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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Reilingen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung im Oktober
1937. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals
wird 1743 ein Jud Meyer am Ort genannt. Die jüdischen Familien
wohnten zunächst vor allem in der "Judengasse" (heute: Wörschgasse).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1815 74 jüdische Einwohner in 14
Familien, 1825 94 jüdische Einwohner (9,4 % von insgesamt 996 Einwohnern);
Höchstzahl um 1864/71 mit 112 Personen. Danach ging die Zahl durch Aus-
und Abwanderung schnell zurück: 1900 lebten noch 42 (1,8 % von insgesamt 2.349),
1910 28 (1,0 % von 2.679) jüdische Personen in Reilingen.
Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend vom
Viehhandel, aber auch vom Textil-, Stroh- und
Fruchthandel. 1815 werden genannt (anlässlich der Annahme fester
Familiennamen): Salomon Broda (führt Tücher, Kattunwaren), Nathan Wolf (Viehhändler),
Calmann Kahn (geringer Viehhandel), Abraham Kahn (Metzger), Jacob Straßburger,
Jakob Levi, Mayer Marx (Viehhändler), Elias Oppenheimer (Viehhändler), Elias
Oppenheimer (Viehhändler), Moses Bär (Stroh- und Fruchthändler), Raphael
Mayer (Viehhändler), Wolf Mayer (Viehhändler), Samuel Reilinger, Liebmann
Oppenheimer (Viehhändler), Hayum Marx.
Im Krieg 1870/71 nahmen aus der jüdischen Gemeinde auch Bernhard Broda
und Liebmann Wolff teil. Ihre Namen finden sich auf einer Gedenktafel für die
Kriegsteilnehmer 1870/71 am Rathaus.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) sowie
eine Religionsschule und ein rituelles Bad (beide Einrichtungen im Gebäude der
Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof
in Wiesloch beigesetzt. Der Plan, neben dem allgemeinen Friedhof Reilingens
1895 auch einen jüdischen Friedhof einzurichten, wurde nicht
verwirklicht. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern waren
u.a. tätig: Bär Lazarus (1816-1826), Aron Bässel (um 1840, bei der
Synagogeneinweihung genannt), Bär Bessel (gest. 1853), Abraham Willstätter aus
Walldorf (ab 1853), Mayer Abraham Levi (um 1868), Weil (1869), Straßburger
(1871), Abraham (auch Aron) Heimberger (1873-1908, danach weiterhin im Ruhestand in
Reilingen tätig). An jüdischen Vereinen bestand um 1925 noch der Synagogenverein
(unter Leitung von Josef Broda). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Heidelberg.
1925 wurden 21 jüdische Einwohner gezählt (0,7 % von 3.009 Einwohnern).
Damals waren die Vorsteher der Gemeinde Josef Broda und Max Kahn. Als Lehrer war
weiterhin der seit 1908 im Ruhestand lebende Aron Heimberger am Ort. Er war
weiterhin auch als Schochet tätig. Es gab damals nur noch ein schulpflichtiges
jüdisches Kind in der Gemeinde, das Religionsunterricht erhielt. 1932
wird als Gemeindevorsteher weiterhin Josef Broda genannt. Als Lehrer und
Schochet kam in die Gemeinde Lehrer Heinrich Bloch aus Schwetzingen.
Er unterrichtete in Reilingen im Schuljahr 1931/31 zwei jüdische Kinder.
Bis zur NS-Zeit gehörte jüdischen Einwohnern noch ein
kleiner Textilhandel, eine Handlung mit Vieh und Hopfen sowie eine
Zigarrenfabrik. Auch ein jüdischer Arzt hatte 1933 vorübergehend seine Praxis
am Ort. Die Eigentümer dieser Handels- und Gewerbebetriebe waren
(mit Anschrift): Zigarrenfabrik Gebr. Bär (Hauptstraße 68 und 74), Textilhandlung Hedwig Broda
(Hauptstraße 101), Vieh- und Hopfenhandlung Nathan Falk (Hauptstraße 54), Textilhandlung Geschwister Else und Betty Kahn
(Hauptstraße 182) sowie die Arztpraxis Dr. Herbert Kohn (Hauptstraße 159).
1933 lebten noch 11 jüdische Personen am Ort (0,4 % von insgesamt 3.114
Einwohnern). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sowie
der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen die meisten von ihnen in den
folgenden Jahren Reilingen, verzogen in andere Orte oder konnten emigrieren.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Wohnungen überfallen und verwüstet,
u.a. drangen halbwüchsige Schulkinder unter Führung ihres Lehrers in die
Wohnung der Geschwister Kahn ein und demolierten sie völlig. Die alten Damen
mussten durch ein Fenster in den Garten springen 1939 wurden noch drei jüdische Einwohner gezählt. Der letzte jüdische Einwohner - Max Kahn,
kaufmännischer Angestellter in einer Zigarrenfabrik, bis 1933 Schriftführer
beim Turnerbund in Reilingen - wurde am 22. Oktober 1940 von Reilingen aus in
das KZ Gurs nach Südfrankreich deportiert.
Von den in Reilingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Baer (1860),
Fanny Beißinger geb. Kahn (1873), Hedwig Broda (1873), Minna Fränkl geb.
Reilinger (1881), Johanna Imber geb. Kahn (1889), Benny Kahn (1886), Betty Kahn
(1880), Elise Kahn (1878), Max Kahn (1883), Irmtraud Kohn (), Max Moses
Oppenheimer (1883), Nathan Oppenheimer (1875), Tekla Sander geb. Reilinger
(1882), Adelheid Westheimer (1858), Nanette Wolf geb. Mayer (1853).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet bzw.
eines Hilfsvorbeters (1907)
Anmerkung: bislang wurde nur die Anzeige zur Suche eines
Hilfsvorbeters für die hohen Feiertage gefunden.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1907:
"Hilfsvorbeter
für die hohen Feiertage
gesucht.
Meldungen an S. Broda II.
Reilingen bei Mannheim." |
Zum 25-jährigen Dienstjubiläum des Lehrers A. Heimberger
(1881; Lehrer in Reilingen seit 1874)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1881:
"Wiesloch. Es dürfte den verehrlichen Lesern des 'Israelit' nicht
uninteressant sein von einer Feierlichkeit zu lesen, die in unserem
Nachbarorte Reilingen zu Ehren des Herrn Lehrers A. Heimberger, der
am verflossenen Schabbat Nachamu sein 25jähriges Dienstjubiläum
feierte, veranstaltet wurde. Den Glanzpunkt der Feierlichkeit bildete die
Rede des Herrn Jubilars während des Gottesdienstes, der in schönen
Zügen mit ergreifenden Worten sein 25jährige Wirksamkeit als
Religionslehrer vorführte, auf die Worte: 'Bis hierher hat uns Gott
beigestanden' (1. Samuel 7,12) sich stützend, warf er einen
Rückblick auf seine verflossene Amtstätigkeit. Wenn er sein Verhältnis
zu der Gemeinde während seiner hiesigen Wirksamkeit betrachte, müsse er
sagen, dass es Gott zu danken sei, wenn sich Gemeinde und Lehrer in einem
guten Einvernehmen befänden, auch das Judentum brauche nicht zu verzagen,
wenn, wie in der neuesten Zeit gefahrdrohende Wolken am Himmel sich
aufzutürmen scheinen. 'Bis hierher hat Gott geholfen, Gott wird auch
weiter helfen, wenn Euch Tora und Gebote heilig sind.' Tut Eure
Pflicht und Schuldigkeit, so werde ich auch das ausführen, was ich Euch
besprochen habe. (Entsprechend dem letzteren Gedanken ein Zitat von Raschi).
- Den weiteren Ausführungen des geehrten Redners zu folgen, würde zu
weit führen. Ich will nur noch anführen, dass sich eine recht
gemütliche Festesstimmung bei der im Hause des Jubilars stattfindenden dritten
Mahlzeit bei sämtlichen Teilnehmern zeigte und dass es an Toasten und
sinnreichen Trinksprüchen nicht fehlte. Als Beweis für die Liebe und
Anhänglichkeit zu ihrem Lehrer überreichte der Synagogenrat Namens der
Gemeinde und der Schuljugend dem Jubilar einen prachtvollen, silbernen
Pokal und noch verschiedene sehr nennenswerte Geschenke. Möge es dem
Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre zum Heile seiner Gemeinde in dem
schönen Berufe eines Religionslehrers wirken zu können; möge der
Allgütige ihn bewahren vor jedem Ungemach in Frieden und Freuden, noch
lange bei seinen Angehörigen verbleiben zu können, damit wir nach
weiteren 25 Jahren von einem ähnlichen Feste berichten können. A." |
Festrede von Lehrer Abraham Heimberger zur Fahnenweihe des Militärvereines
(1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1891: "Reilingen
(Baden). Zu der am 10. Mai stattgehabten Fahnenweihe des hiesigen
Militärvereins war der israelitische Lehrer, Herr A. Heimberger,
vom Vorstande eingeladen worden, die Festrede zu halten. Seine ungefähr
eine halbe Stunde dauernde Rede wurde von der wohl 3.000 Köpfe zählenden
Menge begeistert aufgenommen. Diese Vorgang ist ein sichtlicher Beweis,
dass dahier die verschiedenen Konfessionen in Frieden und Eintracht
zusammenleben." |
Auszeichnung für Lehrer Abraham Heimberger (1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1898:
"Nachdem aus dem Vermächtnis der Michel Weil Eheleute in Straßburg
zur Verleihung von Preisen auf 2. August dieses Jahres die Summe von 640
Mark der Behörde zur Verfügung gestellt worden ist, hat dieselbe dem
Hauptlehrer Elias Jakob in Bühl einen Preis von 200 Mark und den
Religionsschullehrern Nathan Wolf in Sennfeld, Abraham Heimberger in
Reilingen, Jesaias Schwarzwälder in Schluchtern
und Moses Lippmann in Karlsruhe je einen Preis im Betrage von 100 Mark in
Anerkennung ihrer langjährigen, verdienstlichen Leistungen auf dem Gebiet
des israelitischen Religionsunterrichts zuerkannt. Der Restbetrag von 40
Mark wurde zum Ankauf geeigneter Bücher, welche als Aufmunterungspreise
an jüngere strebsame Lehrer verteilt werden sollen,
bestimmt." |
Zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Abraham Heimberger (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1904:
"Hockenheim, 22. Juni (1904). Gestern beging Herr Lehrer A.
Heimberger in Reilingen sein 70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer
30jährigen Wirksamkeit an diesem Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von
50 Jahren. Eine kleine, aber erhebende Vorfeier wurde am 19. dieses Jahres
von den israelitischen Religionslehrern des Rabbinatsbezirkes Heidelberg
und Reilingen abgehalten. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab dem
Gefeierten einen Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben, worin die
Verdienste erwähnt waren, die sich der Jubilar als tüchtiger Schulmann
und als Gründer und Präsident des Pensionsfonds für israelitische
Lehrer und Kantoren in Baden erworben hatte. Herr Rabbiner Dr. Pinkuß -
Heidelberg übersandte ein herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben, die
besten Wünsche für einen glücklichen Lebensabend noch anfügend. Die
israelitische Gemeinde Reilingen nahm durch ihre Vertreter freudige
Veranlassung, ihren schon oft durch erkenntliche Aufmerksamkeiten
bedachten Beamten mit einem schönen Silbergeschenk zu erfreuen. Tief
bewegt dankte der Jubilar für die Ehrung,; es freue sich, dass seine
berufliche Tätigkeit und das Wirken für den Lehrerstand anerkannt wird.
Bei dem darauf folgenden gemütlichen Zusammensein, wobei die Familie
Heimberger eine gute Bewirtung erfolgen ließ, wurden noch herzliche Worte
gewechselt von dem Vorstande der dortigen Gemeinde und den Lehrern zum
Wohle der Familie. Mit den besten Eindrücken verlief das Fest für den
Geehrten der Ehrenden.
Am Geburtstage selbst wurden Herrn Heimberger
zahlreiche Beweise der Liebe und Freundschaft gebracht. Im Auftrage des
Großherzoglichen Oberrats der Israeliten überbrachte Herr Rabbiner Dr.
Pinkuß persönlich ein Gratulationsschreiben und ein Geldgeschenk von
hundert Mark." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Jacob Baer sucht eine Stelle für ein Mädchen aus der
Gemeinde (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1887: "Für
ein israelitisches Mädchen aus achtbarer Familie, welches seine
Lehrzeit in einem Glas, Porzellan-, Kurz-, Galanterie- und
Spielwarengeschäft beendet, wird in einem ähnlichen Geschäft, am
liebsten in Süddeutschland, eine Stelle als Verkäuferin gesucht.
Gefällige Anfragen wolle man an Jacob Baer in Reilingen (Baden)
richten." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Anfang des 19. Jahrhunderts wird
erstmals ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge genannt. Um 1812
brannte es in der Synagoge, wobei mindestens eine Torarolle verbrannt ist. Der
damalige Lehrer und Vorsänger war Lazarus Bär. Bis 1841 war der Betsaal im
Haus des Jakob Levi in der Wörschgasse (frühere Judengasse; erstes Haus auf
der linken Straßenseite) untergebracht. Um 1830 war dieser Betsaal zu eng und
das Gebäude baufällig. Es wurde einige Zeit später (nach 1840) abgebrochen (hier ist
heute ein Parkplatz).
Zur Finanzierung eines neuen Bethauses wurde 1831
ein Synagogenbauverein gegründet. Die Mitglieder verpflichteten sich zu
regelmäßigen Zahlungen, die einem Fonds zugeflossen sind. 1839 war so viel
Geld zusammengekommen, dass man an den Bau der Synagoge gehen konnte. 1839/40
wurde sie nach Plänen des Mannheimer Bezirksbaumeisters Friedrich Dyckerhoff (Schüler
von Friedrich Weinbrenner) in der Hockenheimer Straße 18 erbaut. Die
Bauarbeiten mussten mehrmals ausgeschrieben werden, um möglichst günstige
Angebote der Handwerker zu bekommen. Ein jüdischer Maurer namens Raphael Mayer
übernahm die Maurerarbeiten einschließlich des rituellen Bades und der "gepflasterten
Kandel" für 2.400 Gulden. Die Synagoge wurde laut Plan des
Bezirksbaumeisters gebaut. Lediglich statt der breiten Speicherfenster sollte im
vorderen Giebel ein dreifach gekoppeltes Fenster oder ein Rundbogenfenster
angebracht werden. Offensichtlich einigte man sich auf das Dreifach-Fenster, das
noch heute im Giebel erhalten ist. Auch die jüdische Schule war in dem Gebäude
untergebracht.
Die Einweihung der Synagoge war am 13.
November 1840 (17. Cheschwan 5601) durch Bezirksrabbiner Salomon Fürst aus
Heidelberg. Aus dem nebenstehenden Artikel geht hervor, dass anlässlich der
Einweihung eine (aus diesem Anlass übliche) Prozession (mit den Torarollen) vom
bisherigen Betsaal in die neue Synagoge stattgefunden hat. Offenbar gab es
damals auch einen Synagogenchor unter Leitung des Schullehrers Aron Bessels.
Artikel
in der Zeitschrift "Israelitische Annalen": 19. Februar 1841: Literatur.
Vorträge bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Reilingen, gehalten am
13. November 1840. Von S. Fürst, Großherzoglich Badischer
Bezirksrabbiner zu Heidelberg. (Das. bei Groos.)
Mit einem herzlichen Vorworte, worin der schön Eifer des dortigen
Schullehrers Aron Bessels in Förderung des Choralgesanges gerühmt wird,
werden diese Vorträge eingeführt, deren einer das Verlassen des alten
Gebäudes, der andere die Einweihung des neuen feiert. Wir bedauern, dass
wir diese Rede erst so spät lesen konnten, und machen alle unsere jungen
Theologen auf diese salbungsreichen, kräftigen Predigten aufmerksam, die
ebenso populär als gefühlvoll ausgedrückt, jeden Kenner ansprechen
müssen, auch einen erfreulichen Beweis von dem Streben des Verfassers
darbieten." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1841:
"Vorträge bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Reilingen,
von S. Fürst, Großherzoglich Badischer Bezirksrabbiner zu
Heidelberg. Preis geh. 3 1/2 Ngr. = 3 gGr. = 15 Kr. Folgendes Urteil
eines kompetenten Richters findet sich über diese Vorträge in den
Israelitischen Annalegen dieses Jahres No. 8 von Herrn Dr. J. M. Jost in
Frankfurt am Main.: es wird obiger Artikel zitiert." |
Nach ihrer Fertigstellung erfüllte die Synagoge ihren
Zweck zur Zufriedenheit der Gemeinde. Einige Jahre nach der Fertigstellung
musste noch ein Ofen für das rituelle Bad angeschafft werden. 1873 wurden vor
der Synagoge zwei junge Linden zur Erinnerung an den siegreichen
Frankreichfeldzug 1870/71 gepflanzt. Auch ein jüdischer Soldat aus Reilingen -
Wolf Liebmann - war als Soldat dabei gewesen.
Bereits um 1910 hatte die kleiner gewordene
Gemeinde Schwierigkeiten, die für den Gottesdienst nötigen 10 Männer zu
sammeln. 1929 wurde das Gebäude verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut
(zeitweise mit einem Friseurgeschäft und bis 1960 einem Volksbad). Die Kultgegenstände
wurden dem Israelitischen Oberrat in Karlsruhe übergeben.
Bis heute erinnern die neuromanischen Formelemente an der
Fassade des Gebäudes an die frühere Geschichte des Hauses. Seit 1984
befindet sich zudem eine Hinweistafel am Gebäude. Ein Tora-Vorhang aus der
Synagoge, der 1936 von Rechtsanwalt R. Weill aus Karlsruhe nach Israel gebracht
wurde, wird in der Synagoge von Kfar Schemarjahu (nördlich von Tel Aviv) in
einer Vitrine aufbewahrt. Dieser Tora-Vorhang war 1880 von einer oder mehreren
Frauen aus Reilingen gestickt und vor dem Tora-Schrein aufgehängt worden.
Nachdem er seit 1936 zum Schmuck des Toraschreines in der Synagoge von Kfar
Schemarjahu verwendet wurde, kam er aus Altersgründen zunächst in das Israel
Museum in Jerusalem, von dort wieder zurück in eine Vitrine der Synagoge Kfar
Schemarjahu.
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: Stadt Reilingen; Foto von 1925 Quelle: hier
anklicken):
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Postkarte von 1904 - Ausschnitts-
vergrößerung mit Synagoge links |
Die Synagoge -
Fotografie um 1925 |
Aufnahme der zu einem Wohnhaus
umgebauten Synagoge, ca. 1938 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) |
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In der Hockenheimer Strasse überragt
die Synagoge bis
heute
die Nachbarhäuser |
Ansicht von Westen mit den noch
erhaltenen neuromanischen
Formelementen |
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Toravorhang aus Reilingen, 1880 von
Reilinger Frauen
gestickt, jetzt in Kfar
Schemarjahu/Israel |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn) |
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Straßenseite der
ehemaligen Synagoge |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2012:
Presseartikel über die Geschichte des
Synagogengebäudes |
Artikel von Gisela Jahn in der
"Schwetzinger Zeitung" vom März 2012: "Serie 'Alte
Häuser und ihre Geschichten' (4): Hockenheimer Straße 18 beherbergte von
1836 bis 1927 die Synagoge. Zeugnis jüdischer Geschichte.
Reilingen. Es ist noch immer ein schmuckes Gebäude, die ehemalige
jüdische Synagoge in Reilingen in der Hockenheimer Straße 18. Von
Autofahrern wird es kaum bemerkt, weil dort ein hohes Verkehrsaufkommen
den Blick hinauf zu dem dreifach gekoppelten Fenster und den
neuromanischen Formelementen an der Fassade des Gebäudes kaum zulässt.
Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 246-247. |
 | Bildband 700 Jahre Reilingen. 1984. |
 | Philipp Bickle: Aus der Geschichte der Reilinger Juden, in: Ortschronik
Reilingen. 1986. S. 361-368. |
 | Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Mannheim, in: Die
Kunstdenkmäler Badens X,3. 1967. S. 310. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 495-496. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Reilingen Baden. The first Jews settled
in the 18th century, erecting a synagogue in 1840. The community reached a peak
population of 112 in 1871, dropping to 42 in 1900 (total 2,349) after the exodus
of the young. In 1933, the Jewish population was 11, with Jews owning two
textile stores and a cigarette factory. Four perished in the camps after 1940; a
few managed to reach the U.S.

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