Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jever (Kreis Friesland/Niedersachsen) 
Jüdische Geschichte / Betsaal /Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

Erstmals lebten möglicherweise Ende des 15. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einige Juden in Jever. Zu einer dauerhaften Ansiedlung kam es jedoch erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts. 1698 stellte Fürst Carl-Wilhelm von Anhalt-Zerbst dem Meyer Levi und seiner Familie einen ersten Schutzbrief aus, der ihm unter anderem freien Handel und Kreditgeschäfte ermöglichte. Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der Juden in der Stadt von 5 (um 1735) auf 17 Familien (1795) zu. Sie lebten in der Neuen Straße, die auch "Judenstraße" genannt wurde. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: um 1800 etwa 100 jüdische Einwohner, 1814 140 (etwa 4 % der Gesamteinwohnerschaft), 1837 175, 1850 139, 1861 151, 1880 219 (Höchstzahl), 1905 209 jüdische Einwohner. 
  
Die jüdischen Familien waren im städtischen Leben im Laufe des 19. Jahrhunderts immer stärker integriert. Die jüdischen Kinder besuchten die allgemeinbildenden Schulen der Stadt (siehe unten: Ausschreibung der Lehrerstelle 1849). In den Jahren nach der 1848er-Revolution war die Gleichstellung im Blick auf die bürgerlichen Rechte weitgehend erreicht (siehe unten Bericht von 1851). 1851 saßen zwei jüdische Männer in dem aus 12 Personen bestehenden Stadtrat. Im Schützenkorps der Stadt gab es mehrere jüdische Mitglieder, zu einem der Leutnants wurde 1851 Anton Mendelssohn gewählt. Auch in anderen jeverschen Vereinen waren jüdische Einwohner aktive Mitglieder.   

Jüdische Vereine wurden gegründet (1847 ein jüdischer Frauenverein, 1860 der "Israelitische Wohltätigkeitsverein", ein Chorverein, später auch ein Literaturverein und eine Zionistische Ortsgruppe). Im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten die jüdischen Familien eine immer bedeutendere Rolle (u.a. seit 1843 Manufakturwarengeschäft von Caiphas Levi Löwenstein, verschiedene Vieh- und Pferdehandlungen, Schlachtereien, aber auch ein jüdischer Volllandwirt; über drei Generationen bis 1932 Kaufhaus "Anton Mendelssohn", mehrere Altstoffhandlungen, Baustoff- und Kohlenhandlung, Tabakhandel, jüdisches Hotel u.a.m.). 
 
Die Zahl jüdischer Einwohner ging in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert zurück auf 1910 188, 1925 118 und 1933 98 jüdische Einwohner. Seit der Zeit um 1900 wanderten vor allem junge Juden aus wirtschaftlichen Gründen (Strukturschwäche des Jeverlandes, Niedergang der Viehmärkte, Wirtschaftsdepressionen der Weimarer Republik) in die Großstädte ab, andererseits veranlasste das antisemitische Klima einige jüdische Bürger dazu, ab 1929 Jever zu verlassen.
    
Die jüdische Gemeinde Jever gehörte zum Landrabbinat in Oldenburg. Mitte der 1920er-Jahre (Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung 1924/25) bildeten den Synagogenvorstand: Hermann Gröschler, Josua Weinstein und Julius Schwabe. Damals war H. Hartog als Lehrer, Kantor und Schächter tätig. Acht Kinder besuchten bei ihm den Religionsunterricht. Zur jüdischen Gemeinde Jever gehörten auch in die der Umgebung lebenden jüdischen Personen (um 1930 einige wenige Personen in Pakens, Wangerooge und Hooksiel). 
 
Nach 1933 herrschten für die noch verbliebenen jüdischen Bewohner der Stadt immer schwierigere Lebensverhältnisse. Durch den NS-Boykott der jüdischen Geschäfte mussten immer mehr Inhaber schließen beziehungsweise das Geschäft verkaufen. Jüdischen Viehhändlern war bereits seit Februar 1933 der Zugang den den öffentlichen Viehmärkten verboten. Von den 50 jüdischen Bürgern, die 1938 in Jever lebten, konnten noch 12 ins Ausland fliehen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), Wohnungen jüdischer Familien wurden überfallen und geplündert, die Bewohner teilweise misshandelt.       
  
Von den in Jever geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gertrud Biberfeld geb. Weiss (1886), Agnes Cohen geb. Josephs (1872), Frieda Cohn geb. Feilmann (1881), Hedwig Cohn (1878), Netty Cohn (1869), Martin Cremer (1874), Hendrina Dreifuss geb. de Levie (1889), Carl Feilmann (1887), Elsa Feilmann (1890), Hugo Feilmann (1888), Julius Feilmann (1900), Ludwig Feilmann (1894), Grete (Greta) Frank geb. Josephs (1881), Regina Frank geb. Stein (1863), Fanny Fuld geb. Israel (1860), Lene Ginsberg geb. de Levie (1888), Hermann Gröschler (1880), Bertha (Berta) Gröschler (1890), Hedwig Gröschler geb. Steinfeld (1894), Julius Gröschler (1884), Helene Grüneberg geb. Levy (1897), Ernst J. Gutentag (1881), Rudolf Gutentag (1893), Joseph Haas (1892), Salomon Haas (1896), Hedwig Heilbronn geb. Josephs (1875), Karoline Herbst geb. Wolf (1878), Esther Hirsch geb. Hartogsohn (1922), Fritz Hoffmann (1900), Johanna Hoffmann geb. Lewy (1899), Moritz Hoffmann (1893), Erna Joachimsthal geb. Josephs (1884), Louise Joachimsthal geb. Joseph (1877), Adolf Josephs (1879), Benjamin Martin Josephs (1879), Bernhard Wolf Josephs (1871), Elise Josephs geb. Josephs (1887), Emma Josephs (1876), Fritz Günther Max Josephs (1910), Gustav Josephs (1881), Helmut Josephs (1908), Martha Josephs (1874), Nanny Josephs (1875), Paula Josephs geb. Katz (1889), Siegfried Josephs (1885), Wilhelm Josephs (1880), Mary Kaiser geb. Josephs (1881), Sophie Katz geb. Schwabe (1892), Anna Kayser geb. Josephs (1883), Jeanette Königheim geb. Feilmann (1899), Ida Koppel geb. Josephs (1873), Charlotte (Lotte) Lebenstein geb. Josephs (1884), Jule de Leeuw geb. Lehmann (1875), Alma Leiser geb. Wolffs (1904), Ella Leiser geb. Feilmann (1885), Bertha de Levie geb. Josephs (1872), Helene de Levie geb. Josephs (1893), Johanna Levie (1912), Joseph de Levie geb. Wolf (1906), Karl de Levie (1912), Nanny Levy geb. Emanuel (1867), Emil Löwenstein (1884), Paula (Pauline) Löwenstein geb. Josephs (1867), Richard Löwenstein (1880), Minna Meijer geb. Feilmann (1860), Karla Meyerhoff (1910), Frieda Pels geb. Mindus (1892), Erika Philipps geb. de Levie (1887), Josef Polack (1867), Else Rosendahl geb. Levy (1889), Alfred Schwabe (1889), Henni (Hanna) Schwabe geb. Josephs (1888), Julius Schwabe (1883), Dora Sonn geb. Wolf (1882), Minna Steinberg geb. Josephs (1879), Erich Sternberg (1904), Berlina de Taube geb. Stein (1870), Hertha Valk geb. Hoffmann (1898), Dieter Wolf Weinberg (1933), Marianne (Mirjam) Weinberg geb. Josephs (1865), Anna Weinstein geb. Neufeld (1881), Hugo Weinstein (1875), Berta Wolf geb. Schwabe (1885).          
  
   
Nach 1945 kamen nur wenige jüdische Einwohner zurück, insbesondere Erich Levy (1891-1967) und Fritz Levy (1901-1982). Bis 1950/51 befand sich auf einem nahegelegenen Flughafengelände ein Lager für "Displaced Persons", in dem etwa 1.600 jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen untergebracht waren. Die meisten sind nach Israel oder in andere Länder ausgewandert.
 
   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1844 / 1849 / 1865 / 1873     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Februar 1844: "Anzeige. Bei der israelitischen Gemeinde in Jever - Herzogtum Oldenburg - wird zu Ostern 1844 die Stelle eines Lehrers und Kantors erledigt. Die Schächterfunktion ist nicht damit verbunden. Fixes Gehalt circa 90 Taler Preuß. Crt. nebst Logis, Kost - keine fliegende - und sonstigen Emolumenten. Auch ist Gelegenheit zu weiteren Verdiensten und zur Fortbildung gegeben. Die Anstellung hängt von dem Erfolge einer vorangehenden Prüfung ab. Bei erprobter Tüchtigkeit kann der Lehrer auf ein längeres Engagement rechnen und darf ihm ohne höhere Genehmigung nicht gekündigt werden.   
Ferner sind noch einige kleinere Stellen mit einem Gehalte von 50-60 Taler nebst freier Station zu besetzen. Portofreie Anmeldungen an mich. B. Wechsler, Landrabbiner in Oldenburg."    
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Januar 1849: "Die jüdische Gemeinde zu Jever im Großherzogtum Oldenburg beabsichtigt, zu Ostern dieses Jahres einen Rabbinatskandidaten als Prediger anzustellen, welcher gleichzeitig die Kantorstelle und den Religionsunterricht zu erteilen, zu übernehmen hat. (Die Kinder besuchen die Ortsschulen.)  An fixem Gehalt werden 225 Thaler Preuß. Krt. jährlich bewilligt.   
Wissenschaftlich gebildete Kandidaten, welche vollständige Gymnasialstudien, ein triennium academicum absolviert haben und mit einem Zertifikat bewährter Rabbinen versehen sind, haben sich in portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse zu wenden an den vorstand.   
D.W. Josephs. M.H. Feilmann jun.   Jever, 8. Januar 1849."   
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Mai 1865: "Die israelitische Gemeinde Jever (Großherzogtum Oldenburg) sucht zum 1. November dieses Jahres einen Kantor und Religionslehrer. Gehalt 225 Thaler nebst üblichen Nebeneinkünften. Meldungen werden franco erbeten an den Unterzeichneten Vorstand. 
Jever, den 18. Mai 1865. C. Löwenstein."      
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1873: "Die Stelle eines Kantors, Lehrers und Schächters bei hiesiger Synagogengemeinde ist noch vakant und soll baldmöglichst besetzt werden. Jährlicher Gehalt außer Emolumenten 199 Thlr. Com.  Bewerber, mit den erforderlichen Qualifikationszeugnissen verstehen, welche im Stande sind, deutsche Vorträge zu halten, wollen sich unter portofreier Einreichung ihrer Zeugnisse baldigst bei dem Unterzeichneten melden. 
Jever
(Großherzogtum Oldenburg), den 17. August 1873. Leffmann Samuels."      

      
Zum Tod von Julius Rosenthal (vor 1846 Lehrer in Jever) 
Anmerkung: Julius Rosenthal hat sich vermutlich auf die obige Ausschreibung von 1844 erfolgreich beworden und blieb bis 1846.     

Gleicherwiesen AZJ 15051896.jpg (177333 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1896: "Hildburghausen, 10. Mai (1896). Die hiesige israelitische Gemeinde und die gesamte Lehrerschaft des Herzogtums Meiningen hat einen schweren Verlust erlitten; am 2. Mai dieses Jahres beschloss ein sanfter Tod das Leben des verdienstvollen Seminar- und Gemeindelehrers Julius Rosenthal hier. Über dessen goldenes Dienstjubiläum im Sommer 1892 und die zahlreichen Ehrungen des Jubilars aus dieser Veranlassung hatten Sie vor vier Jahren berichtet. Das Leichenbegängnis, das am 5. dieses Monats stattfand, bewies aufs Neue, in welch hohem Ansehen der entschlafene Schulmann gestanden. Denn nciht nur die ganze Gemeinde und die sämtlichen israelitischen Lehrer des Herzogtums schlossen sich der trauernden Familie des Verewigten an, sondern auch das gesamte Seminarkollegium und die meisten Lehrer der höheren Schulen, sowie fast alle christlichen Kollegen der an vierzig Mitglieder zählenden Bezirkskonferenz und viele christliche Bürger sah man im Trauergefolge. Der jüngste Lehrer trug auf einem Ordenskissen die goldene Verdienstmedaille nach, womit seinerzeit der Jubilar durch den Herzog ausgezeichnet worden war. Am Grabe sprachen der herzogliche Landrabbiner von Meiningen und Lehrer Holländer aus Berkach. Julius Rosenthal, geboren am 27. Dezember 1823 zu Gleicherwiesen, erhielt seine Ausbildung auf dem hiesigen Seminar, dann amtierte er an der Samsonschule in Wolfenbüttel und später in Jever. 1846 folgte Rosenthal einem Ruf seiner Schulbehörde und verwaltete von da ab in der engeren Heimat die Schulstellen in Bibra und Walldorf, bis er endlich im Jahre 1872 in seine hiesige Stelle einrückte. Mit klarem Verstand und seltener Auffassungsgabe begnadet, eignete sich Rosenthal eine bedeutende wissenschaftliche Bildung an. Er erzielte nicht nur durch sein Lehrgeschick große Erfolge, sondern erwarb sich auch um die innere und äußere Hebung des Lehrerstandes im Herzogtum große Verdienste, die neidlos anerkannt wurden. Rosenthal war auch über zehn Jahre Mitglied des Vorstandes vom Landeslehrerverein und leitete sogar einige Hauptversammlungen desselben. Durch diese idealen Bestrebungen sowohl, als auch durch seinen reinen tadellosen Charakter hat der Verblichene Kiddusch haschem (Heiligung des Gottesnamens) geübt wie selten Einer, wie er überhaupt in fortschrittlichem Sinne ein begeisterter Jude gewesen. Darum wird gewiss sein Andenken zum Segen bleiben."

    
Lehrer S. Nathan hat eine Agentur (zur Förderung der israelitischen Literatur?) übernommen (1873)      

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. März 1873: "Herr Lehrer S. Nathan in Jever hat eine Agentur übernommen. Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur".    

        
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
 
Gutes Miteinander zwischen Christen und Juden in Jever und im Großherzogtum Oldenburg Mitte des 19. Jahrhunderts  

Jever AZJ 21071851.JPG (231965 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Juli 1851: "Jever im Großherzogtum Oldenburg, 6. Juli (1851). Im Jahre 1849 wurde in einem Zeitungsartikel in diesen Blättern, datiert Oldenburg den 8. Februar geschrieben, dass die oldenburgische Verfassung und oldenburgischen Juden das bringt, was uns durch die Grundrechte, deren Publikation hier stattgefunden, gesichert ist. Darin wurde auch hervorgehoben, dass diese Verfassung nur hinsichtlich des Schulwesens etwas Näheres bestimmt, dass nämlich in der künftigen Oberschulbehörde alle Konfessionen vertreten sein sollen. Man begann, nach jenem Zeitungsartikel, damals schon im hiesigen Lande, besonders in der Residenz, mit der Reorganisation des Schulwesens. - Zwei und ein halbes Jahr sind seitdem beinahe verflossen, die Reorganisation des Schulwesens lässt noch immer auf sich warten. Es ist dies wohl allein nur dem sehr häufigen Vertagen und Auflösen des Landtags zuzuschreiben; sowie überhaupt, dass die uns in unserer Verfassung zugesicherten Gesetze sehr langsam zur Ausführung kommen. Doch in keiner anderen Beziehung können wir Juden Oldenburgs uns beklagen, es findet von Seiten unserer christlichen Mitbürger durchaus keine Zurücksetzung statt. So geschah es, dass am 20. vorigen Monats in der in hiesiger Stadt stattgefundenen Stadtratwahl abermals ein Jude, Leffmann Samuels, mit überwiegender Majorität in den Stadtrat gewählt wurde. Es ist dies der zweite Fall, der im Oldenburgischen vorgekommen, und beide Fälle in hiesiger Stadt. Sehr leicht ist die Toleranz der hiesigen Bürger daran zu erkennen, dass in dem Stadtrat, welcher aus 12 Personen besteht, zwei Juden sitzen; denn nach der letzten Volkszählung des Jahres 1850 enthält die Stadt Jever 3.775 Seelen, darunter 139 Juden, also auf 27 Seelen etwa ein Jude. - Auch besteht in hiesiger Stadt ein Schützenkorps, worunter einige Juden sind. Am 1. Pfingstfeiertag jeden Jahres macht dies Schützenkorps einen Ausmarsch aus der Stadt, wo dann die Wahl der in dem letzten Jahre entstandenen Vakanzen der höheren Chargen vorgenommen wird. In diesem Jahre hatte das Korps unter anderem zwei Leutnants zu wählen und erhielt ein Jude, A. Mendelssohn, als solcher die mehrsten Stimmen. Der jetzige Schützenkönig, welcher in diesem Jahre beim Schießen nach der Königsscheibe den besten Schuss getan, ist auch Jude. 
Die Leser dieses allgemein geschätzten Blattes werden hieraus schließen können, dass wir Juden im Großherzogtum völlig emanzipiert sind. Der Jude lebt hier frei und ungeniert, ob religiös oder nicht, darum kümmert sich Keiner; die Kirche ist, im hiesigen Lande, vom Staate getrennt. J.H."    

    
Anschaffung einer neuen Torarolle (1862)  

Jever AZJ 06051862.jpg (54944 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1862: "Die israelitische Gemeinde zu Jever, Großherzogtum Oldenburg, beabsichtigt eine neue Sefer Tora (Torarolle) anzuschaffen. Geeignete Soferim (Toraschreiber), welche eine solche zu liefern Willens sind, wollen unter genauester Preisangabe dem Unterzeichneten Proben von Pergament mit Schrift bis zum 1. Juni dieses Jahres portofrei einsenden. Jever, 18. April 1862. 
Leffmann Samuels, Mitglied des Synagogen-Gemeinderats."   

  
Gottesdienstliche Feier zur Ehrung des ausscheidenden Synagogen-Gemeinderates und zur Einführung der neuen Vorstandsmitglieder 

Jever Israelit 14061923.jpg (121256 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1923: "Jever in Oldenburg, 10. Mai (1923). Am 29. April fand hier eine gottesdienstliche Feier zur Ehrung des ausscheidenden Synagogen-Gemeinderates und zur Einführung der neuen Vorstandsmitglieder statt. Als Vertreter der Gemeinde Wilhelmshaven - Rüstringen nahm Herr Jakobs, Rüstringen, für die Gemeinde Varel Herr G. Schwabe an der Feier teil. Eingeleitet durch Gesänge des Synagogenchores unter Leitung des Herrn Lehrers H. Hartog folgte Festpredigt des Herrn Landrabbiners Dr. de Haas, Oldenburg, die darin gipfelte, dass den ausscheidenden Gemeinderäten, Herrn J.D. Josephs, Andust Schwabe und Simon Gröschler der Chower-Titel als besondere Ehrung verliehen wurde. Im Namen des neuen Synagogengemeinderates hielt Herr Hermann Gröschler eine Ansprache, in der er dem ausscheidenden Rat den danke der Gemeinde für ein langes, segensreiches Wirken ausdrückte. Herr J.D. Josephs legte nach 44-jähriger Amtstätigkeit die Leitung der Gemeinde mit den besten Wünschen für die Zukunft in die Hände seiner Nachfolger. Darauf sprach Herr Hartog seinen Wunsch für die Gemeinde aus, dass sie sich in Frieden und zum Segen weiter entwickle und stets warmes jüdisches Leben in ihr pulsieren möge. Weitere Chorgesänge beschlossen die ergehende und würdige Feier."  

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Bernhard Cohn (1876)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar 1876: "Ein junges Mädchen
,
welches den Haushalt erlernen will und gleichzeitig mit im Manufakturwarengeschäft tätig sein kann, findet zum März unter günstigen Bedingungen eine Stelle bei 
Bernhard Cohn in Jever
."     

       
          
     

Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge

Die in Jever im Laufe des 18. Jahrhunderts zugezogenen jüdischen Familien bemühten sich lange (seit 1725) darum, einen Betsaal zum Abhalten von Gottesdiensten einrichten zu können. 1734 wurde "in des Juden Levi Meyers Behausung" ein unerlaubter Betsaal "auf dem Haußboden" entdeckt, was zu einer polizeilichen Untersuchung führte. 1779 konnte ein erster Betsaal in einer umgebauten Scheune eingerichtet werden. Um 1800 konnte die Judenschaft ein Grundstück an der Großen Wasserpfortstraße erwerben, um auf ihm eine Synagoge zu bauen. Sie wurde im Januar 1802 eingeweiht. Der Bau war auf Grund eines Darlehens von 1.000 Reichstaler möglich gewesen, den die jüdische Gemeinde in den folgenden Jahrzehnten zeitweise nur mit größter Mühe zurückzahlen konnte. 
   
Die 1802 eingeweihte Synagoge erwies sich im Laufe der Jahrzehnte für die wachsende Gemeinde zu klein, sodass um 1879/80 ein Neubau an derselben Stelle erbaut wurde. Dieser Neubau geschah unter großer öffentlicher Anteilnahme: Der Bürgermeister legte den Grundstein; der Großherzog gab einen finanziellen Zuschuss; der Kultusminister kam zur Einweihung am 25. November 1880; einige hundert christliche Einwohner nahmen an der Einweihung, der anschließenden Festtafel und dem abendlichen Ball teil. Bei der neuen Synagoge in Jever handelte es sich um einen von der Großen Wasserpfortstraße etwas zurückgesetzten Bau, der etwa 35 Meter hoch war. Das Dach wurde von einer maurischen Kuppel gekrönt. Es war Platz für 300 Personen vorhanden. An die Synagoge angebaut war ein Unterrichtsraum. 1910 wurde von der jüdischen Gemeinde ein angrenzendes Haus für Unterrichts- und Gemeindezwecke hinzugekauft.  
      
Einweihung der Synagoge (1880)        
Jever AZJ 21121880.JPG (224143 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21.12.1880:  "Jever, im November. Am 25. vorigen Monats feierte die hiesige israelitische Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Was in dieser, für die Bekenner des Judentums so schweren Zeit diesen Akt uns besonders erhebend macht und zugleich freudig Berührendes für die Glaubensgenossen in Deutschland enthält, ist teils die rege Beteiligung unserer christlichen Mitbürger, teils die Teilnahme der Orts- und Staatsbehörden der Stadt und des Kreises, insbesondere aber die hierbei gezeigte hohe Gnade unseres geliebten Landesherrn, Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg. Infolge ergangener Einladung erschien am Tage der Einweihung der Kultusminister als Vertreter Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, der sich vorher durch folgendes Schreiben wegen seiner Nichtbeteiligung hatte entschuldigen lassen:
Oldenburg, den 22. November 1880.
Auf Ihr an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtetes Schreiben vom 13./16. dieses Monats betreffend Einladung seiner Königlichen Hoheit zu der am 25. dieses Monats stattfindenden Einweihung der neuerbauten Synagoge in Jever, habe im Höchsten Auftrage ich ergebenst zu erwidern:
Seine Königliche Hoheit lassen dem Herrn Landrabbiner und dem Synagogengemeinderat für die Einladung Höchst Ihren Dank sagen. Sein Königliche Hoheit sehen Sich zu Ihrem Bedauern an einer persönlichen Anwesenheit bei der Feier gehindert und haben deshalb mich zu beauftragen geruht, Höchst Sie bei derselben zu vertreten und der Gemeinde die lebhafte Teilnahme Seiner Königlichen Hoheit an der Vollendung des neuen Gotteshauses auszudrücken.
Ganz ergebenst  (gez.) Tappenbeck  Minister
An den Herrn Landrabbiner Dr. Glück hierselbst und den Synagogengemeinderat in Jever.
Über die Feier selbst berichten die Jeverländischen Nachrichten: Auf die Feier der Einweihung der neuen Synagoge unserer israelitischen Gemeinde am Donnerstag wird gewiss jeder Teilnehmer mit Befriedigung zurückblicken. Angesichts der in einem großen Teile unseres deutschen Vaterlandes herrschenden Krankheit der "Judenhetze" war es sehr erfreulich, dass Seine Königliche Hoheit unser Großherzog durch Entsendung seines Kultusministers seine Teilnahme an seinen israelitischen Untertanen offenen Ausdruck gab. Aber auch die hiesige christliche Bevölkerung, speziell auch die gebildeten Stände, haben durch ihre Teilnahme an der religiösen Feier (eine beträchtliche Anzahl hat auch am Festessen Teil genommen) bewiesen, dass sie auch für ihre jüdischen Gemeindegenossen ein Herz haben und weit davon entfernt sind sich von jener Seuche anstecken zu lassen, die dem deutschen Volke wahrlich nicht zur Ehre gereicht. - Der Weihegottesdienst war ein sehr erhebender auch für die christlichen Zuhörer. Der Gesang wurde unter Begleitung der Stadt-Kapelle recht gut ausgeführt. Der Landrabbiner, Dr. Glück, sprach über die Bedeutung und die Segnungen des Gotteshauses; seine Predigt war in edler Form gehalten und machte mit ihren schönen Gedanken den erbauendsten Eindruck."  
     
Jever AZJ 21031882.jpg (111621 Byte)Ergänzender Bericht in der Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 21.3.1882:
Jever (Oldenburg), im März. Vielen Lesern Ihres geschätzten Blattes wird noch ein Bericht über die am 25. November 1880 stattgefundene Einweihungsfeier der neuerbauten Synagoge erinnerlich sein. Damals, in der Blütezeit der Antisemitenliga und der Judenhetze, glaubte ich als ein schönes Bild der Humanität und des Wohlwollens gegen die Bekenner des Judentums, es besonders hervorheben zu müssen, dass Seine Königliche Hoheit, der Großherzig, Seinen Kultusminister als Seiner Königlichen Hoheit persönlichen Vertreter zur Einweihungsfeier hierher gesandt haben. Jetzt hat sich dieses Wohlwollen praktisch bewährt. Zu den nicht unerheblichen Baukosten hat nun der kürzlich geschlossene oldenburgische Landtag auf Vorschlag des Ministeriums einen Zuschuss von 3.000 Mark bewilligt und ist das Geld dem Rechnungsführer der Synagogen-Gemeindekasse bereits ausgezahlt. Das Schreiben des Großherzoglichen Staatsministeriums an den Landesrabbiner Dr. Glück in Oldenburg zur gefälligen Nachricht an den hiesigen Synagogen-Gemeinderat lasse ich hier folgen:
Im Anschlusse an die Verfügung vom 22. August vorigen Jahres, betreffend Gesuch des Synagogengemeinderates zu Jever um Bewilligung eines Staatszuschusses zum Neubau einer Synagoge, hat das Staatsministerium dem Herrn Landrabbiner mit Mitteilung zu machen, dass der beantragte Zuschuss von 3.000 Mark vom Landtage bewilligt worden ist und die Auszahlung dieser Summe verfügt werden wird, sobald dem Staatsministerium die zur Empfangnahme derselben legitimierte Person bezeichnet sein wird. 
Oldenburg 1882, Januar 31.  Staatsministerium. Departement der Kirchen und Schulen. (gez.) Tappenbeck.

Zu Anschlägen auf die Synagoge kam es bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts. So wurde um 1890 unter anderem von einem Theologiestudierenden die die Synagoge umgebende Mauer gewaltsam eingerissen. Einige Jahre später bekannte sich der Täter zu seiner Schuld:     
Jever AZJ 22111895.jpg (81772 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. November 1895: "Jever, 17. November (1895). Vor einigen Jahren wurde nächtlicherweise in unserem Städtchen eine, die Synagoge umgebende Mauer fast in ihrer ganzen Länge gewlatsam eingerissen. Man schrieb die Tat auf das Konto 'jugendlicher Flegeleien'. Trotz aller polizeilichen Nachforschungen war es nicht möglich, die Täter zu ermitteln, ebenso erwies sich das Aussetzen einer Geldprämie als erfolglos. Was die Klugheit der Polizei nicht zustande brachte oder gar der Zufall, das erzielte 'ein gefoltertes und schwer belastetes Gewissen'. Jetzt, nachdem die Tat schön längst der Vergessenheit anheimgefallen war, traf bei dem hiesigen jüdischen Lehrer ein Brief ein, in welchem sich ein junger Geistlicher anklagt, die Tat als Student einst verübt zu haben. Auch seine Mitschuldigen gibt der Geistliche an, wovon einer bereits verstorben sei und der andere in Südamerika lebe, und bittet schließlich um Verzeihung. Wenn die Reue auch etwas spät sich eingestellt hat, so ist doch der Mannesmut, mit welchem der Pfarrer sein einstiges Unrecht wieder gutzumachen sucht, anzuerkennen. Die erbetene Verzeihung ist ihm denn auch geworden."     

In der NS-Zeit wurden bereits vor 1938 mehrmals die Fenster der Synagoge eingeworfen. Gottesdienste konnten zeitweise nicht mehr gefeiert werden, da zur Reparatur der Fenster kein Geld vorhanden war. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung der NSDAP völlig zerstört. 1939 kaufte ein Bauunternehmer die ehemalige Synagoge, ließ jedoch bis auf weiteres den Platz mit der Ruine unverändert. Die Stadt Jever errichtete daraufhin einen Bretterzaun mit einem "neutralen Farbanstrich", um die Einwohner und Besucher Jevers nicht in ihrem "ästhetischen Empfinden" zu verletzen. Noch 1939 wurde die Synagogenruine abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde nach 1950 ein Geschäftshaus erstellt.  
     

  
Abbildungen und Fotos
(Quelle: sw-Bilder bei Hartmut Peters s.Lit.; Farbfotos von Hahn, aufgenommen Juli 1987)

Die Neue Synagoge 
(1879/80 erbaut)
Jever Synagoge 003.jpg (36539 Byte) Jever Synagoge 004.jpg (55162 Byte)
  Blick auf die Synagoge an der 
Großen Wasserpfortstraße um 1880
 (Bleistiftzeichnung von 1884)
Die Synagoge in Jever auf 
einem Schmuckblatt 
"Mein Jeverland" (1887).
       
Die Ruine der in der Pogromnacht
 niedergebrannten Synagoge
Jever Synagoge 006.jpg (46373 Byte) Jever Synagoge 005.jpg (33530 Byte)
  In der ausgebrannten Synagoge
       
Am Synagogenstandort in den 1980er-Jahren Jever Synagoge 100.jpg (56879 Byte) Jever Synagoge 101.jpg (66557 Byte)
   Synagogenstandort 1987 Gedenktafel für die ehemalige 
Synagoge (1978 angebracht)
 

    
  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte

Januar bis März 2009: Ausstellung "Nirgendwo und überall zuhause" im Schloss Jever vom 28. Januar - 29. März 2009  
Artikel vom 29. Januar 2009 im "Jeverschen Wochenblatt" (Artikel):  Opfer des Grauens geben Geschichte ein Gesicht
Ausstellung 'Nirgendwo und überall zu Haus' im Schloss zeigt ausdrucksstarke Porträts von Holocaust-Überlebenden
JEVER
/NA – Ein überwältigendes Publikumsecho fand am Dienstagabend die Eröffnung der Ausstellung 'Nirgendwo und überall zu Hause' im jeverschen Schloss, in der 22 der insgesamt 24 Porträts gezeigt werden, die Monika Zucht von Holocaust-Überlebenden gemacht hat. Jeweils ein großes und zwei kleine Schwarzweiß-Bilder sowie ein Auszug aus den Interviews von Dr. Martin Doerry, stellvertretender Chefredakteur des Spiegel, mit Holocaust-Überlebenden werden gezeigt (wir berichteten). Diese Wanderausstellung auf Grundlage des Doerry-Buches unter gleichem Titel (264 Seiten, div. Abb., Großformat; DVA, 39,90 Euro oder als Taschenbuch 272 Seiten, div. Abb.; Goldmann; 12 Euro) wurde bereits in etlichen großen Städten präsentiert. Wenn sie nun bis zum 29. März auch im jeverschen Schloss zu sehen ist, so verdanke die Marienstadt dies ganz maßgeblich der Fotografin Monika Zucht und der ebenfalls in Jever aufgewachsenen Journalistin Mareike Spiess-Hohnholz, die beide über Jahrzehnte erfolgreich für das Magazin Spiegel gearbeitet haben, wie Frieslands Landrat Sven Ambrosy in seiner bewegenden Ansprache hervorhob. 'Und wir danken Ihnen, Herr Dr. Doerry, dass Sie durch Ihre intensiven Gespräche mit Überlebenden des Holocaust diese Veranstaltung möglich gemacht und uns allen mit dieser Ausstellung ein beeindruckendes geschichtliches Vermächtnis verschafft haben.' Ambrosy würdigte aber auch die verdienstvollen Aufarbeitungen der Geschichte der Juden von Jever durch Hartmut Peters, Dr. Werner Meiners und Schülern des Mariengymnasiums, die damit auch daran erinnerten, dass die jüdische Gemeinde der Marienstadt zeitweise die größte im Oldenburger Land gewesen sei und dass zahlreiche jüdische Mitbürger bis zu ihrer Verfolgung durch die Nazis in Handel, Wirtschaft und Politik hohes Ansehen genossen und das gesellschaftliche Leben mitgeprägt hätten. Bevor der Landrat dann abschließend darauf verwies, dass der Besuch der Ausstellung für die Schulklassen der Region quasi zu einer Pflichtveranstaltung gemacht werden sollte, dankte er ganz herzlich dem besonderen Gast der Eröffnung, der auf Einladung des Landkreises eigens aus Tel Aviv in Israel angereisten Renate Bechar. Sie, die die Judenverfolgung als Kind erst in Berlin und dann im Lager Theresienstadt durchlitt, gebe dem Publikum die einzigartige Gelegenheit, Zeitgeschichte aus dem Munde einer Betroffenen zu vernehmen und der Geschichte ein Gesicht zu geben. Den besonderen Grund ihres Dabeiseins betonte dann auch Pastor i.R. Volker Landig von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Oldenburg, der den Kontakt geknüpft hatte. Wie in Doerrys Buch gelte es, gegen das Vergessen mit den Überlebenden zu sprechen, und so werde das Gespräch zwischen dem Buchautor und stellvertretenden Chefredakteur des Spiegel und Renate Bechar gewissermaßen das 25. Interview zu 'Nirgendwo und überall zu Hause'. Zu sehen ist die Ausstellung in Jever bis zum 29. März zu den Öffnungszeiten des Schlossmuseums (dienstags bis Sonntags, 10-18 Uhr).
  
Lesung von Dr. Birthe Kreibohm im Café Maria 
Artikel in der "Wilhelmshavener Zeitung" vom 4. Februar 2009 (Artikel): 
"Ereignisse fassbar aufbereitet -  
Jever/
JU - Sicher trug die unmittelbare Nähe des 'Tatorts' dazu bei, dass Dr. Birthe Kreibohms Lesung über den Brand der Synagoge in Jever auf besonderes Interesse stieß. Durch die Fenster des Speisecafés 'Maria' blickten die zahlreichen Zuhörer auf den ehemaligen Standort der jeverschen Synagoge in der Großen Wasserpfortstraße. Der Bau zählte einst zu den größten jüdischen Gotteshäusern im Oldenburger Land. Parallel zur Ausstellung über Überlebende des Holocaust im Schloss zu Jever, reihte sich die 45-jährige Studienrätin aus Nienburg in die winterliche Lesereihe im 'Maria' ein. Ihr im 'Aussaat'-Verlag erschienenes Buch 'Die Synagoge brennt – Ediths Erinnerung' hatte die studierte Theologin, Germanistin und ehemalige Lehrerin für Religion und Deutsch am Mariengymnasium zusammen mit Ehemann, Dipl.-Ing. Dirk Kreibohm, für Kinder und Jugendliche geschrieben – "um mit den Mitteln von Erzählung und Dokumentation die Ereignisse im Dritten Reich für Kinder und Jugendliche erfassbar zu machen und damit vor dem Vergessen zu bewahren." Musikalisch umrahmte der Musikschüler Christian Berner den Abend mit Klezmer-Musik auf dem Akkordeon. 

  
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Jever  
"Friesenblog" mit Beiträgen zur Geschichte der Juden in Jever    
Darin unter anderem Links zu der Reihe: "Die Juden von Jever":  Serie über die Geschichte der Juden in Jever, verfasst von Dr. Werner Meiners, Wardenburg und Hartmut Peters, Wilhelmshaven, erschienen im "Jeverschen Wochenblatt" in 11 Teilen. 
"Die Geschichte der Juden von Jever" - "Ein einziger nur kehrte zurück". von Bernd Rudolph in: DIE ZEIT 1985.    
Seite des Schlossmuseums Jever zur Geschichte der Synagoge: hier anklicken  
Seite des Schlossmuseums Jever: "Eine Dose mit hebräischer Inschrift - Überbleibsel der jeverschen Judenschaft"  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Jever (interner Link)     

Literatur:

Berne Literatur 010.jpg (66315 Byte)Hartmut Peters: Der Pogrom vom 9./10. November 1938 in Jever und die Geschichte der jeverschen Synagogen 1698 bis 1988, in: Enno Meyer (Hrsg.): Die Synagogen des Oldenburger Landes. Oldenburg 1988. S. 41-121.
ders.: Verbannte Bürger. Die Juden aus Jever. Jever 1984.
Leo Trepp: Die Oldenburger Judenschaft. Oldenburg 1973.
Johannes-Fritz Töllner in Zusammenarbeit mit Wouter J. van Bekkum, Enno Meyer und Harald Schieckel: Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land. Bestandsaufnahme der erhaltenen Grabsteine. Oldenburg 1983 (= Oldenburger Studien Bd. 25). Zu Jever: S. 25-184.
Herbert Obenaus (Hg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein-Verlag. Göttingen 2005 Bd. 2 S. 908-928 (mit weiteren Literaturangaben).   

  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Jever. Though tolerated in limited numbers from 1698, Jews were only permitted to establish a religious community in 1779-80. By 1793 there were 17 jewish households in the town. They dedicated a synagogue in 1802 and gained civil rights during the Napoleonic era (1807-13). Numbering 140 (4 % of the total) in 1814, they employed a rabbi and a teacher. From 1849, Jews served on the town council. A new railroad, commercial development, and the affiliation of Jews in nearby villages (e.g., Fedderwarden, Hooksiel, and Wangerooge) boosted the community's population to 219 (4 %) in 1882, making it even larger than Oldenburg, the Grand Duchy's capital. Accomodating 300 worshipers, a new synagogue dedicated in 1880 reflected the Jewish community's growth and status. As conditions worsened following Wordwar I, the Jewish population declined to 118 (2 %) in 1925. The exodus of the young, a shrinking membership, and a local upsurge of Nazism reduced the community to 98 in 1933. Over the next five years, anti-Jewish boycott measures and propaganda drove Jews out of the cattle trade and forced retailers to sell out and leave. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Nazis burned the synagogue (which was later demolished), looted Jewish property, and dispatched 15 local Jews to the Sachsenhausen concentration camp. By September 1939, the last Jewish enterprises had been "Aryanized" and only 39 Jews, mainly the poor and aged, still remained. Of the 116 Jews, who lived in the town between 1933 and 1945, only 29 emigrated. The rest were mostly deported (from Holland as well as Germany) to Auschwitz, Bergen-Belsen, Sobibor, Theresienstadt, and other Nazi camps. At least 63 perished during the Holocaust; only a hondful survived. After Worldwar II, about 1,600 Jewish survivors from Bergen-Belsen were housed at a nearby airfield (1950-51). Most left for Israel or returned to their homelands.
    

  

  

                   
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Stand: 19. April 2012