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Lichtenfels (Kreisstadt)
mit -Seubelsdorf
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Lichtenfels lebten Juden bereits im Mittelalter.
1268 war Graf Hermann von Henneberg bei Juden in Lichtenfels verschuldet.
Bei der Judenverfolgung 1298 (sog. "Rindfleisch"-Verfolgung) wurden
auch in Lichtenfels Juden ermordet, unter anderem der junge Lehrer Lemlein ben
Baruch. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts werden wieder Juden in der Stadt
genannt. 1403 waren es zwei Juden (beziehungsweise jüdische Familien), 1450
fünf Familien. Zwei dieser Familien waren von Kronach zugezogen. Bis Mitte des
15. Jahrhunderts begegnen aus Lichtenfels stammende Juden in Coburg (1418,
1421), Wörth/Nürnberg (1435), Marktgraitz (1450) und Siemau (1450), später in
Kulmbach (1476) und in Stein am Rhein (1489). Die Lichtenfelser Juden lebten
auch im 15. Jahrhundert überwiegend vom Geldhandel. Nicht nur Einwohner von
Lichtenfels und Umgebung, auch der Bischof von Bamberg, die Stadt Bamberg und
Albrecht von Giech hatten bei ihnen Schulden. 1499 wurden die Juden aus
der Stadt ausgewiesen.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht auf die Zeit der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. 1667 werden wieder Juden in
Lichtenfels genannt. 1677 konnten Jacob und Isaias aus Redwitz zu ziehen.
Zwischen 1755 und 1764 kam es zu antijüdischen Unruhen in der Stadt. Die
in christlichen Häusern zur Miete lebenden jüdischen Familien wurden immer
mehr dazu gedrängt, gemeinsam in ein Ghetto zu ziehen. 1763 gab es
12 jüdische Haushaltungen in der Stadt mit insgesamt etwa 70 Personen, darunter
27 Kindern und 19 Dienstknechten und Mägden. Im Juni 1764 wurde der neu
zugezogene Nathanael Schola aus Mistenfeld von 25 Mann, an der Spitze
Bürgermeister Greim in seiner Wohnung überfallen. Sein geringer Besitz wurde
auf die Straße geworfen. Bürgermeister und die anderen Beteiligten wurden
dafür zwar von der Regierung bestraft, doch besserte sich zunächst nicht die
Situation der Lichtenfelser Judenschaft. 1790 wurden 79 jüdische Einwohner
gezählt.
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Waren aller Art und vom
Viehhandel.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1812 155 (7,4 % von insgesamt 1.564), 1920 137, 1867 82 (3,9 % von
2.128), 1880 92 (3,7 % von 2.487), 1900 111 (2,8 % von 3.034), 1910 80 (1,8 %
von 4.453).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(Schulgebäude Judengasse 14 1804 erbaut), ein rituelles Bad und seit 1840 einen eigenen Friedhof
(zuvor Beisetzungen in Burgkunstadt). Von einem jüdischen
"Schulmeister" ist 1763 die Rede. Er wird die Kinder unterrichtet
haben sowie als Vorbeter tätig gewesen sein. Auch in der Folgezeit (bis in die
1930er-Jahre) hatte die jüdische Gemeinde einen eigenen Lehrer, der zugleich
als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungstexte der Stelle
unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Offz.St. Friedrich
Traub (geb. 21.8.1888 in Lichtenfels, gef. 9.11.1914) und Gefreiter Richard
Gosser (geb. 11.8.1891 in Lichtenfels, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft,
gef. 23.10.1915). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die
Gefallenen des Ersten Weltkrieges vor dem städtischen Friedhof links hinter der
Kreuzung Friedhofsstraße/ Friedhofsweg/
Goldbergstraße.
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde 77 Personen gehörten (1,92 % von
insgesamt ca. 4.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Carl
Kraus und S. Grünhut. Als Lehrer wirkte Salli Schmid. Die Gemeinde
gehörte zum Distriktsrabbinat Burgkunstadt, der durch Rabbiner Dr. Salomon aus
Bayreuth mitbetreut und wenig später aufgelöst wurde. Acht jüdische Kinder,
die öffentliche Schulen besuchten, erhielten damals durch Lehrer Schmidt
Religionsunterricht. An Vereinen bestanden damals u.a. eine Ortsgruppe
der Centralvereins (25 Mitglieder, Leitung Lehrer Schmid). Zur jüdischen
Gemeinde gehörten auch neun in Seubelsdorf lebende jüdische Personen
(hier in Seubelsdorf bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde, jedoch
finden sich hier seit Beginn des 18. Jahrhunderts immer wenige jüdische
Familien bzw. Einwohner: 1712 zwei Familien, 1867 11 Personen).
1932 war erster Vorsteher der Gemeinde Carl Kraus, zweiter Vorsteher S.
Grünhut. Als Lehrer und Kantor wird Arnold Seliger genannt. Er unterrichtete
nur noch zwei jüdische Kinder in Religion. Neben den in Seubelsdorf lebenden
acht jüdischen Personen gehörten inzwischen auch die letzten Mitglieder der
1928/29 aufgelösten jüdischen Gemeinde Oberlangenstadt
zu Lichtenfelser Gemeinde. An jüdischen Vereinen wird 1932 auch ein
"Verein für jüdisches Wissen" genannt (Vorsitzender Fritz
Bamberger). An Stiftungen (Hilfsfonds) gab es die Rabbiner Eisemannsche
Stiftung, die Ida- und Fritz-Traub-Stiftung sowie die Sam- und
Ida-Kohn-Stiftung.
1933 lebten noch 60 jüdische Personen in der Stadt (1,0 % von insgesamt
6.970 Einwohnern). Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und
der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen bis September 1938 16
Personen die Stadt. 1936 wurde die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Bamberg
zugeteilt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge zerstört (s.u.) sowie jüdische Wohnungen und Läden brutal
überfallen. Warenvorräte wurden vernichtet oder gestohlen. Die jüdischen
Bewohner holte man nachts aus den Betten und schleppte sie halbnackt durch die
Straßen der Stadt ins Gefängnis. An den Ausschreitungen waren auch Bürger der
Stadt, unter ihnen ein Mitglied des Stadtrates beteiligt. Ein Jude beging noch
während des Pogroms Selbstmord. Die Frau des Gemeindelehrers ertränkte sich,
nachdem sie vergewaltigt worden war. Die jüdischen Männer wurden nach Hof
transportiert und dort wochenlang in Haft gehalten. Bis 1939 waren nur noch 17
jüdische Personen in Lichtenfels, die übrigen konnten emigrieren oder sind in
andere Städte verzogen. 1942 wurden die letzten 14 Juden aus Lichtenfels und
Seubelsdorf nach Izbica bei Lublin/Polen beziehungsweise in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Von den in Lichtenfels geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emilie Bamberger geb. Kaumheimer (1879),
Fritz Bamberger (1862), Marie Bickart geb. Gutmann (1871), Grete Bohle geb. Zinn (1890), Elsa Brüll (1884), Frieda
Brüll geb. Freudenthal (1874), Friedrich Brüll (1888), Bernhard Fechheimer
(1858), Adelheid Grün(e)baum geb. Zenner (1865), Max Hellmann (1889),
Kathinka Hellmann geb. Erlanger (1893), Mosche Hellmann (1889), Emma
Hirsch geb. Brüll (1868), Josef Kraus (1895), Jeanette Kronacher (1873), Lina
Kronacher (1869), Marie Kronacher (1878), Rosa Lang geb. Brüll (1865), Minna Ledermann geb. Brüll (1874),
Else Marx geb. Zenner (1894), Erna Neuburger geb. Zenner (1898), Bertha Neuhaus
geb. Zenner (1857), Alfred
Oppenheimer (1903), Anni Oppenheimer geb. Krämer (1908), Babette Oppenheimer
geb. Zenner (1860), Betty Oppenheimer geb.
Malzer (1877), Klara Rosenbaum (1867), Arnold Seliger (geb. ?), Sofie Seliger geb. Gutmann (1881),
Alice Silbermann geb. Zenner (1894), Josef
Zenner (1859).
Von den in Seubelsdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ferdinand
Blum (1889), Louis Blum (1887), Rosa Blum (1894), Hugo Brüll (1873), Helene
Wolf geb. Brüll (1906).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeterstelle 1889 / 1909
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1889:
"Für
unsere Religionsschule suchen wir einen seminaristisch gebildeten Lehrer, der
die Kantor- und eventuell Schächterstelle zu versehen hat. - Anfangsgehalt 800
Mark bei freier Wohnung und nicht unbedeutenden Nebeneinkünften. Geeignete
Bewerber (Reichsangehörige) wollen sich unter Einreichung ihrer
Qualifikationszeugnisse baldigst melden.
Lichtenfels "Bayern", 20. Februar 1889. Samuel Kohn,
Kultus-Vorstand". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900:
"Für unsere Religionsschule suchen wir einen seminaristische
gebildeten Lehrer, der die Kantor- und eventuell Schächterstelle zu
versehen hat. Anfangsgehalt Mark 1.000 bei freier Wohnung und der
üblichen Nebeneinkünften. Geeignete Bewerber (Reichsangehörige) wollen
sich unter Einreichung ihrer Qualifikationszeugnisse bald melden. Lichtenfels,
Bayern, 15. Mai. Israelitische Kultusverwaltung. Samuel Kohn". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1909:
"Für unsere Religionsschule suchen wir einen seminaristisch
gebildeten Lehrer, der die Kantor- und Schächterstelle zu versehen hat.
Anfangsgehalt Mark 1000.- bei freier Wohnung und nicht unbedeutenden
Nebeneinkünften, da auch Privat-Realschule am Platze.
Geeignete Bewerber (Reichsangehörige) wollen sich unter Einreichung ihrer
Qualifikations-Zeugnisse baldigst melden.
Lichtenfels (Bayern). Israelitische Kultus-Gemeinde. Samuel Kohn,
Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1925:
"Wir suchen per 1. Juni eventuell später einen seminaristisch
gebildeten Religionslehrer, Kantor und Schochet bei entsprechender
Eingruppierung. Wohnung vorhanden. Bewerber wollen sich wenden an den Kultusvorstand
in Lichtenfels (Bayern)." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Beschneidung in Lichtenfels 1887
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1887:
"Lichtenfels. Am Schabbat Paraschat Beschallah (d.i. der
Schabbat mit der Toralesung Beschallah = 2. Mose 13,17 - 17,16; 5. Februar
1887) war bei uns eine Brit Mila (Beschneidung) bei Herrn Zinn, wo
Herr Gelbart von Burgkunstadt als Mohel (Beschneider) fungierte.
Einsender dieses war ganz überrascht, als er hörte, wie Herr Gelbert als
Chasan (Kantor) besondere Fähigkeit hat, einen Chor zu leiten. Als Baal
Kore (Vorbeter) der zu diesem Sabbat gelesenen Lieder (frei
übersetzt, u.a. wird an diesem Sabbat das Lied der Debora aus Richter 5
gelesen) hat derselbe eine so große Gewandtheit gezeigt, dass unsere
Gemeinde mit inniger Zufriedenheit und zwar mit dem Ausrufe: Ein solches Leienen
(Vorlesen aus der Tora) haben wir noch nicht gehört, das Gotteshaus
verließ.
Isaak Kronmacher in Lichtenfels". |
Besuch der Erzbischofs Dr. von Hauck in Lichtenfels (1927)
Berichtet wird von einem Besuch des Bamberger Erzbischofs Dr.
Johann Jakob von Hauck (1861-1943; Erzbischof in Bamberg von 1912 bis
1943).
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 23. Mai
1927: "Lichtenfels. Bei dem feierlichen Empfang des Erzbischofs,
Exzellenz Dr. von Hauck, wurde der Erzbischof von Vertretern aller
Konfessionen begrüßt. In einer längeren Unterredung, die der Erzbischof
mit dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, Karl Kraus, hatte,
betonte er, dass ihn diese Begrüßung freue und dass es ja eine der
Hauptaufgaben des Christentums sein müsse, den Frieden zwischen den
Konfessionen aufrechtzuerhalten." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des Arztes Dr. Ehrlich (1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. September 1909:
"Lichtenfels (Bayern). hier verschied der in allen Kreisen wegen
seiner Tüchtigkeit und seines edlen Charakters angesehene Arzt Dr. Ehrlich.
Er war in Schopfloch geboren und machte
den Feldzug von 1866 als Einjährig-Freiwilliger mit".
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99. Geburtstag der aus Lichtenfels stammenden Fanny Lüneburger (1930)
Fanny Lüneburger (oder Lünneburger) geb. Zenner ist
am 1. April 1831 in Lichtenberg als Tochter von Isaak und Charlotte Zenner
geboren. Sie war mit Leopold Lün(n)eburger verheiratet (Kaufmann in Ullstadt,
wo die Familie lebte) und starb als damals älteste Würzburgerin an ihrem 100.
Geburtstag am 1. April 1931 in Würzburg. In Würzburg hatte sie bei ihrer
Tochter Bertha verh. Siegel gelebt (nach R. Strätz: Biographisches Handbuch
Würzburger Juden I,361).
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
April 1930: "Ins 100. Lebensjahr. Würzburg, den 1. April
1930. An diesem Tag feierte Frau Fanny Lüneburger in Würzburg ihren 99.
Geburtstag. Ihr ältester Enkel, Herr Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel in
München, schreibt uns dazu, dass sich seine Großmutter der besten
Gesundheit erfreut und ihren Geburtstag vergnügt im Kreise ihrer
zahlreichen Kinder, Enkel und Urenkel gefeiert
hat." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche der Eisen- und Kolonialwarenhandlung M.
Traub (1884)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1884:
"Zum Eintritt nach Ostern suche einen ordentlichen Lehrling. Kost und
Logis im Hause.
M. Traub, Eisen- und Kolonialwarenhandlung,
Lichtenfels in Bayern." |
Verlobungsanzeige von Trude Grünhut und Julius Sichel (1929)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 24. Mai 1929:
"Trude Grünhut - Julius Sichel.
Verlobte.
Lichtenfels - München. 26. Mai 1929." |
Weitere Dokumente
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)
Rechnung
der
Firma David Bamberger (1936) |
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| Die
Rechnung der Firma David Bamberger mit dem dekorativen Briefkopf wurde am
6. März 1936 verschickt. Der Firmengründer David Bamberger ist 1811 in Mitwitz
geboren und wurde dort 1837 im Handelsregister als Lebküchner, 1845 als
Krämer und 1865 als Einzelhändler geführt. 1875 schickte er seine
Söhne Philipp und Fritz nach Lichtenfels, um dort eine Niederlassung
seines schon einige Zeit vorher gegründeten Geschäftes zur Herstellung
von Körben aus Palmwedeln aufzumachen. Sechs Jahre später wurde das
Mitwitzer Geschäft geschlossen; der Betrieb in Lichtenfels florierte und
wurde in wenigen Jahren zur größten Firma in der Stadt (über 100
Mitarbeiter, dazu weitere etwa 100 in Heimarbeit) und eine der größten
Firmen in Europa für Materialien, die in der Korb- und Möbelindustrie
benötigt wurden. 1939 endete zwangsweise die Firmengeschichte; die
Firmeninhaber Alfred und Ludwig Bamberger flohen aus NS-Deutschland. Fritz
Bamberger, ein Sohn des Firmengründers ist 1942 in Theresienstadt
umgekommen. |
Zur Geschichte der Synagoge
1757 (nach A. Eckstein, Bamberg S. 136) erhielt die
jüdische Gemeinde durch ein Regierungsdekret die Erlaubnis, eine Synagoge an
einem abgelegenen Ort, das heißt vor allem nicht an einer öffentlichen Straße
bauen zu können. Die Stadt stellte für den Bau ein Grundstück zur Verfügung. Die jüdische
Gemeinde musste sich verpflichten, neben den Abgaben an das Bistum jährlich 5
Gulden an das Kastenamt in Lichtenfels, dazu einen "Handlohn" bei einem
Verkauf oder Tausch eines Betstuhles in der Synagoge zu bezahlen. Von einem
jüdischen "Schulmeister" ist 1763 die Rede. Er wird die Kinder
unterrichtet haben sowie als Vorbeter tätig gewesen sein. Die Synagoge wurde 1797 erbaut und
1867 renoviert.
Beim Novemberpogrom 1938 drangen 20 bis 25 SA-Männer in die Synagoge ein,
zerschlugen die Fenster und zerstörten
die Inneneinrichtung und die Ritualien (darunter 10 Torarollen und wertvolle
Toraschrein-Vorhänge). Das Gebäude blieb stehen. Es kam im Dezember 1938 für
600 RM in den Besitz der Stadt und wurde als Alteisenlager, an Markttagen als
Schweinestall zweckentfremdet. Auch nach 1945 wurde das Gebäude als
Lager verwendet.
Bereits in den 1990er-Jahren gab es Bemühungen der Stadt, die ehemalige
Synagoge erwerben. Auch 2005 gab es derartige Bemühungen: es bestand der
Plan, in der ehemaligen Synagoge eine Gedenkstätte einzurichten. Im Juni
2010 beschloss der Gemeinderat die Sanierung der ehemaligen Synagoge (siehe
Pressebericht unten).
An die ehemalige jüdische Schule in der Judengasse 14 erinnert seit 1995
der sogenannte "Schulbrunnen" mit dem folgenden Text auf der
Tafel: "Zur steten Mahnung an die Verbrechen der Pogromnacht vom 09. und
10.11.1938 und das Unrecht gegenüber ihren jüdischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern im Dritten Reich benennt die Stadt Lichtenfels diesen Brunnen nach
der damals im gegenüberliegenden Anwesen Judengasse 14 befindlichen
israelitischen Volksschule." Ein Ehrenmal zum Gedenken an alle jüdischen
Opfer wurde bereits 1952 am jüdischen
Friedhof errichtet.
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse 12
Fotos
(Fotos der oberen beiden Fotoreihen: Jürgen Hanke, Kronach)
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| Die ehemalige Synagoge |
Synagoge von der Judengasse |
Gedenktafel |
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| Der
"Schulbrunnen" |
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Das Gebäude der
ehemaligen
Synagoge 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.4.2007) |
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Straßenschild
"Judengasse" |
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| Die ehemalige
Synagoge |
Gedenktafel |
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| Die erhaltene,
originale Eingangstür |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Februar
2010: Aus der ehemaligen
Synagoge soll ein Kulturraum werden |
Foto
links von Alfred Thieret: Dr. Jörg Welsch, der Erste Vorsitzende des Fördervereins, die Schriftführerin Dr. Ute Kirchberger und der Zweite Vorsitzende Prof. Dr. Günter Dippold setzen sich für die Sanierung und entsprechende Nutzung der ehemaligen Synagoge ein.
Artikel in infranken.de (Artikel):
"Aus der Synagoge soll ein Kulturraum werden.
Im Mittelpunkt der Hauptversammlung des Vereins "Förderer der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels" stand die bevorstehende Sanierung des Gebäudes, das einst den jüdischen Bürgern als Gotteshaus diente und nun eine kulturelle Nutzung erfahren soll.
Der Vorsitzende Dr. Jörg Welsch ging zunächst noch einmal auf die Ziele des gemeinnützigen Vereins ein. Man habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Sanierung der ehemaligen Synagoge zu fördern und den öffentlichen Eigentümer bei der kulturellen Nutzung der Räumlichkeiten des ehemaligen Synagogengebäudes insbesondere im Hinblick auf einen Dialog zwischen den Religionen zu unterstützen.
Die notwendigen Mittel sollen durch die Mitgliedsbeiträge und vor allem durch Spenden aufgebracht werden.
Nach Abschluss der Arbeiten soll die ehemalige Synagoge für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt werden, vornehmlich aber für Lesungen und Vorträge sowie für bestimmte Musikveranstaltungen. Das Gebäude könne dann nach Auffassung von Prof. Dr. Günter Dippold als ideale Ergänzung zum Stadtschloss dienen." |
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| Juni
2010: Die ehemalige Synagoge wird
restauriert |
Artikel
von Guido Geelen im "Obermain-Tageblatt" vom 14. Juni 2010 (Artikel):
"Begegnungsort und mahnende 'Zeitzeugin'
'Grünes Licht' für aufwändige Sanierung der ehemaligen Synagoge / Multifunktionale Nutzung für die Kultur.
LICHTENFELS - Für die Sanierung der ehemaligen Synagoge gab der Stadtrat gestern
'Grünes Licht'. Das Gremium genehmigte die vorgelegte Planung und die Baumaßnahmen mit voraussichtlichen Gesamtkosten von
983.000 Euro (inklusive Grunderwerb). Der Eigenanteil der Stadt soll aber aufgrund der zu erwartenden Zuschüsse
'nur' bei 163.000 Euro liegen.
Das Architekturbüro Michel-Gräf-Grimme hat bei der Planung für die Sanierung, für den Anbau eines Technik- und Versorgungsbereich sowie die Neugestaltung der Außenanlage die oben genannten Gesamtkosten veranschlagt. Laut Erster Bürgermeisterin Dr. Bianca Fischer liegt von der Oberfrankenstiftung schon eine Zuschussbewilligung über
35.000 Euro vor. Das Landesamt für Denkmalpflege (10.000 Euro beantragt) und die Bayerische Landesstiftung
(60.000 Euro) hätten den förderunschädlichen Maßnahmenbeginn erteilt. Und von der Bezirksregierung, Städtebauförderungsabteilung, werde in den nächsten Tagen der vorzeitige Maßnahmenbeginn erteilt - von dieser Stelle sollen noch einmal
400.000 Euro fließen.
Konzeption.
Ulrich Sünkel, Leiter des Hochbauamtes der Stadt, hatte den Räten zuvor noch einmal die Konzeption für das Projekt erläutert, das in enger Abstimmung mit Denkmalpflege, Landratsamt Lichtenfels und Restaurator Uwe Franke entwickelt worden sei.
Im Synagogenraum (Veranstaltungssaal) werden die umfangreich erhaltenen bauzeitlichen Putze und farbigen Fassungen der Wände gefestigt, die Befundstellen mit Japanpapier gesichert. Ein dünnschichtiger Kalkspratzenmörtel wird als Baustellenmischung aufgebracht. Hierauf folgt als Auftrag mit der Bürste ein heller Anstrich. Eine Musterfläche mit historischem Aufbau bleibt sichtbar. Der Boden erhält einen Sandsteinbelag auf einer Bodenplatte im Bereich der
'Männersynagoge'. Der Bereich der 'Frauensynagoge' wird durch einen Eichendielenboden kenntlich gemacht. Der Standort der Bima soll mit Metallband im Bodenbelag gekennzeichnet sein. Das Tonnengewölbe erhält einen neuen, hellen Anstrich als moderne Neufassung.
Das historische Kreuzstockfenster von 1867 wird restauriert. Neue Fenster werden als Verbund- oder Kastenfenster in Konstruktion und Gestaltung den historischen Fenstern angepasst.
Der Thoraschrein sowie etwa 30 Zentimeter beidseitig davon sollen als Primärdokument der Zerstörung im jetzigen Zustand erhalten bleiben.
Der große Raum der Synagoge wird künftig multifunktional für Kulturveranstaltungen wie Vorträge, Konzerte, oder Ausstellungen genutzt.
Der Anbau (Foyer) wird an Stelle der derzeitigen Garage errichtet. Er erhält die nötigen Nutzräume (Technik, WC) für den Veranstaltungssaal und eine kleine Theke. Ebenso befindet sich dort ein Touchscreen der Infos zur Geschichte der Synagoge und dem aktuellen Kulturprogramm zugänglich macht. In den der linken Glas-Schiebetüre zur Synagoge werden die Opfer des Naziterrors in Lichtenfels, in der rechten Glas-Schiebetüre einige Zeitdaten des Gebäudes aufgelistet. Das
'Begrüßungsbildes' an der Süd-Ostseite wird künstlerisch gestaltet und vielleicht hinterleuchtet. Der Hauptzugang zum Gebäude ist behindertengerecht ausgeführt.
Der Anbau wird aus Kalksandstein- oder Ziegelmauerwerk mit Thermohaut ausgeführt und erhält einen hellen Anstrich. Zwei Lichtstreifen in der im Bestand vorgefundenen blauen Farbe markieren die Gebäudelage zwischen Rathaus/Marktplatz und dem Bahnhof. Das flach geneigte Dach, das hinter einer Attika verschwindet, wird als Grasdach ausgeführt.
Die Freifläche soll mit gelben Natursteinen gepflastert sein und erhält an der Straßenseite bepflanzte Grünflächen. Der
'Platz der Ruhe und des Gesprächs' ist dann durch Sandsteinquader begrenzt, die als Sitzflächen dienen. Der Weidenbaum symbolisiert die Verwurzelung des Korbflechterhandwerkes in Lichtenfels mit den ehemals ansässigen jüdischen Bürgern. Halbkreisförmig finden die Sandsteinquader-Fundstücke, die derzeit im Gebäudeinneren gelagert werden vor dem Anbau ihren Platz. Ergänzt werden könnten die Quader mit einem künstlerisch bearbeiteten Stein bzw. Skulptur zum Thema
'Mehr als Steine'. Im Portal aus Sandsteinquadern befindet sich ein Touchscreen mit Informationen zur Synagoge und den Veranstaltungen der neuen Begegnungsstätte. Das Grundstück wird durch einen Zaun aus Stahlstäben in Anlehnung an den ehemals vorhandenen Zaun eingegrenzt." |
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| Juli
2010: Erster Spatenstich zum Beginn
der Restaurierung |
Foto links: Am Modell wird ersichtlich, wie das Ensemble der ehemaligen Lichtenfelser Synagoge einmal aussehen wird. Der "Platz der Ruhe und des Gesprächs" vor dem Gebäude erhalte eine gelbe Pflasterung, sagte Bürgermeisterin Bianca
Fischer.
Artikel in "infranken.de" vom 26. Juli 2010 (Artikel):
"Synagoge wird zu einem Ort der Begegnung.
Mit einem Volumen von 983.000 Euro wird die ehemalige Synagoge in Lichtenfels nun renoviert. Der große Raum soll künftig für kulturelle Veranstaltungen genutzt und um ein Foyer erweitert werden. Der Platz vor der Synagoge wird ebenfalls umgestaltet zu einem "Platz der Ruhe und des Gesprächs".
Mit dem symbolischen ersten Spatenstich eröffneten am Montagnachmittag Bürgermeisterin Bianca Fischer, Landrat Reinhard Leutner, Bezirksheimatpfleger Günter Dippold und andere die Renovierungsphase. Aus dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert soll - so sieht es das Konzept vor - eine Begegnungsstätte werden. Zudem werde die Synagoge ein Ort, an dem Vorträge, Konzerte und Ausstellungen stattfinden, sagte die Bürgermeisterin. Insgesamt seien 983 000 Euro für das Projekt veranschlagt, fuhr Bianca Fischer fort. Die Oberfrankenstiftung gebe 350 000 Euro dazu und über die Städtebauförderung erhalte man 356 000 Euro, so dass die Stadt Lichtenfels lediglich 207 000 Euro Eigenmittel aufbringen müsse.
Gemeinsam erarbeitetes Konzept. Das von mehreren Behörden und Institutionen unter Federführung von Prof. Günter Dippold erarbeitete Konzept erhielt großes Lob von der Bürgermeisterin. Und sie ist froh, dass nun mit der Renovierung begonnen werden kann: "Es war ein langer Weg, bis die Stadt das Gebäude 2005 erwerben konnte."
Landrat Reinhard Leutner stimmte zu: Es sei gut und richtig, dass aus der Synagoge eine Gedenk- und Mahnstätte wird, sagte er, "das steht einer Stadt gut an".
"Lichtenfels ist ohne seine jüdische Geschichte nicht denkbar, und die Synagoge ist das wichtigste Zeugnis dieser jüdischen Geschichte", sagte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold. Es sei gut, dass dieses Gebäude nun hervorgeholt werde aus seinem Schattendasein: "Es soll ein Ort der Begegnung werden." Das Projekt, so Günter Dippold, stehe in guter Tradition des guten Miteinanders von Juden und Christen in Lichtenfels. Dieses Miteinander sei in Lichtenfels "ausgeprägter als an anderen Orten".
Die jüdische Gemeinde in der Stadt sei über die Jahrhunderte hinweg zahlreicher geworden, das Zusammenleben sei Normalität gewesen. In nachbarschaftlichem Verhältnis hätten Juden und Christen zusammengelebt, aber wie es bei Nachbarn eben so sei: "Nachbarn gibt's immer solche und solche."
Lichtenfelser Liberalismus. Günter Dippold charakterisierte Lichtenfels als eine Stadt, "in der der Liberalismus sehr stark war - ein Thomas Dehler kommt nicht zufällig aus Lichtenfels". Gleichwohl sei der Bruch 1933 in Lichtenfels "mindestens so brutal wie an anderen Orten" vollzogen worden. Die friedliche, jahrhundertelange Nachbarschaft von Juden und Christen habe spätestens in der Pogromnacht von 1938 eine grausame Wendung genommen, die bis hin zum Mord reichte.
Den schlichten, aber schönen Synagogenraum lobte Günter Dippold wegen der guten Akustik: "Das ist ein Raum, in dem es sich gut reden lässt, das wird ein guter Vortragsraum."
Die Bürgermeisterin hatte zuvor darauf hingewiesen, dass das Gesamtkonzept auch den Anbau betreffe, der zum Foyer umgestaltet werde. Außerdem werde die Freifläche vor dem Ensemble mit gelben Natursteinen gepflastert. Zur Straße hin runde eine Grünfläche das Areal ab, das zu einem "Platz der Ruhe und des Gesprächs" werden soll." |
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| März
2011: Die Restaurierung der ehemaligen
Synagoge kommt voran - ein Kulturtreff wird
eingerichtet |
Foto
links: Außen und innen gehen die Arbeiten an der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels
voran.
Artikel aus dem "Fränkischen Tag" vom 23. März 2011 (Artikel):
"120.000 Euro von der EU
Lichtenfels. Förderbescheide Die ehemalige Synagoge in Lichtenfels wird ein Kulturtreff, und dazu gibt's Geld aus dem Leader-Programm der Europäischen Union. Finanziell unterstützt wird auch der Pfad der
Flechtkultur.
Auf der Baustelle in der Judengasse geht es voran. Im Herbst soll die ehemalige Lichtenfelser Synagoge als Begegnungs- und Veranstaltungsstätte eröffnet werden und damit wieder eine angemessene Nutzung erfahren. Bevor die Stadt das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude im Jahr 2005 nach immer wieder geäußertem Bestreben - man muss sagen: endlich - erwerben konnte, diente es einer Firma als Lagerraum.
Lichtenfels erhält für dieses Projekt, für das Gesamtkosten von 983.000 Euro veranschlagt wurden, von verschiedenen Stellen finanzielle Unterstützung. Der Stiftungsrat der Oberfrankenstiftung hat einen Zuschuss von 350.000 Euro bewilligt, aus Mitteln der Städtebauförderung wurden 356.000 Euro angekündigt, so dass die Stadt "nur noch" 207.000 Euro selbst aufbringen muss.
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links von Ramona Popp: Wolfgang Keck (links), Leiter der Strukturentwicklungsgruppe aus Wunsiedel, übergab Bürgermeisterin Bianca Fischer den Förderbescheid der Leader-Förderstelle für Einrichtung und Ausstattung der Lichtenfelser Synagoge zum einem Kulturtreff direkt auf der Baustelle. Mit im Bild (von rechts) Regionalmanager Timo Steiner und stellvertretender Landrat Helmut
Fischer.
Stätte mit Leben erfüllen. Bürgermeisterin Bianca Fischer freute sich nun darüber, dass auch das Leader-Förderprogramm der Europäischen Union (EU) die künftige Begegnungsstätte als unterstützenswert ansieht. Wolfgang Keck, der Leiter der Strukturentwicklungsgruppe, die am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg am Standort Wunsiedel angesiedelt ist, überbrachte gestern den offiziellen Förderbescheid. Von den 175.000 Euro, die für die Einrichtung und technische Ausstattung sowie die Gestaltung des Außenbereichs angedacht sind, soll ein Zuschuss von rund 73.500 Euro aus EU-Mitteln fließen. Ohne die Leaderförderung - initiiert von Regionalmanager Timo Steiner am Landratsamt - wäre eine so hochwertige Ausstattung nicht möglich. Besonders angetan zeigte sich die Bürgermeisterin davon, dass das Lichtenfelser Gymnasium bereits Interesse bekundet habe, diesen künftigen Kulturtreff mit Leben zu erfüllen. Einen Förderverein gibt es übrigens bereits seit 2007 in Lichtenfels.
Noch ein zweites Projekt im Zuständigkeitsbereich der Stadt Lichtenfels erfährt finanzielle Unterstützung durch die EU: der Pfad der Flechtkultur. Auf vorhandenen Wegen einer elf Kilometer langen Rundstrecke wird an über 13 Stationen die Geschichte von Korbmacherhandwerk, Korbindustrie und Korbhandel informiert und ein Bogen gespannt von der traditionellen Korbmacherei hin zu modernem Flechtwerk. Kein Lehrpfad im klassischen Sinn, sondern ein lebendiges Projekt soll es werden, attraktiv für einheimische wie auch für Touristen.
Diesen Aspekt griff auch stellvertretender Landrat Helmut Fischer (CSU) auf, der dabei war, als der Förderbescheid über rund 46.000 Euro übergeben wurde. Fischer erinnerte sich daran, als Junge in dem früheren Korbmacherdorf bei der Weidenernte mitgeholfen zu haben. Der Pfad wird die Stadt Lichtenfels und die Gemeinde Michelau, deren Bürgermeister Fischer ist, und damit das Dreigestirn von Staatlicher Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, Innovationszentrum Lichtenfels und Deutschem Korbmuseum verbin-
den.
Leader ist ein EU-Förderprogramm zur Stärkung ländlicher Räume. In lokalen Arbeitsgruppen hatten die Bürger Gelegenheit, eigene Ideen einzubringen." |
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| Oktober
2011: Einweihung der restaurierten
ehemaligen Synagoge |
Artikel von Andreas Welz und
Bürgermeisterin Bianca Fischer in der "Neuen Presse Coburg" vom
29. Oktober 2011 (Artikel):
"Synagoge wird Stätte der Begegnung
In das ehemalige Gebetshaus der Juden in Lichtenfels zieht neues Leben ein. Das Gebäude inmitten der Stadt soll das Andenken an seine Erbauer wach halten.
Lichtenfels - Die ehemalige Synagoge in Lichtenfels wurde am gestrigen Freitag als Kunst-, Kultur- und Begegnungsstätte ihrer Bestimmung übergeben. Bürgermeisterin Bianca Fischer lobte die gelungene Sanierung des 1798 errichteten Gebäudes. Es sei ein Denkmal, das an die lange Geschichte und vor allem auch an die gewaltsame Auflösung und die Vernichtung des Judentums in Lichtenfels erinnere, sagte sie bei dem bewegenden Festakt.
Als künftige Begegnungsstätte solle die Synagoge dazu beitragen, dass das Gedankengut und die Gesinnung, die den Naziterror erst ermöglichten, in Lichtenfels nicht mehr Platz greifen können. Bei der Planung und Umsetzung der Neugestaltung habe die Stadt Unterstützung und Förderung erfahren, sagte sie und dankte allen, die daran beteiligt waren. "Den ersten Teil, das Denkmal vor dem Verfall zu bewahren, haben wir gemeinsam geschafft. Es aber nachhaltig im Sinne seiner Erbauer mit Leben zu füllen, bleibt eine Herausforderung für uns alle", unterstrich das Stadtoberhaupt.
Als "Juwel im Stadtzentrum" bezeichnete Regierungspräsident Wilhelm Wenning die ehemalige Synagoge. Die Bürger hätten den Wert dieser Kultur- und Bildungsstätte erkannt und sich für den Erhalt eingesetzt. Auch als städtebauliches Projekt sei es beispielgebend, daher habe die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung und die Städtebauförderung neben anderen Zuschussgebern die Maßnahme unterstützt. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Heinrich Olmer, bezeichnete die Synagoge als wichtigstes Zeugnis der jüdischen Geschichte in Lichtenfels.
Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ließ die Geschichte der Lichtenfelser Juden Revue passieren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die über 100 Mitglieder der jüdischen Gemeinde völlig in die Bürgerschaft integriert. Ihre Handelshäuser befanden sich am Marktplatz und in belebten Straßen. Es entstand eine enge Verbindung des Korbflechterhandwerks mit den jüdischen Korbhändlerfamilien. Wie ihre Nachbarn zogen die Männer in den Ersten Weltkrieg, einige wurden hoch dekoriert. Die Kinder besuchten gemeinsam die Vereine. 1933 aber, nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler, begann auch in Lichtenfels der Boykott jüdischer Geschäfte, im November 1938 wurde die Synagoge geschändet und des gab die ersten Opfer.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich keine jüdische Gemeinde in Lichtenfels etablieren. Das Gemeindehaus wurde Versammlungsstätte der apostolischen Gemeinde und diente später als Lagerraum einer Firma. Seit 2005 ist das frühere jüdische Gebetshaus im Besitz der Stadt Lichtenfels. Im Juni 2010 gab der Stadtrat "grünes Licht" für die Sanierung der ehemaligen Synagoge.
Der historisch vielschichtige Raum soll als authentischer Ort erhalten werden, der Besucher die vielschichtigen Spuren von der Erbauungszeit bis zur Fremdnutzung nach 1945 erleben lässt. Jede Rückführung auf einen bestimmten Zeitabschnitt würde die unverzichtbare Breite der Anschauung und damit auch die authentischen Impulse des Erinnerns und Gedenkens zerstören.
Die Gesamtkosten des Umbaus liegen bei 983 000 Euro. Nach den vorliegenden Bewilligungsbescheiden ergibt sich laut Ulrich Sünkel vom Lichtenfelser Bauamt folgende Finanzierung für die Sanierung der ehemaligen Synagoge: Städtebauförderungszuschüsse (Bundes- und Landesmittelanteil): 300 000 Euro; Oberfrankenstiftung: 350 000 Euro; Bayerische Landesstiftung: 68 000 Euro; Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: 10 000 Euro; Erfassung und Auswertung der Genisa-Funde (Gegenstände, die aus religiösen Gründen nicht weggeworfen werden durften und deshalb aufbewahrt wurden), Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen: 6000 Euro; für Ausstattung, Technik und Kunst aus dem Leader-Programm: 73 000 Euro; Eigenmittel der Stadt Lichtenfels (das ist rund 20 Prozent): 176 000 Euro.
Die einzelnen Schritte der Sanierung. Störende und nachträglich eingebaute Elemente wie Toilette und Kamin wurden am Gebäude der ehemaligen Synagoge entfernt. Die umfangreich erhaltenen bauzeitlichen Putze sowie die farblichen Fassungen der Wände wurden gefestigt. Die Synagoge erhielt insgesamt einen hellen Anstrich. Der Fußboden der Männersynagoge bekam einen Sandsteinbelag, der der Frauensynagoge wird durch einen Eichendielenboden kenntlich gemacht. Außerdem wurde das historische Kreuzstockfenster restauriert. Das Foyer wurde in moderner Bauart errichtet und beinhaltet den großzügigen und freundlichen Eingangsbereich mit der Miniküche und der Infotheke. Von dort sind auch die Nebenräume wie der Technikraum, Herren-WC, Damen-/Behinderten-WC und die Garderobennische zugänglich. Der Altbau wurde im ältesten nachgewiesenen Farbton gestrichen, ebenso die Altbauwand im Foyer. Der moderne Anbau mit seinem als Gründach ausgeführten Flachdach und seiner schlichten grauen Farbe ordnet sich dem Hauptbau unter. Durch Granitsitzsteine wurde ein Platz zum Verweilen geschaffen, in dessen Mittelpunkt eine Kopfweide die Verbindung des Korbflechterhandwerks mit den jüdischen Korbhändlerfamilien symbolisiert." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 480; III,1 S. 741-742. |
 | Heinrich Meyer: Die Lichtenfelser Juden. In:
Geschichte am Obermain 5 1968/69 S. 135-166. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 141-143. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 214-215. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 239-241.
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 | Susanne Troche: Widerstand gegen Hitler.
Einzelbeispiele aus dem Raum Lichtenfels. Fränkische Heimat am Obermain
Heft 32. Online
zugänglich. (Kapitel 6.4: Die Unterstützung von Juden). |
 | Erwin Vollmuth: Der 9. November 1938
("Reichskristallnacht") in Lichtenfels. 1981. In Kürze online
zugänglich.
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"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Lichtenfels S. 193-200 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden). |
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 | Klaus
Bamberger: Aus der Geschichte der Familie Bamberger.
Kindheitserinnerungen an Lichtenfels. Sonderheft 3 aus der Reihe
Lichtenfelser Hefte zur Heimatgeschichte (hrsg. vom Stadtarchiv
Lichtenfels).
Dieser Publikation liegen die beiden nachfolgend genannten Beiträge
zugrunde: |
 | Claude P. Bamberger: A Biographical Essay. Carlstadt
N.J. 1989. |
 | ders.: History of a Family. The Bambergers of Mitwitz and Lichtenfels, Germany 1770-1993. Tenafly N.J. 1993. |
 | Hans-Peter
Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und
Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur
Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Lichtenfels S. 83-85.
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 | Die
Lichtenfelser Synagoge. Festgabe zur Eröffnung der ehemaligen Synagoge
als Kunst-, Kultur- und Begegnungsstätte. Hrsg. von Christine Wittenbauer.
Reihe: Lichtenfelser Hefte zur Heimatgeschichte. Hrsg. vom Stadtarchiv
Lichtenfels. Heft 12. Lichtenfels 2011.
Selbstverlag der Stadt Lichtenfels, Postfach 1220, 96202 Lichtenfels. Bestellmöglichkeit
über Website der Stadt. ISBN 0944-8993. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Lichtenfels Upper
Franconia. The 13th century community was expelled during the Rindfleisch
massacres of 1298 and again in 1499 after reestablishing itself in 1447. The
community was renewed in 1668 under the protection of the Bishop of Bamberg. A
synagogue was built in the Jewish quarter in 1757. The Jewish population reached
155 in 1812 (total 1.564) and thereafter declined steadily to 69 in 1933 (total
6.970). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
vandalized, ten Torah scrolls were burned, Jewish homes and stores were looted,
and 22 Jews were arrested. Fifty-three Jews left the city in the Nazi era,
including 15 to England and 13 to the United States. On 25 April 1942, six of
the remaining Jews were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and
another eight were sent to the Theresienstadt ghetto.

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