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Winterhausen (Marktgemeinde,
VG Eibelstadt, Kreis
Würzburg)
Jüdische Geschichte
(erstellt auf Grund der
Recherchen von Prof. Dr. Klaus Wagner, Winterhausen:
weitere Informationen und Einzelnachweise siehe
eingestellte pdf-Datei)
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Winterhausen
In Winterhausen bestand zwischen dem 16. und 18.
Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, deren Entstehung in die Zeit nach
Ausweisung von Juden aus Städten und
zahlreichen Herrschaftsgebieten zurückgeht. Der Ort gehörte wie
Sommerhausen (hier Juden seit 1532
nachweisbar) zur
Herrschaft Limpurg-Speckfeld bzw. Limpurg-Rechteren-Limpurg. Erste Hinweise auf
Juden im Zusammenhang mit - aber nicht unbedingt in - Winterhausen gibt es in
Prozessakten des Würzburger Landgerichtes zwischen 1455 und 1480: verschiedene
Juden klagten gegen verschiedene andere Personen "auf alles, was sie in
Winterhausen besitzen".
1583 erlässt Schenk Friedrich ein Edikt, die Juden in der Speckfelder Herrschaft
und damit auch Winterhausen betreffend. - Etliche Nachweise und urkundliche
Erwähnungen von Juden in Winterhausen liegen aus dem 17. Jahrhundert vor.
Juden aus Winterhausen belieferten in dieser Zeit regelmäßig die Eibelstadter Märkte.
In der Herrschaft Limpurg-Speckfeld war bestimmt, dass sich Juden
("Schutzjuden") nur in Sommerhausen und Winterhausen niederlassen durften, wobei die
Zahl der Familien auf 12 begrenzt wurde.
Unter anderem folgende Winterhäuser Juden werden genannt: Benedikt und Josef
(1697), Jüdin Lea (1710), Benedikt (1735, 1740), Abraham Levi (1736, 1744),
Mandel (Haus in der Maingasse, vor 1777 gestorben, da in diesem Jahr seine Witwe
genannt wird), Jacob Segnitz (1778), Jacob Abraham (1778), Jacob (1782).
Zeitweise hatte die jüdische Gemeinde im "Judenhöflein" zwischen Maingasse und
Mittlerer Gasse eine Synagoge ("Judenschule"). 1722 wurde auf Grund eines Dekretes der Ortsherrschaft den
jüdischen Familien verboten, am Samstag (Schabbat) in der Synagoge
Gottesdienst abzuhalten. Das Verbot betraf auch die Gemeinde in
Sommerhausen. 1736 wird von der
Herrschaft allerdings beanstandet, dass die Winterhäuser Juden trotz Verbotes
"seit Jahr und Tag" zu Gottesdiensten "in des Abrahams Haus" zusammengekommen
seien. Erst 1749 wurde wieder eine Synagoge genehmigt, allerdings nur in
Sommerhausen.
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof Allersheim beigesetzt. Mindestens drei aus Winterhausen
stammende Personen lassen sich dort nachweisen: Jakob aus Winterhausen (gest. 3.
Cheschwan (5)542 = 22. Oktober 1782), Witwe des Mandel (gest. 4. Ijar (5)543 =
6. Mai 1783), Bunle, Witwe des Jakob aus Winterhausen (7. März 1790).
Die letzten jüdischen
Familien verließen noch vor 1800 Winterhausen. In
den unterfränkischen Judenmatrikel von 1817 sind keine Juden in Winterhausen genannt
sind bzw. werden dem Ort keine Matrikelnummern eingeräumt.
Als Erinnerung an die jüdische Geschichte im Bereich Winterhausen gibt es
einzelne Flur- bzw. Wegenamen: ein von
Fuchsstadt nach Winterhausen führender alter Weg heißt bis heute "Judenpfad",
weil ihn die jüdischen Händler aus Fuchsstadt benutzten, wenn sie zur Fähre nach
Winterhausen wollten. Im Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte vor Ort gibt
es den Flurnamen "Judenbühl" und den schon genannte Verbindungsweg "Judenhöflein"
zwischen Maingasse und Mittlerer Gasse.
Berichte zur jüdischen Geschichte
Aus der jüdischen Geschichte gibt es einzelne Berichte, die vom Archiv des
Marktfleckens Winterhausen bzw. dem Verein für Ortsgeschichte in den vergangenen
Jahren publiziert wurden:
Herrschaftliches Verbot der
jüdischen Gottesdienste am Schabbat (1722 / 1736)
(nach
Kalenderblätter Winterhausen April 2011:
https://www.winterhausen.de/einrichtungen-der-gemeinde/gemeindearchiv/kalenderblaetter)
Im Jahre 1736 beklagt die Limpurg-Speckfelder Gräfin in Einersheim bei ihrem
mitregierenden 'Gevatter' in Obersontheim, dass die Juden aus Winterhausen und
Sommerhausen trotz Verbots am Sabbat ihre Schule (Gottesdienst) abhielten. Die
Juden der beiden Orte besaßen von alters her eine Erlaubnis zum Abhalten der
Schule. Auf Drängen der beiden Gemeinden wurde 1722 von der Herrschaft ein
Dekret erlassen, wonach die Juden bei 20 Taler Strafe zum Sabbat nicht
zusammenkommen dürfen, sondern in ihren Häusern bleiben müssen.
In einem Brief berichtet die Speckfelder Gräfin, dass die Winterhäuser Juden
dennoch seit Jahr und Tag in des Abrahams Haus zusammengekommen seien und Schule
gehalten hatten. Man habe es immer vermutet, jetzt könne man es beweisen. Da das
die Sommerhauser Juden sähen, kamen sie nun auch zusammen. Die beiden Gemeinden
betrübten sich darüber sehr, dass sie trotz der mit großen Kosten erwirkten
Dekrete nicht geschützt wurden. Schließlich teilt die Herrschaft mit, dass es
beim Schulverbot bleibt. Die Juden sollen sich vielmehr um die Erneuerung ihres
Schutzes bemühen oder der 'gäntzlichen Ausschaffung bey halßstarriger
Verweigerung gewärtig sein'.
Die Winterhäuser Judentaufe 1777
(nach Kalenderblätter Winterhausen
Dezember 2018:
https://www.winterhausen.de/einrichtungen-der-gemeinde/gemeindearchiv/kalenderblaetter)
Selten dürfte es wohl geschehen sein, dass hier ein Jude zum christlichen
Glauben konvertierte. Aus Winterhausen ist ein solcher Fall bekannt, dessen
Umstände der damalige Pfarrer Philipp Christian Gottlieb Yelin im Kirchenbuch
ausführlich geschildert hat. Sehr glücklich begann das Leben des jüdischen
Knaben Josias Jonas nicht. Er kam 1763 in Amsterdam als Sohn eines
Magiers zur Welt und wuchs in London auf. Seine Mutter verstarb früh, und die
Stiefmutter war ihm nicht gewogen. Da der Vater viel in Europa herumreiste,
wollte er den zwölfjährigen Jungen nicht bei ihr lassen und übergab ihn dem
Goßmannsdorfer Juden Jacob Lauffer gegen Kostgeld. Man war offenbar gut
vernetzt. Dieser Lauffer hatte öfter im Winterhäuser Pfarrhaus zu tun und nahm
Josias mit. So ergaben sich gelegentlich Gespräche mit Pfarrer Yelin, in denen
dieser dem wissbegierigen Knaben einiges über die christliche Religion erzählte,
wohl auch in missionarischer Absicht.
Kurz vor Ostern 1776 äußerte Josias seinen Wunsch, zum christlichen Glauben
überzutreten. Yelin wollte nichts überstürzen und vertröstete ihn. Lauffer hatte
wohl auch Wind von der Sache bekommen und reiste mit dem Knaben nach England ab.
Unterwegs entkam dieser seinem Kostherrn und tauchte wieder bei Pfarrer Yelin
auf. Er wolle sich jetzt nicht mehr vom christlichen Glauben abhalten lassen.
Das wird den Pfarrer gefreut haben! In Absprache mit der gräflichen
Regierungskanzlei nahm er den Jungen im Pfarrhaus auf und unterrichtete ihn;
sozusagen ein privater Konfirmandenunterricht.
Am 25. Mai 1777 war es dann soweit! Josias Jonas wurde unter seinem neuen Namen
Josias Friedrich Reinhardt Joseph England unter großer Anteilnahme der
Bevölkerung, auch der aus Sommerhausen und anderen umliegenden Ortschaften,
getauft. Taufpaten waren die Fürstin Josina Elisabetha von Hohenlohe, der
Reichsgraf Christian Friedrich Carl von Pückler und die Rechteren-Limpurgischen
Grafen Christian Friedrich Ludwig und Friedrich Reinhard Burkhardt. Da hat man
sich nicht lumpen lassen! Allerdings waren die hohen Herrschaften nicht selbst
anwesend, sondern wurden von vier Winterhäuser Ratsherren vertreten.
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern.
1988 S. 129. 1992² 138. |
 | Klaus Wagner: Juden in Winterhausen.
Zusammenstellung von Informationen nach Archivfunden in chronologischer
Reihenfolge. 6 S. 2026.
Eingestellt als pdf-Datei. |

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