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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Freudenberg (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Bischöfen
von Würzburg, zuletzt auch den Grafen von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg gehörenden
Freudenberg bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter, die bei der
Judenverfolgung 1298 vernichtet wurde. Erst seit 1442 werden
wieder Juden in der Stadt genannt.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das
16./17. Jahrhundert zurück. 1571 beschwerte sich der Freudenberger Pfarrer darüber, dass
ein jüdisches Haus so nahe bei der Kirche stand, dass dessen Bewohner aus ihrer
Wohnung in die Kirche und auf die Kanzel schauen könnten. Auch 1634 werden
Juden genannt; 1655 gab es zwei, 1664 drei jüdische Haushaltungen in der Stadt, 1699 vier.
Bei dieser sehr geringen Zahl jüdischer Familien in der Stadt blieb es auch im
18. Jahrhundert (1748 vier Familien). Ein "Judenschulmeister" (Lehrer,
Vorbeter) wird erstmals 1767 genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgte: 1800 39 jüdische Einwohner (3,0 % von insgesamt 1.282 Einwohnern),
1826 64 (4,0 % von 1.644) jüdische Einwohner, 1833 54, 1838/41 59, 1843 61 (3,5
% von 1.726), 1864 Höchstzahl mit 81 Personen, 1871 73, 1875 68, 1880 77
(4,4 % von 1.757), 1885 62, 1890 53, 1895 43, 1900 43, 1905 22, 1910 18 (1,3 %
von 1.399).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad.
Die
Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Reistenhausen (Gemeinde Collenberg) beigesetzt.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
fungierte (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk
Wertheim zugeteilt.
Um 1924, als noch 19 jüdische Einwohner in Freudenberg gezählt wurden,
waren die Gemeindevorsteher Leopold Rothschild und Isak Reis. Den
Religionsunterricht der schulpflichtigen Kinder erteilte Lehrer Abraham Hess aus
Miltenberg. Gleichfalls war er als
Schochet in Freudenberg tätig. 1932 wird als Gemeindevorsteher weiterhin
Leopold Rothschild genannt.
An ehemaligen, bis nach 1933
bestehenden Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt:
Stoff-, Pferde- und Wagenhändler Emanuel Heilmann (Hauptstraße 165),
Textilverkäufer Benno Levy (Haaggasse 278), Textilverkäufer Josef Sommer
(Hauptstraße 212). Andere ehemalige jüdische Wohnhäuser sind: Hauptstraße
123 und Hauptstraße 206.
1933 lebten noch 15 jüdische Personen in Freudenberg. Die drei
jüdischen Textilgeschäfte konnten bis 1938 weitergeführt werden, wenngleich
sich die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts auch in Freudenberg bemerkbar
machten. Dennoch ist bis 1939 niemand aus den jüdischen Familien verzogen oder
ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert
(siehe unten). 1939 heiratete noch eine jüdische Frau nach Freudenberg. Im
selben Jahr wollten vier jüdische Einwohner über Köln auswandern. Dort wurden
sie jedoch festgehalten; sie sind verschollen. Die letzten acht jüdischen
Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Drei sind zwischen
1933 und 1940 in Freudenberg verstorben.
Von den in Freudenberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Benno Levy
(1897), Emilie Levy geb. Rothschild (1895), Ilse Levy (1925), Babette Reis geb.
Sommer (1873), Isak Reis (1902), Jeanette Reis (1901), Leopold Reis (1903),
Klara Rothschild geb. Heimann (1871), Rosa Schütz geb. Sommer (1860), Minna
Simon geb. Kahn (1862), Abraham Sommer (1867), Ferdinand Sommer (1877), Hedwig
Sommer geb. Hely (1895), Isidor Sommer (1902), Josef Sommer (1861), Ludwig
Sommer (1897), Max Sommer (1894), Nanette Sommer (1891), Regina Sommer (1862),
Getta Steinhardt geb. Sommer (1883), Berta Stern geb. Sommer (1881), Hedwig
Sommer, Karoline Strauss geb. Heimann (1875).
Hinweis: In den Listen der Opfer kommt es immer wieder zu Verwechslungen
zwischen Freudenberg und Freudenburg.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1879 / 1884
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "In unserer
Gemeinde ist die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Schächters
vakant. Fixer Gehalt 700 Mark nebst freier Wohnung und sonstige Nebeneinkünfte.
Ledige oder verheiratete Lehrer ohne Familie werden bevorzugt.
Reflektierende wollen sich an den unterzeichneten Vorstand wenden.
Freudenberg am Main, 9. April 1877. L. Sommer, Leser Sohn." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1879: "Die hiesige
Religionslehrerstelle, verbunden mit dem Schächter- und Vorbeterdienst,
ist vakant. Jährlicher fixer Gehalt 500 Mark nebst Nebenverdiensten und
freier Wohnung. Reisevergütung findet nicht statt. Bei einem inländischen
geprüften Lehrer kann der Gehalt erhöht werden. Freudenberg, 18. mai
1879.
Der Synagogenrat: Leser Sommer, Feist Sohn, Vorsteher. Isaak Lamm,
Moses Sohn." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1884: Auskündigung
einer Religionsschulstelle! Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger-
und Schächterstelle in Freudenberg mit einem festen Gehalt von 500 Mark,
ca. 200 Mark Nebeneinkommen und freier Wohnung soll alsbald wieder besetzt
werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen anher
melden.
Merchingen, 20. Juni 1884. Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim. Dr. L.
Heilbut." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Seit der Zeit um 1700 wird die zu
Gottesdiensten nötige Zehnzahl von religionsmündigen Männern erreicht worden
sein. 1699 gab es vier jüdische Haushaltungen. 1727 bestand die Freudenberger
Judenschaft aus vier Männern, drei Frauen, fünf Söhnen, einem Schulmeister
und einer Magd. Spätestens damals wird, wie aus der Nennung des "Judenschulmeisters"
geschlossen werden kann, ein Betsaal vorhanden gewesen sein.
Eine
Ende der 1850er-Jahre erbaute Synagoge stand bis 1891 an der Ecke
Maingasse/ Hauptstraße 139. Am 3. Mai dieses Jahres brannte das Gebäude ab. Nur mit Mühe ist es nach dem Bericht der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 14. Mai 1891 gelungen, die Torarollen zu retten.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Aus
Baden. In Freudenberg (Amt Wertheim) ist durch einen Brand auch die
Synagoge eingeäschert worden. Dieselbe war Ende der 50er-Jahre erbaut;
nur mit Mühe gelang es, die Torarollen zu retten." |
Trotz der damals schon sinkenden Zahl von Gemeindegliedern
entschied die jüdische Gemeinde, einen Neubau an derselben Stelle zu errichten.
Am 21. September 1891 reichte sie bei der Freudenberger Ortsbaukommission
den Bauantrag ein und legte Pläne vor, die der Wertheimer Baumeister Heinrich
Wießler angefertigt hatte. Das Baugesuch war unterzeichnet von den damaligen
Synagogenräten Isaak Sommer, Leser Sommer und Feist Sechs. Den Bau errichtete
der aus Gamburg stammende Maurermeister Bernhard Wilz für insgesamt 9.174,60
Mark. Das dreigeschossige Gebäude war ein Mehrzweckbau, der das rituelle Bad,
die Lehrerwohnung, den Betsaal und das Gemeindezimmer enthielt. Im Keller
befanden sich ein Vorzimmer und die Kellerräume des Lehrers. Von hier aus ging
es zur Mikwe hinab. Im Erdgeschoss hatte der Lehrer seine Wohnung. Die oberen
Geschosse wurden von dem hohen Synagogenraum und dem Gemeindezimmer eingenommen.
Die Synagoge verfügte über 29 Sitzplätze im Betsaal der Männer, dazu gab es
Sitzplätze für die Frauen auf der Empore. Mit dem Neubau hat sich die klein
gewordene jüdische Gemeinde vermutlich finanziell übernommen, denn 1906 ging
beim Großherzoglichen Oberrat der Israeliten in Karlsruhe ein Gesuch um ein
Darlehen für die Baukosten ein.
Die neu erbaute Synagoge ist nur wenige Jahre genützt
worden. Durch die weiter zurückgehende Zahl der Gemeindeglieder konnte man
keinen jüdischen Lehrer/Vorsänger mehr anstellen. Der letzte hat Freudenberg
um 1895 verlassen. Bereits um 1908 wird geschrieben, dass die Synagoge nicht
mehr genutzt wird, "da wegen der Auswanderung die zum jüdischen
Gottesdienst erforderliche Zahl von Männern nicht mehr vorhanden ist"
(Mai, Geschichte S. 334).
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
demoliert. SA-Leute aus Wertheim und Freudenberg zerschlugen die
Inneneinrichtung und warfen die Trümmer zusammen mit den Torarollen und anderen
Kultgegenständen aus den Fenstern des Betsaales. Gemeindearbeiter mussten alles
auf einen Wagen laden und am nächsten Tag auf den örtlichen Schuttplatz
fahren. Der damalige Gemeindediener Anton Beck schaffte eine Schriftrolle
heimlich beiseite und versteckte sie. Diese Torarolle wurde im April 1979 mit
Zustimmung des Gemeinderates Freudenberg nach Israel übergeben und dient seit
1983 wieder kultischen Zwecken in der Synagoge von Kedumim
(50 km nördlich von Jerusalem). Ein Teil einer anderen Torarolle aus
Freudenberg mit Brandspuren und Wasserflecken war nach der Pogromnacht 1938 von
Hugo Mönch aus dem Main gezogen und aufbewahrt worden. Sie befindet sich heute
als Leihgabe in der ehemaligen Synagoge in (Werbach-)Wenkheim.
1945 wurde das Synagogengebäude von alliiertem Militär
beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übergeben. Diese
verkaufte es im Frühjahr 1952 an die Gemeinde Freudenberg. Wenig später kam es
in Privatbesitz und wurde zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut. Eine
Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht vorhanden.
Text:
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Die Geschichte der 1938 geretteten Freudenberger Torarolle
(aus der Zeitschrift "Spessart" Heft 11/1992 S. 16-17)
...Eng mit dem zentralen Heiligtum der Freudenberger Synagoge, der Torarolle,
war das Leben des Freudenbergers Anton Beck verbunden. Beck hatte kein einfaches
Schicksal. Er war eines von vier Geschwistern, mit elf Jahren Waise geworden,
alle Kinder waren zu fremden Leuten gekommen. Antons Vormund hatte bestimmt,
dass er eine Schusterlehre beginnen sollte. Beck wollte aber nicht Schuster
werden. Er brach die Lehre ab und wandte sich in Freiburg im Breisgau, gestützt
auf den dortigen Kolpingsverein, seinem angestrebten Beruf zu und wurde Maurer.
Auf Wanderschaft kam er bis Berlin und Breslau und kehrte 1927 nach Freudenberg
zurück. 1928 heiratete er und wurde Gemeindediener, Wochenlohn 22,50 Mark.
Als 1938 die Nazis das Innere der Freudenberger Synagoge demoliert hatten, fiel
ihm unter dem "Gerümpel", das aus den Fenstern geworfen und
anschließend auf den Schuttplatz gefahren worden war, eine große, eigenartige
Rolle auf. Sie war mit seltsamen Schriftzeichen bedeckt und auf zwei Rundstäbe
aufgewickelt. Ein Gefühl sagte Beck, es müsse sich um ein "Heiligtum",
wie er sich später ausdrückte, handeln. Was er nun tat, hätte ihm, wäre es
herausgekommen, Kopf und Kragen gekostet. In einem unbemerkten Augenblick nahm
er diese Rolle von dem Abfallhaufen und legte sie in einen bereitgehaltenen
Sack. Den Sack versteckte er zunächst in seiner Scheune. Als er 1940 in den
Krieg musste, wollte er seine Familie nicht gefährden und brachte Sack samt
Rolle heimlich in einen entlegenen Winkel des Rathausspeichers. Als der Krieg zu
Ende war, wurde Beck wieder von der Stadt eingestellt, zunächst als
Gemeindediener, dann als Schulhausmeister.
Ein Israeli wird aufmerksam. Im Oktober 1978 suchte der örtliche Schulleiter im Freudenberger Archiv
Material für einen Aufsatz zur 40. Wiederkehr der
"Reichskristallnacht" und entdeckte die Rolle. Der Aufsatz über den
Fund, dem ein Foto beigegeben war, wurde auch von der israelischen Familie
Kellermann gelesen, die in Kfar Harve nahe bei Hadera (nördlich von Tel Aviv)
lebt und sich zufällig in Wertheim aufhielt. Die Kellermanns knüpften eine
Verbindung nach Freudenberg, und am 1. April 1979 trafen sie sich mit dem
Bürgermeister und Vertretern der Stadt. Der orthodox-strenggläubige Josef
Kellermann erkannte, dass es sich um eine Torarolle handelt und wischte eine
Träne der Freude und der Ehrfurcht aus den Augen. "Es ist eine Fügung
Gottes", sagte er. Den Anwesenden erläuterte er die zentrale Rolle, die
die Tora im jüdischen Gottesdienst und für das private Leben des gläubigen
Juden spielt...
Geschrieben mit dem Federkiel. Das Freudenberger Exemplar ist aus reinem Pergament, ganz von Hand mit
Federkiel geschrieben, die Blätter sind mit Tiersehnen zusammengenäht
beziehungsweise an manchen Stellen mit Tierleim geklebt, denn an einer Torarolle
darf nichts aus Eisen sein. Der Israeli Kellermann befand: "Diese Tora ist
noch koscher", was bedeutet, dass sie zum gottesdienstlichen Gebrauch
geeignet ist. Der Schreibwert betrug damals rund 20 000 Mark, der ideelle Wert
ist unschätzbar. Die Rolle war vermutlich nach dem Brand der Synagoge 1891
entstanden, wahrscheinlich wurde sie anlässlich des Baus der neuen Synagoge
beschafft. Aus der Umschrift der Rollengriffe lassen sich die Namen der Stifter
Jehuda, Sohn des Elia haLevi, Elisa, Sohn des Isaak, Mordechai (Markus) und
Nathan sowie der Monatsname September entziffern. Die Jahreszahl ist
unleserlich.
Josef Kellermann schlug dem Bürgermeister und der Stadt vor, die Rolle nicht in
einem Archiv zu begraben, sondern sie nach Israel zu einer jüdischen Gemeinde
zu geben, damit sie in Gottesdiensten wieder ihr Leben entfalten kann.
Bürgermeister und Stadtrat stimmten zu. Josef Kellermann trug die
Restaurierungskosten in Höhe von rund 3 000 Dollar.
"Gesegnet seien die Gäste". In der neuen Gemeinde Kedumim in Israel, etwa 50 Kilometer nördlich von
Jerusalem, wurde die Torarolle am 18. Oktober 1983 in einer feierlichen
Zeremonie "in den heiligen Schrank des Gebetshauses hineingelegt", wie
eine israelische Tageszeitung schrieb. Anton Beck und sein Schwiegersohn Josef
Keck waren als Ehrengäste zugegeben. Sie waren auf Einladung, aber auf eigene
Kosten, nach Israel gereist. Auf einem Transparent über der Einfahrtstraße
nach Kedumim stand: "Gesegnet seien die Gäste zur Feier der Einweihung der
Torarolle". Beck und Keck hielten sich acht Tage lang als Gäste bei den
Kellermanns auf.
Die Torarolle hatte einen neuen Mantel bekommen, auf dem unter den mosaischen
Gesetzestafeln eingestickt ist: "Diese Torarolle wurde gerettet aus der von
den Nazis zerstörten Synagoge der Stadt Freudenberg durch einen tapferen Mann,
einen der Gerechten der Völker der Erde, und ins Land Israel gebracht durch
Familie Kellermann aus Kfar Harve im Jahre 5741 (1980)".
Die Zeitung berichtete weiter: "Diese große Feier begann mit einer Prozession
von Schülern der Gebetsschule von Shomron, in deren Verlauf man die Tora unter
einen Baldachin legte. Der Zug wurde angeführt von dem Leiter der Gebetsschule
'Söhne Akiwas', Rabbi Mosche Zwi Nerija, und der Familie Kellermann. Ehrengast
war der Deutsche Anton Beck aus Freudenberg, der die Tora gerettet hatte."
Eine ausführliche Schilderung der Rettung der Torarolle schloss sich an.
In einer anderen Zeitung hieß es: "In der Siedlung Kedumim in Shomron wird
eine dramatische Geschichte der Rettung dieses Buches zum Abschluss
gebracht". Fröhlichkeit und Andacht. Gerührt berichtete der damals 76jährige Beck nach seiner Rückkehr:
"Die feierliche Zeremonie dauerte über drei Stunden. Auch das israelische
Fernsehen war dabei und immer wieder musste ich mich zusammen mit Josef
Kellermann den Fotografen stellen. Alle israelischen Zeitungen berichteten,
jeweils mit Bild, wobei ich, die Torarolle im Arm haltend, im Mittelpunkt stand.
Schade, dass ich kein Wort verstanden habe, aber ich war immer mittendrin. Ich
spürte und sah, wie begeistert, fröhlich und dann auch wieder andächtig und
ergriffen die Menschen waren." Ein Volksfest schloss sich dem offiziellen
Teil an. "Man führte mich an der Hand zur Mitte des Festplatzes, stellte
mich auf ein Podest, und dann sang die ganze Gemeinde und die vielen hundert
Gäste, und sie tanzten im Reigen um mich herum, und immer wieder küsste man
mich. Viele Menschen weinten vor Freude, und auch bei mir blieb kein Auge
trocken."
Zur Erinnerung hatten Ortsrat und Einwohner von Kedumim und die Familie
Kellermann ein Album mit Fotos zusammengestellt und "Herrn Anton Beck aus
Freudenberg a/M, dem tapferen Retter der Torarolle", gewidmet.
Anton Beck starb am 3. März 1986 im Alter von 79 Jahren.
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Fotos / Plan
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Historischer Plan:
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Bauplan der Freudenberger
Synagoge von 1891 (GLA KA 380/47/185, in: Spessart s. Lit. S. 17).
Ein auf dem Plan zu sehender dekorativer Eckaufsatz ist nicht mehr
vorhanden. |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 95-96. |
 | Germania Judaica III,1 S. 405. |
 | Eugen Mai: Geschichte der Stadt Freudenberg am Main.
Freudenberg 1908. Nachdruck 1985 (Abschnitt "Die Juden" ab S. 333) |
 | Helmuth Lauf: Das Schicksal jüdischer Gemeinden im
Main-Spessart-Tauber-Gebiet. Die Kette von Verfolgung und Mord begann 1298
und endete 1945. Beispiele aus Stadt Freudenberg. Sowie andere Beiträge in:
Zeitschrift "Spessart" Heft 11/1992 S. 1-23. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 431-432. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Freudenberg Baden.
The first Jewish community was destroyed in the Rindfleisch massacres of 1298. A
new settlement was founded in 1442. Under local pressure, a series of
disabilities was imposed on the Jews in the late 17th century. The Jewish
population reached 81 (around 4 % of the local) in 1865. At the end of the
century over half the Jews were cattle traders or shopkeepers. By 1933, 15
remained. After Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue
was vandalized, the three Jewish textile establishments in Freudenberg were
transferred to "Aryans". One family of four left for Berlin and
perished in the east in 1942; two children reached France and subsequently the
United States; the last six Jews in Freudenberg were deported to the Gurs
concentration camp on 22 October 1940.

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