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Ortenberg mit
Stadtteil Bleichenbach (Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem im Mittelalter seit 1266 als Stadt bezeichneten
Ortenberg bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1936. Bereits im Mittelalter lebten Juden in der Stadt.
Die ersten Erwähnungen liegen aus dem 13. und 14. Jahrhundert vor. 1322
wird eine Frau Hanna von Ortenberg in Frankfurt ausgenommen. 1340 werden
in Frankfurter Gerichtsbüchern anlässlich von Darlehensgeschäften Zipur
(Zippora) und Sannel (Samuel) ben Michael von Ortenberg genannt. Nach den
Judenverfolgungen in der Pestzeit (1348/49) werden Juden in Ortenberg wieder
seit 1419 genannt. 1422 zahlen zwei Ortenberger Juden je 1 Gulden Jahressteuer
an die Stadtherrschaft. Weiterhin lebten die jüdischen Einwohner insbesondere
vom Geldverleih. Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu einem Streit zwischen den
Stadtherren Diether I. von Isenburg-Büdingen und Walther von
Eppstein-Königstein über die "Juden von Ortenberg".
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert
zurück: 1659 gab es zehn jüdische Familien in der Stadt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1828 82 jüdische Einwohner (8,1 % von insgesamt 1.013), 1861 102
(9,0 % von 1.127), 1880 68 (7,5 % von 910), 1900 69 (7,5 % von 916), 1910 46
(5,3 % von 870). Zur jüdischen Gemeinde Ortenberg gehörten auch die in Bleichenbach
lebenden jüdischen Einwohner (1830 10 jüdische Einwohner, 1905 gleichfalls 10,
1932 8).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war (vgl. die Stellenausschreibungen unten). Die Gemeinde
gehörte zum liberalen Provinzialrabbinat in Gießen.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Julius Schiff (geb.
29.8.1895 in Ortenberg, gef. 20.3.1916).
Um 1924, als 46 jüdische Einwohner gezählt wurden (4,5 % von 1.021),
waren die Gemeindevorsteher Bernhard Lorsch, Siegmund Löwenstein und Gustav
Heß. Als Religionslehrer war damals Lehrer Samuel Heß aus Düdelsheim tätig
(bereits 1910 wird er bei der Beisetzung von Fanny Heß genannt, siehe Bericht
unten). Lehrer Heß unterrichtete die jüdischen Schüler an der Volksschule.
Die Schüler an höheren Schulen wurden durch Lehrer M. Halberstadt aus
Büdingen unterrichtet. Als Kantor wird Lehrer Sereisky genannt. Das Amt des
Schächtens teilten sich die Gemeindeglieder Louis Heß und Willy Stern. 1932
waren die Gemeindevorsteher R. Kaufmann (1. Vors.), W. Oppenheimer (2. Vors.)
und Bernhard Lorsch (3. Vors.). Weiterhin unterrichtete Lehrer Samuel Heß aus
Düdelsheim in der Gemeinde.
1932 übten die jüdischen Familienvorstände folgende Berufe aus: ein
Pferdehändler, zwei Viehhändler (einer davon auch Metzger), drei
Textilhändler sowie ein Herren- und Damenschneider (mit Textilhandel), ein
Metzger, der gleichzeitig mit Ölen und Fetten handelt; ein Elektro-Installateur
und ein Arbeiter (I. Liebermann).
1933 lebten noch 36 jüdische Personen in Ortenberg (3,4 % von 1.059). In
den folgenden Jahren sind fast alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im Herbst 1934 wurde der
traditionelle "Kalte Markt" erstmals ohne die Beteiligung jüdischer
Pferde- und Viehhändler durchgeführt. Bis Juli 1936 verließen fast alle
Mitglieder der elf jüdischen Familien Ortenberg und verzogen insbesondere nach
Frankfurt, von wo ein Teil von ihnen emigrieren konnte. Letzter
Gemeindevorsteher war Willy Oppenheimer. Er vollzog bereits die Auflösung der
Gemeinde. Am 28. Juli 1936 meldete
der "Niddaer Anzeiger": "Ortenberg ist judenfrei. Vorige Woche
sind die beiden letzten Judenfamilien abgereist...". Damals lebte nur
noch ein jüdisches Ehepaar und Isack Liebermann in der Stadt. Dieser stammte
aus Lodz, war seit 1921 in Ortenberg nichtjüdisch verheiratet. Beim Novemberpogrom 1938 wurde
er in
"Schutzhaft" genommen und in das KZ Buchenwald
verschleppt.
Von den in Ortenberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna
Boscowitz geb. Oppenheimer (1886), Rosa Bruchfeld geb. Hess (1879), Johanna
Friedmann geb. Kaufmann (1890), Käthchen Goldschmidt geb. Schiff (1859), Emilie
Grünebaum (1893), Sophie Löwenstein geb. Zimmermann (1885), Johanna Marx geb.
Schatzmann (1889), Arthur Oppenheimer (1893), Hans Josef Oppenheimer (1922),
Anton Schiff (1875), Hugo Schiff (1876).
Von den in Bleichenbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Desch geb.
Nassauer (1907), Adolf (Aaron) Goldschmidt (1872), Arthur Leopold (1886), David
Leopold (1874), David Leopold (1875), Harri Leopold (1931), Hugo Leopold (1912),
Irmtraud Leopold (1928), Ludwig Leopold (1903), Toni Leopold geb. Strauss
(1904), Josef Moses (11888), Elsa Salomon geb. Leopold (1903), Berta Sichel geb.
Leopold (1887), Rosa Stern geb. Leopold (1873).
Der 1938 in das KZ Buchenwald verschleppte I. Liebermann überlebte die Zeiten
im Lager und kehrte nach 1945 nach Ortenberg zurück.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1886 /
1887 / 1893 / 1898 / 1901 / 1904
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1886: "Die
israelitische Gemeinde Ortenberg (Hessen) sucht einen tüchtigen Lehrer,
Vorsänger und Schochet zu engagieren. Gehalt pro Jahr Mark 500 bei freier
Wohnung oder Mark 75 Wohnungsvergütung außer dem Einkommen des
Schochetdienstes. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an unterzeichneten
Vorstand einsenden.
Offerten von Russen und Polen bleiben unberücksichtigt.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1887: "Vakanz:
Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochet ist bis zum 15.
Februar, spätestens 1. März 1888 zu besetzen. Bewerber wollen ihre
Offerten mit Gehaltsansprüchen an den Vorstand einsehen.
Ortenberg (Hessen), 27. November 1887.
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1893: "Lehrer-Stelle.
Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets ist vom 15.
August dieses Jahres an in hiesiger Gemeinde vakant. Gehalt mit
Wohnungsvergütung Mark 810 per Jahr. Offerten sehen alsbald
entgegen.
Ortenberg in Hessen, 3. Juli 1893.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Oppenheimer." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1898: "Die
israelitische Gemeinde Ortenberg (Oberhessen) sucht bis zum 1.
September dieses Jahres einen seminaristisch gebildeten Lehrer. Mit
der Stelle ist Kantor- und Schochetdienst verbunden. Gehalt
Mark 800, Nebeneinkommen ca. Mark 300.
Bewerber wollen sich mit Zeugnis-Abschriften an den unterzeichneten
Vorstand werden.
Jacob Marcus" |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1901:
"Die israelitische Gemeinde Ortenberg, Oberhessen, sucht bis
zum 1. Juni einen Religionslehrer. Mit der Stelle ist Kantor
und Schochet verbunden.
Bewerber wollen sich mit Zeugnisabschriften an den unterzeichneten
Vorstand wenden.
Jacob Marcus." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 11. April 1904: "Die Gemeinde Ortenberg /Oberhessen) sucht
per 1. Juni einen Religionslehrer, Vorbeter und Schochet. Gehalt
Mark 700 und circa Mark 200 Nebenverdienste. Geeignete, seminaristisch
gebildete Bewerber wollen sich melden. Unverheiratete bevorzugt.
Ausländer ausgeschlossen. Der
Vorstand." |
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Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Mai 1904: "Ortenberg
(Oberhessen). Kantor, Schächter und Lehrer per Juni. Einkommen ca. 1150
Mark." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod der Witwe Fanny Heß (1910)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Mai 1910: "Ortenberg
(Hessen), 24. Mai (1910). Unter großer Beteiligung der jüdischen und
christlichen Bevölkerung fand heute die Beerdigung der nach langem Leiden
im 75. Lebensjahre verstorbenen Frau Fanny Heß Witwe statt.
Lehrer Heß – Düdelsheim schilderte in seinem Nachrufe die
Dahingeschiedene als eine echte ‚Esches chajil’ (wackere Frau),
fromm, fleißig und gottvertrauend. Früh verwitwet, hat sie mutig den
Lebenskampf aufgenommen." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufakturwarengeschäfts H. Oppenheimer
(1890)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1890: "Für mein
Manufakturwaren-Geschäft suche einen Commis als Detail-Reisender für
Landkundschaft. Eintritt September oder Oktober. Offerten mit Gehaltsansprüchen
bei freier Station. H. Oppenheimer, Ortenberg (Hessen)." |
Anzeige der Metzgerei Gustav Kaufmann (1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins)
vom 7- Februar 1924:
"Koscher.
Prima festgeräucherte
Landwurst
pro Pfund 1,30 Mark, empfiehlt
Gustav Kaufmann Metzgerei
Ortenberg (Oberhessen)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden. Um 1750/56 wurde eine erste Synagoge "aus Holz" gebaut.
dabei handelte es sich um ein zweigeschossiges Gebäude, das 120 Jahre als
Synagoge genutzt wurde, allerdings in den 1870er-Jahren in einem so
baufälligen Zustand war, dass Gottesdienste nur noch unter Lebensgefahr
abgehalten werden konnten. Der Neubau einer Synagoge war dringend notwendig;
für die kleine jüdische Gemeinde war dies jedoch ein nicht zu bewältigendes
finanzielles Problem. 1872 wurde der Gemeindebaumeister Tünezer mit der
Zeichnung von Plänen und der Ausfertigung eines Kostenvoranschlages beauftragt.
Er schlug einen etwa 15 mal 22 Meter großen Steinbau mit einseitiger Empore und
anschließender Lehrerwohnung vor. Der Neubau sollte 4000 Mark kosten. Dieser
Plan kam jedoch nicht zur Ausführung.
Im Mai 1876 konnte die jüdische Gemeinde eine Hofreite an der Stadtstraße für
8.550 Mark kaufen. Das Gebäude sollte im vorderen Teil zu einer Synagoge
umgebaut werden; die übrigen Wirtschaftsgebäude wollte man samt dem Garten
verpachten. Nachdem das Gebäude bereits nur unter Aufnahme eines Kredites
gekauft werden konnte, fehlte das Geld zum Umbau, weswegen sich die Gemeinde mit
dringenden Spendenaufrufen an die Öffentlichkeit wandte:
Spendenaufruf für den Neubau der Synagoge (1876)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1876 (abgekürzt
zitiert):
"Unsere Brüder, Israeliten!
Der unterzeichnete Vorstand der israelitischen Gemeinde findet sich
veranlasst, seiner Glaubensgenossen Mildtätigkeit in Anspruch zu nehmen.
Unsere Synagoge, vor 120 Jahren aus Holz gebaut, ist so baufällig, dass
sie eine wahre Ruine ist; sie
droht jeden Tag übereinander zu fallen; es ist lebensgefährlich,
in derselben ein Beter zu sein. Nicht
soll ein Mensch an einem Ort stehen, wo Lebensgefahr besteht. Wir
waren also genötigt, für eine andere Synagoge Sorge zu tragen und
kauften ein Haus, wozu wir eine Anleihe machten, weil die hiesige Gemeinde
nur 16 Mitglieder zählt, wovon 2/3 mittellos sind.
Es fehlen uns aber noch 3000 (sage dreitausend) Mark, bevor wir dieses
Haus zu einer Synagoge einrichten können.
Wir ersuchen deshalb unsere Glaubensgenossen Barmherzige und
Wohltätige, uns nicht im Stiche zu lassen; möge Jeder sein
Scherflein beitragen, denn die Zinsen von dieser Anleihe müssen wir
zahlen, und doch keine Synagoge haben. Der Vorstand nimmt auch die
kleinste Gabe dankend entgegen und wird später darüber öffentlich
quittieren.
Ortenberg (Oberhessen), den 7. Elul.
Der Vorstand: Maier. Heß. Oppenheimer." |
Der Spendenaufruf blieb nicht ungehört. Größere und
kleinere Spenden gingen ein:
Spende für den Synagogenbau durch den Grafen Stolberg - Roßla - Ortenberg (1876)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Ortenberg
(Oberhessen), 30. Oktober (1876). Der hiesigen israelitischen
Religionsgemeinde wurde von Seiner Erlaucht dem Grafen Stolberg – Roßla
– Ortenberg für den Synagogenbau hier ein Geschenk von Mark 300 übersandt." |
Teilergebnis der Spendensammlung (1876)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1876: "Für den Aufbau der
Synagoge in Ortenberg (Oberhessen). Durch Lehrer D. Höxter in Schermbeck
1,30. – Durch Vorstand Meier Oppenheimer: Zadok Rapp in Reibach 2,
derselbe von Jacob Lichtenstein 2, Abraham Vogel 1,50, N.N. in Mainz 5,
Menachem Schlomo Halberstadt 6, Hirsch dasselbe 10, J.M. Boehm in Brieg 3,
A. Offenstadt in Frankfurt am Main 5, Bär Zopp, Lehrer in Sickenhofen 1,
N.N. Poststelle Karlsruhe 4, zusammen 39,50." |
Mit Hilfe der eingegangenen Spenden, durch den Erlös
aus dem Verkauf des alten Synagogengebäudes (200 Mark) und durch weitere
Schuldenaufnahme konnte die neue Synagoge finanziert werden. Ein großer Anteil
wurde von einem Gemeindeglied übernommen, das Mitbesitzer des großen Anwesens
wurde und die Wohnung unter der Synagoge bezog. Im Sommer 1877 konnte mit einem
großen Fest für die ganze Stadt durch den damaligen Großherzoglichen Rabbiner
der Provinz Oberhessen Dr. Levi (Gießen) die Synagoge eingeweiht werden. Dr.
Levi berichtet darüber im Rückblick in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums":
Zur Einweihung der Synagoge in Ortenberg (1877)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1877: "Gießen,
29. Oktober (1877). Als ein Zeichen fortschreitenden Humanität und brüderlichen
Verhaltens und Verkehrens der christlichen Ortsgemeinden und Vorstände
gegen ihre jüdischen Mitbürger, wollen Sie gefälligst folgende
Tatsachen in Ihrer geschätzten Zeitung registrieren. Im Laufe verwichenen
Sommers, bei der Synagogenweihe zu Ortenberg (für falsch:
Artenberg), und letzten Samstag, bei der zu Nidda,
die ich vollzogen, und die beide in solennester Weise stattgefunden, haben
sich nicht bloß die betreffenden christlichen Geistlichen und die Kreis-
und Landbehörden am Zuge wie am Gottesdienste beteiligt: es haben auch
die verschiedenen christlichen Gesangvereine bei der Feier in erhebendster
Weise mitgewirkt, und die Ortsvorstände einen namhaften Beitrag zu den
Kosten des Synagogenbaues geleistet…
Anmerkung: Ich nehme hier die Gelegenheit wahr, die von der antiquarischen
Buchhandlung J. Kauffmann in Frankfurt am Main besorgten, goldbestickten
Vorhänge und Mäntelchen als sehr geschmackvoll anzupreisen.
Korrespondent." |
Um 1900 war das Synagogengebäude insgesamt
im Privatbesitz der Familie Oppenheimer. Der in der Wohnung unter dem
Synagogenraum lebende Besitzer hatte im östlichen Teil des
Gebäudes seinen Futtermittelhandel eingerichtet.
Auf Grund des starken Wegzugs nach jüdischen Familien nach 1933 wurde
vermutlich bereits 1934 oder wenig später das Synagogengebäude verkauft. 1933
hatte der letzte Gottesdienst stattgefunden.
Das ehemalige Synagogengebäude wurde nach 1945 zu einem bis heute
bestehenden Mehrfamilienwohnhaus
umgebaut, in dessen Erdgeschoss Geschäfts- und Lagerräume eingerichtet
wurden.
Adresse/Standort der Synagoge: Wilhelm-Leuschner-Straße
7.
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 192; zur Mikwe Altaras 1994 S.
154-156)
| Das ehemalige
Synagogengebäude |
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| Zur ehemaligen Mikwe |
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Lageplan der ehemaligen Mikwe
am
Mühlbach (1 = Mikwe, 2 = Stadtmauer) |
Rekonstruktionspläne zur
Mikwe:
1 = rituelles Tauchbecken) |
Blick zum Badehäuschen
(Januar 1992) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 633; III,2 S.
1078-1079. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 189-190. |
 | Fritz Engel: Zur Geschichte der Juden in Ortenberg
(ms.). Ortenberg 1981. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 192. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 154-156. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 331-332. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 61-62. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ortenberg
Hesse. Although Jews lived there in medieval times, no organized community
was established until the 17th century. It numbered 102 (9 % of the total) in
1861 and dedicated its third synagogue in 1877. Jews played a leading role in
the town's social, cultural and sporting life, and some were even members of the
church choir. As a result of the Nazi boycott, however, Jews hastened to leave
(44 emigrating) and the community disbanded in 1936.

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