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in Württemberg"
Reutlingen
(Kreisstadt, Baden-Württemberg)
Jüdische Geschichte / Betsaal der Filialgemeinde
der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte Reutlingens (english
version)
Mittelalter
In Reutlingen bestand eine jüdische Gemeinde im
Mittelalter (erste Nennung 1331, Judenverfolgung 1348, neue Niederlassung um
1371 bis zur Ausweisung 1495). Eine mittelalterliche Synagoge bestand am Platz des
späteren Gebäudes Kanzleistraße 2. Von ihr sind keine Spuren erhalten. Vom
Ende des 15. Jahrhunderts an lebten bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts
keine Juden in der Stadt.
19./20. Jahrhundert
Seit 1861 konnten sich jüdische Personen wieder
niederlassen, die zur Synagogengemeinde in Wankheim, dann
Tübingen gehörten.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wird um 1910 mit 72 Personen erreicht.
Anzeigen aus dem 19. Jahrhundert, gefunden in jüdischen Periodika
Anzeigen
der Stadt Reutlingen in der Zeitschrift "Der Israelit" zur
Werbung für die Tuch- & Strickwaren-Messe am 27. Oktober 1864 und die
Leder-Messe am 27. und 28. Oktober 1864." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1877: "Reutlingen.
Im Pensionate des Unterzeichneten finden noch einige Töchter, die die
hiesige Frauenarbeitsschule besuchen, gute und liebevolle Aufnahme.
Näheres durch Prospekte, die auf Verlangen gerne franco zugesandt werden.
Sigmund Salmon, Gartenstraße. Gleichzeitig empfehle dem reisenden
Publikum meine aufs Beste eingerichtete Restauration. Feine Küche.
Mäßige Preise." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1892: "Stellegesuch.
Ein junger Mann, der in einem Fabrikations-Engros- und Detailgeschäfte
der Garn- und Strumpfbranche seine 3jährige Lehrzeit bestanden und
seither 2 Jahre als Commis in demselben Geschäft tätig, sucht, gestützt
auf Ia Zeugnisse per 1. Mai dieses Jahres anderweitige Stelle, gleichviel
welcher Branche. Gefl. Offerten erbeten an Sigmund Salomon,
Reutlingen, Württemberg." |
Unter den jüdischen Familien Reutlingens
waren seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch einige ostjüdische Familien,
darunter die Familie von Lazar Kirschner. Dieser war im Januar 1914 aus Galizien
nach Reutlingen gezogen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verlor er den Kontakt
zu seiner Frau und seinen Kindern, sodass er einer Suchanzeige aufgegeben hat
(siehe unten). Der Kontakt ließ sich wieder herstellen. Im August 1915 konnten
Frau und Kinder nach Reutlingen ziehen. Zur weiteren Familiengeschichte siehe
Serger/Böttcher s.Lit. S. 48-49.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1915: "Vermisste
jüdische Familien... (darunter:) Es sucht: Lazar Kirschner,
Reutlingen - Es werden (von ihm gesucht): seine Frau Lea KIrschner und 2
Kinder in Schönjava (Sieniawa) bei Jaroslaw,
Galizien". |
Von den in Reutlingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Fabian geb. Kohn
(1882), Gertrud Fuld geb Levi (1901), Alice Haarburger (1891), Walter Leib
(1912), Adolf Maier (1882), Paul Mohr (1897), Emil Salmon (1888), Tana Margarete
Schweizer geb. Lilienfeld (1881), Karoline Spiro geb. Kramer (1872), Marta Spiro
(1897), Salomon Spiro (1897), Selma Weikersheimer geb. Spiro (1882), Ludwig
Weißburger (1905), Gisela Wolff geb. Kalter (1896).
Seit
den 1990er-Jahren: Filialgemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft
Württembergs
Seit den 1990er-Jahren sind nach Reutlingen jüdische
Familien und Einzelpersonen aus den GUS-Staaten zugezogen. 2003 lebten etwa 120
Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in Reutlingen
oder der unmittelbaren Umgebung. Zunächst trafen sich die Gemeindeglieder immer
wieder in einem Hotel der Stadt. Am 7. September 2003 konnte ein kleines Gemeindezentrum mit Mehrzweckraum eingerichtet
werden, der auch als Betsaal genutzt wird.
Fotos
Fotos von der Einweihung des Betsaales am 7. September
2003:
(Fotos: Hahn)
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Letzte Vorbereitungen vor
der
Einweihungsfeier |
Barbara Traub, Sprecherin des
Vorstandes der Israelitischen
Religionsgemeinschaft Württembergs |
Landesrabbiner Netanel
Wurmser
hielt die Einweihungsansprache |
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Dr. Werner Ströbele sprach
für
die Stadt Reutlingen |
Die Gäste bei der
Einweihungsfeier |
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Michael Rosenberg bei
seiner
Darbietung |
Rabbiner Trebnik aus Ulm
(Mitte) und
Landesrabbiner Wurmser (rechts) |
Landesrabbiner Wurmser beim
Anbringen der Mesusa |
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Beim anschließenden
Gespräch |
Rabbiner Trebnik und der
bisherige
Geschäftsführer der Gemeinde in
Stuttgart: Arno Fern |
Der Toraschrank mit dem Wort
aus
Jesaja 2: "Denn von Zion geht Weisung aus
und das Wort
G"ttes von Jerusalem" |
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| Die Mesusa am Eingang |
Das Vorlesepult |
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Gegenüber der Stadtbibliothek
Reutlingen:
Denkmal "zur Erinnerung an unsere
jüdischen
Mitbürger" |
Das Denkmal wurde nach dem
Entwurf einer Reutlinger Schülerin
gestaltet |
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Texte/Pressemitteilungen
über die Filialgemeinde 2003
(Alle Texte sind leicht gekürzt)
| 1.
Reutlinger Nachrichten
(Südwestpresse) vom 6.9.2003:
JÜDISCHES
ZENTRUM / Räume gefunden
Einen Wunsch erfüllt
Morgen ist Europäischer Tag der jüdischen
Kultur, eine gute Gelegenheit eine Begegnungsstätte der in der Stadt und im
Umkreis lebenden Juden zu eröffnen. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat
geholfen, einen Raum zu finden, in dem die Gemeinde Gottesdienst feiern kann.
von ROLF MACK
REUTLINGEN Es ist ein
weiterer kleiner Stein zur Wiedergutmachung und zur Normalisierung des Verhältnisses
Deutsche - Juden. Die rund 120 im Umkreis der Stadt lebenden Angehörigen des jüdischen
Glaubens werden morgen Abend ein neues Gemeindezentrum eröffnen. Dieses soll
nicht nur den Gottesdiensten dienen, sondern auch das übrige Leben der Gemeinde
fördern. Bisher haben sich die Reutlinger jüdischen Glaubens im Nebenzimmer eines Hotels getroffen oder sind ins Gemeindezentrum nach Stuttgart
gefahren.
Bei der jetzt erreichten Zahl der Gemeindeglieder ist der Wunsch einen eigenen
Raum zu haben groß geworden. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat
mitgeholfen, den Juden diesen Wunsch zu erfüllen.
Reutlingen war zwar nie ein Zentrum jüdischen Lebens - es gab auch keine
Synagoge - hatte auch kein Zentrum wie es jetzt entstehen soll, aber Reutlingen
hatte vor den Pogromen um 1500 immerhin eine jüdische Gemeinde. Nach den
Verfolgungen im Mittelalter sind erst wieder 1862 Spuren jüdischen Lebens in
der Stadt zu finden. 1930 waren es etwa 100 jüdische Mitbürger, von denen
viele Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden. Dass es jetzt wieder so viele Juden in der Stadt
gibt, ist vor allem eine Folge der Auswanderung aus der ehemaligen Sowjetunion.
Sie kamen vielfach als Kontingentflüchtlinge nach Reutlingen, lebten zuerst in
Rappertshofen und sind jetzt über die ganze Stadt verteilt.
Es werden über 100 geladene Gäste zum Festakt morgen Abend erwartet. Es sind
Vertreter der Kirchen, der Stadt und der staatlichen Behören und die Mitglieder
der Gemeinde selbst.
Die Gemeinde verfügt jetzt über einen großen und zwei
kleinere Räume. Es soll Religionsunterricht für die Kinder geben, dazu
informelle Begegnungen unter Gemeindemitgliedern und Außenstehenden und vor
allem die Gottesdienste. Sie müssen nach jüdischem Ritus auch in ungeweihten Räumen
stattfinden können.
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| 2. "Reutlinger Generalanzeiger" vom 9.9.2003:
Einweihung -
Israelitische Religionsgemeinschaft eröffnete in Reutlingen ein Gemeindezentrum
"Rückkehr jüdischen
Lebens" von CHRISTOPH STRÖHLE
REUTLINGEN. Landesrabbiner Netanel Wurmser sprach
von einem Meilenstein für die Entwicklung jüdischer Gemeinden in Württemberg.
Noch vor »Rosch HaSchana«, dem Beginn des neuen jüdischen Kalenderjahres Ende
September, sei man dabei, in Reutlingen Geschichte zu schreiben. Zur Eröffnung
des ersten israelitischen Gemeindezentrums in der Achalmstadt - nach Stuttgart,
Ulm und Hechingen ist es erst das vierte württembergweit - wählte Wurmser ein
Gleichnis aus dem ersten Buch Moses.
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Temperamentvoll vorgetragen - Michael
Rosenbergs jiddische Erzählung.
GEA-FOTO: CHRISTOPH STRÖHLE
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Noah, so erzählte er, habe nach der Sintflut zunächst
einen Raben losgeschickt, der jedoch bald wieder zur schützenden Arche zurückkehrte,
weil er kein Land fand. Der daraufhin von Noah entsandten Taube erging es ähnlich.
Als Noah erneut eine Taube losschickte, kehrte diese mit einem frischen Ölzweig
zurück. Sieben Tage später nochmals entsandt, kehrte die Taube nicht wieder
zurück: Zu guter Letzt hatte sie eine "Ruhestätte für ihren Fuß"
gefunden. Wurmser wünschte sich, dass die jüdische Gemeinde in Reutlingen
jenen Boden finde, der ihr das Wachsen und Gedeihen ermögliche.
Rund 80 Besucher hatte Kantor Arie Mozes zuvor am Europäischen Tag der jüdischen
Kultur im neuen Gemeindezentrum ... begrüßt, darunter Repräsentanten
der Kirchen, der Stadtverwaltung und des Gemeinderats. "Wir freuen uns,
dass sich Ihr Wunsch nach einem Versammlungsraum in Reutlingen erfüllt hat",
betonte Heimatmuseumsleiter Dr. Werner Ströbele als Vertreter der Stadt. "Was
Sie hier sehen, ist kein Tempel und keine Synagoge, aber ein Ort, der die Rückkehr
jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in unsere Stadt ermöglicht."
Für 120 Juden.
Bislang fehlte eine solche Begegnungsstätte für die rund 120 Juden in
Reutlingen. Man traf sich im Nebenzimmer eines Hotels oder fuhr gemeinsam nach
Stuttgart. Zwei bis drei Mal pro Woche sollen die drei Räume ... nun für Veranstaltungen genutzt werden. Gottesdienste soll es in der Gemeinde
ebenso geben wie Religionsunterricht für Kinder und Begegnungs- und
Bildungsangebote für Erwachsene. Auf einen eigenen Rabbi wird die Gemeinde
jedoch vorerst verzichten müssen.
Ulrich Lukaszewitz, dienstältester Stadtrat ... erinnerte
an die lange und wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Reutlingen. Vor
1500 weitgehend integriert und auch respektiert, wurde die jüdische Gemeinde
durch Pogrome vertrieben. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kehrten Juden nach
Reutlingen zurück, später verfolgt, vertrieben und ermordet durch die
Nationalsozialisten. Seit 1991 ist die Zahl jüdischer Einwanderer nach Deutschland wieder deutlich
angestiegen. Allein in Baden-Württemberg leben inzwischen rund 6 500 jüdische
Mitbürger, die meisten von ihnen Kontingentflüchtlinge aus den GUS-Staaten. Zu
ihnen zählt auch der 85-jährige Michael Rosenberg, der heute in Stuttgart
lebt. Bei der Einweihungsfeier ließ er eine in Reutlingen weitgehend
verklungene Sprache wieder aufleben. Auf Jiddisch und in humorvoll hintergründiger
Weise erzählte er vom Lebensalltag in einem »Städtele« in der Ukraine,
umrahmt von temperamentvoll vorgetragenen, teils wehmütigen, teils heiteren
Liedern.
Auszug aus der Thora.
Zum Abschluss der Feier versah Landesrabbiner Netanel Wurmser die Eingangstür
des neuen Versammlungsraumes mit einer »Mesusa«, einer Plakette mit Auszügen
aus der Thora. Die Mesusa wird, einem jüdischen Gebot folgend, an allen Eingängen
eines Hauses angebracht und dient als Schutz. (GEA).
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| 3. Reutlinger Nachrichten
(Südwestpresse) vom 6.9.2003:
JUDEN /
Israelitische Religionsgemeinschaft weiht Gemeindezentrum ... ein
Wie Noahs Taube
einen Rastplatz finden
Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs
(IRG) hat in Reutlingen ihre landesweit dritte Zweigstelle eröffnet. Das neue
Gemeindezentrum ... soll den 85 in und um Reutlingen lebenden
Gemeindemitgliedern kulturelle und religiöse Heimstatt sein.
von THOMAS THIEME
REUTLINGEN.
Mit
kräftigen Hammerschlägen befestigte am Sonntag Landesrabbiner Netanel Wurmser
die Mesusa-Kapsel am Türpfosten des Versammlungsraums...
Das etwa 20 Zentimeter lange Behältnis ("Mesusa" ist das hebräische
Wort für Türpfosten) kennzeichnet jüdische Häuser oder Wohnungen und enthält
einen Pergamentstreifen mit der "Schema Israel", der Quintessenz jüdischen
Glaubens: Höre Israel, Gott, unser Gott, ist eins. Die Weihung geht zurück auf
die biblischen Plagen - Gott verhängte zehn Katastrophen über Ägypten, um vom
Pharao die Freilassung der Israeliten zu erzwingen. Und gebot den Kindern
Israels, ihre Heimstätten mit Schafsblut zu kennzeichnen.
Einen "Meilenstein in der Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Württemberg"
nannte der Landesrabbiner das neue Zentrum. Die Lage der Gemeinschaft verglich
er mit der von Noah ausgesandten Taube, die einen Platz für ihren Fußballen zu
finden suchte: Gleich der Taube möge es den Juden in Württemberg gelingen,
einen Rastplatz zu finden und eine Gemeinde zu gründen. "Das ist der
Wunsch, den ich heute ausspreche." Als Vertreter des Stadt überbrachte
Heimatmuseumsleiter Dr. Werner Stroebele Grüße von Oberbürgermeisterin
Barbara Bosch und erinnerte an die bereits im Mittelalter existierende jüdische
Gemeinde in Reutlingen. "Wenn Erinnerung das Geheimnis der Versöhnung ist,
dann sind wir in Reutlingen auf einem guten Weg." Wie Stroebele bezog sich
auch SPD-Fraktionschef Ulrich Lukaszewitz auf die frühe Stadtgeschichte:
"Ich bin stolz darauf, dass wir an das mittelalterliche Erbe Reutlingens
anknüpfen." Ebenso gern wie zum Bau der ersten Moschee in Reutlingen habe
die SPD-Fraktion zum Gemeindezentrum "ja" gesagt.
Der neue Versammlungsraum ist die dritte Zweigstelle der in Stuttgart ansässigen
IRG. 2600 Mitglieder hat die Gemeinschaft. In der württembergischen Diaspora
ist das Zusammenkommen für die größtenteils aus der damaligen Sowjetunion und
deren Nachfolgestaaten stammenden Juden schwierig geworden: Dem Flüchtlingsaufnahmegesetz
von 1998 gemäß werden die Zuwanderer auf die Gemeinden im Land verteilt (aus
der Einwohnerzahl errechnet sich für jede Gemeinde ein Kontingent an
aufzunehmenden Zuwanderern). Die Verstreuung - als Folge des Gesetzes -
behindert die Gemeindearbeit und vereitelt vielerorts die Teilnahme am
Gottesdienst. Die IRG sieht sich außer Stande, die flächendeckende Betreuung
ihrer Mitglieder zu gewährleisten. Eine Intervention bei der Landesregierung
ist bislang erfolglos geblieben. Umso mehr freuen sich die Reutlinger
Gemeindemitglieder über die neuen Räumlichkeiten. Bislang hatten sie für ihre
monatlichen Treffen in ein Hotel ausweichen müssen. Sozialarbeit, Beratung
und auch Gottesdienste, das alles wird ab jetzt im Gemeindezentrum passieren.
"Ich hoffe", meinte Galina Lerner aus Eningen, die vor elf Jahren aus
Sankt Petersburg nach Deutschland übersiedelte, "dass sich irgendwann mal
eine Kindergruppe bildet." Und sich für ihre beiden Kinder Spielkameraden
finden. Bis es soweit ist, kann es dauern - die meisten der Reutlinger Juden
sind Senioren, der spärliche Nachwuchs ist noch im Babyalter. IRG-Vorstandssprecherin Barbara Traub dankte der Stadt für die Unterstützung
beim Anmieten der Räume. "Allerdings", so Traub, "wollen wir
keine falschen Hoffnungen wecken". Hilfe zur Selbsthilfe sei die neue
Zweigstelle, nicht mehr. Die anwesenden katholischen und evangelischen
Kirchenvertreter - Dekan Robert Widmann, Pfarrer Günther Kempka und Schuldekan
Ulrich Rupp - bat sie, die kleine jüdische Gemeinde zu unterstützen und als
Partner anzusehen.
Kulturelles Schmankerl der besonderen Art: Mit "Als Rabbiner Eli Melech ist
geworden sehr frehlech" und anderen Liedern in jiddischer Sprache gelang es
dem 85-jährigen Michael Rosenberg aus Stuttgart, die Anwesenden zu begeistern.
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 |
Artikel von Jan Zawadil in der
"Südwest-Presse" (Regionalteil Reutlingen) vom 11. November
2011: "Die Erinnerung nicht verblassen lassen.
Reutlingen. Es ist nach wie vor unbegreiflich. Umso wichtiger ist die
Erinnerung an die Reichspogromnacht. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen hatte deshalb mit Einstein-Gymnasiasten zur Gedenkstunde
eingeladen..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Bernd
Serger/Karin-Anne Böttcher: Es gab Juden in Reutlingen.
Geschichte - Erinnerungen - Schicksale. Ein historisches Lesebuch. Hg. vom
Stadtarchiv beim Kulturamt Reutlingen. Reutlingen 2005 ISBN
3-033820-67-7. 591 S. zahlr. Abb. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Reutlingen Wuerttemberg. A
Jewish settlement existed in the 13th century. The Jews were attacked in the
Black Death persecutions of 1348-49 and expelled in 1495. The settlement was
renewed in the 19th century and umbered 60 in 1890 (total 18,542). It was
attached to the Tuebingen community in the
ealry 20th century. Of the 54 Jews in the city in 1933, at least 31 left. Of the
12 who were expelled, two survived.

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