Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
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In dem an der Grenze zu Luxemburg liegenden Bollendorf bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Die Gemeinde ist erst am Ende des 19. Jahrhunderts
entstanden. Seit 1870 hatte im Bereich von Bollendorf die Steinindustrie einen
großen Aufschwung erlebt. Dadurch wurde u.a. der Handel mit Zugtieren eine
erträgliche Einnahmequelle. Die ersten Juden waren aus den Bereichen Trier und Aach
nach Bollendorf gekommen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1843 sechs jüdische Einwohner, 1848 13 (von insgesamt 1.116 Einwohnern),
1895 66, 1910 110 (9 % der Gesamteinwohnerschaft; in 18 Familien, die 16 Häuser
bewohnten). Die jüdischen Familien lebten vom Pferde- und Viehhandel sowie vom
Handel mit Waren verschiedener Art (zwei handelten sogar mit christlichen
Devotionalien).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
und ein Friedhof. Zur Betreuung der Gemeinde kamen die Rabbiner aus Luxemburg
oder Trier nach Bollendorf. Ehrenamtlicher Vorbeter der Gemeinde war längere
Zeit Karl Levy.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Joseph (geb.
13.4.1877 in Aach, gef. 9.11.1915), Simon Joseph (geb. 22.7.1875 in Aach),
Gefreiter Adolf Levy (geb. 15.5.1894 in Bollendorf, gef. 30.11.1917), Isidor
Levy (geb. 30.4.1894 in Bollendorf, gef. 18.9.1916), Leopold Levy (geb.
28.8.1871 in Bollendorf, gef. 8.1.1916) und Siegfried Levy (geb. 22.10.1892 in
Bollendorf, gef. 19.9.1915).
Folgende Familien (mit Gewerbebetrieben) gab es am Ort: Familie Max Levy
(Viehhandel, Neuerburgerstraße), Familie Max Mayer (Pferdehandel, Kirchstraße
und Neuerburgerstraße), Familie Daniel Levy (Bäcker und Landwirt,
Lindenstraße), Familie Moritz Levy-Scholem (Stoffe und Textilien, Burgstraße),
Familie Eugen Josef (Viehhandel, Neuerburgerstraße), Familie Steinberger und
Stern (Textilkaufhaus, Sauerstaden), Familie Joseph Levy (Gastwirtschaft
"Zur Heimat", Lindenstraße), Familie Salomon Mayer (Pferdehandel,
Kirchstraße), Familie Abraham Levy (Viehhandel, Sauerstaden), Max Levy und
Tochter (Handel und Landwirtschaft, Sauerstaden), Familie Isaak Levy (Hausierer,
Neuerburgerstraße), Familie Max Josef (Altwaren, Ferschweilerstraße), Familie
Daniel Levy (Viehhandel, Neuerburgerstraße), Familie Siegfried Meyer-Levy
(Handel, Bachstraße). Familie Isidor Levy (Vieh- und Landwirtschaft, Kirch- und
Bachstraße), Familie Daniel Levi (Devotionalien, Lindenstraße), Familie Simon
Schneider (Ferschweiler), Familie Leopold Levy, Karl und Leo (Viehhandel,
Sauerstaden), Familie Levy-Scholem (Hausierer, Altschmiedestraße).
1925 wurden noch 73 jüdische Einwohner gezählt, 1932 65
Personen. Damals waren die Gemeindevorsteher Albert Levy (1. Vors.) und Karl
Lewy (Schriftführer und Schatzmeister).
1933 lebten noch etwa 60 jüdische Personen in Bollendorf. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1938 ging die Zahl auf
40 jüdische Einwohner zurück. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die
jüdischen Häuser und die Synagoge durch drei Rollkommandos von
Westwallarbeitern systematisch überfallen. Die jüdischen Wohnungen und Häuser
wurden völlig demoliert - wer sich zur Wehr setzte, wurde niedergeschlagen.
Mehrere jüdische Einwohner wurden verletzt. Daniel Levy, ein geachteter Bäcker
und Landwirt aus der Lindenstraße, wurde durch das Dorf getrieben und
geschlagen. Der jüdische Friedhof wurde geschändet, alle Grabsteine
umgeworfen. Die Namen der jüdischen Gefallenen auf dem Ehrenmal der Gemeinde
wurden ausgekratzt. In den folgenden Monaten wurden die jüdischen Einwohner zur
Zwangsarbeit im Ort und der Umgebung verpflichtet. Im April 1942 wurden
die letzten jüdischen Einwohner deportiert. Dabei wurden sie zunächst zum
Sammellager im beschlagnahmten Bischof-Korum-Haus nach Trier
verbracht.
Von den in Bollendorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sophie Czech geb. Levy
(1885), Klara Ermann geb. Lorsch (1867), Elfriede Hein (1924), Paula Hein geb.
Mayer (1892), Anna Joseph (1903), Moritz Joseph (1906), Albert Levy (1890),
Alfred Levy (1897), Armand Levy (1925), Artur Levy (1896), Bertha Levy (1895),
Daniel Abraham Levy (1886), Erna Levy geb. Kahn (1898), Ernestine Levy geb.
Ermann (1898), Ester Levy geb. Baum (1859), Günther Levy (1928), Helene Levy
(1888), Hermine (Helmine) Levy geb. Sender (1870), Ilse Levy (1925), Johannetta
(Hannetta) Levy geb. Samuel (1857), Josef Levy (1923), Karl Levy (1898), Klara
Levy geb. Levy (1890), Klara Levy geb. Wolf (1898), Leo Levy (1904), Leo
(Leopold) Levy (1923), Mathilde Levy (1897), Moritz Levy (1896), Moritz Levy
(1900), Paula Levy geb. Levy (1876), Sophie Levy (1883), Sylvain (Sylvanus) Lewy
(1903), Delfine Mayer geb. Levy (1889), Moritz Mayer (1891), Siegfried Mayer
(1890), Jettchen (Jena) Schloss geb. Levy (1896), Johannette Sender geb. Levy
(1882), Johannetta Sommer geb. Levy (1878), Adolf Steinberger (1876), Marianne
Steinberger geb. Levy (1874), Babetta (Babette) Steinweg geb. Levy (1891), Rosa
Weiler geb. Levy (1903).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde