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Dahn (Kreis
Südwestpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Dahn bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
18./19. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1590 ein Händler Daniel aus
Dahn auf der Messe in Straßburg genannt, wobei es sich vermutlich um eine
jüdische Person gehandelt hat. 1755 werden in den Dahner Steuerlisten die Juden
Baruch, Susmann und Löw genannt, die je vier Gulden "Schutzgeld" zu
zahlen hatten. 1769 werden die Juden Baruch Michel, Wolff Levy,
Abraham Jacob, Leib Israel und Bel Levy genannt. 1784 werden 42 jüdische
Einwohner gezählt.
Aus dem 19./20. Jahrhundert liegen folgende Zahlen vor: 1802
72 jüdische Einwohner, 1836 103, 1875 85, 1900 83, 1910 75. Die bekanntesten
jüdischen Familiennamen waren: Blum, Halfen, Josef, Katz, Kullmann, Levy,
Oppenheimer, Rosenstiel, Samuel und Siegel. Die jüdischen Familien lebten vom
Vieh-, Eisen-, Stoff- und Textilhandel. Dr. Willy Katz war als Arzt tätig.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule (seit 1872 Elementarschule bzw. Israelitische Volksschule im
Schulhaus neben der Synagoge) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde
wurden im jüdischen Friedhof in Busenberg
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (vgl. unten
Ausschreibung der Stelle 1872).
Im
Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Arthur Feibelmann (geb.
17.10.1895 in Dahn, vor 1914 in Rülzheim wohnhaft, gef. 17.3.1915) und Unteroffizier
Siegmund Kullmann (geb. 14.4.1887 in Dahn, vor 1914 in Landau wohnhaft, gef.
20.12.1914). Mehrere der jüdischen Kriegsteilnehmer kehrten mit
teils hohen Auszeichnungen aus dem Krieg zurück. Jüdische Einwohner waren in
den Vereinen der Stadt und im Gemeinderat vertreten.
Um 1925, als 62 Einwohner der jüdischen Gemeinde angehörten (3,1 % von
insgesamt ca. 2.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Katz,
Julius Levy I und Leopold Halfen. Als Kantor und Lehrer war Ludwig Nußbaum
angestellt; vor ihm war bis zum 1. Weltkrieg Nathan Haas als Lehrer tätig.
Nussbaum erteilte im Schuljahr 1924/25 acht jüdischen Kindern an der Israelitischen
Volksschule Religionsunterricht. Er wurde 1933 zwangspensioniert. An
jüdischen Vereinen bestand der Männerverein (Chevroh Kadischa), den Lehrer
Ludwig Nußbaum leitete (1925
15 Mitglieder, 1932 12; Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und
Bestattungswesen) sowie der Israelitische Frauenverein unter Leitung von Else Levy
(1925 14
Mitglieder). Die jüdische Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk Zweibrücken
zugeteilt. 1932 wurden 70 jüdische Gemeindeglieder gezählt.
Inzwischen waren die Gemeindevorsteher Julius Katz (1. Vorst.), Leopold Halfen
(2. Vorst.) und Theodor Rosenstiel. Zur jüdischen Gemeinde Dahn gehörten
inzwischen auch die in Vorderweidenthal lebenden jüdischen Einwohner.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verließen die
meisten Dahner Juden den Ort, emigrierten oder verzogen in andere Städte. 1936
waren noch 29 jüdische Personen in der Stadt, 1938 13. Als die "Rote
Zone", das Sperrgebiet parallel zur französischen Grenze am 1. September
1939 eingerichtet wurde, mussten die sieben letzten Juden Dahn verlassen.
Von den in Dahn geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; ergänzt durch Angaben von O. Weber):
Klara Becker geb. Katz (1878), Berta Feibelmann geb. Dreifuss (1870), Sophie
Gabriel geb. Rosenstiel (1866), Josef Katz
(1870), Lore Katz (1924), Thekla Katz geb. Teutsch (1881), Josef Kullmann (1853),
Barbara Levy (1880), Elsa Levy geb. Rosenstiel (1894), Friedrich (Fritz) Levy (1900), Helmut Levy (1925),
Julius Levy (1885), Ludwig Levy (1878), Gaston Meyer (1907), Mathilde Mohr geb.
Katz (1877), Ludwig Nussbaum (1886), Ilse Nussbaum (1922), Selma
Nussbaum geb. Blumenthal (1891), Elisabeth Rosenstiel (1890), Helene Rosenstiel
(1889), Hermann Rosenstiel (1889), Max Rosenstiel (1864), Charlotte Salomon geb. Schwarz (1862), Bertha Schwarz geb. Lewy
(1892), Martha Schwarz geb. Levy (1890), Siegmund
Siegel (1878), Gerda Wolf (1889).
Nach 1945 lebten nochmals wenige jüdische Einwohner in der Stadt. Ende der
1940er-Jahre kam Familie Simon Levy II aus dem Exil (Algerien) nach Dahn
zurück. Anfang der 1950er-Jahre kam noch Familie Lemberger hinzu. 1981 verzogen
die Lembergers wieder aus Dahn.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1872
anlässlich der "Errichtung einer
Elementarlehrer-Stelle"
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1872: "Israelitische
Lehrerstelle zu Dahn. Bezirksamt Pirmasens, Rheinpfalz.
In Gemäßheit des § 11 der allerhöchsten Verordnung vom 8. Oktober 1826
hat die israelitische Kultusgemeinde Dahn die Errichtung einer
Elementarlehrer-Stelle beschlossen und wird dieselbe zur Bewerbung hiermit
ausgeschrieben.
Der Gehalt besteht in folgenden Bezügen:
1. Bar aus der Kultuskasse inklusive des Beitrags der politischen Gemeinde
ad 75 Gulden ... 400 Gulden.
2. Ertrag der Kasualien ... 100 Gulden
Summa ... 500 nebst freier Wohnung.
Der anzustellende Lehrer hat den Vorbeter- und Schächterdienst
mitzubesorgen und wird ihm der volle Betrag der hiefür angerechneten
Kasualien ad 100 Gulden garantiert.
Nur solche Bewerber können im Hinblicke auf die oben zitierte
allerhöchste Verordnung berücksichtigt werden, welche die
Anstellungsprüfung mit Erfolg bestanden, und haben dieselben ihre
Gesuche, mit Zeugnissen belegt, binnen 4 Wochen hierorts persönlich
einzureichen. Dahn, den 17. Mai 1872. Der Synagogenvorstand K. Siegel." |
Lehrer Ludwig Nußbaum wird befördert (1927)
Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
19. September 1927: "Volksschullehrer L. Nußbaum in Dahn wurde ab 1.
Mai dieses Jahres zum Hauptlehrer befördert." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Julius Katz
(1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1933:
"Suche für meinen Sohn, welcher Ostern die Realschule absolviert,
eine Lehrstelle in der Manufaktur-, Eisen- oder Möbelbranche oder
Haushaltungsartikel en gros oder detail, welche Schabbat und Feiertag
geschlossen haben. Offerten an Julius Katz, Dahn (Pfalz)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein Betsaal war - zumindest vorübergehend - bereits 1769
vorhanden. Damals wurde der Amtsschreiber H. Schantz in Dahn von den Behörden
in Colmar darauf hingewiesen, dass die Juden der Stadt nicht mehr in Dahn ihre
Gottesdienste abhalten sollten, sondern wie bisher dazu nach Busenberg
gehen sollten. 1815 erfährt man wiederum von einem Betsaal in einem
jüdischen Privathaus. Nach einer mündlichen Überlieferung war der
Betsaal im Haus Kirchgasse 5 mit den Giebelfenstern zur katholischen Kirche hin.
Eine erste Synagoge wurde um 1820 erbaut. Neben der Synagoge
wurde 1843 das israelitische Schulhaus mit Lehrerwohnung und einer Mikwe im
Keller erbaut. Nachdem dieses
Gebäude nach einem halben Jahrhundert baufällig geworden war, wurde 1872/73
am selben Standort eine neue Synagoge erbaut. Zur Finanzierung des
Neubaus war 1871 eine Kollekte in jüdischen Gemeinden der Pfalz und anderen
bayrischen Regionen durchgeführt worden. Sie erbrachte immerhin 732 Gulden.
1.800 Gulden trugen die jüdischen Familien Dahns selbst durch Spenden bei.
Weitere 1.000 Gulden wurden auf die Familien umgelegt. Diese wurde am 4. Juli 1873
feierlich eingeweiht.
Zur Einweihung erschien im "Anzeiger für die Kantone
Landau, Annweiler und Bergzabern" im Juli 1873 folgender Bericht:
"Eine neue Synagoge in Dahn. Dahn, 8. Juli (1873). Am 4. Juli hatte Dahn
das Vergnügen, ein schönes herrliches Fest feiern zu können, dessen gelungene
Ausführung und rege Teilnahme vom Geiste der Duldung und Nächstenliebe, welche
hier herrscht, das trefflichste Zeugnis gab. Die Israeliten der hiesigen
Gemeinde geierten nämlich die Einweihung ihrer neuerbauten prächtigen
Synagoge. Glaubensgenossen aus Nah und Fern strömten herbei, diesen Tag in
ihrer Weise festliche zu begehen. Alle Häuser waren beflaggt, Arm und Reich,
Katholiken und Protestanten, Bürger und Beamte, alle feierten mit. Da schwanden
die religiösen wie konfessionellen Unterschiede, das Band der Bruderliebe
umschlang alle Festgenossen gleich einer großen Familie. Die Israeliten selbst
hatten solche Feier nicht geahnt, und das stille Glück der Zufriedenheit und
Dankbarkeit verlieh in Wort und Tat sich Ausdruck.
Um 4 Uhr Nachmittags versammelten sich die Festgäste an der sinnig
geschmückten Wohnung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn
Karl Siegel, um die hier aufbewahrten Torarollen in empfang zu nehmen und in die
Synagoge zu verbringen.
Von den Bergen donnerten Böller, der gut geschulte hiesige Gesangverein sang
den Chor: 'Der Herr ist mein Hirt' und dann bewegte sich der nicht endend
wollende Zug unter den Klängen einer guten Blechmusik nach dem Tempel. Dort
angekommen, erklang der Chor: 'Hoch tut euch auf!' Danach hielt Frl. Helene
Siegel, die jugendliche Tochter des Vorstandes, eine wohl durchdachte, herzliche
Ansprache, überreichte alsdann dem daselbst anwesenden Herrn Bezirksamtmann den
Schüssel zur Synagoge, mit der freundlichen Aufforderung, den Tempel zum ersten
feierlichen Gottesdienst zu öffnen. Dieser wandte sich hierauf in treffenden
kernigen Worten an die Festgenossen, sprach zu ihnen von dem in dieser Hinsicht
musterhaften Volke Israel, wie es in aller Welt zerstreut, doch im Glauben
einig, sich immer wieder zusammenschare und kein Opfer scheue, Jehova einen
Tempel zu bauen, und ersuchte dann den Herrn Bezirksrabbiner, mit ihm
gemeinschaftlich den Tempel zu öffnen. Nun strömten die Festteilnehmer in die
Halle ein, allein die Synagoge war in kurzer Zeit so angefüllt, dass über die
Hälfte derselben vor der Türe zuhören musste. Nachdem der Herr Rabbiner das
übliche Gebet gesprochen und die Torarolle in die heilige Lade gelegt hatte,
sang der Gesangverein in gelungener Weise den Chor: 'Ich suche Dich, worauf der
Herr Rabbiner die Festrede über Psalm 84,V.2.3 hielt.
Abends 9 Uhr brachte der Gesangverein dem Herrn Vorstande und seinen Gästen,
worunter sich der Herr Bezirksamtmann und der Herr Rabbiner befanden, ein gut
ausgeführtes Ständchen, wobei Musik und Feuerwerk die Pausen ausfüllen. Nun
folgten zwei Tage lang Reunion, Schlosspartien und Bälle, welche Festlichkeiten
sämtlich in schöner Harmonie verliefen und allen Festgenossen in gutem
Andenken bleiben werden."
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Die Synagoge hatte Außenmaße von 9,10 m Länge und 8,00 m Breite. Es gab 60
Sitzplätze für Männer, 35 für Frauen auf der Empore. Das Gebäude wurde
durch separate Eingänge (Männer / Frauen) von der Westseite her betreten.
Über 60 Jahre war die Dahner Synagoge Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens in der Stadt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933
ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder schnell zurück. 1936/37
konnte bereits kein regelmäßiger Gottesdienst stattfinden, da die nötige
Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr erreicht wurde. Am 18. August 1937
verkaufte der letzte Gemeindevorsteher Josef Katz die Synagoge mit Schule an
den Schreinermeister Ludwig Flory, der darin eine Schreinerwerkstatt einbaute.
Die Mikwe im Untergeschoss der israelitischen Schule wurde 1938/39 zugeschüttet.
Bis zur Gegenwart befindet sich die Schreinerwerkstatt in dem Gebäude, in dem
zahlreiche Originalteile erhalten sind. 1991 wurde am Gebäude eine Gedenktafel
angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Schäfergasse 10 (bereits vor der
NS-Zeit "Schäfergasse", im Volksmund: Judengasse).
Fotos
(Die Fotos entstanden beim Rundgang auf den Spuren der
jüdischen Geschichte in Dahn mit Otmar Weber am "Tag der Europäischen
Jüdischen Kultur" am 3.9.2006, Fotos: Hahn)
Ehemalige "Judengasse"
(Schäfergasse) |
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Straßenbezeichnung(en) |
Ehemalige jüdische Metzgerei
gegenüber der ehemaligen Synagoge |
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| Darstellungen der alten Synagoge |
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Die Synagoge um 1930 -
Zeichnungen /
Reproduktion von Helmut Repp |
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Die ehemalige Synagoge 2006
(Fotos: Hahn, aufgenommen bei einer Führung durch
Otmar Weber
beim "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" am
3.9.2006) |
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| Blick auf die Ostwand |
"Zum Gedenken
an unsere jüdischen Mitbürger.
Sie hatten bei uns über 200 Jahre ihre
Heimat, bis sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurden, viele von
ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet.
An dieser Stelle erbauten
Juden 1815 ihre erste Synagoge. Sie wurde 1872 durch dieses Gebäude
ersetzt, das bis 1938 der jüdischen Kultusgemeinde als Gotteshaus gedient
hat". |
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Blick auf das
Synagogengebäude von Osten. |
Otmar Weber zeigt auf einer
Darstellung, wie der
Innenraum aussah |
Die Eingangstüren von innen.
Die rechte Türe führte direkt zum Aufgang der Frauenempore. |
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| Eine der beiden original
erhaltenen Eingangstüren |
Gusseiserne Säule
der
Frauenempore |
Reste der Ausmalung im Bereich
rechts des ehemaligen Toraschreines |
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Aufgang zur
Frauenempore |
Auf Höhe der ehemaligen
Frauenempore |
Ausmalung im Bereich der
Frauenempore über dem ehemaligen Toraschrein |
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| Das einzige noch erhaltene
Rundbogenfenster von innen |
Aufgang zur Frauenempore
von
oben gesehen |
Der Sternenhimmel
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Die ehemalige israelitische
Schule
neben der Synagoge, heute Wohnhaus |
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| Erinnerungen an die jüdische Geschichte
in der Stadt |
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Links: Das
ehemalige Haus Katz und die Stolpersteine für Josef Katz
(geb. 1870,
ermordet 1943 in Auschwitz) und Thekla Katz geb. Teutsch
(geb. 1881, gest.
in Gurs 14.12.1940) |
Stolperstein für Josef
Kullmann
(geb. 1853, umgekommen im
Ghetto Theresienstadt 1942) |
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Am ehemaligen Standort des
abgebrochenen Hauses der Familie Levy |
Stolpersteine für Angehörige
der Familie Levy |
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Stolpersteinverlegung
im November 2007
(Fotos erhalten von Otmar Weber, Dahn) |
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Verlegung von
Stolpersteinen am 21. November 2007 für Familie Ludwig Nußbaum -
Schäfergasse/Judengasse 8 (4 Steine)
und Familie Simon Levy I -
Grabenstraße 11 (5 Steine) |
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Rechts: Einladung zum
Gedenken an
"70 Jahre Reichspogromnacht"
am 10. November 2008 in
Dahn |
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Fotos vom 10. November
2009:
Rundgang zu Brennpunkten der
Reichspogromnacht in Dahn
(Fotos erhalten von Otmar Weber) |
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Fotos von der
Ausstellungseröffnung am 10. November 2008
(vgl. Bericht unten; Fotos erhalten von Otmar Weber) |
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| Interessierte
Besucher der Ausstellung |
oben und unten:
exemplarische
Dokumente zu einzelnen Schicksalen |
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| Ausstellungstafel |
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Hinweis auf die Fotoseiten
mit hochauflösenden Fotos von Michael Ohmsen, derzeit zu den
folgenden Themen:
- ehemalige Synagoge in Dahn
- ehemalige israelitische Schule in Dahn
- ehemalige jüdische Metzgerei in Dahn
- "Stolpersteine" in Dahn
zugänglich über eine
Übersichtsseite der Fotoseite von Michael Ohmsen. |
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
November
2008: Berichte zum 70. Jahrestag des
Novemberpogroms 1938
(Berichte erhalten von Otmar Weber, Dahn) |
Artikel in der
"Rheinpfalz" - Pirmasenser Rundschau von Samstag, 8. November
2008
Beitrag von Otmar Weber: Und plötzlich wartet die Hölle. Willy Katz
wurde nach der Reichspogromnacht als Jude und Dahn verhaftet und ins KZ
gesteckt. Er schafft es dennoch - völlig ausgeraubt - in die
USA. |
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Der ganzseitige Zeitungsartikel wurde in vier
Teilen eingescannt - bitte zum Lesen einzeln anklicken. |
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Artikel
aus der "Pirmasenser Zeitung" vom 12. November 2008: "Erinnerung
an Brennpunkten der Reichspogromnacht in Dahn - Führung und Ausstellung
zum Gedenken an die Ereignisse vor 70 Jahren". |
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Artikel
in der "Rheinpfalz" - "Pirmasenser Rundschau" vom 12.
November 2008: "Ziel ist ein aktives 'So nie wieder'. Dahn:
Ausstellung im Bürgersaal beschäftigt sich mit der Reichspogromnacht vor
70 Jahren und der Emigration Dahner Bürger. Seit vielen
Jahren hat es sich der pensionierte Lehrer Otmar Weber zur Aufgabe
gemacht, die Schrecken der Nazi-Herrschaft und die Verfolgung der Juden in
unserer Heimat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit den
Vorkommnissen der Reichspogromnacht in Dahn befasst sich eine vom ihm
konzipierte Ausstellung". |
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September
2009: Bericht über Arbeit von Otmar
Weber anlässlich des
"Europäischen Tages der jüdischen Kultur" am 6. September 2009 |
Artikel von Dieter Jooss in der
"Rheinpfalz" vom 1. September 2009:
Am Sonntag, 6. September, dem europaweiten Tag der jüdischen Kultur, wird Otmar Weber wieder Besucher zu den steinernen Zeugen des Landjudentums im Wasgau führen. Er versteht sich darauf, meisterlich und dramatisch zu erzählen. Man sagt: Der
'Juden-Weber“, was der ehemalige Oberstudienrat als Ehrentitel nimmt, bringe die Steine zum Sprechen.
Otmar Weber kennt in Dahn und Umgegend die Geschichte jedes Steins, der irgendwie mit dem einst blühenden Landjudentum in der Pfalz zu tun hat. Stundenlang kann der 70-Jährige darüber leidenschaftlich referieren. Daten, Anekdoten, historische Zusammenhänge sprudeln aus ihm hervor und er redet sich dabei in Rage. Sobald er etwas Vertrauen gefasst hat, knufft und pufft der bärtige Mann mit dem schlohweißen Haar gerne seine Zuhörer, um sich zu vergewissern, ob ihm denn auch aufmerksam zugehört worden ist und niemandem die jeweilige Pointe entgangen ist. Wer nicht aufpasst, bekommt leicht blaue Flecken...
Der ehemalige Oberstudienrat am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium ist so etwas wie das jüdische Gedächtnis des
Wasgau. 'Juden-Weber" ist er genannt worden – natürlich war das verunglimpfend gemeint. Inzwischen aber trägt der Lehrer den
'Juden-Weber" als Ehrentitel, wie er bekundet.
Der jüdische Friedhof bei Busenberg liegt auf einer kleinen Anhöhe hinter dem östlichen Ortsausgang unweit der B427 Richtung Bad Bergzabern. Hainbuchenhecken umrahmen eine Wiese mit einigen Bäumen in einer malerischen Landschaft zwischen Buntsandsteinfelsen, bewaldeten Hügeln, Streuobstwiesen. Die Burgruine Drachenfels liegt in Sichtweite.
'Mögen die hier Bestatteten für alle Zeiten ungestört ruhen“, heißt es in hebräischer Schrift am Friedhofseingang, einem eisernen Tor, das Menoras, siebenarmige Leuchter, darstellt.
Ruhig ist es hier in der Tat. Zu hören sind nur Vogelgezwitscher, der Wind und Verkehrslärm von der nahen Straße, auf der sich Motorradfahrer Wettrennen liefern. 285 Grabmale stehen auf dem abschüssigen Gelände in Reih‘ und Glied. Früher gab es auch Grabeinfassungen, wie man sie von christlichen Friedhöfen kennt. Aber der Friedhof wurde vielfach umgestaltet und sieht heute strukturierter und romantischer aus, als er jemals war. Der Friedhof wurde 1824 angelegt. Er war über 150 Jahre die zentrale jüdische Begräbnisstätte für Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal. Speziell in Busenberg war ein Viertel der Einwohner jüdischen Glaubens. Die letzte Beisetzung geschah 1979.
Der Friedhof gilt Otmar Weber als einer der schönst gelegenen jüdischen Friedhöfe der Pfalz. Es ist in etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld. Akkurat geschnittenes Gras bedeckt die einstige Lehmgrube, hier und da recken sich Gänseblümchen in die Nachmittagssonne. Blumen sind keine zu sehen. Sie sind in den jüdischen Trauerriten nicht erwünscht.
Otmar Weber beginnt mit seinem Bericht. Er reckt die Hände zum Himmel spreizt die Finger so, dass sich die Daumen berühren. Das mit seinen Händen geformte Symbol erscheint auch auf vielen Grabsteinen, ebenso Gefäße oder Matzen, Oliven, Rosen. Die Symbole, erläutert Weber, verdeutlichen den Namen die Sippe. Webers beispielhafte zehn Finger stehen für betende Hände. Bei diesem Symbol handelt es sich um die Hände von Männern aus dem Geschlecht Aaron, die das Volk Israel segnen sollen.
'Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, heißt es in der Thora, die aus den fünf Büchern Mose besteht.
Andere Symbole sind Kannen und Schüsseln. Je nach Zeit und Kunst des Bildhauers haben sie unterschiedliche Formen. Die Kanne und die Schüssel sind Symbole für die Nachkommen aus dem Stamm Levi. Die Leviten wuschen den Priestern vor dem Segen die Hände.
Andere Symbole auf dem Friedhof sind dem geschichtsinteressierten deutschen Besucher hingegen eher vertraut. Es handelt sich um Kreuze, eingefasst in Eichenlaub.
'So deutsch waren manche Juden, deutscher geht es gar nicht", sagt Weber dazu. Insgesamt dienten während des Ersten Weltkriegs über 100.000 Juden in den deutschen Streitkräften, 12.000 von ihnen starben auf den Schlachtfeldern. 31.000 deutsche Soldaten jüdischen Glaubens wurden auf Grund ihrer Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, darunter sieben jüdische Soldaten aus dem Wasgau. Weber hat solche Zahlen sofort parat. Der prozentuale Anteil der Juden beim Kämpfen an der Front und beim Sterben lag höher als der Anteil an der Bevölkerung. Das hinderte die perfiden Nationalsozialisten aber nicht daran, die Frontkämpfer wie alle Juden in Elend und Tod zu schicken.
Ansonsten spricht Weber auch zur Dahner Synagoge oder zur Busenberger Mikwe
(Ritualbad). 'Die einzige Gemeinde in der Pfalz, in der noch das gesamte jüdische Ambiente vorhanden ist" – diesen Satz sagt Weber stolz über seine Wahlheimat Dahn, in die ihn 1979 einst seine Liebe zu seiner Frau und Mitstreiterin Elisabeth gebracht hat. Gleichwohl ist Weber auch fachkundig, was andere jüdische Friedhöfe in der Pfalz anbelangt (siehe Stichwort auf dieser Seite).
Schon als jungem Messdiener im westpfälzischen Nanzdietschweiler ging es Weber
'instinktiv gegen den Strich", wenn – oft in der Karwoche – von Juden immer nur im Negativen die Rede gewesen sei. Antijudaistische Stellen im Neuen Testament und antijudaistische Äußerungen in der christlichen Religion hält er für eine Ursache des Antisemitismus. Im Studium in Mainz und Tübingen – unter anderem bei den Theologen Hans Küng und Josef Ratzinger, dem heutigen Papst, konnte Weber
'immer weniger damit anfangen", dass eine Kulturnation wie Deutschland 'die Judenvernichtung geplant und ausgeführt" hatte. Aber richtig konkret setzte sich der 2002 pensionierte Lehrer für Theologie ab der zweiten Hälfte der 80er Jahren mit der NS-Zeit auseinander. Irgendwann in dieser Zeit war Weber plötzlich der
'Juden-Weber". Bei Weber ist aber auch persönliche Betroffenheit im Spiel. Neben den christlichen Motiven und dem historischen Interesse will er aufklären. In der Hitlerjugend wäre er wohl auch mitmarschiert, wenn er nicht erst 1939 geboren worden wäre, glaubt er heute. Weber will nicht anklagen, sondern vermitteln. Einer seiner Brüder starb 1943 an der Ostfront als 18jähriger Waffen-SS-Mann.
'Verführt, verblendet, wie so viele", so Weber. Heute hängt ein Bild seines Bruders genauso in seinem Arbeitszimmer wie das seines Vaters. Er will aufklären, vermitteln, nicht anklagen.
In dem selben Zimmer reihen sich Ordner mit Dokumenten über das Pfälzer Judentum. In zwei Jahrzehnten Recherche hat er sie sich gegen manche Widerstände und auch persönliche Anfeindungen erarbeitet, hat Aufsätze, Artikel und Bücher geschrieben.
Otmar Weber sucht derweil händeringend einen Nachfolger, sagt er. Der rüstige Senior kränkelt etwas. Ein Nachfolger aber müsste wie er zwei Jahrzehnte Erfahrung, gepaart mit innerer Überzeugung und geballte Energie haben. Vielleicht fühlt sich ein ehemaliger Schüler berufen, hofft er. Aber noch ist Weber ausreichend fit – aufrecht sein Gang, sportlich die Figur, wach der Geist, lebendig die Erinnerung: Wenn Weber erzählt, dann wird begreifbar, wie Pfälzer Mitbürger einst vertrieben wurden – die Katz', Levys, Rosenstiels, Kullmanns und Schwarz‘. 50 Juden wurden in der NS-Zeit aus Dahn und Umgebung Opfer des Holocaust.
Wie Josef Kullmann - den nicht einmal der 'Heldentod" seines Sohnes für Kaiser und Vaterland im Ersten Weltkrieg vor der Deportation nach Theresienstadt und der Vernichtung bewahrt hat.
(prw). |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 255-286. |
 | ders.: Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische
Kulturdenkmäler im Wasgau. Synagoge in Dahn. Mikwe und Friedhof in
Busenberg. Dahn 2006. Broschüre DIN A 4, 16 S. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 132-133 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | Otmar Weber:
"Es geschah vor 70 Jahren - Die Reichspogromnacht in Dahn". 80
Seiten. 2008.
Informationen: Zur Ausstellung, die im November 2008 im Bürgersaal der Verbandsgemeindeverwaltung Dahner Felsenland gezeigt wurde,
erschien am 15. Dezember 2008 ein Katalog als Broschüre in DIN-A4-Format mit Farbumschlag, erstellt von Otmar Weber.
Auf 80 Seiten werden an Hand von Texten, Dokumenten und Fotos die Ereignisse vom 10./11. November 1938 in Dahn dargestellt.
Schwerpunkte bilden die Besonderheiten der Dahner Reichspogromnacht - ausführliche Zeitzeugenberichte - Mitmacher und Mutige - die Ausplünderung des Dr. Willy Katz – der Holocaust der Familie Julius Levy – STOLPERSTEINE für die Opfer – geblieben sind steinerne Zeugnisse.
Die Broschüre kostet 12,50 Euro und kann in Dahn in den Buchhandlungen Ehrhart und Guttenbacher und bei dem Verfasser
(E-Mail) erstanden werden. In Pirmasens ist sie in den Buchhandlungen Jung & Buchheit und Thalia zu erhalten.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Dahn Palatinate. A Jewish community
existed in the 19th century, the Jewish population numbering 134 in 1848 and 85
in 1875. All were engaged in trade and light industry. The community maintained
a synagogue (renovated 1871-72) and elementary school. In June 1933, about four
months after the Nazi assumption of power, the Jewish population numbered 50.
Emigration abroad and to other German cities in the Nazi period reduced the
Jewish population to eight in 1939. These were evacuated on 1 September 1939
with the rest of the inhabitants owing to the town's proximity to the French
border. Some were undoubtedly included in subsequent deportations.

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