Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Reutlingen (Kreisstadt, Baden-Württemberg)
Jüdische Geschichte / Betsaal der Filialgemeinde 
der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte Reutlingens  
Mittelalter  
19./20. Jahrhundert 
seit den 1990er-Jahren: Filialgemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs  
Fotos  
Texte / Pressemitteilungen über die Filialgemeinde 2003  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte Reutlingens (english version)

Mittelalter  

In Reutlingen bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter (erste Nennung 1331, Judenverfolgung 1348, neue Niederlassung um 1371 bis zur Ausweisung 1495). Eine mittelalterliche Synagoge bestand am Platz des späteren Gebäudes Kanzleistraße 2. Von ihr sind keine Spuren erhalten. Vom Ende des 15. Jahrhunderts an lebten bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts keine Juden in der Stadt. 
  
  
19./20. Jahrhundert  
  
Seit 1861 konnten sich jüdische Personen wieder niederlassen, die zur Synagogengemeinde in Wankheim, dann Tübingen gehörten. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wird um 1910 mit 72 Personen erreicht.    
       
Anzeigen aus dem 19. Jahrhundert, gefunden in jüdischen Periodika 

Reutlingen Israelit 21091864.jpg (141536 Byte)Anzeigen der Stadt Reutlingen in der Zeitschrift "Der Israelit" zur Werbung für die Tuch- & Strickwaren-Messe am 27. Oktober 1864 und die Leder-Messe am 27. und 28. Oktober 1864." 
   
Reutlingen Israelit 28031877.jpg (51032 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1877: "Reutlingen. Im Pensionate des Unterzeichneten finden noch einige Töchter, die die hiesige Frauenarbeitsschule besuchen, gute und liebevolle Aufnahme. Näheres durch Prospekte, die auf Verlangen gerne franco zugesandt werden. Sigmund Salmon, Gartenstraße. Gleichzeitig empfehle dem reisenden Publikum meine aufs Beste eingerichtete Restauration. Feine Küche. Mäßige Preise."
  
Reutlingen Israelit 11041892.jpg (58351 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1892: "Stellegesuch. Ein junger Mann, der in einem Fabrikations-Engros- und Detailgeschäfte der Garn- und Strumpfbranche seine 3jährige Lehrzeit bestanden und seither 2 Jahre als Commis in demselben Geschäft tätig, sucht, gestützt auf Ia Zeugnisse per 1. Mai dieses Jahres anderweitige Stelle, gleichviel welcher Branche. Gefl. Offerten erbeten an Sigmund Salomon, Reutlingen, Württemberg." 

Unter den jüdischen Familien Reutlingens waren seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch einige ostjüdische Familien, darunter die Familie von Lazar Kirschner. Dieser war im Januar 1914 aus Galizien nach Reutlingen gezogen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verlor er den Kontakt zu seiner Frau und seinen Kindern, sodass er einer Suchanzeige aufgegeben hat (siehe unten). Der Kontakt ließ sich wieder herstellen. Im August 1915 konnten Frau und Kinder nach Reutlingen ziehen. Zur weiteren Familiengeschichte siehe Serger/Böttcher s.Lit. S. 48-49.   

Reutlingen Israelit 11031915.jpg (50605 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1915: "Vermisste jüdische Familien... (darunter:) Es sucht: Lazar Kirschner, Reutlingen - Es werden (von ihm gesucht): seine Frau Lea KIrschner und 2 Kinder in Schönjava (Sieniawa) bei Jaroslaw, Galizien".    

Von den in Reutlingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Fabian geb. Kohn (1882), Gertrud Fuld geb Levi (1901), Alice Haarburger (1891), Walter Leib (1912), Adolf Maier (1882), Paul Mohr (1897), Emil Salmon (1888), Tana Margarete Schweizer geb. Lilienfeld (1881), Karoline Spiro geb. Kramer (1872), Marta Spiro (1897), Salomon Spiro (1897), Selma Weikersheimer geb. Spiro (1882), Ludwig Weißburger (1905), Gisela Wolff geb. Kalter (1896). 
 
  
  
Seit den 1990er-Jahren: Filialgemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs  

Seit den 1990er-Jahren sind nach Reutlingen jüdische Familien und Einzelpersonen aus den GUS-Staaten zugezogen. 2003 lebten etwa 120 Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs in Reutlingen oder der unmittelbaren Umgebung. Zunächst trafen sich die Gemeindeglieder immer wieder in einem Hotel der Stadt. Am 7. September 2003 konnte ein kleines Gemeindezentrum mit Mehrzweckraum eingerichtet werden, der auch als Betsaal genutzt wird. 
   
   

Fotos 
Fotos von der Einweihung des Betsaales am 7. September 2003: 
(Fotos: Hahn)

Reutlingen Betsaal 001.jpg (44289 Byte) Reutlingen Betsaal 002.jpg (35923 Byte) Reutlingen Betsaal 003.jpg (35765 Byte)
Letzte Vorbereitungen vor 
der Einweihungsfeier
Barbara Traub, Sprecherin des 
Vorstandes der Israelitischen
 Religionsgemeinschaft Württembergs
Landesrabbiner Netanel Wurmser 
hielt die Einweihungsansprache
      
     
Reutlingen Betsaal 006.jpg (36489 Byte) Reutlingen Betsaal 017.jpg (54365 Byte) Reutlingen Betsaal 014.jpg (49700 Byte)
Dr. Werner Ströbele sprach für 
die Stadt Reutlingen
Die Gäste bei der Einweihungsfeier
  
   
Reutlingen Betsaal 015.jpg (41562 Byte) Reutlingen Betsaal 016.jpg (30459 Byte) Reutlingen Betsaal 012.jpg (29424 Byte)
Michael Rosenberg bei 
seiner Darbietung
Rabbiner Trebnik aus Ulm (Mitte) und
 Landesrabbiner Wurmser (rechts)
Landesrabbiner Wurmser beim 
Anbringen der Mesusa
     
Reutlingen Betsaal 021.jpg (32846 Byte) Reutlingen Betsaal 018.jpg (26326 Byte) Reutlingen Betsaal 011.jpg (41861 Byte)
Beim anschließenden 
Gespräch
Rabbiner Trebnik und der bisherige
 Geschäftsführer der Gemeinde in
 Stuttgart: Arno Fern
Der Toraschrank mit dem Wort aus 
Jesaja 2: "Denn von Zion geht Weisung aus
 und das Wort G"ttes von Jerusalem"
  
     
Reutlingen Betsaal 009.jpg (22668 Byte) Reutlingen Betsaal 008.jpg (30440 Byte) Reutlingen Betsaal 010.jpg (47408 Byte)
Die Mesusa am Eingang Das Vorlesepult
   
Reutlingen Denkmal 001.jpg (82988 Byte) Reutlingen Denkmal 003.jpg (91206 Byte)  
Gegenüber der Stadtbibliothek Reutlingen:
 Denkmal "zur Erinnerung an unsere
 jüdischen Mitbürger"
Das Denkmal wurde nach dem 
Entwurf einer Reutlinger Schülerin
 gestaltet
 

     
    

Texte/Pressemitteilungen über die Filialgemeinde 2003  
(Alle Texte sind leicht gekürzt)  

1. Reutlinger Nachrichten (Südwestpresse) vom 6.9.2003: 

JÜDISCHES ZENTRUM / Räume gefunden
Einen Wunsch erfüllt

Morgen ist Europäischer Tag der jüdischen Kultur, eine gute Gelegenheit eine Begegnungsstätte der in der Stadt und im Umkreis lebenden Juden zu eröffnen. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat geholfen, einen Raum zu finden, in dem die Gemeinde Gottesdienst feiern kann. von ROLF MACK

REUTLINGEN Es ist ein weiterer kleiner Stein zur Wiedergutmachung und zur Normalisierung des Verhältnisses Deutsche - Juden. Die rund 120 im Umkreis der Stadt lebenden Angehörigen des jüdischen Glaubens werden morgen Abend ein neues Gemeindezentrum eröffnen. Dieses soll nicht nur den Gottesdiensten dienen, sondern auch das übrige Leben der Gemeinde fördern. Bisher haben sich die Reutlinger jüdischen Glaubens im Nebenzimmer eines Hotels getroffen oder sind ins Gemeindezentrum nach Stuttgart gefahren. Bei der jetzt erreichten Zahl der Gemeindeglieder ist der Wunsch einen eigenen Raum zu haben groß geworden. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat mitgeholfen, den Juden diesen Wunsch zu erfüllen. Reutlingen war zwar nie ein Zentrum jüdischen Lebens - es gab auch keine Synagoge - hatte auch kein Zentrum wie es jetzt entstehen soll, aber Reutlingen hatte vor den Pogromen um 1500 immerhin eine jüdische Gemeinde. Nach den Verfolgungen im Mittelalter sind erst wieder 1862 Spuren jüdischen Lebens in der Stadt zu finden. 1930 waren es etwa 100 jüdische Mitbürger, von denen viele Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden. Dass es jetzt wieder so viele Juden in der Stadt gibt, ist vor allem eine Folge der Auswanderung aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie kamen vielfach als Kontingentflüchtlinge nach Reutlingen, lebten zuerst in Rappertshofen und sind jetzt über die ganze Stadt verteilt. 
Es werden über 100 geladene Gäste zum Festakt morgen Abend erwartet. Es sind Vertreter der Kirchen, der Stadt und der staatlichen Behören und die Mitglieder der Gemeinde selbst. Die Gemeinde verfügt jetzt über einen großen und zwei kleinere Räume. Es soll Religionsunterricht für die Kinder geben, dazu informelle Begegnungen unter Gemeindemitgliedern und Außenstehenden und vor allem die Gottesdienste. Sie müssen nach jüdischem Ritus auch in ungeweihten Räumen stattfinden können

 
2. "Reutlinger Generalanzeiger" vom 9.9.2003:  

Einweihung - Israelitische Religionsgemeinschaft eröffnete in Reutlingen ein Gemeindezentrum 
"Rückkehr jüdischen Lebens"   von CHRISTOPH STRÖHLE 

REUTLINGEN. Landesrabbiner Netanel Wurmser sprach von einem Meilenstein für die Entwicklung jüdischer Gemeinden in Württemberg. Noch vor »Rosch HaSchana«, dem Beginn des neuen jüdischen Kalenderjahres Ende September, sei man dabei, in Reutlingen Geschichte zu schreiben. Zur Eröffnung des ersten israelitischen Gemeindezentrums in der Achalmstadt - nach Stuttgart, Ulm und Hechingen ist es erst das vierte württembergweit - wählte Wurmser ein Gleichnis aus dem ersten Buch Moses.  

Reutlingen Betsaal 110.jpg (18163 Byte)
Temperamentvoll vorgetragen - Michael Rosenbergs jiddische Erzählung.
GEA-FOTO: CHRISTOPH STRÖHLE

Noah, so erzählte er, habe nach der Sintflut zunächst einen Raben losgeschickt, der jedoch bald wieder zur schützenden Arche zurückkehrte, weil er kein Land fand. Der daraufhin von Noah entsandten Taube erging es ähnlich. Als Noah erneut eine Taube losschickte, kehrte diese mit einem frischen Ölzweig zurück. Sieben Tage später nochmals entsandt, kehrte die Taube nicht wieder zurück: Zu guter Letzt hatte sie eine "Ruhestätte für ihren Fuß" gefunden. Wurmser wünschte sich, dass die jüdische Gemeinde in Reutlingen jenen Boden finde, der ihr das Wachsen und Gedeihen ermögliche. Rund 80 Besucher hatte Kantor Arie Mozes zuvor am Europäischen Tag der jüdischen Kultur im neuen Gemeindezentrum ... begrüßt, darunter Repräsentanten der Kirchen, der Stadtverwaltung und des Gemeinderats. "Wir freuen uns, dass sich Ihr Wunsch nach einem Versammlungsraum in Reutlingen erfüllt hat", betonte Heimatmuseumsleiter Dr. Werner Ströbele als Vertreter der Stadt. "Was Sie hier sehen, ist kein Tempel und keine Synagoge, aber ein Ort, der die Rückkehr jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in unsere Stadt ermöglicht."

Für 120 Juden. Bislang fehlte eine solche Begegnungsstätte für die rund 120 Juden in Reutlingen. Man traf sich im Nebenzimmer eines Hotels oder fuhr gemeinsam nach Stuttgart. Zwei bis drei Mal pro Woche sollen die drei Räume ... nun für Veranstaltungen genutzt werden. Gottesdienste soll es in der Gemeinde ebenso geben wie Religionsunterricht für Kinder und Begegnungs- und Bildungsangebote für Erwachsene. Auf einen eigenen Rabbi wird die Gemeinde jedoch vorerst verzichten müssen. Ulrich Lukaszewitz, dienstältester Stadtrat ... erinnerte an die lange und wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Reutlingen. Vor 1500 weitgehend integriert und auch respektiert, wurde die jüdische Gemeinde durch Pogrome vertrieben. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kehrten Juden nach Reutlingen zurück, später verfolgt, vertrieben und ermordet durch die Nationalsozialisten. Seit 1991 ist die Zahl jüdischer Einwanderer nach Deutschland wieder deutlich angestiegen. Allein in Baden-Württemberg leben inzwischen rund 6 500 jüdische Mitbürger, die meisten von ihnen Kontingentflüchtlinge aus den GUS-Staaten. Zu ihnen zählt auch der 85-jährige Michael Rosenberg, der heute in Stuttgart lebt. Bei der Einweihungsfeier ließ er eine in Reutlingen weitgehend verklungene Sprache wieder aufleben. Auf Jiddisch und in humorvoll hintergründiger Weise erzählte er vom Lebensalltag in einem »Städtele« in der Ukraine, umrahmt von temperamentvoll vorgetragenen, teils wehmütigen, teils heiteren Liedern. 
Auszug aus der Thora. Zum Abschluss der Feier versah Landesrabbiner Netanel Wurmser die Eingangstür des neuen Versammlungsraumes mit einer »Mesusa«, einer Plakette mit Auszügen aus der Thora. Die Mesusa wird, einem jüdischen Gebot folgend, an allen Eingängen eines Hauses angebracht und dient als Schutz. (GEA)
.    

 
3. Reutlinger Nachrichten (Südwestpresse) vom 6.9.2003: 

JUDEN / Israelitische Religionsgemeinschaft weiht Gemeindezentrum ... ein
Wie Noahs Taube einen Rastplatz finden

Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRG) hat in Reutlingen ihre landesweit dritte Zweigstelle eröffnet. Das neue Gemeindezentrum ... soll den 85 in und um Reutlingen lebenden Gemeindemitgliedern kulturelle und religiöse Heimstatt sein.  von THOMAS THIEME

 
Reutlingen Betsaal 111.jpg (20788 Byte)
REUTLINGEN. Mit kräftigen Hammerschlägen befestigte am Sonntag Landesrabbiner Netanel Wurmser die Mesusa-Kapsel am Türpfosten des Versammlungsraums... Das etwa 20 Zentimeter lange Behältnis ("Mesusa" ist das hebräische Wort für Türpfosten) kennzeichnet jüdische Häuser oder Wohnungen und enthält einen Pergamentstreifen mit der "Schema Israel", der Quintessenz jüdischen Glaubens: Höre Israel, Gott, unser Gott, ist eins. Die Weihung geht zurück auf die biblischen Plagen - Gott verhängte zehn Katastrophen über Ägypten, um vom Pharao die Freilassung der Israeliten zu erzwingen. Und gebot den Kindern Israels, ihre Heimstätten mit Schafsblut zu kennzeichnen. Einen "Meilenstein in der Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Württemberg" nannte der Landesrabbiner das neue Zentrum. Die Lage der Gemeinschaft verglich er mit der von Noah ausgesandten Taube, die einen Platz für ihren Fußballen zu finden suchte: Gleich der Taube möge es den Juden in Württemberg gelingen, einen Rastplatz zu finden und eine Gemeinde zu gründen. "Das ist der Wunsch, den ich heute ausspreche." Als Vertreter des Stadt überbrachte Heimatmuseumsleiter Dr. Werner Stroebele Grüße von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und erinnerte an die bereits im Mittelalter existierende jüdische Gemeinde in Reutlingen. "Wenn Erinnerung das Geheimnis der Versöhnung ist, dann sind wir in Reutlingen auf einem guten Weg." Wie Stroebele bezog sich auch SPD-Fraktionschef Ulrich Lukaszewitz auf die frühe Stadtgeschichte: "Ich bin stolz darauf, dass wir an das mittelalterliche Erbe Reutlingens anknüpfen." Ebenso gern wie zum Bau der ersten Moschee in Reutlingen habe die SPD-Fraktion zum Gemeindezentrum "ja" gesagt. 
Der neue Versammlungsraum ist die dritte Zweigstelle der in Stuttgart ansässigen IRG. 2600 Mitglieder hat die Gemeinschaft. In der württembergischen Diaspora ist das Zusammenkommen für die größtenteils aus der damaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten stammenden Juden schwierig geworden: Dem Flüchtlingsaufnahmegesetz von 1998 gemäß werden die Zuwanderer auf die Gemeinden im Land verteilt (aus der Einwohnerzahl errechnet sich für jede Gemeinde ein Kontingent an aufzunehmenden Zuwanderern). Die Verstreuung - als Folge des Gesetzes - behindert die Gemeindearbeit und vereitelt vielerorts die Teilnahme am Gottesdienst. Die IRG sieht sich außer Stande, die flächendeckende Betreuung ihrer Mitglieder zu gewährleisten. Eine Intervention bei der Landesregierung ist bislang erfolglos geblieben. Umso mehr freuen sich die Reutlinger Gemeindemitglieder über die neuen Räumlichkeiten. Bislang hatten sie für ihre monatlichen Treffen in ein Hotel ausweichen müssen. Sozialarbeit, Beratung und auch Gottesdienste, das alles wird ab jetzt im Gemeindezentrum passieren. "Ich hoffe", meinte Galina Lerner aus Eningen, die vor elf Jahren aus Sankt Petersburg nach Deutschland übersiedelte, "dass sich irgendwann mal eine Kindergruppe bildet." Und sich für ihre beiden Kinder Spielkameraden finden. Bis es soweit ist, kann es dauern - die meisten der Reutlinger Juden sind Senioren, der spärliche Nachwuchs ist noch im Babyalter. IRG-Vorstandssprecherin Barbara Traub dankte der Stadt für die Unterstützung beim Anmieten der Räume. "Allerdings", so Traub, "wollen wir keine falschen Hoffnungen wecken". Hilfe zur Selbsthilfe sei die neue Zweigstelle, nicht mehr. Die anwesenden katholischen und evangelischen Kirchenvertreter - Dekan Robert Widmann, Pfarrer Günther Kempka und Schuldekan Ulrich Rupp - bat sie, die kleine jüdische Gemeinde zu unterstützen und als Partner anzusehen. Kulturelles Schmankerl der besonderen Art: Mit "Als Rabbiner Eli Melech ist geworden sehr frehlech" und anderen Liedern in jiddischer Sprache gelang es dem 85-jährigen Michael Rosenberg aus Stuttgart, die Anwesenden zu begeistern
.    

   


      
  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2011: Erinnerung an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Jan Zawadil in der "Südwest-Presse" (Regionalteil Reutlingen) vom 11. November 2011: "Die Erinnerung nicht verblassen lassen. 
Reutlingen
. Es ist nach wie vor unbegreiflich. Umso wichtiger ist die Erinnerung an die Reichspogromnacht. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hatte deshalb mit Einstein-Gymnasiasten zur Gedenkstunde eingeladen..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.    
 
 

  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Reutlingen  
Zur Seite über die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs  
Zeitzeugenbericht in der Schule: Artikel von Norbert Leister "Gräuel im KZ erlebt" in der Südwestpresse (Lokalausgabe Reutlingen) vom 19. August 2011: direkter Link bzw. als pdf-Datei eingestellt  

Literatur:

Reutlingen Buch 011.jpg (60172 Byte)Bernd Serger/Karin-Anne Böttcher: Es gab Juden in Reutlingen. Geschichte - Erinnerungen - Schicksale. Ein historisches Lesebuch. Hg. vom Stadtarchiv beim Kulturamt Reutlingen. Reutlingen 2005  ISBN 3-033820-67-7. 591 S. zahlr. Abb. 

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Reutlingen Wuerttemberg. A Jewish settlement existed in the 13th century. The Jews were attacked in the Black Death persecutions of 1348-49 and expelled in 1495. The settlement was renewed in the 19th century and umbered 60 in 1890 (total 18,542). It was attached to the Tuebingen community in the ealry 20th century. Of the 54 Jews in the city in 1933, at least 31 left. Of the 12 who were expelled, two survived.   
    

 

                   
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Stand: 13. November 2011