Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Winterhausen (Marktgemeinde, VG Eibelstadt, Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte
 (erstellt auf Grund der Recherchen von Prof. Dr. Klaus Wagner, Winterhausen:
weitere Informationen und Einzelnachweise siehe eingestellte pdf-Datei)  
 
  

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Winterhausen 
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Winterhausen          
     
In Winterhausen bestand zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, deren Entstehung in die Zeit nach Ausweisung von Juden aus Städten und zahlreichen Herrschaftsgebieten zurückgeht. Der Ort gehörte wie Sommerhausen (hier Juden seit 1532 nachweisbar) zur Herrschaft Limpurg-Speckfeld bzw. Limpurg-Rechteren-Limpurg. Erste Hinweise auf Juden im Zusammenhang mit - aber nicht unbedingt in - Winterhausen gibt es in Prozessakten des Würzburger Landgerichtes zwischen 1455 und 1480: verschiedene Juden klagten gegen verschiedene andere Personen "auf alles, was sie in Winterhausen besitzen". 

1583 erlässt Schenk Friedrich ein Edikt, die Juden in der Speckfelder Herrschaft und damit auch Winterhausen betreffend. - Etliche Nachweise und urkundliche Erwähnungen von Juden in Winterhausen liegen aus dem 17. Jahrhundert vor. Juden aus Winterhausen belieferten in dieser Zeit regelmäßig die Eibelstadter Märkte. In der Herrschaft Limpurg-Speckfeld war bestimmt, dass sich Juden ("Schutzjuden") nur in Sommerhausen und Winterhausen niederlassen durften, wobei die Zahl der Familien auf 12 begrenzt wurde.   
  
Unter anderem folgende Winterhäuser Juden werden genannt: Benedikt und Josef (1697), Jüdin Lea (1710), Benedikt (1735, 1740), Abraham Levi (1736, 1744), Mandel (Haus in der Maingasse, vor 1777 gestorben, da in diesem Jahr seine Witwe genannt wird), Jacob Segnitz (1778), Jacob Abraham (1778), Jacob (1782).
  
Zeitweise hatte die jüdische Gemeinde im "Judenhöflein" zwischen Maingasse und Mittlerer Gasse eine Synagoge ("Judenschule"). 1722 wurde auf Grund eines Dekretes der Ortsherrschaft den jüdischen Familien verboten, am Samstag (Schabbat) in der Synagoge Gottesdienst abzuhalten. Das Verbot betraf auch die Gemeinde in Sommerhausen. 1736 wird von der Herrschaft allerdings beanstandet, dass die Winterhäuser Juden trotz Verbotes "seit Jahr und Tag" zu Gottesdiensten "in des Abrahams Haus" zusammengekommen seien. Erst 1749 wurde wieder eine Synagoge genehmigt, allerdings nur in Sommerhausen.
 
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Allersheim beigesetzt. Mindestens drei aus Winterhausen stammende Personen lassen sich dort nachweisen: Jakob aus Winterhausen (gest. 3. Cheschwan (5)542 = 22. Oktober 1782), Witwe des Mandel (gest. 4. Ijar (5)543 = 6. Mai 1783), Bunle, Witwe des Jakob aus Winterhausen (7. März 1790).  

Die letzten jüdischen Familien verließen noch vor 1800 Winterhausen. In den unterfränkischen Judenmatrikel von 1817 sind keine Juden in Winterhausen genannt sind bzw. werden dem Ort keine Matrikelnummern eingeräumt.
 
Als Erinnerung an die jüdische Geschichte im Bereich Winterhausen gibt es einzelne Flur- bzw. Wegenamen: ein von Fuchsstadt nach Winterhausen führender alter Weg heißt bis heute "Judenpfad", weil ihn die jüdischen Händler aus Fuchsstadt benutzten, wenn sie zur Fähre nach Winterhausen wollten. Im Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte vor Ort gibt es den Flurnamen "Judenbühl" und den schon genannte Verbindungsweg "Judenhöflein" zwischen Maingasse und Mittlerer Gasse. 
 
 
 
Berichte zur jüdischen Geschichte 
Aus der jüdischen Geschichte gibt es einzelne Berichte, die vom Archiv des Marktfleckens Winterhausen bzw. dem Verein für Ortsgeschichte in den vergangenen Jahren publiziert wurden:     
 
Herrschaftliches Verbot der jüdischen Gottesdienste am Schabbat (1722 / 1736) 
(nach Kalenderblätter Winterhausen April 2011:  https://www.winterhausen.de/einrichtungen-der-gemeinde/gemeindearchiv/kalenderblaetter
 
Im Jahre 1736 beklagt die Limpurg-Speckfelder Gräfin in Einersheim bei ihrem mitregierenden 'Gevatter' in Obersontheim, dass die Juden aus Winterhausen und Sommerhausen trotz Verbots am Sabbat ihre Schule (Gottesdienst) abhielten. Die Juden der beiden Orte besaßen von alters her eine Erlaubnis zum Abhalten der Schule. Auf Drängen der beiden Gemeinden wurde 1722 von der Herrschaft ein Dekret erlassen, wonach die Juden bei 20 Taler Strafe zum Sabbat nicht zusammenkommen dürfen, sondern in ihren Häusern bleiben müssen.
In einem Brief berichtet die Speckfelder Gräfin, dass die Winterhäuser Juden dennoch seit Jahr und Tag in des Abrahams Haus zusammengekommen seien und Schule gehalten hatten. Man habe es immer vermutet, jetzt könne man es beweisen. Da das die Sommerhauser Juden sähen, kamen sie nun auch zusammen. Die beiden Gemeinden betrübten sich darüber sehr, dass sie trotz der mit großen Kosten erwirkten Dekrete nicht geschützt wurden. Schließlich teilt die Herrschaft mit, dass es beim Schulverbot bleibt. Die Juden sollen sich vielmehr um die Erneuerung ihres Schutzes bemühen oder der 'gäntzlichen Ausschaffung bey halßstarriger Verweigerung gewärtig sein'.
 
Die Winterhäuser Judentaufe 1777
(nach Kalenderblätter Winterhausen Dezember 2018: https://www.winterhausen.de/einrichtungen-der-gemeinde/gemeindearchiv/kalenderblaetter
  
Selten dürfte es wohl geschehen sein, dass hier ein Jude zum christlichen Glauben konvertierte. Aus Winterhausen ist ein solcher Fall bekannt, dessen Umstände der damalige Pfarrer Philipp Christian Gottlieb Yelin im Kirchenbuch ausführlich geschildert hat. Sehr glücklich begann das Leben des jüdischen Knaben Josias Jonas nicht. Er kam 1763 in Amsterdam als Sohn eines Magiers zur Welt und wuchs in London auf. Seine Mutter verstarb früh, und die Stiefmutter war ihm nicht gewogen. Da der Vater viel in Europa herumreiste, wollte er den zwölfjährigen Jungen nicht bei ihr lassen und übergab ihn dem Goßmannsdorfer Juden Jacob Lauffer gegen Kostgeld. Man war offenbar gut vernetzt. Dieser Lauffer hatte öfter im Winterhäuser Pfarrhaus zu tun und nahm Josias mit. So ergaben sich gelegentlich Gespräche mit Pfarrer Yelin, in denen dieser dem wissbegierigen Knaben einiges über die christliche Religion erzählte, wohl auch in missionarischer Absicht.
Kurz vor Ostern 1776 äußerte Josias seinen Wunsch, zum christlichen Glauben überzutreten. Yelin wollte nichts überstürzen und vertröstete ihn. Lauffer hatte wohl auch Wind von der Sache bekommen und reiste mit dem Knaben nach England ab. Unterwegs entkam dieser seinem Kostherrn und tauchte wieder bei Pfarrer Yelin auf. Er wolle sich jetzt nicht mehr vom christlichen Glauben abhalten lassen. Das wird den Pfarrer gefreut haben! In Absprache mit der gräflichen Regierungskanzlei nahm er den Jungen im Pfarrhaus auf und unterrichtete ihn; sozusagen ein privater Konfirmandenunterricht.
Am 25. Mai 1777 war es dann soweit! Josias Jonas wurde unter seinem neuen Namen Josias Friedrich Reinhardt Joseph England unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, auch der aus Sommerhausen und anderen umliegenden Ortschaften, getauft. Taufpaten waren die Fürstin Josina Elisabetha von Hohenlohe, der Reichsgraf Christian Friedrich Carl von Pückler und die Rechteren-Limpurgischen Grafen Christian Friedrich Ludwig und Friedrich Reinhard Burkhardt. Da hat man sich nicht lumpen lassen! Allerdings waren die hohen Herrschaften nicht selbst anwesend, sondern wurden von vier Winterhäuser Ratsherren vertreten.
 
 
 

     
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Marktgemeinde Winterhausen  
bulletVerein für Ortsgeschichte Winterhausen:  https://wuerzburgwiki.de/wiki/Verein_für_Ortsgeschichte_Winterhausen_e.V. und https://www.winterhausen.de/ortsgeschehen-1/vereine-und-gruppen/verein-ortsgeschichte  
bullet"Virtueller Friedhof" der jüdischen Gemeinde Winterhausen (Liste von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde mit Hinweisen auf ihre Grabstätten - soweit bekannt): https://de.findagrave.com/virtual-cemetery/2061069      

Literatur:  

bulletIsrael Schwierz: Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 129. 1992² 138.  
bulletKlaus Wagner: Juden in Winterhausen. Zusammenstellung von Informationen nach Archivfunden in chronologischer Reihenfolge. 6 S. 2026. Eingestellt als pdf-Datei

 
   

                   
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Stand: 17. Dezember 2025