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Wetteraukreis"
Nieder-Mockstadt (Stadt
Florstadt, Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Nieder-Mockstadt bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Eine selbständige jüdische Gemeinde am Ort wurde am Anfang des 19.
Jahrhunderts gegründet (um 1806).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1828 53 jüdische Einwohner, 1861 89 (12,7 % von insgesamt 700
Einwohnern), 1880 54 (6,8 % von 789), 1900 32 (4,6 % von 692), 1905 32, 1910 44
(5,8 % von 753). Bis 1849 gehörten auch die in Ranstadt lebenden jüdischen
Personen zur Gemeinde Nieder-Mockstadt (1830 21 jüdische Einwohner, 1905 18;
nach 1849 gehörte Ranstadt zu Ober-Mockstadt).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war - Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit
der Nachbargemeinde Staden - ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle
unten). Seit 1912 bestand ein "Lehrerverband" Nidda mit Geiß Nidda
und Nieder-Mockstadt. 1921 gab es in Nieder-Mockstadt noch 15 schulpflichtige
Kinder, 1924 noch 11. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat
Oberhessen in Gießen.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Salomon (Sally)
Goldschmidt (geb. 19.2.1887 in Nieder-Mockstadt, vor 1914 in Assenheim wohnhaft,
gef. 12.5.1915).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 40 jüdische Personen gehörten (5,6 % von
etwa 707 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Julius Halberstadt, Löb
Halberstadt und Jonas Halberstadt. Den Religionsunterricht für die damals 10
schulpflichtigen Kinder der Gemeinde erteilte inzwischen Lehrer Markus aus
Assenheim. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den
Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet 1919, 1924/32 unter
Leitung von Löb Halberstadt mit neun Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet:
Unterstützung Hilfsbedürftiger). 1932 waren die Gemeindevorsteher Löb
Halberstadt (1. Vors.), Julius Halberstadt (2. Vors.) und Leo Kaufmann (3.
Vors.). 1932 gab es am Ort noch zwei jüdische Viehhändler, drei Textilhändler,
je einen Kolonialwaren- und Eisenwarenhändler, einen Händler in Landesprodukten
sowie einen Bäcker und einen Metzger.
1933 lebten noch 35 jüdische Personen in Nieder-Mockstadt (4,8 % von
728 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (fünf Personen nach Palästina,
je eine Person nach den USA, nach Holland und Frankreich). Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). 1942
lebte nur noch Aron H. Hess in Nieder-Mockstadt, der im September dieses Jahres
nach Theresienstadt deportiert wurde. Er wurde vermutlich wenig später in
Auschwitz ermordet.
Von den in Nieder-Mockstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Elias geb.
Oppenheimer (1887), Bettchen Gerson geb. Kaufmann (1863), Malvine Goldschmidt
(1882), Elias Halberstadt (1877), Gustav Halberstadt (1882), Aaron H. Hess
(1896), Karoline Müller geb. Kaufmann (1906), Sara Münz geb. Halberstadt
(1888), Rosa Schnitzler geb. Goldschmidt (1878).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1893: "Die
vereinigten Gemeinden Nieder-Mockstadt und Staden in
Hessen suchen einen
geprüften Lehrer und Vorsänger. Gehalt 600-700 Mark nebst freier
Wohnung. Einkommen für Schächten ca. 200 Mark. Schriftliche Offerten an
den Vorstand in Nieder-Mockstadt (Wetterau)." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Adolf Korn (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1903: "Junger
Bäcker, sucht Stellung. Näheres
Adolf Korn, Nieder-Mockstadt (Hessen)." |
Anzeigen der Brot- und Feinbäckerei E. Halberstadt
(1903 / 1905)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 2. Juli 1903: "Ein Junge,
der die Brot- und Feinbäckerei erlernen will, kann sofort eintreten.
Samstags und Feiertage streng geschlossen.
E. Halberstadt, Nieder-Mockstadt
(Hessen)." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Februar 1905:
"Suche auf Ostern oder sofort einen Lehrjungen.
Samstags und Feiertage geschlossen.
E. Halberstadt, Brot- und Feinbäckerei. Niedermockstadt in
Hessen." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. Um 1836
wurde eine Synagoge im Gebäude Orlesstraße 1 eingerichtet. Beim Gebäude
handelte es sich um eine frühere Scheune, erbaut als hochgeschossigen Lehmbau,
verputzt mit Fachwerkkonstruktion und einem Krüppelwalmdach. Auffallend ist die
Höhe des Gebäudes, wodurch die Nachbarhäuser überragt wurden.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute zerstört. Das Gebäude blieb erhalten, kam
in den Besitz der Gemeinde und wurde zu einem bis heute bestehenden Gerätehaus der Feuerwehr
umgebaut.
In den 1990er-Jahren wurde eine Gedenktafel am Gebäude angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Orlesstraße
1
Fotos / Plan
(Quelle: Landesamt für Denkmalpflege in Hessen
s.u. Links)
Ansicht
des Synagogengebäudes
an der Orlesstraße |
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Aktuelle Fotos
werden noch erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster von
"Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 139. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 190-191. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 154. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 319. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 271. |
 | Susanne Gerschlauer: Synagogen. In: Kirchen und
Synagogen in den Dörfern der Wetterau. Reihe Wetterauer Geschichtsblätter.
Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Band 53. Im Auftrag des Friedberger
Geschichtsvereins hrsg. von Michael Keller. Friedberg 2004 S. 289-326. |
 | dies.: Katalog der Synagogen. In: ebd. S. 555-580.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Nieder-Mockstadt
Hesse. Numbering 89 (13 % of the total) in 1861, the community declined to
35 in 1933. Most Jewish families were surnamed Halberstadt and evidently
originated there. All but one of the Jews left after Kristallnacht (9-10
November 1938), when the synagogue's interior was destroyed.

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