Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dorndorf (Wartburgkreis)
Jüdische Geschichte 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte jüdischer Einwohner  
bulletBerichte aus der Geschichte jüdischer Einwohner   
Anzeigen   
bulletFotos / Darstellungen 
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte jüdischer Einwohner     

In Dorndorf bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Es gab in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nur eine jüdische Familie, die längere Zeit am Ort lebte. Dabei handelte es sich um die Familie des aus Stadtlengsfeld stammenden Kaufmanns Nathan Ullmann, der in der Salzunger Straße ein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft innehatte. Die Familie gehörte nach Angaben des "Statistischen Jahrbuches deutscher Juden" von 1905 S. 114 und des "Handbuches der jüdischen Gemeindeverwaltung" 1924/25 gemäß der Herkunft von Nathan Ullmann zur jüdischen Gemeinde in Stadtlengsfeld (beide Male werden insgesamt acht Personen genannt). Nach der Anzeige unten von 1904 verbrachte die Familie Ullmann Schabbat und Feiertage in Stadtlengsfeld, um dort die Synagoge besuchen zu können (Anmerkung: das Fahren an Sabbat und Feiertag ist nicht erlaubt).
 
Zur Familie: Nathan Ullmann ist als Sohn vom Isaak Ullmann und seiner Frau Sara am 25. Januar 1866 in Stadtlengsfeld geboren. Er heiratete 1895 Sophie geb. Gutmann (geb. 1872), eine Tochter von Pfeifer (Pfeufer) Gutmann und seiner Frau Eva geb. Lindenstein. Die beiden hatten acht Kinder: Erna (geb. 1899, verheiratet mit Mordechai Tal, gest. 1987), Hilda (geb. 1900, verheiratet mit Arthur Kamm, gest. 1980), Isaak (Yitzchak) Julius (geb. 1902, verheiratet mit Lilly geb. Hirsch, gest. 1964), Ernst (Menachem, geb. 1903, verheiratet mit Hanna/Hanni geb. Risch s.u. Literatur, gest. 1979), Toni (geb. 1906, verheiratet mit Julius Joseph Kaschmann, gest. 1991), Ruth (geb. 1909, verheiratet mit Shabtai Beeri), gest. 2006), Siegfried (Shlomo, geb. 1911, verheiratet mit Charlotte Johanna geb. ?, gest. 1993).
- Einige Familiendokumente sind eingestellt bei MyHeritage (Zugangsberechtigung nötig).
- Genealogische Informationen: Einstieg z.B. über die Angaben zur Frau von Nathan Ullmann: Sophie Ullmann geb. Gutmann  https://www.geni.com/people/Sophie-Ullmann/6000000018419936383.    

Um 1900 wird Nathan Ullmann mit Familie von Stadtlengsfeld nach Dorndorf gezogen sein, um hier ein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft zu eröffnen und dieses bis um 1933 erfolgreich zu betreiben. Die 1932 noch aus insgesamt sieben Familienmitgliedern (einschließlich dem mit der Tochter Toni geb. Ullmann verheirateten Julius Kaschmann) bestehende Familie Ullmann ist nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1935 nach Palästina/Israel emigriert. Die Familie wurde im Gottesdienst am 16. Februar 1935 in der Synagoge Stadtlengsfeld von ihrer Gemeinde verabschiedet. 
Nathan Ullmann starb am 17. Januar 1942 im Alter von 75 Jahren in Tel Aviv und wurde im Nahalat Yitzchak Cemetery in Tel Aviv beigesetzt.
 
Anmerkung: Das Interesse am Aufbau einer jüdischen Heimstätte in Palästina bzw. an einer frühen Auswanderung zeigte sich darin, dass Nathan Ullmanns Name regelmäßig seit Anfang der 1920er-Jahre in den Spendenlisten des "Erez Jisroel-Fond", des "Keren Kajemeth Lejisrael" (Jüdischer Nationalfonds) bzw. des "Keren Erez Jisroel" u.a.m. erscheint (u.a. in "Der Israelit" vom 17. Januar 1924 S. 14, "Jüdische Rundschau" vom 14. Januar 1924 S. 35, "Der Israelit" vom 24. September 1931 S. 12). Zum Keren Erez Jisroel vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Keren_Hayesod.
Im Ersten Weltkrieg unterstützte Nathan Ullmann u.a. die "Kriegsspitalhilfe für Palästina" (in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 6. Oktober 1916 S. 668).
-
1917 spendete "Frau Sophie Ullmann, Dorndorf, zum Andenken an ihre liebe selige Mutter" Eva Gutmann geb. Lindenstein für den "Herzlwald" in Palästina (in "Jüdische Rundschau" vom 22. Juni 1917)Der 7. Zionistenkongress in Basel 1905 hatte den Vorschlag Otto Warburgs unter allgemeinem Beifall angenommen, ein großes Gelände im Bereich Hulda und Ben Schemen an der Bahnstrecke von Jaffa nach Jerusalem aufzuforsten und hierfür Spenden zu sammeln.  
- 1919 wurde von "M. Ullmann - Dorndorf anlässlich des (20.) Geburtstages seiner Tochter Erna" für die "Agudas-Jisroel-Jugendorganisation" (in: "Blätter" der Agudas Jisroel Sonderheft 1919 S. 51).
- 1921 wurde eine Sammlung durchgeführt "anlässlich des Geburtstages von Julius Ullmann" für den "Jüdischen Nationalfonds" (in: "Jüdische Rundschau" vom 11. Januar 1921 S. 7).  
   
In einer Spendenliste in den "Blätter" der Agudas Jisroel vom 8. Dezember 1921 S. 3 erscheint auch der Name von Eman. Dolinger in Dorndorf; in "Jüdische Rundschau" vom 22. Februar 1924 der Name von A. Samuel in Dorndorf.   
     
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Einwohner 
     

Anzeige eines stellesuchenden jungen Mannes (1901)  
Anmerkung: vermutlich hat der "junge Mann" bislang im Manufaktur- und Konfektionsgeschäft Ullmann gearbeitet und sucht nun eine neue Stelle.    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1901: "Ein junger Mann, welcher circa 3/4 Jahre als Detailreisender der Manufakturwarenbranche tätig, der polnischen Sprache mächtig ist, sucht per 1. Januar 1902 in Süddeutschland in einem an Schabbat und Feiertag geschlossenen Geschäft Stellung. Offerten unter B.K. postlagernd Dorndorf an der Feldabahn."        

    
Anzeigen des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes N. Ullmann (1902 / 1904 / 1908 / 1922)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1902
"Suche per 1. Januar einen in der Manufaktur- und Garderobenbranche bewanderten jungen Mann (Inländer) als 
Detailreisender
für Landtouren bei freier Station. Schabbos und Jomtof streng geschlossen. Offerten mit Gehaltsansprüchen an 
N. Ullmann,
Dorndorf a.d. Feldabahn".  
 
Dorndorf Thueringen Israelit 10031904.jpg (43125 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1904
"Suche per bald 
Lehrling
, aus achtbarer Familie, mit guten Schulkenntnissen für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft. Samstags und Feiertage streng geschlossen, an welchen in Stadtlengsfeld wohne. 
N. Ullmann
, Dorndorf an der Feldabahn."   
  
Dorndorf Thueringen Israelit 15041908.jpg (56900 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1908
"Suche per Mai oder Juni einen tüchtigen jungen Mann als 
Verkäufer und Detailreisender
 
in mein an Sonnabend und Feiertagen geschlossenes Manufaktur- und Konfektionsgeschäft bei freier Station. Gehaltsansprüche mit Zeugnissen erbittet 
N. Ullmann, Dorndorf,
Röhngebirge."
  
Dorndorf Thueringen Israelit 30031922.jpg (37686 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1922
"Für mein am Schabbat und Feiertag geschlossenes Manufaktur- und Konfektionsgeschäft, suche ich per 1. Mai einen Lehrling  
mit guter Schulbildung, aus achtbarer Familie bei freier Station. 
N. Ullmann, Dorndorf, Rhön
."    
 
Ähnliche Anzeige wie 1922 in "Der Israelit" vom 3. September 1925 S. 9. Link  

 
Abschied von der Familie Nathan Ullmann (1935 in der Synagoge Stadtlengsfeld)   
Anmerkung: der Schabbat Tezawe (Toralesung/Wochenabschnitt 2. Mose 27,20-30,10) war am 16. Februar 1935 (entsprechend der 13. Adar I im jüdischen Jahr 5695).     

Stadtlengsfeld Israelit 21021935.jpg (47193 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1935: "Stadtlengsfeld, 19. Februar (1935). Am vergangenen Schabbat Tezawe wurde anschließend an den Gottesdienst zu Ehren des nach Erez Jisrael übersiedelnden Herrn Nathan Ullmann und Familie in der hiesigen Synagoge eine Feier abgehalten. Herr Wildmann gedachte in seiner Abschiedsrede der Verdienste des Herrn Ullmann in seiner 25-jährigen Wirksamkeit als Vorstand um den hiesigen Verein Bikkur Cholim, ebenso der Frau Ullmann um den hiesigen Frauen-Verein. Die hiesige Gemeinde verliert mit dem Weggang der allgemein beliebten Familie sehr viel. M."            

 
 
Hinweis: es gibt keine Beziehung zwischen dem Ortsnamen Dorndorf (Thüringen) und dem Familiennamen der (jüdischen) Breslauer Schuhfabrikantenfamilie Dorndorf. Deren Familienname hat eher Wurzeln im polnischen Bereich, vgl. zur Familiengeschichte: Diana Prinzessin von Sachsen geb. Dorndorf: "Kurze Geschichte der Breslauer Fabrikantenfamilie Dorndorf" in: Yedi'ot shel Irgun 'Ole Breslau be-Yiśra'el" 2011 S. 16-18 LinkZur Geschichte der Schuhfabrik https://de.wikipedia.org/wiki/Dorndorf_Schuhfabrik. Im genannten Artikel schreibt Prinzessin Diana von Sachsen geb. Dorndorf (geb. 1958 in Irland) über ihre Vorfahren: Vater Rainer Dorndorf (1912, 1933 emigriert, gest. 1986 in Spanien), Großvater Hans Dorndorf (1871-1932) usw.      
     
      
     
Fotos 

 Familienfoto Ernst Menachem Ullmann
(geb. 1903, aufgewachsen in Dorndorf, s.o.)
(Foto erhalten von D. Bluthardt) 
   
    Rechts Ernst Ullmann mit seiner Frau Hanni geb. Risch (2.v.l.)
und den Kindern Dani, Jonathan und Raja (v.l.n.r.).
Das Foto entstand ca. 1956 in Israel 
 

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Mai 2017 Besuch von Nachfahren der Familie Ullmann in Dorndorf 

Artikel von Mareen Wieber in "südthüringen.de" vom 30. Mai 2017: "Bad Salzungen Auf der Suche nach den Wurzeln
Jonathan und Anna Ullmann aus New York besuchten Stadtlengsfeld und Dorndorf, um die Spuren ihrer jüdischen Vorfahren zu erforschen..."
Link zum Artikel  (für Abonnenten)    

Bericht von Ulrich Kusche (Pressemitteilung vor dem Besuch in Dorndorf, erhalten von D. Bluthardt) vom 13. April 2017:
"Brückenschlag über acht Jahrzehnte - Enkel aus New York erinnert seine deutsch-jüdischen Vorfahren
Die Freiherren von Boineburg waren bereit, Juden in ihrem Gebiet unter ihren Schutz zu stellen, die aus anderen deutschen Gegenden vertrieben wurden. So kamen die Vorfahren (sc. der Großvater Nathan Ullmann s.o.) von Jonathan Ullmann nach Dorndorf im heutigen Wartburgkreis. Im nahe gelegenen Stadtlengsfeld gab es eine große jüdische Gemeinde, an deren Geschichte bis heute der jüdische Friedhof erinnert, mit 600 Grabstätten der größte im Land Thüringen. Zeitweise war Stadtlengsfeld auch der Sitz des Landesrabbinats. Wie stark die Gemeinsamkeit von jüdischen und christlichen Bürgern in der Region seinerzeit war, zeigt sich daran, dass 1850 die bis dahin getrennten Schulen für jüdische und christliche Schüler aufgegeben wurden und eine vereinigte Bürgerschule gegründet wurde mit dem Vorsatz, zum Verständnis zwischen den Religionen dadurch beizutragen, dass die Schüler gemeinsam zur Schule gehen. Ernst Ullmann, der Vater von Jonathan Ullmann besuchte diese Schule.
Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zerbrachen die Gemeinsamkeiten. Die Mitglieder der Familie Ullmann waren weitblickend genug, ihr Leben durch Auswanderung zu retten. Ernst Ullmann verließ seinen Heimatort Dorndorf 1930, sein Vater Nathan Ullmann folgte mit seiner Frau Sophie 1936. Nathan Ullmann, über Jahrzehnte der einzige Kaufmann in Dorndorf, blieb den Einwohnern im Gedächtnis. Zum 1225. Jubiläum von Dorndorf wurde in der Evangelischen Kirche ein Stück aufgeführt, das auch an diesen besonders eindrücklichen Mitbürger erinnerte. Sein Sohn Ernst Ullmann heiratete in Palästina Hanni geborene Risch, die nach der Staatsgründung Israels bei Haifa das Kinderheim Ahavah (Liebe) leitete, das aus einem früheren Berliner Kinderheim entstanden war. Viele Generationen von deutschen Freiwilligen arbeiteten im Kinderheim mit und begründeten eine neue Tradition christlich-jüdischen Verständnisses. So lernte auch Jonathan Ullmann, eines der Kinder von Ernst und Hanni Ullmann, junge christliche Deutsche kennen und hielt mit einzelnen von ihnen über die Jahrzehnte Kontakt. Zu diesen deutschen Freunden zählt Ulrich Kusche aus Göttingen, der evangelischer Theologe wurde und mit einer Arbeit über christliche Forschung des antiken Israel promoviert wurde. 1977 gehörte er zu den Mitbegründern des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten, der bis heute aktiv ist.
In Begleitung von Ulrich Kusche wird Jonathan Ullmann mit seiner Frau Anna, die seit Jahrzehnten in New York leben, über Himmelfahrt zum ersten Mal die Heimat seiner deutsch-jüdischen Vorfahren besuchen. Der Chronist der Geschichte der Region, Herr Rolf Leimbach, wird Ehepaar Ullmann den Friedhof und die mit der Familiengeschichte verknüpften Häuser In Stadtlengsfeld zeigen. Besonders glücklich ist Jonathan Ullmann darüber, dass der Bürgermeister von Dorndorf, Herr Ingo Jendrusiak, ihm anlässlich seines Besuches in der Heimat seiner Vorfahren die Urkunde über die Geltung seiner deutschen Staatsbürgerschaft verleihen wird."    

   


    

Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Dorndorf  
bulletGeschichte der jüdischen Gemeinde Stadtlengsfeld: https://kgv-stadtlengsfeld.com/stadtgeschichte/juedische-gemeinde   

Literatur:  

bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8. Thüringen Frankfurt 2003. S. 321. 
bulletEine Schwiegertochter von Nathan Ullmann war Hanni Ullmann geb. Risch (Frau von Ernst Ullmann). Zu ihr: https://de.wikipedia.org/wiki/Hanni_Ullmann sowie die Monographie/Dissertation:  
Dagmar Bluthardt: Geschichte. Theorie und Praxis familienähnlicher Heimerziehung, dargestellt am Beispiel der jüdischen Pädagogin Hanni Ullmann. Dissertation Tübingen 2002.  Eingestellt als pdf-Datei.       

n.e.   
          

                   
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Stand: 31. Januar 2026