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Gauersheim (VG
Kirchheimbolanden, Donnersbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Gauersheim bestand eine relativ große jüdische
Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert. 1802 wurden 111 jüdische Einwohner
gezählt (etwa 20 % der Gesamteinwohnerschaft, dazu 286 Lutheraner, 17
Reformiert, 15 Katholiken). Bis um 1850 nahm die Zahl der
jüdischen Gemeindeglieder weiter zu: 1808 133, 1825 168 (28 % der
Gesamteinwohnerschaft), 1835 173, 1848 171 Personen, 1852 32 Familien,
1869 140 Personen), um danach durch Aus- und Abwanderung zurückzugehen. 1875 wurden noch
62 jüdische Einwohner gezählte, 1900 nur noch 25.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Schule (von 1834 bis 1869 Israelitische Volksschule, danach Religionsschule),
ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1824 wird Elias Bandler aus
Hermannstadt (Preußen) als Lehrer, Vorsänger und Schächter genannt. 1859
unterrichtet Lazarus Waldbott als Nachfolger von Eduard Bender an der
israelitischen Schule. 1869 ist Simon Silbermann Lehrer der damals noch zehn
schulpflichtigen Kinder der jüdischen Gemeinde. Die Gemeinde gehörte zum
Rabbinatsbezirk Kaiserslautern.
Um 1925, als noch 22 Personen zur jüdischen
Gemeinde gehörten (3,1 % der Gesamteinwohnerschaft von ca. 700 Personen)
gehörten dem Synagogenvorstand an: Adolf Rothschild (Albisheim) und Arthur Blum
(Gauersheim). Um 1932 waren die Vorsitzenden der Gemeinde Jakob Fröhlich,
David Metzger und Max Strauß. Der Gauersheimer Gemeinde waren inzwischen die in
Albisheim lebenden jüdischen Einwohner angeschlossen worden (1932 34
Personen).
1933 waren noch 16 jüdische Personen am Ort wohnhaft (1936 38!, 1938 23). 1939
lebten keine Juden mehr am Ort. Der ehemalige Frontkämpfer Friedrich Blum
konnte 1939 in die USA emigrieren. Sara, Heinrich und August Fröhlich wurden
1940 deportiert.
Von den in Gauersheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julchen Baer geb. Mane (1873), Arthur Blum
(1886),
Isidor Blum (1895), Paula Blum geb. Blum (1890), Salomon Blum (1900), Auguste Fröhlich geb.
Fröhlich (1888), Emma Fröhlich geb. Mayer (1884), Heinrich Fröhlich (1885),
Herbert Fröhlich (1896), Hugo Fröhlich (1899), Otto Fröhlich (1886), Ruth
Fröhlich geb. Haas (1908), Sara Fröhlich geb. Weiss (1860), Simon Fröhlich
(1876), Wilhelm Fröhlich (1882), Antonie Haas geb. Fröhlich (1906), Simon
Joseph (1875), Flora Keller geb.
Strauss (1888), Hedwig Leib geb. Blum (1889), Frieda Marx geb. Blum (1900),
Hannelore Marx (1928), Erna Rosenbusch geb. Fröhlich (1915), Ludwig Scholem
(1875), Rosa Schlachter geb. Blum (1892), Heinrich Schwarz (1883), Isak Heinrich
Straus (1878), Marta Strauß geb. Fröhlich (1893), Friederike Wolff geb.
Fröhlich (1873).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861 / 1893
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Mai 1861:
"Annonce. Die israelitische Lehrer- und Vorbeterstelle zu Gauersheim
in der bayerischen Pfalz, mit welcher ein jährlicher Gehalt von 350
Gulden verbunden ist, ist erledigt. - Qualifizierte Bewerber wollen ihre
Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen belegt, portofrei an den
Kultus-Vorstand daselbst, oder an den Unterzeichneten einsenden.
Kaiserslautern, den 30. April 1861. L. Seligmann,
Bezirks-Rabbiner." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1893: "Vakante
Religionslehrer-Stelle. Die israelitische Religionslehrerstelle zu
Gauersheim, Bezirksamt Kirchheimbolanden in der Pfalz, ist erledigt und
soll bald wieder besetzt werden. Der fassionsmäßige Gehalt derselben
besteht in 400 Mark und wird bei zufriedenstellender Leistung noch
bedeutend erhöht; auch ist der Schächterdienst, welcher mindestens 150
Mark einträgt, damit verbunden. Ein schönes Schulhaus mit mehreren
hübschen, geräumigen Zimmern, Keller, Küche und Garten erhält der
Lehrer gratis. Lusttragende Bewerber wollen sich beim Vorstand zu
Gauersheim persönlich melden. Gauersheim, 20. April 1893. Der Vorstand:
J. Metzger." |
Berichte zu einzelnen Personen aus
der Gemeinde
Zur Beisetzung von Simon Mecklenburger im November
(1887)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November
1887: "Man schreibt der 'Nordpfälzischen Bürgerzeitung' aus Gauersheim, 10. November (1887). Ein großer Leichenzug bewegte sich heute
Nachmittag kurz nach 3 Uhr nach dem Friedhof der israelitischen Gemeinde.
Voran gingen mit 2 in Trauerflor umhüllten Fahnen die Mitglieder von
fünf Kriegervereinen unter dumpfem Trommelwirbel. Dann folgte der Sarg,
getragen von einigen Glaubensgenossen, und hinter diesem Herr Rabbiner Dr.
Landsberg von Kaiserslautern und eine große Zahl leidtragender Freunde.
Es galt Herrn Simon Mecklenburger, der im schönsten Mannesalter den
Seinen entrissen wurde, die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr.
Landsberg gedachte am Grabe der Tätigkeit des Dahingeschiedenen im
geschäftlichen und religiösen Leben und namentlich seiner Teilnahme am
letzten Feldzuge; wir gedenken noch einmal des treuen Freundes, der sich
zu Beginn dieses Jahres oft und bitter über die damaligen Verhältnisse
beklagte. In seiner Grabrede gedachte der Rabbiner noch der schmerzlichen
Nachrichten vom deutschen Kronprinzen und gab den Gefühlen Ausdruck, die
sich in bangen Fragen allerorten zu erkennen geben." |
Zur Geschichte des
Betsaals / der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde entweder 1768 erbaut. Die
Synagoge wurde auch von den Juden von Albisheim (Pfrimm), Ilbesheim und
Rittersheim besucht.
Seit
1839 bestand der Plan zum Neubau einer Synagoge bzw. eines "angemessenen
Synagogen- und Schullocals", der jedoch nicht verwirklicht werden konnte.
1865 (Einbau von Bankreihen), 1877 und 1906 (Einbau eines Kamins) wurde die
Synagoge jeweils renoviert. Gottesdienste fanden in ihr bis nach 1933 statt. Bei
der Synagoge handelte es sich um einen einfachen Satteldachbau mit einigen
Rundbogenfenstern, die auf den besonderen Charakter des Gebäudes als eines
Bethauses hinwiesen. Im Betsaal gab es etwa 40 Sitzplätze für Männer, auf der
Empore in vier Bankreihen 23 Plätze für Frauen.
1937 wurden mehrere Scheiben des Gotteshauses eingeworfen. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Der Dachstuhl wurde
abgetragen und von Bürgern des Ortes verheizt. Im Dezember 1939 musste die
jüdische Gemeinde die Ruine der Synagoge an die bürgerliche Gemeinde gegen
Verrechnung der Abbruchkosten verkaufen. 1939/40 wurde das Gebäude abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Friedhofstraße 3 (früher
Eselsgasse/Haus Nr. 74)
Fotos / Darstellungen:
| Sind noch nicht vorhanden;
über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der
"Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 74 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 161-162 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Gemeinde Gauersheim (Hrsg.): 1150 Jahre Gauersheim
835-1985. Gauersheim 1985. Dort u.a. die Beiträge von Lilly Becker
"Der Gauersheimer Judenfriedhof" S. 54-55 und "Der Philosoph
Ernst Bloch" S. 55-56. |
 | Bernhard Kukatzki: Die pfälzischen Vorfahren des
Philosophen Ernst Bloch. [der Vater von Ernst Bloch stammte aus Gauersheim]:
online
zugänglich (pdf-Datei, interner Link). |
 | ders.: Jüdische Kultuseinrichtungen in der
Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden. Synagogen, Friedhöfe, Ritualbäder in
Gauersheim, Ilbesheim, Kirchheimbolanden, Marnheim. Schifferstadt 1997 S.
5-11.
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