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Kreis Vulkaneifel (ehem. Kreis Daun)"
Gerolstein (VG
Gerolstein, Kreis Vulkaneifel, ehem.: Kreis Daun)
mit Hohenfels (Gemeinde Hohenfels-Essingen, Kreis Vulkaneifel)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Gerolstein bestand eine kleine jüdische
Gemeinde im 19./20. Jahrhundert. Bereits im Mittelalter (Gerolstein erhielt 1336
Stadtrechte) werden Juden am Ort genannt. So gewährte 1336 Ludwig der Bayer dem
Stadtherrn Gerhard VI. von Blankenheim das Recht, zwölf Juden in seinen Festen
und Dörfern zu halten. Tatsächlich ließen sich auch mehrere in der Stadt
nieder, da Gerolstein wenig später als Ort einer Judenverfolgung in der
Pestzeit 1348/49 genannt wird.
Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einer Neuansiedlung. 1719 hatten
zwei jüdische Familien das Wohnrecht in der Stadt. Wie lange sie in
Gerolstein blieben, ist nicht bekannt. 1808 und 1843 werden keine Juden in
Gerolstein genannt.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1858 werden noch keine jüdischen Einwohner gezählt, 1895 25, 1925 61, 1926 64. Unter den
ersten zugezogenen Familien war die Familie von
Alexander Levy aus Aach, der 1880 nach
Gerolstein kam und in der Hauptstraße 37 ein Manufakturwaren- und
Lebensmittelgeschäft mir Limonadenfabrikation und Bierlager eröffnete. Nach dem Tod von Alexander Levy 1920 wurde das
Geschäft von den Söhnen Lazarus und Heimann Levy weitergeführt. Heimann Levy verzog
1929 nach dem Verkauf des Geschäftes nach Köln.
1879 (nach Bericht von 1932 s.u.) wurde eine Gemeinde gegründet, die sich "Synagogen-Gesellschaft"
nannte (Gemeinde-Verzeichnis 1924).
Zu den Gemeindegliedern gehörten auch wenige in der Umgebung lebende jüdische
Personen. So die Familie Levy, die in
Hohenfels ein Hotel betrieb.
An Einrichtungen bestanden ein Betraum,
eine jüdische Schule und ein Friedhof. Die
Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochet war 1921 ausgeschrieben, allerdings
war wohl zu keiner Zeit diese Stelle in Gerolstein besetzt. Um 1924 kam als
Lehrer und Vorbeter regelmäßig Lehrer David Mandel aus
Bitburg nach Gerolstein. Bis zu seinem Tod 1932
war als Lehrer und Vorbeter Hermann Levy aus
Hohenfels in Gerolstein tätig.
Die Gemeinde gehörte
zum Bezirksrabbinat in Trier.
Von Vereinen wird Ende der 1920er-Jahre ein "Jüdischer Jugendverein
Geroldstein" genannt (1928/29 unter Leitung von Else Levy, so in "Der
Jugendbund" vom 1.5.1928 und im "Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege"
1928/29 S. 261)bzw. 1929 unter Leitung von Louis Frenkel; in der
Zeitschrift "Der Jugendbund vom 1.1.1920 S. 15)
Um 1924, als 41 Personen zur "Synagogen-Gesellschaft"
gehörten, war A. Löwy Gemeindevorsteher. 1932 waren die Gemeindevorsteher
Nathan Levy (1. Vorsitzender seit 1925), S. Siegler (2. Vorsitzender) und L.
Mayer (3. Vorsitzender).
Teilweise bis nach 1933 bestanden an Gewerbebetrieben im Besitz
jüdischer Personen: Limonadenfabrikation und Bierlager von Daniel Levy
(gegenüber Hauptstraße 33), Manufakturwaren- und Lebensmittelgeschäft bzw.
-handel der Brüder Lazarus und Heimann Levy (Hauptstraße 37),
Herrenkonfektionsgeschäft Nathan Levy (ab 1900 Hauptstraße 35, ab 1908 in der
Bahnhofstraße 35, seit 1912/13 Einrichtung des "Kölner Kaufhauses"
Bahnhofstraße 12, das in den 1920er-Jahren von Fritz Mansbach übernommen und
bis zur "Arisierung" 1936 betrieben wurde), Viehhandlung Simon Baum (Sarresdorfer
Straße, bis 1923), Viehhandlung Moritz Levy (Frankensteinstraße, bis 1935),
Metzgerei Nobert Baum (Bahnhofstraße 10), Felle und Metzgereiartikel Ludwig
Baum (Lindenstraße 13), Viehhandlungen Salomon Siegler und Moritz Herz
(letztere Sarresdorfer Straße 21), Süßwarengeschäft Jakob Hanau (Haupstraße
23), Karamellen-Handlung en gros Leo Mayer (Bahnhofstraße 26), Viehhandlung
Ludwig Fränkel (Hauptstraße 61). Nähere Informationen zu den
genannten Familien und Geschäften im Beitrag von Christoph Stehr s. Lit..
1933 lebten noch 52 jüdische Personen in Gerolstein. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1937 wurden noch 19, 1938
noch elf jüdische Personen in der Stadt gezählt. Beim Novemberpogrom 1938
wurde durch Bitburger SA-Leute das "Kölner Kaufhaus" in der Bahnhofstraße
verwüstet, die Wohnungseinrichtung der Familie Nathan Levy wurde zertrümmert. 1942 und 1943 wurden die
letzten der jüdischen Einwohner deportiert.
Von den in Gerolstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; einige Namen ergänzt auf
Grund der Recherchen von Karl-Heinz Böffgen s.Lit.): Johanna Adler
(1869), Siegmund Baum (1913), Theodora Baum geb. Kahn (1912), Renate Gottschalk (1924), Ella Lieselotte Humberg
geb. Lewy (1921), Albert Levy (1875), Elise Levy geb. Ermann (1889),
Gertrud Levy geb. Adler (1864, Heimann Levy (1876), Ida Levy geb. Rosenberger (1882), Josef Levy
(1910), Lazarus Levy (1873), Moritz Levy (1886), Nathan Levy (1870), Rosa Levy
geb. Elias (1870), Fritz Mannsbach (1897), Horst (Siegfried) Mannsbach (1931), Ingeborg Mannsbach (1925), Rosa Mannsbach geb. Levy (1898),
Berta Moses geb. Baum (1890), Berta Salm geb. Lilienfeld
(1885).
Ende Februar 2011 wurden zur Erinnerung an die Ehepaare Nathan Levy und Gertrud
geb. Adler sowie Moritz Levy und Elise geb. Ermann
"Stolpersteine" verlegt (vor dem Haus Hauptstraße 59 sowie vor dem
Haus Mühlenstraße 1) (siehe Pressebericht unten).
Hinweis: nach Mitteilung von Wolfgang Appell (Schreiben vom 5.1.2014)
konnte die in einigen Listen als Opfer der NS-Zeit genannte Erna Kahn geb.
Baum (geb. 1886 in Gerolstein) mit ihren Töchtern Anni (geb.
1921 in St. Ingbert) und Herta
(geb. 1923 in St. Ingbert, später Heddy
verheiratete Adler) nach der Zeit im südfranzösischen Internierungslager Gurs
über Casablanca (Marokko) im März/April 1942 in die USA emigrieren. Der
Ehemann von Erna Kahn - Siegfried Kahn - ist bereits im Mai/Juni 1937 in die USA
emigriert. Erna Kahn ist am 16. Oktober 1956 in New York gestorben.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ausschreibung der Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochet (1921)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1921: "Die Gemeinde
Gerolstein sucht einen jüngeren
Lehrer und Vorbeter, zugleich Schauchet
Gehalt 15 Mille. Angebote mit Bild an
Albert Levy, Gerolstein (Eifel)." |
Über den 1927 gegründeten Jugendbund (1928)
Artikel
in "Der Jugendbund" vom 1. April 1928: "Gerolstein. Unser erst im
Herbst 1927 gegründeter Verein hat trotz der Schwierigkeiten, die jüdische
Jugend auf dem Lande zu vereinen, schon recht ergiebige Arbeit geleistet. Es
ist dabei zu berücksichtigen, dass die meisten unserer Mitglieder gar keinen
Religionsunterricht hatten, so dass der Verein die wichtige Aufgabe hat,
überhaupt erst eine Grundlage für jüdisches Wissen zu schaffen. Es werden
deshalb fortlaufend Heimabende über jüdische Geschichte und Erläuterungen
der Festtage und Gebräuche sowie des jüdischen Lebens überhaupt abgehalten." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des rituell geführten Hotels von B. Levy in Hohenfels (1906 / 1909)
Anmerkung zu Familie Levy: Hermann Levy (1848-1932), ein Bruder von Alexander
Levy in Gerolstein, war mit Babette geb. Kaufmann (1859-1932) verheiratet. Er
zog mit ihr um 1888 nach Kalenborn, später nach Hohenfels und betrieb dort eine
Gastwirtschaft und ein Kolonialwarengeschäft. Hermann Levy war bis zu seinem Tod
regelmäßig Vorbeter bei den Gottesdiensten im Betsaal in Gerolstein. Nicht ganz
klar ist, wer mit "B. Levy" gemeint ist, eventuell Babette Levy.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. Mai 1906: "Luftkurort
Hohenfels-Eifel
Strecke Gerolstein - Daun - Andernach.
Neuerbautes Grottenhotel von B. Levy
Hohenfels, berühmt durch seine herrliche, idyllische Lage inmitten des
prachtvollsten Hochwaldes und durch seine Grotten aus der Hunnenzeit.
Wasserleitung im Orte. Bäder u. gute Verpflegung. Pensionspreis
billigst." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 11.
Juni 1909: "Luftkurort Hohenfels-Eifel
Strecke Gerolstein - Daun - Andernach.
Hohenfels idyllisch gelegen mitten im Walde. Gute Verbindung nach allen
Richtungen. Komfortables neu erbautes Hotel mit Wasserleitung und
Badezimmer. Gute Rituelle Verpflegung zu mäßigen Preisen. Bei längerem
Aufenthalt Pensionspreise. Anmeldung rechtzeitig erbeten. B. Levy."
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1910: "Luftkurort
Hohenfels-Eifel
Strecke Gerolstein - Daun - Andernach.
Neuerbautes Bahnhotel B. Levy.
Gute Rituelle Verpflegung, angenehmer Aufenthalt, direkt an schöner Waldung,
alle Bequemlichkeit, Badeeinrichtung etc. Billige Pensionspreise."
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Anzeige von Johanna Mayer,
Inhaberin eines Schuhgeschäftes (1912)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. Juni 1912: "Für mein Schuhgeschäft
suche ich ein
Lehrmädchen
mit guter Schulbildung aus besserem Hause. Familien-Anschluss zugesichert.
Meldungen mit Schulzeugnis an
Frl. Johanna Mayer Gerolstein (Eifel)." |
Anzeige des Schuhhauses Willi Gottschalk, Inh. Geschwister Mayer (1913)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juli 1912: "Wir suchen bei vollem
Familien-Anschluss und Pension per sofort
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie, dasselbe kann auch den Haushalt erlernen.
Offerten mit Bild an Schuhhaus Willi Gottschalk
Inhaber: Geschwister Mayer Gerolstein, Rheinland." |
Begleitung zum Simchas-Tora-Ball gesucht (1913)
Am "Tora-Freuden-Fest" Simchat Tora
https://de.wikipedia.org/wiki/Simchat_Tora
wurden Festveranstaltungen wie Bälle gerne
durchgeführt.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 9. Oktober 1913: "Zwei gebildete
junge Damen,
welchen es an Herrenbekanntschaften fehlt, suchen auf diesem Wege zwei
nette, ehrenhafte Herren von 25 bis 35 Jahren als
Begleiter zum Simchas-Tora-Balle.
Nur selbstgeschriebene Offerten mit Bild werden unter MT 13 postlagernd
Gerolstein beantwortet. Anonym zwecklos." |
Anzeige von Alex Gorge (1921)
Anmerkung: es ist unklar, wer mit Alex Gorge gemeint sein soll.
Es sind keine jüdischen Familien mit diesem Namen bekannt.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1921: "Tüchtige jüngere
Verkäuferin
mit guten Zeugnissen und Ia Referenzen per 1. Januar gesucht. Angebote mit
Bild und Gehaltsansprüchen an Schuhwaren- und Bekleidungshaus
Alex Gorge,
Gerolstein, Eifel." |
Anzeige von N. Levy ("Kölner Kaufhaus" - gemischtes Warengeschäft, 1924)
Anmerkung: Nathan Levy baute 1912/13 in der Bahnhofstraße 12 das "Kölner
Kaufhaus", ein "gut sortiertes Geschäft verschiedener Branchen", in dem
Kleidung, Schulbedarf, Kurzwaren, Porzellan, Lebensmittel, Spielzeug hab
erhalten waren. Das Geschäft wurde 1925 von seinem Schwiegersohn Fritz Mansbach
aus Bewerungen/Weser übernommen.
Vgl. zur Geschichte den Beitrag von Christoph Stehr: Das Schicksal einer
jüdischen Familie. In Heimatjahrbuch Vulkaneifel 1983.
Als pdf-Datei eingestellt.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. April 1924: "Intelligentes
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie für bald in meinem gemischten Warengeschäft gesucht.
Gründliche Ausbildung in 3-jähriger Lehrzeit. Kost und Logis im Hause bei
guter Behandlung und Familienanschluss zugesichert. Meldungen mit
Schulzeugnis und selbstgeschriebenem Bewerbungsschreiben direkt an
Kölner Kaufhaus, Inhaber N. Levy, Gerolstein (Eifel.)" |
Anzeige - Stellensuche - von Alfred
Schmitz (1930)
Anmerkung: unklar, wer gemeint ist: eine jüdische Familie Schmitz gab es nicht
in Gerolstein, doch mehrere nichtjüdische Familien mit Familiennamen Schmitz. Vielleicht hatte Alfred
Schmitz - was allerdings ungewöhnlich wäre - einen jüdischen Gesellen, für den er über die
jüdische Zeitung eine Stelle suchte.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 17. April 1930: "Metzgergeselle
18 Jahre, perfekt im Wursten u. Kleinviehschlachten,
sucht Stelle
Gute Zeugnisse.
Alfred Schmitz, Gerolstein/Eifel. Hauptstr. 109" |
Anzeigen von Leo Mayer (Lebensmittelgroßhandlung, 1924 / 1934)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 17. April 1924: "Für
Lebensmittel-Großhandlung
suche per sofort
jungen Mann
für Lager und Reise. Offerten mit Bild und Gehaltsansprüchen bei freier
Station erbeten.
Leo Mayer, Gerolstein (Eifel)" |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. August 1934: "Lehrling
für eine Lebensmittelgroßhandlung
gesucht.
Derselbe muss über 16 Jahre alt sein. Kost u. Logis im Hause.
Leo Mayer, Gerolstein." |
Einzelne Mitteilungen in jüdischen Periodika:
- 87. Geburtstag von Daniel Ermann in Gerolstein am 8. (oder 7.
siehe unten) März 1931 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 1. März 1928)
- Goldene Hochzeit von Bermann Levy und Bertha geb. Kaufmann
am 21. Mai 1928 in Gerolstein (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Mai
1928)
- Verlobung von Irene Gottschalk (Mülheim/Koblenz) mit Alex Ermann
(Gerolstein), (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 5. Juni 1930),
dann Hochzeit in der Pension Berger in
Niederbreisig am 7. Dezember 1930 (in "Israelitisches Familienblatt" vom
4. Dezember 1930)
- Hochzeit von Milian Blumenthal (Ruppertshofen/St.
Goarshausen) mit Clementine geb. Herz (Gerolstein) am 21. Dezember 1930 (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 18. Dezember 1930)
- 90. Geburtstag von Daniel Ermann in Gerolstein am 7. März 1931
(in: "Israelitisches Familienblatt" vom 5. März 1931)
- Hochzeit von Moritz Herz und Ruth geb. Siegler in Gerolstein am 5.
Juni 1932 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 2. Juni 1932 S. 5).
- Verlobung von Bella Herz (Gerolstein) mit Arnold Levy (Aach) (in
"Israelitisches Familienblatt" vom 3. Mai 1934 S. 15)
- 70. Geburtstag von Gertrud Levy geb. Adler in Gerolstein am 27.
Juni 1934 (in "Israelitisches Familienblatt" vom 21. Juni 1934)
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdischen Familien in der Stadt hielten seit den
1870er-Jahren zunächst in Privathäusern beziehungsweise in gemieteten Räumen
ihre Gottesdienste ab. Nicht immer konnte Gottesdienst abgehalten werden, da der
Minjan (= Zehnzahl religionsmündiger Männer) nicht erreicht wurde. Seit
1889 war eine Tora-Rolle vorhanden und weitere Ritualien für den Gottesdienst.
Anfang der 1920er-Jahre wurde ein Grundstück für eine Synagoge gekauft (1923),
doch ließ sich auf Grund der Inflation - und auch in den folgenden Jahren - der
Bau einer Synagoge nicht verwirklichen. Nach Angaben im Beitrag von Christoph
Stehr S. 2f lag das Grundstück für den Bau einer Synagoge in der Nähe des Hauses Dr. Linden unterhalb der Raderstraße. Geplant
war ein quadratischer Zentralbau mit symmetrisch anliegenden Armen und einer
zentralen Kuppel (siehe Abbildung unten).
1931 konnte ein Anwesen erworben werden, in dem bis zum folgenden Jahr ein
für die Größe der Gemeinde ausreichender Betsaal (1932: 68 Personen)
eingerichtet werden konnte. Die jüdische Frauenbund stiftete das Geld für die
Beschaffung neuer Bänke. Bei dem erworbenen Anwesen handelte es sich wohl um
das Haus von Ludwig Baum in der Lindenstraße 13, von dem im Beitrag von
Christoph Stehr S. 3 berichtet wird.
Zu den hohen Feiertagen im Herbst 1932 (Neujahrsfest Rosch Haschanah
am Wochenende 17./19. September 1932) wurde der Betsaal feierlich
eröffnet.
Eröffnung eines Betsaales (1932)
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 17. November 1932: "Gerolstein
(Eifel). (Eröffnung eines neuen Betsaales.) Die hiesige Israelitische
Gemeinde konnte in diesem Jahre zum ersten Male an den hohen Feiertagen
ihren Gottesdienst in einem eigenen Betsaale abhalten. Im Jahre 1879 wurde
die Gemeinde aus kleinsten Anfängen heraus gegründet, aber die Zahl der
männlichen Mitglieder reichte zur Abhaltung eines Gottesdienstes noch nicht
aus. 1889 wurde eine Sefer-Thora nebst allen Kultusgegenständen. die zu
einem geregelten Gottesdienste notwendig sind, gestiftet, und da die
Gemeinde inzwischen auf fünf Familien angewachsen war, stellte Herr H. Levy
noch ein Grundstück zur Verfügung, auf dem ein eigener
Friedhof angelegt wurde. Im Laufe der
Jahre wuchs die Gemeinde immer mehr, so dass allmählich der Gedanke an eine
Synagoge auftauchte, während man bis dahin ständig auf Mieträume angewiesen
war und öfters wechseln musste. Im Jahre 1923 wurde ein schön gelegenes
Grundstück gekauft, aber infolge der Inflation war an die Errichtung eines
Neubaues nicht mehr zu denken. Nachdem dann aber 1925 wieder zwei Familien
zugezogen waren, tauchte der Plan zur Errichtung einer Synagoge von neuem
auf. Einige Gemeindemitglieder veranstalteten eine Sammlung, aber wieder
wurde der Plan durch eine unglückliche Veränderung des Baugeländes
zerschlagen. Im Laufe des letzten Jahres endlich entschloss man sich, ein
Anwesen aufzukaufen. Ein genügend großer Raum wurde zu einem Betsaale
hergerichtet, und der jüdische Frauenbund stiftete das Geld zur Beschaffung
neuer Bänke. Am Rausch haschonoh konnte die heute 68 Personen
zählende Gemeinde endlich zum ersten Male einen Gottesdienst im eigenen
Betsaal abhalten. Freilich hat die Gemeinde eine für ihre Verhältnisse
ansehnliche Schuld dafür aufnehmen müssen und es wird noch manche
Verbesserung nötig sein, um dem Hause ein seinem Zwecke entsprechendes
würdiges Aussehen zu geben." |
Unbekannt ist, wie lange in der NS-Zeit nach 1933 noch
Gottesdienste abgehalten werden konnten.
Adresse/Standort der Synagoge: Betstube
in der Lindenstraße 13; geplante Synagoge in der Raderstraße.
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 166)
Gipsmodell der geplanten
Synagoge in Gerolstein |
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Der auf einem Grundstück in
der Raderstraße geplante Bau
kam auf Grund der nationalsozialistischen
Machtergreifung
nicht mehr zur Ausführung. |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| September 2009:
"Stolpersteine" auch in Gerolstein
angedacht - Buch von Karl-Heinz Böffgen in zweiter Auflage erschienen |
Artikel vom 10. September 2009 im "Trierischen
Volksfreund" (Artikel):
"Stolpersteine" auch in Gerolstein angedacht
Unter der Überschrift "Gegen das Vergessen" lädt das Forum Eine Welt zu einer Veranstaltung am 15. September, 19 Uhr, in die Gerolsteiner Buchhandlung Raabe ein. Karl-Heinz Böffgen stellt die zweite (ergänzte) Auflage des Buchs "Gegen das Vergessen - Das Schicksal der Gerolsteiner Juden" vor..."
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Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen Volksfreund"
vom 17. September 2009 (Artikel):
"Die Großeltern schwiegen, die Enkel reden"
Das Interesse an der Dokumentation über die Schicksale jüdischer Familien in Gerolstein ist ungebrochen: Das zweite Buch "Gegen das Vergessen" ist seit gestern im Handel. Die Buchvorstellung war mit 50 Zuhörern gut besucht. Die zeitgleiche Diskussion übers Verlegen von Stolpersteinen als dezentrale Gedenkstätten verlief sehr
kontrovers..." |
| Ausführlicher Bericht
(mit Fotos) zu der Veranstaltung siehe auf der Website von "Forum
Eine Welt". |
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| Februar 2010:
Auch in Gerolstein sollen
"Stolpersteine" verlegt werden. |
Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen
Volksfreund" vom 2. Februar 2010 (Artikel): "Stadt sagt Ja zu Stolpersteinen.
Die Stadt hat sich dafür ausgesprochen, dass in Gerolstein Stolpersteine als Andenken an vom Naziregime getötete, jüdische Mitbürger verlegt werden. Stolpersteine sollen jedoch nur dort verlegt werden, wo auch die Eigentümer der Häuser, in denen damals Juden gelebt haben, dafür sind..."
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| Februar 2011:
Vier "Stolpersteine" für die Familie
Levy werden verlegt |
Artikel von Mario Hübner im "Trierischen Volksfreund"
("Gerolsteiner Zeitung") vom 17. Februar 2011 (Artikel):
"Vier Stolpersteine für die Familie Levy.
Nach gut sechs Jahren Vorbereitung werden am 28. Februar, 10 Uhr, zur Erinnerung an die in der Brunnenstadt verfolgten, deportierten und in Konzentrationslagern ermordeten Juden die ersten vier Stolpersteine in Gerolstein verlegt. Weitere sollen folgen..."
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Artikel von Karl-Heinz Böffgen im "Trierischen
Volksfreund" ("Gerolsteiner Zeitung") vom 23. Februar 2011
(Artikel):
"Sie alle waren Gerolsteiner Bürger.
Vor fast genau 68 Jahren, am 27. Februar 1943, wurden der Gerolsteiner Fritz Mansbach, seine Frau Rosa, Tochter Ingeborg und Sohn Horst von bewaffneten Polizisten abgeholt und mit wenig Gepäck zum Bahnhof gebracht, begleitet vom evangelischen Pfarrer Bernhard Wiebel. Die Familie Mansbach war jüdischen Glaubens. Im März wurde sie in Auschwitz ermordet..."
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| Siehe auch den Bericht
in der "Eifel-Zeitung" vom 23. Februar 2011:
"'Stolpersteine' sollen an verfolgte Juden erinnern". |
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November 2018:
Neuauflage einer Publikation zur
jüdischen Geschichte mit Gedenken an den Novemberpogrom 1938
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Artikel im "Trierischen Volksfreund" vom 15.
November 2018: "Region Vulkaneifel. Veranstaltung des Forums Eine Welt
zum Gedenken an die Reichspogromnacht
Geschichte : Das Schicksal der Gerolsteiner Juden. Gerolstein 80 Gäste
besuchen die Veranstaltung des Forums Eine Welt zum Gedenken an die
Reichspogromnacht.
Der Waggon der Züge nach Auschwitz stand schon 1933 in Gerolstein bereit. Zu
dieser symbolisch gemeinten Einschätzung ist der Gerolsteiner
Hobby-Historiker Helmut Blinn gelangt. Er war es auch, der die dritte und
veränderte Auflage des Buches 'Gegen das Vergessen. Das Schicksal der
Gerolsteiner Juden' maßgeblich bearbeitet hat. Das Buch stand im Mittelpunkt
der Gedenkveranstaltung am 9. November im Rathaus Gerolstein, zu der 80
interessierte Gäste gekommen waren. Wider das Vergessen heißt: ,,Denkt an
uns, die wir ausgegrenzt, enteignet, verfolgt und letztendlich ermordet
wurden. Wir waren mitten unter Euch, nahmen teil am Leben im Dorf, belebten
die Wirtschaft des Ortes, feierten mit Euch, bereicherten das kulturelle
Leben und wir wollen nicht vergessen sein.' So zitierte Andreas Borsch,
Doktorand der Uni Trier, aus einem anderen wichtigen Buch in Sachen
Judenverfolgung in Deutschland: ,,Der lange Schatten der Vergangenheit' (von
Aleida Assmann). Sein Fazit, das ebenfalls dem Buch entnommen ist: 'Seid
wachsam und wehret den Anfängen!' An die Vergangenheit zu erinnern und das
Gedenken zu bewahren, hat sich das Forum Eine Welt vorgenommen. So trug die
Veranstaltung im Rathaus Gerolstein dazu bei, der jüdischen Mitbürger zu
gedenken und einige Ereignisse und Zusammenhänge aufzuhellen. Referent
Borsch betonte, dass sich nach mehr als 70 Jahren immer noch viele
Raubgüter, die unter dem Vorwand der Arisierung enteignet wurden, in
deutschem und österreichischem Privatbesitz befänden. Er bevorzuge ohnehin
den Begriff der wirtschaftlichen Existenzvernichtung, da dieser die
Opfersicht beinhalte. Und diese habe es schon vor 1938 mitten in der
bürgerlichen Gesellschaft gegeben. Soziale Isolation der Juden,
Umsatzrückgang, Verdrängung jüdischer Betriebe, fiskalische Ausbeutung waren
die Folge. Die Hauptakteure an exponierter Stelle im Landkreis Daun, Landrat
Wirtz und Kreisleiter Kölle, erreichten laut Borsch ihre Ziele durch
Einschüchterung, gelegentliche Übergriffe, Sichtbarmachung (Schild: 'Juden
unerwünscht!'), Boykott und Denunziantentum. So postierte man vor der
Metzgerei Rothschild in Stadtkyll Angehörige der Hitlerjugend und überwachte
vor allem auch am späten Abend die Kunden. Auf den Kram- und Viehmärkten
wurden die Stände der jüdischen Händler durch die Kreisbauernschaft
boykottiert beziehungsweise den Besuchern gedroht, sie bei Kontakt zu
fotografieren. So ergibt sich zusammenfassend ein Bild der
Ausgrenzungstendenz, die schon sporadisch in den 20er Jahren beginnt,
schleichend ab 1933 durch einzelne lokale Akteure in der Vulkaneifel aus
eigenem Antrieb und Interesse befördert wird (zum Teil entgegen den
politischen Vorgaben aus Berlin) und erst ab 1935 Staatsdoktrin ist.
Die Fragen nach dem Vortrag zeigen, dass die Vergangenheit noch lebendig
ist, es Betroffene gibt. Der Auftritt der Gruppe 'Nie all Doh' an diesem
Abend, schon fast Tradition, gab den passenden musikalischen Rahmen. Die
acht Musikerinnen spielten überwiegend rasante Klezmermusik. Doris Schmitten
erinnerte daran, dass diese ursprünglich jüdische Musik Osteuropas, die zu
Hochzeiten und anderen Festen dargeboten wurde, vor der kulturellen
Auslöschung durch den Holocaust stand, ihre Rettung und Bewahrung aber heute
ein positives Zeichen setze. Auch mit der Neuauflage des Gerolsteiner Buches
'Gegen das Vergessen. Das Schicksal der Gerolsteiner Juden' sei ein Zeichen
der Erinnerung gesetzt worden. Neben Textergänzungen ist ein Kapitel über
die Verlegung der Stolpersteine in Gerolstein mit Dokumenten über die
Kontroverse dieser Aktion neu hinzugekommen. Bei der Präsentation wurde die
Bedeutung des Buches in Zeiten der Holocaustleugner und -relativierer als
Teil der Aufklärung über die Verbrechen des NS hervorgehoben. Die
Vorsitzende des Forums Eine Welt, Christa Karoli, bedankte sich bei den
Sponsoren für die finanzielle Unterstützung bei der Drucklegung. Die Spuren
jüdischer Existenz spiegeln sich an diesem Gedenkabend auch in einer kleinen
Ausstellung mit der Lage der Wohnhäuser der Betroffenen, ihrer
verhängnisvollen Biografie und Porträts des Gerolsteiner Fotografen Freddy
Lange. Die Ausstellung kann im Rathaus Gerolstein besucht werden."
Link zum Artikel |
Hinweis in der Website des "Bürgerdienstes
e.V." vom November 2018: "Bürgerdienst e.V. unterstützt Verein
Forum Eine Welt e. V. bei der Neuauflage des Buches 'GEGEN DAS VERGESSEN –
Das Schicksal der Gerolsteiner Juden'.
Nachdem die 2. Auflage dieses Buches seit Jahren vergriffen ist, legte der
Verein Forum Eine Welt e. V. das Buch über das Schicksal der Gerolstein
Juden in erweiterter Form wieder auf. Dabei ergibt sich auch die Gelegenheit
des 2015 verstorbenen Verfassers des Buches, Karl Heinz Böffgen, für seine
unermüdlichen Aktivitäten um die Aufarbeitung dieses für die Stadt
Gerolstein so wichtigen Themas zu gedenken. Neu aufgenommen in das Buch
wurde die Dokumentation über die Verlegung von Stolpersteinen in Gerolstein
durch den Künstler Gunter Demnig und die jahrelange Diskussion über dieses
Projekt sowie Ergebnisse aus Adreas Borschs Magisterarbeit 'Arisierung' in
der Vulkaneifel. Betreut wurde die Neuauflage von Helmut Blinn, Klaus Heller
und Erik Böffgen. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Gerolsteins endete
1943 als die letzten noch lebenden Juden von den Nationalsozialisten
deportiert in Konzentrationslagern ermordet wurden. Die Erinnerung an die
Verbrechen der Nationalsozialisten ist heute besonders wichtig, da
Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland wieder
erstarken. Das belegen u. a. Die aktuellen Geschehnisse in Chemnitz und
Köthen, die Übergriffe auf jüdische Bürger und der Überfall auf ein
jüdisches Lokal in Chemnitz. Es entsteht der Eindruck sich verschiebender
Grenzen, unverständlicherweise nach rechts! Rechtsextremismus ist eine
Gefahr für die Demokratie! 'Wer aber vor der Vergangenheit die Augen
verschließt, wird blind für die Gegenwart' (Richard v. Weizsäcker, ehem.
Bundespräsident 1984-1994). Wir möchten mit diesem Buch zu Verständnis und
Toleranz aufrufen und dazu, sich gegen Unrecht und Antisemitismus
einzusetzen und die Demokratie zu verteidigen..."
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November 2019:
Rundgang zu den "Stolpersteinen"
in Gerolstein |
Artikel von Angelika Koch im "Trierischen
Volksfreund" vom 10. November 2019: "Gedenken : Erinnerung wachhalten:
Auch Prinz Karneval wurde ermordet
Gerolstein. Zum Holocaust-Gedenktag veranstaltete das Forum
Eine Welt einen Erinnerungsgang entlang der Stolpersteine, die in Gerolstein
an die Verbrechen der Nazis erinnern. Denn auch in der Eifel wurde die
jüdische Bevölkerung deportiert.
So wie Fritz Mansbach. Er, ein angesehener Bürger, tief im Gemeinwesen der
Stadt verwurzelt. Seine Familie hatte ein Kaufhaus, das viele katholische
Kinder mit Kommunionskleidung ausstattete, und er selbst wurde zum Prinz
Karneval erkoren. 'Besser kann ein Mensch nicht in die Gesellschaft
integriert sein', sagte Helmut Blinn vom Forum Eine Welt, der auch das Buch
'Gegen das Vergessen – das Schicksal der Gerolsteiner Juden' gestaltete.
Mansbach und die Seinen wurden 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet –
auch die bis zur Machtübernahme der Nazis gute Nachbarschaft mit den anderen
Gerolsteinern half ihnen nicht. Heute erinnern so genannte Stolpersteine –
in das Pflaster eingelassene bronzene Erinnerungstafeln – vor dem einstigen
Haus der Mansbachs an die Familie in der Bahnhofstraße. Es sind nicht die
einzigen Stolpersteine in Gerolstein, auch in der Hauptstraße, in der
Mühlenstraße oder in der Sarresdorfer Straße lebten Menschen mit jüdischem
Glauben Tür an Tür mit Menschen, die römisch-katholisch oder protestantisch
waren. Die Juden in Gerolstein waren 1933 eine kleine Gemeinde von 52
Mitgliedern. Sie betrieben Limonadenfabriken oder Bierlager, Manufakturen
oder Lebensmittelgeschäfte, sie waren Metzger oder Viehhändler, sie
verkauften Süßigkeiten oder Konfektionskleidung. Kurzum: Sie waren das
vertraute Herz des städtischen Gewerbes. Die Mansbachs, Levys, Mayers,
Baums, Gottschalks, Humbergs oder Adlers waren deutsche Staatsbürger so wie
die meisten anderen, die in der Stadt lebten. 'Aber die jüdischen Einwohner
wurden zum Bahnhof getrieben, in Viehwaggons gesperrt und in KZs
umgebracht', so Blinn. 'Sehr tragisch ist auch: Die Mansbachs hätten noch
auswandern können. Aber sie taten es nicht.' Der Grund: Die Großmutter hatte
kein Visum erhalten. 'Es war ein unglaublicher Akt charakterlicher Größe,
dass sie ihre Oma nicht allein ließen. Vor solchen unbesungenen Helden
können wir nur tief den Hut ziehen.' Rolf Endebrock erinnerte an einen der
'besungenen Helden', die im Holocaust bewiesen, dass die Nazis auch mit
ihren KZs der Menschlichkeit nicht vollends den Boden entziehen konnten:
Janusz Korczak, einen polnischen Arzt, Verfechter der Kinderrechte und
Kinderbuchautor. Auch er ließ die Menschen, die ihm anvertraut waren, nicht
im Stich. Mit 200 Waisenkindern wurde er erst ins Ghetto und dann im KZ
Treblinka ins Gas geschickt.
Der Gang unter dem Motto 'Erinnern – wachsam bleiben – aufstehen!' und mit
rund vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern gipfelte in der Erkenntnis:
'Auch wenn wir Heutigen persönlich nicht am Holocaust schuldig sind, so
tragen wir doch die Verantwortung dafür, dass er sich nicht wiederholen
darf. Wir müssen mit all unseren Kräften verhindern, dass sich faschistische
Gedanken fortsetzen und zu Gewalt antreiben.' Das Schlussgebet des
Erinnerungsgangs endete mit dem Wort 'Amen' – der zentralen liturgische
Formel sowohl im Judentum wie im Christentum und im Islam."
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Januar 2025:
Erinnerung am Holocaust-Gedenktag
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Artikel "Holocaust-Gedenken in Gerolstein" in der Ausgabe 7/2025 der
"Verbandsgemeinde Gerolstein Aktuell" - 14. Februar 2025 S. 14.
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica Bd. II,1 S. 277-278.
|
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 166 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | Christoph Stehr: Die jüdische Bevölkerung in
Gerolstein bis 1945 - Um Munterley und Löwenburg. Hrsg. Stadt Gerolstein
April 1986 (Facharbeit von 1981).
Online
zugänglich |
 | Karl-Heinz Böffgen: Gegen das Vergessen - Das
Schicksal der Gerolsteiner Juden. 2006. 2. (ergänzte) Auflage 2009 (siehe
Artikel oben). |
 | Willi Körtels: Die jüdische Schule in der Region
Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online
zugänglich (pdf-Datei). |
 | Helmut Blinn: Gegen das Vergessen. Das Schicksal
der Gerolsteiner Juden. 3. Auflage 2018.
Das Buch ist in der Buchhandlung Raabe Gerolstein, in der
Tourist-Information Gerolsteiner Land für zehn Euro oder über den Verein
Forum Eine Welt (info@forum1welt.de)
für zehn Euro + 2,50 Euro Versandkosten erhältlich. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gerolstein Rhineland. A few
Jews were present before the Black Death persecutions of 1348-49. In 1719, two
protected Jews received residence rights. In the second half of the 19th century,
the Jewish population still numbered only 14-25, growing to 45 in 1911 and 61
(total 2.740) in 1925. A cemetery was opened in 1894. In 1936, 34 Jews remained
and 19 in 1937. After the outbreak of war, there were eight Jews remaining. All
were deported to the east.

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