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im Elsass"
Diemeringen (Dep. Bas-Rhin
/ Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Diemeringen besteht eine kleine jüdische Gemeinde bis zur Gegenwart. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1712 lebten hier zwei
jüdische Familien; 1784 waren es 14 Familien mit etwa 70 Personen. Ein Friedhof
konnte 1770 angelegt werden.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1846 wurden 103 oder 116 jüdische Einwohner gezählt,
1861 126, 1866 130, 1900 106, 1910 94. Die jüdischen
Familien lebten im 18./19. Jahrhundert überwiegend vom Handel und Geldverleih.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und den schon genannten Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten Bericht zum Tod des
Lehrers und Vorsängers Leopold Bloch 1885). Die Gemeinde gehörte bis 1926 zum
Bezirksrabbinat Sarre-Union, danach zum Rabbinat Bouxwiller.
1936 waren noch 88 jüdische Personen am Ort. Die bis 1940 am Ort
verbliebenen jüdischen Einwohner wurden unter der deutschen Besatzung in diesem
Jahr nach Südfrankreich deportiert.
Von den in Diemeringen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Dora Bloch geb. Siesel (1905), Sara Blum geb. Simon
(1898), Hugo Kahn (1913), Myrtil Kahn (1915), Clementine Schwab geb. Levy
(1880), Alfred Siesel (1899), Armand Simon (1887), Gabrielle (Gaby) Simon
(1908), Heyman Simon (1865), Leontine Simon (1868), Lina Simon geb. Levy (1865),
Samuel Simon (1890), Irma Weill geb. Simon (1899), Leopold Wloch (1885), Jeanne
Wollenberger geb. Simon (1898).
Nach 1945 kamen mehrere der jüdischen Einwohner / Familien nach
Diemeringen zurück. 1953 wurden 58 jüdische Einwohner gezählt, 1965 37. Bis um 1980 wurde noch regelmäßig die Zehnzahl der
zum Gottesdienst notwendigen Männer (Minjan) erreicht. Seitdem ist die Zahl so
zurückgegangen, dass nur noch an den Hohen Feiertagen mit auswärtigen
Besuchern Gottesdienst abgehalten werden kann. Nach 1950 gehörte die Gemeinde
zum Bezirksrabbinat Saverne.
Berichte aus der
Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod des Lehrers und Vorsängers Leopold Bloch (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1885: "Aus
Lothringen. Einen unersetzlichen Verlust hat die israelitische Gemeinde
Diemeringen erlitten. Am 22. Siwan (Freitag) hat der unerbittliche Tod
plötzlich aus segensreichem Wirken ihren langjährigen Lehrer und
Vorsänger Herrn Leopold Bloch hinweggerafft. Seit 36 Jahren war der
Verstorbene in hiesiger Gemeinde tätig, eine ganze Generation hat er
herangebildet, die Zeugnis gibt von seiner Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit
und Tüchtigkeit als Lehrer. Tiefe Trauer lagert über dem Orte wegen des
schnellen Hinscheidens dieses frommen und gottesfürchtigen Mannes. Die
vollste Anerkennung sowohl seiner Vorgesetzten, als seine Mitbürger,
Freunde und Kollegen bleibt ihm ewig sicher (Seine Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens). W." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Zunächst war ein Betsaal in einem jüdischen
Privathaus vorhanden. 1862 wurde ein jüdisches Schulhaus erbaut, in dem im
Winter die Gottesdienste abgehalten wurden. Eine neue Synagoge wurde
1867/68 errichtet. Sie erhielt auch eine kleine Orgel (Harmonium), die
jedoch vor 1890 wieder entfernt wurde. Über die Geschichte der
Reformbemühungen in den 1860er-Jahren und der 20 Jahre späteren
"Reform der Reform" liegt folgender Bericht in der
konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" vor.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1890:
"Diemeringen (Elsass). Die in dieser geschätzten Zeitung kürzlich
bei Gelegenheit des Berichts über die Synagogen-Einweihung in Schlettstadt
erwähnt Tatsache, dass bereits an manchen Orten des Unter-Elsass, im
Gegensatz zu den Synagogen im Ober-Elsass, der Gottesdienst durch die
Einführung des Orgelspiels seines jüdischen Charakters entkleidet worden
ist, beruht leider allzu sehr auf voller Notorietät. Die Torheit des
reformistischen Gedankens, durch die Nachäffung eines anderen Kultus eine
Verbesserung des jüdischen Gottesdienstes herbeizuführen, hat auch hier
bei unwissenden und in Bezug auf das jüdische Pflichtleben leichtsinnigen
einflussreichen Personen Anklang gefunden. Gibt es etwas Widersinnigeres
als die Vorstellung, den Gottesdienst verbessern zu können durch eine von
dem Religionsgesetze verpönte Handlung! Als ob man sich des göttlichen
Wohlgefallens und Segens würdiger machen könnte, wenn man in demselben
Augenblicke, wo man sich im Gebet zu Gott wendet, sein heiliges Gesetz
missachtet! -
Aber auch ohnehin ist es eine durchaus irrige Annahme, dass durch
Orgelklang und Frauengesang die Andacht gehoben und der Synagoge eine
größere Anziehungskraft auf die Gemeindemitglieder für die Dauer
verliehen werden könnte. Die unheimliche Leere, welche an vielen Orten
aus den Reform-Synagogen dem Eintretenden entgegenstarrt, ist ein
unwiderlegbarer Beweis für diese Behauptung. Einen anderen Beleg für
dieselbe bietet auch unsere Gemeinde. Hier war man im Jahre 1868 ebenfalls
so töricht, die Modenarrheit mitzumachen. Als damals, Dank der
Opferwilligkeit der Gemeinde, ein neues Gotteshaus hier errichtet worden
war, setzten die Neuerungssüchtigen trotz der Missbilligung unseres
derzeitigen Bezirksrabbiners in Saar-Union,
Herrn Joseph Levy - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, ihren
Willen durch und bewirkten die Anschaffung eines Harmoniums und die
Errichtung eines Frauenchors.
Der Anregung unseres gegenwärtigen Herrn Bezirksrabbiners Gongenheimer (sc.
falsch für: Rabbiner Isaac Guggenheim, von 1879/80 bis 1918
Rabbiner in Saar-Union) ist es aber gelungen, eine richtigere Schätzung des religiösen
Erfordernisses zu bewirken, während andererseits auch bereits jene
religionswidrige Neuerung den Reiz der Neuheit eingebüßt hatte und man
sich größtenteils von derselben - ennuyiert fand. So ist nunmehr Gottlob
die Orgel aus dem Gotteshause wieder entfernt worden, während der
Frauenchor sich aufgelöst hat. - Ich bin überzeugt, dass an vielen Orten
eine solche Reform der Reform sehr gern ebenfalls gesehen würde, wenn man
sich - nicht schämte, den begangenen Fehler einzugestehen und wieder gut
zu machen.
Uns ist nur geholfen durch bessere Erkenntnis unserer heiligen Religion,
nicht aber durch den albernen Firlefanz der Reform." |
1906 wurde die Synagoge restauriert.
In der NS-Zeit wurde das Gebäude geplündert. 1947 konnte es wieder als
Synagoge eingeweiht werden.
Adresse/Standort der Synagoge: 5, Rue du Vin (am Ort auch "Rue de Juifs"
beziehungsweise "Judegass" genannt), 67430 Diemeringen
Unweit der Synagoge steht bis heute das 1862 erbaute Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule, in dem sich auch ein rituelles Bad befindet. Die jüdische Schule bestand als
Konfessionsschule bis 1919. Nach der Vereinigung mit der protestantischen Schule
gab es in Diemeringen eine Simultanschule mit zwei Klassenzimmern im Rathaus und
einem im jüdischen Schulhaus.
In der Rue du Vin ("Judegass") standen auch die meisten jüdischen
Häuser (18./19. Jahrhundert).
Fotos
Historisches Foto
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| Historisches Foto der Synagoge |
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Neuere Fotos
Die Synagoge im Frühjahr
2004
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2004) |
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Synagoge und Kirche
in
Diemeringen |
Die Synagoge mit dem
Eingang von der Rue des Vin |
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Über dem Eingang findet sich
als Jahreszahl (5)628 (entspricht 1867/68) |
Gebotstafeln über
dem
westlichen Giebel |
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Die Synagoge im
Spätsommer 2007
(Fotos: Hahn, aufgenommen am "Europäischen Tag der jüdischen
Kultur" am 2.9.2007) |
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| Straßenschild "Rue de
Vin - Jüdegass" |
Die Synagoge an
der Rue de Vin ("Jüdegass") |
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| Haupteingang von
der Rue de Vin |
Über dem Eingang findet sich
als Jahreszahl (5)628 (entspricht 1867/68) |
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Giebel über dem
Eingangsportal
mit Gebotstafeln |
Gedenktafeln |
Blick in den Betsaal |
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| Ansichten von der
Frauenempore |
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| Auf der Frauenempore |
Säulen mit
Leuchtern; die beiden Säulen sind aus der aufgegebenen
Synagoge in
Schalbach |
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Parochet (Toraschreinvorhang)
mit Widmungsinschrift |
Torarollen |
Torarolle auf
dem Vorlesepult |
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| Das jüdische Schulhaus |
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Im jüdischen Schulhaus befand
sich der
Unterrichtsraum im Erdgeschoss,
darüber die
Lehrer-/Vorbeterwohnung |
Eingang links zur Schule,
rechts zur Mikwe |
Im ehemaligen Schulraum mit
originalen
Einrichtungsgegenständen |
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Alte Schulbank |
Texte und Bilder zur
jüdischen
Geschichte in Diemeringen |
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| Die Mikwe (das rituelles
Bad) |
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Im Tauchbecken,
das schon viele Jahrzehnte nicht mehr genutzt wird,
findet sich bis heute
frisches Wasser |
Kontakt zur Israelitischen Gemeinde: Communauté Israélite Office à
Kippour
Pour tout renseignement: Président: G. Muller Tél: 03 88 00 41 41
Membres: B.Falck Tél: 03 88 00 40 41 P. Kern Tél: 03 88 00 44 59
Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S.
31.69.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Diemeringen
Bas-Rhin dist. The Jewish community was established prior to the French
Revolution. The community's cemetery dates from 1770. The Jewish population
numbered 45 members in 1807 and 126 in 1865. The local synagogue was inaugurated
in 1868. On the eve of worldwar II, 88 Jews were listed as residing in
Diemeringen. The Germans expelled all to the south of France. Five were deported.
In 1965, there were 37 Jews in Diemeringen.

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