Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"  
zur Übersicht "Synagogen im Kreis Bad Dürkheim"  
 
    

Neuleiningen (VG Grünstadt-Land, Kreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Leiningen (Alt- oder Neu-Leiningen) lebten Juden bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Um 1309 zahlten sie zusammen mit denen von Bockenheim eine jährliche Reichssteuer von 7 Pfund. vor der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 lebten mehrere jüdische Familien am Ort. Drei von ihnen hatten Besitz in Speyer. Nach der Vernichtung der dortigen jüdischen Gemeinde am 22. Januar 1349 wollte Graf Friedrich von Leiningen Entschädigung für seine jüdischen Untertanen. Wenig später wurden jedoch auch die Leininger Juden Opfer der Verfolgung. Nach der Verfolgung wird Josef ben Jakob von Leiningen genannt, der 1374 in Worms begraben wurde. Vielleicht war er ein Überlebender der Verfolgung. Im 15. Jahrhundert werden wieder Juden in Leiningen selbst genannt (1434). Danach schweigen einige Zeit die Quellen.  

Ende des 16. Jahrhunderts lebten wieder Juden in Leiningen. In den Leininger Akten befindet sich eine Notiz von 1597, aus der hervorgeht, dass das rituelle Bad in Klein-Karlbach u.a. von den Juden in Leiningen benutzt wurde.
  
In Altleiningen werden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder jüdische Personen genannt: 1798 zieht in Rheingönheim ein Jude aus Altleiningen zu.   
    
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es eine relativ große jüdische Gemeinde sowohl in Altleiningen (siehe dort) wie auch in Neuleiningen. 1801 werden 35 jüdische Einwohner gezählt (4,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 55 (8,7 %), 1825 99 (14,8 %).   
   
1809/10
werden als jüdische Haushaltsvorsteher in Neuleiningen genannt: Abraham Adler I. (Landwirt), Abraham Adler II., Simon Freiberg, Samson Josephi (Trödler), Gabriel Kaufmann (Landwort), Maurice Kauffmann (Landwirt), Adam Kremer (Trödler), Jacques Levarc (Händler), Jacob Mayer (Händler), Joseph Mayer (Schulvorsteher), Mayer Mayer(Kleinhändler).  
  
1848
gab es 19 jüdische Familien mit zusammen 107 Personen am Ort. 
 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung schnell zurück, sodass 1875 nur noch 43 jüdische Einwohner und 1900 nur noch sieben gezählt wurden. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Grünstadt beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Frankenthal
  
Nach Auflösung der Gemeinde um 1900 wurden die hier noch lebenden jüdischen Personen offiziell der jüdischen Gemeinde in Wattenheim zugeteilt. Im Bericht von 1902 (siehe unten) wird allerdings davon berichtet, dass sich die letzte jüdische Familie der jüdischen Gemeinde in Grünstadt zugehörig fühlte. Die Gemeinde in Grünstadt trat dementsprechend als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Neuleiningen auf, so beim Verkauf von Torarollen im Jahr 1902 (siehe unten).     
  
Von den in Neuleiningen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Adler (1866), Emma Reinstein geb. Lazarus (1885) und Ida Schmidt (1876).  
  
   
  

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe 
Anzeige der Steingutfabrik beziehungsweise der Familie M. Adler (1896)

Neuleiningen Israelit 23071896.jpg (47353 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1896: "Ein tüchtiges Mädchen, das gut kochen und bessere häusliche Arbeiten verrichtet, etwa nähen und bügeln kann, sofort gesucht. Dauernde Stellung. Offerten mit Photographie und Gehaltsansprüche an M. Adler, Steingutfabrik, Neuleiningen bei Grünstadt (Pfalz)."


 

Zur Geschichte des Betsaal/der Synagoge

Erst aus dem 19. Jahrhundert ist Näheres zu einem Betsaal bzw. einer Synagoge bekannt. 1822 kaufte die jüdische Gemeinde die Kirchenruine des früheren Karmeliterklosters "Zum Heiligen Kreuz" (Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut). Nach der Reformationszeit war - von 1555 bis 1802 - in der Klosterkirche die lutherische Kirche eingerichtet. 1822 wurde es zur Synagoge umgebaut. 

In den 1830er-Jahren gehörte die Neuleininger Gemeinde zu den "fortschrittlichen" Gemeinden im Blick auf die Gestaltung des Gottesdienstes. Dabei wurden nach dem Vorbild der Gemeinde in Kirchheimbolanden Reformen durchgeführt, bei denen offenbar dem Choralgesang eine besondere Rolle zukam:   

Neuleiningen AZJ 04101838b.jpg (101217 Byte)Aus einem längeren Artikel über die gottesdienstlichen Verhältnisse in der Pfalz in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 4. Oktober 1838: "Diesem Manne, Herrn Leo Levy, dem die Pfälzer Israeliten schon so viel verdanken, ist es, unterstützt von dem ebenso tätigen als kenntnisreichen Lehrer J. Sulzbacher, gelungen, den Gottesdienst in der neu und würdig erbauten Synagoge zu Kirchheimbolanden auf eine Weise zu ordnen, welche dieselbe zum Muster für den ganzen Kreis gemacht. Choral-Gesang ist Grundzug des Gottesdienstes, über welchen im Ganzen ich Ihnen nächstens als Augenzeuge berichten zu können hoffe.
Nachdem die Gemeinden Neuleiningen und Grünstadt (Bezirk Frankenthal, Rabbiner A. Merz) durch eigene Abgeordnete von der Trefflichkeit des zu Kirchheimbolanden organisierten Gottesdienstes sich überzeugt, wurde derselbe in Neuleiningen durch die Bemühungen des Herrn Kaufmann, unterstützt von dem Privaten Herrn Schwarz /einem vielseitig gebildeten, früheren Rabbinatskandidaten, jetzt Associé einer Weinhandlung) - und in Grünstadt, wo sogar ein Rabbine alten Schlags seinen Sitz hat, freilich nicht ohne Widerstreben, durch Herrn Levy und Lehrer Heß eingeführt...."

Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl der jüdischen Gemeindeglieder war es gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer schwieriger, regelmäßig Gottesdienste in der Synagoge abzuhalten. Schließlich wurde die Synagoge um 1900 geschlossen. 1902 verkauften die letzten jüdischen Gemeindeglieder das Gebäude an die bürgerliche Gemeinde. Zunächst wurde das Gebäude von der bürgerlichen Gemeinde, danach privat genutzt. 
   
Verkauf der Synagoge an die bürgerliche Gemeinde (1902)    

Neuleiningen AZJ 29081902.jpg (62128 Byte)Artikel in der Allgemeinen Zeitung des Judentums  vom 29. August 1902: "Grünstadt. 17. August 1902: Ein seltener Fall, nämlich der Verkauf eines Gotteshauses, hat in dem nahe gelegenen Dorfe Neu-Leiningen sich ereignet. Die dortige Synagoge ist jetzt käuflich in den Besitz der Gemeinde Neu-Leiningen übergegangen, die das Gotteshaus in ein Gemeindehaus umzuwandeln beabsichtigt. Der Verkauf wurde durch die neuerdings erfolgte Auflösung der ehemals ziemlich starken Neu-Leininger israelitischen Gemeinde hervorgerufen, die infolge der Übersiedelung vieler Gemeindemitglieder nach größeren Orten im Laufe der Zeit auf nur eine Familie zusammengeschmolzen ist. Da sich diese der Grünstadter israelitischen Gemeinde angeschlossen hat, so ist letztere Rechtsnachfolgerin und gleichsam Erbin der aufgelösten Gemeinde geworden. Es wird daher nicht nur die erzielte Kaufsumme, sondern auch das vorhandene Mobiliar usw. an sie übergehen. Das jetzt verkaufte Gotteshaus hat vor vielen Jahren schon einmal einen bedeutungsvollen Besitzwechsel erfahren. Es war ursprünglich ein evangelisches Kirchlein und wurde erst nach Zerstreuung und Auflösung der damals in Neu-Leiningen bestandenen evangelischen Gemeinde von der israelitischen Gemeinde erworben."
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1902: Derselbe Text wie in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" siehe oben.   
   
Die Torarollen aus Neuleiningen wurden von der jüdischen Gemeinde Grünstadt zum Kauf angeboten (zwar wird Neuleiningen in nachfolgender Anzeige nicht genannt, doch wurde in der Umgebung von Grünstadt nur die Gemeinde Neuleiningen in dieser Zeit aufgelöst):
Gruenstadt Israelit 07041902.jpg (61535 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1902: "Einige aus einer aufgelösten Synagogengemeinde übernommenen Sifrei Tora (Torarollen) mit schöner Schrift und in gutem Zustande, sind preiswert abzugeben. Offerten nimmt entgegen 
Der Synagogen-Vorstand zu Grünstadt (Pfalz). O. Seelenberger".

Seit 1957 wird die ehemalige Synagoge wieder als evangelische Kirche verwendet. Die Neuleininger Synagoge war das einzige jüdische Gotteshaus im Bereich von Rheinland-Pfalz, das in einer ehemaligen christlichen Kirche eingerichtet wurde. 
     

Adresse/Standort der SynagogeMittelgasse 50

Fotos / Darstellungen
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2005)

Neuleiningen Synagoge 102.jpg (59716 Byte) Neuleiningen Synagoge 101.jpg (53890 Byte) Neuleiningen Synagoge 100.jpg (74059 Byte)
Die ehemalige Klosterkirche, 1822-1902 Synagoge, seit 1957 evangelische Kirche Hinweistafel
   
Neuleiningen Haus 101.jpg (57480 Byte) Neuleiningen Haus 100.jpg (56387 Byte) Neuleiningen Haus 102.jpg (93059 Byte)
Ehemaliges jüdisches Wohnhaus in der Mittelgasse 23 (Mesusa-Ritze am Eingang und - kaum lesbare - hebräische Inschrift über dem Eingang Hinweistafel

        
   
   Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Neuleiningen

Literatur:  

Germania Judaica II,1 (Art. Leiningen) S. 476-477; III,2 S. 946.
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 118.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 282  (mit weiteren Literaturangaben).

     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

        

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. November 2010