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im Elsass"
Mertzwiller (Merzweiler,
Dep. Bas-Rhin / Alsace /
Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Histoire juive / Synagoge / Synagogue
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Mertzwiller bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. 1784 wurden 14 jüdische Familien am Ort gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1807 113 jüdische Einwohner, 1846 208, 1861 226, 1870 243, 1910 176.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (zeitweise israelitische Konfessionsschule; es war ein auf Grund
einer Spende von Herrn Bloqué finanziertes israelitisches Schulhaus vorhanden), ein
rituelles Bad (1899 vermutlich neu erstellt, siehe Artikel unten) und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. In besonderer Erinnerung
blieb Lehrer Israel Moch, der seit 1858 in Mertzwiller tätig war und zum
50-jährigen Ortsjubiläum mit dem Kronenorden vierter Klasse ausgezeichnet
wurde (siehe Bericht unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Haguenau.
1936 wurden noch 113 jüdische Einwohner gezählt. Diejenigen, die in den
folgenden Jahren nicht mehr emigrieren konnten, wurden unter der deutschen
Besatzung 1940 nach Südfrankreich deportiert.
Von den in Mertzwiller geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Andre Bauer (1939),
Pauline Berger (1870), Pauline Berger geb. Kirsch (1900), Arlette Bloch (1930),
Huguette Bloch (1926), Maurice Bloch (1888), Liliane Bloch (1930), Lucie Bloch
(), Yolande Bloch (1932), Max Bloch (1900), Marcel Bloch (1896), Marcelle Bloch
geb. Weil (1905), Rose Bloch geb. Berg (1902), Achille Caron (1879), Alice Caron
(1890), David Caron (1880), Denise Caron (1926), Henri Caron (1885), Jeanne
Caron (1912), Louise Caron (1926), Lucien Caron (1929), Pauline (Paulette) Caron
geb. Wurmser (1881), Raymond Caron (1923), Yvonne Caron (1922), Armand Dreyfus
(1872), Henriette Dreifuss (1885), Johanna Dreifuss (1860), Myria Dreyfuss
(1877), Salomon Dreyfuss (1874), Salomon Dreyfuss (1883), Adele Eisemann (),
Julie Eisemann (1908), Jacques Flamm (1920), Jules Kisch (1878), Elvire (Elvyre)
Levy (1899), Rene Levy (1908), Adelheide (Adele) Loeb geb. Schlachter (1876),
Alice Meyer (1907), Berthe Mayer (1867), Georges Meyer (1920), Leon Meyer
(1883), Melanie Meyer (1885), Jacques Moch (1870), Margot Moch (1920), Regina
Moses (1895), Hortense Potaschmann geb. Dreyfuss (1892), Julie Raphael geb.
Dreyfuss (1886), Delphine Schwarz geb. Wolff (1892), Herbert Schwarz (1932),
Isaac Schwarz (1885), Ernest See (1885), Betti Seewald geb. Voss (1905),
Delphine Spalter geb. Dreyfuss (1883), Jacques Storck (1886), Sarah Storck
(1889), Karoline Voss geb. Nussbaum (1869), Albert Weiler (1887), Arthur Weiler
(1901), Celestine Weiler geb. Lazar (1868), Ella Weiler (1899), Emmy Weiler
(1899), Erwin Weiler (1925), Frieda Weiler geb. Schwarz (1888), Frieda Weiler
(1904), Ilse Weiler (1920), Leo Weiler (1906), Leo Weiler (1916), Otto Weiler
(1908), Siegfried Weiler (1895), Walter Weiler (1904), Lucie Weill (1899),
Rosalie Weill geb. Levy (1879), Berthe Weiller (1882), Joseph Weiller (1871),
Joseph Weiller (1873), Josue Weiller (1869), Mina Weiller (1875), Emma Wolff
geb. Caron (1888), Rose Wolff (1893), Samuel Wolff (1866).
Nach 1945 ließen sich wieder wenige jüdische Personen / Familien in
Mertzwiller nieder. 1953 wurden 25 jüdische Einwohner gezählt, 1965 nur noch
17.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Größere Spenden von Herrn Bloqué zum Bau der israelitischen Schule und die
drei Schulen des Ortes - eine davon wird zum Problem (1872)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1872: "Aus
dem Elsass, 23. März (1872). Die 'Rev.isr.' erzählt: 'Herr Bloqué,
gewesener Präsident der Verwaltung der Synagoge in der rue
Notre-Dame-de-Nazareth, hat zur Begünstigung des Unterrichts in der
Gemeinde Mertzweiler (Bas-Rhin) ziemlich bedeutende Summen ausgegeben. Er
hat eine kommunale Bibliothek gegründet, er hat die israelitische Schule
bauen lassen und endlich hat er auch der Gemeinde 1.500 Fr. zum Geschenk
gemacht, wovon die Zinsen jährlich an drei Sparkassenbüchlein mit je 25
Frs. verteilt werden und zwar zum Nutz des Schülers, welcher in einer der
drei Schulen (Katholisch, protestantisch und israelitisch) die größten
Fortschritte in der französischen Sprache gemacht hat. Nun ist jetzt in
Folge der Annexion die französische Sprache in den Elementarschulen des Elsass
ganz oder doch beinahe unterdrückt. Die Stiftung des Herrn Bloqué hat
keinen Zweck mehr und der Stifter fordert sein Kapital von der Gemeinde
zurück, um es zu einem anderen gemeinnützigen Zweck verwenden zu
können.' Dem 'Ndrrh. K.' wird dabei mitgeteilt, 'dass unter dem
französischen Regiment bie den jährlichen Wettbewerbungen um die
Bloqué'schen Preise nicht nur ein französisches Diktat, eine Aufgabe und
eine Erzählung gefordert wurde, sondern auch ein deutsches
Diktat." |
Auszeichnung für Lehrer und Kantor Israel Moch (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1908: "Merzweiler,
25. Juni (1908). Der Kronenorden vierter Klasse mit der Zahl 50 wurde dem
seit 50 Jahren als Kantor und Religionslehrer an der hiesigen
israelitischen Kultusgemeinde wirkenden Israel Moch vom Kaiser
verliehen." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Stiftung zum Neubau einer Mikwe (rituelles Bad) (1899)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1899:
"Merzweiler im Elsass, 1. Oktober (1899). Diejenigen, die sich
ein Denkmal bei Lebzeiten setzten, das zum Heil ihrer Mitmenschen dient,
soll man immer als nachahmungswürdig der Öffentlichkeit nennen.
Die hier (in ihrem Heimatsorte) weilende Madame Mayer aus Rheims hat uns
zu Rosch Haschana (Neujahr) zum Neubau einer Mikwe 1.500 Francs
gespendet." |
Zu einzelnen Personen aus
der Gemeinde
Über Simon Samuel (Sam) Marx (1861-1933)
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde 1721 erbaut. Ein Nachfolgebau wurde
100 Jahre später (1822) erstellt. Architektonisch ähnelte die Synagoge
Mertzwiller derjenigen von Reichshofen. In den folgenden Jahrzehnten wurde das
Gebäude mehrfach renoviert. 1858 war wohl ein weitgehender Neubau nötig.
Aus der Geschichte der Synagoge liegt ein Bericht
zur Einweihung einer Torarolle im Jahr 1896 vor:
Einweihung einer neuen Torarolle
(1896)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1896: "Mertzweiler
im Elsass, 26. Juli (1896). Eine erhebende Feierlichkeit, an welcher sich
viele Fremden beteiligten, fand am Schabbat Nachamu den 25. Juli
hier statt. Herr Felix Berg von hier schenkte nämlich der hiesigen
Gemeinde eine Torarolle mit prachtvoll goldgesticktem sammetem Mäntelchen
und Blumenkrone, die unter den üblichen Zeremonien ihrer Bestimmung
übergeben wurde." |
Bis 1940 war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens am Ort.
Während der letzten Kriegstage im Frühjahr 1945 wurde das Gebäude schwer
beschädigt, wenig später großenteils abgebrochen. Auf beziehungsweise in den
Grund- und Umfassungsmauern wurde später ein Wohnhaus
erstellt.
Adresse/Standort der Synagoge:
Rue du Général de Gaulle
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Michel Rothé / Max Warschawski: Les
synagogues d'Alsace et leur histoire. Jerusalem 1992. S. 42. |
 | Daniel Peter: Mertzwiller du village au bourg. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mertzwiller (Merzweiler)
Bas-Rhin dist.. The Jewish community numbered 73 members in 1784. Its local
synagogue was inaugurated in 1858. In 1865, the Jewish population was 226,
dropping to 113 in 1936. During Worldwar II, the Germans expelled all to the
south of France with the rest of Alsace-Lorraine Jewry. Altogether 31 were
deported. The synagogue was pillaged. In 1965, there were 17 Jews living in
Mertzwiller.

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