Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
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In Staden bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18.
Jahrhunderts zurück. Namentlich werden um 1755/56 die Schutzjuden Hirsch
und Schmuel genannt. Damals war bereits ein Vorsänger namens Abraham Markus,
der zweite Mann von Jud Wolf Witwe am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1828 108 jüdische Einwohner, 1861 71 (17,2 % von insgesamt
1861), 1871 87, 1880 63 (15,9 % von 396), 1900 56 (14,2 % von 393), 1910 36 (9,6
% von 376). Auch die im benachbarten Stammheim
lebenden jüdischen Einwohner gehörten zur Gemeinde in Staden (1830 25, 1905 23
Personen). Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Pferde und
Landesprodukten; seit dem 19. Jahrhunderten gehörten ihnen mehrere Läden und
Geschäfte am Ort.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war zeitweise (Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit Nieder-Mockstadt) ein jüdischer Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter
fungierte. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gehörte die Gemeinde zum
liberalen Provinzialrabbinat Oberhessen in Gießen.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Fuld.
Um 1924, als noch 23 jüdische Einwohner gezählt wurden (4,9 % von
insgesamt 425 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde M. Hessenberger I.
Weiterhin gehörten auch die in Stammheim
lebenden jüdischen Personen (1925 12 in 3 Familien) zur Gemeinde in Staden. In
beiden Orten gab es damals zusammen fünf schulpflichtige jüdische Kinder, die
den Religionsunterricht durch Lehrer Markus aus Assenheim erteilt bekamen. 1932
waren die Gemeindevorsteher Sally Becke (Stammheim, 1. Vorsitzender), Hermann Stern
(Staden, 2. Vorsitzender) und Leopold Kahn (Stammheim, 3. Vorsitzender). In
Stammheim lebten 1932 neun jüdische Personen. Ende 1932 gab es am Ort noch drei
jüdische Viehhändler, einen Pferdehändler, zwei Fruchthändler; in jüdischem
Besitz waren ein Manufakturwarengeschäft, ein Lebensmittelgeschäft und eine
Bäckerei mit Lebensmittelgeschäft.
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in Staden. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (sechs in die USA, zwei nach
Palästina); drei Personen verstarben noch in Staden; fünf Personen wurden von
Frankfurt am Main aus deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge demoliert (s.u.). Im September 1942 wurde
Therese Sommer geb. Münz aus Nieder-Mockstadt nach Theresienstadt deportiert; aus Stammheim wurden die letzten beiden
jüdischen Einwohner (Leopold Kahn und seine Frau Anna Kahn geb. Adler) im September 1942
gleichfalls nach Theresienstadt
deportiert.
Von den in Staden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde Adler geb.
Grünebaum (1869), Sabina Blum geb. Stern (1877), Kloti Frank geb. Hessenberger
(1895), Alfred Fuld (1894), Lieselotte Fuld (1923), Ruth Fuld (1928), Lilly
(Lina) Glück geb. Fuld (1891), Berta Herz geb. Hessenberger (1891), Bernhard
Hessenberger (1875), Dora (Rosa) Löwenberg geb. Hessenberger (1893), Bertha
Ochs geb. Hessenberger (1891), Johanna Schönfeld geb. Hessenberger (1883),
Samuel Stern (1860), Cäcilie Zuntz geb. Hessenberger (1887).
Von den in Stammheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anna Kahn geb. Adler
(1880), Benno Kahn (1902), Leopold Kahn (1874), Ida Löb geb. Becker (1912),
Karl Schwarz (1905), Max Schwarz (1898), Recha Schwarz (1903), Jettchen
Schönfeld geb. Stern (1864), Leopold Stern (1862).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betsaal oder eine ältere
Synagoge vorhanden. Um 1862 wurde eine neue Synagoge an der Hofgasse -
von der Straße etwas zurückliegend - erbaut. Beim Gebäude handelt es sich um
ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit einem steilen Satteldach traufseitig
zum Verlauf der Straße. Zum Inventar
gehörten drei Torarollen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Leute demoliert. Auf Grund der engen Bebauung
im Bereich der Hofgasse wurde das Gebäude nicht in Brand gesetzt. Es kam in
Privatbesitz und wurde zu einem Lager umgebaut. Durch den Umbau eines großen
Tores und Veränderung der Fenster wurde das Gebäude im Blick auf seine
Vergangenheit unkenntlich gemacht. Im Fachwerk sind jedoch noch Spuren der
Rundbogenfenster erkennbar. 1992 erfolgte ein Besitzerwechsel.
Adresse/Standort der Synagoge: Hofgasse 1
Fotos / Plan:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 293. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 194-195. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 156. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 319. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 311-312. |
 | Susanne Gerschlauer: Synagogen. In: Kirchen und
Synagogen in den Dörfern der Wetterau. Reihe Wetterauer Geschichtsblätter.
Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Band 53. Im Auftrag des Friedberger
Geschichtsvereins hrsg. von Michael Keller. Friedberg 2004 S.
289-326. |
 | dies.: Katalog der Synagogen. In: ebd. S.
555-580.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Staden
Hesse. Established around 1700, the Jewish community numbered 87 (about 22 % of
the total) in 1828 but dwindled to 22 in 1933. Its synagogue was vandalized on
Kristallnacht (9-10 November 1938), and all the remaining Jews left before
Worldwar II.

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