Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg  


Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis)   
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

          

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
      
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Hockenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in das 16./ Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. 1510 hatte Pfalzgraf Ludwig V. dem Juden Samuel Abraham erlaubt, gegen einen Jahreszins von 6 Gulden in Hockenheim zu wohnen. 1548 waren zwei jüdische Familien am Ort (Familien des Samuel Abraham und seines Sohnes Moses).  
  
1722 und 1743 werden zwei jüdische Familien genannt, die mit Vieh, Pferden, Heu und Getreide handelten. 
  
Erst im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu: 1809 fünf jüdische Familien (Lazarus, Marx Lußheimer, Joseph Marx Salomon, Samuel und Hirsch Halle, alle waren arme Hausierhändler), 1825 46 jüdische Personen (2,7 % von insgesamt 1.724 Einwohnern), 1849 90 (2,9 % von 3.102), 1858 133 (4,1 % von 3.217), 1864 165, 1871 137, 1875 130 (3,1 % von 4.176), 1880 127 (2,9 % von 4,390), 1900 112 (1,9 % von 5.795), 1910 74 (1,0 % von 7.094). Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen die jüdischen Familien insbesondere durch den Handel mit Hopfen und Tabak sowie durch die Errichtung von Zigarrenfabriken zu einigem Wohlstand. Andere eröffneten Läden und Handelungen am Ort.       
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (zunächst im ehemaligen Haus Goth Ottostraße 7 - gegenüber der Synagoge, nach 1877 Badehäuschen im Synagogenhof, 1938 mit Synagoge zerstört) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Heidelberg. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der Gemeinde Albert Türkheimer (geb. 19.12.1896 in Hockenheim, gef. 4.11.1918). Außerdem ist gefallen: Vizefeldwebel Ernst Lussheimer (geb. 4.2.1893 in Hockenheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 5.10.1917).     
  
Um 1933 gehörten jüdischen Familien noch mehrere Textilgeschäfte, Viehhandlungen, ein Kaufhaus und Zigarrenfabriken. Im Einzelnen waren dies insbesondere: Viehhandlung Sally Adelsberger (Schwetzinger Straße 1), Zigarrenfabrik Halle & Bensinger (Parkstraße 1a, abgebrochen), Zigarrenfabrik J. Hockenheimer & Söhne (Bahnhofstraße 2), Textilgeschäft Hermann Maier (Untere Hauptstraße 8), Textilgeschäft Seligmann Türkheimer (Untere Hauptstraße 10), Kaufhaus Reichert, Inh. Leopold Wertheimer (Obere Hauptstraße / Ecke Rathausstraße; Geschäftsaufgabe 1937).  
 
1933 wurden 54 Personen in Hockenheim gezählt (0,5 % von insgesamt 9.662 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien vom Ort verzogen (u.a. Mannheim, Frankfurt, Köln) oder ausgewandert (in die USA u.a. Familie Isaak Loeb). Am 1. Januar 1938 wurden noch 35 jüdische Einwohner gezählt, am 1. Januar 1939 27, unmittelbar vor der Deportation nach Gurs im Oktober 1940 noch sieben. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Läden überfallen und geplündert, die Synagoge zerstört (s.u.). Von der Deportation nach Gurs wurden die Familie Hermann Mayer (Eltern und zwei Kinder) sowie das Ehepaar Jakob und Regina Baumgarten erfasst. In Hockenheim konnte nur der in sogenannter Mischehe verheiratete (seit 1940 getaufte) Moritz Adelsberger bleiben (Untere Hauptstraße 3). Er wurde jedoch gegen Ende des Krieges noch nach Theresienstadt verbracht (hat überlebt; 1945 nach Hockenheim zurückgekehrt).    
  
Von den in Hockenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Charlotte Adelsberger geb. Neu (1872), Frieda Adelsberger (1898), Jakob Adelsberger (1871), Wilhelm Adelsberger (1903), Johanna Bär geb. Wallerstein (1886), Ingeborg Charlotte Baumgarten (1920), Ludwig Baumgarten (1890), Regina Baumgarten geb. Durlacher (1882), Berta Bodenheimer geb. Hockenheimer (1875), Rosa Ellinger geb. Hockenheimer (1881), Jenny Fromm geb. Hockenheimer (1888), Jeanette Halle (1868), Flora Hockenhemer (1881), Hermine Hockenheimer (1883), Robert Hockenheimer (1875), Selma Hockenheimer (1888), Gerda Kaufmann geb. Fleischhacker (1913), Theodor Krämer (1879), Lazarus Ludwig Lussheimer (1860), Hermann Maier (1885), Sara Mayer geb. Lussheimer (1856), Elise Nossbaum geb. Halle (1882), Sofie Weil geb. Lussheimer (1865), Leopold Wertheimer (1870).   
        
     
      

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet   

Es wurden noch keine Anzeigen zur Ausschreibung der Stelle gefunden. 

       
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Goldene Hochzeit von Marx Krauer und seiner Frau (1901)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Hockenheim, 11. Juni (1901). Das Marx Krauer'sche Ehepaar hier, beging heute in guter Gesundheit und geistiger Frische das seltene Fest des goldenen Hochzeitsjubiläums. Obgleich die Feier nur im strengsten Familienkreise gehalten ward, vereinigten sich doch mit den 5 Kindern, 15 Enkeln und 5 Urenkeln, eine große Schar Freunde aus allen Gesellschaftsschichten, um dem würdigen Ehepaar die besten Wünsche und sinnigsten Ovationen darzubringen."  

  
Alexander Alexander tritt nach 38 Jahren vom Amt des Bezirksältesten zurück und wird ausgezeichnet; Hermann Halle wird Nachfolger (1902)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1902: "Hockenheim, 15. Dezember (1902). Der durch die Folgen des Alters nötig gewordene Rücktritt des Herrn Alexander Alexander von hier, von den Würden eines Bezirksältesten, dessen Geschäfte er seit 38 Jahren mit Erfolg geführt hatte, gab unserem vielgeliebten Großherzoge Veranlassung, den Zurücktretenden mit dem Verdienstkreuze des hohen Ordens vom Zähringer Löwen zu dekorieren. Unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. Pinkuß, übergab gestern persönlich in der Behausung des Ausgezeichneten die Ordensinsignien nebst Stiftungsurkunde und feierte die Verdienste des allgemein Verehrten in der würdigsten Weise. Während der Wirkungszeit von drei Rabbinen auf dem Heidelberger Rabbinate habe er sich durch Sachkenntnis, Schaffensfreudigkeit und liebevolles Entgegenkommen die Anerkennung des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten, der Kollegen in der Bezirkssynagoge und sämtlicher Israeliten von Nah und Fern erworben.  
Der Dekorierte, umgeben von seiner Familie, einem Mitglied des Synagogenrats und dem israelitischen Lehrer, dankte, sichtlich gerührt, für die hohe Auszeichnung und für die in schöne Worte gekleidete Anerkennung seiner Leistungen und empfing eine große Schar Gratulanten. Er hatte auch die Ehre, den gestern zur Ortsbereisung hier gewesenen Oberamtmann empfangen zu können, der seine Freude zum Ausdruck brachte, dass ein so würdiger Mann, wie er allgemein höre, die verdiente Ehrung von Höchster Stelle erhalten hatte. 
Durch Erlass Großherzoglichen Oberrats der Israeliten wurde der Vorstand der hiesigen Gemeinde und Mitglied der israelitischen Landesssynode, Herr Fabrikant Hermann Halle, zum Bezirksältesten ernannt."      

 
Zum 70. Geburtstag von Hermann Halle (1910)  

Hockenheim FrfIsrFambl 09091910.jpg (156613 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1910: "Hockenheim (Baden). In der hiesigen Zeitung lesen wir: 'Unser Mitbürger, Herr Hermann Halle, feiert heute in stiller, durch Krankheit bedingte Zurückgezogenheit seinen 70. Geburtstag. Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten drückte in einem besonderen Schreiben die herzlichsten Glückwünsche aus und nahm gerne Veranlassung, die vielen Verdienste des Jubilars als Synagogenratsvorsteher der hiesigen Gemeinde, als Bezirksältester für den Bezirk Heidelberg und als Synodalmitglied rühmend hervorzuheben, dem Gefeierten vollständige Genesung und einen schönen Lebensabend wünschend. In gleichem herzlichen Tone war auch das Glückwunschschreiben des Bezirksrabbiners Dr. Pinkuß aus Heidelberg gestimmt. Der Bezirksälteste, Herr Ernst Carlebach - Heidelberg, gratulierte im Namen des Synagogenrats Heidelberg und in seinem eigenen Namen. Die Feier hätte gewiss einen außergewöhnlichen ehrenden Ausdruck gefunden, wenn die Familie nicht jede aufregende Feier verbeten hätte. Mit Rücksicht auf die erforderliche Schonung des Kranken, kommen hiermit die Glückwünsche der gesamten israelitischen Gemeinde und gewiss auch der gesamten Bürgerschaft Hockenheims, in derem Ehrenrate Herr Halle eine bevorzugte Stellung eingenommen hat, auf diesem Wege zum Ausdruck. Alle in dem Wunsche einer baldigen vollständigen Genesung!" 
  
Hockenheim AZJ 23091910.jpg (39004 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September 1910: "Herr Hermann Halle in Hockenheim sprach dieser Tage zu seinem 70. Geburtstage der Großherzogliche Oberrat der Israeliten in einem besonderen Schreiben seine Glückwünsche aus und gedachte der Verdienste des Jubilars als Synagogenratsvorsteher der hiesigen Gemeinde, als Bezirksältester für den Bezirk Heidelberg und als Synodalmitglied."  

 
Zum Tod von Friederike Halle geb. Wallerstein (1912)  

Hockenheim FrfIsrFambl 22031912.jpg (36937 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. März 1912: "Hockenheim (Baden). Frau Friederike Halle geb. Wallerstein, die Gattin unseres Bezirksältesten, wurde unter großer Beteiligung aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung zur letzten Ruhestätte geleitet. Bezirksrabbiner Dr. Pinkus - Heidelberg würdigte am Grabe diese prächtige Frau in meisterhaften Worten."   

  
Zum Tod von Hermann Halle (1913)  

Hockenheim AZJ 31011913.jpg (30160 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Januar 1913: "In Hockenheim (Baden) verschied im 73. Lebensjahre Herr Hermann Halle, Bezirksältester und Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Inhaber des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwen. Der Verstorbene erfreute sich in allen Kreisen der Bevölkerung höher Wertschätzung."   

     
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Louis Wallerstein (1890)     

Hockenheim Israelit 28041890.jpg (44254 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1890: "Lehrlings-Gesuch
Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche per sofort unter günstigen Bedingungen einen jungen Mann in die Lehre. Kost und Wohnung im Hause. Sabbat und Festtage geschlossen. Selbstgeschriebene Offerten an
Louis Wallerstein, Hockenheim, Baden."      
  
Hockenheim Israelit 03051900.jpg (47562 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Lehrlings-Gesuch. 
Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche ich zum sofortigen Eintritt einen Lehrling 
mit guter Schulbildung unter günstigen Bedingungen. Kost und Wohnung frei im Hause. 
Selbstgeschriebene Offerten an 
Louis Wallerstein, Hockenheim
, Baden."     

  
Lehrlingssuche des Manufakturwaren-Geschäftes S. Türkheimer (1908)  

Hockenheim Israelit 26031908.jpg (40215 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908: "Suche auf Ostern für mein 
Manufakturwaren-Geschäft
einen 
Lehrling. 
S. Türkheimer Hockenheim
(Baden)."     

    
Weitere Anzeigen   
(zur Verfügung gestellt von Frank-Uwe Betz, Schwetzingen)    

  Schwetzingen Dok 184.jpg (63728 Byte) Schwetzingen Dok 185.jpg (68266 Byte)   
Werbeanzeigen der Viehhandlung Sally Adelsberger in Hockenheim aus der "Schwetzinger Zeitung" vom 2. Juni 1926 (links) 
und vom 10. März 1932 (rechts)   

  
   
Sonstiges
  
Verurteilung des Antisemiten Roth aus Hockenheim (1893)      

Hockenheim Israelit 23011893.jpg (32145 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1893: "Mannheim, 17. Januar (1893). Der Antisemit Roth aus Hockenheim wurde heute vom Schwurgericht wegen Meineid nach siebenstündiger Verhandlung zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Mitangeklagten Kraus und Schränkler wurden freigesprochen."      

    
   
   
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
   

Am Anfang des 19. Jahrhunderts wird bereits ein Betsaal vorhanden gewesen sein, da 1802 als Vorsänger Hirsch Philippsohn genannt wird, der 1809 den Namen Hirsch Hall annahm. Möglicherweise befand sich dieser Betsaal damals schon im Haus des Jacob und Löw Alexander, die beide jedoch in einer Namensliste der Hockenheimer Juden von 1809 noch nicht genannt werden. 1833 wird jedenfalls berichtet, dass in deren Haus "schon lange Jahre hindurch" die Gebete verrichtet worden seien, der Platz aber jetzt "nicht mehr hinreicht".  
  
Um 1830 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. Erstmals bat sie im Juli 1832 die Behörden um eine Baugenehmigung. Am 20. Dezember 1832 gab der Oberrat der Israeliten hierzu die Erlaubnis. Ein geeignetes Grundstück konnte bald gefunden werden. Nach einem Kostenvoranschlag musste die Gemeinde für die Synagoge etwa 1.845 Gulden aufbringen. Die Aufnahme eines Kredites in Höhe von 600 Gulden wurde vom Oberrat unter der Bedingung genehmigt, dass ein Tilgungsfonds eingerichtet werde. Im Januar 1833 erschienen die Vertreter der israelitischen Gemeinde beim Bezirksamt Schwetzingen und baten um baldige Bauerlaubnis und um die Zurückgabe der dem Bezirksamt schon einige Zeit zuvor überreichten Baupläne. Die Synagoge ist im Laufe des Jahres 1833 in der Ottostraße/Ecke Rathausstrasse erbaut worden. Kleinere Reparaturen wurden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder ausgeführt. So wurde 1872 ein neues Eingangstor hergestellt.  
     
1874
führte ein bezirksärztliches Gutachten der Synagoge zu Überlegungen, die Synagoge umzubauen. Der Bezirksarzt kam zum Ergebnis, dass der Betsaal für die damals regelmäßig erscheinenden 30 Männer ausreichend sei. Anders verhalte es sich jedoch mit der Frauenempore, die nur ein Viertel des Männerraumes ausmache. Der 2,10 m hohe, 10,80 m lange und etwa 2,70 m tiefe Raum mit seinen 25 Plätzen für Frauen sei nicht ausreichend, zumal nach den Informationen des Bezirksarztes 35 Frauen die Gottesdienste besuchen wollten. Vor allem sei die Luft auf der Frauenempore sehr schlecht. Die israelitische Gemeinde reagierte zunächst sehr zurückhaltend auf das Gutachten. Von einem Umbau der Frauenempore wollte man nichts wissen und obwohl man einräumte, dass der Raum "knapp eingeteilt" sei, hielt ihn dennoch für ausreichend. In den folgenden drei Jahren ergab sich dann doch eine Mehrheit in der Gemeinde für einen Umbau der Synagoge. Man hatte Pläne des Architekten G.A. Schilling anfertigen lassen und ließ diese im Februar 1877 von den Behörden genehmigen. Allerdings war der sich anschließende Umbau ein kostspieliges Unternehmen für die Gemeinde. Nur über ein Darlehen von 6.000 Mark ließ sich der Umbau finanzieren. 
      
Die Gasbeleuchtung wird in der Synagoge eingeführt - Leuchter abzugeben (1902)  

Hockenheim Israelit 24021902.jpg (60048 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1902: "Die israelitische Gemeinde Hockenheim (Baden) hat in Folge Einrichtung mit Gasbeleuchtung in der Synagoge, einen prachtvollen Broncekronleuchter nebst sechs doppelarmige Wandleuchter und zwei Kandelaber am Betpult, sehr gut erhalten, billigst abzugeben.  
Der Synagogenrat."  

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge am 10. November 1938 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Platz wurde mit der Verwaltung der Stadtwerke neu überbaut. Um 2000 wurde mit der Rathauserweiterung eine weitere Neubebauung des Grundstückes vorgenommen.   
     
Eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge wurde 1979 angebracht (auch am Neubau des Rathauses).  
  
    

Fotos/Darstellungen 
Historische Pläne vom Umbau 1877 des Architekten G.A. Schilling: 
(Die Pläne - Originale im Generallandesarchiv Karlsruhe 362/810 - sind veröffentlicht bei H. Huth s. Lit. S. 92f)

Hockenheim Synagoge 008.jpg (34202 Byte) Hockenheim Synagoge 005.jpg (65075 Byte) Hockenheim Synagoge 006.jpg (68037 Byte)
Lageplan der Synagoge im Bereich 
heutige Ottostraße/ Rathausstraße
 (mit Eintragung des Badhauses)
Synagoge Hoffenheim: 
Frontansicht von der 
Straßenseite
Hofansicht der 
Synagoge
  
     
  Hockenheim Synagoge 007.jpg (66989 Byte) Hockenheim Synagoge 004.jpg (87173 Byte)
Schnitt durch die Synagoge 
hinter Straßenfassade
Längsschnitt entsprechend 
der Hofansicht
      

    Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Hockenheim Synagoge 009.jpg (46540 Byte) Hockenheim Synagoge 010.jpg (21392 Byte)
Ecke Rathausstraße/ Ottostraße 
mit der neuen Bebauung 
Gedenktafel für die 
ehemalige Synagoge
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003)
Hockenheim Synagoge 150.jpg (70970 Byte) Hockenheim Synagoge 152.jpg (64786 Byte) Hockenheim Synagoge 151.jpg (40498 Byte)
Blick auf den neuen Erweiterungsbau 
des Rathauses von der Rathausstraße
Der neue Erweiterungsbau des Rathauses
 auf dem ehemaligen Synagogengrundstück
Die Gedenktafel ist 
dieselbe geblieben 
         
     

  
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2011: In Hockenheim sollten "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel von Hans Schuppel in der "Schwetzinger Zeitung" vom 23. November 2011: "AK 'Jüdische Geschichte': Projekt 'Stolpersteine' umsetzen. 
An Schicksal Hockenheimer Juden erinnern.
24 in Hockenheim geborene Juden wurden von den Nazis deportiert. 14 Opfer der Verfolgung unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933-1945) hatten damals ihren Wohnsitz in Hockenheim. Ihnen soll mit sogenannten Stolpersteinen gedacht werden..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.      
  


   

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Hockenheim  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hockenheim (interner Link)   

Literatur:   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 133-134.  
Germania Judaica III,1 S. 564. 
    
Ernst Brauch: Das Schicksal der Hockenheimer Juden. In: Hockenheim. Stadt im Auf- und Umbruch. 1965 S. 185-194.
Hinweis: Die Veröffentlichung des Buches "Hockenheim - Stadt im Auf- und Umbruch" erfolgte im Jahr 1933! 1965 waren bei einer Neuauflage zeitbedingte Veränderungen erforderlich: "Als ich 1933 die Geschichte der Hockenheimer Juden zum ersten Mal veröffentlichte, ... (konnte ich nicht) wissen, welche Folgerungen vielleicht aus Abschnitten gezogen werden mochten, die wahrheitsgemäß auch das Negative im Wirtschaftsleben der Juden schilderten. Ob man sie als 'moralische Handhabe' für das ungesetzliche und unmenschliche Tun mitbenutzte, kann niemand sagen, aber bedrückend bleibt es doch."
Im ersten Satz nach der Zwischenüberschrift „Die 'Endlösung' der Judenfrage“ heißt es: "Bis zur 'Kristallnacht' am 8./9. November 1938 hat man den Juden nichts in den Weg gelegt." Über "Arier", "reinrassige Juden" oder das "Schicksal", nach Auschwitz "zu kommen": "Frieda und Wilhelm Adelsberger kamen im August 1942 nach Auschwitz. Moritz Adelsberger bewahrte seine Ehe mit einer Arierin vor dem gleichen Schicksal." "Ludwig Baumgarten - kein reinrassiger Jude - begleitete seine Ehefrau geb. Durlacher und zwei Kinder nach Gurs. Ihr Schicksal ist unbekannt."   
Auf Grund der NS-Vergangenheit von Ernst Brauch (1902-1974;
 seinerzeit Gewerbelehrers, Heimatforscher und Leiter der
 Schwetzinger Volkshochschule) wurde anlässlich seines 
100. Geburtstages im Jahr 2002 eine kontroverse 
Debatte geführt (vgl. Dokumente rechts).  
Schwetzingen PA Brauch 01.jpg (458342 Byte) Schwetzingen PA Brauch 02.jpg (250316 Byte) Schwetzingen PA Brauch 03.jpg (246739 Byte)

  

Walter A. Loeb: Lass dir die Fremde zur Heimat – aber nie die Heimat zur Fremde werden, in: Dokumentation der Stadt Hockenheim zum 1200jährigen Bestehen. 1969. S.70-71.  

Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Mannheim, in: Die Kunstdenkmäler Badens X,3 (1967) S. 85.92-93.    

Margit Meyer-Düttingdorf/Felicitas Offenloch-Brandenburger: Jüdisches Leben in Hockenheim - ein Teil unserer Stadtgeschichte. Hg. zum Tag des offenen Denkmals am 13.9.1998 vom "Arbeitskreis Jüdische Geschichte in Hockenheim".
Bezug über die Herausgeberinnen: Margit Meyer-Düttingdorf, Obere Hauptstraße 24, 68766 Hockenheim, E-Mail; Felicitas Offenloch-Brandenburger, Murgweg 6, 68766 Hockenheim.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 307-308.       
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  

     
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hockenheim  Baden. The first Jews settled in 1510. The community began to grow in the 19th century. A small synagogue was built in 1833 and a Jewish elementary school operated in 1820-43. The Jewish population reached a peak of 137 in 1871 (about 3 % of the total). Antisemitism increased in the 1890s and in der post-worldwar I period. In 1933, 52 Jews remained. Jewish cigarette factories, employing 800 workers, continued to operate until 1938. By that time, ten Jews had emigrated and 13 had left for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned down by the SA and Jewish men were detained in the Dachau concentration camp. Another 19 left by the end of 1939. The last six Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 while ten of those who had fled to other German cities were also dispatched to the camps.  
   

   

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

    

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 06. Februar 2012