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Synagogen in Bayerisch Schwaben
Hainsfarth (Landkreis Donau-Ries)
Jüdische Geschichte / Synagoge
| Neuerscheinung im
Herbst 2011: |
Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band
6.
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN
978-3-9808482-2-0
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der
'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum
'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr
am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart,
Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich
abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von
12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich
E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de. |
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Hainsfarth bestand eine jüdische Gemeinde bis 1941. Ihre Entstehung
geht in die Zeit des 15. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1434
ein verstorbener Hainsfarther Jude anlässlich seiner Beerdigung auf dem Nördlinger
Friedhof genannt. 1480 gab es vier Judenhäuser in Hainsfarth. 1585
werden drei Juden genannt, deren Zahl in den nächsten Jahren zugenommen hat. In
der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren es durchschnittlich 7 bis 10 jüdische
Familien am Ort. Neuer Zuzug erfolgte u.a. durch die aus dem Herzogtum
Pfalz-Neuburg vertriebenen jüdischen Familien (1741, vgl. Monheim).
Die jüdischen Familien wohnten vor allem entlang der Jurastraße (früher
"Judengasse"). Die Gemeinde unterstand 1743 dem Landesrabbinat
Oettingen-Spielberg. Im 19. Jahrhundert war zumeist der Oettinger Rabbiner für
Hainsfarth zuständig. 1888 bis 1902 betreute Rabbiner Löb Wissmann vom
Schwabacher Rabbinat auch Hainsfarth; auch in der Folgezeit (bis zur Auflösung
des Rabbinatsbezirkes) blieb Hainsfarth dem Rabbinatsbezirk Schwabach
zugeteilt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1809/10 452 jüdische Einwohner (39,6 % von insgesamt 1.142 Einwohnern),
1837 440 (37,6 % von insgesamt 1.170), 1867 232 (21,9 % von insgesamt 1.058),
1871 232 (21,9 % von 1.058), 1880 211 (18,8 % von 1.124), 1890 159 (14,6 % von
1.086), 1900 135 (13,0 % von 1.037), 1910 91 (9,1 % von 999).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine Konfessions- beziehungsweise Religionsschule, ein rituelles Bad und
einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle
unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Emil Goldschmidt
(geb. 30.7.1882 in Kleinheubach, gef. 28.11.1916), Alfred Lehmeier (geb.
25.9.1892 in Hainsfahrt, gef. 22.7.1918) und Benno Schönemann (geb. 7.1.1898 in
Hainsfahrt, gef. 22.3.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die
Gefallenen der beiden Weltkrieg im Zentrum von Hainsfahrt an der Kreuzung
Hauptstraße/Jurastraße.
Um 1925, als noch 42 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (4,5 % von
insgesamt 941 Einwohnern), bildeten den Gemeindevorstand die Herren Isidor
Stein, Heinrich Steiner, B. Steinhacker, Moritz Steiner und Salomon Gutmann. Als
Bezirksschochet (Schächter) kam der Lehrer und Schochet Seligmann Fuchs aus Cronheim
regelmäßig nach Hainsfarth. Drei jüdische Kinder erhielten jüdischen
Religionsunterricht in der Volksschule in Oettingen.
An jüdischen Vereinen bestanden eine Chewra Kadischa
(Beerdigungs- und Wohlfahrtsverein), ein Israelitischer Frauenverein und
ein Ortverein des "Verbandes der Sabbatfreunde" (siehe unten
Bericht zur Gründung 1908).
1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Hainsfarth (3,9 % von insgesamt
883 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sowie der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts ist ein Teil der jüdischen Einwohner in den folgenden
Jahren aus Hainsfahrt in andere Orte Deutschlands verzogen oder konnte noch
auswandern. Am 17. Mai 1939 wurden noch 24 jüdische Einwohner gezählt, am
1. Januar 1941 mindestens noch elf. Sie lebten zusammen in zwei behördlich
angeordneten "Judenhäusern" am Ort. Am 10. August 1942 wurden zehn jüdische
Personen im Alter zwischen 8 und 79 Jahren im Auftrag der Gestapo abgeholt. Ein
Teil wurde in das Ghetto Theresienstadt verbracht, ein Teil in das
Vernichtungslager Piaski. Drei jüdische Personen sollen noch einige Zeit im
Kreidewerk Fritz Schulz in Neuburg zur Zwangsarbeit verpflichtet gewesen sein.
Sie wurden Anfang 1943 deportiert.
Von den in Hainsfarth geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anna Adler geb. Schäfer
(1879), Wilhelm (Willi) Aufhäuser (1887), Marta Aufhäuser geb. Westheimer
(1895), Hugo Engländer (1885), Jakob Engländer (1878), Jette Engländer geb.
Gutmann (1868), Therese Engländer geb. Schlossmann (1875), Irma Frankenburger
geb. Gutmann (1885), Siegbert Friedmann (1880), Julie Gernsheimer geb. Engländer
(1899), Martin Gernsheimer (1934), Hermann Gunzenhäuser (1880), Julie Gunzenhäuser
(1881), Bettina Gutmann geb. Aufhäuser (1873), Clara Gutmann (1879), Hedwig
Gutmann geb. Steiner (1874), Helene Gutmann (1877), Simon Gutmann (1889), Simon
Hermann (1886), Josef Herrmann (1884), Betty Kalter geb. Neumann (1884), Emilie
Kraus geb. Schäfer (1874), Babette Kugler (1859), Salomon Kugler (1865), Julie
Lassmann (1905), Gutta Lehmann geb. Reiter (1882), Klara Levi geb. Ries (1882),
Recha Löwenfels geb. Gutmann (1912), Bertha Marx geb. Aufhäuser (1869), Tana Münter
geb. Engländer (1881), Emma Neuburger geb. Schäfer (1865), Ida Neuburger
(1890), Heinrich Neumann (1881), Anna Oberndorfer (1864), Emilie Oppenheimer
geb. Steiner (1877), Hanna (Hannchen) Oppenheimer geb. Steinhardter (1872),
Frieda Reiter geb. Krebs (1893), Hermann Reiter (1881), Leopold Reiter (1888),
Adolf Schäfer (1875), Albert Schäfer (1877), Ella Schäfer geb. Herrmann
(1880), Hugo Schäfer (1875), Sigmund (Samuel) Schäfer (1871), Ella Schönbacher
geb. Gutmann (1872), Ernestine Schwarz geb. Reiter (1879), Sofie Siegbert geb.
Aufhäuser (1877), Betty Spiegel geb. Gutmann (1886), Frieda Stahl geb. Steiner
(1871), Heinrich Steiner (1861), Julius Steiner (1900), Moritz Steiner (1868),
Jakob Steinmeier (1863), Selma Weil geb. Oberndorfer (1893), Jeanette
Wiesenfelder geb. Laubheimer (1877).
Zu den bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten aus Hainsfarth
gehören:
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Michael Ries (geb. 1815 in Hainsfarth, gest. 1878 in Wallerstein). Er
wanderte als Achtzehnjähriger nach Amerika (aus schrieb sich dort
"Reese") und wurde nach etlichen
geschäftlichen Rückschlägen ein reicher Mann. Bevor er 1878 zu seiner
Europareise aufbrach, schrieb er ein Testament, in dem die Bibliothekl der
Staatsuniversität von Kalifornien mit 50.000 Dollar bedacht war. Eine Summe von
200.000 Dollar sollte wohltätigen Zwecken zugeführt werden. Noch heute heißt
ein Krankenhaus in Chicago nach ihm "Michael
Reese Hospital". Zu seinem Grabmal siehe den Friedhof in Wallerstein. |
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Salomon Gift, der 1846 nach München ging und dort als Textilkaufmann
tätig war. Eine seiner Töchter, die 1898 zur Welt kam, wurde unter dem Namen
"Therese Giehse" eine bedeutende Schauspielerin (vgl. den
Beitrag von R. Hofmann zu den Vorfahren
von Therese Giehse). |
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Bekannt ist auch die aus Hainsfarthh stammenden Familie Aufhäuser, von
denen Siegfried
Aufhäuser (1884-1969) ein bedeutender Gewerkschaftsführer und
Sozialpolitiker wurde. Heinrich Aufhäuser begründete 1870 das Münchner
Bankhauses Aufhäuser, das in die Hauck
& Aufhäuser Privatbank (vgl. auch den Beitrag von R. Hofmann: "An
Oberndoeffer Family History")
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Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1863 / 1909
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1863:
"Stelle-Erledigung. Durch die von Seiten unseres bisherigen
Lehrers Herrn Obermeier nachgesuchte und von der königlichen Regierung
unter besonderer Anerkennung seiner langjährigen ersprießlichen Dienste
verfügten Pensionierung desselben, ist die kombinierte israelitische
deutsche und Religionsschule dahier mit 350 Gulden fixen Gehalt und 50
Gulden für Beheizung des Schulzimmers, erledigt.
Durch Erteilung von Privatunterricht ist Gelegenheit geboten, sich ein
beträchtliches Nebeneinkommen zu verschaffen. Kann der künftige Lehrer
das Vorbeteramt übernehmen, so wird ein weiteres Einkommen von 200 Gulden
zugesichert, und zwar 100 Gulden Gehalt und 100 Gulden Emolumente.
Bewerber werden aufgefordert, ihre Gesuche mit den erforderlichen legalen
Zeugnissen über Befähigung zum Lehramte und über sittlich religiösen
Wandel sofort und längstens binnen 4 Wochen an die unterfertigte
Kultusverwaltung franko einzusehen. Hainsfarth bei Oettingen in Bayern, am
14. Dezember 1863. Die Israelitische Kultusverwaltung." |
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1909: "Vakanz. Die
erledigte israelitische Elementar- und Religionslehrerstelle in Hainsfarth
ist sofort zu besetzen. Seminaristisch gebildete religiöse Lehrer wollen
ihre mit Zeugnissen versehenen Bewerbungen an die unterfertigte Stelle
einreichen.
Israelitische Kultusverwaltung Hainsfarth. H. Gutmann, Vorstand." |
Lehrer M. Friedmann wurde zum Hauptlehrer ernannt
(1907)
Anmerkung: ein Sohn von Lehrer Friedmann war Rabbiner Dr. Isidor Friedmann
(geb. 1873 in Hainsfarth, gest. 1936): nach Besuch der Elementarschule seines
Vater, Besuch des Progymnasiums in Oettingen, Abitur in Mainz; studierte in
Heidelberg, Würzburg und Berlin; 1897 Promotion in Erlangen; weitere Studien am
Rabbinerseminar in Berlin; war zunächst Religionslehrer an einer höheren
Schule in Frankfurt; 1901 bis 1909 Rabbiner in Grätz (Grodzisk Wielkopolski),
dann bis nach 1918 in Wongrowitz, Posen; als Posen polnisch wurde, Rückkehr
nach Frankfurt, wo er akademischer Religionslehrer in der Israelitischen
Gemeinde war.
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 11. Januar 1907: "Hainsfarth (Bayern). Herr Lehrer M.
Friedmann ist von der Königlichen Regierung zum Hauptlehrer
ernannt worden." |
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Friedmann (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1909: "Hainsfarth, 4.
Mai (1909). Aus Anlass seines 50jährigen Dienstjubiläums wurde am 3. Mai
Herr Hauptlehrer Friedmann für seine in 50 Jahren mit Treue und Eifer
geleistete Tätigkeit vom Prinzregenten die Ehrenmünze des königlichen
Ludwigordens verliehen. Die Überreichung erfolgte durch den königlichen
Bezirksamtmann des Kreises Nördlingen in Gegenwart des Distrikts- und
Lokalschulinspektors, des Distriktrabbiners, der politischen und
israelitischen Verwaltung der Gemeinde Hainsfarth, der Lehrer des
Distrikts Oettingen, der Schuljugend und vieler anderer Teilnehmer; auch
die Kinder des Jubilars waren zum Teil aus weiter Ferne zu dieser Feier
herbeigekommen. Anerkennende und ehrende Worte von Seiten der Vertreter
der Behörden wurden dem segensreichen Wirken des Jubilars gerecht, während
die Kollegen in Rede und Gesang seine mannigfachen Verdienste priesen. In
tiefer Ergriffenheit dankte der Jubilar für die ihm erwiesene Ehre sowie
für alle Kundgebungen und schloss mit einem Hoch auf den Prinzregenten. Möge
sich der allerseits beliebte Jubilar noch viele Jahre dieser ihm zuteil
gewordenen Auszeichnung in körperlicher und geistiger Frische erfreuen." |
Aus dem
jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der
Sabbatfreunde" (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1908: "Hainsfarth
(Schwaben), 26. Juli (1908). Einer Anregung unseres Rabbiners, des Herrn
Dr. Mannes von Schwabach, der am letzten Sabbat unsere Gemeinde mit seiner
Anwesenheit beehrte, folgend, wurde auch hier, wie in zahlreichen anderen
Ortschaften Bayerns, die Gründung einer Ortsgruppe des ‚Verbandes der
Sabbatfreude’ beschlossen. Es ist zu hoffen, dass es dem Chewravorstande
und Verwaltungsmitgliede, Herr Max Oberndörfer, der in dankenswerter
Weise sich darum bemüht, gelingt, eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern
zu gewinnen." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Wegzug von Hirsch Gutmann nach München (1910)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1910: "Hainsfarth.
Einen fühlbaren Verlust erlitt unsere kleine Gemeinde durch den Wegzug
des Herrn Hirsch Gutmann nach München. Sie verliert in ihm nicht
nur eines der ersten Gemeindeglieder, sondern zugleich eine tüchtige
Kraft, die ihr Können in den Dienst der Kultusgemeinde stellte. Lange
Jahre hindurch verwaltete er das Amt des Vorstandes und wusste in seiner
vornehmen Art die religiösen Institutionen zu erhalten und die
finanziellen Verhältnisse mit weitschauendem Blicke zu ordnen. Mit Rücksicht
auf Herrn Gutmanns bescheidenen Sinn, der das Gute zu tun, aber nicht darüber
zu sprechen liebte, musste eine offizielle Abschiedsfeier unterbleiben,
doch konnte die Gemeinde es sich nicht ersagen, ihrem verdienten langjährigen
Führer öffentlich zu danken." |
Zum Tod von Abraham Josef Gutmann (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1902: "Hainsfarth
(Schwaben). Einen frommen und wackeren Mann, einen echten Jehudi, der eine
Zierde unserer Gemeinde gewesen, haben wir verloren. Herr Abraham Josef
Gutmann seligen Andenkens ist nicht mehr. Gottesfurcht und Menschenliebe,
Strenge gegen sich und Milde gegen Andere, ein bescheidener, selbstloser
Sinn und ein stets hilfsbereites, opferfreudiges Herz vereinigten sich in
ihm zu schönster Harmonie. Was er als treu besorgter Gatte und
hingebender Vater seiner Familie gewesen, wie er stets von inniger,
aufrichtiger Frömmigkeit, von größter Bescheidenheit und von
herzlichster Menschenfreundlichkeit erfüllt gewesen, wie er für Alles,
was jüdische Lehre und jüdisches Leben betraf, das regeste Verständnis
und die größte Teilnahme bewies, und wie er endlich in geräuschlosester,
aber ebenso ausgedehnter Weise Wohltätigkeit übte, vernahmen wir durch
unseren allverehrten Lehrer, Herr M. Friedmann, an seinem Grabe in warmer
und wirksamer Rede. Möge das Beispiel des teuren Verklärten stets zur
Nachahmung aneifern." |
Zum Tod von Jette Reiter geb. Dottenheimer (1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1938: "Hainsfarth
in Bayern, 24. März (1938). Im hohen Alter von 86 Jahren verstarb hier
Frau Jette Reiter geb. Dottenheimer. Allen Äußerlichkeiten abhold, war
ihr ganzes Leben ein fortgesetztes Schaffen und Wirken für Familie und
Mitwelt im Sinne altjüdischer Frömmigkeit. Auf dem Gebiete der Wohltätigkeit
hat sich die Verblichene ganz besondere Verdienste erworben, die ihr ein
dauerndes Andenken sichern. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Moris Steiner (1904)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1904:
"Für eine alleinstehende ältere Frau suche ein
ordentliches Mädchen,
welches sich jeder Hausarbeit unterzieht, gute Behandlung und hoher Lohn
wird zugesichert. Ältere Person wird bevorzugt, die schon ähnliche
Stellung kleidete. Eintritt wäre sofort erwünscht. Offerten bitte an den
Unterzeichneten zu richten,
Moris Steiner,
Hainsfarth bei Oettingen (Bayern)." |
Weitere Dokumente
Postkarte
an Hermann Weil,
Maschinenfabrik in
Augsburg-Pfersee (1923) von Hedwig Gutmann geb. Steiner aus
Hainsfarth |
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Der Adressat Hermann Weil (geb. 1893 in
Buchau) war mit seinem Bruder Siegfried
Teilhaber der "Motoren- und Maschinenfabrik Augsburg-Pfersee. Hermann Weil und seine Tochter
Edith Weil (Information
über Link) flohen 1938 in die Niederlande. Im Dezember 1943 oder Januar 1944
wurden beide von Amsterdam nach Auschwitz deportiert, wo sie am 28.Januar 1944 ermordet
wurden. Vgl. über Link: Die
Geschichte der Familie Siegfried Weil, Augsburg.
Die Karte selbst ist an die Frau von Hermann Weil geschrieben: Selma
Weil geb. Oberdorfer (geb. 1893 in Hainsfarth). Selma
Weil blieb 1938 in Augsburg bei ihrer Mutter. Ihre Adresse war 1939 die Halderstrasse 6, direkt
neben der Synagoge. In der Liste der ermordeten Juden Augsburgs findet sich der
3. September 1943 als eingetragener Deportationstag. Der Name ihrer bei Ihr lebenden Mutter
Karoline Oberdorfer geb. Steiner (geb. in Steinhart)
findet sich ebenfalls in der Liste der ermordeten
Juden Augsburgs mit dem eingetragenen Deportationstag 30. August 1942.
Die Absenderin der Karte ist Hedwig Gutmann geb. Steiner
in Hainsfarth (geb. 1874 in Steinhart). Sie war eine jüngere Schwester von Selmas Mutter und somit Selmas Tante. Auch
die Namen von Hedwig Gutmanns und Karoline Oberdorfer geb. Steiner finden
sich in den Listen der Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland (siehe oben).
Link zu den "Jewish Birth
Records of Steinhart" von Rolf
Hofmann. |
Zur Geschichte der Synagoge
Im 15./17. Jahrhundert wird jeweils ein Betsaal
in einem der jüdischen Häuser vorhanden gewesen sein. Noch vor dem Dreißigjährigen
Krieg wird ein sogenannten "Freihaus" erwähnt, worin sich die
Hainsfarther Juden zu Gebet und Gottesdienst trafen. 1710 wurde eine Synagoge
auf einem Grundstück erbaut, das schon lange in jüdischem Besitz war. Ein hier
stehendes Haus hatte 1616 Xander von Wassertrüdingen für 500 Gulden gekauft.
Diese 1710 erbaute Synagoge wurde 1810 erneuert. Neben ihr wurde 1811 für 1.600
Gulden ein Haus für den Vorsänger erbaut. Da die alte Synagoge
"ganz ruiniert" war, wurde 1857 mit einem Neubau begonnen. Mit
den Bauarbeiten wurde der Maurermeister Johann Michael Meyer aus dem nahen
Ostheim beauftragt. Die Synagoge wurde in neu-islamischem (maurischem) Baustil
erstellt. Zahlreiche Parallelen zu der wenige Jahre zuvor in Heidenheim am
Hahnenkamm erbauten Synagoge lassen sich erkennen. Die Ausmalung hatte ihr
Vorbild in der Ludwigskirche in München (Ludwigstrasse). Die Einweihungsfeier der
Synagoge war am 24. August 1860. In der Hainsfarther Synagoge wurden für 108
Männer und 102 Frauen Plätze eingerichtet.
Die Synagoge war nur 78 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am
Ort.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude durch mehrere jugendliche,
namentlich nicht bekannte Parteianhänger gestürmt, besudelt, der Toraschrein
aufgebrochen und geschändet.
Nach 1945 wurde das Synagogengebäude und die
benachbarte ehemalige jüdische Schule durch amerikanisches Militär
beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung (JRSO) übertragen. Diese
trennte sich zunächst 1952 von der Schule und verkaufte sie an Privatleute.
Damals wohnten bereits mehrere Familien im Gebäude. Das Synagogengebäude wurde
in den 1950er-Jahren zeitweise als Sporthalle verwendet, wovon auch die Chronik
des TSV Hainsfarth berichtet. 1959 wurde sie von der politischen Gemeinde
gekauft. 1963 übernahm die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Oettingen
das Gebäude. Es war geplant, hierin eine Kirche einzurichten. Der Plan wurde
nicht ausgeführt; die ehemalige Synagoge diente weiterhin als Lagerraum. 1978
kaufte die politische Gemeinde Hainsfarth das Gebäude. Damals wurden erste
Überlegungen für eine Restaurierung angestellt, die jedoch in den folgenden
Jahren bis zur Klärung der Finanzierbarkeit zunächst zurückgestellt wurden.
Schließlich setzte sich auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege für
den Erhalt des Gebäude ein. Nun konnte von verschiedenen Seiten die
Vorbereitungen zu einer Restaurierung der ehemaligen Synagoge und eine
künftigen Nutzung angegangen werden. In einem ersten Bauabschnitt 1989/90 wurde
die Substanzsicherung des Gebäudes vorgenommen. Von 1991 bis 1996 konnte die
Restaurierung unter dem Architekten Wolfgang Obel durchgeführt werden. Seitdem
wird das Gebäude für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen, unter
anderem im Rahmen der alle zwei Jahre durchgeführten "Rieser Kulturtage" genützt.
Schule. 1821 richtete die jüdische Gemeinde aus
eigenen Mitteln eine jüdische Volksschule ein, die in den ersten Jahrzehnten
über 70 Schüler besuchten und die bis 1923 bestand. Erster Lehrer war Wolf
Obermeier.
Fotos
Historische Darstellungen:
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
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| Historische
Ansichtskarte von Hainsfarth mit Ausschnittsvergrößerung der Synagoge. |
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| Historische
Ansichtskarte von Hainsfarth mit Gesamtansicht (Synagoge in der Mitte hebt
sich deutlich vor den anderen Gebäuden hervor) und Ansicht der Synagoge;
die Karte wurde am 6. August 1910 von Hainsfarth versandt. |
Fotos vor der Restaurierung der
Synagoge
(Quelle: hagalil.com) |
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Die ehemalige
Synagoge: noch Bauhof und Lagerraum |
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Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.3.2004) |
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Nordseite der
ehemaligen Synagoge |
Synagoge von Osten mit dem
Vorbau des Toraschreines |
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| Synagoge von Süden |
Der
Eingangsbereich in die Synagoge. Rechts Eingang für die Frauen, links
für die Männer.
Darüber die hebräische Portalinschrift aus Psalm
100,4: "Gehet ein in seine Tore mit Danklied,
in seine Höfe mit
Lobgesang, danket ihm, preiset seinen Namen. Jahr 5620 seit Erschaffung
der
Welt". Nach Renovierung wurde die unterste Zeile ergänzt
"Wiederhergestellt und renoviert 1996". |
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| Innenaufnahmen
der ehemaligen Synagoge. Links Blick zur Empore. Mitte und rechts Blick
zum Ort des ehemaligen Toraschreines. |
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Im Bereich des Toraschreines:
Namenstafel zur Erinnerung an die
in der NS-Zeit Ermordeten. |
Im Bereich des Fenster
wurde
die ursprüngliche Ausmalung
nicht restauriert. |
Decke über der Frauenempore.
Auch hier
blieben Flächen unrestauriert, d.h. im Zustand
wie vor der
Renovierung. |
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Kleine Ausstellung mit Fotos
und
Presseartikeln zur Geschichte der
Restaurierung. |
Tafel von Mitgliedern der
jüdischen Familie
Steinharter zum Dank an Bürgermeister a.D.
Max
Engelhardt und den Gemeinderat. |
Links der Synagoge steht das
ehemalige
jüdische Lehrer- und Schulhaus. Es wurde
nach 1945 für
Wohnzwecke genutzt. Derzeit
(2004, unverändert 2010) ist es leerstehend. |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| September
2005: "Europäischer Tag der
jüdischen Kultur" am 4. September 2005 in Hainsfahrt |
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Bericht in den "Rieser
Nachrichten" vom 6. September 2005 S. 26.
Texte werden nicht ausgeschrieben - bei
Interesse bitte Textabbildungen anklicken. |
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| August
2008: Familienfeier von Nachkommen der
Familie Aufhäuser in Hainsfahrt |
Artikel in der "Augsburger
Allgemeinen" vom 19. August 2008: "Auf den Spuren jüdischer
Vergangenheit.
Hainsfarth (pm) - Ein Abkömmling der Aufhäuser-Familie, der in Israel lebende Werner Loval, traf sich mit seiner Familie, aus New York und Israel kommend, in Hainsfarth. Der Urgroßvater Abraham Aufhäuser und drei seiner Brüder verließen Ende des 19. Jahrhunderts Hainsfarth und gründeten die Familienzweige der Aufhäuser in Augsburg, Nürnberg, München und Ichenhausen. Ein Bruder verblieb in Hainsfarth und somit wohnten Abkömmlinge bis zur Hitlerzeit dort.
Grund des Besuches war, den Enkelkindern die Wurzeln ihrer aus Hainsfarth stammenden Aufhäuser-Vorfahren nahe zu bringen. Einer schönen Tradition folgend schenkt der Großvater allen seinen Enkelkindern zu ihrer Bath-/Bar Mitzwah eine Reise nach Hainsfarth, um ihnen so die Familienchronik zu zeigen.
Seit 1992 wurde der Kontakt zu Hainsfarth seitens der Familie Loval wieder aufgenommen und dies hat sich als schöne Tradition erwiesen. Inzwischen kehren Familienabkömmlinge ehemaliger Hainsfarther Bürger immer wieder zu ihren Wurzeln zurück. Einige Hainsfarther Bürger erlangten Weltruhm.
In der Synagoge wurden die Gäste von Bürgermeister Franz Bodenmüller und der Vorsitzenden des Freundeskreises der Synagoge begrüßt. Sigi Atzmon hieß die Gäste in drei Sprachen, Hebräisch, Englisch und Deutsch, willkommen.
Danach gingen die Besucher in Begleitung von Bürgermeister Bodenmüller und anderen Gästen auf den gut erhaltenen Friedhof, um die Gräber der Aufhäuser-Vorfahren zu besuchen. Nach einem kleinen Imbiss nahmen alle einen bewegenden Abschied. |
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| Oktober
2009: "Schabbatfeier" in der
ehemaligen Synagoge |
Artikel in der "Augsburger
Allgemeinen" vom 26. Oktober 2009: "Ein würdiger Ort, Schabbat zu feiern.
Hainsfarth (heja) - 'Wenn nicht hier, wo würde man dann einen so würdigen Ort finden für eine
Schabbatfeier'. Mit diesen Worten begrüßte die Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge Hainsfarth, Sigi Atzmon, die recht zahlreichen Festgäste in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth am Freitagabend. Gäste, die gekommen waren, um gemeinsam eine Schabbatfeier zu erleben. Anlass für diese Veranstaltung, so Atzmon, seien die vielen Fragen gewesen, die die Besucher der Synagoge Hainsfarth zum Schabbat gestellt hätten.
Als 'Experten' hatte hierauf der Freundeskreis den Juristen und Verleger aus Prag, Roman Kovar eingeladen, der die Feier abhielt.
'Jeder männliche Jude ist berechtigt, die Schabbatfeier zu gestalten' erklärte dazu Sigi
Atzmon.
Warum die Kippah tragen? Warum die Männer angehalten seien in einer Synagoge die Kippah (die kleine runde Kopfbedeckung) zu tragen, das war die Frage, die Roman Kovar gleich zu Beginn der Feier beantwortete:
'Wie Moses vor dem brennenden Dornbusch von Gott aufgefordert wurde, die Augen mit den Händen zu bedecken, so tragen die Männer die
Kippah'. Damit würden sie symbolisch zum Ausdruck bringen, dass sie sich die Augen zuhielten, angesichts der unermesslichen Größe Gottes.
Lichterzünden. Den Beginn jeder Schabbatfeier markiere das Lichterzünden - was in der Regel durch die Hausfrau geschehe -, und zwar vor Sonnenuntergang, erklärte Kovar weiter. Mit dem Schabbat - dem höchsten jüdischen Feiertag überhaupt - würden die Juden den sechsten Schöpfungstag, die Erschaffung des Menschen,
'die Krone der Schöpfung' feiern. Zum Schabbat sei der häusliche Esstisch festlich mit koscherem Essen gedeckt.
'Koscher ist das Fleisch von Wiederkäuern mit gespaltenen Hufen oder Fischen mit Schuppen und
Flossen'. Schweinefleisch, Fleisch von Raubvögeln oder Aalen seien nicht koscher.
Der Wein ist wichtig. Untrennbar mit der Schabbatfeier verbunden ist der Wein: der koschere Wein versteht sich. Dieser Wein ähnele einem Biowein, erklärte dazu Kovar. Biowein, mit dem besonderen Merkmal, dass er von einem Rabbiner gekeltert sein müsse. Dahinter stehe die Vorstellung, dass der Wein den
'Geist' dessen annehme, der ihn mache. Im Fortgang der Schabbatfeier sprach Kovar den Segen - Kiddusch - über den Wein auf Hebräisch, zuvor wurde er auf Deutsch verlesen. Wein wurde dann an alle Besucher verteilt.
Zopfbrote aus Hainsfarth. Bevor Kovar die Challah (das Sabbatbrot) segnete, erklärte Sigi Atzmon, dass diese kunstvoll geschlungenen Zopfbrote aus der Hainsfarther Bäckerei Stolz stammten.
'Ich finde es ganz einzigartig, dass diese Tradition bewahrt wurde', sagte sie. Über Generationen hinweg sei das Rezept weitergegeben worden.
Nachdem das Brot gemeinsam gegessen und der Wein getrunken war, endete die Feier mit dem
'Schabbat Schalom' und dem gemeinsam auf Hebräisch gesungenen Lied 'Adon
Olam'. Damit klang eine sehr stimmungsvolle Veranstaltung aus, die jüdische Kultur und Glaubensrituale erlebbar und spürbar machte. Ein großes Kompliment machte der jüdische Gast den Hainsfarthern. Für ihn sei es sehr bewegend gewesen, in dieser sehr imposanten und so schön restaurierten Synagoge den Schabbat zu feiern." |
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| März
2010: Neue Überlegungen zur Nutzung
des früheren jüdischen Schulhauses |
Artikel (heja) in der "Augsburger Allgemeinen" vom 12. März
2010 (Artikel):
"Neue Ideen für die Hainsfarther Judenschule.
Hainsfarth Die Gemeinde Hainsfarth will den Zugang zur Synagoge sichern und Konzepte für die künftige Nutzung der leer stehenden Judenschule - in unmittelbarer Nachbarschaft zur Synagoge - entwickeln. Das erklärte jetzt auf RN-Nachfrage Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller.
'Wir überlegen, wie wir das leer stehende Gebäude der Judenschule, ebenso wie die anderen angrenzenden Grundstücke für die Gemeinde nutzen können', so Bodenmüller. Die ehemalige Judenschule befindet sich in Privatbesitz und steht zum Verkauf. Hilfe für die Realisierung des Vorhabens könnte die hoch verschuldete Gemeinde von der Städtebauförderung erhalten.
'Wir beraten mit der Regierung von Schwaben, unter welchen Voraussetzungen die öffentliche Nutzung des Areals förderfähig wäre', sagt Bodenmüller. Von der Regierung gebe es dabei wohl im Grundsatz Grünes Licht, aber die Zusage der Obersten Baubehörde stehe noch aus.
Bereits vor rund 15 Jahren seien für die Nutzung der ehemaligen Judenschule Ideen in Hainsfarth entwickelt worden:
'Es gibt die Idee, dort ein mobiles Klassenzimmer einzurichten zum Thema Judenverfolgung im Nationalsozialismus beispielsweise. Aber auch für die Künstler, die in der Synagoge auftreten, könnte man dort eine Art Umkleideraum
einrichten.' Daneben wäre beispielsweise eine Nutzung durch die Vereine denkbar - vor allem
'wenn einmal die Gastwirtschaft schließen sollte'.
All dies seien aber nur Ideen, betonte Bodenmüller. Ein entsprechendes Konzept müsse noch erarbeitet werden. Ein wichtiger Aspekt sei dabei, den Umgriff der Synagoge als Parkplatz nutzbar zu machen, verbunden mit einer
'vernünftigen Dorfplatzgestaltung'. Ohne Unterstützung der Städtebauförderung sei das teure Projekt nicht zu schultern.
'Die Förderzusage ist die Voraussetzung dafür, dass wir das ernsthaft angehen können.'
(heja)" |
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| Juli
2010: Fotos von der Veranstaltung zur
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Herrn Prof. Dr. Herbert Immenkötter |
| Am 20. Juli 2010 wurde für
seine große Verdienste um die Dokumentation der Israelitischen
Kultusgemeinde Hainsfahrt die
Ehrenmitgliedschaft im "Freundeskreis Synagoge Hainsfahrt e.V."
an Prof. Dr. Herbert Immenkötter verliehen. |
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Während der
Laudatio:
Prof. Dr. Rolf Kießling,
Universität Augsburg |
Sigi Atzmon vom
"Freundeskreis
Synagoge Hainsfahrt", Prof. Dr. Jochen
Blumbach und Prof. Dr. Herbert Immenkötter |
Urkunde
"Der Freundeskreis Synagoge Hainsfahrt e.V. ernennt Herrn Prof. Dr.
Herbert Immenkötter in Anerkennung seiner Verdienste um die
wissenschaftliche Dokumentation der israelitischen Kultusgemeinde
Hainsfahrt zum Ehrenmitglied..." |
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Von links: Prof.
Blumbach, Sigi Atzmon
und Prof. Dr. Immenkötter |
Während der
Dankesrede von
Prof. Dr. Immenkötter |
Nach dem
offiziellen Teil:
Gespräche in der ehemaligen Synagoge |
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| Gespräche vor
der ehemaligen Synagoge |
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Dazu Bericht von Heike Jahnz in
den "Rieser Nachrichten" vom 22. Juli 2010 (Artikel):
"Für eine tolerante Zukunft.
Hainsfarth Die Geschichte Hainsfarths ist untrennbar mit der Geschichte der Juden in Deutschland verbunden. Professor Herbert Immenkötter, Kirchengeschichtler und mittlerweile emeritierter Professor der Uni Augsburg hat diese Geschichte - in Zusammenarbeit mit seinen Studenten - erforscht und zu Papier gebracht.
'Die israelitische Kultusgemeinde in Hainsfarth im 19. und 20. Jahrhundert' heißt sein bisher zu diesem Thema veröffentlichtes Werk, das im Jahr 2002 erschienen ist.
Im Rahmen eines Festakts hat der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth jetzt Professor Herbert Immenkötter die Ehrenmitgliedschaft verliehen; die erste Ehrenmitgliedschaft überhaupt, seit Bestehen des Vereins.
'In Hainsfarth lebten viele Juden und heute geht es um den, der diese Geschichte dokumentiert
hat', begrüßte Prof. Dr. Jochen Blumbach die Festgäste in der ehemaligen Synagoge. Sehr stilvoll wurde die Veranstaltung von Stefan Schneider (Trompete) und Margarete Hädrich (Klavier) musikalisch umrahmt. Ausdrücklich dankte Blumbach der Gemeinde Hainsfarth für
'die vielfältige Hilfe, die wir durch Sie immer wieder erfahren. Das finden wir ganz
wunderbar.' Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller würdigte im Gegenzug die Leistung, des Freundeskreises, der die ehemalige Synagoge mit Leben erfülle.
'Das Ziel, das uns vereint, ist die Erinnerungsarbeit', formulierte die Freundeskreis-Vorsitzende Sigi Atzmon das Hauptanliegen des Vereins. Auch die kommenden Generationen sollten durch die Hainsfarther Synagoge an die große jüdische Gemeinschaft erinnert werden, die hier einmal gelebt habe.
An Hainsfarths Bürgermeister Max Engelhardt erinnerte dann Dr. Wulf-Dietrich Kavasch: Engelhardt habe es mit Bauernschläue, Hartnäckigkeit und aus einer zutiefst christlichen Überzeugung heraus bewerkstelligt, dass die Renovierungsarbeiten an der Synagoge finanziert und abgeschlossen werden konnten.
'Er hat mir erzählt, dass er sich damit Beschimpfungen und sogar Morddrohungen ausgesetzt
hatte.'
Wie Immenkötter auf Hainsfarth gekommen sei, erklärte in seiner Laudatio Professor Dr. Rolf Kießling von der Universität Augsburg: Immenkötter sei eingeladen worden zur Wiedereröffnung der ehemaligen Synagoge, wodurch er auf die jüdische Geschichte des Ortes aufmerksam geworden sei. Schon bald habe Immenkötters Beschluss festgestanden, sich in Hainsfarth auf Spurensuche zu begeben - vor allem auf dem jüdischen Friedhof, über den er eine Dokumentation erstellte, die allerdings bisher nur im Internet veröffentlicht sei.
'Herbert Immenkötter betreibt jüdische Geschichte mit einem Impetus der Aufklärung. Erinnern ist für ihn Teil des Weges in eine tolerantere
Zukunft', würdigte der Laudator das Ergebnis der Forschungen Immenkötters.
'Es ist mir eine Freude, diese Ehrung heute anzunehmen', sagte Immenkötter schließlich selbst.
'Bei Licht betrachtet ist das viel zu viel der Ehre.' Immenkötter erzählte dann von seinen Erkundungen vor Ort, von den Kollegen, die ihm bei seiner Arbeit zur Seite standen und insbesondere von seinen Begegnungen mit der
'Friedhofs-Wally'. Walburga Wagner, sagte er, habe sich die Pflege 'ihres' jüdischen Friedhofs zur Lebensaufgabe gemacht und lebte dafür
'wie selbstverständlich' in der Leichenhalle." |
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| November
2010: Gedenkstunde zum Novemberpogrom
1938 in der Synagoge |
Artikel von Heike Jahnz in den
"Rieser Nachrichten" vom 12. November 2010 (Artikel,
auch als
pdf-Datei eingestellt):
"Mutige Erinnerungsarbeit
Hainsfarth Erinnerungsarbeit und gemeinsames Feiern: Die Gedenkstunde zur Reichspogromnacht in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth, zu der der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth eingeladen hatte, war eine Gedenkfeier in ganz wörtlichem Sinn. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert erinnerte in einem Vortrag an die Ereignisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und bekräftigte die Verpflichtung
'niemals zu vergessen'. Zu einer Feier aber wurde die Gedenkstunde durch den stimmgewaltigen Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Nikola David. In Begleitung von Stephanie Knauer (Klavier) trug er ausdrucksvoll Psalmen und Gebete vor.
'Wir sollten mit Freude und im Zusammenhalt in die Zukunft blicken' sagte er nach dem Kaddisch zum Totengedenken und ließ mit jiddischen und sefardischen Liedern, die Gedenkstunde tatsächlich auch mit
'Freude ausklingen'.
Den Weg zurückgefunden. Ausgesprochen gut besucht war diese Veranstaltung, die an ein Ereignis erinnerte,
'bei dem Deutsche schwere Schuld auf sich geladen haben', so formulierte es zu Beginn der Gedenkstunde Professor Jochen Blumbach vom Freundeskreis. Er berichtete davon, dass mittlerweile ein Fundstück aus den Plünderungen in Hainsfarth seinen Weg zurück zum jüdischen Friedhof Hainsfarth gefunden habe: eine gusseiserne Schale, die dem Ritus gemäß, zum Händewaschen nach dem Friedhofsbesuch gedient habe.
'Erinnerungen sind an den Ort gebunden, an dem die Tat geschah. Deswegen ist es ganz wichtig heute hier zu
sein', sagte Landrat Stefan Rößle. 'Ich habe mir bewusst Zeit genommen hierher zu
kommen', fügte er hinzu. Um innezuhalten und darüber nachzudenken, was vor 72
Jahren geschah, dazu brauche man Gedenkfeiern wie diese, erklärte auch Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller:
'Unsere Aufgabe ist es, nicht zu vergessen.'
An die Plünderung von Synagogen und Friedhöfen, die Zerstörung von Geschäften und Wohnungen jüdischer Bürger, an die Ermordung von Juden während der Novemberpogrome, bei denen etwa 30.000 vor allem einflussreiche und wohlhabende jüdische Bürger festgenommen und in den Konzentrationslagern gefoltert worden seien, erinnerte dann Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Auch in Hainsfarth seien Bücher und Kultgegenstände aus der Synagoge geholt worden, das Gebäude nach der Plünderung als Getreidelager und später als Bauhof genutzt.
Die vier Gebote. Vier 'Gebote' machte der Bezirkstagspräsident als Lehren der Vergangenheit für die Gegenwart aus: 1. Der ermordeten jüdischen Bürger und des vernichteten Kulturgutes zu gedenken. 2. Die Mechanismen, die zu diesem beispiellosen Zivilisationsbruch führten, zu erforschen. 3. Sorgfältig in der Gegenwart auf alle Anzeichen von Ausgrenzung und Diskriminierung zu achten und ihren Anfängen zu wehren und viertens eine Kultur der Zivilcourage aufzubauen.
'Gedenkorte wie die Hainsfarther Synagoge helfen uns bei dieser Arbeit.'
Spende überreicht. 'Wir gedenken heute der sechs Millionen ermordeten
Juden', so Sigried Atzmon, Freundeskreisvorsitzende. Erinnerungsarbeit, fuhr sie fort, das sei die Aufgabe des Freundeskreises - die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazidiktatur mahnend wach zu halten.
'Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, dann ist es nicht mehr erlaubt wegzusehen, nicht erlaubt, nichts wissen zu
wollen.' Für diese 'mutige Erinnerungsarbeit' überreichte in der Synagoge Bezirksrat Alois Stadler dem Freundeskreis spontan eine Spende von 500 Euro." |
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| Aus der Gedenkstunde: Fotos
von Rolf Hofmann: |
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Sigi Atzmon,
Vorsitzende
des Freundeskreises der Synagoge |
Bürgermeister
Franz Bodenmüller
(Hainsfarth) |
Sehr gut besuchte
Gedenkstunde in
der ehemaligen Synagoge |
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Landrat
Stefan
Rößle |
Bezirkstagspräsident
Jürgen Reichert |
Übergabe
der Spende durch Bezirksrat
Alois Stadler an den Freundeskreis |
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| Mai
2011: Besuch aus Israel in der Heimat
der Vorfahren in Hainsfarth |
Foto
links (privat): Die Besuchergruppe aus Israel am Eingang der ehemaligen Hainsfarther Synagoge mit (von links) der Vorsitzenden des Freundeskreises Sigrid
Atzmon, Gerhard Wittig, Bürgermeister Franz Bodenmüller und Gerhard Beck.
Artikel von "gb" in der "Augsburger Allgemeinen"
vom 1. Juni 2011 (Artikel):
"Heimat der Vorfahren - Besuch der Familie Steinharter aus Israel
Hainsfarth. Einige Wochen organisierte Rabbiner David Schmiedel aus der Nähe von Tel Aviv eine Reise nach Deutschland und knüpfte hierzu auch verschiedene Kontakte ins Ries. Dabei besuchten Angehörige der Familie Steinharter aus Israel auch die Heimat der Vorfahren in Hainsfarth.
Schmiedel war mit seiner Frau Fanny, einer geborenen Steinharter, Sohn, Schwager Aron Steinharter und einem Begleiter angereist. Der Vater von Fanny und Aron war Elieser Steinharter, 1910 in Hainsfarth geboren. Die Familie war seit Generationen in dem Nordriesdorf ansässig und trieb hier Handel.
Bereits vor dem Krieg hatte einer der Söhne einen Pkw und einen Auslands-Reisepass und in den 1930er Jahren übernahm Familienvater Bernhard Steinharter auch zeitweise die Leitung der inzwischen stark geschrumpften Israelitischen Gemeinde in Hainsfarth.
Nach der sogenannten Reichskristallnacht im Herbst 1938 wurde auch das Vermögen der Hainsfarther Juden beschlagnahmt mitsamt ihrem damals noch seltenen Auto. Die Lage der Juden in Deutschland wurde immer gefährlicher und so beschloss auch die Familie Steinharter die Auswanderung.
Die guten Handelskontakte ermöglichten die Flucht des Vaters mit seinen vier Söhnen und später auch die Ausreise der Mutter mit den beiden Töchtern. Die Familie fand in Palästina und den USA eine neue Heimat, besuchte mit ihren zahlreichen Nachkommen aber immer wieder die alte Heimat.
Besonders die Restaurierung der Hainsfarther Synagoge – zustande gekommen auf Initiative des früheren Bayerischen Wirtschaftsministers Anton Jaumann und den Rieser Nachrichten – begleiteten die Steinharters mit großer Begeisterung. Der Fund der alten Hainsfarther Thora-Rolle – vom damaligen Bürgermeister Wiedemann vor Übergriffen der Nazis gerettet – und ihre Übergabe an die Familie Steinharter in Israel durch Bürgermeister Engelhardt war ein weiterer Höhepunkt. Mit Meier Steinharter, vor Kurzem mit 100 Jahren verstorben, ist der letzte Angehörige der Hainsfarther Familie Steinharter und damit auch der letzte in Hainsfarth geborene Jude verschwunden. Es blieben aber die vielen Nachfahren. Umso bewegender war für diese die Reise in die Heimat der Vorfahren. Auf dem israelitischen Friedhof wurden als Erstes die Gräber der Familie aufgesucht. Der Hainsfarther Judenfriedhof ist sehr gepflegt und nahezu komplett erhalten. Jedoch geht auch an den Grabsteinen die Zeit nicht spurlos vorüber. So ist derzeit eine Sicherung und Sanierung der Gräber in Vorbereitung.
Nachmittagsgebet. Die nächste Station der Gruppe war die renovierte ehemalige Synagoge. Dort verrichtete die kleine Reisegruppe strenggläubiger Juden auch ihr Nachmittagsgebet. Danach stießen auch Hainsfarths Bürgermeister Franz Bodenmüller, Sigried Atzmon vom Freundeskreis der Synagoge und Gerhard Beck, Verfasser der Hainsfarther Chronik, zu der Gruppe. Dabei wurden Geschenke und Informationen ausgetauscht.
Ehemaliges Wohnhaus. Als letzte Station in Hainsfarth machte man sich zum ehemaligen Wohnhaus der Familie Steinharter in der Hauptstraße auf. Das Haus hatte nach der Flucht einen mehrfachen Besitzwechsel erlebt und ist mit einem Nachbarhaus zusammengebaut. In diesem wohnt noch heute Lydia Stangenberg, die ebenfalls angetroffen wurde. Sie kann sich noch gut an die jüdische Nachbarfamilie erinnern und erzählte einige Geschichten. Sie ist eine geborene Griesbauer und in diesem Haus 1931 geboren. Als kleines Kind war sie öfter bei den
Steinharters.
Am Tag vor der Flucht 1938 kam Frau Steinharter noch zur Nachbarin und trug ihr auf, im Falle einer Nachfrage zu sagen, dass die Familie
'verreist' sei. Der Frühstückstisch wurde extra so belassen, damit der Eindruck entstand, dass die Familie nur kurz weggegangen sei.
Der Besuch der Israeliten machte deutlich, dass die Zahl der Zeugen aus dieser schlimmen Zeit immer geringer wird und es an den Nachkommen in Deutschland und Israel liegt, das Andenken an diesen Teil unserer Geschichte zu bewahren." |
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| August
2011: Nachkommen der Familie
Aufhäuser zu Besuch in Hainsfarth |
Foto
links (privat): Die Reisegruppe der Familie Aufhäuser mit Sigi Atzmon (in der gelben Jacke) auf dem jüdischen Friedhof in Hainsfarth.
Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 5. August 2011 (Artikel):
"Spuren der Vergangenheit
Nachkommen der Familie Aufhäuser zu Besuch im Ries
Hainsfarth Eine Gruppe von 25 Personen, allesamt Nachkommen der aus Hainsfarth stammenden jüdischen Familie Aufhäuser, besuchte in diesen Tagen Hainsfarth. Die Nordries-Gemeinde ist der Geburtsort von Heinrich Aufhäuser, Gründer der bis heute bestehenden vornehmen Aufhäuser Bank. Die Nachkommen wohnen heute in Israel und den USA.
Der Initiator dieser Reise ist Werner Loval, seine Mutter eine gebürtige Aufhäuser. Er ist ehemaliger Diplomat und Mitgestalter des modernen Jerusalems. Er möchte seinen sechs Enkelkindern die Spuren der Vergangenheit und die Herkunft der Familie zeigen. Zur Religionsmündigkeit Bar/Bat Mitzwa schenkt er jedem seiner Enkelkinder eine Reise nach Hainsfarth.
Bürgermeister Bodenmüller begrüßte die Gäste im Namen der Gemeinde Hainsfarth und brachte zum Ausdruck, dass diese Besuche von besonderer Wichtigkeit seien. Ein Grußwort sprach Bezirksrat Alois Stadler, der Grüße des Bezirks und des Landrats überbrachte.
Sigi Atzmon, die 1. Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge, begrüßte zuerst die beiden Bat Mitzwa Kinder in hebräischer Sprache. Sie übersetzte dann in Englisch und Deutsch, sodass keiner der Anwesenden Verständigungsschwierigkeiten hatte. Wörtlich sagte sie:
'Das Wichtigste sind unsere Kinder, unser aller Hoffnung und das Wunderbare ist, dass diese beiden Kinder, die den Namen Yael und Shani tragen, die Möglichkeit haben, auf den Spuren ihrer Vorfahren zu gehen, um zu wissen, woher sie kommen, wer sie sind und wer ihre Vorfahren waren und was sie erlebt
haben.'
Die Eltern, Großeltern sowie andere Familienmitglieder der Reisegruppe hatten alle das Schicksal der Vergangenheit im Gepäck. Ob es der Enkelsohn des SPD-Reichstagsabgeordneten Sigfried Aufhäuser, dem Gründer der Angestelltengewerkschaft in der Weimarer Republik (die Stadt Augsburg benannte nun eine Straße nach ihm) war, oder Keith Aufhäuser, Enkel von David Aufhäuser, der einst ein bahnbrechender Brennstoff-Wissenschaftler war, um nur einige aus dieser Reisegruppe zu nennen, sie mussten alle im Dritten Reich wegen ihrer Religionszugehörigkeit Deutschland verlassen und emigrieren.
Bewegende Momente. Es waren bewegende Momente und viele Emotionen kamen hoch. Bei einem kleinen Dorfrundgang, der auch den jüdischen Friedhof mit einschloss, wurde deutlich, dass die in Hainsfarth lebenden Juden nicht in einem Getto lebten, sondern Tür an Tür mit ihren Nachbarn. Heute leben in Hainsfarth keine Juden mehr.
Zu Ehren der Gäste gab es einen kleinen Empfang durch die Gemeinde, der in einer sehr entspannten Atmosphäre stattfand. Werner Loval übergab sein Buch
'We are Europeans' an Klaus Engelhardt, der es stellvertretend für seinen Vater, dem Initiator des Wiederaufbaus der Synagoge, entgegen nahm. Dieses Buch gibt die Geschichte einer berühmten jüdischen Familie wider. Mit einer Einladung nach Israel verabschiedeten sich die Gäste sehr herzlich und bedankten sich für den warmen und herzlichen Empfang in Hainsfarth. Man ist sich sicher, dass es wieder einen Besuch geben wird – es gibt noch Enkelkinder …
(pm)." |
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| September
2011: Eröffnungsveranstaltung in der
ehemaligen Synagoge zum Tag des offenen Denkmals |
Artikel von Heike
Jahnz in der "Augsburger Allgemeinen" (Lokale Ausgabe
Donauwörth) vom 14. September 2011: "Denkmalschutz heißt Kurs
halten. Eröffnungsveranstaltung in der ehemaligen Synagoge Hainsfahrt zum
Tag des offenen Denkmals".
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| November
2011: Gedenkstunde zur Erinnerung an
den Novemberpogrom 1938 |
Artikel von Ernst
Mayer in der "Augsburger Allgemeinen" (Lokale Ausgabe
Donauwörth) vom 12. November 2011:
"Synagoge Hainsfahrt - Bekenntnis zur geschichtlichen
Verantwortung. Gedenkfeier zur Reichspogromnacht..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| April
2012: Ausstellung zum Schicksal
jüdischer Ärzte |
Artikel in den
"Rieser Nachrichten" (Augsburger Allgemeine Lokal) vom 28. April
2012: "Kulturtage. Ein dunkles Kapitel deutscher Medizingeschichte.
Ausstellungseröffnung in der ehemaligen Synagoge
Hainsfarth..."
Link
zum Artikel |
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| April
2012: Vortrag von Rolf Hofmann |
Artikel von Ronald
Hummel in den "Rieser Nachrichten" (Augsburger Allgemeine Lokal)
vom 3. Mai 2012: "Vortrag Kulturelle Spurensicherung. Was im Ries
an jüdische Familien erinnert.
Hainsfarth. Der Stuttgarter Rolf Hofmann bot, begrüßt von Sigrid
Atzmon vom Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth, in der Synagoge einen
Überblick jüdischer Grab- und Baudenkmäler im
Ries..."
Link
zum Artikel
Abbildung links (erhalten von Rolf Hofmann): Frontansicht der Synagoge Nördlingen,
erstellt von Baumeister Christian Prechter in den 1950er-Jahren. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur
(insbesondere in der Monographie von H. Immenkötter weitere
Literaturangaben):
 | Germania Judaica III,1 S. 493. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 468-469. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 241-242. 1992² 257-258. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 615-616.
|
 | Bernd Vollmar: Die baugeschichtliche Bedeutung der Synagoge in
Hainsfarth. In: Rieser Kulturtage (Hg. Verein Rieser Kulturtage e.V. - Nördlingen)
Bd. 8 (1990) S. 348 - 355. |
 | Herbert Immenkötter: Die israelitische Kultusgemeinde in
Hainsfarth (Landkreis Donau-Ries) im 19. und 20. Jahrhundert. Mit Beiträgen
von Rolf Hofmann und Gernot Römer. Augsburg 2002 (= Veröffentlichungen der
schwäbischen Forschungsgemeinschaft. Reihe 1: Studien zur Geschichte der
Bayerischen Schwaben Bd. 30 Hg. von Rolf Kießling); zur Buchvorstellung
beim Verlag: hier
anklicken |
 | Die ehemalige Synagoge Hainsfarth - ein Denkmal jüdischer Kultur
im Ries 1860 - 1938 - 1996. Gedenkschrift zum Abschluss der
Renovierungsarbeiten. Verlag des Vereins Rieser Kulturtage e.V. Nördlingen
1996. |
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu. (mit umfassenden Quellen- und
Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Hainsfarth S. 453-460. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hainsfarth Swabia. Jews are
mentioned in the 13th century and six families with permament residence rights
were present in the 16th century. A synagogue was erected in 1723 and a Jewish
public school operated from the first half of the 19th century. The Jewish
population declined steadily from 452 (total 1,143) in 1809 to 211 in 1880 and
34 in 1933. Nineteen Jews left in 1938-41. Six were deported to Piaski (Poland)
on 3 April 1942 and the last two to the Theresienstadt ghetto on 10 August.

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