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Battenfeld (Gemeinde
Allendorf)
mit Allendorf (Eder) und -Rennertehausen
sowie Battenberg (Eder) mit Stadtteilen Berghofen und Laisa,
dazu Bromskirchen (alle Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Battenfeld (mit Umgebung) bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts
zurück. Einzelne jüdische Bewohner sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts in
Battenberg und in Battenfeld nachweisbar.
In Battenfeld werden um 1680 werden jüdische
Einwohner genannt: damals wollte ein Jude in der Nähe der Battenfelder Kirche
und des Pfarrhauses ein Haus kaufen, wogegen der Superintendent in Gießen bei
der landgräflichen Regierung in Darmstadt (wahrscheinlich vergeblich)
protestierte. 1711/12 waren es vier jüdische Familien in
Battenfeld (Baruch, Witwe des Koppel, Jecuff [=Jakob], Salm); in den folgenden
Jahren erfährt man u.a. von Jud Ariel (1726), Amschell (ab 1727).
In Battenberg wird 1733 Michel Jud genannt, 1742 gab es "acht Beisassen und
Juden", 1770
allerdings nur
vier jüdische Witwen, keine Männer.
In Allendorf (Eder) wird ab 1727 Jud David genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt:
in Battenfeld 1830 60 jüdische Einwohner, 1859 50, 1871 29 (5,5 % von insgesamt 531
Einwohnern), 1895 29 (5,7 % von 512), 1905 19 (4,1 % von 462), 1910 22 (4,7 %
von 470);
in Battenberg 1830 64 jüdische Einwohner, 1845 64, 1861 78, 1895
45;
in Allendorf (Eder) 1830 23 jüdische Einwohner;
in Bromskirchen 1830 25 jüdische Einwohner;
in Berghofen 1830 21 jüdische Einwohner, 1905
10.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule von 1825 bis
1925, seit 1876/77 als öffentliche Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad
(vermutlich jedoch keine zentrale Mikwe, sondern private Mikwen in einzelnen
Häusern) und ein Friedhof. Die jüdische Schule wurde 1825 von Aron Blumenthal gestiftet. Ein
jüdisches Schulhaus mit Lehrerwohnung wurde erst Anfang des 20. Jahrhundert
(1905/06 erbaut, neben der Synagoge Marktstraße 27). In der Schule wurden 1878
24 Kinder unterrichtet, 1882 14, 1886 10, 1901 19, 1903 17. Zum Unterricht und
zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1818 wird ein
Vorbeter namens Lillo aus Battenfeld genannt; er assistierte am 14. August 1818
bei der Einweihung der Synagoge in Marburg.
Als Lehrer werden genannt: Elias Birkenstein (um 1818 bis mindestens 1831 in
Battenberg, einer der ersten stark reformorientierten Lehrer in Hessen (siehe
Artikel unten); Samuel Wallach (aus Schwarzenborn,
verh. mit Karoline geb. Levi), der 1880 in Battenfeld verstarb; Leopold
Strauß (verh. mit Sally geb. Stern) in den 1880er-Jahren; Moses
Löwenstein (verh. mit Sara geb. Stern), der 1925 nach Vacha
wechselte.
Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Battenberg
Albert Ihlfeld (geb. 10.3.1885 in Battenberg, gef. 24.4.1918) und Adolf Alfred
Stern (geb. 22.6.1886 in Oberasphe, gef. 9.4.1915). Außerdem ist gefallen:
Richard Strauß (geb. 10.1.1893 in Battenfeld, vor 1914 in Dinslaken wohnhaft,
gef. 15.12.1916). In der Ehrenchronik der Gemeinde Battenfeld sind auch die
Kriegsteilnehmer Hermann Blumenthal, Wilhelm Elsoffer, Menny Lehrberger und
Isaak Stern verzeichnet; drei von ihnen waren mit dem "Eisernern
Kreuz" ausgezeichnet worden.
Die jüdischen Familien waren im allgemeinen Leben der Orte, insbesondere auch
des Vereinslebens weitestgehend integriert. So war Ruben Stern Mitbegründer des
Battenfelder Gesangvereins. Die jüdischen Familien spendete auch für
wohltätige Zwecke der christlichen Gemeinde. Auch in einer Spendenliste für
eine neue Orgel in der Battenfelder Kirche finden sich etliche jüdische
Namen. In Battenberg war u.a. Louis Neubürger Mitglied im Schützen- und
Kriegerverein wie auch in der Feuerwehr des Ortes.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde in Battenfeld 17 Personen gehörten
(3,1 % von insgesamt 546 Einwohnern; dazu die in den anderen Orten lebenden
jüdischen Personen), waren die Gemeindevorsteher Siegfried Lindheim
(Rennertehausen, siehe Pressebericht unten),
H. Oppenheimer (Battenfeld) und Moses Reis (Allendorf). Als Lehrer an der
Israelitischen Elementarschule war der bereits genannte Moses Löwenstein tätig. Die Schule stand
kurz vor ihrer Auflösung (1925) und hatte nur noch zwei Schüler. An jüdischen Vereinen
bestand vor allem ein Wohltätigkeitsverein (Chewra Kadischa,
1924 unter Vorsitz von Hermann
Blumenthal mit 20 Mitgliedern). 1932 waren die Gemeindevorsteher
(weiterhin) Siegfried Lindheim (1. Vors.), H. Oppenheimer (2. Vors.) und Moses
Reis (3. Vors.). Als Lehrer war inzwischen J. Neumann tätig.
1933 lebten noch 23 jüdische Personen in Battenfeld (4,1 % von
insgesamt 556, dazu 32 in Battenberg, fünf in Laisa und neun in Rennertehausen). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter jüdischer Lehrer
der Gemeinde war Moses M. Amsterdam, ein polnischer Privatlehrer. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Das jüdische Schulhaus mit der
Lehrerwohnung "entging nur mit knapper Not den Mordbrennern"
(Wegweiser s.Lit. S. 208). Der Lehrer Moses M. Amsterdam fand mit
seiner Frau und den drei Kindern Helga, Egon und Edith Zuflucht bei den Familien
Elsoffer und Lehrberger im sog. "Judenhaus" in Battenfeld
(Edertalstraße 44; das Gebäude war ein ehem. herrschaftliches Haus der
darmstädtischen Landgrafen und war später im Besitz der beiden Familien).
1939 konnte die Familie Amsterdam emigrieren. Auch Mitglieder der Familie
Blumenthal, der Familie Oppenheimer (Marktstraße 11) und der Familie des
Metzgers Ruben Stern (Edertalstraße 30) konnten auswandern. Das Ehepaar Menko
und Alma Lehrberger mit den Kindern Irene, Margot und Gertrud Hildegart sowie
das Ehepaar Wilhelm und Selma Elsoffer sowie Toni Stern geb. Lindheim und Lina
Schönstädt geb. Stern wurden 1941/42
deportiert.
In Battenberg lebte 1938 noch die jüdische Familie Isenberg-Stern:
Gustav Isenberg mit Berta geb. Stern und den Kindern Ilse und Marion sowie den
Eltern von Berta geb. Stern. Ihr Vater starb noch in Battenberg und wurde auf
dem jüdischen Friedhof bei Battenfeld beigesetzt. Im Winter 1941/42 wurde die
verbliebenen Familienmitglieder über Kassel nach Riga deportiert.
In Bromskirchen lebte bis 1934 noch die Familie Neheimer (Hauptstraße 9,
Manufakturwarenhandlung): Jacob Neheimer mit Frau Sophie geb. Schönthal und den
Töchtern Anni und Hetti (beide 1934 auswärts verheiratet; Hetti verh.
Rosenbaum in Schlüchtern); im Haus lebte auch die ledige Janette Schönthal.
Jacob und Sophie Neheimer verzogen nach Frankfurt: hier starb Sophie am 18.
April 1941 an Suizid; Jakob wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert
und kam dort um.
In Rennertehausen hatten 1933 zwei jüdische Familien gelebt: in der
Hauptstraße 46 der
Kaufmann Siegfried Lindheim (geb. 1860 vgl. Artikel zum 70. Geburtstag
siehe unten; war verheiratet mit Ida geb. Mosheim, geb. 1866 in Rennertehausen, gest. 1923 und beigesetzt im
jüdischen Friedhof Battenfeld [Foto des
Grabsteines vorhanden]) mit seiner Tochter Martha Löwenberg
geb. Lindheim (geb. 1900) und dem Schwiegersohn Kurt Löwenberg (geb. 1892 in
Aachen) sowie das
Ehepaar Julius und Fanni Wolf mit den beiden Söhnen Theodor und Moritz
und der Schwester von Frau Wolf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden durch SA-Leute
Siegfried Lindheim, Julius Wolf und die beiden Söhne ins Ortsgefängnis
gesperrt; Kurt Löwenberg hatte vor der Festnahme noch fliehen können.
Siegfried Lindheim wurde wegen seines hohen Alters wieder freigelassen; Julius,
Moritz und Theodor Wolf wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. 1939 konnten
Siegfried Lindheim, Martha und Kurt Löwenberg auswandern (zunächst nach
Belgien, wo Siegfried Lindheim starb; Tochter und Schwiegersohn konnten noch
nach Chile emigrierten). Familie Wolf lebte noch bis zum 1. April 1941 in
Rennertehausen. Dann konnten sie gerade noch über Lissabon nach Argentinien
emigrieren.
Vgl. genealogische Informationen zu Familie Siegfried Lindheim
https://www.geni.com/people/Siegfried-Lindheim/6000000002388850368.
Demnach hatten Siegfried und Ida Lindheim noch zwei weitere Kinder: Hugo
Lindheim, geb. 1892 in Rennertehausen, verheiratet mit Ehefrau Mathilde geb.
Bachenheimer (geb. 1891 in Röddenau), ein
Kind Laura (geb. 1921 in Frankfurt): alle drei wurden 1943 im KZ Auschwitz
ermordet (weitere Dokumente siehe unten). Dr. Berthold Lindheim, geb. 1895 in Rennertehausen,
verheiratet mit Herta geb. Fränkel (geb. 1897 in Würzburg), ein Kind Fred Horst
(geb. 1933 in Frankfurt): die Familie konnte in die USA emigrieren (Berthold
starb 1973 in Philadelphia PA, Herta starb 1992 ebd.).
Die aus den einzelnen Orten umgekommenen/ermordeten
jüdischen Personen:
Von den in Battenfeld geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Elsoffer geb.
Nussbaum (1859), Selma Elsoffer geb. Lichtenstein (1897), Wilhelm Elsoffer
(1887), Alma Lehrberger geb. Elsoffer (1898), Gertrud Hildegart Lehrberger (1932), Henny (Menny)
Lehrberger (1882), Irene Lehrberger (1927), Selma Marx geb. Blumenthal (1877),
Lina Schönstädt geb. Stern (1882), Alfred Strauss (1891), Siegfried Strauss
(1891).
Aus Battenberg sind umgekommen: Paula Abraham geb. Löwenstein
(1875), Else Rosa Blumenfeld geb. Drucker (1888), Berta Eckstein geb. Marx
(1895), Norbert Eckstein (1929), Berta Isenberg geb. Stern (1899), Gustav
Isenberg (1896), Ilse Isenberg (1932), Marion Isenberg (1935), Nanny Katz geb.
Marx (1880), Theodor Klein (), Selma Löwenstein (1876), Jenny Marx geb. Illfeld
(1888), Hermann Reis (1896), Emma Stern geb. Marx (1887), Regine (Regina) Stern
geb. Schönstädt (1868).
Aus Berghofen sind umgekommen: Luise Daniel geb. Selig (1891), Lisette
(Liselotte, Settchen) Lilie geb. Oppenheimer (1868), Pauline Oppenheimer geb.
Cahn (1863).
Aus Bromskirchen sind umgekommen: Jacob Neheimer (1871), Sophie Neheimer
geb. Schönthal (1865), Jeanette Schönthal (1865), Joseph Schönthal (1860).
Aus Laisa sind umgekommen: Betty Bachenheimer geb. Freudenthal (1894),
Berta Freudenthal geb. Buchheim (1893), Ernst Freudenthal (1922) und Willy
Freudenthal (1896).
Aus Rennertehausen sind umgekommen: Gustav Lindheim (1869), Hugo Lindheim
(1892, siehe oben und unten), Laura (Lore) Irmgard Lindheim (1921, siehe oben
und unten), Settchen Reis (1869), Toni Stern
geb. Lindheim (1866).
Eine Liste zu Allendorf konnte nicht erstellt werden, da in den angegebenen
Listen nicht klar zwischen den Orten mit jüdischen Gemeinden Allendorf a.d.
Lumda, Bad Sooden-Allendorf und Allendorf (Eder) unterschieden
wird.
1988 wurde in Battenfeld am alten Backhaus - gegenüber den ehemaligen
Häusern der Familien Stern und Blumenthal - eine Gedenktafel angebracht.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet: 1859 in
Battenfeld, 1862 in Battenberg
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. März 1859:
"Öffentliche Bekanntmachung. Die Stelle eines
Religionslehrers der israelitischen Religionsgemeinde Battenfeld,
womit ein Gehalt von 240 Gulden verbunden ist, wird mit dem 1. Mai
laufenden Jahres erledigt werden; konkurrenzfähige Bewerber wollen sich
daher binnen 6 Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei unterzeichneter
Behörde schriftlich melden.
Bei sehr günstigen Zeugnissen etc. wird eine Gehaltserhöhung in Aussicht
gestellt. Über die Lokalitätsverhältnisse kann nähere Auskunft
bei dem betreffenden Vorstande eingeholt werden.
Biedenkopf, den 22. Februar 1859. Großherzoglich Hessisches Kreisamt
Biedenkopf.
Trapp, Regierungsrat." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1862:
"Bekanntmachung. Die hiesige israelitische Religions- und
Elementar-Lehrerstelle, verbunden mit einem Gehalte von 350 Gulden ohne
Nebeneinkommen, ist vakant. Bewerber haben sich an den unterzeichneten
Vorstand zu wenden, wo sie nähere Auskunft erlangen können.
Battenberg (Großherzogtum Hessen), den 9. Juni 1862. Der Vorstand.
Illfeld." |
Herr Lillo aus Battenfeld war erster Vorbeter bei
der Einweihung der Synagoge in Marburg
Artikel
in der Zeitschrift "Sulamith" V 2 1818: "Marburg. - Den 14. August (1818) feierte die hiesige
Israelitische Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neu errichteten
Synagoge.
Um 3 Uhr Nachmittags nahm unter feierlicher Gottesverehrung, mit Gesang und
Instrumentalmusik das Fest seinen Anfang, und verspätete sich bis in die Nacht.
Sämtliche Kurfürstliche Zivil- und Militärbehörden, die Herren Professoren
der Universität, die Geistlichkeit aller Konfessionen, eine große Anzahl der
studierenden Jugend und mehrere Personen aus allen Ständen waren zugegen, und
die Ordnung und Andacht, welche sowohl bei dem Zuge (aus der alten Synagoge in
die neue) durch die Stadt, als auch in der Synagoge fortwährend herrschten,
waren sprechende Beweise, dass diese heilige Angelegenheit alle Gemüter in
Anspruch genommen, und Alle den innigsten, frömmsten Anteil an dem Feste gehabt
haben. Das Musikchor bestand größtenteils aus Liebhabern der Tonkunst (unter
denen mehrere Professoren und Studierende), welche zur Ehre Gottes die
Festlichkeit zu verschönern und zu erhöhen suchten. Der geschmackvoll erbaute
und ganz seinem Zwecke gemäß eingerichtete Tempel, war feierlich
ausgeschmückt und festlich erleuchtet. Der Herr Rabbiner Gosen ordnete das
gottesdienstliche Zeremoniell, und der jüdische Vorsänger, Herr Lillo aus
Battenfeld, stand dem Gesang vor. Ein von diesem Rabbiner verfasstes Danklied
und Gebet für das Wohl unseres allgeliebtesten Landesvaters, des gesamten
verehrten hessischen Kurhauses, der Stadt, des Landes und der gesamten
Menschheit, wurde mit Instrumentalbegleitung feierlichst abgesungen; desgleichen
ein von Herrn Lill verfasstes Lied: "Preiset des Herrn Majestät;"
auch hielt der Rabbiner Gosen eine dem wichtigen Gegenstand anpassende deutsche
Predigt, und Herr Siegmund Lilienfeld trug eine dem Zwecke des Festes
angemessene Rede vor. So wechselten Worte des Friedens und der Weihe mit
heiligen Hymnen und Psalmen unter feierlichem Gesang und Saitenspiel ab in dem
neuerrichteten Hause des Herrn, Es war ein wahrhaft herzerhebendes Fest der
allgemeinen Gottesverehrung, das eine andächtige Volksmenge - ohne Unterschied
weder des Glaubens noch des Standes, in Eintracht und Liebe feierte, vor dem
Angesichte des himmlischen Allvaters, und es wird gewiss bei den Mitgliedern
jeder Glaubensgemeinde dieser Stadt, dieser Tag als einer der schönsten noch
lange im Andenken bleiben. |
Über Lehrer Elias Birkenstein in Battenberg (1783-1853;
um 1818
und bis mind. 1831 Lehrer in Battenberg; spätestens 1835 bis zu seinem Tod 1854
Lehrer in Bürgel)
Artikel
im Biographisch-literarischen Lexikon der Schriftsteller des
Großherzogtums Hessen im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts,
bearbeitet und hrsg. von Heinrich Eduard Scriba. Darmstadt 1831 S. 25-28:
"Birkenstein, Elias, israelitischer Schullehrer zu Battenberg
in Oberhessen. Geboren von sehr religiösen jüdischen Eltern, wurde er in
seinem Knabenalter sehr strenge angehalten, sich mit der jüdischen
Theologie oder mit dem Talmud bekannt zu machen. Begünstigt aber durch
die Wege der gütigen Vorsehung, wurde derselbe frühzeitig einem
christlichen Gottesgelehrten im Unterricht in der deutschen Sprache, der
allgemeinen Weltgeschichte, der Geographie, der Physik, der
Naturgeschichte etc. anvertraut. Sein Vater, der nur im Talmud gut
bewandert war, möchte hierbei keine andere Absicht gehabt haben, als ihn
einst dem Handelsstand, als ein tüchtiges Mitglied, zu widmen. Allein je
mehr ihn sein Lehrer mit den Wissenschaften befreundete, desto mehr wuchs
auch in ihm die Abneigung zu allem Handel und Schacher. Zugleich ginge ihm
in religiöser Hinsicht ein neues Licht auf, und er überzeugte sich bald,
dass der Talmud kein von Gott geoffenbartes Buch sein könne, dass es
vielmehr Lehren enthalte, welche Menschenhass und Unsittlichkeit,
Aberglauben und das schrecklichste Misstrauen gegen alles, was den Juden
umgibt, ebenso wohl erzeuge, als auch noch obendrein das Gesetz Moses
gänzlich entstelle, und dem Juden unzählige Unerträglichkeiten aufbürde, die
ihn der übrigen menschlichen Gesellschaft unnütze machen. Er überzeugte sich
durch eifriges Forschen in den heiligen Schriften, durch eigenes Nachdenken
immer mehr, dass nur die Bibel das geoffenbarte Wort Gottes enthalte, da nur
sie die Anforderungen der Vernunft hinlänglich befriedige; Lehren dagegen
die, für uns als vernünftige Wesen, mit der Vernunft unverträglich, ihr
schnurgerade zuwider und der Moralität sogar hinderlich sind, doch unmöglich
von der göttlichen Weisheit als Offenbarung uns gegeben, anerkannt werden
können. Je mehr daher seine Kenntnisse in der Geschichte, Geographie,
Naturkunde und den heiligen Schriften des alten Bundes zunahmen, je mehr
hierdurch seine Ansichten geläutert wurden, desto mehr musste ihn die
Lektüre des Talmud mit Widerwillen und Abscheu erfüllen, welche endlich so
zunahm, dass er nur mit dem größten Ekel die spitzfindigen Märchen und
Gebote desselben, die Gesetze der Opfer, der Reinigung, der Festtage, der
verbotenen Schriften, das Gesetz über das Schächten etc. zu leisten
vermochte, in welchen die seltsamsten rabbinischen Grillen und die
abgeschmacktesten Untersuchungen mit der größten Anstrengung in vielen
Bänden durchgeführt werden. Man lese unter anderem nur die seltsamen Fragen
und Untersuchungen: wie viel weiße Haare eine rote Kuh haben könne, und doch
eine rote Kuh bleibe? Ob das Schächten oder Schlachten eines Viehs am
Schwanz oder an dem Hals verrichtet werden solle? Ob der Hohepriester zuerst
das Hemd und nachher die Hosen, oder umgekehrt zuerst die Hosen und dann das
Hemd angezogen habe? Wie man seine Notdurft zu verrichten, wie man die
Mazzen zu backen, das Fleisch zu koschern, wie am jüdischen Neujahrsfest das
Horn zu blasen habe? Und dergleichen mehr - man weiß nicht, ob man solche
Albernheiten, solchen Unsinn belächeln oder beweinen soll, welcher übrigens
von den Rabbis der jüdischen Jugend gewöhn- |
lich
als hohe Weisheit, als wichtige Glaubensartikeln ihrer Religion geboten, ja
mit der größten Strenge aufgedrungen werden.
Dies und seine Vorliebe zur deutschen Literatur bestimmten ihn in der Folge,
sich dem nützlichen Geschäfte der Jugendbildung zu widmen; um wenigstens in
seinem Kreise, durch eine bessere Belehrung und Erziehung der Judenkinder,
an dem zu hoffendem sittlichen Zustande seiner Glaubensgenossen mitzuwirken.
Er ergriff daher jede Gelegenheit, welche ihn zu diesem wichtigen und
wohltätigen Geschäft vorbereiten konnte, mit Vergnügen und Eifer. Von
besonderem Einfluss auf seine weitere Fortbildung war sein Aufenthalt zu
Bockenheim bei Frankfurt am Main, als
israelitischer Schullehrer, da er von hier aus von dem uneigennützigen
Anerbieten der Antiquare Wimpfen und Goldschmidt zu Frankfurt, deren reiche
Büchersammlungen nach Gefallen und zwar unentgeltlich zu benutzen, Gebrauch
machen konnte.
Später kehrte Birkenstein nach Hessen zurück, und erhielt durch die Gnade
des Großherzogs die Anstellung als ständiger israelitischer Jugendlehrer zu
Battenberg.
Schriften: 1) Patriotischer Aufruf eines treuen Israeliten an die
Fürsten Deutschlands. Büdingen, bei Heller. 1816. 8. - 2) Freimütige
Gedanken über den Geist des Judentums. Marburg, bei Krieger. 1818. 8. - 3)
Rede bei der Konfirmation eines jungen Israeliten, welcher in der Synagoge
zu Battenfeld sein
Glaubensbekenntnis öffentlich abgelegt hat. Frankfurt am Main. 1818.8 - 4)
Die zehn Gebote Partisch erklärt, zunächst für die israelitische Jugend.
Marburg, bei Krieger 1821.8 - 5) Über die moralische Verbesserung der Juden,
nebst einer Entlarvung des Rabbinismus. Ebenda bei ebenda 1822. 8 - 6)
Mit A.L. Rosenthal: Sammlung vermischter Aufsätze zur religiösen und
sittlichen Verbesserung der Jugend. Ebenda 1823 .8. - 7) Die Judenbekehrer
und Mystiker. Siegen, bei Vorländer. 1824. 8 - 8) Gründliche Belehrung über
das Baden der Judenweiber. Marburg, bei Garthe. 1826. 8 - 9)
Gründliche Darstellung über das Erziehungswesen der Juden und ihren
moralischen Standpunkt. Marburg, bei Krieger. 1827 8. - 10) Noch ein Wort
über das Verhältnis der Juden. Ebenda bei ebenda 1828. 8. -"
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Hinweis:
die Konfirmationspredigt von Lehrer Elias Birkenstein und andere Schriften
von Birkenstein wurden publiziert in:
Elias Birkenstein und A. L. Rosenthal: Sammlung vermischter
Aufsätze zur religiösen und sittlichen Verbesserung der Juden. Marburg
1823.
Diese Sammlung kann einschließlich der Konfirmationspredigt online
eingesehen werden über die Digitale Bibliothek (Münchener
Digitalisierungszentrum): direkter
Link zur Publikation |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1926: "Ein
'aufgeklärter' jüdischer Lehrer in Hessen im 19. Jahrhundert und sein
'Wirken'. Von J. Lebermann in Darmstadt.
In der Absicht, sowie von der Erkenntnis durchdrungen, die Juden
Deutschlands auf eine höhere Kulturstufe zu bringen und um ihnen die
Kenntnis der reinen deutschen Sprache beizubringen, hatte Moses Mendelssohn
die Bibel ins Deutsche übersetzt. Die rabbinischen Größen der damaligen Zeit
sagen jedoch die Folgen voraus, welche das Studium des heiligen Buches als
Mittel zur Erreichung profaner Ziele zeitigen musste und welche der Baseler
Historiker F. Heman in seiner 'Geschichte des jüdischen Volkes' in folgenden
Worten zeichnet: 'Von der Mendelssohnschen Bibelübersetzung her datierte die
Abwendung vom Talmud, die Verwerfung der Kabbala, die Lossagung des
Judentums von allen seinen alten Traditionen, die Entleerung ihrer Religion,
die Rationalisierung und Humanisierung des jüdischen Geistes". Deshalb
wandten sie sich mit aller Schärfe gegen dl Benutzung der Bibelübersetzung,
die nur eine oberflächliche Kenntnis der Sprache und übertünchte Bildung
vermitteln konnte, die andererseits jedoch zum Abfall führen musste. Die von
Mendelsohns Bibelübersetzung herbeigeführte Bewegung führte in der Tat zur
Gründung der sogenannten Aufklärungspartei, die besonders in Berlin in den
Salons der Herz, Rahel, sowie in der 'Gesellschaft der Freunde' ihren
Mittelpunkt Hatte, und deren Angehörige sich größtenteils vom Judentum
lossagten. Von Berlin aus verbreitete sich die Bewegung über ganz
Deutschland, man wütete gegen den Rabbinismus, den Talmud und scheute sich
nicht, sogar bei den Behörden über das Hassenswerte und die Rückständigkeit
der talmudischen Denkweise zu klagen. Auch im Großherzogtum Hessen waren es
einige jüdische Lehrer, welche, in nichtjüdischen Seminaren herangebildet,
jedes tieferen jüdischen Wissens bar, in 'aufklärender' Tätigkeit geradezu
Groteskes leisteten. Einer von ihnen — der jüdische Lehrer Löw Rosenthal
in Gießen — richtete im Jahre 1823 an den
dortigen Schulrat das Ersuchen, nicht nur recht bald zweckmäßige Lehrbücher
einzuführen, sondern auch die bisherigen hebräischen, sogenannten
jüdisch-deutschen Lehrbücher zu verbieten und insbesondere, bis ein
vollständiges Werk 'frei von allem talmudischen Unsinn' erschienen sei,
sein Lehrbüchlein 'Katechetische Unterhaltung über die verschiedenen
Gegenstände der Religion" (Büdingen 1821) einzuführen, was jedoch vom
Gießener Schulrat, Prof. Diefenbach, abgelehnt wurde, weil es sich 'weder
materiell noch formal zu eignen scheine.'
Ein anderer Jugendbildner dieser Art war Elias Birkenstein. Nach
einer im Jahr 1828 aufgenommenen Statistik über die jüdischen
Elementarlehrer in Oberhessen wurde er, aus
Rosenberg in Baden stammend, 42 Jahre alt, im Jahr 1826 als Lehrer der
Judenkinder in den Gemeinden
Battenberg, Battenfeld, Berghofen, Allendorf und
Rennertshausen mit dem
Sitze in Battenberg mit einem Jahresgehalt von 150 Gulden angestellt.
Die Vorgeschichte seiner Anstellung kennzeichnet seine Persönlichkeit zur
Genüge. Am 15. Oktober 1823 meldete er sich als bisheriger Privatlehrer auf
die erledigte Schulstelle in den genannten Gemeinden. Dort war inzwischen
bekannt geworden, dass er am 26. Dezember 1821 in einer Eingabe an die
höchste Staatsbehörde erklärt hatte, dass er, wenn ihm eine Unterstützung
und Versorgung zuteil würde, entschlossen sei, zum Christentum
überzutreten. Deshalb bekämpften die Vorsteher in Battenfeld
seine Bewerbung aufs schärfste. Sie zeigten sich bereit, wohl einen
geprüften Lehrer anzustellen, lehnten aber Elias Birkenstein wegen schwerer
Bedenken ab, da sie 'lieber ihre Kinder in etwas weniger Wissen
unterrichtet haben wollen, als dass durch einen Menschen wie B. ihre
Moralität verderben wird.'
Da — ein Zeichen der Einigkeit — die Gemeinden
Battenberg und
Berghofen für ihn
eintraten (während sämtliche Juden in
Battenfeld,
Allendorf und
Rennertshausen ihn
ablehnten) und auch die Regierung ihn unterstützte, wurde er im Jahre 1826
endgültig angestellt.
In welcher Art sich dieser Jugendbildner nach seinen Antezedenzien bewährte,
ist leicht zu erraten. Bereits im folgenden Jahre richtete er eine Eingabe
an den Großherzoglichen Kirchen- und Schulrat in Gießen, um 'eine
Verbesserung der jüdischen Schulanstalten herbeizuführen.' Als Anlage
erscheint ein auf seine Kosten gedrucktes Schriftchen mit dem Titel: 'Eine
gründliche Darstellung über das Erziehungswesen der Juden und ihren
moralischen Standpunkt, gesprochen von einem Glaubensgenossen der Juden.'
Darin schlägt er vor: 1. die Willkür der Juden hinsichtlich des Schulwesens
aufzuheben, 2. die jüdischen Volksschulen unter der unmittelbaren Leitung
des Staates zu errichten. 3. Zentralschulen anzuordnen (?) und 4. eine
jüdische Schulsteuer zur Unterhaltung ihrer Schulen unter den Juden selbst
zu regulieren. In der Schrift wütet er geradezu gegen den Rabbinismus, dem
er das Schlimmste unterstellt, fordert die Verbannung der hebräischen
Sprache aus Gottesdienst und Schule, 'der Geist des Talmud müsste
vollständig ausgemerzt werden,' ja sogar das westfälische Konsistorium geht
ihm nicht scharf genug vor, da es den 'Missbrauch' der hebräischen Sprache
nicht abstellen will.' Eine treffende Selbstcharakteristik leistet er sich
am Schlüsse seiner Eingabe: 'So schwach ich mich im übrigen im Geiste fühle
(!), so stark sind doch die Empfindungen des Glücks, unter der unmittelbaren
Leitung eines erleuchteten, aufgeklärten, humanen, hoch verehrlichen
christlichen Konsistoriums zu stehen.'
In der Antwort auf die schwülstige Eingabe geht der Kirchen- und Schulrat
nicht weiter darauf ein, nur in einem Punkt — Verminderung der Zahl der
Rabbiner in Oberhessen — bemerkt er, 'dass ein Rabbiner für die Geschäfte,
die er als solcher hat, für unsere Provinz, er mag nun ein strenger
Talmudist oder aufgeklärter Mann sein (!) hinreichend sei. Dagegen sei die
Zahl der jüdischen Elementarlehrer nicht sehr zu vermehren, sondern die
Judenkinder sollen überall die christlichen Volksschulen besuchen. Deswegen
konnten wir zur Errichtung von jüdischen Elementarschulen keineswegs der in
der rubrizierten Vorstellung projektierten jüdischen Schulsteuer unsre
Beistimmung geben.'
Bei der religiös-radikalen Einstellung eines solchen Jugendbildners inmitten
einer anders denkenden Gemeinde kann man sich das Verhältnis zwischen beiden
vorstellen. In Wirklichkeit scheint Birkenstein dort keinen guten Tag
verbracht zu haben, denn die Battenfelder, namentlich der Vorsteher Moses
Bärle Reis, machten ihm das Leben sauer und wollten ihm kein Gehalt zahlen,
bzw. diesen auf die Eltern der schulpflichtigen Kinder abwälzen. So
herrschte fortwährend Streit zwischen beiden Teilen, der sowohl den Kirchen-
und Schulrat in Gießen als auch das Ministerium in Darmstadt beschäftigte.
Endlich richtete Birkenstein im Jahre 1831 zwei Gesuche an den Großherzog,
worin er in beweglichen Worten um eine Gratifikation aus dem Fonds für
gering dotierte Schullehrer bittet. Bezeichnend für seinen Charakter sind
zwei Stellen aus den Gesuchen. In dem einen beginnt er: 'Als Schulmann
stecke ich mir das Ziel, meine Schüler zu einem gehörigen Grad in
intellektueller und moralischer Bildung zu erheben. Die Erreichung dieses
Ziels fällt mir aber desto schwerer, je mehr ich unter einer Nation wirken
muss, die mir wegen ihrer schädlichen Grundsätze und ihrer verjährten
Vorurteile alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen sucht.' Das andere
schließt er: 'Gestützt auf die gerechte Hoffnung, bald mit einer gnädigsten
Unterstützung begnadigt zu werden, erblicke ich im Dunkel leidensvoller
Gegenwart das freundliche Licht der gnädigsten Hilfe. Mit Sehnsucht sehe ich
dieser kraftvollen Erwartung entgegen und ersterbe in tiefster Ehrfurcht
Ew. königl. Hoheit untertänigster Knecht. E.B.'
Dann will er in die Witwenkasse aufgenommen werden und begründet es damit,
dass da die jüdische Gemeinde, die einem 'gellenden Vorsänger mit widrigem
Gekrächze und schneidendem Geschrei' dasselbe Jahresgehalt von 150 fl. wie
ihm gewähre, nun auch die Beiträge für die Witwenkasse entrichten könne.
Am 28. September 1831 widerfährt den vereinigten Gemeinden Battenfeld usw.
das Heil der Befreiung, indem Birkenstein nach
Bürgel bei Offenbach versetzt
wird. Auch von dort taucht sein Name in den Akten auf, als er im Jahre 1834
in Gemeinschaft mit Rabbiner Dr. Formstecher -
Offenbach und dem Vorsänger in Bürgel,
Israel Mayersohn, in einer Eingabge an die Regierung dieselben Forderungen
erhebt wie teilweise im Jahre im Jahre 1827. (Schulsteuer, alleinige
Staatsaufsicht). Birkensteins Verhältnis zu letztgenanntem Rabbiner scheint
jedoch bald einen Riss bekommen zu haben, denn im Jahre 1840 begegnen wir
einer von ihm allein ausgehenden Eingabe in gleicher Sache, worin er unter
anderem bemerkt: 'Die Erhebung von Schulsteuern würde auf die Juden umso
weniger befremdend wirken, als ja die Rabbiner, die eine unnütze Last der
Erde sind, ihren Gehalt von sämtlichen jüdischen Einwohnern ihres
Rabbinats und zwar vom christlichen Gemeinderechner ausbezahlt erhalten.'
Leider waren solche Erscheinungen in der jüdischen Lehrerschaft der
damaligen Zeit auch in dem kleinen Hessenländchen nicht selten, aber mit
Genugtuung muss uns heute noch erfüllen, dass der gesunde altreligiöse Sinn
einer schlichten 'unaufgeklärten' Landbevölkerung die zerstörenden Absichten
solcher Jugendbildner zunichte machte.'" |
Über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde
84. Geburtstag von Benjamin Gunzenhäuser - 80.
Geburtstag von Fanny Stern - 78. Geburtstag von Fleischmeister Ruben Stern
(1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 28. Januar 1927:
"Battenfeld (Eder). Herr Benjamin Gunzenhäuser wird am
3. Februar 84 Jahre alt. Fast 40 Jahre lang war derselbe Vorsteher der
hiesigen Gemeinde. Vor zwei Jahren legte er infolge seines hohen Alters
sein Amt nieder. Wir wünschen dem geistig und körperlich rüstigen
Herrn, noch eine Reihe von Jahren in Gesundheit zu
verbringen.
Battenfeld (Eder). Frau Fanny Stern feiert am 28. Januar
ihren 80. Geburtstag und Herr Fleischmeister Ruben Stern seinen 78.
Geburtstag am 12. Februar. Beide, ebenfalls in jeder Beziehung geistig und
körperlich rüstig, hoffen im nächsten Jahre, so Gott will, ihre goldene
Hochzeit feiern zu können." |
70. Geburtstag von Siegfried Lindheim in Rennertehausen
(1930)
Genealogische Angaben: https://www.geni.com/people/Siegfried-Lindheim/6000000002388850368 beziehungsweise
siehe oben.
Über Werner Neuburger (geb. 1926 in
Battenberg)
Werner
Neuburger ist 1926 als Sohn des jüdischen Kaufmann Louis Neubürger
(Ladengeschäft in der Hauptstraße) in Battenberg geboren und hier bis
1938 aufgewachsen. Der Vater ist an den Folgen einer sog.
"Schutzhaft" bereits 1937 gestorben (auf dem Friedhof in
Battenfeld beigesetzt). Kurzzeitig in Frankfurt am Main, konnte er seiner
Mutter Helene und der Schwester Inge noch vor Kriegsausbruch 1939 über
England in die USA emigrierten
Sein Buch "Dark clouds don't stay forever" mit seinen
Lebenserinnerungen erschien 2005 in den USA (Verlag Publish America
ISBN 1413797768) und wurde 2008 in deutscher Fassung vom
Geschichtsverein Battenberg unter dem Titel "Auch dunkle Wolken
ziehen vorüber" herausgegeben.
Neuburger - erstmals mit enttäuschenden Erfahrungen 1970, dann wiederum
auf Einladung der Gemeinde und mit zahlreichen Begegnungen im Herbst 2009
- die Heimat seiner Kindheit besucht (Berichte dazu auf der Website von www.synagoge-voehl.de).
Er lebt mit seiner Frau Henny in West Nyack N.Y. |
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| 2009 hat auch Hannelore Dreifuß geb.
Stern (geb. in Battenberg) ihre frühere Heimat besucht. |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verlobungsanzeige von Irene Meyer
und Dr. Julius Reis (1935)
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Februar 1935:
"Irene Meyer - Dr. med. Julius Reis
Verlobte
Offenbach a.M. / Weiskirchen
- Offenbach a.M., Kaiserstr. 55 / Allendorf (Eder)" |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge für die
angegebenen Orte befand sich in Battenfeld. Sie wurde schon vor 1777 eingerichtet
beziehungsweise erbaut. 1817 wird die Synagoge in einer damals
publizierten Schrift des Lehrer Elias Birkenstein (s.o.) genannt: "Elias
Birkenstein: Rede bey der Confirmation eines jungen Israeliten welcher in der
Synagoge zu Battenfeld den 8ten November 1817 sein Glaubensbekenntnis öffentlich
abgelegt hat. Frankfurt und Leipzig 1818".
Um 1900 erfolgte ein Umbau. Danach hatte die Synagoge 65 Plätze für die
Männer, 42 für die Frauen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge in Battenfeld durch SA-Leute
durch Brandstiftung zerstört. Die Synagoge brannte bis auf die Grundmauern
nieder. Auf dem Grundstück wurde später eine Scheune erbaut.
Nach dem Novemberpogrom konnten noch im "Judenhaus"
(Edertalstraße 44) Gottesdienste abgehalten werden.
Im Dorfmuseum Battenfeld ist u.a. die Kopie des Fragmentes einer Torarolle der
Synagoge Battenfeld erhalten (siehe Foto unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Marktstraße
27
Fotos
| Die Synagoge in
Battenfeld
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Einzig
bekanntes Foto der ehemaligen Synagoge in Battenfeld |
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Erinnerung an das jüdische
Leben am Ort
(Quelle: aus der Website www.synagoge-voehl.de) |
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Kopie des
Fragmentes einer Torarolle aus der Synagoge Battenfeld,
die beim
Novemberpogrom 1938 geschändet und zerstört wurde |
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Das
"Judenhaus"
in der Edertalstraße 44
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010) |
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Im
"Judenhaus" konnten nach dem Novemberpogrom 1938
noch Gottesdienste abgehalten werden. Weiteres zu diesem Haus siehe Text
oben. |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2010:
In Laisa sollen "Stolpersteine" verlegt
werden |
Artikel (off) in der "Frankenberger
Allgemeinen" ("hna.de") vom 20. März 2010 (Artikel):
"Gina Burgess-Winning möchte in Laisa 'Stolpersteine' verlegen lassen.
Erinnern an Opfer, die keine Gräber haben
Laisa. Kleine Steine legen Menschen jüdischen Glaubens auf die Gräber verstorbener Menschen.
'Stolpersteine' hat der Künstler Gunter Demnig in vielen Städten der Bundesrepublik auf Gehwegen verlegt, um an das Schicksal jüdischer Menschen zu erinnern..."
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| November 2010:
Informationsabend zum Judentum vor der "Stolpersteine"-Verlegung
in Laisa am 8. Dezember 2010 |
Artikel in der "Frankenberger
Allgemeinen" ("hna.de") vom 26. Oktober 2010 (Artikel):
"Vor Stolperstein-Verlegung informierten sich Laisaer über Religion, Kultur und Leben.
Geschichte des Judentums
Laisa. Bevor am 8. Dezember in der Kirchstraße in Laisa Gedenksteine für die jüdische Familie Freudenthal verlegt werden (siehe Hintergrund), hat Pfarrer Stefan Peter an einem Abend im Gemeindehaus über das Thema Judentum informiert. Dabei wurden auch Fragen zur Verlegung der Stolpersteine besprochen..."
Der Geschichtsverein Battenberg plant eine Dokumentation zum jüdischen Leben im Oberen Edertal. Dafür werden noch Informationen, Fotos und Unterlagen gesucht. Ansprechpartner ist der Vorsitzende Jürgen Hübner in Battenberg, Telefon 06452/8415.
(hr)." |
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| Dezember
2010: Verlegung von
"Stolpersteinen" in Laisa |
Artikel in der "Frankenberger
Allgemeinen" ("hna.de") vom 6. Dezember 2010 (Artikel):
"Stolpersteine erinnern an Familie Freudenthal
Battenberg-Laisa (r). Mit der Verlegung der fünf Stolpersteine wird an das Schicksal der jüdischen Familie Freudenthal erinnert, die in Laisa lebte. Am Mittwoch kommt dafür der Künstler Gunter
Demnig nach Laisa. Er setzt um 9.30 Uhr die Steine.
Joseph Freudenthal (geboren am 27. Dezember 1852 in Battenberg, gestorben am 28. September 1896 in Laisa), zog um 1887 mit seiner Ehefrau Karoline geborene Oppenheimer (geboren am 19. Oktober 1856 in
Laufenselden, gestorben am 5. November 1940 in Frankfurt), von Battenberg nach Laisa. Ihr erstes Kind, Tochter Selma, ist 1886 noch in Battenberg geboren, während Moritz am 1888, Max 1891, Betty 1894 und Willy 1896 in Laisa geboren wurden. Joseph starb wenige Monate nach Willys Geburt..."
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Mai 2016:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Bromskirchen |
Artikel in der "Frankenberger
Allgemeinen" ("hna.de") vom Mai 2016: "Erinnerung an Opfer des
Nationalsozialismus. Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Bromskirchen
Der Künstler Gunter Demning hat am Dienstag vor dem Haus in der Hauptstraße
9 in Bromskirchen sechs Gedenksteine verlegt, die an Opfer des
Nationalsozialismus erinnern. 'Damit gehört Bromskirchen ab heute zum
größten dezentralen Mahnmal Europas', sagte der Vorsitzende des Vereins
Historisches- und Kulturelles Bromskirchen (HuKB), Jürgen Helduser. Wie
Demning erklärte, hat er mittlerweile 57.000 der Messingüberzogenen
Pflastersteine in 20 Ländern Europas, vor dem von den Opfern letzten
selbstgewählten Wohnort, verlegt. Jürgen Helduser sagte: 'Hier, vor dem
früher genannten Jiddenhaus in der Hauptstraße, in dem Jakob und Sophie
Neheimer mit ihren Töchtern Anni und Hetti sowie der ledigen Tante Janette
Schöntal lebten, haben wir jetzt die Geschichte aus den Büchern auf die
Straße verlegt und zeigen, wo Menschen wohnten, denen großes Unrecht getan
wurde.' An der Gedenkfeier nahmen Bromskircher Bürger, Bürgermeister
Karl-Friedrich Frese, Pfarrer im Ruhestand Ernst-Dieter Mankel und die
vierte Klasse der Bromskircher Grundschule teil. Die Schülerinnen und
Schüler bereiten einen Artikel für ihr Projekt 'Medien machen Schule' vor. "
Link zum Artikel |
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Juni 2024:
Verlegung von "Stolpersteinen"
in Battenberg |
Artikel in Lokalkompass.de
vom 27. Juni 2024: "STOLPERSTEINE. Hannah Mills in der Heimat ihrer
Vorfahren.
Am 27. Juni 2024 begrüßte Bürgermeister Christian Klein die Teilnehmer der
Stolpersteinverlegung im Alten Rathaus. Es folgte eine Ansprache des
Ortsvorstehers Felix Alexander Horsel. Ihm war es gelungen, die Enkelin von
Hans-Joseph (Harry) Isenberg in Michigan zu finden. Nach dem Kontakt wurde
vereinbart, dass Hannah Mills mit ihrem Ehemann bei ihrem Deutschlandbesuch
an der Verlegung der Stolpersteine für ihre Vorfahren (Isenberg und Stern)
teilnimmt. Die anschließende Ansprache durch Hannah Mills wurde in der
Feierstunde von Lucas Heinemann übersetzt. Gunter Demnig verlegt seit 1996
Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus.
Am persönlichen Einsatz war er durch eine Augenoperation verhindert. Da sein
Mitarbeiter ihn wegen seines Urlaubs nicht vertreten konnte, überließ er die
acht Stolpersteine für die Häuser in der Hauptstraße 28 und 54 dem
Ortsbeirat. Mit Hilfe des städtischen Bauhofs konnten diese rechtzeitig
verlegt werden. Nach dem Empfang im Alten Rathaus wurden die Stolpersteine
öffentlich freigelegt. Felix Alexander Specht verlas zuvor wichtige
biografische Eckdaten der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Er
betonte, dass die "Verlegung der Stolpersteine ... mehr als nur ein Gedenken
an die Vergangenheit (sei); sie ist auch ein Aufruf zur Verantwortung in der
Gegenwart. Sie fordert uns auf, wachsam zu sein gegenüber Intoleranz,
Ausgrenzung und Hass." Er rief die Teilnehmer auf: "Lassen sie uns gemeinsam
dafür sorgen, dass Battenberg ein Ort bleibt, der für Offenheit, Toleranz
und Menschenwürde steht."
Link zum Artikel |
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Artikel von Karl-Hermann Völker
in hna.de vom 29. Juni 2024: "Stolpersteine erinnern in Battenberg an
Holocaust-Opfer.
Im Gedenken an jüdische Opfer nationalsozialistischer Verfolgung sind in
Battenberg acht Stolpersteine verlegt worden.
Battenberg – Aus der Bürgerschaft des Städtchens Battenberg
(Waldeck-Frankenberg) wurden nach 1933 mehr als 30 Menschen aus politischen
und rassistischen Gründen Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Jetzt
wurde an acht von ihnen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung erstmals
eine nachhaltige Form öffentlichen Gedenkens gefunden: An zwei Stellen der
Hauptstraße wurden Stolpersteine mit ihren Daten verlegt, die damit nun Teil
des länderübergreifenden Gedenkprojektes des Künstlers Gunter Demnig (Elbenrod)
mit mehr als 100 000 Steinen sind. Der 76-Jährige konnte aus
gesundheitlichen Gründen selbst nicht anwesend sein.
Verlegung von Stolpersteinen in Battenberg: Enkelin eines
Holocaust-Überlebenden war dabei. Wohl aber besondere Gäste aus Amerika:
Hannah Mills, Enkelin des aus Battenberg verschleppten und überlebenden
Hans-Joseph ('Harry') Isenberg, die mit ihrem Mann Nadav Pais-Greenapple aus
Farmington Hills (Michigan) angereist war, um an der feierlichen Zeremonie
teilzunehmen. Sie ist pädagogische Mitarbeiterin im örtlichen 'Zekelman
Holocaust Center' und hat im vergangenen Jahr dort am Jahrestag der
Befreiung von Bergen-Belsen die Geschichte ihres Großvaters Harry Isenberg
(1930-1961) publiziert. Beim Empfang im alten Rathaus schilderte sie sehr
bewegt, wie er mit seinen Eltern Gustav und Berta Isenberg 1941 aus
Battenberg in das Ghetto Riga verschleppte wurde. 'Er war doch ein ganz
normales deutsches Kind!' Der damals elfjährige Junge überlebte als einziger
wie durch ein Wunder verschiedene Lager, zuletzt das 1945 durch Briten
befreite KZ Bergen-Belsen. In Amerika sprach er nie wieder über diese
schreckliche Zeit. Hannah Mills: 'Ich war 7 Jahre alt, als ich erfuhr, dass
mein Großvater ein Überlebender des Holocaust war!'
Nachdem an den Ortsbeirat von Battenberg aus der Bevölkerung schon vor
längerer Zeit der Wunsch nach einer Ehrung der jüdischen Opfer durch
Stolpersteine herangetragen worden war, hatte Ortsvorsteher Felix Horsel bei
der Recherche im Internet zu Einzelschicksalen auch die in der Gedenkarbeit
aktive Hannah Mills entdeckt. Ihre Anwesenheit war für Horsel Zeichen dafür,
'dass die Geschichte, die wir hier aufarbeiten, nicht nur Vergangenheit ist.
Sie lebt in den Nachkommen weiter, in den Familien, die die Narben der
Geschichte tragen.' Es sei unsere Verantwortung, 'die Lehren der
Vergangenheit zu bewahren und aktiv gegen jede Form von Rassismus,
Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten', betonte der Ortsvorsteher.
Alle Teilnehmer der Feier bekamen eine gedruckte Broschüre mit den von ihm
ermittelten Daten der Opfer. Bereits am ersten Tag ihres Besuchs in
Deutschland, der für das junge Ehepaar zugleich auch Teil einer
Hochzeitsreise durch Europa ist, hatten die Gäste bei einem Stadtrundgang
Battenberg kennengelernt, dabei auch Spuren jüdischer Familien verfolgt, mit
denen ihre Großeltern befreundet waren. In Battenfeld führte sie Rainer
Gasse von der Gedenktafel am Backhaus zum Platz der nach der Pogromnacht
vernichteten Synagoge und zum jüdischen Friedhof. Bürgermeister Christian
Klein sah im Besuch der Amerikaner auch ein Zeichen der Versöhnung und lud
sie ein, sich als Ehrengäste in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.
'Unsere Geschichte hat gezeigt, wie schnell Nachbarn und Freunde zu Feinden
werden können. Und leider sehen wir das derzeit wieder sehr genau!'
Verlegung von Stolpersteinen: Harry Isenberg überlebte als einziger
seiner Familie. Der mit seinen Eltern Gustav und Berta Isenberg 1941 aus
Battenberg in das Ghetto Riga verschleppte, damals elfjährige Junge
Hans-Joseph ('Harry') Isenberg überlebte wie durch ein Wunder. Durch
offizielle Dokumente und dessen persönliche Aufzeichnungen erfuhr seine
Enkelin Hannah Mills, dass er nach einem Kindertransport 1939 nach Antwerpen
im Sommer 1941 nach Deutschland zurückgeschickt wurde, um der Verfolgung
durch die Nazis in Belgien zu entkommen. Im Dezember desselben Jahres wurde
seine Familie in das Rigaer Ghetto deportiert, wo er bis zu seiner
Schließung blieb und abscheuliche Bedingungen und rheumatisches Fieber
überlebte. Er war der letzte seiner Familie, der noch am Leben war. Von dort
aus erwähnen seine Briefe die lettische Hafenstadt Libau, ein wichtiger Ort
der Evakuierung, als sich die Russen an der Ostfront näherten. Er nahm
offenbar ein Schiff von dieser Stadt nach Hamburg und wurde kurzzeitig in
Neuengamme interniert, bevor er den letzten Monat seiner Haft in
Bergen-Belsen bis zur Befreiung durch die Briten verbrachte. Harry konnte
1946 nach kurzer Erholungszeit in Schweden nach Amerika auswandern. 'Dort
litt er sein Leben lang gesundheitlich an den Folgen der Lagerkrankheiten
und starb deshalb bereits mit 51 Jahren', berichtete seine Enkelin im alten
Battenberger Rathaus. Nun erinnert ein Stolperstein in Battenberg auch an
ihn."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 54. |
 | Eine jüdische Gemeinde im Kirchspiel Battenfeld. In: 1200
Jahre Battenfeld. 778-1978. Battenfeld 1978 S. 106-121. Auszug ist
online einsehbar auf der Website von www.synagoge-voehl.de
(direkter
Link zu dem Beitrag). |
 | Kein Abschnitt zu Battenfeld in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 und dies. Neubearbeitung der
beiden Bände. 2007. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S.
207-109 (Allendorf), 212 (Battenberg) |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 390-391. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Battenfeld
Hesse-Nassau. Established around 1750, the Jewish community numbered 29 (about 6
% of the total) in 1871-95, not including members in Battenberg (78 in 1861) and
Rennerthausen. Affiliated with the district Rabbinate of Marburg, it maintained
a synagogue (dating from 1777) and an elementary school (1825-1925). The
synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938), but Jews
still remained in Battenfeld and Battenberg at the outbreak of Worldwar II; 12
perished in the Holocaust.

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