Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gossfelden mit Sterzhausen und Caldern (Gemeinde Lahntal, Kreis Marburg-Biedenkopf)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Goßfelden bestand eine jüdische Gemeinde vermutlich bis Anfang der 1920er-Jahre. Ihre Entstehung geht in die Zeit um 1700 zurück.    
   
Zunächst handelte es sich um eine selbständige Ortsgemeinde, zu der ursprünglich auch Wetter, Sterzhausen und Caldern gehörte. 1880 wurde Wetter Sitz der Gemeinde. 1910 wurden die in den Orten Caldern, Sterzhausen und Goßfelden lebenden jüdischen Personen zu einer Gemeinde, der "Synagogengemeinde Goßfelden" zusammengeschlossen. Diese hatte jedoch auf Grund der zurückgehenden Zahlen der jüdischen Gemeindeglieder nur wenige Jahre bestand. Spätestens Anfang der 1920er-Jahre gehörten die in den genannten drei Orten lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Wetter.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Goßfelden: 1835 18 jüdische Einwohner, 1861 25, 1905 19, 1932 14; in Sterzhausen: 1861 9 jüdische Einwohner, 1905 6, 1924 6, 1932 6; in Caldern: 1835 8 jüdische Einwohner, 1861: 17, 1924 6, 1932 in Caldern keine jüdischen Einwohner mehr.   
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge bzw. ein Betraum (s.u.), eine Religionsschule und möglicherweise ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem Friedhof in Wetter beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt (siehe Ausschreibung der Stelle von 1882). 1904 wurde die Lehrerstelle gemeinsam mit Wetter und Oberasphe ausgeschrieben. Die Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat Marburg.        
   
Um 1924, als in den Teilorten der Gemeinde zusammen noch etwa 25 jüdische Personen (in 6 Haushaltungen) lebten, war Vorsteher dieser "Restgemeinde" (inzwischen Filialgemeinde zu Wetter) Willi Goldschmidt. Die beiden schulpflichtigen Kinder der Gemeinde erhielten wöchentlich Religionsunterricht in Wetter durch Lehrer Jonas Gans aus Marburg.   
   
1933 lebten in Sterzhausen noch die Familien Ziegelstein und Isenberg. Von ihnen wurden Sally und Minna Ziegelstein ins Ghetto Riga deportiert und ermordet; der Tochter Emmy gelang die Emigration. Berta Isenberg verzog nach Kirchhain, später nach Frankfurt, von wo aus sie nach Minsk deportiert wurde.   
    
Von den in Goßfelden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Edelmuth geb. Lilienstein (1880), Berta Lilienstein geb. Katz (1889), Cilly Lilienstein geb. Meier (1897), Fritz Lilienstein (1923), Gustav Lilienstein (1888), Hans Lilienstein (1924), Karoline Lilienstein (1876), Salomon Lilienstein (1884), Trude Lilienstein (1922), Zerline Lilienstein (1922).    
    
Von den in Sterzhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Isenberg (1861), Minna Ziegelstein (1885), Sally Ziegelstein (1881).     
  
   
   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1882 / 1904  

Gossfelden AZJ 05071882.jpg (45841 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli 1882: "Die israelitische Gemeinde Goßfelden wünscht baldmöglichst einen Religionslehrer zu engagieren. Gehalt neben freier Station 300 Mark. Meldungen sind zu richten an Provinzialrabbinat Dr. Munk in Marburg."  
  
Wetter FrfIsrFambl 22011904.jpg (26454 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1904: "Vakanzen. Wetter - Goßfelden - Oberasphe. Religionslehrer und Schächter per sofort. Einkommen 1.050 Mark. Meldungen an das israelitische Vorsteheramt in Marburg." 

   
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Aus den Gemeinden Goßfelden, Sterzhausen und Caldern wird die Synagogengemeinde Goßfelden begründet (1910) 
Anmerkung: im Artikel wird statt Caldern falsch "Eldern" geschrieben 

Caldern AZJ 25021910.jpg (18478 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Februar 1910: "Auf Anordnung der Königlichen Regierung zu Kassel ist in Goßfelden, Sterzhausen und Caldern eine neue 'Synagogengemeinde Goßfelden' begründet worden."    

     

  
Zur Geschichte der Synagoge

Ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge war seit dem 18. Jahrhundert vorhanden. Sie wurde damals und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein von den in Goßfelden, Sterzhausen, Caldern und Wetter lebenden jüdischen Personen besucht. Der Betsaal befand sich im Liebmannschen Haus Nr. 20, das der Familie Lilienstein gehörte. Dort hatte die Gemeinde zwei Räume im Obergeschoss angemietet. Da die Mitgliederzahl der Gemeinde immer mehr anstieg, beantragte man 1860, in Sterzhausen eine Synagoge bauen zu dürfen, was aber von der Polizeidirektion in Marburg abgelehnt wurde, weil zu wenige Geldmittel vorhanden waren. Daher wurde ein Umbau des Betsaal in Goßfelden vorgenommen, der weitere acht Sitzplätze für die Männer erbrachte.  
   
Seit Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem nach Bau der neuen Synagoge, wurden die Gottesdienst in Wetter besucht.  
    
  
Adresse/Standort der Synagoge  unbekannt  (Liebmannsches Haus Nr. 20)

Fotos  

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Goßfelden vorhanden.   
     

  
   
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Lahntal   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 363-364 (Im Abschnitt zu Wetter)  
Keine Abschnitte bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.  
Barbara Händler-Lachmann und Ulrich Schütt: "Unbekannt verzogen" oder "weggemacht". Schicksale der Juden im alten Landkreis Marburg 1933-1945. Marburg 1992.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 150. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 463 (kurze Angabe im Artikel zu Wetter). 

Hinweis auf familiengeschichtliches Werk  

Nathan M. Reiss 

Some Jewish Families 
of Hesse and Galicia 
Second edition 2005 
http://mysite.verizon.net/vzeskyb6/  
Reiss Lit Titel 010.jpg (44676 Byte) Reiss Gossfelden 010.jpg (69835 Byte)
   In diesem Werk eine Darstellung zur Geschichte der jüdischen Familien Lilienstein und Stern in Goßfelden ("The Lilienstein and Stern Families of Goßfelden" S. 171-186) ( Nachkommen bis um 2000) mit Abbildungen u.a.m.      

   
     

n.e.

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Dezember 2010