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Friedrichroda (Kreis
Gotha, Thüringen)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Friedrichroda
In Friedrichroda lebten seit Mitte des 19. Jahrhunderts wenige
jüdische Familien, ohne dass es zur Gründung einer jüdischen Gemeinde
gekommen ist. Mit der Entwicklung Friedrichrodas zu einem viel besuchten
Luftkurort siedelten sich in der Stadt zeitweise auch mehrere jüdische
Pensionen und Kureinrichtungen an. Unter den jüdischen Restaurants ist
besonders das streng rituell geführte Restaurant von J. Weil's Witwe zu
nennen (seit 1891 in Friedrichroda), das einige Jahre später von S. Charig übernommen
wurde (siehe Anzeigen unten zwischen 1891 und 1904).
Die in Friedrichroda lebenden jüdischen Personen gehörten zur jüdischen
Gemeinde in Gotha.
Nach Ende der 1920er-Jahre handelte es sich um sechs jüdische
Familien/Haushaltungen mit etwa 20 Personen:
- Bettina Brenner (geb. 1877), seit 1931 Inhaberin eines jüdischen
Fremdenheimes im Schreiberweg 3; zum Haushalt gehörte die Mutter von Frau
Brenner.
- Margarete Schubert geb. Zweig (geb. 1881), Inhaberin des Hotels
Schauenburg in der Wilhelmstraße 7; der Ehemann von ihr war nichtjüdisch. Nach
seinem Tod musste Frau Schubert das Hotel verkaufen; in der Zeit des Zweiten
Weltkrieges musste sie Zwangsarbeit leisten; im Januar 1944 wurde sie in das
Ghetto Theresienstadt deportiert, das sie zwar überlebte, doch starb sie an den
Folgen der Haftzeit im Oktober 1946 in Friedrichroda.
- Dr. Leonie Cohn geb. Kawalek (geb. 1892), Leiterin einer
Privatklinik Am Gottlob 7.
- Ernst Kahn mit Frau Maria Kahn geb. Wolf und ihren drei Söhnen
Werner, Richard und Walter in der Rosenau 8.
- Heinrich Brandes mit Frau Gertrud Brandes geb. Cerf und ihren
Kindern Herbert, Edwin und Margarete im Haus Alexandrinenstraße
31.
- Emmy Levy (1874) im Haus Alexandrinenstraße 31
In
den Jahren nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Frau Dr. Cohn wurde als
erste zur Aufgabe ihrer Privatklinik gezwungen. Beim Novemberpogrom 1938
wurde das Fremdenheim von Bettina Brenner von Nationalsozialisten überfallen.
Im Zusammenhang mit dem Pogrom wurden Ernst und Werner Kahn verhaftet: Sohn Werner
Kahn wurde in das KZ Buchenwald verschleppt; Vater Ernst Kahn wurde zwar freigelassen,
doch starb er bereits am 17. November 1938. 1939 konnte Frau Brenner mit ihrer
Mutter und ihrer Hausdame Helen Misch nach Chile emigrieren. Frau Dr. Cohn zog
1939 - inzwischen schwer erkrankt - in ein "Judenhaus" nach Erfurt,
nachdem das Krankenhaus in Waltershausen ihre Behandlung verweigert hatte (gest.
am 7. Februar 1942 im Alter von 50 Jahren). Werner Kahn konnte mit seiner Mutter
Maria Kahn geb. Wolf über die Niederlande in die USA emigrieren, wo bereits die
Sohne Richard und Walter lebten. 1942 wurden aus dem zum
"Judenhaus" bestimmten Haus der Familie Brandes Alexandrinenstraße 31
das Ehepaar Heinrich und Gertrud Brandes sowie Emmy Levy in das KZ
Theresienstadt deportiert. Sie sind - wie auch die Kinder Edwin und Margarete -
ermodert worden. Nur der Sohn Herbert Brandes (geb. 1908) überlebte die
Lagerzeit.
Von den in Friedrichroda geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edwin Brandes (1912),
Gertrud Brandes geb. Cerf (1884), Heinrich Brandes (1875), Margartete Brandes
(1909), Rosa Callmann (1894), Rita Fichtmann geb. Gottfeld (1909), Werner Wolf
Gottfeld (1905), Günther Max Lamm (1922), Emmy (Emilie) Levy (1874).
Im Stadtpark erinnert seit 1949 ein Mahnmal an die "Opfer des
Faschismus".
Berichte aus der
jüdischen Geschichte in Friedrichroda
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
J. Weil's Witwe führt ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, dann
in Friedrichroda (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Bad
Liebenstein. Eröffnung meines streng koscheren Restaurants, den 15.
Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d.
Werra." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1891: "Bad
Friedrichroda (Thüringen). Mein streng koscheres Restaurant befindet
sich nicht mehr in Bad
Liebenstein, sondern in Bad Friedrichroda, Villa Merkur,
Marktstraße neben der Hofapotheke, Eröffnung 15. Juni dieses Jahres. J.
Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." |
Anzeigen von S. Charig (1901 / 1904)
S. Charig suchte 1904 einen Aufseher (Schaumer) für die Kaschrut, zugleich
einen Schochet für sein Restaurants, das er ein paar Jahre zuvor von J. Weil's
Witwe übernommen hatte.
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. März 1901:
"Hochzeiten, streng rituell, werden in sachgemäßer Weise
ausgeführt. Allerbeste Referenzen.
S. Charig, vorm. J. Weil Witwe, Friedrichroda in
Thüringen". |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 28. April 1904: "Schaumer und Schochet
von streng orthodoxen
Rabbinern empfohlen, suche ich für die Sommersaison unter günstigen
Bedingungen. Gefällige Offerten an
S. Charig, Bad Friedrichroda in Thüringen".
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Fotos
| Es sind keine
Fotos zur jüdischen Geschichte in Friedrichroda vorhanden |
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| Andernorts
entdeckt |
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Grabstein
für Simon Ehrmann aus
Friedrichroda (gest. 1927 ?) im
jüdischen Friedhof in Sinsheim |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S.
84. |

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