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Marktsteft (VG
Marktbreit, Kreis Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Marktsteft (Stadt seit 1819) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1862.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1668 wird
mit Falck Jud einer erster "Schutzjude" in Steft aufgenommen (Markt
seit 1729). 1729
gab es drei jüdische Familien in der Stadt. Nach Ausweisung der Juden aus
Kitzingen 1763 ziehen mehrere Familien nach Marktsteft; die jüdische Gemeinde
vergrößert sich auf insgesamt 14 Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1813 56 jüdische Einwohner, 1910 3.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Marktsteft auf
insgesamt 12 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Elias Lazarus Lindheim(er)
(Ellenwaren und Weinhandel), Samuel Lazarus Suhler (Viehhandel), Jacob Joel Berg
(Viehhandel), David Isaac Ikelheimer (Schmusen und Viehschlachten), Elias Meier
Farrenbach (Viehhandel), Fradel, Witwe von Hayum Bennheim (Viehhandel), David
Samuel Friedenheim (Schmusen), Lemlein Joseph Lemberger (Ellenwarenhandel),
Moses Isaac Furchtheimer (Schmusen und Schächten), Sara Eisig Hollenbach
(Handel mit kurzen Waren), Heja Vogel Willmers (weibliche Handarbeit), Salomon
Meyer Farrenbach (Viehhandel und Schächten), Eduard Steinert (Weinhandel, seit
1818 auf der Matrikelstelle, die bisher seine Schwiegermutter Fradel Bennheim
innehatte).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Schule (Religionsschule) und ein
rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Rödelsee beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als nach 1840 das große
unterfränkische Rabbinat (Würzburg-Heidingsfeld) aufgelöst und in sechs
kleinere Distrikte aufgeteilt wurde, erhielt unter Rabbiner Faust Löb
Thalheimer (1806-1867) Marktsteft für einige Jahre den Sitz eines Rabbinatsdistriktes,
bis dieser nach Mainbernheim und 1871
nach Kitzingen verlegt
wurde.
Nachdem jüdischen Familien der Zuzug nach Kitzingen und anderen Städten wieder
möglich war, haben sie Marktsteft nach der Mitte des 19. Jahrhunderts sehr
schnell verlassen. Die jüdische Gemeinde wurde 1862 aufgelöst. Ein
Gemeinderegister der Jahre 1812 bis 1862 wurde danach in der Synagoge in
Rödelsee aufbewahrt und im Juli 1933 dem Verband der Bayerischen Israelitischen
Gemeinden übergeben.
Nach 1900 war
nur noch eine jüdische Familie am Ort (Familie Mayer), die zur
jüdischen Gemeinde in Marktbreit
gehörte.
1933 wurden drei jüdische Einwohner in Marktsteft gezählt, wobei es
sich um Hermann Mayer und seine Frau Frieda mit dem Sohn Herbert handelte. Von
Ende 1936 bis zu ihrem Tod 1939 beziehungsweise 1940 lebten auch die Eltern von
Frieda Mayer geb. Lind in Marktsteft (siehe unten).
In den beiden Nächten, die auf den Novemberpogrom 1938 folgten, legten
Unbekannte auf die Schwelle des Hauses von Familie Mayer jeweils eine Torarolle,
die aus der Synagoge von Marktbreit beziehungsweise von
Rödelsee geraubt worden
war. Im Juni 1942 wurden die Angehörigen der Familie Mayer nach
Würzburg (Bibrastraße 6) gebracht und von dort am 23. September 1942 in das Ghetto
Theresienstadt verschickt. Der zwölfjährige Sohn Herbert Mayer starb am 2. April 1943 in
Theresienstadt, seine Eltern Hermann und Frieda Mayer wurden am 18. Mai 1944 in das KZ Auschwitz verbracht und
ermordet.
Von den in Marktsteft geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Katz geb. Mayer
(1869), Frieda Mayer geb. Lind (1891), Herbert Mayer (1931), Hermann Mayer
(1872), Max Mayer (1866).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen Personen
Über die Familie Mayer - Lind in Marktsteft
(Hinweis: über die Bermuthshainer Familie Lind
findet sich eine Darstellung der Familiengeschichte in der "Chronik
Bermuthshain" von Carsten Eigner M.A. in der Website www.chronik-bermuthshain.de
mit Seite zur
Familiengeschichte Lind; von hier die Informationen und das
Foto)
Links:
Alexander Lind und seine Ehefrau Sophie geb. Heß an seinem 80. Geburtstag
am 30. Dezember 1936. Das Foto wurde in Marktsteft aufgenommen, wohin das
Paar aufgrund der zunehmenden Repressalien gegen die Juden im Vogelsberg
gezogen war.
Ihre 1891 geborene Tochter Frieda Lind (geb. 28.4.1891 in Bermuthshain)
hatte 1930 Hermann
Mayer in Marktsteft geheiratet, mit dem sie einen Sohn hatte: Herbert
(geb. 3. Mai 1931 in Marktsteft). Nachdem es für ihre Eltern in
Bermuthshain auf Grund der Repressalien durch die örtlichen
Nationalsozialisten nicht mehr möglich war, dort zu leben, zogen sie zu
ihrer Tochter nach Marktsteft. Sie starben 1939 beziehungsweise 1940 und
wurden im Friedhof in Rödelsee
beigesetzt. Über das Schicksal von Hermann, Frieda und Herbert Mayer
siehe oben. |
Zur Geschichte der Synagoge
1753 wird eine "Judenschule" = Synagoge gebaut bzw.
eingerichtet. Ob es dasselbe Gebäude war, in dem auch bis zur Auflösung der
Gemeinde 1862 die Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht
bekannt.
Um 1900 wurde das Synagogengebäude verkauft, die Mikwe (rituelles Bad)
zugeschüttet. 1956 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Auf dem
Grundstück, auf dem sich Synagoge, Schule und das rituelle Bad befanden, wurden
Garagen erstellte, die zum Haus Güntherstraße 11 gehören.
Adresse/Standort der Synagoge:
Güntherstraße 11 (Garagen)
Fotos
| Fotos zur
jüdischen Geschichte in Marktsteft sind - außer dem oben abgebildeten -
noch nicht vorhanden. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 359. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 87; 1992² S. 97. |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 197.
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n.e.

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