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Polch (VG
Maifeld, Kreis
Mayen-Koblenz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Polch bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19.
Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1790 ein Jude in Polch genannt (Levy
Hirsch).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1808 30 jüdische Einwohner, 1828 32, 1848 39 in 8 Familien, 1850
48, 1858 39, 1867 50, 1871 49, 1880 55, 1889 68, 1895 58, 1912 84.
Bei den 1808 genannten Personen handelte es sich um Jakob Lehmen mit drei
Kindern, Michael Hirsch mit Frau Adelheit und vier Kindern, Moyses Anschel mit
Frau Helene und acht Kindern, Michel Anschel, Salomon Hirtz mit Frau Sara und
fünf Kindern.
Mitte des 19. Jahrhunderts verdienten die Familienvorsteher den Lebensunterhalt
als Händler (6), Krämer (1) und als Handwerker (1848 wird ein Schuster
genannt).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof in Mertloch beigesetzt.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert
vermutlich zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor
und Schochet tätig war. Ansonsten erteilten auswärtige jüdische Lehrer den
Religionsunterricht der Kinder.
Um 1924, als in der Gemeinde 72 jüdische Einwohner gezählt wurden, waren
die Gemeindevorsteher Ferdinand Faber und Simon Levy II. Als Schochet wird
Hermann Hirsch genannt. Die damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder
erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Albert Levy aus Mayen. 1932
waren die Gemeindevorsteher Benno Faber (1. Vors.) und Siegmund Herz (2. Vors.).
Als Schriftführer war Leo Hirsch tätig. Im Schuljahr 1931/32 waren nur zwei
Kinder in Religion zu unterrichten. An jüdischen Vereinen bestand -
gemeinsam mit der Gemeinde in Münstermaifeld - ein Israelitischer
Wohltätigkeitsverein e.V. (1932 unter Leitung von Fritz Dewald in
Münstermaifeld; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Bestattungswesen).
1933 lebten noch 44 jüdische Personen in Polch. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (USA, Palästina, Südafrika).
1936 wurden jedoch noch
40 jüdische Einwohner gezählt. Die letzten acht jüdischen Einwohner wurden
1941/42 von Polch aus in verschiedene Lager (Ghetto Theresienstadt oder eines
der Vernichtungslager) deportiert. 1942 sind zuletzt die Eheleute Max Haas und
Simon Levy nach Auschwitz deportiert worden.
Von den in Polch geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ernst Anschel (1913),
Isidor Anschel (1881), Jakob Anschel (1873), Moritz Anschel (1878), Wilhelm
Anschel (1907), Emma Anschel (1907), Emma Bender geb. Herz (1891), Johanna Faber
(1871), Max Haas (1870), Rosa Haas geb. Levy (1875), Franziska Herz (), Josef
Herz (1898), Mathilde Herz geb. Herz (1880), Albert Hirsch (1884), Rosa Josef
geb. Anschel (1880), Frieda Kerp geb. Herz (1895), Emmi Knappe geb. Levy (1891),
Blondine Levy geb. Haas (1872), Simon Levy (1870), Bertha Mayer geb. Herz
(1889).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Polch
gefunden. |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war eine Betstube vorhanden, die sich 1850 im
Haus des Benjamin Aschel in der Kirchstraße befand.
1867 konnte die jüdische Gemeinde für 400 Taler ein Grundstück in der
heutigen Ostergasse erwerben. Da zum Bau einer Synagoge jedoch die Mittel noch
fehlten, zog sich dieser bis 1877 hin. Nach einem Kostenvoranschlag waren 2.100
Taler für eine den Bedürfnissen der Gemeinde angemessene Synagoge notwendig.
Die politische Gemeinde gab einen Zuschuss von 450 Taler. 1874 fehlten noch
weitere 450 Taler, die teilweise jedoch durch eine in den jüdischen Gemeinden
der Rheinprovinz durchgeführte Kollekte gesammelt werden konnten. 1876/77 wurde
der Bau durchgeführt; die Einweihung erfolgt 1877.
1927 konnte die Gemeinde das 50-jährige Jubiläum der Synagoge feierlich
begehen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
von einem Rollkommando der Mayener SA angezündet. Durch den Einsatz der
freiwilligen Feuerwehr Polch konnte eine Zerstörung verhindert werden. Es war
vor allem die Empore durch den Brand vernichtet worden. Am 17. Januar 1940
musste das Synagogengebäude an die politische Gemeinde verkauft werden.
Nach
Abschluss des Restitutionsverfahrens 1953 kam das Gebäude wiederum in den
Besitz der Ortsgemeinde, die es bis 1980 als Lagerraum verwundete. Bemühungen
der Orts- und Verbandsgemeinde führten dann allerdings dazu, dass das Gebäude
von 1981 bis 1983 restauriert und seit der feierlichen Einweihung 1984 für
kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Auf der neu eingebauten Empore wird in
einer Dauerausstellung über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und die
Synagoge informiert.
Adresse/Standort der Synagoge: Ostergasse
11
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.08.2009)
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Blick auf das von
charakteristischem Krotzenlavamauerwerk geprägte
Synagogengebäude,
rechts des Eingangs die Gedenkstätte mit den
Namen der umgekommenen
Polcher Juden |
Hinweistafel:
"Ehemalige Synagoge - erbaut 1877. Durch Brandlegung in der
Reichspogromnacht (9./10. Nov. 1938) beschädigt. Von der Gemeinde Polch
erworben und 1983/84 restauriert." |
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| Fensterrosette
über Eingangsportal mit Portalinschrift aus Psalm 95,6: "Kommt,
lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns
gemacht hat" sowie nicht mehr präzise lesbares Baudatum |
Auf dem Gedenkstein sind die
Personen genannt, die von Polch aus
deportiert und ermordet wurden. |
Schaukasten mit Ankündigung
von Veranstaltungen |
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Im Betsaal - Blick zum
ehemaligen Toraschrein |
Der Standort des
ehemaligen
Toraschreines |
Original erhaltene Bemalung
über dem Standort des ehemaligen Toraschreines |
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Blick vom Betsaal zur
Frauenempore
mit der Fensterrosette |
Deckengewölbe
mit
Rankenmalerei |
Blick von der Frauenempore zum
Standort
des ehemaligen Toraschreines |
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Blick aus dem
("maurischen")
Fenster der Frauenempore |
Die Fensterrosette über dem
Eingang -
von der Frauenempore aus gesehen |
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| Beitrag zum
Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung 2003:
"Spuren des Nationalsozialismus in Polch" - Projekt der 10.
Klasse der Hauptschule in Polch. |
Die
Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Polch und ihrer
Synagoge |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 314-316 (mit zahlreichen weiteren
Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Polch Rhineland. The Jewish
population was about 20 in the first quarter of the 19th century, growing to 68
in 1889. At the turn of the 19th century, the Jewish population was 60-70 and in
1933 it was 44. Twenty-four Jews emigrated by 1941 and 15 moved to other
localities in Germany. The last five Jews were deported to the east in 1942. At
least seven perished in the Holocaust. The synagogue (built in the mid-19th
century) was vandalized on Kristallnacht (9-10 November
1938).

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