Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

    
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"  
zu den "Synagogen im Wetteraukreis"    
  
    

Bönstadt (Stadt Niddatal, Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
-  Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeindeleben 
-  Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
-  Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen    
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Bönstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis in die 1920er-Jahr; zuletzt (bis 1938/42) waren die noch am Ort lebenden jüdischen Familien der Gemeinde in Assenheim angeschlossen. Erste jüdische Niederlassungen am Ort gab es im 17. Jahrhundert bzw. durch Urkunden nachzuweisen 1682 (so im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" vom Juni 1935 S. 118 bzw. Jahr 1682 mit Hinweis auf das Fürstl. Ysenburg'sche Gesamtarchiv Büdingen, Judensachen Nr. 499 in "Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" Heft 4 1931 S. 259).
  
Die Entstehung der Gemeinde geht in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.      
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 37 jüdische Einwohner, 1861 51 (7,6 % von insgesamt 670 Einwohnern), 1880 48 (6,6 % von 721), 1890 50 (in acht Familien), 1900 30 (5,2 % von 577), 1910 21 (3,1 % von 670). Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren vor allem als als Vieh- und Pferdehändler sowie als Metzger tätig.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Namentlich bekannt unter den Lehrern ist Samuel Kuttnauer (um 1843/47 Lehrer in Bönstadt), L. Skutsch (um 1887 Lehrer) und D. Albrecht (um 1892). Eine vermutlich letzte Ausschreibung der Stelle liegt von 1892 vor (siehe unten). Später dürfte Bönstadt auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner keinen eigenen Lehrer mehr gehabt haben. Nach dem "Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1893 S. 74 unterrichtete inzwischen Lehrer Bernhard Wunsch aus Assenheim die noch sechs jüdischen Kinder in Bönstadt. Um 1901/03 unterrichtete Lehrer Isaak Marcus aus Assenheim die noch fünf Kinder in Bönstadt. 
  
Die Gemeinde gehörte zum liberalen Provinzialrabbinat in Gießen.    
 
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1881 Levi Hofmann, um 1881/89 A. Haas, um 1892/99 Joseph Müller, A. Haas und J. Löwenthal, um 1901/03 Joseph Müller, L. Hofmann und M. Löwenthal.    
 
An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeits- und Beerdigungsverein Chewra Kadischa (genannt im "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 15 1901 S. 125).  
    
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der Gemeinde Adolf Müller (geb. 12.6.1878 in Bönstadt, wohnt vor 1914 in Ffm-Nieder-Eschbach, gef. 7.7.1916).    
  
Um 1924 lebten in Bönstadt noch 16 jüdische Personen (2,3 % von insgesamt 687 Einwohnern; in fünf Familien). Damals war Gemeindevorsteher Adolf Müller. Einem schulpflichtigen Kind der Gemeinde wurde durch Lehrer Markus aus Assenheim Religionsunterricht erteilt. Auch 1932 war Gemeindevorsteher Adolf Müller.    
  
1933 wurden noch neun jüdische Einwohner am Ort gezählt, 1939 noch sieben. Zwei jüdische Familien Berenz (darunter die des Viehhändlers Albert Berenz) waren noch in Bönstadt.   
  
Von den in Bönstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Albrecht (1889), Ella Bär geb. Müller (1906), Moritz Becker (1863), Sally Becker (1880), Albert Berenz (1891), Gustav Louis Berenz (1893), Max Berenz (1895), Irma Kaufmann (1904), Berta Manasses geb. Müller (1881), Adelheid Müller (1872), Adolf Müller (1879), Betty Müller geb. Fuld (1869), Ilse Müller (1934), Julius Müller (1877), Karoline Müller geb. Kaufmann (1906), Kathinka Müller (1877), Max Müller (1902), Karoline Gretchen Schloß geb. Haas (1873), Clementine Wolf geb. Müller (1885).   
 
Für Max Berenz (geb. 5. Oktober 1898 in Bönstadt), seine Frau Erna geb. Meyer und ihre drei Kinder Abraham, Manasse (Manfred) und Bela (Marion) liegen in Stuttgart, Albert Schäffle-Str. 105 "Stolpersteine" https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/familie-berenz-albert-schaeffle-str-105/  Sie wurden am 26. April 1942 in das Ghetto Izbica deportiert und ermordet (für tot erklärt).      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1872 / 1881 / 1892)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "Konkurrenz-Eröffnung.
Die Stelle des israelitischen Religionslehrers und Vorsängers zu Bönstadt (Oberhessen) ist erledigt, Mit einem fixen Gehalte von fl. 250 nebst freier Wohnung und Heizung, mit ca. fl. 50 Nebenakzidenzien. Bewerber wollen sich an den Vorstand daselbst wenden."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1881 (ohne Textabbildung, Link): "'Die Stelle eines Kantors und Religionslehrers ist sofort zu besetzen. Gehalt Mark 500 nebst freier Wohnung und Heizung.
Qualifizierte Bewerber wollen sich baldigst melden.
Bönstadt bei Friedberg (Hessen). Der Vorstand Levi Hofmann".  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1887 (ohne Textabbildung, Link): "Die Stelle als Religionslehrer und Kantor ist zu besetzen. Gehalt 550 bis 600 Mark, nebst freier Löhnung und Heizung. Bewerber mit Prüfungs-Zeugnissen wollen sich melden bei
A. Haas, Vorstand.  Bönstadt b. Friedberg (Hessen)."  
 
Boenstadt Israelit 11021892.jpg (44846 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1892: "Die Kantor- und Lehrerstelle in hiesiger Synagogen-Gemeinde ist bis zum 1. Mai laufenden Jahres vakant. Fixer Gehalt 500 Mark nebst freier Wohnung und Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Mitteilung ihrer bisherigen Wirksamkeit bei Unterzeichnetem melden.  
Bönstadt
, den 7. Februar 1892. 
Der Vorsteher: Joseph Müller."  

 
Über Lehrer Samuel Kuttnauer (Lehrer in Bönstadt um 1843/47)  
 
Anmerkung: Samuel Kuttnauer war möglicherweise - siehe nachfolgende Hinweise - Lehrer in Bönstadt, Rimbach, Flörsheim, Heldenbergen, Groß-Karben, Düdelsheim, Seligenstadt, dann ausgewandert nach Baltimore/USA.   

Samuel Kuttnauer ist 1814 geboren (ancestry.com). Er war um 1843/47 Lehrer in Bönstadt (bestätigt durch HHStAW 365,73: Register der jüdischen Familien von Bönstadt mit Angabe der Geburtsdaten 1823 - 1882 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=s43834&page=1&reload=true&sorting=40 S. 3). Er war verheiratet mit Caroline geb. Müller (geb. 1820 und gest. 1900 lt. ancestry.com), mit der er drei in Bönstadt geborene Kinder hatte: Dina (geb. 23. Dezember 1843), Isack (geb. 2. März 1845), Louis (geb. 4. April 1847 in Darmstadt (? lt. findagrave, nach Familienregister eher Bönstadt), gest. 24. Juni 1934 in Detroit, Grab siehe https://de.findagrave.com/memorial/11260511/louis-kuttnauer). Kuttnauer war im Anschluss an seine Zeit in Bönstadt bis 1850 Lehrer in Rimbach (genannt als Lehrer ebd. bei einer Lehrerkonferenz am 10. April 1848 in Darmstadt (in: "Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft 1927 S. 98). 1850 wurde er vom Vorstand der jüdischen Gemeinde Flörsheim als Lehrer angestellt, doch war er nur wenige Monate am Ort, weil das Staatsministerium ihn auf Grund seiner Aktivitäten bei der Revolution 1848/49 als Lehrer ablehnte.
  
Teilweise Unklarheit besteht im Blick auf die Zuordnung anderer Nennungen eines oder (eher unwahrscheinlich) mehrerer Lehrer "Kuttnauer". Da der jüdische Familienname "Kuttnauer" sehr selten ist (lt. Monica Kingreen s.u. S. 522 Anm. 76 auch in der Variante Kuttmann, Kuttenauer, Guttnauer, Gutsnauer, auch Krittnaker lt. ancestry.com) , ist durchaus möglich, dass alle nachfolgenden Belege mit Samuel Kuttnauer in Verbindung stehen (unklar nur eine Nennung von "H. Kuttnauer" 1864, vielleicht Druckfehler).
- 1853 bis 1860 wird Samuel Kutt(e)nauer als jüdischer Lehrer in Heldenbergen genannt, hier seien drei Kinder geboren (Monica Kingreen: Jüdisches Landleben in Windecken, Ostheim und Heldenbergen. 1994 S. 323 oder es sind die drei in Bönstadt geborenen Kinder gemeint; Lehrer "Kuttnauer aus Heldenbergen" wird bei einer Lehrerkonferenz in Gießen genannt: https://www.alemannia-judaica.de/giessen_rabbinat.htm).
- 1859 wird ein Lehrer Kuttnauer als "erster Sekretär" genannt bei der zweiten Generalversammlung israelitischer Lehrer des Großherzogtums Hessen am 25. Juli 1859 (in: "Der israelitische Volkslehrer" Heft 8 1859 S. 260ff). Wo er damals Lehrer war, wird nicht genannt, sehr wahrscheinlich Heldenbergen (s.o.).
- 1864 wird ein Lehrer Kuttnauer in Groß-Karben genannt, doch wird er in einer der beiden Quellen von 1864 als "H. Kuttnauer" bezeichnet (in "Der israelitische Lehrer" vom 5. September 1864 S. 1: Nennung von "H. Kuttnauer", ebd. am 3. März 1864 S. 36 Nennung von ""Lehrer Kuttnauer", jedoch ohne Vorname).
- 1864 wird ein Lehrer Kuttnauer in Düdelsheim genannt ("Der israelitische Lehrer" vom 17. November 1864 S. 164, ebd. vom 31. August 1865 S. 1).
- 1867 wird in Seligenstadt die Lehrerstelle neu ausgeschrieben, die Stelle wurde "durch einen Ruf unseres Lehrers Herrn Kuttnauer nach Baltimore" mit dem 1. März 1867 vakant (mehrere Ausschreibungen in verschiedenen Zeitschriften im Frühjahr 1867). Hierbei handelt es sich sicher um Lehrer Samuel Kuttnauer, ein Brief von ihm von 1867 ist erhalten und unterzeichnet mit S. Kuttnauer in Baltimore (siehe https://colenda.library.upenn.edu/catalog/81431-p3rb6wh20 / https://www.kaplancollection.org/item/letter-from-s-kuttnauer-to-isaac-leeser-f2f73f27/)
 
Der Sohn Louis (vgl. oben) war im Alter von 15 Jahren (1862) in die USA ausgewandert und hat sich 1867 dauerhaft in Detroit niedergelassen. Hier baute er ein erfolgreiches Tabak- und Zigarrenunternehmen auf (Grab siehe oben). Später entstand daraus in Detroit das Textilunternehmen Samuel Kuttnauer & Bros. (nach dem Sohn von Louis - Samuel Kuttnauer - bzw. Enkel von Lehrer Samuel Kuttnauer genannt, Grab und weitere Informationen https://www.findagrave.com/memorial/156399519/samuel-kuttnauer).  

  
  
Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Kleine Mitteilungen   

-  1911: Spendensammlung für die Not leidenden Glaubensbrüder im Heiligen Land. Aus Bönstadt sind an Spenden eingegangen: von Levi Hofmann 10 Mark, N. Müller 2 Mark, J. Müller 1 Mark, zusammen 13 Mark."   
-  1929: für die "Agudas Jisroel" - Gruppenverband in Deutschland spendeten aus Bönstädt: Nathan Müller 2.- Mark und Adolf Müller 2.- Mark, zusammen 4.- Mark (gesammelt durch J. Markus in Assenheim  (in: "Der Israelit" vom 18. März 1915 S. 9).  

   
   
Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Kleine Mitteilungen
  

-  1892: Hochzeit von Markus Löwenthal aus Bönstadt mit Emma geb. Fränkel aus Biblis (Spendensammlung "für die vertriebenen russischen Glaubensbrüder") (in: "Jüdische Presse" - Spendenverzeichnis vom 28. Januar 1892).  
-  1914: 90. Geburtstag von Fanny Löwenthal geb. Berberich in Bönstadt (in: "Neue jüdische Presse" vom 17. Juli 1914 S. 3).     
-  1931: Todesanzeige für Frau Berenz, gest. 6. Januar 1931 in Bönstadt (in: Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens vom Februar 1931 S. 15).   
-  1932: Verlobung von Lilli Kaufmann, Nieder-Mockstadt mit Max Müller, Bönstadt (in "Israelitisches Familienblatt" vom 3. November 1932 S. 6). 
Anmerkung: Max Müller (geb. 25. Januar 1902 in Bönstadt) und Karoline (Lilly) geb. Kaufmann wurden ab Frankfurt am Main am 22. November 1941 nach Kowno (Kauen) Fort IX deportiert und am 25. November 1941 ermordet. 
-  1933: Verlobung von Johanna Mannheimer, Wixhausen bei Darmstadt mit Leopold Beretz, Bönstadt (in "Israelitisches Familienblatt" vom 27. April 1933 S. 6).   
-  1934 (April/Mai 1934): Trauung von Siegfried Bär, Wenings mit Ella Müller, Bönstadt Kreis Friedberg (in: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" vom Juni 1934 S. 410).
Anmerkung: Siegfried Bär (geb. 5. Oktober 1906 in Wenings, später wohnhaft in Frankfurt am Main) und seine Frau Ella geb. Müller (geb. 29. März 1906 in Bönstadt) wurden ab Frankfurt am Main am 20. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und ermordet. Bei Ella Bär wird als Todesdatum der 21. Mai 1942 angegeben. 
Gedenkblatt und Foto von Siegfried Bär im Archiv Yad Vashem: https://collections.yadvashem.org/en/names/13521930,
dass. von Ella Bär geb. Müller: https://collections.yadvashem.org/en/names/13555744  
  

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeigen von Viehhändler und Metzgermeister Nathan Müller (1905 / 1911)  

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 1. Juni 1905: "Kräftiger Junge
aus achtbarer Familie kann bei mir die Metzgerei und Viehhandlung erlernen. Schabbat und Feiertag geschlossen.
Eintritt gleich nach Pfingsten.
N. Müller, Bönstadt
bei Friedberg."  
 
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 27. April 1911: "Suche einen
Metzgerburschen
im Alter von 17-18 Jahren.
Nathan Müller. Bönstadt
(Hessen)."   

   
Anzeige der Frau von Levi Hofmann (1909)   

Anzeige in der "Neuen jüdischen Presse - Frankfurter israelitisches Familienblatt" vom 2. Juli 1909: "Suche zu sofortigem Eintritt gegen guten Lohn ein tüchtiges
Mädchen,
welches alle Hausarbeit und Kochen versteht.
Frau Levi Hofmann. Bönstadt.

Kreis Friedberg i. Hessen."  

     
Todesanzeige für Markus Löwenthal (1935)      

Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 28. März 1935: "Plötzlich und unerwartet verschied am 15. März mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater,
Herr Markus Löwenthal

im 75. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emma Löwenthal geb. Fränkel.
Bönstadt
(b. Friedberg, Hessen), 15, März 1935."   

     
    
    

Zur Geschichte der Synagoge    
             
     
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Wann die Synagoge auf dem heutigen Grundstück an der Erbstädter Straße erbaut wurde, ist nicht bekannt. Das Grundstück liegt etwas zurückgesetzt von der Erbstädter Straße am mittelalterlich-frühneuzeitlichen Ortsrand (dem Haingraben genannten ehemaligen Befestigungsgraben). Hier, dicht bei der oberen Dorfpforte, war ein kleiner gemeindeeigener Platz, auf dem im späten 18. Jahrhundert auch das Gemeindespritzenhaus mit dahinter angebauten Arrestraum (Gemeindegefängnis) erbaut worden war. Das Spritzenhaus ist ann Anfang der 1970er Jahre abgebrochen worden (jetzt ein kleiner freier Platz, Erbstädter Straße 24). Die dörfliche Pforte ist wohl bereits Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen worden.
 
Im Gebäude der Synagoge war auch die jüdische Schule.
   
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder so stark zurückgegangen, dass kein Gottesdienst mehr abgehalten werden konnte. Seitdem wurden die Gottesdienste in Assenheim besucht.         
    
Das Synagogengebäude wurde verkauft und zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. 
 
  
    
Adresse/Standort der Synagoge:   Erbstädter Straße 20 (nach Angaben von Arnsberg; früher Hauptstraße 23), eventuell gehörte das direkt dahinter liegende Haus (heutige Erbstädter Straße 22) auch zum jüdischen Gemeindekomplex (eventuell Lehrerwohnung, Mikwe usw.).  
    
    
Fotos  

 Pläne     
   Urkataster Bönstadt von 1854 (Stadtarchiv Niddatal,
Bestand Stadtteil Bönstadt, Abt. 15, Abschn. 6,
 Konv. 32, Fasz. 6)
 Aktueller Katasterplan der
Gemeinde Bönstadt mit Eintragung
der ehemaligen Synagoge
     
Das ehemalige Synagogengebäude
(Fotos von Dieter Wolf, Aufnahmedatum 12. August 2025)  
 
     
  Ehemalige Synagogengebäude (links)
und ehemaliges Obertor 
Ehemaliges jüdisches Gemeindezentrum
(Synagoge und jüdische Schule) 
 Links ehemalige jüdische Gemeindezentrum,
rechts ehemaliges Obertor
 

 

  
   
Links und Literatur

Links:   

bulletWebsite der Stadt Niddatal  
bulletSeite zum jüdischen Friedhof in Bönstadt (interner Link)    

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bönstadt 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Bönstadt sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,73     Register der jüdischen Familien von Bönstadt mit Angabe der Geburtsdaten  1823 - 1882      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=s43834&page=1&reload=true&sorting=40      
HHStAW 365,904   Geburts- und Trauregister sowie Kultusangelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Bönstadt     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732244   
Enthält auch Auszüge aus Verordnungsblättern betreffend Führung der israelitischen Standesregister; Auszüge des Entbindungsinstituts Gießen, Geburtsregister, Verträge betreffend die Aufnahme von Juden in die Ortsbürgerschaft, Trauregister, Bildung von Vorständen der israelitischen Gemeinde; Jüdische Totenzeugnisse (1 Leichenpass).    

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 85-86.  
bulletW. Hartherz: Die Geschichte der Juden in Bönstadt. In: Heimatbuch der Gemeinde Bönstadt. 1973. 
bulletKein Abschnitt zu Bönstadt in: Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 bzw. dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 329-330. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 113.   

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Boenstadt  Hesse. Numbering 51 (7,6 % of the total) in 1861, the community declined and after Worldwar I its synagogue was closed. Seven Jews living there in 1939 were eventually deported.   
    
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge    

              

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. August 2026