ist bis zur Gegenwart erhalten. Im Inneren ist noch der blaue Innenanstrich erkennbar, gleichfalls die Spuren des Torascheines.     
   

Adresse/Standort der Synagoge:  Dorfstraße 3 (Nebengebäude rechts)     

Fotos

 Das Synagogengebäude 
in Gleusdorf
 Gleusdorf Synagoge 030.jpg (53583 Byte)  Link zu aktuellem Farbfoto 
  Foto aus den 1980er-Jahre)  

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Untermerzbach  

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 60-61; S. 1992² S. 65. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 136-137.   
       

  n.e.
              

     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 03. November 2011