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im Kreis Offenbach"
Heusenstamm mit
Obertshausen (Kreis
Offenbach) und Bieber (Stadt Offenbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Heusenstamm bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./16.
Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1588 ein Viehhändler namens
Abraham von Heusenstamm genannt. 1650 findet sich in einem Dokument der
Herren von Heusenstamm die (bislang nicht nachzuweisende) Feststellung, dass
seit 200 Jahren, also seit etwa 1450 die Juden Heusenstamms im Besitz einer
Synagoge, einer Schule und eines Friedhofes seien. 1658 mussten die jüdischen
Familien eine Sonderabgabe für die Mauer des Schlosses Heusenstamm
bezahlen.
In Obertshausen lassen sich jüdische
Bewohner gleichfalls seit dem 16. Jahrhundert nachweisen (1572), doch blieb ihre
Zahl gering. Im 19. Jahrhundert wurden gezählt: 1830: 21, 1905 3, 1932 2
jüdische Einwohner.
In Heusenstamm entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1828 89 jüdische Einwohner (11 % von 818; es handelt -
einschließlich der in Obertshausen lebenden Gemeindeglieder - um 16 jüdische
Familien und fünf Witwen), 1849 gleichfalls 89,
1861 49 (4,5 % von 1.088), 1871 35, 1880 39 (2,6 % von 1.523), 1900 38 (1,7 % von 2.226),
1910 40 (1,4 % von 2.761). Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist
demnach die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde stark zurückgegangen.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule,
vermutlich auch ein rituelles Bad sowie (bereits seit
dem 17. Jahrhundert) ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl.
Ausschreibungstext von 1872 unten).
In besonderer Erinnerung ist unter den Lehrern
Max (Moses) Eckmann, der 1910 sein 25-jähriges Jubiläum als Religionslehrer der
Gemeinde (seit 1885) und 1922 sein 50-jähriges Amtsjubiläum feiern konnte. Unter den Vorstehern werden im 19. Jahrhundert vor allem
genannt: Joseph Fürth, der über 40 Jahre lang erster Vorsteher war (vermutlich
bis Anfang der 1880er-Jahre), danach Hirsch Rollmann (gestorben 1892).
Im benachbarten Bieber (seit 1938 Stadtteil
von Offenbach) wurden im 19. Jahrhundert noch keine jüdischen Einwohner
genannt. 1929 waren es inzwischen vier, 1932/33 14 jüdische Einwohner, die zur
Gemeinde in Heusenstamm gehörten.
Um 1924, als noch 31 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (1,03 %
der Gesamtbevölkerung von etwa 3.000 Einwohnern), waren die Vorsteher
der Gemeinde M. Gutenstein, J. Frankfurter und J. Strauß. Als Lehrer, Kantor
und Schochet wirkte weiterhin Max (Moses) Eckmann. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde
drei Kindern den Unterricht (1932: 5 Kinder). Zur Gemeinde in Heusenstamm
gehörten weiterhin die in Bieber und Obertshausen lebenden, zusammen 31 jüdischen
Personen. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Offenbach. 1932
waren die Vorsteher der Gemeinde: Moritz Frankfurter (1. Vors.; er blieb
Gemeindevorsteher bis 1938), Eugen Ehrmann
(2. Vors.) und Hugo Rollmann (3. Vors.). 14 der Gemeindeglieder wohnten damals
in Bieber, 2 in Obertshausen. Als jüdischer Verein wird genannt ein
"Israelitischer Männer und Frauenverein zur Gegenseitigkeit" unter
Leitung von Eugen Ehmann. Auch eine Gemeindebibliothek war vorhanden.
Unter den jüdischen Erwerbstätigen gab es u.a.: Feintäschner (fünf
Personen; Feintäschner beziehungsweise Portefeuiller stellen Lederwaren wie Brieftaschen, Aktenmappen usw.
her), Schneider, Schlosser, Hilfsarbeiter und andere Handwerker.
1933 lebten noch etwa 30 jüdische Personen in acht Familien in
Heusenstamm. Bereits 1933 wurde Bernhard Frankfurter für zehn Monate in das KZ
Osthofen gesperrt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert: 1938 emigrierte Jakob
Ackermann nach Australien, die meisten verzogen zunächst nach Frankfurt. Im
Oktober 1938 lebten noch 13 jüdische Personen in Heusenstamm. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge verwüstet (s.u.), der jüdische Friedhof
schwer geschändet sowie die jüdischen Geschäfte und Wohnungen verwüstet.
Emil Schönmann, Eugen Ehrmann, Isidor Gutenstein, Moritz Frankfurter, Simon
Eckmann, Hugo Rollmann und Sally Reinhardt wurden festgenommen und am folgenden
Tag in das KZ Dachau verschleppt. 1940 lebte nur
noch die Familie Eckmann in Heusenstamm.
Von den in Heusenstamm geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Alex Doiny
(1875), Samuel Doiny (1877), Beatrice Mathilde Eckmann (1922), Johanna Eckmann geb.
Frankfurter (1889), Moritz Eckmann (1888), Simon Eckmann (1889), Erwin Ehrmann
(1926), Eugen Ehrmann (1895), Horst (Hersz) Ehrmann (1924), Johanna Ehrmann geb.
Schönmann (1902), Bernhard Frankfurter (1897), Ida Frankfurter geb. Siegel
(1891), Moritz Frankfurter (1885), Ruth Frankfurter (1928), Helene Grünewald
geb. Schloss (1885), Isidor Gutenstein (1896), Klara Gutenstein
(1888), Alexander Hahn (1871), Ludwig Hahn (1873), Lina Katz geb. Frankfurter (1895), Fanny
Reinhardt geb. Kahn (1879), Siegfried Reinhardt (1906), Salomon Rohrheimer
(1864), Julius Rollmann (1862), Samuel Hugo Rollmann (1900), Sara Rollmann
(1865), Auguste (Gustel) Schönmann
geb. Frankfurter (1883), Emil Schönmann (1875), Frieda Siegel geb. Schönmann
(1909).
Von den in Obertshausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Kathinka (Dinka) Bauer
geb. Schönmann (1874), Recha Isenberg geb. Kamberg (1871), Adolf Löb (1865),
Emil Schönmann (1875).
Von den in Bieber geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Manfred Rosenbaum (1905),
Siegmund Rosenbaum (1874).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine
Artikel zur jüdischen Geschichte Heusenstamms
Über das Alter der jüdischen Gemeinde (Artikel von
1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1924: "Bürgel
bei Offenbach, 14. April (1924). Die Gemeinde Bürgel am Main wird im
Laufe dieses Sommer noch auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. Die
Gemeinde wird diesen Tag festlich begehen. Im Kreise Offenbach befinden
sich noch einige israelitische Gemeinde, die überhaupt schon lange
bestehen. Die kleine Gemeinde in Heusenstamm wurde gleich nach dem
30jährigen Krieg gegründet, wie das Memorbuch ausweist. Eine alte
Gemeinde ist auch Weiskirchen und
ferner Dietzenbach. Auch in dem Rodgaugebiete befinden sich noch einige
kleine Gemeinde, die sich zum Teil zum orthodoxen Standpunkte
bekennen." |
Allgemeiner Artikel von 1911
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1911:
"Die jüdische Gemeinde Heusenstamm. Unter den jüdischen Gemeinden
des Kreises Offenbach ist wohl Heusenstamm, deren Existenz über 400 Jahre
zurückgreift, eine der ältesten. Eng verknüpft mit der Zeitgeschichte
der Gemeinde ist zugleich ihr Verhältnis mit den damaligen Herren von
Heusenstamm (Husestam) Warem von Hagen und den später residierenden
Grafen von Schönborn. Vor kurzem hat nun der Gräfl. von Schönbornsche
Sekretär und Aktuar Roth ein Schriftlichen 'Zur kirchlichen Verfassung'
herausgegeben, worin er auch mit einigen Federstrichen der jüdischen
Gemeinde gedenkt. Die Juden fanden ums Jahr 1650 einen Annehmer an dem
Herrn Cronstetten, einem toleranten und alten Frankfurter Patrizier. Gegen
ihn beschwerte sich ein gewisser Kaplan Ephippiarius, dass er nicht allein
2 Lutheraner, sondern auch 15 Paar Juden in das Gericht aufgenommen, die
fast stärker seien, als die katholische Gemeinde mit ihren Kindern.
Innerhalb Jahresfrist habe er der erwähnten Judenschaft erlaubt, gleich
nächst der Kirche und dem Pfarrhaus eine jüdische Schule zu erbauen.
Gegen diese Schrift rechtfertigte sich Cronstetten glänzend und legte
dar, was es hiermit für ein Bewandtnis hatte. Im Jahre 1829 waren noch 89
Juden am Platze, deren Zahl allmählich wieder zurückging. Der vom Grafen
von Schönborn frei überwiesene Begräbnisplatz kann auf 250 Jahre seines
Bestehens zurückblicken. Er lag anfangs frei und bildete Jahrhunderte
lang ein tohu wabohu, bis endlich anfangs 1850 freiwillige Geldsammlungen,
wobei sich Baron W. von Rothschild, Mayer und Gustav Schwarzschild,
Salomon Levy u.a. hervortaten, es dahin brachten, dass eine Mauer gebaut
werden konnte, sodass der Friedhof etwa 1857 durch den Rabbiner Dr.
Formstecher eingeweiht werden konnte. E." |
Allgemeiner Artikel von 1937 (!)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Juni 1937 (S. 21): "Heusenstamm. 3000 Einwohner. - Im 13. Jahrhundert
Sitz des Geschlechts der Heusenstamm, seit dem 15. Jahrhundert den Herren
von Schönborn gehörig, deren Amtmann noch heute das Schloss bewohnt. Die
Herren von Schönborn, deren Sprossen als Bischöfe von Würzburg,
Bamberg, Mainz usw. oft genug auf die Geschickte der Juden Einfluss
nahmen, waren den Juden von Heusenstamm fast stets gewogen. Schon 1588
arbeitet Abraham zu Heusenstamm als Viehhändler mit beträchtlichem
Kapitel. 1669 erhalten die Juden von Melchior Friedrich von Schönborn
einen Friedhof geschenkt, der noch heute benutzt wird. Die erste Synagoge
wird im Judenviertel von Heusenstamm - aber ein echtes Ghetto gab es dort
kaum - 1829 durch den damaligen Predigtamtskandidaten und späteren
Rabbiner Dr. Formstecker aus Offenbach eingeweiht, der 1881 auch die
jetzige Synagoge an Stelle der alten weihte. - Die Gemeinde gehört zum
Kreisrabbinat Offenbach, hat (mit Bieber und Obertshausen) acht Familien
und hält an Feiertagen noch Gottesdienst. Die Kinder besuchen die
jüdische Volksschule in Offenbach. Vorsteher: Herr Moritz Frankfurter.
Die Synagoge zeigt über dem Toraschrein auf einer Doppeltafel in
prächtiger Brandmalerei das Gebet für den Landesherrn hebräisch und
deutsch, darüber das kunstvoll geschnitzte Wappen von Hessen-Darmstadt:
das Ganze ein Geschenk des Großherzogs Ernst Ludwig zur Einweihung 1881.
Ein Silbergehänge zum Toraschild ist von 1674. - Der Friedhof westlich
der Bahn nach Offenbach, kaum 1 km nördlich des Bahnhofs mitten im Wald,
175 m lang, mit Steinmauer umgeben, dient auch den Juden von Dietzenbach,
Hainhausen, Jügesheim, Obertshausen und Weißkirchen.
Vom Friedhofausgang westwärts 'den Judenkirchhofsweg' zur
Heusenstammerstrasse (nicht mit der von Frankfurt her kommenden zu
verwechseln!), diese nordwärts zum Mühlenweg und zur Waldstraße, 1 1/2
Std. Waldwanderung. Nach einer weiteren Viertelstunde erreicht man den
Hauptbahnhof Offenbach a.M." |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1872
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "Die
Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters, mit sehr wenigem Dienst
verbunden, und einem jährlichen Gehalt von 300 Gulden nebst freier
Wohnung und circa 100 Gulden Einkommen für Schächten etc. ist dahier
offen und sogleich zu besetzen.
Heusenstamm bei Frankfurt, 28. Dezember 1872. Für den Vorstand: Joseph
Fürth." |
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Max (Moses)
Eckmann (1922, seit 1885 in Heusenstamm)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 30. Mai 1922: "Heusenstamm. Am 14. dieses Monats
feierte Lehrer M. Eckmann sein 50-jähriges Amtsjubiläum.
Aus gesundheitlichen Rücksichten musste der beliebte Beamte von allen
Ehrungen absehen.
Er hatte seine Ausbildung in der 1848 gegründeten Bildungsanstalt für
jüdische Lehrer in Hannover genossen, welche damals unter Leitung des
Direktors und Professors Dr. S. Frensdorff stand. Nach abgelegter Prüfung
1872 übernahm er mehrere Stellen und trat die jetzige Stelle 1885
an." |
Aus dem Gemeindeleben
Ergebnisse der Vorsteherwahl der
israelitischen Gemeinde (1891)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1891:
"Aus dem Kreis Offenbach. Bei der jüngsten Vorsteherwahl der
israelitischen Gemeinde zu Heusenstamm wurden zu Vorstehern gewählt die
Herren: Gutenstein, L. Schönemann und J. Frankfurter. Als Wahlkommissar
fungierte der Großherzogliche Bürgermeister Winter. Vom
Großherzoglichen Kreisamte Offenbach wurden dieselbe sodann am 10. dieses
Monates bestätigt und verpflichtet." |
Berichte zu einzelnen
Personen der Gemeinde
Zum 85jährigen Geburtstag des
langjährigen Vorstehers Joseph Fürth 1892
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1892: "Aus
dem Kreis Offenbach. Dieser Tage feierte der Kaufmann Herr J. Fürth zu
Ysenburg in seltener Rüstigkeit sein 85 Wiegenfest. Herr Fürth ist als
Israelit und Mitbürger in weiten Kreisen hochgeachtet und geehrt. Über
40 Jahre hat derselbe das Amt des 1. Vorstehers in Heusenstamm mit
äußerster Gewissheit zum Wohle der ganzen Gemeinde geführt. Er war der
Begründer des Chewra HaNaschim; seiner Initiative war es zu
verdanken, dass daselbst eine neue Synagoge hergestellt wurde. Möge er
den Abend seines Lebens wie bisher in ungestörter Ruhe im Kreise seiner
Lieben verbringen. Bis hundert Jahre!" |
Zum Tod des langjährigen Vorstehers Hirsch
Rollmann 1892
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1892:
"Vermischtes. Die israelitische Gemeinde zu Heusenstamm hat durch den
am 6. Nissan erfolgten Hintritt des Herrn Hirsch Rollmann einen
schmerzlichen Verlust erlitten. Derselbe bekleidete viele Jahre hindurch
das Amt des ersten Vorstandes in der Gemeinde mit Gewissenhaftigkeit und
Treue. Bei seiner Beerdigung, an der sich sehr viele Nichtjuden und der
Großherzogliche Bürgermeister beteiligte, musste wegen des Chodesch
Nissan von einer Trauerrede abgesehen werden." |
Silberne Hochzeit von Is. Frankfurter und Bertha geb. Rohrheimer (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israeliten Familienblatt" vom 14. Dezember 1903:
"Aus Hessen. Am 13. dieses Monats feiern die Eheleute Is. Frankfurter
und Bertha geb. Rohrheimer das Fest der silbernen Hochzeit. Nicht nur bei
der jüdischen, sondern auch bei der christlichen Einwohnerschaft
Heusenstamms erfreut sich der Jubilar und die Jubilarin einer allgemeinen
Beliebtheit. Schon seit vielen Jahren wird er von den Mitgliedern des
Turnvereins in den Vorstand gewählt und wurde ihm das Kleinod des
Vereins, die Fahne, anvertraut, die er auch bei den Turnfesten zu Hamburg
und wiederholt in Nürnberg vorangetragen. Herr Frankfurter begleitet
ferner auch das Amt eines 2. Vorstehers in der Gemeinde und verstand es,
die Interessen der Gemeinde jederzeit aufs beste zu vertreten. Möge dem
Jubelpaare einstens die goldene beschieden sein." |
Zum Tod von Sara Doiny geb. Feist (1903)
Aus
dem "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember
1903: "Aus der Provinz Starkenburg. Dieser Tage verstarb die älteste
jüdische Frau in der israelitischen Gemeinde zu Heusenstamm, Frau Witwe Sara
Doiny geborene Feist im hohen Alter von 75 Jahren. Es sei
hierbei erwähnt, dass diese Frau in Mitzwah misassek b'mes groß
war und ihres gleichen suchte. Reichtümer hinterließ sie nicht; sie
hatte stets einen guten Humor und gab schlagfertige jüdische Antworten.
Sie war auf die Mildtätigkeit edeldenkender Menschen und auf
Unterstützungen der Wohltätigkeitskassen angewiesen und flossen ihr
Gaben reichlich zu. Stets besorgt um den jom hamisoh, bestellte sie
schon bei Lebseiten den Grabstein. - Von ihrer Schwiegermutter in
Mannheim, einer hohen Neunzigerin, wird sie noch überlebt, gewiss eine
Seltenheit." |
Zum Tod von Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer (1918)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. November
1918: "Heusenstamm. Bertha Frankfurter geb. Rohrheimer, Tochter des
hoch geachteten Moritz Rohrheimer, seligen Andenkens und Nichte des unvergesslichen
Lehrers Rohrheimer seligen Andenkens in Biblis, ein Biederweib im
altjüdischen Sinne, ist verschieden." |
M. Gutenstein wird als Vorsteher der jüdischen
Gemeinde wiedergewählt (1921)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 2. Juni 1921: "Kreis Offenbach. Die Wiederwahl des
bisherigen 1. Vorstehers der israelitischen Religionsgemeinde zu Heusenstamm,
M. Gutenstein, auf weitere 3 Jahre erhielt die Bestätigung des Hessischen
Kreisamtes." |
85. Geburtstag von Caroline Rollmann (1921)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 5. Mai 1921: "Heusenstamm. Frau Caroline Rollmann
beging ihren 85. Geburtstag. Sie ist die Tochter des 1849
verstorbenen hiesigen Rechners Isaak Levy und Witwe des hiesigen 1.
Vorstehers S. H. Rollmann". |
Spende von Leo Frankfurter für die Gemeinde (1921)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 26. Juli 1921: "Kreis Offenbach. Leo Frankfurter in
Musoogee (Oglahoma; gemeint Muskogee
in Oklahoma), ein Enkel des Predigers Frankfurter seligen
Andenkens in Rendsburg, hat in treuer
Anhänglichkeit an seine Heimat in Heusenstamm in Gemeinschaft von
mehreren Gönnern und Freunden eine hochherzige Spende von mehreren
tausend Mark der israelitischen Gemeinde überwiesen, sodass dieselbe in
den Stand gesetzt ist, ihr Gotteshaus mit elektrischer Beleuchtung zu
verzieren und den Wiederaufbau der verfallenen Friedhofsmauer
herzustellen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Heiratsanzeige von Sally Reinhardt und Fanny geb. Eckmann (1903)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September
1903: "Als Vermählte empfehlen sich:
Sally Reinhardt - Fanny Reinhardt geb. Eckmann Wachenbuchen
- Heusenstamm." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bereits 1650 wurde mit der Erlaubnis des Schlossherrn eine Synagoge erbaut. Ob es noch
dieselbe war, die 1829 renoviert und am 29. August 1829 durch den
damaligen Offenbacher Oberrabbiner Gottlieb Metz (gestorben 1842) wieder
eingeweiht worden war, ist nicht bekannt. Der Nachfolger auf der Stelle des
Offenbacher Oberrabbinates wurde Dr. Salomon Formstecher (gest. 1889 in
Offenbach). Er hat die 1880/81 erbaute neue Synagoge in Heusenstamm
eingeweiht.
Einweihung der neuen Synagoge (1881)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1881:
"Heusenstamm bei Offenbach, 13. September (1881). In unserer kleinen
Gemeinde fand heute die Einweihung der neuen Synagoge statt.
An dieser Feier beteiligten sich fast sämtlich Einwohner des Ortes und
würde das innige Zusammenleben aller Konfessionen selbst die besten
Anhänger Stöckers außer Fassung gebracht haben. Im Bethause nahm neben
dem Rabbinen Herrn Dr. Formstecher, der hochwürdige katholische
Geistliche seinen Sitz, an dessen Seite der Oberamtmann, der
Bürgermeister und die Gemeinderäte.
Nach Herr Durlacher aus Frankfurt den liturgischen Teil in ergreifender
Weise vorgetragen hatte, bestieg Dr. Formstecher die Kanzel und
beleuchtete in einer trefflichen Weise das Judentum, das keine politische
Tendenz kenne und keinen Staat im Staate bilde, sondern einen Juden, wes
Glauben er auch angehören möge, gestatte, den Gottesdienst im Tempel
mitzufeiern. Der Redner schloss mit einem ergreifenden Gebet für das Wohl
des Kaisers und des Großherzogs.
Nach der Feier begaben sich der Bürgermeister und der Gemeinderat in das
Haus des Vorstehers Herrn Fürth, um dort an einem kleinen Imbiss
teilzunehmen. Hier hatten wir Gelegenheit eine Rede zu hören, welche wir
der Öffentlichkeit nicht vorenthalten können. Herr Gemeinderat Ohlig
schilderte in beredten Worten das gute Einvernehmen der verschiedenen
Konfessionen des Ortes und hob speziell - im Hinblick auf die
gegenwärtige verabscheuungswerte Bewegung der Antisemiten hervor, dass
das Verhältnis der christlichen Bevölkerung den Juden gegenüber seit
seiner Kindheit ein äußerst kordiales (= herzliches) gewesen sei. Die
Beliebtheit und Achtung, die seine jüdischen Mitbürger mit Recht
verdienen, bürgten für die ewige Dauer dieses Einvernehmens. Er schloss
mit den Worten: 'Hier wird nicht gestöckert!'
Herr Salomon Levy aus Frankfurt hob hervor, dass die zivilisierte
Residenzstadt von den Bewohnern eines unbedeutenden Dorfes die wahrhafte
Menschenliebe erlernen könne.
Herr Schwarzschild aus Frankfurt gedacht der dahingegangenen Lehrer
Heusenstamms, die sich um die Erziehung vieler anwesenden Männer
Verdienste erworben und hob die Verdienste des würdigen Vorstehers Herrn
Fürth besonders hervor.
Schließlich haben wir noch einer Widmung zu erwähnen, welche der
anwesende Sohn des seligen Oberrabbiners Metz - das Gedenken an den
Gerechten sei zum Segen - der israelitischen Gemeinde Heusenstamms zum
ewigen Andenken überließ."
Es war dies die hübsch eingebundene Rede, welche der selige Oberrabbiner
am 29. August 1829 bei damaliger Renovationsfeier der Synagoge hielt. -
Dem Geber wurde der Dank der Gemeinde in herzlichen Ausdrücken
zuteil.
Um 7 Uhr trennte sich die fröhliche Gesellschaft, da ein großer Teil der
Gäste von Frankfurt zur Beiwohnung dieser erhabenen Feier erschienen war,
und die Rückkehr antreten musste." |
Die Synagoge wurde entsprechend der
inzwischen klein gewordenen Gemeinde mit 34 Männer- und 12 Frauenplätzen
eingerichtet. Es handelte sich um einen eingeschossigen Massivbau mit
Satteldach.
Auf Grund der 1921 genannten Spende von Leo Frankfurter konnte vermutlich
die elektrische Beleuchtung in der Synagoge eingeführt werden (s.o.).
Ein böse Überraschung erlebte die Gemeinde in der Purimwoche 1924, als
plötzlich die Decke der Synagoge einstürzte. Zur teilweise Beschaffung der
für die Renovierung notwendigen Mittel wandte sich der Gemeindevorstand auch an
die jüdische Öffentlichkeit:
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924:
"Aufruf! In der Purimwoche ist leider die Decke unserer Synagoge
eingestürzt. Der Schaden ist groß. Die Herstellung derselben sowie eines
neuen Dachstuhles macht sich erforderlich. Es ist leider der kleinen, aus
8-9 Familien bestehenden israelitischen Gemeinde nicht möglich, die
Kosten hierfür aufzubringen. Wohltätige israelitische Glaubensgenossen -
helfet uns bald dieses schöne Werk zu vollenden. Die Expedition des
Israelit sowie der unterzeichnete Vorstand sind gern bereit, Gaben
hierfür in Empfang zu nehmen und hierüber zu quittieren.
Heusenstamm, (Hessen). Der Vorstand: J. Frankfurter." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge mit ihren teils sehr
wertvollen Ritualien zerstört und das Gebäude beschädigt. Wenig später wurde
es verkauft und zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut. An dem
Gebäude erinnert durch den Umbau nichts mehr an die frühere Nutzung.
Adresse/Standort der Synagogen: die alte
(1829 renoviert) und die neue Synagoge standen auf dem Grundstück Kirchstraße 20 (frühere Eckgasse)
Fotos
(Quelle: Foto links bei Arnsberg. Bilder S. 91;
Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2008)
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Historische Aufnahmen sind noch nicht vorhanden; über
Zusendungen freut sich der Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite. |
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Die ehemalige Synagoge
um 1970/1985 |
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Die ehemalige Synagoge
(Vorderhaus)
um 1970 |
Die ehemalige Synagoge 1985;
nach Altaras
ist der Vorderteil des Gebäudes vermutlich
später angebaut
worden. |
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Die ehemalige Synagoge
im Sommer 2008 |
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Die ehemalige Synagoge |
Die ehemalige Synagoge
(Mitte); das
Grundstück links - 1985 noch
Gartengrundstück (siehe oben)
-
ist inzwischen bebaut |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 365-367. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 91. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 173. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 276. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 169-170. |
 | Alfred Dittrich: Geschichte der jüdischen
Kultusgemeinde in Heusenstamm. In: Heusenstammer Stadtpost Nr.
18.20.22.24.25. 1972. |
 | Sabine Richter-Rauch: "Sie wohnten neben uns" - Die
jüdischen Familien in Heusenstamm zwischen 1930 und 1945. Selbstverlag 2008. 116 Seiten. ISBN: 978-3-00-023025-7. Bestellmöglichkeit
im "Buchladen am Markt" Offenbach
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Heusenstamm
Hesse. Established before 1650, the community numbered 89 (11 % of the total) in
1828-49. Jews from nearby Obertshausen also attended the synagogue, which was
badly damaged on Kristallnacht (9-10 November 1938). Most of the
remaining 26 Jews fled to other German towns and probably died in the Holocaust.

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