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im Elsass"
Sarre-Union (Saarunion, Dep. Bas-Rhin /Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sarre-Union bestand eine jüdische Gemeinde seit dem 18.
Jahrhundert. Aus dem Jahr 1784 liegt keine Zahl jüdischer Einwohner
vor.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der
jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 190 jüdische Einwohner, 1846 335, 1861
343, 1870 354, 1900 204, 1910 187.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Religions- und Elementarschule (vgl. Berichte unten), ein rituelles Bad sowie einen eigener Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zusätzlich zum Rabbiner (s.u.) zeitweise ein
Elementarlehrer und ein Kantor (Vorbeter) bestellt (siehe unten Mitteilung von 1913 zu
Kantor Weil).
Sarre-Union war vom 18.
Jahrhundert bis 1927 Sitz eines Rabbinates. In besonderer Erinnerung
blieb Rabbiner Joseph Levy, der von 1829 bis zu seinem Tod 1879 Rabbiner am Ort
war (siehe Bericht zu seinem Tod unten). Sein Nachfolger wurde der zuvor in
Niederhagenthal tätige Rabbiner Isaac Guggenheim. Er blieb bis zu
seiner Zurruhesetzung 1911
im Rabbinat von Saar-Union. 1912 wurde als sein Nachfolger Rabbinatskandidat Dr.
Moïse Debré
bestimmt. Dieser starb jedoch bereits 1919 an der Spanischen Grippe.
1936 lebten noch 81 jüdische Personen am Ort,
von denen die meisten 1940 nach Südfrankreich deportiert wurden.
Von den in Saar-Union geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem):
Andre Aron (1909), Adrienne Aze (1878), Denise Bing (1878), Roger Bloch (1897),
Madeleine Brunswick geb. Lehmann (1888), Rene Cerf (1893), Irma Dehass (1906),
Fernand Dreyfus (1893), Elvira Dreyfuss geb. Lion (um 1900?), Robert Dreyfuss
(1894), Bernard Hanau (1873), Joseph Hanau (um 1880), Hugo Kahn (1913), Julius
Kahn (1867), Leon Lehmann (1868), Julien Levy (1898), Nora Levy geb. Bloch
(1900), Richard Levy (1882), Samuel Semiak (1888), Bernard Simon (1870, Jules
Wolf (1877), Lucien Wolff (1907), Raymond Wolff (1908),
Ein Teil der Überlebenden kam nach 1945
zurück. 1953 wurden 53 jüdische Einwohner gezählt, in den 1960er-Jahren etwa 45..
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Über die Errichtung einer Schule in Saarunion in der
Mitte des 19. Jahrhunderts
Anmerkung: Eine jüdische Elementarschule gab es erst
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Noch 1843 wurde in einem
Bericht über das Schulwesen im Elsass über die jüdische Gemeinde in
Saar-Union kritisch berichtet:
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843:
"In Saar-Union konnte auch der Herr Großrabbine die Gemeinde zur
Errichtung einer Schule nicht bewegen." |
Versetzung des Lehrers Bloch nach
Schlettstadt (Selestat) (1909)
Einige Jahre später kam es dann doch zur
Einrichtung einer jüdischen Elementarschule (Volksschule). Von den
Lehrern ist u.a. ein Lehrer Bloch bekannt, der von 1890 bis zu seiner
Versetzung nach Schlettstadt 1909 die
Schule leitete.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1909:
"Schlettstadt, 6. Mai (1909). An die israelitische Schule dahier ist
Herr Lehrer Bloch aus Saar-Union versetzt worden. Herr Bloch leitet seit
19 Jahren die dortige jüdische Elementarschule." |
Kantor Weil kommt nach Saarunion (1913)
Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30.
September 1913: "Saarunion. Kantor Weil - Molsheim ist nach hier
berufen worden." |
Aus der Geschichte des
Rabbinates in Saarunion
Zum Tod des Rabbiners Joseph Levy im Juli
1879
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1879:
"Saarunion (Elsass). Man schreibt uns unterm 9. Juli: Die
israelitische Gemeinde unserer Stadt hat einen herben und schwer
ersetzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden seines ehrwürdigen
Rabbiners, Herrn Joseph Levy, welcher letzten Dienstag in einem Alter von
80 Jahren gestorben ist. Während der 50 Jahre, die er in Ausübung seines
Amtes in unserer Mitte zubrachte, hatte Herr J. Levy durch seine
Herzensgüte, durch seinen biederen Charakter und durch seine
Wohltätigkeit sich die Sympathie nicht nur der Gemeindemitglieder,
sondern auch aller seiner Mitbürger aller Konfessionen zu gewinnen
gewusst. Eine große Menschenmenge drängte sich am Montag in die mit
schwarzem Tuch verhängte Synagoge; von weit und breit war man gekommen,
um dem Manne, dessen Andenken lange im Herzen seiner Glaubensgenossen
fortleben wird, die letzte Ehre zu erweisen. Der Kondukt wurde durch die
beiden Söhne des Verstorbenen, wovon einer selbst Rabbiner ist, geführt;
in dem Leichenzug bemerkt man den Oberrabbiner von Metz, die Rabbiner von Zabern,
Saargemünd und Pfalzburg, den Maire und den Munizipalrat, den
Kirchenvorstand und Delegierte der eingeladenen Gemeinden. Dem Sarge
voran, der abwechselnd durch Notabilitäten der Stadt getragen wurde,
gingen die Kinder der israelitischen Schule.
Nach einem Gesang bestieg der Oberrabbiner Bicard die Kanzel und hob in
einer französischen Rede alle die Verdienste hervor, welche sich der
Verstorbene in der langjährigen Ausübung seines geistlichen Amtes
erworben. Die Rabbiner Dreyfuß und Bernheim hielten nachher jeder eine
Rede, in welcher sie besonders der unerschöpflichen Wohltätigkeit des
Verstorbenen ein Lob zollten. Nach Absingung eines Psalms verließ der Zug
die Synagoge und begab sich auf den Friedhof, wo der Rabbiner Weil ungeachtet
des strömenden Regens einem alten israelitischen gebrauch gemäß den
Verstorbenen in seinem Namen und im Namen aller zum Oberrabbinat
gehörenden Gemeinden um Verzeihung bat. Nach einer kurzen Rede eines
Neffen des Verstorbenen wurde der Sarg in das Grab gesenkt. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Neubesetzung des Rabbinates nach dem Tod
von Rabbiner Joseph Levy Ende 1879
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1879:
"Aus dem Elsaß. Herr Isaac Guggenheim, bisher Rabbiner in Niederhagenthal,
ist als solcher nach Saar-Union berufen worden. Herrn Rabbiner Salomon
Bamberger, bisher in Lengnau (Schweiz),
ist das Rabbinat in Niederhagenthal übertragen worden. - Herr Bloch, Sohn
des Rabbiners von Hagenau, ist in der genannten Stadt als Gymnasial-Lehrer
angestellt worden. Es ist dies der erste Elsässer Israelit, welcher seine
Studien auf einer deutschen Universität vollendet hat." |
Zurruhesetzung von Rabbiner Guggenheim (1910)
Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
20. Oktober 1910: "Saarunion. Rabbiner Guggenheim hat seine
Pensionierung beantragt." |
Rabbinatskandidat Dr. Moïse Debré wird neuer Rabbiner
(1912)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Debré ist 1882 in Westhoffen
als Sohn des Anselme Debré und der Amélie geb. Cahn geboren. Er studierte 1903
bis 1909 an der Universität und am Rabbinerseminar in Berlin und wurde an der
Universität Würzburg promoviert. Nach einer Zeit als Rabbinatskandidat in
Augsburg war er von 1912 bis zu seinem frühen Tod am 26. Januar 1919 (er starb
an der Spanischen Grippe) Rabbiner in Sarre-Union. Er wurde in seinem Heimatort Westhoffen
beigesetzt. Er war verheiratet mit Yvonne geb. Blum, mit der er eine Tochter
hatte.
Mitteilung
in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. August
1912: "Saarunion. An die Stelle unseres zum 1. Oktober pensionierten
Rabbiners Gugenheim ist Rabbinatskandidat Dr. M. Debré nach hier berufen
worden." |
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Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. September
1912: "Saarunion. Zum Nachfolger unseres pensionierten
Rabbiners Guggenheim ist Rabbinatskandidat Debrex - Augsburg ernannt
worden." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Unglücklicher Tod der Tochter von Nathan Dreyfuß
(1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17.
Juni 1910: "Saarunion. Ein schrecklicher Unglücksfall
ereignete sich heute Morgen in der Familie des Kaufmanns Nathan Dreyfuß.
Die 14 Jahre alte Tochter, welche aus dem Uhrkasten einen hineingefallenen
Ball holen wollte, bekam das Übergewicht und blieb eingeklemmt im Kasten
stecken. Der herbeigerufene Arzt konnte nur mehr den Tod durch Ersticken
feststellen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Rabbiner Gugenheim (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1902: "Zur
Ausbildung eines 14-jährigen Mädchens aus besser französisch
sprechender Familie, womöglich in französischer Schweiz gegen Vergütung
gesucht. Näheres durch
Rabbiner Gugenheim. Saarunion." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die heute noch stehende Synagoge wurde 1839/40 erbaut. Während
des deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge geplündert und
schließlich durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Nach 1945 wurde die
Synagoge restauriert.
Adresse/Standort der Synagoge: Rue des Juifs, 67260 Sarre-Union
Fotos
Historisches Foto:
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| Historische Karte
mit Abbildung der Synagoge |
Quelle: Franz. Informationsseite
s.u. |
Neuere Fotos
Fotos vom Frühjahr 2004
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2004)
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Straßenschild der
"Rue
des Juifs" |
Blick entlang der Rue des
Juifs,
an deren Ende die Synagoge steht |
Blick auf die Synagoge
von
Südwesten |
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| Ansicht der Synagoge von
Nordosten |
Das Eingangstor |
Eingangstor mit Giebel über
der Westfassade |
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| Zwischen der Synagoge und der
ehemaligen jüdischen Schule / Lehrer-/Vorsängerwohnung besteht ein
Übergang |
Die ehemalige jüdische Schule
neben der Synagoge; das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend
zerstört und wieder aufgebaut |
Innenaufnahme der Synagoge,
Quelle: hier
anklicken |
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Fotos vom
Spätsommer 2007
(Fotos: Hahn, aufgenommen beim "Europäischen Tag der Jüdischen
Kultur" am 2.9.2007) |
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| Auf dem Weg zur Synagoge durch
die "Judengasse" / "Rue des Juifs" |
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Die
"Judengasse" / "Rue des Juifs" |
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| Straßenschild |
Alter Hauseingang
in der
Judengasse |
Am Ende der Judengasse:
die
Synagoge |
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| Die Synagoge |
Eingangsportal mit
klassizistischem Giebel |
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Synagoge
von Nordosten |
Verbindung zwischen Synagoge
und jüdischem Schul-/Lehrerhaus |
Inschrift (Ma towu
dreisprachig)
über Eingangstür im Vorraum |
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| Stifter- und
Gedenktafeln rechts und links der Eingangstür |
Blick zum Toraschrein |
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Chanukkaleuchter und ewiges
Licht
links des Toraschreins |
Blick zur Bima / Vorlesepult
vor dem Toraschrein |
Blick vom Bereich
der Frauen (eine Frauenempore besteht seit dem Umbau / Verkleinerung der
Synagoge nicht mehr) zum Toraschrein |
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| Toraschreinvorhang (Parochet) |
Der Bereich der Frauen |
Spendenkasten / Zedakabüchse |
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| Uhr |
Aufgang zur alten, nicht mehr
bestehenden Frauenempore |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:

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