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Bad Liebenstein (Wartburgkreis)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Bad Liebenstein
In Bad Liebenstein sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
einige jüdische Familien / Personen zugezogen, ohne dass es zur Bildung einer
jüdischen Gemeinde am Ort gekommen ist. 1871 wurden 22 jüdische
Einwohner gezählt, die zur jüdischen Gemeinde in Barchfeld
gehörten. 1891 eröffnete J. Weil's Witwe ein streng koscheres
Restaurant in Bad Liebenstein, das sie jedoch nach einigen Wochen nach
Friedrichroda verlegte (siehe Anzeigen unten). 1895 wurden zehn
jüdische Einwohner gezählt. Um 1900 betrieb die Familie Sanders eine
streng koschere Restauration und Pension am Ort (siehe Anzeigen unten); die
Familie Liebenstein (Eltern von Max und Bernhard Liebenstein) führten unter der
Geschäftsbezeichnung "J.R. Liebenstein, Bad Liebenstein" ein
Manufaktur-, Kurz- und Wollwarengeschäft in der Aschenbergstraße 2.
Um 1924 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. Unter ihnen waren vor
allem die Angehörigen der Familie(n) Liebenstein (Max Liebenstein führte das
Geschäft der Eltern weiter in der Aschenbergstraße 2; Bernhard Liebenstein
hatte ein Textilgeschäft in der Hauptstraße 21). Familie Liebenstein hatte
1910 die Erlaubnis zur Anlegung eines privaten jüdischen Friedhofes am
Ort (unterhalb Steinbachs) bekommen (dieser Friedhof wurde nach 1962
eingeebnet).
Nach 1933 sind mehrere der
jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (darunter Hans und Horst
Liebenstein, zwei Sohne von Max Liebenstein, die nach Südafrika emigrierten
sowie die Töchter von Bernhard Liebenstein, die in die USA emigrierten)). Am 1.
November 1937 gab es noch fünf jüdische Einwohner in Bad Liebenstein:
das Ehepaar Max und Antonie Liebenstein mit dem Sohn Berthold (Aschenbergstraße
2; Textilgeschäft) sowie die Geschwister von Max Liebenstein: Therese und
Bernhard Liebenstein (wohnte in der Hauptstraße 31). Beim Novemberpogrom
1938 wurden die Geschäfte und Wohnungen der Familien Liebenstein durch
SA-Leute überfallen; die beiden Männer wurden in das KZ Buchenwald
verschleppt. Nach ihrer Rückkehr konnten sie ihre Geschäfte nicht mehr weiter
betreiben. Noch 1938 wurde Therese Liebenstein in die Landesheilanstalt
Hildburghausen eingewiesen und 1940 im Zusammenhang mit den "Euthanasie"-Aktionen
ermordet. 1939 wurde Max Liebenstein zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt,
weil er "gehässig und bösartig über Wirtschaftsangelegenheiten des
Deutschen Reiches" gesprochen habe. Nach seiner Rückkehr zog er mit seiner
Frau nach Frankfurt. 1942 erfolgten die Deportationen von Johanna Krimmer
(Grumbachstraße 27) sowie Werner Eisner und Bernhard Liebenstein. Siegfried
Fröhlich, der nichtjüdisch verheiratet waren, wurde gegen Ende des Krieges
deportiert, überlebte jedoch de Zwangsarbeit in einem Lager an der
Saaletalsperre.
Von den in Bad Liebestein geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Israel geb.
LIebenstein (1878), Johanna Krimmer (1882), Rosalie Lewin (1882), Max
Liebenstein (1877), Meta Liebenstein (1885), Therese Liebenstein geb. Mayer
(1890), Eli (Elli) Mark (1878).
Berichte aus der
jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
J. Weil's Witwe ais Barchfeld führt ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, dann
in Friedrichroda (1889 / 1891)
Anzeige
in der Zeitschrift 23. Mai 1889:
"Am 10. Juni Eröffnung meines streng koscheren
Restaurants in Bad Liebenstein.
J. Weil Witwe, Barchfeld." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Bad
Liebenstein. Eröffnung meines streng koscheren Restaurants, den 15.
Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d.
Werra." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1891: "Bad
Friedrichroda (Thüringen). Mein streng koscheres Restaurant befindet
sich nicht mehr in Bad Liebenstein, sondern in Bad Friedrichroda, Villa Merkur,
Marktstraße neben der Hofapotheke, Eröffnung 15. Juni dieses Jahres. J.
Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." |
Werbung für Sanders koschere Restauration und Pension
(1903 / 1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1903: "Koscher
Koscher. Bad Liebenstein in Thüringen. Sanders Restauration und
Pension.
Streng rituell unter Aufsicht. Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner
Dr. M. Hildesheimer, Berlin, sowie der Hamburger Verein zur
Förderung ritueller Speisehäuser. Prospecte
gratis." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. April 1904: "Bad Liebenstein in Thüringen. Koscher.
Sanders Restauration und Pension. Streng rituell unter Aufsicht
orthodoxer Rabbiner. - Referenz der Hamburger 'Verein zur Förderung
ritueller Speisehäuser. Prospect gratis". |
Fotos
| Fotos zur
jüdischen Geschichte in Bad Liebenstein liegen nicht vor. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link). Zu Bad Liebenstein S. 59. |
 | Hans Nothnagel: Die Vertreibung der Liebensteins aus
Bad Liebenstein - eine Dokumentation. In: Hans Nothnagel
(Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 6. Suhl 1999 S.
125-156. |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S.
315-316. |

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