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Gera mit
Greiz (Kreisstadt,
Thüringen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
| Neu (Dezember 2011):
Onlineplattform zum jüdischen Leben in Thüringen |
| Der Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. wird mit Hilfe des Leo-Baeck-Programms der Stiftung
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sowie des Thüringer Kultusministeriums ein Onlineportal zum jüdischen Leben in Thüringen schaffen. Ziel sei es, künftig einen gemeinsamen Veranstaltungskalender, wissenschaftliche Publikationen sowie Bild- und Tonarchive einzubinden. Ein besonderer Fokus soll auf ehrenamtlich agierenden Initiativen vor Ort
liegen. Mit den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen in Thüringen hat der Förderverein in den vergangenen Jahren seine Netzwerkfähigkeit unter Beweis stellen können.
Weitere Informationen zum geplanten Netzwerk gibt es im Internet unter
www.synagogenverein-erfurt.de. |
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Gera bestand eine jüdische
Gemeinde bereits im Mittelalter. Erstmals werden 1331 Juden in der
Stadt genannt: Kaiser Ludwig bestätigte dem Vogt Heinrich von Gera die Rechte
über die Juden in seinem Gebiet. Die Judenverfolgung in der Pestzeit 1349
traf auch die Juden in Gera. Ein Überlebender war möglicherweise der 1357 in
Erfurt genannte Jude Abraham von Gera.
Die jüdischen Familien wohnten vermutlich in der zwischen Markt und Kornmarkt
gelegenen "Jüdengasse", jedoch ist unklar, aus welcher Zeit
die Bezeichnung und damit die jüdische Ansiedlung in dieser Gasse stammt.
Möglicherweise stammt die Bezeichnung erst aus der Zeit nach der Verfolgung von
1349. Eine Synagoge ("Judenschule") wird 1502 genannt, als der
Hofjude Meyer mit ihr und einem Haus in der Vorstadt belehnt wurde. Davor lassen
sich Juden (in der Zeit nach der Verfolgung in der Pestzeit) erst seit 1478
in Gera nachweisen: in diesem Jahr wirkte der jüdische Arzt Michel in der
Stadt. Wenig später zog ein anderer Jude aus Eger nach Gera zu. Der genannte
Hofjude Meyer lebte vom Geldhandel und war insbesondere für den Landesherrn
tätig. 1491 wurden die Geraer Juden auf Bitten des Rates von Leipzig gefangen
gesetzt unter der Beschuldigung, ein in einem Leipziger Kloster gestohlenes Sakrament
gekauft zu haben. 1500 wurden die Juden angeblich aus der Stadt
vertrieben, doch wird bereits 1502 der oben genannte Hofjude Meyer in der
Stadt erwähnt. Danach schweigen jedoch die Quellen über mehrere Jahrhundert
bezüglich Juden in der Stadt.
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind Juden wieder in der
Stadt zugezogen. Unter den ersten war Hermann Tietz (Namensgeber des
Warenhauskonzerns "HERTIE"), der am 1. März 1882 ein kleines
Geschäft in der Stadt eröffnete. 1885 wurde die Israelitische Kultusgemeinde (IKG
bzw. IsrKG) als sogenannte "freie Vereinigung" gegründet. Zu ihren
Gründungsmitgliedern gehörte Hermann Tietz.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie
folgt: 1907 280, 1924 ca. 500 Gemeindeglieder.
Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Greiz
lebenden jüdischen Personen (1924: 25). Mehrere jüdische Kaufhäuser und
Einzelhandelsgeschäfte waren in Greiz in den 1920er-Jahren und bis nach 1933 im
Besitz jüdischer Personen, so das Herrenkonfektionsgeschäft Wiesenthal &
Co. (Inh. Karl Wiesenthal; Ecke Thomasstraße/Burgstraße), das Geschäft der
Brüder Philipp und Samuel Laßmann (Markt 6), die Schuhmacherei Baruch Reisler
(Marktstraße 6), das Schuhgeschäft von Moritz Recher (Brückenstraße 14), das
Kaufhaus Wohlwerth (Inhaber Eduard Lippmann, Marktstraße 4). In der Stadt
lebten außerdem Familie Leo Popper (Kugelacker 27), Familie Hans Kramer
(Mitinhaber der Fa. Franz Müller und Kramer) sowie einige weitere
Personen.
An Einrichtungen bestanden eine beziehungsweise mehrere Synagogen /
Beträume (s.u.), eine jüdische Schule/Gemeindehaus (im ehemaligen
Meistergässchen 10 neben dem Walkmühlenplatz; hier inzwischen eine neue
Straßenführung; Gebäude nicht mehr erhalten), vermutlich auch ein rituelles
Bad oder mehrere Bäder. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf den
städtischen Friedhöfen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der auch als Vorbeter ("Prediger") tätig war.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Arthur Berger
(geb. 14.1895 in Stolberg, gef. 6.5.1916), Oskar Berger (geb. 28.1887 in
Stolberg, gef. 31.12.1914), Willy Brüg (geb. 14.8.1892 in Gera, gef.
26.7.1915). Arno Goldschmidt (geb. 15.1.1878 in Eisenach, gef. 31.8.1916,
beigesetzt in Bleicherode, siehe Foto unten).
Unteroffizier Isidor Goldschmidt (geb. 5.3.1888 in Krotoschin, gef. 6.11.1918),
Feldarzt Dr. Adolf Jankelowitz (geb. 27.9.18769 in Neustadt b. Heydekrug, gef.
4.3.1917), Unteroffizier Ernst Sommer (geb. 30.4.1892 in Brakel, gef.
14.11.1914), Offiz.St. Joseph Winter (geb. 7.12.1885 in Glogau, gef.
21.1.1916).
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 500 Personen gehörten (0,6 % von insgesamt
etwa 80.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Dagobert Halpert, Willy
Goldmann, Louis Schalscha, Louis Cohn und Abraham Rosenbaum. Als Prediger und
Lehrer war David Wertheim tätig, als Organistin in der (liberalen) Synagoge Maria Dörre.
An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeits- und Bestattungsverein
Chewra Kadischa (1886 gegründet, 1924 unter Vorsitz von Bernhard Süßmann, 1932 unter
Vorsitz von Gustav Hauptmann [Bärengasse 1] mit 26 Mitgliedern; Zwecke und
Arbeitsgebiete: Wanderfürsorge, Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Bestattungswesen), den Israelitischen Frauenverein (1896 gegründet,
1924 unter Leitung
der Frau von Dr. Hirsch, 1932 unter Leitung von Paula Süßmann [Louis-Schlutter-Straße
18] mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger) und den Israelitischen Jugendverein (1924 unter
Leitung von S. Jacobus). Weiterhin gab es den Jugendverband Blau-Weiß,
eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und den Sportverein
"Bar Kochba" (als Ortsverein erst nach 1935).
1932 war Gemeindevorsteher Dagobert Halpert (Promenadenstraße 30). Als
Lehrer war weiterhin David Wertheim tätig (Sedanstraße 8) .
1933 lebten 378 jüdische Personen in der Stadt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 28. Oktober 1938 wurden
die in der Stadt zahlreichen sogenannten "Ostjuden" aus allen
Stadtteilen abgeholt und zur Ausreise gezwungen; sie wurden an die
deutsch-polnische Grenze transportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden
die beiden Synagogen geschändet und demoliert (s.u.). Die meisten der
jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis
1939 wurden die letzten jüdischen Geschäfte "arisiert". Für die
noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen wurden sogenannte
"Judenhäuser" eingerichtet: das Haus der Familie Borenstein in der
Schulstraße 16 (heute Hußstraße), das Haus der Familie Birnbaum in der
Agnesstraße 4 (heute Gagarinstraße) und das Haus Zschochernstraße 32. 1942
wurden noch 64 jüdische Einwohner gezählt. Die meisten von ihnen wurden bei
zwei Deportationen in diesem Jahr in Vernichtungslager
verbracht.
Von den in Gera geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Motel Moszek Abkewicz
(1894), Else Altmann geb. Groß (), Fella Altmann (), Isaak Altmann (), Rifka
Altmann geb. Kantorowicz (), Samuel (Schmul) Altmann (), Viola Altmann (),
Margarethe (Betty) Altschüler geb. Halpert (1892), Jenny Antmann (), Moses
Antmann (1894), Rosa Antmann geb. Kafka (1891), Mathilde Bachmann geb.
Eichenberg (1849), Rosalie Bachmann geb. Baruch (1880), Siegmund Bachmann
(1881), Egon Alexander Wolfgang Barasch (1926), Hermann Chaskiel (Chaskier)
Barasch (1896), Johanna Selma (Salomea) Barasch geb. Sabersky (1902), Chana
Berger (), Alfred Birnbaum (1916), Chawe Deborah Birnbaum (), Feige Fanny
Birnbaum geb. Verständig (1888), Juda Birnbaum (1879), Mendel Birnbaum (1885),
Rosa Birnbaum geb. Wiesenthal (1880), Mordka Max Blachmann (1890), Rosa (Taube,
Rebekka) Blachmann geb. Adelski (1895), Sophie Rebekka Blachmann (1922), Itta
Blumenstein (), Ida Frieda (Friedel) Borenstein (1918), Leo Leib Borenstein
(1884), Pepi Borenstein geb. Grünstein (1884), Mendel Israel Brandwein (1886),
Minna Brandwein geb. Wiesenthal (1882), Lucie Pauline Braun geb. Brueg (1901),
Dora Brenner geb. Berndt (1887), Ernst Brueg (1883), Gertrud Brueg geb. Gilles
(1883), Felicitas Bütow geb. Wolff (1888), Waltraut Gabriele Bütow (1925),
Moses Chilewitz (1893), Galel Ciup (1902), Chaja Perl Clärchen Eidelmann geb.
Greidinger (1913), Pesse Eidelmann (1939), Markus Faust (), Evelyn Fischmann
(1930), Heinrich Fischmann (), Marion Fischmann (1926), Paula Fischmann geb.
Schipper (1891), Max Fraenke (1930), Eisig Fränkel (1872), Jacob Abraham
Fränkel (1902), Bruno Frank (1892), Kurt Freudenthal (1891), Lieba Friedmann
geb. Adelski (), Moses Judko Friedmann (1896), Hermann Fröhlich (1922(, Ruth
Fröhlich (1927), Salomon Frost (), Mathias Gaensel (1882), Josef Gelber (1865),
Jakob Geller (1872), Gertrud Goldmann geb. Walther (1890), Hermann Goldmann
(1878), Wally Goldschmidt (1891), Benno Gottfried (), Markus Gottfried (1896),
Moses Gottfried (1875), Paula Gottfried geb. Leibenstein (1897), Sara Gottfried
geb. Klahr (), Zita Gottfried (), Josef Greidinger (), Cywia Cella Gross
geb. Urbach (1903), Fajawell Fritz Gross (1928), Hella Grünberg geb. Nussenbaum
(), Moses Gruenberg (), Abraham Gutwilen (1894), Helene Gutwilen (1931), Hermann
Gutwilen (1931), Rena Gutwilen geb. Pick (1889), Paul Hennin (), David
Herschberg (1885), Rosa Rachel Herschberg geb. Neumann (1891), Max Hirsch
(1887), Hans Hirschhorn (), Helene Hirschhorn geb. Birnbaum (), Samuel
Hirschhorn (), Frieda Fradel Hofstein geb. Zawadzki (1882), Rubin Hofstein
(1877), Herbert Joseph (), Friedrich Käckell (1886), Leo Kantorowicz (1899),
Moritz Moische Kantorowicz (1899), Sara Kantorowicz geb. Sternberg (1902), Aron
Katz (1882), Benjamin Katz (), Frieda Katz geb. Tabak (1892), Leo Katz (1883),
Margula Katz geb. Pfeffer (1872), Matthias (Mathis) Katz (1875), Hirsch Jakob
Keller (1896), Taube Liebe Keller geb. Klingenfrau (1896), Anni (Anna) Knispel
geb. Wassermann (1911), Elly Kornick geb. Wolff (1883), Frieda Feige Kronberg
geb. Rapoport (1886), Moritz Kronberg (1882), Ida Landsberg geb. Jahr (), Carmen
Helene Laubheimer geb. Harf (1923), Else Lewin geb. Wolff (1879), Elise
Lichtenstein geb. Hauptmann (1894), Gustav Lichtenstein (1881), Herta
Lichtenstein (1905), Elfriede (Frida) Lindmann geb. Hirsch (1892), Eleonore
Lissner geb. Rosenthal (1901), Emil Löwenstein (1884), Heinz Hans Hermann
Löwenstein (1926), Käte Löwenstein geb. Hauptmann (1895), Felix Lomnitz
(1884), Basia Berthel Lorbeer geb. Schweizer (1905), Max H. Lorbeer (1904), Ruth
Lorbeer (1936), Ester Lurje geb. Geller (1910), Chaim Malachowsky (1881), Josef
Malachowsky (1914), Warda Mindel Malachowsky geb. Gusowsky (1891), Wally Anna
Marie Mandel (1907), Adele Mayer geb. Hirschfeld (1877), Klara Meyer geb.
Sandheim (1888), Moses Aron Milewicz (1897), Lilli Moses geb. Biermann (1895),
Werner Müller (1910), Lucie Münzer geb. Kupfer (1899), Erna Nawratzki geb.
Prytek (1895), Katherina Erna Neukamp geb. Gottheil (1893), Frieda Orenstein (),
Ida Orenstein (1911), Leon Luser Leo Orenstein (1884), Marie (Maria) Orenstein
geb. Ripstein (1884), Olga Sara Orenstein (1912), Sura Orenstein (1914), Wolf
Orenstein (1918), Esther Organek (), Hermann Chaim Organek (1893), Hilde Organek
geb. Zawadzki (1900), Rosa Elsbeth Philipp geb. Schiff (1878), Paula Perla Lea
Bella Pressburger geb. Organek (1905), Erika Pringsauf geb. Goldmann (1914),
Baruch Reisler (1894), Max Reisler (1910), Edmond Riesel (), Margot Rose (1902),
Cäcilie Zitty Rosenbaum geb. Kissinger (1873), Toni Rosenberg geb. Fraenkel (),
Feodora Rosin geb. Kalb (1893), Margarete Sabersky geb. Epstein (1877), Rifka
Sarakowski geb. Milewitzsch (1889), Adolf Sawatzki (), Berta Schäfer geb.
Langer (1890), Elie Scharf geb. Kraushaar (1897), Jakob Scharf (1895), Sonja
Scharf (1927), Edith Schmidt-Lorenz geb. Schalscha (1892), Zippora Schnitzer
(1906), Scheina Jenny Schoenlank geb. Klimberg (1864), Margarete Schönwald geb.
Lomnitz (1881), Baruch Schweizer (1882), Max Schweizer (1907), Paul Schweizer
(1900), Toni Schweizer geb. Lindenbaum (1907), Martel Marcus Sejnewski (1922),
Sellow Seligmann (1906), Bernhard Siminski (1926), Julius Simsohn (1888), Julius
Sindel (1887), N.N. Sindel (), Klara (Klärchen) Sindel (), Tzila Sindel geb.
Poper (), Wolfgang Sindel (), Hermann Sklow (1870), Ellen Sochaczewer geb.
Steinitz (1886), Paula Sommerfeld geb. Rubinson (1898), Ruth Sommerfeld (1927),
David Spiegel (1882), Deborah (Dvora) Spiegel geb. Halpern (1880), Jakob Spiegel
(1889), Auguste Steinitz geb. Aron (), Sidonie Sternberg geb. Münzer (1913),
Hermann Stiglitz (1903), Paula (Bela) Stolnikowitz (1912), Grete Taus geb.
Guggenheim (1900), Sylvia Irmgard Libeni Taus (1925), Moritz Tondowski (1906),
Ida Itka Urbach geb. Waldmann (1907), Lilli Wahl geb. Jankelowitz (1907), Emmy
Weber (1909), Regina Wechsler geb. Liebermann (1905), Clara Wernik geb.
Heller-Berger (), Dawid Wernik (1892), Fanny Wernik (1896), Lotte Wernik (1929),
Cora Wilamowska (1910), Berthold Winkelmaier (1902), Ruth Ilse Wolf geb. Hirsch
(1905), Wilhelm Wolff (1885), Heinz Wolkowitz (1929), Mendel Max Wolkowitz (),
Regina Rifka Wolkowitz (), Rudolf Wolkowitz (1934), Felicitas Fella Zawadzki
(1924), Frieda Zawadzki (1928), Leopold Lewinsohn Zawadzki (1902), Marie
Zawadzki geb. Maneli (1903), Sally Zawadzki (1890), Ziril Civel Zawadzki geb.
Pericovicz (1866), Johanna Zuer geb. Brinitzer (1886), Wolfgang Zuer
(1921).
Aus Greiz sind umgekommen: Emilie Arnstein geb. Heller (1896). Sigrid
Chraplewski (1923), Hans Cohn (196), Margarete Fickel geb. Cohn (1896), Dora
Flom (1906), Klara Klemm geb. Heit (1905), Helene Krämer geb. Berl (1897), Hans
Kramer (1893), Hilde Kramer (), Olga Lilienthal geb. Schneider (1866), Julie Popper geb.
Knöpfelmacher (1866), Baruch Reisler (1894), Max Reisler (1910), Gertrud
Zellner (1890).
Am 18. Oktober 2011 wurden in Greiz vier "Stolpersteine" verlegt
für: Hilde und Hans Kramer (Gartenweg 7) sowie Julie Popper (Kugelacker
27) und Dora Weigel (Südstraße 6, hat mehrere KZ schwer verletzt überlebt).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Nationalsozialisten zertrümmern Schaufensterscheiben
jüdischer Geschäfte (1928)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 26. September 1927: "Berlin (J.T.A.).
Nationalsozialisten haben in Gera am Sonnabend im Kaufhaus Bütow
zwei und im Warenhaus Tietz eine große Fensterscheibe mit Steinen
zertrümmert. Als Haupttäter und Anstifter wurden der Herausgeber der
antisemitischen 'Sturmglocke' und drei Mittäter, die alle geständig
sind, festgestellt." |
Zur Geschichte der Synagoge
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge
("Judenschule") vorhanden (1502 genannt).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde (nach 1885) eine
Synagoge (Tempel) in der Leipziger Straße eingerichtet. Nach dem Ende der
Ersten Weltkrieges wurden die Gottesdienste in einem Hintergebäude
(Obergeschoss eines Seitenflügels) des damaligen Hotels "Kronprinz"
am Rossplatz (später "Platz der Republik") abgehalten. Daneben gab
des Beträume verschiedener orthodoxer Richtungen, ein größerer (orthodoxe
Synagoge) bis 1938 in der Hospitalstraße.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Synagogen im Hotel
"Kronprinz" und in der Hospitalstraße durch NS-Anhänger geschändet,
die Einrichtungs- und Kultgegenstände wurden verbrannt. Im Zweiten Weltkrieg
wurde das Gebäude des Hotel Kronprinz (mit dem Betsaal im Hintergebäude)
zerstört.
Im November 1989 wurde ein Denkmal für die zerstörte Synagoge
eingeweiht. Das Denkmal besteht aus vier Zeilen: einem zerbrochenen
Synagogeneingang mit der Inschrift: "Synagoge zu Gera 9.11.1938" und
drei Steinplatten, die davor im Boden liegen. Eine kleinere Steinplatte zeigt
eine Menora; auf einer der Inschriftenplatten steht: "Die Pogromnacht des
9. November 1938 brachte Zerstörung, unendliches Leid und Tod über unsere
jüdischen Mitbürger"; auf der anderen: "Sechs Millionen Juden wurden
von 1933 bis 1945 Opfer des deutschen Faschismus".
Adresse/Standort der Synagogen:
- Betsaal im Hintergebäude des nicht mehr bestehenden
Hotel Kronprinz: Schülerstraße / Ecke
Anna-Schneider-Weg;
- orthodoxe Synagoge in der Hospitalstraße (später
Karl-Liebknecht-Straße)
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmen von 29.6.2011)
Die
Gedenkstätte für
die nicht mehr bestehende Synagoge |
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Der
"zerbrochene Eingang" für das 1938 geschändete und später
kriegszerstörte
Synagogengebäude |
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Die oben zitierte
Inschrift ist leider durch die eingetretene Verwitterung kaum mehr
lesbar. |
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Andernorts entdeckt - auf
dem
jüdischen Friedhof in Bleicherode |
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Grabmal für den im Ersten
Weltkrieg
gefallenen Arno Goldschmidt
aus Gera (1878 - 1916) und
Sophie Goldschmidt geb. Grünstein
(1851 - 1924) |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Anfang 2009:
"Stolperstein"-Aktion
in Gera |
Artikel von Sylvia Eigenrauch, Gera aus der
Thüringischen Landeszeitung vom 26. Februar 2009 (Artikel):
Stolpern gegen das Vergessen.
Die Dokumentation junger Leute aus dem Evangelischen Jugendhaus Shalom über die Initiative Stolpersteine in Gera nimmt Pastor Uwe Heimowski heute mit auf seine Reise nach Israel.
Das Material, das sieben Jugendliche in Gera zusammentrugen und ihm gestern überreichten, will er dem Dokumentationszentrum der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem überreichen. Die 1953 gegründete Stätte ist für Menschen mit jüdischen Vorfahren oft die erste Anlaufstelle, um Familienwurzeln zu entdecken. Heute lagern dort über 60 Millionen Dokumentseiten, gibt es 263 000 Fotografien und über zwei Millionen Gedenkblätter in der Halle der Namen.
Denen wird jetzt das Material aus Gera hinzugefügt. Voriges Frühjahr hatte Günter Domkowsky die Initiative Stolpersteine in der Stadt angeregt und obendrein einen Stadtrundgang konzipiert, der die Teilnehmer zu den Häusern der einst in Gera lebenden Juden führt. 217 Juden aus der Stadt sind im Holocaust umgekommen. Nicht allen wird ein Stein ins Pflaster gelegt werden können, weiß Domkowsky. "Auch wenn die Steine keine Begegnungen schaffen, so lassen sie uns mitten im Leben stolpern und uns erinnern, dass es auch hier Menschen jüdischen Glaubens gab", sagt Pastor Heimowski. Er sucht als Reiseleiter für eine Gruppe der Reisemission Leipzig in Israel den Kontakt mit den Juden. Auch Geraer sind mit ihm bis zum 7. März unterwegs.
Unterdessen wird der zweite Termin für das Legen von Stolpersteinen für den 6. April vorbereitet. Dann will auch Philipp Meyer sich an der Erarbeitung der Dokumentation beteiligen. Der künftige Erzieher absolviert derzeit ein Praktikum im Shalom. "Jugendliche leisten hier einen Beitrag, dass Geschichte lebendig bleibt, von der man sonst nichts weiß, die verdrängt oder vergessen wird", sagt
Domkowsky.
Mit den Namen leben die Geraer Opfer des Nationalsozialismus weiter. Die nächsten Stolpersteine sollen symbolisch auch für andere stehen. "Wenn wir an Rudolf Diener erinnern, dann werden auch all die anderen aufgeschrieben, die wie er im Gefängnis umkamen", so
Domkowsky.
Gera ist europaweit der 361. Ort, an dem der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1993 Stolpersteine gegen das Vergessen legte. Sie erinnern meist vor ihrem früheren Wohnhaus an die Opfer des Nationalsozialismus. Bisher liegen 16 500 dieser Steine.
In Gera wird so seit dem 7. Oktober 2008 an fünf jüdische Mitbürger erinnert: An Julius Simsohn (1888-1944) in der Nestmannstraße, an Prof. Dr. Hans Simmel (1891-1943) vor dem Waldklinikum und an Familie Oskar, Martha und Hans Salomon in der Laasener Straße. |
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| Juni 2010:
Nach dem Diebstahl von "Stolpersteinen"
in Gera - Ermittlungen gegen Verdächtigen im Gange |
Foto
links (ddp): Einige dieser sogenannten "Stolpersteine" sind in
Gera gestohlen worden.
Artikel in "RP-Online" (Artikel):
""Stolpersteine" in Gera - Gedenksteine der Nazi-Opfer gestohlen
Die Thüringer Polizei ermittelt gegen einen 22 Jahre alten Mann, der in Gera sogenannte Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gestohlen haben soll. Zu den Vorwürfen äußerte sich der Mann bisher nicht.
Zeugen hatten in der Nacht zum Sonntag beobachtet, wie ein Mann mit Werkzeug die in einen Fußweg eingelassenen Gedenksteine entfernte, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Polizei nahm in unmittelbarer Nähe den 22-Jährigen fest, der Werkzeuge dabei hatte.
Die fünf gestohlenen Gedenktafeln seien bisher nicht gefunden worden. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um in den Gehweg eingelassene Gedenktafeln (Maße 10x10x10 Zentimeter) zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus." |
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| Juli 2010:
Ein weiterer "Stolperstein" wurde
gestohlen |
Artikel in "RP-online" vom 30.
Juli 2010: "Gera. Erneut Gedenk-"Stolperstein" gestohlen
Gera (RPO). In Gera ist erneut ein "Stolperstein" gestohlen worden. Die in den Fußweg eingelassene Gedenktafel zur Erinnerung an jüdische Opfer des Nationalsozialismus sei in der Nacht zum Freitag entfernt worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. Erst Ende Juni waren in der Stadt fünf "Stolpersteine" entwendet worden. Sie sind den Angaben zufolge bis heute verschwunden. Die Kriminalpolizei bildete jetzt eine Arbeitsgruppe, die einen Zusammenhang zwischen den Taten prüft. Zudem sollen mit mehr Streifenfahrten weitere Diebstähle verhindert werden.
ddp/erd/stu." |
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| November 2010:
Schändung des Denkmals für die Synagoge |
Artikel in der "Thüringischen
Landeszeitung" vom 11. November 2010 (Artikel):
"Denkmal für einstige Synagoge in Gera geschändet - Täter gefasst.
Auf frischer Tat wurde ein 32-jähriger Geraer gestellt, der am Dienstagabend gegen 22.55 Uhr das Denkmal für die einstige Synagoge in der Schülerstraße schändete.
Gera. An dem Tag hatte sich zum 72. Mal die Reichspogromnacht gejährt.
Der Mann hatte Blumengebinde, die am Abend niedergelegt worden waren, und Grabkerzen weggetreten. Er wurde von Beamten der Polizeiinspektion Zentrale Dienste überrascht und festgenommen. Mittlerweile befindet er sich aber wieder auf freiem Fuß. Der Täter war alkoholisiert, ein Atemtest ergab 2,04 Promille. Der 32-Jährige ist polizeibekannt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Beleidigung und Sachbeschädigung, teilte eine Polizeisprecherin mit. Das Denkmal war wiederholt Ziel von Sachbeschädigungen in den letzten Jahren.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb und das Aktionsbündnis "Gera gegen Rechts" äußerten sich schockiert. "Nicht einmal das Gedenken an die Pogromnacht bleibt von Taten mit rechtsradikalem Hintergrund verschont. Das ist traurig und sollte uns alle zum Nachdenken anregen", äußerte sich Christoph Berger, einer der Sprecher. Die Tat reihe sich ein in mehrere Vorfälle, so seien u.a. Stolpersteine entwendet worden, die an Opfer des NS-Regimes erinnern. Nicole Schneider von der mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie gegen Rechtsextremismus (moBiT) sieht im Vergehen eine antisemitische Tat. "Wenn ein Mensch auf die Idee kommt, die Zeichen der friedlichen Erinnerung und des Mahnens gewaltsam zu zerstören, ist das eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus." Da der Täter sich trotz Anwesenheit von Passanten es waren Polizisten in Zivil, die den Mann verhafteten am Denkmal zu schaffen machte, müsse er sich sicher gefühlt haben. Begrüßt wird das Handeln der Polizei.
Am Sonntag um 14.45 Uhr will das Aktionsbündnis am Grab des Widerstandskämpfers Rudolf Diener auf dem Ostfriedhof der Nazi-Opfer gedenken.
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| Januar 2011:
Geldstrafe für den Denkmalschänder |
Artikel aus den t-online-Nachrichten vom
19.Januar 2011 (Artikel):
"Geldstrafe wegen Schändung jüdischer Gedenkstätte.
Gera (dapd-lth). Wegen der Schändung einer jüdischen Gedenkstätte ist gegen einen 32-jährigen Mann aus Gera eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verhängt worden. Der Mann habe zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht im vergangenen Jahr gezielt gegen Blumenkränze und Grabkerzen an der ehemaligen Synagoge getreten, teilte das Amtsgericht Gera am Mittwoch mit.
Da bei dem Verurteilten kurz nach der Tat ein Atemalkoholtest von 2,04 Promille festgestellt wurde, ging das Gericht in seiner Entscheidung von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Das Denkmal für die von Nationalsozialisten zerstörte Synagoge war in den vergangenen Jahren mehrfach beschädigt worden." |
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| September 2011:
Über den Jüdisch-Deutschen Kulturverein in
Gera |
Artikel von Elke Lier in der
"Thüringer Allgemeinen" vom 2. September 2011 (Artikel):
"Jüdisch-Deutscher Kulturverein sucht jüdische Spuren in Gera.
Der Jüdisch-Deutsche Kulturverein wurde als Projekt des interkulturellen
Vereins gegründet. Die Mitglieder sind Migranten aus jüdischen Familien
und Geraer Bürger. Ziel ist die Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes
in Gera..."
Auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| Oktober/November
2011: Zum Programm der
Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Gera |
Pressemitteilung vom 6. Oktober
2011: "Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage wieder in Gera.
Die 19. Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen finden vom 27.Oktober bis zum 13. November statt. Das vielfältige Programm aus Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Filmen ist auch wieder in Gera zu erleben. Die Otto-Dix-Stadt wird mit einem eigenen Programm zu interessanten Veranstaltungen laden. Ein Höhepunkt wird das Konzert mit dem israelischen Quintett
'Oy Division' am 30. Oktober in der Trinitatiskirche sein. Der 9. November steht dann wieder ganz in dem Gedenken an die Pogromnacht von 1938. Zur Auseinandersetzung mit der lokalen jüdischen Geschichte ermutigen die Stadtführung
'Steine und Namen' zu Stätten jüdischen Wirkens in Gera am 2. November so wie ein Vortrag über jüdisches Leben im Mittelalter, der am 10. November im Stadtmuseum Gera stattfinden wird." |
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| Oktober
2011: Auch in Greiz wurden
"Stolpersteine" verlegt |
Artikel von Holger Zaumsegel in
der "Ostthüringischen Zeitung" vom 19. Oktober 2011:
"Stolpersteine in Greiz gesetzt. Mit den am Dienstag, 18.
Oktober, vier gesetzten Stolpersteinen ist nun auch die Park- und
Schlossstadt Teil des weitweit größten dezentralen
Mahnmals..."
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zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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| Dezember
2011: Gerichtsverhandlung zum
Diebstahl von "Stolpersteinen" |
Artikel von Katja Schmidtke in
der "Ostthüringer Zeitung" vom 7. Dezember 2011: "Das
Amtsgericht Gera verhandelt den Diebstahl von Stolpersteinen. Das
Amtsgericht Gera verhandelt wegen Diebstahl und Störung der
Totenruhe.
Gera. Es war ein sommerlicher Sonnabend, dieser 26. Juni
2010..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Video zur Verlegung von "Stolpersteinen" in
Gera (Ostthüringische Zeitung, 17. Juni 2011)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 277; III,1 S.
433-434. |
 | Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Thüringen. Berlin 1992. S. 271-272. |
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link). Zu Gera S. 131-134. |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S.
76-79 (zu Gera) und S. 113-114 (zu Greiz). |
 | Werner Simsohn: Juden in Gera - ein geschichtlicher
Überblick. Hrsg. von Erhard Roy Wiehn. Konstanz 1997.
Über den Autor und seine Publikation (aus www.gera.de):
"Lebenslauf und Würdigung Herr Werner Simsohn
Herr Werner Simsohn wurde am 18. Dezember 1924 in Berlin geboren und lebte seit 1927 in Gera. Als Kind und Jugendlicher erlebte er hier als selbst Betroffener die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Familien durch den NS-Staat. Sein Vater wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet, andere Verwandte wurden deportiert und kamen ebenfalls um. Er selbst wurde im Oktober 1944 verhaftet und in ein so genanntes "Erziehungslager" in den Buna-Werken in Schkopau bei Merseburg gebracht, von wo ihm in den letzten Kriegswochen die Flucht gelang.
Nachdem Herr Werner Simsohn den notwendigen Abstand zu dem Erlebten und Durchlittenen gewonnen hatte, erkannte er die Notwendigkeit, die Geschichte der jüdischen Einwohner Geras vor dem Vergessen zu bewahren. Da es zu diesem Kapitel der Stadtgeschichte kaum archivalische Quellen gibt, konnte diese Aufgabe nur durch die Befragung Überlebender gelöst werden. Herr Werner Simsohn war sich bewusst, dass nur ein selbst Betroffener das Vertrauen der Überlebenden bzw. deren Angehöriger erringen konnte. Er stellte sich dieser großen Verantwortung. Neben seiner beruflichen Arbeit und seinem ehrenamtlichen Engagement im Sport gelang es ihm im Laufe jahrzehntelanger, mühevoller Recherchen, auf eigene Kosten und ohne institutionelle Unterstützung, eine Fülle von Anschriften in mehreren Kontinenten zu ermitteln und Dutzende von Zeitzeugen zu befragen.
Als Ergebnis liegt heute eine umfangreiche Sammlung und Dokumentation zur Geschichte der Juden in Gera vor, die bezeugt, dass die Geschichte der Stadt nicht ohne die Rolle der Juden verstanden werden kann. Das von ihm auf dieser Grundlage verfasste Manuskript vermittelt ein tiefgründiges und differenziertes Bild des Lebens, Wirkens und Leidens der Juden in Gera. Die Darstellung des Schicksals Geraer jüdischer Familien verleiht der Geschichte Namen und Gesicht. Seine Arbeit tilgt nicht nur einen weißen Fleck in der Geschichte der Stadt Gera; sie ist zugleich repräsentativ für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung auch in anderen Orten und Regionen. Durch seine vielfältigen Briefkontakte in alle Welt konnte Herr Werner Simsohn auch viele Vorurteile aus dem Weg räumen und hat damit Wesentliches zur Hebung des Ansehens der Stadt Gera in vielen Orten und Ländern der Erde beigetragen.
Am 25. April 1995 übereignete Herr Werner Simsohn seine Sammlungen Schenkungsweise der Stadt Gera, um die Ergebnisse seines Lebenswerkes für die Zukunft zu bewahren und der Öffentlichkeit nutzbar zu machen.
Im Jahr 1997 erschien im Hartung-Gorre-Verlag Konstanz, z.T. auf eigene Kosten, der erste Band seiner auf vier Bände angelegten "Geschichte der Juden in Gera". Die Veröffentlichung dieser Bände zu einem subventionierten Preis bietet allen Geraer Bürgern, insbesondere der jüngeren Generation, die Chance, sich exemplarisch mit einem wichtigen, wenngleich dunklen Kapitel der Geschichte Geras auseinander zu setzen.
Die Initiative und Leistung von Herrn Werner Simsohn ist beispielgebend und für das Image der Stadt Gera von unschätzbarem Wert.
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an ihn stellte eine dementsprechende und verdiente öffentliche Anerkennung und Ehrung dar.
Die Feierlichkeiten der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Herrn Simsohn wurden mit der Ausstellungseröffnung "Aenne Biermann zum 100." am 01. November 1998 verbunden." |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gera, Thuringia.
There is evidence of sporadic settlement as well as expulsion of Jews from Gera
since the 14th century. A synagogue is known to have existed in 1502. A sizable
Jewish population began to develop only in the late 19th century, increasing
rapidly owing to the influx of Jews from Eatern Europe. A Jewish community was
formally founded in 1885 and in 1895, there were 90 Jews in Gera engaged mostly
in commerce. Hermann Tietz and his nephew Oskar Tietz, who came to Gera in
1882, were the founders of a chain of department stores all ober Germany. The
Jewish population grew from 150 in 1900 to 519 in 1925 (0,6 % of the total).
With the Nazi rise to power in 1933, many Jews emigrated and the Jewish
population dropped to 378. Forced 'Aryanization' of Jewish businesses began here
as early as 1933 and in 1934 the Tietz concern was forced to sell pout. In
October 1938, all Jews who had Polish citizenship were deported to Poland. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the two synagogues in Gera were vandalized and one
destroyed, 36 Jewish men were arrested, and the Jewish shops were closed down.
In 1939, only 77 Jews remained in Gera. They were deported to death camps during
the war.

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