|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Hockenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in das
16./ Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. 1510 hatte Pfalzgraf Ludwig V. dem
Juden Samuel Abraham erlaubt, gegen einen Jahreszins von 6 Gulden in Hockenheim
zu wohnen. 1548 waren zwei jüdische Familien am Ort (Familien des Samuel
Abraham und seines Sohnes Moses).
1722 und 1743 werden zwei jüdische Familien genannt, die mit Vieh,
Pferden, Heu und Getreide handelten.
Erst im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen
Einwohner zu: 1809 fünf jüdische Familien (Lazarus, Marx Lußheimer,
Joseph Marx Salomon, Samuel und Hirsch Halle, alle waren arme Hausierhändler), 1825 46
jüdische Personen (2,7 % von insgesamt 1.724 Einwohnern), 1849 90 (2,9 % von
3.102), 1858 133 (4,1 % von 3.217), 1864 165, 1871 137, 1875 130 (3,1 % von
4.176), 1880 127 (2,9 % von 4,390), 1900 112 (1,9 % von 5.795), 1910 74 (1,0 %
von 7.094). Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen die jüdischen Familien
insbesondere durch den Handel mit Hopfen und Tabak sowie durch die Errichtung
von Zigarrenfabriken zu einigem Wohlstand. Andere eröffneten Läden und
Handelungen am Ort.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad (zunächst im ehemaligen Haus Goth
Ottostraße 7 - gegenüber der Synagoge, nach 1877 Badehäuschen im
Synagogenhof, 1938 mit Synagoge zerstört) und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum
Rabbinatsbezirk Heidelberg.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der Gemeinde Albert Türkheimer (geb.
19.12.1896 in Hockenheim, gef. 4.11.1918). Außerdem ist gefallen: Vizefeldwebel
Ernst Lussheimer (geb. 4.2.1893 in Hockenheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft,
gef. 5.10.1917).
Um 1933 gehörten jüdischen Familien noch mehrere
Textilgeschäfte, Viehhandlungen, ein Kaufhaus und Zigarrenfabriken. Im
Einzelnen waren dies insbesondere: Viehhandlung Sally Adelsberger (Schwetzinger
Straße 1), Zigarrenfabrik Halle & Bensinger (Parkstraße 1a, abgebrochen), Zigarrenfabrik J. Hockenheimer & Söhne
(Bahnhofstraße 2), Textilgeschäft Hermann Maier (Untere Hauptstraße 8), Textilgeschäft Seligmann Türkheimer (Untere
Hauptstraße 10), Kaufhaus Reichert, Inh. Leopold Wertheimer (Obere Hauptstraße
/ Ecke Rathausstraße; Geschäftsaufgabe 1937).
1933 wurden 54 Personen in Hockenheim gezählt (0,5 % von insgesamt 9.662
Einwohnern). In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien
vom Ort verzogen (u.a. Mannheim, Frankfurt, Köln) oder ausgewandert (in die USA
u.a. Familie Isaak Loeb). Am 1. Januar 1938 wurden noch 35 jüdische Einwohner
gezählt, am 1. Januar 1939 27, unmittelbar vor der Deportation nach Gurs im
Oktober 1940 noch sieben. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen
Läden überfallen und geplündert, die Synagoge zerstört (s.u.). Von der
Deportation nach Gurs wurden die Familie Hermann Mayer (Eltern und zwei Kinder)
sowie das Ehepaar Jakob und Regina Baumgarten erfasst. In Hockenheim konnte nur
der in sogenannter Mischehe verheiratete (seit 1940 getaufte) Moritz Adelsberger
bleiben (Untere Hauptstraße 3). Er wurde jedoch gegen Ende des Krieges noch
nach Theresienstadt verbracht (hat überlebt; 1945 nach Hockenheim
zurückgekehrt).
Von den in Hockenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Charlotte Adelsberger geb.
Neu (1872), Frieda Adelsberger (1898), Jakob Adelsberger (1871), Wilhelm
Adelsberger (1903), Johanna Bär geb. Wallerstein (1886), Ingeborg Charlotte
Baumgarten (1920), Ludwig Baumgarten (1890), Regina Baumgarten geb. Durlacher
(1882), Berta Bodenheimer geb. Hockenheimer (1875), Rosa Ellinger geb.
Hockenheimer (1881), Jenny Fromm geb. Hockenheimer (1888), Jeanette Halle
(1868), Flora Hockenhemer (1881), Hermine Hockenheimer (1883), Robert
Hockenheimer (1875), Selma Hockenheimer (1888), Gerda Kaufmann geb.
Fleischhacker (1913), Theodor Krämer (1879), Lazarus Ludwig Lussheimer (1860),
Hermann Maier (1885), Sara Mayer geb. Lussheimer (1856), Elise Nossbaum geb.
Halle (1882), Sofie Weil geb. Lussheimer (1865), Leopold Wertheimer
(1870).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
| Es wurden noch keine Anzeigen zur
Ausschreibung der Stelle gefunden. |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Goldene Hochzeit von Marx
Krauer und seiner Frau (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Hockenheim,
11. Juni (1901). Das Marx Krauer'sche Ehepaar hier, beging heute in
guter Gesundheit und geistiger Frische das seltene Fest des goldenen
Hochzeitsjubiläums. Obgleich die Feier nur im strengsten Familienkreise
gehalten ward, vereinigten sich doch mit den 5 Kindern, 15 Enkeln und 5
Urenkeln, eine große Schar Freunde aus allen Gesellschaftsschichten, um
dem würdigen Ehepaar die besten Wünsche und sinnigsten Ovationen
darzubringen." |
Alexander Alexander tritt nach 38 Jahren vom Amt des
Bezirksältesten zurück und wird ausgezeichnet; Hermann Halle wird Nachfolger
(1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 18. Dezember 1902: "Hockenheim, 15. Dezember (1902).
Der durch die Folgen des Alters nötig gewordene Rücktritt des Herrn Alexander
Alexander von hier, von den Würden eines Bezirksältesten, dessen
Geschäfte er seit 38 Jahren mit Erfolg geführt hatte, gab unserem
vielgeliebten Großherzoge Veranlassung, den Zurücktretenden mit dem
Verdienstkreuze des hohen Ordens vom Zähringer Löwen zu dekorieren.
Unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. Pinkuß, übergab gestern
persönlich in der Behausung des Ausgezeichneten die Ordensinsignien nebst
Stiftungsurkunde und feierte die Verdienste des allgemein Verehrten in der
würdigsten Weise. Während der Wirkungszeit von drei Rabbinen auf dem
Heidelberger Rabbinate habe er sich durch Sachkenntnis,
Schaffensfreudigkeit und liebevolles Entgegenkommen die Anerkennung des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten, der Kollegen in der
Bezirkssynagoge und sämtlicher Israeliten von Nah und Fern
erworben.
Der Dekorierte, umgeben von seiner Familie, einem Mitglied des
Synagogenrats und dem israelitischen Lehrer, dankte, sichtlich gerührt,
für die hohe Auszeichnung und für die in schöne Worte gekleidete
Anerkennung seiner Leistungen und empfing eine große Schar Gratulanten.
Er hatte auch die Ehre, den gestern zur Ortsbereisung hier gewesenen
Oberamtmann empfangen zu können, der seine Freude zum Ausdruck brachte,
dass ein so würdiger Mann, wie er allgemein höre, die verdiente Ehrung
von Höchster Stelle erhalten hatte.
Durch Erlass Großherzoglichen Oberrats der Israeliten wurde der Vorstand
der hiesigen Gemeinde und Mitglied der israelitischen Landesssynode, Herr Fabrikant
Hermann Halle, zum Bezirksältesten ernannt." |
Zum 70. Geburtstag von Hermann Halle (1910)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September
1910: "Hockenheim (Baden). In der hiesigen Zeitung lesen wir:
'Unser Mitbürger, Herr Hermann Halle, feiert heute in stiller, durch
Krankheit bedingte Zurückgezogenheit seinen 70. Geburtstag. Der
Großherzogliche Oberrat der Israeliten drückte in einem besonderen
Schreiben die herzlichsten Glückwünsche aus und nahm gerne Veranlassung,
die vielen Verdienste des Jubilars als Synagogenratsvorsteher der hiesigen
Gemeinde, als Bezirksältester für den Bezirk Heidelberg und als
Synodalmitglied rühmend hervorzuheben, dem Gefeierten vollständige
Genesung und einen schönen Lebensabend wünschend. In gleichem herzlichen
Tone war auch das Glückwunschschreiben des Bezirksrabbiners Dr. Pinkuß
aus Heidelberg gestimmt. Der Bezirksälteste, Herr Ernst Carlebach -
Heidelberg, gratulierte im Namen des Synagogenrats Heidelberg und in
seinem eigenen Namen. Die Feier hätte gewiss einen außergewöhnlichen
ehrenden Ausdruck gefunden, wenn die Familie nicht jede aufregende Feier
verbeten hätte. Mit Rücksicht auf die erforderliche Schonung des
Kranken, kommen hiermit die Glückwünsche der gesamten israelitischen
Gemeinde und gewiss auch der gesamten Bürgerschaft Hockenheims, in derem
Ehrenrate Herr Halle eine bevorzugte Stellung eingenommen hat, auf diesem
Wege zum Ausdruck. Alle in dem Wunsche einer baldigen vollständigen
Genesung!" |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September
1910: "Herr Hermann Halle in Hockenheim sprach dieser Tage zu
seinem 70. Geburtstage der Großherzogliche Oberrat der Israeliten in
einem besonderen Schreiben seine Glückwünsche aus und gedachte der
Verdienste des Jubilars als Synagogenratsvorsteher der hiesigen Gemeinde,
als Bezirksältester für den Bezirk Heidelberg und als
Synodalmitglied." |
Zum Tod von Friederike Halle geb. Wallerstein (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. März
1912: "Hockenheim (Baden). Frau Friederike Halle geb.
Wallerstein, die Gattin unseres Bezirksältesten, wurde unter großer
Beteiligung aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung zur letzten
Ruhestätte geleitet. Bezirksrabbiner Dr. Pinkus - Heidelberg würdigte am
Grabe diese prächtige Frau in meisterhaften
Worten." |
Zum Tod von Hermann Halle (1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Januar 1913:
"In Hockenheim (Baden) verschied im 73. Lebensjahre Herr Hermann
Halle, Bezirksältester und Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Inhaber
des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwen. Der Verstorbene erfreute sich
in allen Kreisen der Bevölkerung höher
Wertschätzung." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Louis
Wallerstein (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1890: "Lehrlings-Gesuch.
Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche per sofort unter günstigen
Bedingungen einen jungen Mann in die Lehre. Kost und Wohnung im Hause.
Sabbat und Festtage geschlossen. Selbstgeschriebene Offerten an
Louis Wallerstein, Hockenheim,
Baden." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Lehrlings-Gesuch.
Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche ich zum sofortigen Eintritt
einen Lehrling
mit guter Schulbildung unter günstigen Bedingungen. Kost und Wohnung frei
im Hause.
Selbstgeschriebene Offerten an
Louis Wallerstein, Hockenheim,
Baden." |
Lehrlingssuche des Manufakturwaren-Geschäftes S.
Türkheimer (1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908:
"Suche auf Ostern für mein
Manufakturwaren-Geschäft einen
Lehrling.
S. Türkheimer Hockenheim (Baden)." |
Weitere Anzeigen
(zur Verfügung gestellt von Frank-Uwe Betz,
Schwetzingen)
| |
 |
|
|
Werbeanzeigen der
Viehhandlung Sally Adelsberger in Hockenheim aus der "Schwetzinger
Zeitung" vom 2. Juni 1926 (links)
und vom 10. März 1932 (rechts) |
Sonstiges
Verurteilung des Antisemiten Roth aus Hockenheim (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1893: "Mannheim,
17. Januar (1893). Der Antisemit Roth aus Hockenheim wurde heute
vom Schwurgericht wegen Meineid nach siebenstündiger Verhandlung zu 2
Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Mitangeklagten Kraus und Schränkler
wurden freigesprochen." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Am Anfang des 19. Jahrhunderts
wird bereits ein Betsaal vorhanden gewesen sein, da 1802 als Vorsänger
Hirsch Philippsohn genannt wird, der 1809 den Namen Hirsch Hall annahm. Möglicherweise
befand sich dieser Betsaal damals schon im Haus des Jacob und Löw Alexander,
die beide jedoch in einer Namensliste der Hockenheimer Juden von 1809 noch nicht
genannt werden. 1833 wird jedenfalls berichtet, dass in deren Haus "schon
lange Jahre hindurch" die Gebete verrichtet worden seien, der Platz aber
jetzt "nicht mehr hinreicht".
Um 1830 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge.
Erstmals bat sie im Juli 1832 die Behörden um eine Baugenehmigung. Am 20.
Dezember 1832 gab der Oberrat der Israeliten hierzu die Erlaubnis. Ein
geeignetes Grundstück konnte bald gefunden werden. Nach einem Kostenvoranschlag
musste die Gemeinde für die Synagoge etwa 1.845 Gulden aufbringen. Die Aufnahme
eines Kredites in Höhe von 600 Gulden wurde vom Oberrat unter der Bedingung
genehmigt, dass ein Tilgungsfonds eingerichtet werde. Im Januar 1833 erschienen
die Vertreter der israelitischen Gemeinde beim Bezirksamt Schwetzingen und baten
um baldige Bauerlaubnis und um die Zurückgabe der dem Bezirksamt schon einige
Zeit zuvor überreichten Baupläne. Die Synagoge ist im Laufe des Jahres 1833 in
der Ottostraße/Ecke Rathausstrasse erbaut worden. Kleinere Reparaturen wurden
in den folgenden Jahrzehnten immer wieder ausgeführt. So wurde 1872 ein neues
Eingangstor hergestellt.
1874 führte ein bezirksärztliches Gutachten der Synagoge
zu Überlegungen, die Synagoge umzubauen. Der Bezirksarzt kam zum Ergebnis, dass
der Betsaal für die damals regelmäßig erscheinenden 30 Männer ausreichend
sei. Anders verhalte es sich jedoch mit der Frauenempore, die nur ein Viertel
des Männerraumes ausmache. Der 2,10 m hohe, 10,80 m lange und etwa 2,70 m tiefe
Raum mit seinen 25 Plätzen für Frauen sei nicht ausreichend, zumal nach den
Informationen des Bezirksarztes 35 Frauen die Gottesdienste besuchen wollten.
Vor allem sei die Luft auf der Frauenempore sehr schlecht. Die israelitische
Gemeinde reagierte zunächst sehr zurückhaltend auf das Gutachten. Von einem
Umbau der Frauenempore wollte man nichts wissen und obwohl man einräumte, dass
der Raum "knapp eingeteilt" sei, hielt ihn dennoch für ausreichend.
In den folgenden drei Jahren ergab sich dann doch eine Mehrheit in der Gemeinde
für einen Umbau der Synagoge. Man hatte Pläne des Architekten G.A. Schilling
anfertigen lassen und ließ diese im Februar 1877 von den Behörden genehmigen.
Allerdings war der sich anschließende Umbau ein kostspieliges Unternehmen für
die Gemeinde. Nur über ein Darlehen von 6.000 Mark ließ sich der Umbau
finanzieren.
Die Gasbeleuchtung wird in der Synagoge eingeführt - Leuchter
abzugeben (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1902:
"Die israelitische Gemeinde Hockenheim (Baden) hat in Folge
Einrichtung mit Gasbeleuchtung in der Synagoge, einen prachtvollen Broncekronleuchter
nebst sechs doppelarmige Wandleuchter und zwei Kandelaber am
Betpult, sehr gut erhalten, billigst abzugeben.
Der Synagogenrat." |
In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge am 10. November
1938 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Platz wurde mit der Verwaltung
der Stadtwerke neu überbaut. Um 2000 wurde mit der Rathauserweiterung eine
weitere Neubebauung des Grundstückes vorgenommen.
Eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge wurde
1979
angebracht (auch am Neubau des Rathauses).
Fotos/Darstellungen
Historische Pläne vom Umbau 1877 des Architekten G.A. Schilling:
(Die Pläne - Originale im Generallandesarchiv Karlsruhe 362/810 - sind
veröffentlicht bei H. Huth s. Lit. S. 92f)
 |
 |
 |
Lageplan der Synagoge im Bereich
heutige Ottostraße/ Rathausstraße
(mit
Eintragung des Badhauses) |
Synagoge Hoffenheim:
Frontansicht von der
Straßenseite |
Hofansicht der
Synagoge |
| |
| |
|
|
| |
 |
 |
|
Schnitt durch die Synagoge
hinter Straßenfassade |
Längsschnitt entsprechend
der Hofansicht |
| |
|
|
|
Historische Fotos sind nicht bekannt,
eventuelle Hinweise bitte an den
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
|
Ecke Rathausstraße/ Ottostraße
mit der neuen Bebauung |
Gedenktafel für die
ehemalige Synagoge |
| |
|
|
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003) |
|
 |
 |
 |
Blick auf den neuen
Erweiterungsbau
des Rathauses von der Rathausstraße |
Der neue Erweiterungsbau des
Rathauses
auf dem ehemaligen Synagogengrundstück |
Die Gedenktafel ist
dieselbe
geblieben |
| |
|
|
| |
|
|
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
In Hockenheim sollten "Stolpersteine" verlegt werden |
Artikel von Hans Schuppel in der
"Schwetzinger Zeitung" vom 23. November 2011: "AK
'Jüdische Geschichte': Projekt 'Stolpersteine' umsetzen.
An Schicksal
Hockenheimer Juden erinnern. 24 in Hockenheim geborene Juden wurden
von den Nazis deportiert. 14 Opfer der Verfolgung unter der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933-1945) hatten damals ihren
Wohnsitz in Hockenheim. Ihnen soll mit sogenannten Stolpersteinen gedacht
werden..."
Link zum Artikel - auch eingestellt als
pdf-Datei. |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 133-134. |
 | Germania Judaica III,1 S. 564.
|
 | Ernst Brauch: Das Schicksal der Hockenheimer Juden.
In: Hockenheim. Stadt im Auf- und Umbruch. 1965 S. 185-194.
Hinweis: Die Veröffentlichung des Buches "Hockenheim - Stadt im Auf- und
Umbruch" erfolgte im Jahr 1933! 1965 waren bei einer Neuauflage zeitbedingte Veränderungen erforderlich:
"Als ich 1933 die Geschichte der Hockenheimer Juden zum ersten Mal veröffentlichte, ... (konnte ich nicht) wissen, welche Folgerungen vielleicht aus Abschnitten gezogen werden mochten, die wahrheitsgemäß auch das Negative im Wirtschaftsleben der Juden schilderten. Ob man sie als 'moralische Handhabe' für das ungesetzliche und unmenschliche Tun mitbenutzte, kann niemand sagen, aber bedrückend bleibt es
doch."
Im ersten Satz nach der Zwischenüberschrift „Die 'Endlösung' der Judenfrage“ heißt es:
"Bis zur 'Kristallnacht' am 8./9. November 1938 hat man den Juden nichts in den Weg
gelegt." Über "Arier", "reinrassige Juden" oder das
"Schicksal", nach Auschwitz "zu kommen": "Frieda und Wilhelm Adelsberger kamen im August 1942 nach Auschwitz. Moritz Adelsberger bewahrte seine Ehe mit einer Arierin vor dem gleichen
Schicksal." "Ludwig Baumgarten - kein reinrassiger Jude - begleitete seine Ehefrau geb. Durlacher und zwei Kinder nach Gurs. Ihr Schicksal ist
unbekannt."
Auf Grund der
NS-Vergangenheit von Ernst Brauch (1902-1974;
seinerzeit Gewerbelehrers, Heimatforscher und Leiter der
Schwetzinger Volkshochschule) wurde anlässlich seines
100. Geburtstages im Jahr 2002 eine kontroverse
Debatte geführt (vgl. Dokumente rechts). |
 |
 |
 |
|
 |
Walter A. Loeb: Lass dir die Fremde zur
Heimat – aber nie die Heimat zur Fremde werden, in: Dokumentation der
Stadt Hockenheim zum 1200jährigen Bestehen. 1969. S.70-71. |
 |
Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises
Mannheim, in: Die Kunstdenkmäler Badens X,3 (1967) S. 85.92-93. |
 | Margit Meyer-Düttingdorf/Felicitas Offenloch-Brandenburger: Jüdisches
Leben in Hockenheim - ein Teil unserer Stadtgeschichte. Hg. zum Tag des
offenen Denkmals am 13.9.1998 vom "Arbeitskreis Jüdische Geschichte
in Hockenheim".
Bezug über die Herausgeberinnen: Margit Meyer-Düttingdorf, Obere
Hauptstraße 24, 68766 Hockenheim, E-Mail;
Felicitas Offenloch-Brandenburger, Murgweg 6, 68766 Hockenheim. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 307-308. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hockenheim Baden. The
first Jews settled in 1510. The community began to grow in the 19th century. A
small synagogue was built in 1833 and a Jewish elementary school operated in
1820-43. The Jewish population reached a peak of 137 in 1871 (about 3 % of the
total). Antisemitism increased in the 1890s and in der post-worldwar I period.
In 1933, 52 Jews remained. Jewish cigarette factories, employing 800 workers,
continued to operate until 1938. By that time, ten Jews had emigrated and 13 had
left for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was burned down by the SA and Jewish men were detained in the Dachau
concentration camp. Another 19 left by the end of 1939. The last six Jews were
deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 while ten of those
who had fled to other German cities were also dispatched to the camps.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|