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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Wertheim (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von
Wertheim gehörenden Stadt Wertheim bestand seit dem Mittelalter eine der ältesten
jüdischen Gemeinden im badischen Raum. Erstmals werden 1212 oder 1222 Juden in
der Stadt genannt. Bei den Judenverfolgungen 1298 und während der Pestzeit 1349
wurden auch in Wertheim Juden ermordet. Nach diesen Verfolgungszeiten lebten
nach vermutlich nur kurzen Unterbrechung Juden in der Stadt bis zum Untergang
der jüdischen Gemeinden Badens durch die Deportation nach Gurs im Oktober 1940.
Das mittelalterliche Wohngebiet konzentrierte sich auf die ehemalige (alte)
"Judengasse" (1381 erwähnt), nach 1447 "Kapellengasse" genannt.
Vermutlich befand sich an der Stadtmauer (Ausgang Kapellengasse) das "Judentürlein". Seit der zweiten Hälfte des
15. Jahrhunderts war das Wohngebiet vor allem in der Gerbergasse beziehungsweise dem um sie
gelegenen "Brückenviertel". Die Gerbergasse trug bis 1934 die Bezeichnung
"Judengasse".
1622 wurden 16 jüdische Familien in der Stadt gezählt. Bis zum Ende des 18.
Jahrhunderts waren es durchschnittlich etwa 10 bis 12 Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die
Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1825 98 jüdische Einwohner (2,6 % von
insgesamt 3.767 Einwohnern), 1855 115 (3,6 % von 3.198), 1880 180 (3,9 % von
4.567), 1885 221, 1895 191 (5,4 % von 3.556), 1900 201 (5,1 % von 3.915),
1910 168 (4,6 % von 3.648).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (zur
Geschichte der insgesamt fünf Synagoge siehe unten), eine jüdische Schule, ein
rituelles Bad (unweit der Synagoge am Neuplatz, abgebrochen, jedoch wurde bei
der Neugestaltung des Neuplatzes seit 2002 auf eine Bebauung im Bereich der
ehemaligen Mikwe verzichtet) sowie einen Friedhof.
Seit 1827 war Wertheim Sitz einer Bezirksrabbinates; seit 1886 wurde
das Rabbinat jedoch von Mosbach aus mitverwaltet.
Zum Rabbinatsbezirk Wertheim gehörten die jüdischen Gemeinden in Dertingen,
Freudenberg, Grünsfeld, Hardheim, Königheim, Külsheim, Messelhausen,
Tauberbischofsheim mit Hochhausen und Impfingen sowie Wenkheim.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Benario (geb.
11.11.1896 in Wertheim, gef. 24.11.1915) und Karl Rothschild (geb. 21.3.1891 in Dertingen, gef.
12.4.1915). Ihre
Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal unter dem Portikus der städtischen
Friedhofskapelle.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 110 Personen gehörten (3,0 % von
insgesamt 3.673 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Leopold Cahn, Simon
Thalmann und Isak Müller. Als Kantor, Lehrer und Schochet war Sally Sichel tätig.
Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde damals 11 Kinder. An
jüdischen Vereinen bestanden eine Armenkasse (1924 unter Leitung
von J. Israel), eine Chewra Kadischa (1924/32 unter Leitung von J. Israel
mit etwa 25 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) sowie eine Chewra für Frauen
(1932 unter Vorsitz von Frau Fleischmann, Zweck und Arbeitsgebiete:
Krankenpflege, Bestattungswesen). Im Schuljahr 1931/32 hatte Sally Sichel zehn
Kinder in Religion zu unterrichten.
Die jüdischen Familien
spielten eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben der Stadt. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden
Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Viehhandlung Adolf Adler (Neugasse, mit Stall in der Schulgasse), Bankhaus Bernhard
Benario, Inh. Adolf Oppenheimer (Am Engelsbrunnen), Viehhandlung Ludwig und Max Brückheimer
(Bahnhofstraße, mit Stall im Lehmgrubenweg), Schuhgeschäft Brückheimer
(Bahnhofstraße7), Metzgerei-Bedarfsartikel Gustav Brunngässer (Ecke Hospitalstraße
/Hans-Bardon-Straße ), Manufakturwarengeschäft Leopold Cahn (Maingasse 20), Tabakwarengroßhandlung
Sigmund Cahn (Fischergasse 3), Viehhandlung Gottlieb Häusler (Brummgasse, mit Stall in der
Hans-Bardon-Straße ), Buchdruckerei Häusler (Maingasse 7), Textilkaufhaus Menko Held, Inh. Max Held (Marktplatz 8/10), Café und Mazzenbäckerei Isidor Israel (Maingasse 17), Viehhandlung Isaak Karpf (Lehmgrubenweg 6), Antiquitäten, Hüte und Mützen Daniel/Ernst Klaus (Maingasse 3), Viehhandlung Siegfried Schwarzschild
(Veitsgasse 2 oder 6), Maschinen- und Fahrradhandlung Sigmund Schwarzschild (Ecke
Lindenstraße /Kapellengasse), Buchbinderei und Papierwarenhandlung Isaak Strauß (Maingasse 1), Metzgerei Isaak Strauß (Mühlenstraße
6), Manufakturwarengeschäft Simon Thalmann (Rathausgasse 4, zugl. Stammhaus der Fam. Benario seit 1806).
1933 lebten noch 92 jüdische Personen in
Wertheim. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Einwohner auf
Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und
der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1934 verkündeten
Schilder an den Ortsausgängen, dass Juden in der Stadt unerwünscht seien. Die
"Judengasse" wurde in Gerberstraße umbenannt. Die Städtische
Sparkasse beschloss 1935, keinerlei Geschäft mehr mit Juden zu tätigen. Anfang
November 1938 wurden noch 43 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Das
Kaufhaus Held, das Manufakturwarengeschäft Thalmann, das Schuhhaus Brückheimer
und das Café Israel hatten noch geöffnet. Beim Novemberpogrom 1938
wurden diese Geschäfte und die jüdische Wohnungen demoliert und geplündert.
Auch das Innere der Synagoge wurde demoliert (s.u.). Max Held und Lehrer Sally
Sichel wurden in das KZ Dachau verschleppt. Anfang September 1939 lebten noch 21
jüdische Personen in Wertheim. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 16
jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert.
Von den in Wertheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Moses Adler (1882), Nathan Adler (1885), David Bergmann (1873), Max Bergmann
(1881), Michaeline Bergmann (1881), Mina Bildstein geb. Schwarzmann (1876), Max
Blumenthal (1887), Gerda Braunold geb. Klaus (1893), Katharina Bravmann geb.
Lissberger (1892), Selma Brückheimer (1893), Sophie Brückheimer geb. Wolf
(1860), Emil Cahn (1921), Frida Diamant geb. Adler (1891), Meta Ehrlich geb.
Stumpf (1900), Clara Falk geb. Stumpf (1872), Ida Falk geb. Stumpf (1875),
Moritz Faller (1876), Sophie Frank geb. Arnstein (1867), Frieda Goldschmidt geb.
Thalmann (1891), Ida Gottschalk geb. Faller (1882), Hilda Hammel geb.
Fleischmann (1897), Leo Hammel (1892), Babette (Bertha) Häusler geb. Kaufmann
(1872), Friedrich Häusler (1898), Thekla Heilbrunn geb. Faller (1882), Max Held
(1879), Isidor Israel (1882), Pauline (Paula) Israel
geb. Weil (1884), Emil Kahn (1861), Babette Kauffmann geb. Benario (1863), Klara
Kaufmann geb. Diebach (1895), Emilie Klar geb. Adler (1884), Berta Klauber geb.
Levi (1891), Ernst Klaus (1903), Henriette Klaus (1899), Karoline (Lina) Klaus
geb. Steindecker (1865), Sigmund Klaus (1897), Klara (Cläre) Klein geb. Held
(1885), Meta Krämer (1902), Milli (Mina, Milly) Mai geb. Grünebaum (1894),
Leopold Müller (1889), Pauline Prager geb. Arnstein (1868), Martha Rosenbaum
(1908), Regina Rosenbaum geb. Adler (1881), Betty Rosenbusch geb. Klaus (1891),
Jeanette Smilg geb. Benario (1861), Emil Nehemias Sommer (1874), Albert Spiegel
(1879), Leopold Spiegel (1876), Moses Steindecker (1853), Jetta Strauß (1879),
Max Louis Thalmann (1894), Jenny Ullmann (1890), Cäcilie Weissenstein geb. Held
(1881), Frieda Wolf geb. Adler (1883), Hilde Wolf geb. Spiegel (1886), Moses
Wolf (1878), Karoline Würzburger geb. Lehmann
(1865).
Hinweis: seit 2009 wurden in Wertheim in
mehreren Verlegeaktionen sogenannte "Stolpersteine" zur Erinnerung
an die in der NS-Zeit umgekommenen Personen verlegt. Darüber informieren
einige unten eingestellten Presseartikel
sowie Beiträge von Dieter Fauth und Klaus Schwitt (pdf-Dateien, siehe über die
Linkliste)
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer L. Faller (1889; Lehrer
in Wertheim von 1842 bis 1885)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Oktober 1889:
"Man schreibt aus Wertheim, 23. September (1889). Gestern früh starb
hier im hohen Alter von 80 Jahren der pensionierte Lehrer L. Faller.
Gebürtig aus Grombach, Amt Sinsheim,
kam er im Jahre 1842 hierher zu Versehung der israelitischen
Religionsschule, der er volle 43 Jahre, bis zu seiner vor vier Jahren
erfolgten Zurruhesetzung vorstand, nachdem er bereits fünfzehn Jahre
andere Stellen bekleidet hatte. Im ganzen war er 58 Jahre lang im Schuldienste
tätig. Weit und breit wurde der Verstorbene wegen seines heiteren,
humorvollen Wesens gekannt und geachtet. Vor einem Jahre wurde er vom
Schlage gerührt und seitdem kränkelte er und nur der treuen Pflege
seiner Familie gelang es, sein Leben zu fristen. Ein zweiter Anfall, den
er vor wenigen Tagen erlitt, führte zur allmählichen Auflösung. Eine
zahlreiche, in den geachtetsten Verhältnissen lebenden Nachkommenschaft
sowie viele Freunde beweinen den Hingang des wackeren Mannes." |
Lehrer Gumpert Thalmann ist erkrankt (1893)
Anmerkung (auf Grund der Recherchen von Dieter Fauth, Wertheim):
Gumpert Thalmann ist 1859 in Neubrunn
geboren. Er war - vermutlich als Nachfolger des 1889 verstorbenen Lehrers L.
Faller - Religionslehrer, Vorbeter und Schochet der jüdischen Gemeinde in
Wertheim. Er war verheiratet mit Emilie geb. Gump (geb. 11.4.1867, gest.
6.2.1924 in Wertheim und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt), mit der er vier Töchter
hatte: Jenny (geb. 1891, später Zahnärztin, Dr. med. dent., verh. Stern in
Pforzheim, 1943 in Tel Aviv gestorben), Minka (Mia, verh. Neter siehe weitere
Informationen unten), Ella (geb. 1895, blieb unverheiratet), Karoline (geb.
1899, Towa, verh. Kaplansky in Wertheim); im Oktober 1934 Abmeldung von Gumpert
Thalmann nach Mannheim; noch im selben Jahr nach Palästina
emigriert.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1893: "Wertheim
am Main, 25. Juli (1893). In der hiesigen Gemeinde waltet insofern ein
ungünstiger Zustand, als der sehr tüchtige, allgemein geachtete Herr
Lehrer Thalmann durch eine langwierige Krankheit an das Lager gefesselt
ist. Bereits im Vorjahre hatte Herr Thalmann unter gleicher Krankheit zu
leiden. Er ist zwar Dank Gotteshilfe in der Besserung, kann aber seine
Stelle nicht versehen. Aushilfe in der Schechito leisten die Lehrer der
umliegenden Gemeinden, während der greise Vorstand der Gemeinde, Herr
Spiegel, an Sabbat und Feiertagen das Vorbeten und Vorlesen besorgt.
Allerdings fällt es dem letzteren, der das 81. Lebensjahr vollendet und
im Spätherbst die goldene Hochzeit feiert, beschwerlich. Obgleich die
Gemeinde an 40 Familien zählt, ist Niemand da, der das Vorlesen besorgen
kann und einen Vertreter aushilfsweise zu engagieren, mag man nicht. In
Schechita (Schächten), Mikfah (rituelles Bad) etc. sind die Zustände der
Gemeinde den strengsten Anforderungen entsprechend und der Gottesdienst
ebenfalls." |
Lehrer Gumpert Thalmann hat ein Knabenpensionat eingerichtet
(1902 / 1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1902: "Zöglinge,
welche das hiesige Gymnasium besuchen wollen, finden in meinem Hause gute
Pflege und sachgemäße Aufsicht.
Lehrer G. Thalmann, Wertheim am Main." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Februar
1904: "Wertheim am Main. Knaben vom 9. Jahre an, welche die
hiesige neugegründete 'Deutsche Nationalschule', die hauptsächlich für
das praktische Leben vorbereitet, besuchen wollen, finden in meinem Hause
gute Verpflegung und gewissenhafte Aufsicht.
G. Thalmann, Lehrer. Eintrittszeit: Frühjahr und Herbst. Prospekte
stehen zur Verfügung." |
Lehrer Gumpert Thalmann emigriert nach Erez Jisrael
(1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. Dezember 1934: "Wertheim am Main, 26. November (1934).
Lehrer Thalmann a.D., der annähernd vier Jahrzehnte hier amtierte,
langjähriger Vorsitzender des Vereins israelitischer Lehrer und Kantoren
Badens, verließ uns vor einigen Wochen und siedelte nach Erez Jisroel zu
seinem Sohne über. Wir wünschen ihm drüben einen heiteren und
glücklichen Lebensabend. (Alles Gute) bis 120
Jahre." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
Abschnitt aus einem Beitrag von Berthold Rosenthal "Während des
Dreißigjährigen Krieges. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte der badischen
Juden" in der Monatsschrift des Central-Vereins vom Februar 1926 S.
16: "War aber die Soldateska verschwunden oder einigermaßen Ruhe
eingekehrt, so wurden auch wieder die kleinlichen Anordnungen zur
Drangsalierung der Juden hervorgeholt. In Wertheim beschwerte sich
1633 ein Beamter beim Grafen, weil die Juden kein gelbes Ringlein am Rocke
tragen. Die Judenschaft begründete die Unterlassung einesteils damit,
dass das Tragen dieses Abzeichnens seit 30 Jahren nicht mehr gefordert
wurde und in den benachbarten Städten auch nicht mehr verlangt werde,
anderseits wurde geltend gemacht: 'Würden wir bei jetzigen Kriegszeiten
diese Ringlein tragen müssen, so wären wir unseres Lebens nicht sicher,
wie erst neulich der Jude Männlein, als er auf der Straße ging und ein
Soldat erfuhr, dass er Jude sei, von diesem mit einem Stein zu Boden
geschlagen wurde und fast tot war, auch bis jetzt noch nicht geheilt
ist.' |
Gemeindewahlen 1936 - aber nicht in Wertheim,
sondern in Buchen
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1936: "Wertheim
(Baden), 1. November (1936). Der langjährige Bezirksälteste und
Vorsteher, Leopold Cahn, verlässt unsere Gemeinde, um nach Erez Israel
überzusiedeln. Bei der Gemeindewahl wurden die Herren Adolf Strauß,
Lehrer Wertheimer und Leo Meyer zu Synagogenräten
gewählt." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1936: "Berichtigung.
Bei der Notiz über eine Gemeindewahl, bei der die Herren Adolf Strauß,
Lehrer Wertheimer und Leo Meyer zu Synagogenräten gewählt wurden,
handelt es sich nicht, wir irrtümlich angegeben, um Wertheim,
sondern um Buchen in Baden." |
An den Ortseingängen hängen
Schriftbänder "Juden sind in Wertheim unerwünscht" (1934)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1934: "Würzburg.
Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, hat die Stadtverwaltung in Wertheim
unter den an Ortseingängen angebrachten Schriftbändern, die zum Besuch
der Michaelismesse auffordern, den Satz anbringen lassen: 'Juden sind
in Wertheim unerwünscht'. Von einer gleichartigen Maßnahme wird auch
aus Tauberbischofsheim
berichtet." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Bernhard und Leopold Benario werden in den Gemeinderat
gewählt (1870)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1870: "Wertheim,
6. August (1870). Bei der jüngst dahier vorgenommenen Wahl des
Gemeinderats der hiesigen Stadt wurden die beiden Brüder Bernhard und
Leopold Benario mit Stimmenmehrheit zu Mitgliedern des Gemeinderats
gewählt. - Von 180 abgegebenen Stimmzetteln haben dieselben 178 Stimmen
erhalten und da gesetzlicher Bestimmung gemäß Brüder nicht gleichzeitig
Mitglieder des Gemeinderats sein können, was auch vor der Wahl gehörig
bekannt gemacht wurde, so ist anzunehmen, dass unter den sämtlichen
abgegebenen Stimmzettel sich nur 2 befanden, welche den Namen eines der
beiden bemerkten Brüder nicht enthielten. -
Dieses Wahlresultat gibt ein ehrendes Zeugnis für die Toleranz der
Wähler, welcher ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis und ohne
Rücksicht auf die religiöse Richtung der Gewählten, die durchaus nicht
dieselbe ist, nur auf die Ehrenhaftigkeit und Tüchtigkeit ihrer
Mitbürger ihre Augen gerichtet hatten." |
Zum Tod von Bernhard Benario (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1885: "Wertheim,
16. Februar (1885). Heute Vormittag verstarb plötzlich der Präsident der
Handelsgenossenschaft, Herr Bankier Bernhard Benario. am Herzschlag. Weit
über die Grenzen Badens war der Verstorbene bekannt und geachtet. Er war
Gründer und langjähriger Vorstand des hiesigen Vorschussvereins, der
unter ihm zu großer Prosperität gelangte. Ebenso war er lange Mitglied
des Bezirksrats und Stadtrat. Sein Eifer für alle gemeinnützigen
Bestrebungen erlahmte nie und noch in letzter Zeit war er eifrig für das
Zustandekommen der Bahnverbindung Worms-Würzburg tätig. Von Seiten der
Regierung war auch sein Wirken stets anerkannt und erst vor zwei Jahren
durch Verleihung des Ordens des Zähringer Löwen ausgezeichnet. Die Armen
verlieren in dem Verstorbenen einen stets hilfsbereiten Wohltäter. Ehre
seinem Andenken." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Einzelpersonen
Anzeige der Frau von Leopold Benario (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1891:
"Ich suche eine Köchin, die auch etwas Hausarbeit zu
übernehmen bereit ist.
Wertheim am Main,
Frau Leopold Benario". |
Anzeige des Metzgers J. Müller (1898)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1898:
"Ein kräftiger Junge kann bis 1. November, eventuell bälder
unter günstigen Bedingungen in die Lehre treten. Schabbat und Feiertag
geschlossen, auch könnte ein schon Ausgelernter daselbst eintreten.
J. Müller, Metzger und Wurstler, Wertheim am Main.
Baden." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 24. Dezember 1901: "Metzgerlehrling gesucht.
Ein kräftiger Junge kann unter günstigen Bedingungen sofort oder an
Ostern in die Lehre treten. Schabbat und Feiertag
geschlossen.
J. Müller, Metzger und Wurstler, Wertheim am
Main." |
Anzeige von Ferdinand Häusler, Wertheim (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1901: "Tüchtiger,
junger Mann sucht Stelle in einem Manufaktur- und
Konfektions-Geschäft Eintritt kann sofort erfolgen, Gehaltsansprüche
nach Übereinkunft.
Ferd. Häusler, Wertheim am Main, Baden." |
Anzeige der Herdfabrik Wertheim von Wilhelm Kreß (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901:
"Haushaltungsherd mit Sabbatofen,
letzteren durch vorzüglich regulierbare Füllschachtfeuerung sparsamst in
entsprechendem Brand und Wärme erhalten, Gesamtgröße des Herdes 116 x
80 cm, Sabbatofen 34 cm breit und 37 cm tief, empfiehlt unter Garantie
solid und billigst.
Herdfabrik Wertheim:
Wilhelm Kreß." |
Anzeige von Nathan Adler (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9.Oktober 1902:
"Tüchtiger junger Mann, militärfrei, sucht Stelle in
einem größeren Viehgeschäft.
Nathan Adler, Wertheim am Main." |
Anzeige des Engros-Geschäftes in Mehl und
Getreide (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1904: "Für
mein Engros-Geschäft in Mehl und Getreide suche per Ostern einen Commis
und Lehrling.
Kost und Logis im Hause.
H. Altmann, Wertheim am Main." |
Anzeige der Buchbinderei J. Strauss (1905)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1.
Dezember 1905:
"Ein jüngerer Buchbinder
findet sofort bei leichter und angenehmer Stellung dauernde Arbeit.
Samstags streng geschlossen.
J. Strauss, Wertheim am Main." |
Anzeige von Maier Benario (1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908: "Für
einen geistig etwas schwachen, jedoch körperlich kräftigen jungen Mann Aufnahme
in einem guten Hause gesucht,
wo derselbe mitarbeiten kann. Bedingungen günstig.
Näheres bei dem Vormund
Maier Benario, Wertheim am Main." |
Stellensuche des Metzgereigesellen Max Eisemann, Wertheim am Main (1910)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. April
1912: "Suche zum baldigen Eintritt Stelle als jüngerer Geselle
in einer größeren Metzgerei und Wurstlerei. Gute Zeugnisse zu
Diensten.
Max Eisemann, Wertheim am Main, Maingasse 13." |
Anzeige des Manufaktur- und Wäschegeschäftes Simon Thalmann (1915)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1915:
"Für mein Manufaktur- und Wäschegeschäft suche per sofort 1
jüngeren Commis und 1 Lehrling.
Kost und Logis im Hause. Samstag geschlossen.
Simon Thalmann Wertheim am Main." |
Hochzeitsanzeige von Ludwig Benario und Irene geb. Rosenstock (1924)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1. Mai
1924: "Statt Karten.
Ludwig Benario - Irene Benario geb. Rosenstock. Vermählte.
Hamburg - Wertheim - Stuttgart. 4. Mai
1924.
Hochzeit Stuttgart, Oberes Museum." |
Hochzeitsanzeige von Gustav Thalmann und Kläre geb.
Fleischmann (1924)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 8. Mai
1924:
"Gustav Thalmann - Kläre Thalmann geb. Fleischmann.
Vermählte.
Kattowitz - Wertheim am Main. Mai 1924".
|
Anzeige der "Pension Israel"
(1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1925: "'Pension
Israel'. Wertheim an Main und Tauber.
Telefon 52. Angenehmer Pessach-Aufenthalt.
Vorzügliche streng rituelle Verpflegung. Billige
Preise." |
Anzeige des Bezirksrabbinats Mosbach
(1931)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Unter
Aufsicht des Bezirksrabbinats Mosbach stehen folgende Mazzenfabriken: J.
Israel, Wertheim. S. Lehmann, Wenkheim." |
Verlobungsanzeige von Julie Grünebaum und Manfred Adler (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott
sei gepriesen.
Julie Grünebaum - Manfred Adler. Verlobte.
Frankfurt am Main, Hanauerlandstraße 4 - Frankfurt am Main / Wertheim
am Main.
Schabbat Nachamu 15. Aw / 24. Juli 1937. |
Zusätzliches Dokument - Karte
von Minka (Mia) Neter geb. Thalmann aus
Wertheim
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge
Im Laufe ihrer 700jährigen
Geschichte hatte die Gemeinde fünf Synagogen. Eine Urkunde von Graf
Johann I. von Wertheim vom 24. Dezember 1381 gibt Aufschluss über den Standort
der beiden ältesten Synagogen. Johannes I. gewährte den Wertheimer Juden darin
Steuerfreiheit für eine Liegenschaft, genauer einen Hof samt Hofstatt. Von
dieser wird gesagt, dass sie die "alte Judenschul ist gewest" und dazu, dass sie
"gelegen ist in der Judengassen zu Wertheim". Hier sollten die Juden wieder ihre
"Schule" haben. Aus der Urkunde geht hervor, dass es damals bereits eine alte
und eine neue Judenschule gegeben hat. Beide befanden sich an derselben Stelle.
Man kann vermuten, dass die erste Synagoge bei der Verfolgung 1349 zerstört
wurde und einige Jahre später an derselben Stelle eine neue, zweite Synagoge
aufgebaut wurde. Diese hatte jedoch nicht lange Bestand, da sie 1447 von der
christlichen Bevölkerung zerstört wurde. An ihrer Stelle wurde bis 1452 die
Marienkapelle (Standort bis heute in der Kapellengasse) erbaut, an der bis zur
Gegenwart die Inschrift zu lesen ist: "Anno Domoni 1447 ist hie zerbrochen und
verstort eine Judenschule und angehoben diese Kapelle". Die Inschrift bezieht
sich also auf den Platz dieser ersten beiden Synagogen, die damals in der
Judengasse, heute Kapellengasse standen. Im Gegensatz zum späteren Standort war
dieser sehr nah am Zentrum der Stadt, dem Marktplatz gelegen.
Hinweis: es besteht die Möglichkeit, dass sich im Bereich der
"Marienkapelle" eine mittelalterliche Mikwe befindet. Weitere
Untersuchungen folgen.
Dazu Artikel in den "Fränkischen Nachrichten" vom 23. März 2012:
"Birgt
die Marienkapelle eine Mikwe?"
Nach der Wiederaufnahme der Juden 1449 bestand eine dritte
Synagoge ("Judenschule", 1520 genannt) im sogenannten Brückenviertel unweit
des Spitzen Turms. Es wird sich um einen sehr einfachen Bau gehandelt haben. Der
Synagogenstandort war zwar noch innerhalb der Stadtmauer, jedoch deutlich an den
Rand gedrängt. 1592/93 wurde diese Synagoge neu erbaut (vierte
Synagoge). Beim Abbruch der Synagoge 1961 wurde die Bauinschrift dieser
Synagoge gefunden mit dem hebräischen Text (übersetzt): "Haus der Versammlung,
du bist (oder: dieser ist) erbaut worden im Jahre 353 der kleinen Zeitrechnung
(= 1592/93) zum zweiten Male". Der letztgenannte Zusatz beweist, dass die
Synagoge von 1449 bereits an dieser Stelle im Brückenviertel stand.
Die fünfte Synagoge wurde 1798/99 erbaut, in
der bis 1938 Gottesdienste abgehalten wurden (Standort identisch mit dem der
dritten und vierten Synagoge an der Stadtmauer zwischen Gerbergasse 18 und
Spitzem Turm). Bei dieser Synagoge handelte es sich um einen relativ
schmucklosen Bau. Von ihrer Geschichte ist wenig bekannt. Im Revolutionsjahr
1848 kam es zu einem Streit zwischen der Stadtverwaltung und dem Synagogenrat
wegen der Übernahme der Kosten für die durch den Abbruch der Stadtmauer
notwendig gewordenen Baumaßnahmen im Eingangsbereich der Synagoge. Einige Jahre
später gab es Probleme mit dem christlichen Schmiedmeister Philipp Adelmann.
Dieser hatte neben der Synagoge ein Haus mit Schmiedewerkstätte errichtet, in
der er auch während des jüdischen Gottesdienstes arbeitete und somit regelmäßig
dessen Ruhe störte. Da auch die jüdischen Gottesdienste nach den Gesetzen der
badischen Landesregierung vor Störungen solcher Art geschützt waren, wurde auf
die Anzeige der jüdischen Gemeinde hin Adelmann mit 30 Gulden Strafe belegt.
Über das gottesdienstliche Leben in der Wertheimer
Synagoge liegen einige Berichte in den Tagebuchnotizen des Haller Professors
Ulrich Gerhardt vor, der zwischen 1907 und 1930 mehrfach die Gottesdienste in
Wertheim besuchte und sich zu den Besonderheiten Aufschriebe machte. Der 1875
geborene Gerhardt erinnerte sich auch an "seine Jugend", als in Wertheim die jüdischen
Männer noch in ausgesprochener Festkleidung, das heißt mit Gehrock und
Zylinderhut die Synagoge besuchten. Inzwischen sei mehr und mehr der "gute Anzug"
an deren Stelle getreten. Nach den von Gerhardt 1907 gemachten Aufzeichnungen
war die Wertheimer Synagoge 130 Jahre alt, also im Unterschied zum oben
angegebenen Jahr bereits 1777 erbaut worden. Vor vier Jahren, somit 1903 sei sie
letztmals renoviert worden. Am 17. September 1907, beim Eingangsgottesdienst zum
Jom Kippur hatte Gerhardt seinen Platz an der Misrach-Wand (Ostwand beim
Toraschrein) neben dem damaligen Gemeindevorsteher Benario. Er beschrieb die
Synagoge als sehr traditionelles Bethaus mit einem "nach alter Art" in der Mitte
stehenden und über ein paar Stufen erreichbaren Almemor und dem rechts von der
Lade stehenden Betpult. Die auch in Wertheim in Wimpeln (bestickte
Beschneidungswindeln) eingewickelten, aber nicht mit Rimonim geschmückten
Torarollen waren an diesem Tag in weiße Mäntel gehüllt, auch die Vorhänge
vor dem Toraschrein waren weiß. Eine ganz altertümliche Tradition entdeckte
Gerhardt über dem Almemor: hier war in einem an der Decke aufgehängten Magen
David (Davidstern) eine Mazze (ungesäuertes Brot) aufbewahrt. Im 18.
Jahrhundert soll dieser Brauch in vielen Synagogen Deutschlands verbreitet
gewesen und dann immer mehr zurückgegangen sein. Merkwürdigerweise war in
Wertheim eine andere Sitte verschwunden, da in der Synagoge kein Priestersegen
mehr erteilt wurde. Dies wurde zwar in der Gemeinde "als Fehler empfunden", aber
dennoch nicht verändert. Am 13. September 1912, dem zweiten Tag des
Neujahrsfestes, war Gerhardt wiederum zum Gottesdienst in der Wertheimer
Synagoge. Die Männer trugen fast alle ihre Sterbekleider ("Sargenes"). Ein Mann
ohne Sargenes trug den Tallit über seinem Hut. Bei den in weiß gehüllten
Torarollen fiel Gerhardt der schöne Silberschmuck auf (Ez Chajim, Kronen,
Toraschilder und Jad). Zahlreiche liturgische Besonderheiten, die Gerhardt aufzählte,
können hier nicht ausführlich dargelegt werden, da dies ohne längere Erklärungen
nur für einen im jüdischen Gottesdienst Kundigen verständlich wäre. Als
Gerhardt im September 1929 einen ganz gewöhnlichen Freitagabendgottesdienst in
Wertheim besuchte, war er überrascht über die relativ leere Synagoge. Der neue
Chasan (Vorbeter) Sally Sichel ("ohne Bart") erfreute ihn jedoch mit seinem sehr
guten Gesang. Auch sonst trug er alles "sehr schön" vor. 1930 war Gerhardt noch
zweimal zu den Gottesdiensten in Wertheim, zuletzt am Neujahrsfest (23.
September 1930). Nach dem Einheben der Tora wurde dabei eine Predigt des
Mosbacher Rabbiners vorgelesen.
Bis 1938 blieb die Synagoge
Mittelpunkt des gottesdienstlichen Lebens der jüdischen Gemeinde. Nachdem inzwischen viele Juden die Stadt
verlassen hatten, verkaufte im Spätsommer 1938 die jüdische Gemeinde unter
ihrem letzten Vorsitzenden Sigmund Cahn das Synagogengebäude an die Stadt. Im
Gemeinderatsprotokoll vom 23. September 1938 findet sich die den Ratsherren
gemachte Mitteilung: "Die Gemeinderäte nehmen davon Kenntnis, dass die Stadt
die Synagoge zum Preise von 3.000 RM erworben hat. Dem Kauf wird zugestimmt".
Als knapp sieben Wochen später beim Novemberpogrom 1938 der zur Einäscherung
der Synagoge abgeordnete Trupp bereits im Begriff war, den Brand zu legen, wurde
dies in letzter Minute durch die Eröffnung des herbeigeeilten städtischen
Protokollanten verhindert. Er wies darauf hin, dass es sich bei der Synagoge um
städtisches Eigentum handle. Dennoch wurde die Inneneinrichtung verwüstet. Die
Torarollen und einige weitere Kultgegenstände konnten auf das Rathaus gebracht
werden. Durch das Eingreifen des damaligen Stadtarchivars lagerten sie hier bis
nach Kriegsende.
Nach 1945 kam das Gebäude an die jüdische Vermögensverwaltung
(JRSO), die es ihrerseits 1949 an die Stadt Wertheim verkaufte. 1949 wurden in
der ehemaligen Synagoge Lagerräume und eine Unterkunft für die
Stadtschreinerei eingerichtet. Ende Februar 1961 wurde das Gebäude beim
Ausbau der Rechten Tauberstraße abgerissen. Am 12. August 1976 wurde am
Synagogenstandort (an der Innenseite der Stadtmauer am Neuplatz) eine
Gedenktafel angebracht. Unweit der Synagoge befand sich am Neuplatz ein
rituelles Bad (abgebrochen). Der Neuplatz wurde 2002 bis 2004 neu
gestaltet und bebaut. Dabei wurde auf eine Bebauung im Bereich der ehemaligen
Mikwe verzichtet. Im Bereich der ehemaligen Synagoge wurde eine "reduzierte
Bebauung" vorgenommen. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde die Gedenktafel
von 1976 an der hinteren Stadtmauer im Innenhofneubau am Neuplatz (Gerbergasse
16) angebracht. Auch der Türsturz der Synagoge von 1799, der in der
Kilianskapelle aufbewahrt worden war, wurde hier angebracht (Inschrift von
1799: "Moralische Belehrung an die Menschen der jetzigen Generation,
die den Bau des Tempels erlebt in Verbundenheit mit den Vorvätern"; 2.
Zeile: "In diesem uns Gutes verkündenden Jahr den Erbauern des Tempels,
der in unseren Tagen geschwind aufgebaut wird").
Überlegungen zur Neugestaltung der Gedenkstätte am Neuplatz werden seit
2012 durch den Bürgerverein "Pro Wertheim" angestellt. Die dort
vorhandene Gedenktafel soll künftig von weitem sichtbar sein; in der Ecke neben
der Tafel soll auf einem Sandsteinsockel ein Lesepunkt mit einem Gedenktext an
die Deportation der Wertheimer Juden errichtet werden. Auch eine Namensliste mit
den Namen der ermordeten jüdischen Wertheimer könnte hier einen Platz finden.
Diskutiert wird auch ein "Schattenwurf" der ehemaligen Synagoge auf
dem Kopfsteinpflaster mit einer weiteren Tafel mit Fotos der früheren Synagoge.
Zudem könnte an die frühere Mikwe erinnert werden und ein Stichteil der
Gerbergasse in "Am Synagogenhof" umbenannt werden.
Link
zum Artikel in den "Fränkischen Nachrichten" vom 23. März 2012:
"Wider das Vergessen. Bürgerverein Pro Wertheim will sich dem Gedenken an
die Juden und ihrer wichtigen Bedeutung für die Stadt Wertheim annehmen. Birgt
die Marienkapelle eine Mikwe?..."
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: links im Buch von Ehmer s. Lit. 1979 S. 172; rechts bei
Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 220)
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Die Synagoge am Neuplatz
(1798/99-1938) |
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Blick über die Dachlandschaft beim
Spitzen Turm; davor Giebel der
Synagoge |
Synagoge in Wertheim, dahinter
der Spitze Turm |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Das Synagogengebäude 1956
(Quelle: HStAS EA 99/001 Bü. 305 Fotosammlung) |
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Wenige
Jahre vor dem Abbruch ist die ehemalige Synagoge
inzwischen in
baufälligem Zustand. |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Inschrift am Türsturz des nordöstlichen Eingangs zur Marienkapelle,
erbaut 1447
an Stelle der ehemaligen Synagoge: "...ist hie zubroche
und verstort worde eine
iudenschule und angehobe diese capelle") |
Der nordöstliche, zum Marktplatz
hin orientierte Eingang zur
Marienkapelle |
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Blick über den ehemaligen Synagogenplatz (Vordergrund) zum Spitzen Turm |
dass.; die Gedenktafel befindet sich
an der Hauswand rechts |
Gedenktafel zur Erinnerung
an die zerstörte Synagoge |
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Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003, mit * vom
19.3.2005) |
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| Die Marienkapelle
am Standort der mittelalterlichen Synagoge (links und rechts *) |
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| Eingang zum Marktplatz |
Inschrift über dem Eingang |
Vergrößerung der Inschrift
(s.o.) |
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| Hinweisschild |
Die 2003
durchgeführte Neuplatz-Bebauung im Bereich der 1938 zerstörten Synagoge |
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Synagogengrundstück mit
Gedenkstätte 2005
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 19.3.2005) |
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Ehemaliges
Synagogengrundstück,
heute Touristeninformationsbüro |
Bauinschrift der Synagoge
von
1799 (s.o.), darunter
Gedenktafel |
Die Gedenkstätte für die
Synagoge
in einem kleinen Hinterhof
bei der Touristeninformation |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juli 2009:
Stolperstein-Projekt in Wertheim |
Artikel von Nadine Schuon in den
"Fränkischen Nachrichten" vom 2. Juli 2009 (Artikel):
Stolpersteinprojekt: Sechs Schüler beweisen viel Engagement, um deportierte Wertheimer Juden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen
- Den Opfern den notwendigen Respekt zollen
Wertheim. Ein Zeichen für die Opfer des Nationalsozialismus in Wertheim setzen, damit diese nicht vergessen werden, haben sich sechs Schüler der Comenius Realschule zum Ziel gesetzt. "Ein Mensch ist erst dann in Vergessenheit, wenn sein Name vergessen ist", sagte einst der Künstler Gunter Demnig, der das Kunstprojekt Stolpersteine ins Leben rief.
Dieses Projekt soll die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfern im Nationalsozialismus lebendig erhalten. Zum Gedenken an die Opfer werden vor ihren ehemaligen Häusern kleine Gedenksteine in der Größe eines Pflastersteines in den Boden eingelassen, über die die Passanten im übertragenen Sinne stolpern sollen.
"Um den Stein lesen zu können, muss man sich vor dem Opfer verbeugen", lautet ein weiteres Zitat des Künstlers. Bereits in 300 europäischen Städten wurden solche Stolpersteine verlegt. Im Rahmen ihrer Kompetenzprüfung für die Mittlere Reife setzen sich Derya Yilmaz, Franziska Rosinsky, Maike Stöhr, Carolin Müller, Max Birkholz und Simon Merkert dafür ein, dass solche Gedenksteine bald auch in Wertheim zu finden sein werden.
Als Klaus Schwitt, der sich seit längerer Zeit privat um das Projekt bemüht, zu Beginn dieses Schuljahres den Zehntklässlern das Stolpersteinprojekt als mögliches Thema für ihre Kompetenzprüfung vorgestellt habe, seien sie sofort mitgerissen gewesen, verriet Derya Yilmaz. Im vorangegangenen Schuljahr habe man die Zeit des Nationalsozialismus in der Schule behandelt und sei von den schrecklichen Verbrechen zutiefst schockiert gewesen.
"Zum einen haben wir in dem Projekt eine Möglichkeit gesehen, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und so unseren persönlichen Teil zur Wiedergutmachung des verübten Unrechts beizutragen. Für uns in Wertheim war es zum anderen aber auch interessant, etwas über die Geschichte unserer Stadt und die Ereignisse zur Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren", erzählte Franziska
Rosinsky. Die Schüler hatten sich in zwei Gruppen mit je drei Teilnehmern zusammengefunden und ab Februar mit den Arbeiten an dem Projekt begonnen. Im Internet, in diversen Archiven und alten Zeitungsartikeln recherchierten sie über mehrere Wochen hinweg, um mehr über das Leben einiger jüdischer Bürger Wertheims zu erfahren. Mit den Informationen erstellten sie Biografien von Max Held, Frieda Goldschmitt und der Familie Klaus und bereiteten kleine Ausstellungen vor, in denen sie über deren Leben und das Stolpersteinprojekt informieren.
Gleichzeitig sammeln sie Spenden, um die Verlegung der Stolpersteine zu finanzieren. Ein Standort der Stolpersteine wird das Haus in der Maingasse 3 sein, in dem Karoline Lina Klaus mit ihrer Familie lebte. 1940 wurde sie mit ihrer Tochter Henriette nach Gurs deportiert und 1942 für tot erklärt, während ihre Tochter als verschollen gilt. Einziger Überlebender der Familie Klaus ist ihr Sohn Philip, der bereits 1926 in die USA ausgewandert war.
Ein weiterer Stolperstein soll für Frieda Goldschmitt geb. Thalmann in der Rathausgasse 4 angebracht werden. Sie wurde ebenfalls 1940 nach Gurs deportiert und später im Konzentrationslager Auschwitz hingerichtet. Ihre Schwester Meta, die zusammen mit ihrem Vater Simon überlebte, versuchte später die Ansprüche ihrer Familie geltend zu machen.
Auch am Marktplatz 8 bis 10, wo Max Held bis 1939 mit seiner Frau und seinen drei Töchtern lebte und ein Textilkaufhaus unterhielt, soll ein Stolperstein angebracht werden. Die Familie hatte stark unter dem Boykott der jüdischen Geschäfte zu leiden. In der Reichspogromnacht 1938 wurde das Kaufhaus von Max Held schwer beschädigt. Auch er wurde 1940 nach Gurs deportiert und starb im KZ Auschwitz. Obwohl die jüdischen Bürger durch Diskriminierungen und Schikanen immer stärker an den Rand des gesellschaftlichen Lebens gedrängt wurden, gab es auch Wertheimer, die ihnen halfen, indem sie beispielsweise weiterhin heimlich bei ihnen kauften. Das und noch einiges mehr kann man den informativen Plakaten der Schüler entnehmen.
Der Antrag zur Genehmigung der Gedenksteine wurde bereits vor kurzem bei Oberbürgermeister Stefan Mikulicz eingereicht. "Viele Menschen sind begeistert von dem Projekt und unterstützen die Idee, durch Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern", berichteten die Schüler, die an den Orten ihrer Ausstellungen auch zum Gespräch bereit stehen. Und an ihrem großen Engagement kann man erkennen, dass die Aktion "Stolpersteine" für sie mehr ist als ein bloßes Schulprojekt.
Die Ausstellungen sind bis Montag, 6. Juli, in der Stiftskirche, der Marienkapelle und der Stadtbücherei zu sehen. |
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| September 2009:
"Stolpersteine" werden am 29. September
verlegt |
Artikel (hvb) in den "Fränkischen
Nachrichten" vom 9. September 2009: Projekt Stolpersteine: Mahnmale für jüdische Mitbürger, die Opfer des Holocaust wurden, werden am 29. September von Künstler Gunter Demnig verlegt
Geschichte leibhaftig und direkt erleben.
Wertheim. Das Projekt "Stolpersteine in Wertheim" hat ein Etappenziel erreicht: Der Termin für die Verlegung der ersten Steine durch Gunter Demnig steht fest. Am 29. September wird der Künstler und Ideengeber des größten dezentralen Mahnmalprojekts weltweit die ersten Messingsteine in Wertheimer Straßen pflastern, so die Information der Projektgruppe bei einem Pressegespräch am Montag.
16 Schüler, ein Dutzend von der Comenius Realschule sowie vier vom Wirtschaftsgymnasium, bildeten das Salz in der Suppe zum Gelingen. Vater des Wertheimer Stolpersteinprojekts ist Klaus Schwitt. "Den Anfang bildete das Gedenkbuch ermordeter Juden im Holocaust, das ich im jüdischen Museum in Berlin durchblätterte", berichtet er. Hier fand er Namen, die den Orten Külsheim oder Wertheim zugeordnet waren. Zu Hause recherchierte er im Internet im Gedenkbuch von Yad Vashem, der zentralen Gedenkstätte für die Opfer und Helden des Holocausts in Israel, und fand dort Wertheimer, die während der nationalsozialistischen Herrschaft vergast oder sonst wie zu Tode kamen.
Witt nahm Kontakt zu Günter Demnig auf, und so reifte die Idee zu einem Schülerprojekt. Nachdem eine Resonanz vom Gymnasium ausblieb, wandte er sich an die Realschule, bei der er in Dr. Dieter Fauth einen historisch versierten und pädagogischen Partner fand. Schwitt stellte seine Unterlagen als Basis zur Verfügung, berichtete vom sogenannten Dritten Reich. Er fragte, ob sich die Schüler vorstellen könnten, dass Mitschüler plötzlich einfach so verschwänden, und stieß bei diesem Gedankenspiel auf Betroffenheit.
"Mir kam es darauf an, dass die Schüler Geschichte leibhaftig erleben", so Schwitt. Und auch Fauth stellt fest, dass Geschichte am konkreten Beispiel und auf der Suche nach persönlichen Schicksalen für Schüler Identifikationen birgt, die auch dann Spaß machen, wenn sie mehr Arbeit als üblich bedeutet.
Dieter Fauth und Klaus Schwitt haben einen ausführlichen Werkstattbericht zum Projekt "Stolpersteine in Wertheim" gefertigt, der auch das Kunstprojekt von Gunter Demnig beleuchtet. Die vier Projektarbeiten der Schülergruppen, die neben konkreten Schicksalen von Wertheimer Familien auch zuvor festgelegte Aspekte des Naziregimes genauer unter die Lupe nehmen, runden die Berichte ab. Der Anfang für die "Stolpersteine in Wertheim" ist also gelegt.
22 Schicksale sind jetzt so aufbereitet, dass sie den Kriterien von Gunter Demnig entsprechen. Danach sollen die ermordeten Juden 1933, als die Nazis an die Macht kamen, in Wertheim gelebt haben und bis zum Ende der NS-Diktatur zu Tode gekommen sind. Ende September werden die ersten Stolpersteine verlegt, ein weiterer Termin folgt. Auf etwa 50 schätzt Fauth die Anzahl der Gedenktafeln aus Messing, die einmal in Wertheim an das Schicksal der ehemals jüdischen Mitbürger erinnern werden.
Maike Stöhr, Max Birkholz und Simon Merkert, die beim Pressetermin dabei waren, stehen zu ihrer Arbeit. "Am Anfang hatten wir nur die Namen, jetzt haben wir die Geschichte zu den Namen", sagt Sprecherin Maike Stöhr. Ihre Gruppe hatte bereits der Zeitzeuge Max Mannheimer, der vor zwei Jahren in der Schule hautnah erzählte, beeindruckt. Er war die Initialzündung für die Bereitschaft, sich mit der dunklen deutschen Vergangenheit zu beschäftigen und immer wieder danach zu fragen, wie das alles fast ohne Einspruch geschehen konnte.
Die Paten des Projekts, Renate Gassert und Bernd Hartmannsgruber, werden privat ebenso eine Patenschaft übernehmen wie die Stadt Wertheim als Kommune.
Für Schirmherr Stefan Mikulicz bedeutet die Vernichtung der Juden eine Verarmung und Auszehrung einer Gesellschaft. Für ihn sind die Stolpersteine ein Zeichen der Solidarität. Hans-Peter Otterbach, Rektor der Comenius Realschule betont, dass für ihn Paten von Stolpersteinen und Spender nicht zwingend im Zusammenhang stehen müssen. Stolpersteine nämlich sind ein Kunst- und kein Prestigeobjekt, mit dem es sich zu schmücken gilt. Gunter Demnig hat sein Konzept einmal so beschrieben: "Um den Stein lesen zu können, muss man sich vor dem Opfer verbeugen." hvb.
Die Stadt Wertheim hat ein Spendenkonto eingerichtet bei der Sparkasse Tauberfranken, BLZ 67352565, Kontonummer 3020104 unter dem Stichwort "Comenius Realschule Stolpersteine (Kunst und Kultur)". Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, kann sich direkt bei der Comenius Realschule Wertheim unter Telefon 0 93 42 /91 88 90 melden. |
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| Ende September 2009:
Verlegung von
"Stolpersteinen" |
Artikel in den "Fränkischen
Nachrichten vom 1. Oktober 2009:
Stolpersteine - Am Dienstagnachmittag verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten elf Gedenksteine für ermordete Juden vor deren ehemaligen Häusern
- "Manchmal muss ich um die Ecke gehen . . ."
Wertheim. Eine Rose in der Hand oder einen Zettel zwischen den Fingern, daneben ein Mann mit einem weit hinunter gezogenen Hut, der kniend mit einer Maurerkelle am Pflaster hantiert. Um ihn ein dunkel gekleidetes Grüppchen - rund 30 Menschen, das sich am Dienstagnachmittag in der Wertheimer Altstadt eingefunden hatte, um der Verlegung der ersten elf Stolpersteine beizuwohnen. Damit wird ehemaliger Mitbürger gedacht, die während des Nazi-Regimes ermordet wurden.
Der Mann mit Schlapphut heißt Gunter Demnig, ist Kölner Künstler und Initiator des mittlerweile weltweit größten dezentralen Mahnmals. Wertheim hat Demnig zwischen Veitshöchheim und Würzburg als Station eingeschoben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Initiatoren, der sich selbst als Bürger bezeichnende Klaus Schwitt und der Lehrer an der Comenius Realschule Dr. Dieter Fauth, das Stolpersteinmahnmal vor Ort als Schülerprojekt konzipiert haben.
"Gerade junge Menschen wollen wissen, warum das eigentlich geschehen konnte, und wollen, dass so etwas nie wieder passiert", sagt Demnig. Manchmal reisen zur Verlegung der Stolpersteine Angehörige über tausende von Kilometern an. Wenn an die Opfer erinnert wird, geht das auch Demnig nahe. Vielleicht trägt er deshalb diesen tiefen Schlapphut. "Manchmal", so Demnig, "muss ich um die Ecke gehen."
Der erste Verlegeort der Stolpersteine mit Messingoberfläche, eingravierten Namen und stenographisch skizziertem Schicksal, ist die Maingasse 3. Dort, vor der jetzigen Buchhandlung Rahn, liegen sieben Stolpersteine nebeneinander und glänzen im Sonnenlicht. Sieben Steine sind sieben Schicksale einer einzigen Familie: der Familie Klaus. Und dort, in diesem Haus der jüdischen Familie Klaus, wurden in nationalsozialistischer Zeit alle Juden zusammengetrieben und unter unwürdigen Bedingungen festgehalten.
Nächste Stolpersteinverlegestelle ist der Marktplatz 8 bis 10. Hinter einen Palmenkübel vor dem jetzigen Café am Marktplatz muss sich der Künstler zwängen, um die zwei Steine für die ehemals ehrbaren Bürger und Kaufhausbesitzer Max und Johanna Held einzulassen. Deren Lebensgeschichte wird ebenso verlesen wie das zuvor die Paten für die Steine der Klaus-Familie getan haben. OB Stefan Mikulicz hat von der Erinnerung an die Vergangenheit und vom Verneigen vor den Opfern gesprochen.
In der Rittergasse wurden die letzten beiden Steine für Hilda und Leo Hammel verlegt. Leo Hammels Pate ist Klaus Schwitt. Beim Erzählen über die Lebens- und Leidensgeschichte des "politischen Juden" - Hammel war Kommunist - versagt ihm die Stimme. Zwei Jahre hat er sich mit der Vita dieses Wertheimer Bürgers befasst, von dem er eine Fotografie zeigt: Ein Mann mittleren Alters mit ordentlicher Kurzhaarfrisur und Anzug. Das Opfer erhält ein Gesicht.
Weitere Stolpersteine sollen im Frühjahr kommenden Jahres verlegt
werden. Wer Pate werden möchte, kann sich bei Hans-Peter Ottenbach unter Telefon 0 93 42 / 91 88 90 melden. Hinweise auf NS-Opfer nimmt Klaus Schwitt unter Telefon 0 93 42 / 18 29 entgegen. |
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| April 2010:
Weitere elf "Stolpersteine" wurden
verlegt |
Artikel (ber) in den "Fränkischen
Nachrichten" (fnweb.de) vom 28. April 2010 (Artikel):
"'Stolpersteine': Elf Gedenksteine vor vier Häusern in der Altstadt verlegt
- Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes
Wertheim. Elf "Stolpersteine" wurden als Erinnerungsmale am Montagnachmittag an vier früheren Wohnhäusern von ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern verlegt, die unter dem Nazi-Regime dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Steine wurden, wie schon bei der ersten Aktion im September 2009, vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, der das Projekt
'Stolpersteine' initiiert hat.
Rund 50 Interessierte trafen sich zu Beginn in der Bahnhofstraße 4, um am ehemaligen Wohnhaus der jüdischen Mitbürgerinnen Sophie, Selma, Hilda und Hedwig Brückheimer die Verlegung der "Stolpersteine" zu begleiten. Denise Voit, Lehrerin an der Comenius Realschule, erinnerte in ihrer Begrüßung auch an die erste Aktion, bei der auf Initiative von Wertheimer Schulen im September 2009 elf
'Stolpersteine' verlegt wurden (wir berichteten). Wie Dieter Fauth, neben Klaus Schwitt und Hans-Peter Otterbach einer der Wegbereiter des Projekts
'Stolpersteine' in der Main-Tauber-Stadt, sagte, sollen nach und nach für alle Opfer aus Wertheim Gedenksteine angebracht werden.
Bei der Verlegung der "Stolpersteine" gingen die Paten jeweils auf den Lebenslauf und die Geschichte der jüdischen Mitbürger ein, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen.
Der 'Stolperstein' sei für ihn so bedeutsam, "weil er das anonym verhängte Leidensverbot in unserer fortschrittlichen Gesellschaft unterläuft", erklärte dabei Oberstudiendirektor Dr. Norbert Stallkamp. Befinde man sich nicht, genährt von der Illusion einer völlig leidfreien Gesellschaft, auf der Flucht vor dem Leiden?
Vor fast 40 Jahren habe sein Professor, Dr. Johann Baptist Metz, an der Universität Münster darauf aufmerksam gemacht, als er in einer Vorlesung fragte:
'Können wir nach Auschwitz überhaupt noch Theologie betreiben?' Ohne die Erinnerung, so Metz damals, mag es Fortschritte in der Technik und der Zivilisation geben.
'In Sachen der Wahrheit kommen wir ohne Erinnerung nicht weiter.'
Auf die besondere Verantwortung der Christen, den Holocaust nicht zu vergessen, machte Dekan Hayo Büsing aufmerksam, als in der Maingasse 20 für Gottlob und Friedrich Häusler Gedenksteine verlegt wurden, für die die Stiftspfarrei Wertheim die Patenschaft übernommen hat.
Dekan Büsing zitierte dazu auch aus einer Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 18./19. Oktober 1945 in Stuttgart.
Darin heißt es unter anderem: 'Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt
haben.'
Neben einem weiteren 'Stolperstein' für Babette Häusler in der Maingasse 20 wurden außerdem in der Friedleinsgasse 2 zwei Gedenksteine für die Brüder Heinz-Josef Hammel und Robert Hammel (siehe auch separaten Artikel) sowie in der Rathausgasse 4 zwei
'Stolpersteine' für Frieda Goldschmidt, geborene Thalmann, und Max Thalmann
verlegt." |
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| Juli 2010:
Vorbereitungen für die nächste "Stolpersteine"-Verlegung
im September 2010 |
| Artikel von Karin Hussy im
"main-netz.de" vom 16. Juli 2010 (Artikel):
"Paten
für Stolperstein-Projekt gesucht. Mahnmal: Dritte Verlegung am 23.
September - Zwölf weitere Schicksale von Wertheimer Juden im Mittelpunkt"
(Artikel eingestellt als pdf-Datei) |
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| Oktober 2010:
Gedenken an die Deportation nach Gurs im Oktober
2010 |
Artikel von Robert Weissensee in den "Fränkischen Nachrichten"
vom 25. Oktober 2010 (Artikel):
"Erinnerung an die Vertreibung der Juden vor 70 Jahren nach Gurs: Eindrucksvolle Gedenkfeier regte auch zum Nachdenken an.
Aufruf zur politischen Wachsamkeit
Wertheim. Große Resonanz fand eine eindrucksvolle ökumenische Gedenkfeier anlässlich der Deportation von ehemaligen jüdischen Mitbürgern Wertheims vor 70 Jahren nach Gurs (siehe auch weitere Berichte). Nach einer Stadtführung feierte man einen Gedenkgottesdienst in der Marienkapelle, die dabei komplett gefüllt war. Danach zog man in einem Schweigezug durch die Stadt zum Neuplatz, wo der 78 Wertheimer Opfer gedacht wurde.
Dekan Hayo Büsing sagte in dem Gottesdienst: "Christenmenschen haben während des langen jüdischen Leidenswegs durch die Geschichte allzu oft geschwiegen oder gar mitgeholfen, die Pfade des Grauens zu ebnen. Dieser Schuld stellen wir uns heute, ohne Wenn und Aber. Die Kirchen, die lange Zeit geschwiegen haben, erheben heute ihre Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus, treten für die Rechte anderer ein und rufen zur politischen Wachsamkeit und zur Zivilcourage auf."
Der Dekan erinnerte an die Geschichte der 1447 auf den Grundmauern einer mittelalterlichen Synagoge errichteten Marienkapelle und an die Verfolgungsgeschichte der jüdischen Gemeinde. Er zeigte den Besuchern der Feierstunde ein altes medizinisches Buch aus der historischen Kirchenbibliothek, dessen Pergamenteinband Teil einer hebräischen Bibelhandschrift aus dem 14. Jahrhundert war, und vermutete die Herkunft aus der hier befindlichen ehemaligen Judenschule. Da Pergament ein wertvolles Material war, wurde es als Einband weiterverwendet. Als Zeichen der Aussöhnung mit den Überlebenden des Holocaust zeigte er einen Rimon (hebräische Bezeichnung für Granatapfel), der einst den Stab einer Thorarolle zierte und den Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Karl-Josef Scheuermann bei einem Besuch in Israel geschenkt bekam.
Pastoralreferent Johannes Varelmann, der die Feier moderierte, leitete zu einem von Dr. Dieter Fauth verfassten detaillierten geschichtlichen Hintergrund der jüdischen Gemeinde in Wertheim über. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 (evangelische Religionsgruppe) der Comenius Realschule informierten ausführlich.
Von einer anderen Seite her beleuchteten die Jugendlichen dann die Geschehnisse vor 70 Jahren mit bewegenden Schilderungen des Zeitzeugen Kurt Salomon Maier. Der inzwischen für seine Versöhnungsarbeit mit dem Verdienstorden des Landes ausgezeichnete Zeitzeuge aus Washington hat seine Kindheitserlebnisse der Deportation und das Leben im Lager Gurs literarisch verarbeitet. Zeit zum Nachdenken gab es durch gemeinsam gesungene Lieder und Musik. Frieder Dosch an der Orgel begleitete auch Pfarrer Jürgen Steinbach, der hebräische Weisen einfühlsam auf seiner Klarinette spielte.
Sehr persönliche Eindrücke über die Anfänge des Gedenkens und der Begegnung mit den Überlebenden sprach der Wertheimer Ehrenbürger Helmut Schöler. Als Schüler spürte er auf seinem Schulweg vorbei am jüdischen Friedhof oft Scheu und Beklommenheit. Niemand habe über die Wertheimer Juden gesprochen. Sie waren einfach verschwunden, so Schöler. Intensiven Kontakt mit der jüdischen Welt bekam er 1967, als er in Jerusalem eine Glasinstrumentenfabrik eröffnete. Er bezeichnete die Einladung durch den damaligen Bürgermeister Karl-Josef Scheuermann und den Besuch der überlebenden Wertheimer Juden und ihrer Kinder im Jahre 1975 als eine "Großtat voll Verantwortungsbewusstsein und menschlicher Wärme."
Helmut Schöler erinnerte an die durchaus zwiespältige Reaktion in der Bevölkerung auf diese wichtige Versöhnungsarbeit. Er sprach von seinen Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten in Israel, die ihre Wurzeln in Wertheim haben, und lobte das Engagement der Schüler der Comenius Realschule beim Gedenken an die Opfer.
Mit eigenen Worten fassten die jungen Leute ihre Gedanken an die Grausamkeiten der Diktatur in Klagen und ihre Hoffnungen für eine tolerantere Welt zusammen und bekannten: "Wir schämen uns selbst für das Handeln anderer vor 70 Jahren und bedauern, dass es so eine Zeit jemals bei uns gab."
Die Besucher der Feierstunde zogen dann schweigend mit 78 Kerzen für die 78 Opfer durch die Altstadt zum Neuplatz. Dort verlasen die Jugendlichen die Namen der jüdischen Mitbürger Wertheims, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Mit "Scholem sol sajn", gespielt vor Jürgen Steinbach auf der Klarinette, fand die Feierstunde einen würdigen Abschluss. Für jedes Opfer stellten die Teilnehmer des Gedenkens eine Kerze zur Form eines Davidssterns, der noch lange in die Nacht hinein am Neuplatz, dem Ort der letzten Synagoge, an die Gedenkfeier erinnern sollte." |
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| November 2011:
Vierte Verlegung von "Stolpersteinen"
in Wertheim und Dertingen |
Artikel von Alexander Gutmann in den
"Fränkischen Nachrichten" vom 19. November 2011:
"Stolperstein"-Verlegung: Der Fall der Maria Gegenwarth.
Existenz "beendet".
Wertheim. Bei ihrer anhaltenden Aufarbeitung des Holocausts in
Wertheim sind Dieter Fauth und seine engagierten Laienhistoriker während
der Vorbereitung der vierten 'Stolperstein'-Verlegung auf zwei relativ
außergewöhnliche Fälle gestoßen. Einer ist der der Maria Gegenwarth,
welcher maßgeblich von der Schülerin Jael Steinbach recherchiert wurde,
einer der der Familie Schwarzschild, die in Dertingen gelebt
hat..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 1586-1588. |
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 294-298. |
 | Eugen Ludwig Rapp: Die hebräischen Steininschriften in Wertheim, in:
Wertheimer Jahrbuch (1961/62) S.19-348. |
 | Hermann Ehmer: Geschichte der Grafschaft Wertheim. Wertheim 1989. |
 | ders.: Wertheim im Großherzogtum Baden. Bilder aus einer alten Stadt.
Wertheim 1979. |
 | M. Eschelbacher: Leopold Benario 1822-1906. Ein Lebensbild, in:
Main-Tauber-Post 11. November 1963, 10. Februar 1968. |
 | Verschiedene Artikel in Wertheimer Zeitung 12. August 1976, Fränkische Nachrichten 9.
November 1978, 21. Oktober 1980. |
 |
F. Metz: Das Tauberland, in: Vom Bodensee zum
Main 37 (1930) S.95. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 338-339. |
 | Art.: "Neuplatz-Bebauung gravierend geändert",
in: Fränkische Nachrichten vom 13. März 2002 und weitere Artikel in den
"Fränkischen Nachrichten" 2002/03. |
 | Art.: Auf den Spuren jüdischer Geschichte: Museumsleiter Dr. Jörg
Paczkowski hatte Rundgang durch die Stadt und zum Friedhof angeboten. In: Fränkische
Nachrichten vom 9.9.2003. |
 | Art.: "An historischem Ort angebracht. Tafel und
Türsturz erinnern an Schicksal der Wertheimer Juden". Artikel
in Fränkische Nachrichten vom 19. August 2004. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Wertheim
Baden. The Jewish settlement was one
of the oldest in Baden and one of the few existing almost continuously from the
turn of the 12th century to the Nazi era. Jews were victims of the Rindfleisch
massacres of 1298 and in the 14th century were living in a Jewish quarter with a
synagogue and the oldest Jewish cemetery in Baden at their disposal. During the
Black Death massacres of 1348-49 many were murdered over a well-poisoning libel
and the rest fled. By 1381 the community had revived but in 1447 the synagogue
was destroyed at the instigation of a Capuchin monk. In the 15th-17th centuries
the Jews lived under the burden of heavy taxes and discriminatory "Jew Laws"
(from 1528). In 1640, seven Jewish families remained in Wertheim. The
Wertheimers, prominent as Court Jews, originated there. The community grew
steadily in the 19th century, reaching a peak population of 201 in 1900 (total
3,915). In 1827, Wertheim became the seat of the district rabbinate with
jurisdiction over 16 communities. Violent anti-Jewish riots took place during
the revolutionary disturbances of 1848. In 1933, 92 Jews remained, operating a
variety of business establishments under growing economic isolation. By 1938, 29
Jews had emigrated from Germany and another 21 had left for other German cities.
Community life was kept up throughout the period, with the Zionists active from
1934. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the last Jewish stores were
looted. On 22 October 1940, 19 Jews were deported to the Gurs concentration
camp. Seven survived, but all 13 sent to the camps from other places after
leaving Wertheim perished.

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