Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
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In Ober-Mockstadt bestand eine jüdische
Gemeinde bis Anfang der 1930er-Jahre. Ihre Entstehung geht in das 18.
Jahrhundert zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1828 34 jüdische Einwohner, 1861 43 (6,0 % von insgesamt 712
Einwohnern), 1880 41 (6,3 % von 654), 1900 34 (5,1 % von 661), 1910 35 (5,4 %
von 643). Zur Gemeinde gehörten seit 1849 auch die in Ranstadt
lebenden jüdischen Einwohner (1830 21 jüdische Einwohner, 1905 18), die bis
dahin zur Gemeinde in Nieder-Mockstadt
gehört hatten.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Einen eigenen Lehrer hatte die Gemeinde nur in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts (bis 1899 Lehrer Freienstein). Nach Wegzug der Familie Oppenheimer
konnte sich die Gemeinde keinen Lehrer mehr leisten. Zeitweise gab es auch keine
schulpflichtigen jüdischen Kinder am Ort (z.B. 1905). Ansonsten wurde den
Kindern der Gemeinde der Religionsunterricht durch auswärtige Lehrer erteilt.
Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in
Gießen.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 21 Personen gehörten (in sieben Familien;
3,3 % von insgesamt 638 Einwohnern, dazu 14 jüdische Personen in vier Familien
aus Ranstadt), war Gemeindevorsteher Moritz Siesel. Die damals zwei
schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erhielten ihren
Religionsunterricht durch Lehrer Jung. 1932 war Gemeindevorsteher
weiterhin Moritz Siesel.
1933 lebten 27 jüdische Personen in Ober-Mockstadt (4,3 % von insgesamt 632
Einwohnern). In
den folgenden Jahren sind alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1938 sind neun
Personen aus Ober-Mockstadt verzogen (davon eine Person nach Palästina
emigriert, eine nach Straßburg verzogen). 1938 war die Gemeinde bereits
offiziell aufgelöst. Im Februar 1939 wurden keine jüdischen Einwohner
mehr am Ort gezählt.
Von den in Ober-Mockstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Kathinka (Käthe) Cohn
geb. Meier (1891), Franziska Guttman geb. Siesel (1873), Sophie Oppenheimer geb.
Strauss (1897), Isidor Reichenberg (1877).
Aus Ranstadt sind umgekommen: Max Heß (1887), Karl (Carl) Kahn (1878),
Moritz Kahn (1873), Irene Krämer geb. Hess
(1888).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
70. Geburtstag von Meier Siesel II. (1912)