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Weimar (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Weimar lebten Juden bereits im Mittelalter. Erstmals
werden jüdische Bewohner Anfang des 14. Jahrhunderts genannt. In den Jahren
nach 1323 lebte eine jüdische Frau Guta aus Weimar in Erfurt. Unter den
Würzburger Juden, die 1327 Erzbischof Mathias von Mainz eine größere Summe
liehen, wird Abraham von Weimar genannt. Dieser war Hausbesitzer in Würzburg.
1338 werden Moses von Weimar und sein Sohn Joseph in Eckartsberga genannt. Von
der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 waren vermutlich auch die
Juden Weimars betroffen. Danach wird nach einer allerdings unsicheren Quelle
erst 1379 wieder ein Weimarer Jude genannt. Eine sichere Erwähnung liegt von
1390 vor. 1418 gab es in der Stadt acht erwachsene erwerbstätige Juden (sechs
Männer, zwei Frauen in sechs Familien). Sie lebten vom Geldhandel. Auch ein
Rabbiner Isag mit einem Schüler wird in der Stadt genannt. Juden aus
Weimar lassen sich auch in anderen Orten nachweisen (u.a. in Erfurt 1393 und 1398, in
Hildesheim 1395). Über eine Vertreibung der Weimarer Juden am Ende des
Mittelalters ist nichts bekannt.
Nach 1529 lebte in der Stadt der im Dienst des Kurfürsten von Sachsen
stehende Arzt Moses Staffelsteiner (gest. vermutlich 1554).
Eine neue Gemeinde bildete sich in Weimar erst wieder im 19. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
18. Jahrhunderts
zurück. 1770 ernannte Herzogin Anna Amalia den Juden Jacob Elkan (aus Schwanfeld,
1742-1805) zum Hofjuden im Fürstentum Weimar. Ihm folgten in den kommenden
Jahren weitere jüdische Personen / Familien nach, sodass 1789 drei
jüdische Familien in Weimar lebten: die des Jacob Elkan, des Jacob Löser und
des Gabriel Ulmann. Gabriel Ulmann (1743-1816) belieferte als
"Großherzoglicher Hofcommisai und Banquier" zusamen mit Jacob Elkan
und dessen SChwager Jacob Löser (1753-1818) die herzliche Münze in Eisenach
mit Silber. Auch Jacob Elkans Sohn, Israel Julius Elkan war als Bankier für den
Weimarer Hof tätig, darunter auch für Staatsminister Johann Wolfgang von
Goethe. Das "Bankhaus Julius Elkan" bestand bis 1905 und wurde danach
von der "Magdeburger Privatbank" übernommen (siehe Pressebericht
unten).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
in Weimar wie
folgt: Anfang des 19. Jahrhunderts drei jüdische Familien, 1818 36 jüdische
Einwohner, 1843 30, 1878 22 jüdische Familien, 1880 80 jüdische Einwohner,
1895 84, 1905 etwa 100. Unter den Weimarer jüdischen Einwohnern gab es einige
Personen, die im kulturellen Leben der Stadt eine besondere Rolle spielten (als
Kapellmeister, Hofopernsänger, Hofschauspielerin). Es gab auch jüdische Ärzte
und Juristen, Fabrikanten und - wie zu Familie Elkan genannt - Bankiers.
An Einrichtungen bestand einige Zeit ein Betraum (s.u.), zeitweise
(jedoch erst in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg) eine Religionsschule sowie ein
überwiegend privat genutzter jüdischer Friedhof
(Privatfriedhof von Jacob Elkans Familie, unmittelbar daneben Privatfriedhof von
Gabriel Ulmanns Familie). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der jüdischen Familien war zu keiner Zeit im 19./20.
Jahrhundert ein Lehrer angestellt. Aus dem Bericht von
1877 (siehe unten) ist allerdings zu entnehmen, dass damals die jüdischen
Kinder der Gemeinde vor ihrer "Konfirmation" (Bar Mizwa, Bat Mizwa)
Unterricht durch einen auswärtigen jüdischen Lehrer erhielten. Die jüdische
Gemeinschaft der Stadt gehörte zum Landesrabbinat Sachsen-Weimar-Eisenbach mit Sitz in
Stadtlengsfeld, ab 1912 in Eisenach.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Offz.St. Hans
Salomon (geb. 25.3.1893 in Dessau, gest. an der Kriegsverletzung am 5.6.1919).
Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Erich Michelsohn (geb. 17.2.1897 in
Weimar, vor 1914 in Hannover wohnhaft, gef.
9.5.1915).
Um 1924, als zur Gemeinde (gemeint der 1903 gegründete "Jüdische Religions-Verein",
dem jedoch nur ein Teil der jüdischen Einwohner der Stadt angehörte; die
Bildung einer autonomen Synagogengemeinde in Weimar scheiterte mehrfach)
etwa 25 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher S. Kauffmann (Schillerstraße
2). Insgesamt lebten 1925 etwa 105 jüdische Personen in der Stadt.
Bis Anfang der 1930er-Jahre gab es mehrere kleine jüdische Geschäfte im
Handels- und Dienstleistungsbereich, dazu gab es ein Kaufhaus von "Bermann
Tiertz" am Markt sowie von "Sachs & Berlowitz" in der Schillerstrasse.
1933 lebten 91 jüdische Personen in der Stadt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der Opernsänger Emil
Fischer erhielt am Deutschen Nationaltheater Auftrittsverbot. Drei Künstler und
eine Lehrerin wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen. 1935
wurden an den Zufahrtsstraßen und an Hotels der Stadt Schilder mit der
Aufschrift "Juden nicht erwünscht" angebracht. Schon vor 1938 wurden
fast alle jüdischen Geschäfte und Gewerbebetriebe gezwungenermaßen
aufgegeben, darunter das Kaufhaus Sachs & Berlowitz. Das letzte jüdische Geschäft
(Schreibwaren- und Puppenladen Hetemann in der Teichgasse) wurde beim
Novemberpogrom 1938 verwüstet. Im Zusammenhang mit dem Pogrom wurden zwölf
jüdische Männer in das KZ Buchenwald verschleppt. Ernst Bendix überlebte die
Lagerzeit nicht; nach der Entlassung starb der Chemiker Hans Salomon an Suizid.
Die jüdischen Einwohner (1939 noch elf Familien) wurden bei Kriegsbeginn
zwangsweise in "Judenhäusern" einquartiert (u.a. Belvederer Allee 6
und Brühl 6; an letzterem Haus ist 1995 eine Gedenktafel angebracht worden). Mehrere der jüdischen Einwohner starben an Suizid. Von 1942 bis
Januar 1945 wurden die letzten jüdischen Einwohner deportiert - Sammellager
für die Deportation waren die Reithalle im Marstall und der Güterbahnhof in
der Ettersburger Straße.
Von den in Weimar geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gerda Abraham geb.
Benjamin (1910), Günter Appel (1924), Jakob Appel (1885), Susanne Appel geb.
Ortweiler (1894), Ernst Bendix (1895), Sonja Bromberg (1886), Meta Bibo (1877),
Nathan Cahn (1872), Else Carillon geb. Kaufmann (1889), Emanuel Eisenbruch
(1870), Ruth Eisenbruch (1927), Charlotte Vera Feldstein geb. Rosenthal (1906),
Ella Fischer geb. Oppenheimer (1889), Emil Fischer (1880), Wolf Fischer (1926),
Käthe Friedlaender (1887), Edith Gal (1888), Ruth Glücksmann geb. Gutmann
(1914), Emmy Göttinger geb. Rosenfeld (1885), Melanie Gottschalk geb. Peiser
(1870), Fritz Gutmann (1906), Erika Haase (1936), Hedwig Hetemann geb. Markus
(1866), Martha Kahn (1885), Selma Kahn (1881), Ida Katz geb. Frankenstein
(1882), Jacob Katzenstein (1878), Selma Katzenstein geb. Freudenthal (1881),
Karin Keins (1934), Hedwig Lasch geb. Davidson (1879), Elfriede Leopold geb.
Lewkowitz (1887), Ludwig Leopold (), Therese (Rosa) Marchand geb. Strauss
(1858), Siegmund Oskar Mayer (1885), Paul Moosbach (1861), Friedrich Nathan
(1888), Lucy Ortlepp geb. Bock (1883), Lina Ortweiler geb. Ledermann (1866),
Eduard Rosé (1859), Max Salomon (), Rosa Schmidt geb. Grill-Freimann (1882),
Ruth Stern (1934), Johanna Straubing geb. Hetemann (1886), Hedwig Thate geb.
Baumann (1873), David Tultschinsky (1891), Ludwig Waelder (1888), Bertha Wallach
geb. Schönbeck (1880), Albert Wallhausen (1899), Herbert Wolff (1914), Jakob
Wolff (1910), Martin Wolff (1894).
Hinweis: Auf dem städtischen Hauptfriedhof Berkaer Straße wird im Ehrenhain
für die Verfolgten der NS-Zeit auch der ermordeten jüdischen Einwohner der
Stadt gedacht.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Gemeindebeschreibung
(1877)
Anmerkung: der in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift
"Der Israelit" erschienene Bericht ist außerordentlich kritisch
gegenüber dem damals offenbar nicht gerade regen jüdischen Gemeindeleben in
Weimar geschrieben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1877: nach
einigen einleitenden Bemerkungen zur Neuerungen in der jüdischen Gemeinde
Eisenach: "Wenden wir uns aber von hier nach der
Landeshauptstadt, nach Weimar, um zu erfahren, wie es alldort mit
dem jüdisch-religiösen Gemeindeleben beschaffen ist: was nehmen wir da
wahr? Wenn ich es ein Tauhu wowauho (sc. Tohu wabohu = Chaos)
nennen könnte, so wäre das zwar schlimm; aber es läge dennoch etwas
Tröstliches darin; denn aus einem Tauhu wowauhu ist ja einst eine Welt
hervorgegangen, welcher der erhabene Schöpfer das Zeugnis geben konnte,
dass sie zweckentsprechend gut sei. Aber hier ist nicht einmal dieses
vorhanden. Hier blickt man in eine untröstliche Leere. Hier existiert,
was eigentlich die Abwesenheit einer jeden Existenz bedeutet: das leere
Nichts! In Weimar wohnen 12-15 israelitische Familien, respektive
selbständiger Israeliten, welche zu den bestbesteuerten Israeliten des
Landes gehören. Erkundigt sich nun der Besucher Weimars, wo in dieser
Stadt, in welcher einst ein Herder gelebt, und in seinen Schriften den
Geist der gebildeten Welt auf den, nur in der Ursprache recht zu
würdigenden unübertrefflichen, ja bis jetzt unerreichten Gehalt der
poetischen Bücher des alten Testaments aufmerksam gemacht hat, die Schule
befindlich ist, in welcher die, in den alttestamentlichen Schriften
verkündete israelitische Religion den israelitischen Kindern gelehrt und
diesen der hochheilige Inhalt dieser alttestamentlichen Bücher, wenn auch
nur teilweise, in der Ursprache zugänglich gemacht wird, damit sie lebenslänglich
aus diesem nimmer versiegenden Quelle der Wahrheit ihren Geist und ihr
Gemüt zu laben und zu stärken im Stande seien, so kann man ihm am Besten
nur mit dem echtthüringischen Ausdrucke antworten: 'Ist nicht!' Und die
Synagoge oder doch wenigstens ein anderes entsprechendes Betlokal? 'Ist
nicht!' Dass auf die Frage nach irgendeiner anderen jüdisch-religiösen
Anstalt keine andere Antwort erfolgen kann, versteht sich nach Obigem von
selbst. Und das ist nicht bloß jetzt so, sondern ist nie anders dort
gewesen. Der ganze Religionsunterricht der betreffenden Kinder beschränkt
sich auf die, von irgendeinem auswärtigen Lehrer jeweilig auf eine kurze
Zeit besorgte Vorbereitung zu der gesetzlich vorgeschriebenen (?)
Konfirmation. Wie wenig ein solcher, wie eine Badekur nur auf eine Saison
berechneter Unterricht nachhaltig auf Geist und Gemüt zu wirken vermag,
ist leicht begreiflich! Wenn nun von allen diesen Anstalten nichts
vorhanden ist, was ist denn aber eigentlich vorhanden, worin das jüdische
Gemeindeleben sich bekundet? Für das Leben nichts, mein lieber Leser,
aber für den Tod! Das einzige, was daran erinnert, dass Israeliten in
Weimar wohnen, ist ein jüdischer
Totenhof! Das Verlangen, auch im Begräbnis mit denen vereint zu sein, mit
welchem man im Leben und in der religiösen Übung vereint gewesen, ist
dem menschlichen Gemüte so natürlich, dass es sündhaft wäre, demselben
nicht Rechnung zu tragen. Aber die Religion ist nur für die Lebenden und
für das Leben! Wenn daher im Leben, in seinem ganzen Leben, die Pflege
und Erhaltung der angestammten Religion ein so sehr gleichgültiger
Gegenstand ist, dass er, bei vorhanden Mitteln, selbst in seiner nächsten
Nähe Alles unterbleiben lässt, was für diese Pflege und Erhaltung
unerlässlich ist, dem könnte, sollte man meinen, kaum viel daran gelegen
sein, ob der zurückbleibende Erdenteil nach den Vorschriften der Religion
zur Erde bestattet werde und hier neben den Leibern von Religionsgenossen
modere oder nicht. Aber natürlich, dem toten Leib kostet sein Judentum
kein Opfer, keine Entsagung mehr und man glaubt sich mit der letzten
Anordnung als Jude begraben zu sein, auf die leichteste Weise mit dem
Judentum abgefunden zu haben. Es ist doch wahr, dass vom Erhabenen bis zum
Lächerlichen oft nur ein Schritt ist.
Vor etwas 10 Jahren hatte sich die Gemeinde Weimar auch einmal mit einem
Schochet versehen. Ein junger Mensch, welcher eine dortige Schule
besuchte, wurde mit diesem Posten betraut. Nach Jahresfrist machte man
aber die sonderbare Entdeckung, dass derselbe während dieser ganzen Zeit gar nicht
geschächtet, sondern bloß das Fleisch des von dem Metzger getöteten
Viehes mit dem Koscherzeichen versehen hatte. Natürlich wurde er seines
Amtes entlassen, und da dieser erste Versuch |
so
schlecht ausgefallen war, wurde ein weiterer zur Beschaffung eines solchen
Luxusartikels nicht mehr gemacht. Seit einigen Jahren wohnt indessen ein
israelitischer Geschäftsmann dort, der die Befähigung zum Schächten hat
und diese Funktion zu seinem Bedarf auch übt.
Die obige Geschichte erinnert mich zugleich an eine andere, die vor vielen
Jahren spielte. Ein getaufter Israelite schilderte einem ihm verwandten
jüdischen Arzte seinen ganzen Lebenslauf in einem Briefe. Der betreffende
Arzt las mir diesen Brief vor. In demselben erzählte nun der Schreiber...
Nachfolgendes wird nicht abgeschrieben, da es nicht Weimar betrifft.
Doch zurück zum Gegenstand meiner Berichterstattung. Das Großherzogtum
Weimar hat außer Weimar, Eisenach und
Stadtlengsfeld nur noch fünf
Synagogengemeinden. In diesen letzteren hat sich, trotz jahrelanger
gegenteiliger Einflüsse, das israelitisch-religiöse Leben und die
orthodoxe Praxis in Kultus- und in Familienleben ungeschwächt erhalten,
ja sich teilweise wo sie in Abnahme begriffen waren, zu neuer Lebenskraft
erhoben..." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
und allgemeine Berichte
Landrabbiner Dr. Wiesen legt in der Hofkirche in Weimar
einen Kranz für die verstorbene Großherzogin nieder
(1905)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905:
"Weimar, 2. Februar (1905). Anlässlich des Hinscheidens Ihrer
Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin Karoline von Sachsen
widmeten die israelitischen Gemeinden des Großherzogtums eine
Kranzspende, bestehend aus Palmen und Blumen, welche durch den
Großherzoglichen Landrabbiner Dr. Wiesen am Sarge der hohen Verewigten in
der Hofkirche zu Weimar niederlegt wurde. Derselbe beteiligte sich sodann
in der Gruppe der Geistlichkeit am Leichenzuge und wohnte der feierlichen
Beisetzung in der Grabkapelle der Fürstengruft bei. Am letzten Samstag,
den 28. vorigen Monats fanden in den Synagogen des Landes
Trauergottesdienste statt." |
Im Landtag sitzen mehrere antisemitische Abgeordnete
(1906)
Anmerkung: gemeint ist wohl der Landtag des 1903 bis 1918 bestehenden
Großherzogtums Sachsen mit der Hauptstadt Weimar.
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 14. Dezember 1906: "Weimar. Der neu gewählte Landtag hat
zwei antisemitische Abgeordnete: Oberlandesgerichtsrat von Richthofen und
Gastwirt Stein". |
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Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 21. Dezember 1906: "Weimar. Nachdem nunmehr die letzten
Wahlen zum Landtage vollzogen sind, werden die Antisemiten, die bisher im
Landtage unvertreten waren, mit vier Mann ihren Einzug halten. Es sind
dies: Rittergutsbesitzer von Boyneburgk, Großgrundbesitzer Allmer,
Oberlandesgerichtsrat von Richthofen und Gastwirt Stein."
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Kritische Artikel über die Politik von Minister
Wilhelm Frick (1930)
Anmerkung: Wilhelm Frick war in Thüringen seit Januar 1930 Staatsminister
für Inneres und Volksbildung in einer Koalitionsregierung und somit der erste
Minister der NSDAP zu Zeiten der Weimarer Republik. In der Zeitschrift "Der
Israelit" wurde seine Politik kritisch verfolgt. Zu Wilhelm Frick siehe Wikipedia-Artikel
"Wilhelm Frick".
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Mai 1930: "Weimar. Eine neue Bestimmung Fricks
verbietet den Stadtverwaltungen, Gesuche 'fremdrassiger Ausländer' um
Naturalisierung weiter zu empfehlen." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 5. Juni 1930: "Weimar. Im Landtag begründete der
nationalsozialistische Sprecher den Schächtverbotsantrag mit den Worten:
'Wenn dadurch die Juden unsere Kurorte meiden, dann hätten wir erreicht,
was wir erreichen wollten.' Der Antrag wurde
zurückgestellt." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. Juli 1930: "Weimar. Mit 25 gegen 22 Stimmen
wurde im Landtage ein Misstrauensvotum gegen Frick angenommen. Von
national-sozialistischer Seite wird aber erklärt, dass Frick garnicht
daran denke, aus dieser Abstimmung die Konsequenzen zu ziehen, da die
Verfassung für den Rücktritt eines Ministers mindestens die Hälfte der
Stimmen aller Abgeordneten vorsieht. Moralische Bedenken gelten für diese
Herren nicht." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen
Gemeinde
70. Geburtstag des Großherzoglichen
Generalmusikdirektors Dr. Eduard Lassen (1900)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Weimar,
2. Mai (1900). Der siebzigste Geburtstag unseres Glaubensgenossen, der Großherzoglichen
Generalmusikdirektors Dr. Eduard Lassen, gab in hiesiger Stadt zu
seltenen Ehrungen des greisen Tondichters Anlass. Im Hoftheater fand ein
Festkonzert statt, in dem die Kammersänger Karl Scheidemantel und Hans
Gießen aus Dresden, die früher der Weimarer Bühne angehörten,
mitwirkten. Sämtliche Kompositionen, die zum Vortrage gelangten, stammten
von Lassen. Aus dem überfüllten Hause, in dem sich auch der Großherzog
befand, wurden dem Jubilar freundliche Kundgebungen zuteil, für die er
schließlich von der Bühne herab in herzlichen Worten dankte. Im
Hoftheater wird eine bronzene Büste Lassens Aufstellung finden, die von
Freunden und Kunstgenossen des Tondichters gewidmet ist. Der Großherzog
hat den Jubilar durch Verleihung des Komturkreuzes des Großherzoglichen
Falkenordens ausgezeichnet, die Erbgroßherzogin sandte ein wertvolles
Festgeschenk. Der Gemeinderat der Stadt hat in Würdigung der Verdienste
Lassens um das musikalische Leben Weimars einer neuen Straße den Namen
Lassenstraße beigelegt. Lassen, welcher in Kopenhagen geboren ist, kam
1858 als Hofmusikdirektor nach Weimer und trat 1861 als Hofkapellmeister
an die Stelle Franz Liszts." |
Zum Tod der Bankierswitwe Cäcilie Callmann geb.
Hirschberg (1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1898:
"Weimar, 27. Februar (1898). Am 17. dieses Monats verstarb Frau
Witwe Bankier Cäcilie Callmann geb. Hirschberg. Als Tochter eines
Buchhändlers in Bromberg 1824 geboren, heiratete sie im Jahre 1847 den
1869 verstorbenen Bankier August Callmann. Schon im Kriegsjahre 1866 hat
sie sich als echte Patriotin ausgezeichnet und ganze Kompanien
preußischer Landwehr, welche am Ettersberg um Weimar auf Vorposten lagen,
aus eigenen Mitteln mit Nahrung etc. versorgt. Eine größere Tätigkeit
entfaltete sie in den Kriegsjahren 1870/71. Ihr Haus am Markt bildete eine
große freiwillige Arbeitsstätte für Verbandartikel und Unterzeug der
Truppen im Felde. Aus allen Straßen der Stadt kamen die Damen, alt und
jung, herbei, zu helfen und unter ihrer Anordnung zu arbeiten. Viele
Nähmaschinen gingen Tag und Nacht und im kleinen Garten saßen Kinder,
Charpie zu zupfen. Wer etwas übrig hatte, brachte es zu Frau Callmann,
dort wurde alles noch verarbeitet, alles für die Braven im Gelde
hergerichtet, und allwöchentlich gingen viele große Kosten fertiger
Waren an das Bezirkskommando zur Weiterbeförderung in Feindesland. Das
waren die Taten, mit denen die biedere Frau an die Öffentlichkeit trat.
Ihrem Rufe folgten gern Weimars Bürgerinnen zu neuer Arbeit. Gar manche
Träne verschämter Armen linderte sie im Stillen, keine Bitte ging
unerhört an ihrem Ohre vorüber. Neben reichen Auszeichnungen vom
verstorbenen Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta, von unserem
Großherzog und der hochseligen Frau Großherzogin, auf welche sie in den
letzten Tagen mit großer Freude zurückblickte - ihr Schulter zierte das
Eiserne Kreuz für frauen und Jungfrauen, der großherzoglich sächsische
Verdienst-Orden für ruhmreiche Tätigkeit im Kriege und die
Kriegsmedaille von 1870/71 -, ist ihr auch mancher schwere
Schicksalsschlag nicht erspart geblieben. Ein langes Leiden erlöste ihr
irdisches Sein im 74. Lebensjahre. Die Beerdigung hat am 18. dieses Monats
stattgefunden. Die edle Frau wollte laut letztwilliger Bestimmung in aller
Stille zur Ruhe gebettet werden, darum wurde weder Tag noch Stunde der
Bestattung bekannt gegeben; dennoch haben die Weimarer sich zahlreich zur
Trauerfeier eingefunden. Die Leichenrede wurde auf Wunsch der Familie von
Herrn Rabbiner Dr. Salzberger gehalten. Da es in Weimar sehr wenig
Glaubensgenossen gibt, so bestand der Trauerzug fast nur aus
Christen." |
Das
Bankhaus Julius Elkan schließt (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember
1905: "Weimar. Am künftigen 1. Januar (1906) wird das hiesige
Bankhaus Julius Elkan seine über mehr als fünf Menschenalter
ausgedehnte Tätigkeit beschließen, indem es an die 'Magdeburger
Privatbank' übergeht und sein Chef, Dr. Moritz, sich ins Privatleben
zurückzieht. Mit dem Hause Elkan verknüpfen sich manche Erinnerungen an
die klassische Zeit Weimars. Hingewiesen sei nur auf Goethes Verse auf 'Miedings
Tod' (1789): 'Der tätige Elkan läuft mit manchem Rest, Und diese
Gährung deutet auf ein Fest.' J. Elkan war bekanntlich der 'Hofjude', mit
dem auch Goethe in geschäftlicher Verbindung stand. Er war lange Zeit der
einzige Jude, der in Weimar lebte." |
Zum Tod von Samuel Lublinski in Weimar (1911)
Anmerkung: Samuel Lublinski (1868-1910) war ein vor allem in Berlin wirkender
jüdischer Schriftsteller, Literarhistoriker, Kritiker und Religionsphilosoph;
vgl. den Wikipedia-Artikel
Samuel Lublinski. Lublinski lebte die letzten Jahre seines Lebens in
Weimar.
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März
1911:
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken.
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Zur Geschichte des Betraumes
1805 richtete Jacob Elkan in seinem Privathaus eine
Synagoge (Betsaal) ein. Bis zu seinem Tod fanden in dieser Privatsynagoge die
Gottesdienste der jüdischen Familien in Weimar statt.
Eine Synagoge wurde im 19./20. Jahrhundert in Weimar nicht gebaut. Das
religiöse Leben fand überwiegend nur privat in den Familien statt. Zu
gottesdienstlichen Feiern an den Festtagen wurden Räume - meist in Hotels -
angemietet.
Adresse/Standort des Betraumes: Betsaal
von Jacob Elkan in dem bis heute erhaltenen Haus in der Windischenstraße 25
(über der geschmückten Eingangstür des Gebäudes finden sich die ineinander
verschlungenen Initiale "J.E." für Jacob Elkan).
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 29.6.2011)
| Haus des Jacob Elkan |
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| An den früheren
Hausbesitzer Jacob Elkan erinnert bis heute die Initiale "J.E."
über der geschmückten Eingangstüre |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 869-870; III,2 S.
1562-1563. |
 | Eva Schmidt: Jüdische Familien im Weimar der
Klassik und Nachklassik und ihr Friedhof. In: Weimarer Schriften Heft 8/1984
und Heft 48/1993. |
 | Erika Müller / Harry Stein: Jüdische
Familien in Weimar. Vom 19. Jahrhundert bis 1945. Ihre Verfolgung und
Vernichtung. In: Weimarer Schriften. Heft 55/1998. |
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link). Zu Weimar S. 264-269. |
 | Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Thüringen. Berlin 1992. S. 290-291. |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S.
329-331. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Weimar
Thuringia. The first mention of Jews in Weimar dates back to the beginning of
the 14th century. They were probably expelled from the city in the course of the
Black Death persecutions (1348-49), but returned before the end of the century.
The modern Jewish community begins with the settlement of the Courth Jew Jacob
Elkan and his son Julius Elkan, the founder of a famous banking house. In 1878,
there were 22 Jewish taxpayers of family heards in Weimar. By 1925 there were
105 Jews in Weimar and 91 in 1933 at the outset of Nazi rule. The fact that
approximately 30 % were married to non-Jews helped to protect them to some
extent from anti-Jewish measueres and possible may account for the
disproportionately large number of survivors in Weimar. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), 12.500 Jews from all over Germany were brought to the
newly erected Buchenwald concentration camp on the outskirts of Weimar. The Jews
who still remained in Weimar after July 1941 were forced to vacate their
apartments and crowded into a few 'Jewish houses'. In 1942, alle were deported.
vorherige Synagoge zur ersten Synagoge
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