Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Freudenberg (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Zur Geschichte der Synagoge   
Text: Die Geschichte der 1938 geretteten Torarolle 
Fotos / Plan  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Bischöfen von Würzburg, zuletzt auch den Grafen von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg gehörenden Freudenberg bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter, die bei der Judenverfolgung 1298 vernichtet wurde. Erst seit 1442 werden wieder Juden in der Stadt genannt. 

Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 16./17. Jahrhundert zurück. 1571 beschwerte sich der Freudenberger Pfarrer darüber, dass ein jüdisches Haus so nahe bei der Kirche stand, dass dessen Bewohner aus ihrer Wohnung in die Kirche und auf die Kanzel schauen könnten. Auch 1634 werden Juden genannt; 1655 gab es zwei, 1664 drei jüdische Haushaltungen in der Stadt, 1699 vier. Bei dieser sehr geringen Zahl jüdischer Familien in der Stadt blieb es auch im 18. Jahrhundert (1748 vier Familien). Ein "Judenschulmeister" (Lehrer, Vorbeter) wird erstmals 1767 genannt. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgte: 1800 39 jüdische Einwohner (3,0 % von insgesamt 1.282 Einwohnern), 1826 64 (4,0 % von 1.644) jüdische Einwohner, 1833 54, 1838/41 59, 1843 61 (3,5 % von 1.726), 1864 Höchstzahl mit 81 Personen, 1871 73, 1875 68, 1880 77 (4,4 % von 1.757), 1885 62, 1890 53, 1895 43, 1900 43, 1905 22, 1910 18 (1,3 % von 1.399).  

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad.
Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Reistenhausen (Gemeinde Collenberg) beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Wertheim zugeteilt. 
 
Um 1924, als noch 19 jüdische Einwohner in Freudenberg gezählt wurden, waren die Gemeindevorsteher Leopold Rothschild und Isak Reis. Den Religionsunterricht der schulpflichtigen Kinder erteilte Lehrer Abraham Hess aus Miltenberg. Gleichfalls war er als Schochet in Freudenberg tätig. 1932 wird als Gemeindevorsteher weiterhin Leopold Rothschild genannt. 
 
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Stoff-, Pferde- und Wagenhändler Emanuel Heilmann (Hauptstraße 165), Textilverkäufer Benno Levy (Haaggasse 278), Textilverkäufer Josef Sommer (Hauptstraße 212). Andere ehemalige jüdische Wohnhäuser sind: Hauptstraße 123 und Hauptstraße 206.
   
1933 lebten noch 15 jüdische Personen in Freudenberg. Die drei jüdischen Textilgeschäfte konnten bis 1938 weitergeführt werden, wenngleich sich die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts auch in Freudenberg bemerkbar machten. Dennoch ist bis 1939 niemand aus den jüdischen Familien verzogen oder ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (siehe unten). 1939 heiratete noch eine jüdische Frau nach Freudenberg. Im selben Jahr wollten vier jüdische Einwohner über Köln auswandern. Dort wurden sie jedoch festgehalten; sie sind verschollen. Die letzten acht jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Drei sind zwischen 1933 und 1940 in Freudenberg verstorben.   
  

Von den in Freudenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Benno Levy (1897), Emilie Levy geb. Rothschild (1895), Ilse Levy (1925), Babette Reis geb. Sommer (1873), Isak Reis (1902), Jeanette Reis (1901), Leopold Reis (1903), Klara Rothschild geb. Heimann (1871), Rosa Schütz geb. Sommer (1860), Minna Simon geb. Kahn (1862), Abraham Sommer (1867), Ferdinand Sommer (1877), Hedwig Sommer geb. Hely (1895), Isidor Sommer (1902), Josef Sommer (1861), Ludwig Sommer (1897), Max Sommer (1894), Nanette Sommer (1891), Regina Sommer (1862), Getta Steinhardt geb. Sommer (1883), Berta Stern geb. Sommer (1881), Hedwig Sommer, Karoline Strauss geb. Heimann (1875).  
Hinweis: In den Listen der Opfer kommt es immer wieder zu Verwechslungen zwischen Freudenberg und Freudenburg.  
  
    

    

    

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1879 / 1884

Freudenberg Israelit 18041877.jpg (48675 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Schächters vakant. Fixer Gehalt 700 Mark nebst freier Wohnung und sonstige Nebeneinkünfte. Ledige oder verheiratete Lehrer ohne Familie werden bevorzugt. Reflektierende wollen sich an den unterzeichneten Vorstand wenden. 
Freudenberg am Main, 9. April 1877. L. Sommer, Leser Sohn."
 
Freudenberg Israelit 21051879.jpg (57679 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1879: "Die hiesige Religionslehrerstelle, verbunden mit dem Schächter- und Vorbeterdienst, ist vakant. Jährlicher fixer Gehalt 500 Mark nebst Nebenverdiensten und freier Wohnung. Reisevergütung findet nicht statt. Bei einem inländischen geprüften Lehrer kann der Gehalt erhöht werden. Freudenberg, 18. mai 1879. 
Der Synagogenrat: Leser Sommer, Feist Sohn, Vorsteher. Isaak Lamm, Moses Sohn."
 
Freudenberg Israelit 23051884.jpg (74203 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1884: Auskündigung einer Religionsschulstelle! Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Freudenberg mit einem festen Gehalt von 500 Mark, ca. 200 Mark Nebeneinkommen und freier Wohnung soll alsbald wieder besetzt werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen anher melden. 
Merchingen, 20. Juni 1884. Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim. Dr. L. Heilbut."

  

  

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge 

Seit der Zeit um 1700 wird die zu Gottesdiensten nötige Zehnzahl von religionsmündigen Männern erreicht worden sein. 1699 gab es vier jüdische Haushaltungen. 1727 bestand die Freudenberger Judenschaft aus vier Männern, drei Frauen, fünf Söhnen, einem Schulmeister und einer Magd. Spätestens damals wird, wie aus der Nennung des "Judenschulmeisters" geschlossen werden kann, ein Betsaal vorhanden gewesen sein.    
    
Eine Ende der 1850er-Jahre erbaute Synagoge stand bis 1891 an der Ecke Maingasse/ Hauptstraße 139. Am 3. Mai dieses Jahres brannte das Gebäude ab. Nur mit  Mühe ist es nach dem Bericht der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891 gelungen, die Torarollen zu retten. 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Aus Baden. In Freudenberg (Amt Wertheim) ist durch einen Brand auch die Synagoge eingeäschert worden. Dieselbe war Ende der 50er-Jahre erbaut; nur mit Mühe gelang es, die Torarollen zu retten."

Trotz der damals schon sinkenden Zahl von Gemeindegliedern entschied die jüdische Gemeinde, einen Neubau an derselben Stelle zu errichten. Am 21. September 1891 reichte sie bei der Freudenberger Ortsbaukommission den Bauantrag ein und legte Pläne vor, die der Wertheimer Baumeister Heinrich Wießler angefertigt hatte. Das Baugesuch war unterzeichnet von den damaligen Synagogenräten Isaak Sommer, Leser Sommer und Feist Sechs. Den Bau errichtete der aus Gamburg stammende Maurermeister Bernhard Wilz für insgesamt 9.174,60 Mark. Das dreigeschossige Gebäude war ein Mehrzweckbau, der das rituelle Bad, die Lehrerwohnung, den Betsaal und das Gemeindezimmer enthielt. Im Keller befanden sich ein Vorzimmer und die Kellerräume des Lehrers. Von hier aus ging es zur Mikwe hinab. Im Erdgeschoss hatte der Lehrer seine Wohnung. Die oberen Geschosse wurden von dem hohen Synagogenraum und dem Gemeindezimmer eingenommen. Die Synagoge verfügte über 29 Sitzplätze im Betsaal der Männer, dazu gab es Sitzplätze für die Frauen auf der Empore. Mit dem Neubau hat sich die klein gewordene jüdische Gemeinde vermutlich finanziell übernommen, denn 1906 ging beim Großherzoglichen Oberrat der Israeliten in Karlsruhe ein Gesuch um ein Darlehen für die Baukosten ein.   
   
Die neu erbaute Synagoge ist nur wenige Jahre genützt worden. Durch die weiter zurückgehende Zahl der Gemeindeglieder konnte man keinen jüdischen Lehrer/Vorsänger mehr anstellen. Der letzte hat Freudenberg um 1895 verlassen. Bereits um 1908 wird geschrieben, dass die Synagoge nicht mehr genutzt wird, "da wegen der Auswanderung die zum jüdischen Gottesdienst erforderliche Zahl von Männern nicht mehr vorhanden ist" (Mai, Geschichte S. 334).  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert. SA-Leute aus Wertheim und Freudenberg zerschlugen die Inneneinrichtung und warfen die Trümmer zusammen mit den Torarollen und anderen Kultgegenständen aus den Fenstern des Betsaales. Gemeindearbeiter mussten alles auf einen Wagen laden und am nächsten Tag auf den örtlichen Schuttplatz fahren. Der damalige Gemeindediener Anton Beck schaffte eine Schriftrolle heimlich beiseite und versteckte sie. Diese Torarolle wurde im April 1979 mit Zustimmung des Gemeinderates Freudenberg nach Israel übergeben und dient seit 1983 wieder kultischen Zwecken in der Synagoge von Kedumim (50 km nördlich von Jerusalem). Ein Teil einer anderen Torarolle aus Freudenberg mit Brandspuren und Wasserflecken war nach der Pogromnacht 1938 von Hugo Mönch aus dem Main gezogen und aufbewahrt worden. Sie befindet sich heute als Leihgabe in der ehemaligen Synagoge in (Werbach-)Wenkheim.   
    
1945 wurde das Synagogengebäude von alliiertem Militär beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übergeben. Diese verkaufte es im Frühjahr 1952 an die Gemeinde Freudenberg. Wenig später kam es in Privatbesitz und wurde zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht vorhanden.  
   
   
Text: 

Die Geschichte der 1938 geretteten Freudenberger Torarolle (aus der Zeitschrift "Spessart" Heft 11/1992 S. 16-17) 
  
...Eng mit dem zentralen Heiligtum der Freudenberger Synagoge, der Torarolle, war das Leben des Freudenbergers Anton Beck verbunden. Beck hatte kein einfaches Schicksal. Er war eines von vier Geschwistern, mit elf Jahren Waise geworden, alle Kinder waren zu fremden Leuten gekommen. Antons Vormund hatte bestimmt, dass er eine Schusterlehre beginnen sollte. Beck wollte aber nicht Schuster werden. Er brach die Lehre ab und wandte sich in Freiburg im Breisgau, gestützt auf den dortigen Kolpingsverein, seinem angestrebten Beruf zu und wurde Maurer. Auf Wanderschaft kam er bis Berlin und Breslau und kehrte 1927 nach Freudenberg zurück. 1928 heiratete er und wurde Gemeindediener, Wochenlohn 22,50 Mark.
Als 1938 die Nazis das Innere der Freudenberger Synagoge demoliert hatten, fiel ihm unter dem "Gerümpel", das aus den Fenstern geworfen und anschließend auf den Schuttplatz gefahren worden war, eine große, eigenartige Rolle auf. Sie war mit seltsamen Schriftzeichen bedeckt und auf zwei Rundstäbe aufgewickelt. Ein Gefühl sagte Beck, es müsse sich um ein "Heiligtum", wie er sich später ausdrückte, handeln. Was er nun tat, hätte ihm, wäre es herausgekommen, Kopf und Kragen gekostet. In einem unbemerkten Augenblick nahm er diese Rolle von dem Abfallhaufen und legte sie in einen bereitgehaltenen Sack. Den Sack versteckte er zunächst in seiner Scheune. Als er 1940 in den Krieg musste, wollte er seine Familie nicht gefährden und brachte Sack samt Rolle heimlich in einen entlegenen Winkel des Rathausspeichers. Als der Krieg zu Ende war, wurde Beck wieder von der Stadt eingestellt, zunächst als Gemeindediener, dann als Schulhausmeister.
  
Ein Israeli wird aufmerksam. Im Oktober 1978 suchte der örtliche Schulleiter im Freudenberger Archiv Material für einen Aufsatz zur 40. Wiederkehr der "Reichskristallnacht" und entdeckte die Rolle. Der Aufsatz über den Fund, dem ein Foto beigegeben war, wurde auch von der israelischen Familie Kellermann gelesen, die in Kfar Harve nahe bei Hadera (nördlich von Tel Aviv) lebt und sich zufällig in Wertheim aufhielt. Die Kellermanns knüpften eine Verbindung nach Freudenberg, und am 1. April 1979 trafen sie sich mit dem Bürgermeister und Vertretern der Stadt. Der orthodox-strenggläubige Josef Kellermann erkannte, dass es sich um eine Torarolle handelt und wischte eine Träne der Freude und der Ehrfurcht aus den Augen. "Es ist eine Fügung Gottes", sagte er. Den Anwesenden erläuterte er die zentrale Rolle, die die Tora im jüdischen Gottesdienst und für das private Leben des gläubigen Juden spielt...  
Geschrieben mit dem Federkiel. Das Freudenberger Exemplar ist aus reinem Pergament, ganz von Hand mit Federkiel geschrieben, die Blätter sind mit Tiersehnen zusammengenäht beziehungsweise an manchen Stellen mit Tierleim geklebt, denn an einer Torarolle darf nichts aus Eisen sein. Der Israeli Kellermann befand: "Diese Tora ist noch koscher", was bedeutet, dass sie zum gottesdienstlichen Gebrauch geeignet ist. Der Schreibwert betrug damals rund 20 000 Mark, der ideelle Wert ist unschätzbar. Die Rolle war vermutlich nach dem Brand der Synagoge 1891 entstanden, wahrscheinlich wurde sie anlässlich des Baus der neuen Synagoge beschafft. Aus der Umschrift der Rollengriffe lassen sich die Namen der Stifter Jehuda, Sohn des Elia haLevi, Elisa, Sohn des Isaak, Mordechai (Markus) und Nathan sowie der Monatsname September entziffern. Die Jahreszahl ist unleserlich.
Josef Kellermann schlug dem Bürgermeister und der Stadt vor, die Rolle nicht in einem Archiv zu begraben, sondern sie nach Israel zu einer jüdischen Gemeinde zu geben, damit sie in Gottesdiensten wieder ihr Leben entfalten kann. Bürgermeister und Stadtrat stimmten zu. Josef Kellermann trug die Restaurierungskosten in Höhe von rund 3 000 Dollar.  
"Gesegnet seien die Gäste". In der neuen Gemeinde Kedumim in Israel, etwa 50 Kilometer nördlich von Jerusalem, wurde die Torarolle am 18. Oktober 1983 in einer feierlichen Zeremonie "in den heiligen Schrank des Gebetshauses hineingelegt", wie eine israelische Tageszeitung schrieb. Anton Beck und sein Schwiegersohn Josef Keck waren als Ehrengäste zugegeben. Sie waren auf Einladung, aber auf eigene Kosten, nach Israel gereist. Auf einem Transparent über der Einfahrtstraße nach Kedumim stand: "Gesegnet seien die Gäste zur Feier der Einweihung der Torarolle". Beck und Keck hielten sich acht Tage lang als Gäste bei den Kellermanns auf. 
Die Torarolle hatte einen neuen Mantel bekommen, auf dem unter den mosaischen Gesetzestafeln eingestickt ist: "Diese Torarolle wurde gerettet aus der von den Nazis zerstörten Synagoge der Stadt Freudenberg durch einen tapferen Mann, einen der Gerechten der Völker der Erde, und ins Land Israel gebracht durch Familie Kellermann aus Kfar Harve im Jahre 5741 (1980)". 
Die Zeitung berichtete weiter: "Diese große Feier begann mit einer Prozession von Schülern der Gebetsschule von Shomron, in deren Verlauf man die Tora unter einen Baldachin legte. Der Zug wurde angeführt von dem Leiter der Gebetsschule 'Söhne Akiwas', Rabbi Mosche Zwi Nerija, und der Familie Kellermann. Ehrengast war der Deutsche Anton Beck aus Freudenberg, der die Tora gerettet hatte." Eine ausführliche Schilderung der Rettung der Torarolle schloss sich an. 
In einer anderen Zeitung hieß es: "In der Siedlung Kedumim in Shomron wird eine dramatische Geschichte der Rettung dieses Buches zum Abschluss gebracht".
Fröhlichkeit und Andacht. Gerührt berichtete der damals 76jährige Beck nach seiner Rückkehr: "Die feierliche Zeremonie dauerte über drei Stunden. Auch das israelische Fernsehen war dabei und immer wieder musste ich mich zusammen mit Josef Kellermann den Fotografen stellen. Alle israelischen Zeitungen berichteten, jeweils mit Bild, wobei ich, die Torarolle im Arm haltend, im Mittelpunkt stand. Schade, dass ich kein Wort verstanden habe, aber ich war immer mittendrin. Ich spürte und sah, wie begeistert, fröhlich und dann auch wieder andächtig und ergriffen die Menschen waren." Ein Volksfest schloss sich dem offiziellen Teil an. "Man führte mich an der Hand zur Mitte des Festplatzes, stellte mich auf ein Podest, und dann sang die ganze Gemeinde und die vielen hundert Gäste, und sie tanzten im Reigen um mich herum, und immer wieder küsste man mich. Viele Menschen weinten vor Freude, und auch bei mir blieb kein Auge trocken."
Zur Erinnerung hatten Ortsrat und Einwohner von Kedumim und die Familie Kellermann ein Album mit Fotos zusammengestellt und "Herrn Anton Beck aus Freudenberg a/M, dem tapferen Retter der Torarolle", gewidmet.
Anton Beck starb am 3. März 1986 im Alter von 79 Jahren. 

      
     
Fotos / Plan 

Historischer Plan: 

Freudenberg Synagoge 020.jpg (37738 Byte) Bauplan der Freudenberger Synagoge von 1891 (GLA KA 380/47/185, in: Spessart s. Lit. S. 17). 
Ein auf dem Plan zu sehender dekorativer Eckaufsatz ist nicht mehr vorhanden.


Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos um 1985 (Fotos: Hahn):

   
Freudenberg Synagoge 001.jpg (88104 Byte)  
Freudenberg Synagoge 002.jpg (71652 Byte)
Freudenberg Synagoge 003.jpg (67687 Byte)
Ehemalige Synagoge Freudenberg Blick von der Maingasse Eingang von der Hauptstraße
     
Die Freudenberger Torarolle in Israel
(Quelle: Zeitschrift "Spessart" Heft 11/1992 S.1.18)
Freudenberg Synagoge 120.jpg (132058 Byte) Freudenberg Synagoge 121.jpg (81729 Byte)
  Josef Kellermann (links) und Anton Beck
 (rechts) mit der aus der Freudenberger
 Synagoge geretteten Torarolle
Josef Kellermann an der Torarolle
 aus Freudenberg
(vgl. hierzu den Text unten)
     
     
Fotos 2005:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 19.3.2005)
  

Freudenberg Synagoge 221.jpg (42757 Byte)

Freudenberg Synagoge 222.jpg (46054 Byte) Freudenberg Synagoge 220.jpg (39362 Byte)
Die ehemalige Synagoge in Freudenberg Blick von der Maingasse Eingang von der Hauptstraße
     
  Freudenberg Synagoge 223.jpg (44299 Byte)  
  Maingasse, in der Mitte 
das Synagogengebäude
 

     
   
     
  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Freudenberg    
Gemeinde Kedumim nördlich von Jerusalem 

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 95-96.
Germania Judaica III,1 S. 405.
Eugen Mai: Geschichte der Stadt Freudenberg am Main. Freudenberg 1908. Nachdruck 1985 (Abschnitt "Die Juden" ab S. 333)
Helmuth Lauf: Das Schicksal jüdischer Gemeinden im Main-Spessart-Tauber-Gebiet. Die Kette von Verfolgung und Mord begann 1298 und endete 1945. Beispiele aus Stadt Freudenberg. Sowie andere Beiträge in: Zeitschrift "Spessart" Heft 11/1992 S. 1-23.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 431-432.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  
  

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Freudenberg  Baden. The first Jewish community was destroyed in the Rindfleisch massacres of 1298. A new settlement was founded in 1442. Under local pressure, a series of disabilities was imposed on the Jews in the late 17th century. The Jewish population reached 81 (around 4 % of the local) in 1865. At the end of the century over half the Jews were cattle traders or shopkeepers. By 1933, 15 remained. After Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized, the three Jewish textile establishments in Freudenberg were transferred to "Aryans". One family of four left for Berlin and perished in the east in 1942; two children reached France and subsequently the United States; the last six Jews in Freudenberg were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940.  
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. August 2011