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Netra mit
Datterode (Gemeinde Ringgau, Werra-Meißner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Netra bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Um 1750 ist nach Tann (Rhön) Nesanel
ben Jizchok aus Netra mit sieben Söhnen zugezogen.
Noch älter als in Netra dürfte die Ansiedlung jüdischer Personen in Datterode
sein, wo bereits 1595 ein jüdischer Einwohner genannt wird. 1673/74
erfährt man von Löwe Heilbrunn am Ort, 1683 erscheint Meyer Calman von
dem die Familie Meyer abstammt, die über mehrere Generationen am Ort lebte. 1737
werden genannt: Sandel der Jude, Calman Meyer und David Schmul.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
in Netra wie
folgt: 1812 37 jüdische Einwohner, 1835 88, 1861 110 (13,0 % von insgesamt 847
Einwohnern), 1871 97 (12,7 % von 763), 1885 90 (11,7 % von 771), 1895 68 (9,1 %
von 747), 1905 65 (89,5 % von 685). In Datterode wurden gezählt: 1835 28
jüdische Einwohner (von insgesamt 548 Einwohnern), 1861 59, 1905 29, 1924 16, 1932 10. Die jüdischen Familien
in Datterode gehörten zunächst zur Gemeinde in Reichensachsen,
wünschten sich jedoch 1884-1885 auf Grund der Entfernung einen Anschluss an Netra.
Die jüdischen Familienvorsteher waren als Viehhändler und als Handelsleute
tätig. Die meisten von ihnen hatten etwas Landwirtschaft, waren sehr
bodenständig und im Ortsleben völlig integriert. Es gab auch einige
Handwerker: einen jüdischen Tischer, einen Schuhmacher (siehe unten Bericht zum
81. Geburtstag des Schuhmachers Simon Goldschmidt 1928) und einen Metzger.
Zwischen 1881 und 1884 hatte der Landwirt und Viehhändler Jakob Stern bei der
Garde in Berlin gedient. Er war in Netra sehr beliebt und nach seiner Heirat
einige Jahre Mitglied des Gemeinderates. Drei seiner Söhne waren
Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg: zwei wurden schwer verwundet; der Sohn
Arthur ist gefallen. Viele der jüdischen Männer in Netra waren Mitglieder bei
der Freiwilligen Feuerwehr.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (bis zur Auflösung 1924 jüdische Elementarschule, danach
Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. In den 1860er-Jahren wird über einen dauernden
Lehrerwechsel berichtet, u.a. wird genannt: Lehrer J. Cornelius 1866 (Quelle,
wahrscheinlich der wenig später in Rotenburg
an der Fulda unterrichtende Jakob Cornelius). Von 1869 ab unterrichtete Lehrer Levi Müller 23
jüdische Kinder. Die Zahl der Kinder nahm jedoch in der Folgezeit ständig ab.
Zwischen 1901 und 1912 waren noch zwischen acht und zwölf Kinder zu
unterrichten. Seit 1905 war Lehrer Josef Kaschmann am Ort. Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises
Eschwege
(mit dem dortigen Kreisrabbiner) zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in
Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Moritz Löwenstein
(geb. 13.12.1878 in Netra, gef. 23.10.1917) und der bereits genannte Arthur
Stern (geb. 1.11.1891 in Netra, gef. 5.2.1916), beide aus Netra. Aus Datterode wurden
fünf jüdische Männer eingezogen, von denen Baruch Löbenstein mit dem
Eisernen Kreis II ausgezeichnet wurde. Außerdem ist gefallen: Ferdinand Katz
(geb. 9.2.1887 in Netra, vor 1914 in Elbing wohnhaft, gef. 4.10.1917)
Um 1925, als zur Gemeinde noch 32 Personen gehörten (4,8 % von insgesamt
663 Einwohnern, dazu die in Datterode lebenden jüdischen Personen), waren die Gemeindevorsteher die Herren Leopold Rothschild und
Siegfried Löwenstein. Als Lehrer war der schon genannten Lehrer Josef Kaschmann
tätig. Er
unterrichtete damals noch sechs schulpflichtige jüdische Kinder in Religion.
Lehrer Kaschmann war auch Vorsitzender des Wohltätigkeitsvereines der Gemeinde,
der 1925 neun Mitglieder hatte. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin
Siegfried Löwenstein (1. Vorsitzender) und Leopold Rothschild (Schatzmeister).
Lehrer Josef Kaschmann unterrichtete im Schuljahr 1931/32 nur noch ein jüdisches
Kind.
1933 lebten noch 22 jüdische Personen in Netra (3 % von 695 Einwohnern). In
den folgenden Jahren sind die meisten der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die Mehrzahl verzog vor
1938 nach Eschwege. 1938 wohnten noch
zwei jüdische Familien in Netra: der letzte Gemeindevorsteher Sally Rothschild
(Fellhändler) mit Frau und Tochter, ebenso Moritz Katz (Viehhändler) mit Frau
und Tochter.
In Datterode lebten 1933 noch die Familien Albert Pfifferling
(Brunnenstraße 24) und Hermann Pfifferling mit zusammen 12 Personen. Albert
Pfifferling verstarb im März 1933. Die Töchter Ilse und Hilde (später auch
deren Mutter Toni) emigrierten 1934/35 in die Schweiz, Sohn Julius gelangte Ende
1938 nach Chile. Auch das Ehepaar Hermann und Jeanette Pfifferling ist 1937/38
noch in der Heimat gestorben. Sohn Karl emigrierte nach New York.
Von den in Netra geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Clothilde Amram geb.
Rothschild (1859), Moritz Goldschmidt (1885), Salo Goldschmidt (1872), Selma
Götz geb. Katzenstein (1876), Emilie Katz geb. Löwenstein (1875), Hedwig Katz
geb. Goldschmidt (1908), Marta Katz (1908), Moritz Katz (1873), Bernhardt
Katzenstein (1875), Ida Katzenstein (1872), Sophie Katzenstein geb. Rothschild
(1900), Berta Lipschitz geb. Katzenstein (1873), Klara Löwenberg geb. Rotschild
(1892), Edith Löwenstein (1921), Esterchen Dora Löwenstein geb. Rothschild
(1869), Hilda Reichenberg geb. Löwenstein (1885), Fanny Rosenstein geb.
Goldschmidt (1876), Carl Rothschild (1862), Herbert Rothschild (1930), Hermann
Rothschild (1867), Leopold Rothschild (1898), Sally Rothschild (1898), Sara
Rothschild geb. Lomnitz (1863), Jetta Schröder geb. Katz (1865), Emma Stein
geb. Stern (1875), Rosa Stein geb. Wertheim (1881), Jenny Stern geb. Rothschild
(1897), Frieda Wertheim (1878), Julie Wolf geb. Goldschmidt (1873), Minna (Ninni)
Wolfermann geb. Stern (1908).
Von den in Datterode geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Formann geb. Stern
(1908), Rosa Freund geb. Löbenstein (1885), Berta Frießner geb. Pfifferling
(1897), Berta Frießner geb. Pfifferling (1897), Lina Hefter geb. Pfifferling (1857), Baruch Löbenstein (1881), Ruben
Löbenstein (1865), Erich Emanuel Maier (1934)*, Frieda Maier geb.
Pfifferling (1901), Julius Maier (1905), Alexander Pfifferling (1878), Joseph
Pfifferling (1870), Käthe Pfifferling (1899), Louis Pfifferling (1894), Salomon
Pfifferling (1882), Sara Pfifferling (1888), Frieda Stern geb. Pfifferling
(1886).
*Erich Maier Sohn von Julius von Frieda Maier) wird in der Liste des
Bundesarchives geführt; nach anderen Angaben hat er die Zeit der Shoa überlebt
und sei sogar 1996 zu Besuch in Datterode gewesen; über Hinweise ist der
Webmaster der "Alemannia Judaica" dankbar: Adresse siehe Eingangsseite.
Hinweis: Weitere Angaben zum Schicksal der genannten Personen aus
Datterode finden sich auf einer Seite
in der Website des Heimatvereins Datterode.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Antisemitisches aus Datterode (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1891: "In
dem im Kreise Eschwege gelegenen Dorf Datterode, in welchem die
wenigen jüdischen Familien in bestem Einvernehmen mit den übrigen
Dorfbewohnern lebten, fand man neulich die berüchtigten Fritsch'schen und
Werner'schen Flugblätter angeklagt. Eine Frau P. entfernte ein solches
Plakat von einer Telegraphenstange. Am andern Morgen war an derselben
Stelle ein mit folgenden Worten beschriebener Zettel zu bemerken:
'Warnung! wen hold die olle P. unsre Blätterle nochmals runner reist, so
soll den hold die olle O. dran mit an baar Dutzeln von Ihr leit baumeln!!!
Also Ihr Christen seit auf der Hut, helft sie unterdrücken bald werden
wir des Geschmeise los sehr Ihr vielleicht dass einer von den leid will
arbeiten alle wollen von uns Christen ernährt werden dieses Wüstenvolk.
Dem Bauersmann ging es viel besser wen wir hold dies Wüstenvolk nicht
hier hätten. Der bauersmann säet aus und das Wüstenvolk erndet ein, so
geht es auch mit dem Vieh unser armes Christen Volk füttert das Vieh
groß und das Wüstenvolk treibt es zum margde also dies kann nicht mehr
so fort gehen in zwanzig Jahren wehren die Christen den Juden Ihre Sklafen.'
Sind doch nette Leute diese Antisemiten!-" |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Frau (Baruch) Pfifferling in Datterode
(1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1915: "Datterode,
11. April (1915). An einem Halbfeiertag des Pessachfestes
(Anfang April 1915) starb plötzlich und unerwartet nach kurzer Krankheit
die älteste Frau unserer Gemeinde, Frau Baruch Pfifferling. Die
Verstorbene war eine wackere Frau im schönsten Sinne des Wortes
und wirkte in ihrem Familienkreise bescheiden und fromm im Geiste unserer Tora.
Das Leichenbegängnis, an dem nicht nur alle Mitglieder des Ortes und der
nächsten Nachbargemeinden, sondern auch viele nichtjüdische Mitbürger
teilnahmen, gab ein beredtes Zeugnis, welcher Beliebtheit sich die
Verblichene bei ihren Mitmenschen zu erfreuen hatte. An der Bahre sprach
im Auftrage der Familie ein Sohn der Verstorbenen, Lehrer Pfifferling aus
Aurich, zur Zeit verwundet in Hildesheim, ergreifende Abschiedsworte. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
70. Geburtstag von Lina Kaschmann geb. Blumenstiel (1928)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1928: "Netra,
6. September (1928). Ihren 70. Geburtstag begeht am 14. September Frau
Lina Kaschmann geb. Blumenstiel.." |
81. Geburtstag von Simon Goldschmidt (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1928: "Netra,
2. Dezember (1928). Seinen 81. Geburtstag beging in größter
körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische der Schuhmacher Simon
Goldschmidt dahier. Die Familie Goldschmidt betreibt übrigens das
Schuhmacherhandwerk in Netra seit dem Jahre
1820." |
Anzeigen
jüdische Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Viehhändlers Baruch Pfifferling in Datterode
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891: "Suche
für meinen Sohn, 15 Jahre alt, Stelle als Lehrling bei einem Metzger,
eventuell auch Schuhmacher.
Baruch Pfifferling, Viehhändler in Datterode
(Hessen)." |
Anzeige der Viehhandlung Josef Löbenstein II in
Datterode (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1901:
"Für meine Viehhandlung suche zum baldigen Eintritt einen jungen
kräftigen Mann.
Josef Löbenstein II., Datterode, bei Hoheneiche, Bezirk
Kassel." |
Anzeige des Manufaktur- und Landesprodukten-Geschäftes
Gebr. Löbenstein in Datterode (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 25. Mai 1903: "Für unser Manufaktur- und
Landesprodukten-Geschäft, Schabbos und Jomtof (Feiertag) geschlossen,
suchen wir einen militärfreien,
jungen Mann,
der in der Manufakturwaren-Branche tätig war und Landtouren zu
unternehmen hat. Offerten nebst Gehaltsansprüchen an
Gebrüder Löbenstein, Datterode, Bezirk
Kassel." |
| vgl. zu dieser Familie Löbenstein in
Datterode den Hinweis in der Literaturliste unten (Buch über die
Mathematikerin Klara Löbenstein) |
Zur Geschichte der Synagoge
In Netra war eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal
vorhanden. Das Gebäude wurde vermutlich Anfang des 19. Jahrhundert
erbaut. Es handelte sich um einen Fachwerkbau mit einem Hofgebäude. Näheres
über das Aussehen des Gebäudes ist nicht bekannt.
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde (im
Zeitraum zwischen 1933 und 1938) wurde das Synagogengebäude als Stall und
Scheune benutzt. 1971 ließ der Besitzer das Gebäude auf Grund des
baufälligen Zustandes abreißen. Bis zuletzt war (nach Angaben bei Arnsberg) im
Inneren die Frauensynagoge noch sichtbar sowie der Platz, an dem sich der
Toraschrein befand. An Stelle der ehemaligen Synagoge wurde eine
Garage erstellt.
Auch in Datterode war ein Betraum vorhanden: in einer Urkunde von 1925
(s.u.) wird ein Gebäude als "Judenschule" bezeichnet, womit ein Haus
mit einem Raum für Gebet und Gottesdienst, eventuell auch für den Unterricht
der Kinder gemeint war. Da die Zahl der jüdischen Männer immer wieder nicht
für die Erreichung des Minjan ausreichte, wurden - nach der Erinnerung am Ort -
manchmal auch bestimmte nichtjüdische Männer zum Gottesdienst
eingeladen.
Adresse/Standort der Synagoge: Netra: Brauhausstraße
19; Judenschule in Datterode: Leipziger Str. 45.
Fotos / Abbildungen
Historische
Fotos zur
jüdischen Geschichte in Netra liegen noch nicht vor
(über Hinweise
oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia
Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Erinnerung an
die jüdische Geschichte
in Netra im Jüdischen Museum
in Berlin
(Fotos: Jüdisches Museum Berlin) |
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Besamim-Büchse
mit der Inschrift "Gestiftet von Moritz Löwenstein, Netra
1912".
Moritz Löwenstein könnte mit dem im Ersten Weltkrieg im Oktober 1917
gefallenen
Moritz Löwenstein identisch sein (s.u.). (Link zum Wikipedia-Artikel
Besamim-Büchse) |
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Nachkommen der
Familie Löwenstein
zu Besuch in Netra |
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Nach
einer Kontaktaufnahme mit dem Heimatverein Datterode besuchte im Frühjahr
2010 eine Enkelin des im Ersten Weltkrieg gefallenen Moritz Löwenstein
und seiner 1937 nach Palästina / Israel emigrierten Witwe Henriette
(Jettchen) Löwenstein mit ihrer Familie den Ort der Vorfahren. Foto
links: am Gefallenendenkmal der Gemeinde Netra, wo der Name von Moritz Löwenstein
verzeichnet ist; rechts vor dem ehemaligen Haus der Familie Löwenstein in
Netra. Bericht
über den Besuch in der Website des Heimatvereins Datterode. |
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Fotos zur
jüdischen Geschichte in Datterode
(Quelle: Website
des Heimatvereins Datterode;
Fotos zur Verfügung gestellt vom
Heimatverein Datterode)
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| Rechts: Die
"Judenschule" in den 1950er-Jahren |
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Kaufvertrag
(rechts) mit
dem Text: "Ich der Friedrich Brüssler Datterode kaufte heute von
H (=Hermann) Pfifferling die Scheune und Stall bei der Judenschule zum
Abbruch für dreihundert Mark, einhundertfünfzig Mark sind bezahlt. Der
Rest mit einhundertfünfzig werden am 1. Juni 1925 mit 10 % Zinsen
bezahlt. Datterode 5/4 1925. H. Pfifferling F. Brüssler" |
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Die "Judenschule"
in den
1960er-Jahren |
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Die ehemalige
"Judenschule" Anfang der 1960er-Jahre. In der Kellerwohnung
wohnte - nach der Erinnerung von Ortsbewohnern - einst der taubstumme
Josef Stern, der im Dorf umziehen musste, als der Besitzer Löbenstein das
Haus verkaufte. |
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Fotos von einem
Kriegervereinsfest 1913 (erhalten vom Heimatverein Datterode): links:
die Mitglieder des Kriegervereins; in der Mitte:
Joseph Löbenstein, Tambour, rechts die beiden gleichnamigen
Herren Baruch Löbenstein, der rechte war der Sohn des Herz Löbenstein. |
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Die
Frauen der Männer des Kriegervereins,
darunter (Foto rechts): Jenny Löbenstein |
Freiwillige
Feuerwehr in
Datterode 1913 |
Unter den
Feuerwehrmännern:
Albert Pfifferling |
| (Fotos
erhalten vom Heimatverein Datterode) |
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Wichtige Erinnerung an die
jüdische Geschichte: Türe zu
einer Sukka aus Datterode |
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Türe zu einer
Sukka ("Laubhütte"), nach 1999 einige Zeit im Besitz der
Israel-Museums Jerusalem, zuletzt von Sotheby's Tel Aviv 2006 versteigert;
befindet sich heute in Privatbesitz (Ort und Besitzer leider unbekannt;
der Webmaster würde sich über weitere Informationen freuen - Adresse
siehe Eingangsseite). |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 119-121. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 77. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (keine weiteren
Informationen). |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S.
234. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 518-519. |
 | Karl Beck: Aus der Geschichte meines Heimatdorfes -
Erinnerungen, Bilder und Gedichte. Norderstedt 2006. Darin ein
Abschnitt: "Jüdisches Leben im Dorf" (online
zugänglich, Link wie oben). |
 | Erich
Schwerdtfeger (Hrsg.): Jüdisches Leben in einem hessischen Dorf. Aus
den Lebenserinnerungen Ludwig Rothschilds (1816-1992). Erschien 2006. Books
on Demand. Norderstedt.
Klappentext des Buches: Die Lebenserinnerungen Ludwig Rothschilds erzählen vom Alltag der Menschen in dem Dorf, in dem er 22 Jahre gelebt hat, ehe er 1938 nach Palästina ausgewandert ist. Seine Schwester, sein Bruder und seine Mutter wurden in der NS-Zeit umgebracht.
Die 50 Kapitel des Buches berichten z. B. von heimkehrenden Soldaten (1919), von der Hochzeit der Schwester, von der Schulzeit in Netra, Treysa und Eisenach und von der Lehrzeit in Halle (1932 - 1934).
Charakterisiert werden Netraer Originale, z. B. der Judenschuster Simon Goldschmidt, die Heiratsvermittlerin Berta, Onkel Sally, der gerne und viel isst und der Pferdehändler Moritz Stern. Berichtet wird auch aus der Zeit der Verfolgung.
Der Anhang (S. 136 - 168) enthält u. a. fotokopierte Urkunden aus den Standesamtsakten und den Synagogenbüchern und Fotos von den Gräbern der Familie, die seit dem 18. Jahrhundert in Netra ansässig war.
ISBN 978-3-8334-6352-5, Hardcover, 168 Seiten.
Weitere
Informationen und Bestellmöglichkeit. |
 | York-Egbert
König / Christina Prauss / Renate Tobies: Margarete
Kahn und Klara Löbenstein. Mathematikerinnen, Studienrätinnen,
Freundinnen. Hrsg. von Hermann Simon. Verlag Henrich &
Hentrich. 2011 (Jüdische Miniaturen Bd. 108).
Zu dieser Publikation (Informationen
von Verlagsseite): "Margarete Kahn und Klara Löbenstein gehören zu einer kleinen Elite junger Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Abitur extern an Knabenschulen ablegen. Danach studieren sie in Berlin und Göttingen zunächst als Hörerinnen, weil das Land Preußen Frauen erst zum Wintersemester 1908/09 das reguläre Studium gewährt. Die AutorInnen zeichnen die Wege dieser beiden Pionierinnen des Frauenstudiums nach, die bei einem der bedeutendsten Mathematiker, David Hilbert, zeitgleich zur Doktorwürde streben. Sie rekonstruieren ihre herausragenden Leistungen, berichten über die Hürden, die Gegner des Frauenstudiums errichteten, über ihre Tätigkeit als Studienrätinnen im preußischen Schuldienst, sowie über das Ende ihrer Karrieren und das Schicksal ihrer Familien im Nationalsozialismus.
"
Der Bezug zu Datterode (Information von Thomas Beck): Klara
Löbenstein war die Tochter des Kaufmanns Lehmann Löbenstein, ein Sohn des
Herz Löbenstein (vgl. oben Anzeige des Manufakturwarenhauses Gebr.
Löbenstein in Datterode). Lehmann Löbenstein eröffnete in Hildesheim ein
Textilhaus mit einem Partner. In Hildesheim ist seine Tochter Klara am 15.
Februar 1883 geboren. Vgl. weitere Informationen
auf einer Seite der Universität Kaiserslautern. |
 | Eschweger Geschichtsblätter Jg. 23 2012. Hrsg. vom
Geschichtsverein Eschwege e.V.. Mit mehreren Beiträgen zur jüdischen
Geschichte. 104 S. 10,00 €. Bezugsmöglichkeit
auf einer Seite von vhghessen.de.
Darin ein Beiträge zu jüdischen Geschichte in Datterode:
Christina Prauss: Vom Untergang bürgerlicher Lebenswelten – Der Kaufhausgründer Lehmann Löbenstein aus Datterode und seine
Kinder. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Netra (now part
of Ringgau) Hesse-Nassau. Established around 1776, the community converted a
farmhouse into its synagogue, numbered 110 (13 % of the total) in1861, and later
had members in Datterode. By 1937 only 11 Jews remained; several perished
in the Holocaust.

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