Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Polch (VG Maifeld, Kreis Mayen-Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Polch bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1790 ein Jude in Polch genannt (Levy Hirsch). 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 30 jüdische Einwohner, 1828 32, 1848 39 in 8 Familien, 1850 48, 1858 39, 1867 50, 1871 49, 1880 55, 1889 68, 1895 58, 1912 84.

Bei den 1808 genannten Personen handelte es sich um Jakob Lehmen mit drei Kindern, Michael Hirsch mit Frau Adelheit und vier Kindern, Moyses Anschel mit Frau Helene und acht Kindern, Michel Anschel, Salomon Hirtz mit Frau Sara und fünf Kindern. 
  
Mitte des 19. Jahrhunderts verdienten die Familienvorsteher den Lebensunterhalt als Händler (6), Krämer (1) und als Handwerker (1848 wird ein Schuster genannt). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Mertloch beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert vermutlich zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor und Schochet tätig war. Ansonsten erteilten auswärtige jüdische Lehrer den Religionsunterricht der Kinder.       
 
Um 1924, als in der Gemeinde 72 jüdische Einwohner gezählt wurden, waren die Gemeindevorsteher Ferdinand Faber und Simon Levy II. Als Schochet wird Hermann Hirsch genannt. Die damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Albert Levy aus Mayen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Benno Faber (1. Vors.) und Siegmund Herz (2. Vors.). Als Schriftführer war Leo Hirsch tätig. Im Schuljahr 1931/32 waren nur zwei Kinder in Religion zu unterrichten. An jüdischen Vereinen bestand - gemeinsam mit der Gemeinde in Münstermaifeld - ein Israelitischer Wohltätigkeitsverein e.V. (1932 unter Leitung von Fritz Dewald in Münstermaifeld; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen).        

1933 lebten noch 44 jüdische Personen in Polch.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (USA, Palästina, Südafrika). 1936 wurden jedoch noch 40 jüdische Einwohner gezählt. Die letzten acht jüdischen Einwohner wurden 1941/42 von Polch aus in verschiedene Lager (Ghetto Theresienstadt oder eines der Vernichtungslager) deportiert. 1942 sind zuletzt die Eheleute Max Haas und Simon Levy nach Auschwitz deportiert worden.       
  
Von den in Polch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ernst Anschel (1913), Isidor Anschel (1881), Jakob Anschel (1873), Moritz Anschel (1878), Wilhelm Anschel (1907), Emma Anschel (1907), Emma Bender geb. Herz (1891), Johanna Faber (1871), Max Haas (1870), Rosa Haas geb. Levy (1875), Franziska Herz (), Josef Herz (1898), Mathilde Herz geb. Herz (1880), Albert Hirsch (1884), Rosa Josef geb. Anschel (1880), Frieda Kerp geb. Herz (1895), Emmi Knappe geb. Levy (1891), Blondine Levy geb. Haas (1872), Simon Levy (1870), Bertha Mayer geb. Herz (1889).       
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Polch gefunden.    

   

    
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war eine Betstube vorhanden, die sich 1850 im Haus des Benjamin Aschel in der Kirchstraße befand.
 
1867 konnte die jüdische Gemeinde für 400 Taler ein Grundstück in der heutigen Ostergasse erwerben. Da zum Bau einer Synagoge jedoch die Mittel noch fehlten, zog sich dieser bis 1877 hin. Nach einem Kostenvoranschlag waren 2.100 Taler für eine den Bedürfnissen der Gemeinde angemessene Synagoge notwendig. Die politische Gemeinde gab einen Zuschuss von 450 Taler. 1874 fehlten noch weitere 450 Taler, die teilweise jedoch durch eine in den jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz durchgeführte Kollekte gesammelt werden konnten. 1876/77 wurde der Bau durchgeführt; die Einweihung erfolgt 1877. 
  
1927 konnte die Gemeinde das 50-jährige Jubiläum der Synagoge feierlich begehen.
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem Rollkommando der Mayener SA angezündet. Durch den Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Polch konnte eine Zerstörung verhindert werden. Es war vor allem die Empore durch den Brand vernichtet worden. Am 17. Januar 1940 musste das Synagogengebäude an die politische Gemeinde verkauft werden. 
   
Nach Abschluss des Restitutionsverfahrens 1953 kam das Gebäude wiederum in den Besitz der Ortsgemeinde, die es bis 1980 als Lagerraum verwundete. Bemühungen der Orts- und Verbandsgemeinde führten dann allerdings dazu, dass das Gebäude von 1981 bis 1983 restauriert und seit der feierlichen Einweihung 1984 für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Auf der neu eingebauten Empore wird in einer Dauerausstellung über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und die Synagoge informiert.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge            Ostergasse 11 
     

Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.08.2009)  

Polch Synagoge 170.jpg (124297 Byte) Polch Synagoge 171.jpg (120517 Byte) Polch Synagoge 173.jpg (104965 Byte)
Blick auf das von charakteristischem Krotzenlavamauerwerk geprägte 
Synagogengebäude, rechts des Eingangs die Gedenkstätte mit den 
Namen der umgekommenen Polcher Juden
Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge - erbaut 1877. Durch Brandlegung in der Reichspogromnacht (9./10. Nov. 1938) beschädigt. Von der Gemeinde Polch erworben und 1983/84 restauriert."
 
     
Polch Synagoge 176.jpg (103458 Byte) Polch Synagoge 175.jpg (85910 Byte) Polch Synagoge 172.jpg (64950 Byte)
Fensterrosette über Eingangsportal mit Portalinschrift aus Psalm 95,6: "Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat" sowie nicht mehr präzise lesbares Baudatum Auf dem Gedenkstein sind die 
Personen genannt, die von Polch aus
 deportiert und ermordet wurden.
Schaukasten mit Ankündigung 
von Veranstaltungen
   
        
Polch Synagoge 178.jpg (62686 Byte) Polch Synagoge 179.jpg (48194 Byte) Polch Synagoge 184.jpg (57479 Byte)
Im Betsaal - Blick zum 
ehemaligen Toraschrein
Der Standort des 
ehemaligen Toraschreines
Original erhaltene Bemalung über dem Standort des ehemaligen Toraschreines
     
Polch Synagoge 181.jpg (70259 Byte) Polch Synagoge 177.jpg (87386 Byte) Polch Synagoge 190.jpg (60281 Byte)
Blick vom Betsaal zur Frauenempore 
mit der Fensterrosette
Deckengewölbe 
mit Rankenmalerei
Blick von der Frauenempore zum Standort 
des ehemaligen Toraschreines
     
Polch Synagoge 193.jpg (71673 Byte) Polch Synagoge 191.jpg (64420 Byte)  
Blick aus dem ("maurischen") 
Fenster der Frauenempore
Die Fensterrosette über dem Eingang - 
von der Frauenempore aus gesehen
 
      
Polch Synagoge 185.jpg (61984 Byte) Polch Synagoge 188.jpg (69500 Byte) Polch Synagoge 189.jpg (70187 Byte)
Beitrag zum Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung 2003: "Spuren des Nationalsozialismus in Polch" - Projekt der 10. Klasse der Hauptschule in Polch. Die Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Polch und ihrer Synagoge
  
  
     


Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Polch  

Website der VG Maifeld  

Video zur Synagoge bei "Deutschlandreporter.de"   

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 314-316 (mit zahlreichen weiteren Literaturangaben).
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Polch  Rhineland. The Jewish population was about 20 in the first quarter of the 19th century, growing to 68 in 1889. At the turn of the 19th century, the Jewish population was 60-70 and in 1933 it was 44. Twenty-four Jews emigrated by 1941 and 15 moved to other localities in Germany. The last five Jews were deported to the east in 1942. At least seven perished in the Holocaust. The synagogue (built in the mid-19th century) was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938).       
              

 

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. November 2010