Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zur Übersicht "Synagogen im Kreis Cochem-Zell"  
   

Binningen (Eifel) (Kreis Cochem-Zell)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Binningen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1757 werden erstmals Juden am Ort genannt. 1781 waren bereits sechs jüdische Familien im Amt Münster und damit vermutlich in Binningen (Lipmann, Mayer, Feit Mauschel, Israel, Salomon Leier und Abraham Jacob). Anfang des 19. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde in Binningen die zahlenmäßig größte im Gebiet des heutigen Landkreises Cochem-Zell.

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1808 50 jüdische Einwohner, 1817 80 (24,8 % von insgesamt 322 Einwohnern), 1858 67 (15,2 % von 440), 1895 52 (11,3 % von 461).

An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementarschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten die Ausschreibungen der Stelle 1857 und 1870). Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde die jüdische Elementarschule aufgelöst; die jüdischen Kinder besuchten seitdem die katholische Volksschule und erhielten durch den jüdischen Lehrer Religionsunterricht.
 
Auch die in umliegenden Orten lebenden jüdischen Einwohner (zeitweise einzelne Personen/Familien in Brohl, Dünfus, Düngenheim, Forst, Gamlen, Hambuch, Illerich, Kaifenheim, Möntenich, Moselkern, Müden, Roes und Wirfus) nützten die jüdischen Einrichtungen in Binningen. Die in Düngenheim, Hambuch und Illerich lebenden Juden gehörten ab 1920 zur Gemeinde in Kaisersesch.   

Um 1924, als 25 jüdische Einwohner gezählt wurden (5,1 % von insgesamt 486 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Elias Wolff und die Herren Meyer und Marx. Damals gehörten die in den folgenden Orten lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde Binningen: aus Brohl (8 Personen), Forst (2 Personen) und Roes (4 Personen). 1932 wird als Gemeindevorsteher Elias Wolff genannt.

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 26 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden mehrere Wohnungen und Läden der hier noch lebenden jüdischen Familien brutal überfallen und verwüstet. Es gab Verletzte und es kam zu Verhaftungen jüdischer Männer.    
       
Von den in Binningen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Angaben bei A. Schleindl s. Lit. S. 144-145): Emma Berger geb. Marx (), Kurt Brunell (1925), Paula Brunell geb. Marx (1896), Emma Dublon geb. Haas (1895), Julie Dublon geb. Haas (1891), Bella Grünewald geb. Wolf (1899), Hedwig Haas (1895), Jakob Haas (1863), Leo Haas (1900), Luise Haas geb. Carl (1886), Michel Hanau (1883), Hedwig Leeser geb. Haas (1893), Karoline Lind geb. Marx (1870), Amalie Marx (1866), Anna Marx geb. Marx (1876), Emma Marx (1889), (Siegfried) Erich Marx (1926), Erna Marx (1921), Henriette Marx geb. Wolf (1889), Jetta Marx geb. Sender (1876), Moses Marx (1871), Selma Marx (1893), Johanette Mayer geb. Wolf (1896), Betty Sachs geb. Marx (1899), Bernhard Schmitz (1892), Else Schmitz (1913), Fanny Schmitz geb. Simon (1873), Herta Schmitz geb. Winter (1913), Levi Schmitz (1859), Max Schmitz (1908), Richard Schmitz (1910), Selma Schmitz geb. Spitzer (1896), Sophia Schmitz (1902), Wilhelm Siegler (1863), Hannelore Voss (1928), Hedwig Wolf geb. Kaufmann (1893), Julius Wolf (1894), Manfred Wolf (1930), Salomon Wolf (1894).   
    
A
us Dünfus ist umgekommen: Wilhelm Schmitz (1872), aus Gamlen sind umgekommen: Bernhard Siegler (1873) und Moses Siegler (1876), aus Hambuch sind umgekommen: Paula Hessel (1907), Robert Hessel (1905), Herbert Löwenstein (1909), Selma Siegler geb. Hessel (1900), Jenny Simon geb. Hessel (1897), Berta Wolff geb. Lorig (1895), Edith Karoline Wolff (1936), Gertrud Hermine Wolff (1927), Hans Wolff (1924), Moritz Wolff (1882), Susanne (Susi) Wolff (1926), aus Kaifenheim ist umgekommen: Moritz Schmitz (1868), aus Wirfus ist umgekommen: Heinrich Kaufmann (1905).   
          
    

  

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1857 / 1870

Binningen AZJ 03081857.jpg (42399 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1857: "In der Gemeinde Binningen, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Cochem, ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters vom 1. September dieses Jahres zu besetzen, mit einem Gehalte von 180 Thalern und freier Wohnung. Geeignete Reflektanten wollen sich baldmöglichst franco an B. Kaufmann, Vorsteher der betreffenden Gemeinde wenden."
   
Binningen Israelit 11051870.jpg (23008 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1870: "Bei der jüdischen Gemeinde zu Binningen, Kreises Cochem, ist die Stelle eines Religionslehrers und Kantors vakant. Bewerber können das Nähere bei dem unterzeichneten Vorsteher erfahren. Leopold Haas."

   
Lehrer M. Ringstädt sucht eine neue Stelle (1901)

Binningen Israelit 28011901.jpg (33876 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1901: "Ein unverheirateter Religionslehrer und Kantor sucht eine passende Stelle zum 1. April dieses Jahres bei bescheidenen Ansprüchen. 
M. Ringstädt, Lehrer zu Binningen bei Cader (Mosel)."  
Anmerkung: Mit "Cader" ist wohl Karden gemeint.

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Diamantene Hochzeit von Samuel Marx und Sara geb. Heymann (1922)     

Binningen CV-Ztg 02111922.jpg (12727 Byte)Meldung in der Zeitschrift des Centralvereines (CV-Zeitung) vom 2. November 1922: "Die diamantene Hochzeit begingen am 22. dieses Monats Herr Samuel Marx und seine Gattin Sara geb. Heymann in Binningen (Kreis Cochem)."    

       
Goldene Hochzeit von Jakob Haas und Therese geb. Schmitz (Mai 1937)

Binningen CV-Zeitung 20051937.jpg (14232 Byte)Meldung in der Zeitschrift des Centralvereines (CV-Zeitung) vom 20. Mai 1937: "Jakob Haas und Frau Therese geb. Schmitz (Binningen/Mosel) begehen am 24. Mai ihre goldene Hochzeit."
Binngen FB 01.jpg (74493 Byte)Der oben genannte Jakob Haas (Foto aus Schleindl s. Lit. S. 138) war Viehhändler und betrieb mit seiner Frau Therese (Theresia) eine Krämerei in der Dorfstraße 83, wo die Familie (sieben Kinder) lebte. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Wohnung und der Laden der Familie Haas durch Nationalsozialisten überfallen. Jakob Haas wurde zu Boden geschlagen und konnte sich in der Folgezeit körperlich und seelisch nicht mehr erholen. Er starb am 21. Mai 1939 in Binningen. Seine Witwe wurde im April 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte, kam im Mai 1945 in ein Kölner Krankenhaus, wo sie im Dezember 1945 starb.    

   
   

Zur Geschichte der Synagoge

Das Baujahr der Synagoge in Binningen ist nicht bekannt. Bereits im 17. Jahrhundert soll ein Betsaal vorhanden gewesen sein. 1841 wurde die Synagoge neu gestaltet beziehungsweise renoviert. Aus dieser Zeit stammen die hohen Rundbogenfenster. Im Innenraum war ein Gewölbe mit Sternenhimmel.   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet, die Einrichtung demoliert. Dasselbe geschah mit der Einrichtung des Schulhauses. Ritualien, Torarollen und Bücher wurden in den Vorhof der Synagoge geworfen und dort verbrannt. 

Nach 1945
(nicht vor 1957) wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut, dabei wurden die Fenster verändert und im Bereich des früheren Betsaales eine Zwischendecke eingezogen. 
   

Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 61        Link zu den Google-Maps 


Fotos 
(Quelle der historischen Fotos: Schleindl s. Lit. S. 94 und 136; Landesamt s. Lit. S. 116)

Die Synagoge und die jüdische Schule in Binningen Binningen Synagoge 121.jpg (92096 Byte) Binningen Synagoge 123.jpg (61749 Byte)
     Rechts an die Synagoge angebaut: das Schulhaus
   
Die zerstörte Synagoge und der Umbau Binningen Synagoge 122.jpg (91762 Byte) Binningen Synagoge 120.jpg (108374 Byte)
  Die zerstörte Synagoge (1957) Erkennbar: der Einbau der Zwischendecke und die Veränderung der Fenster
     
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in seiner Umgebung im Sommer 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.08.2009)  
  
Binningen Synagoge 172.jpg (61886 Byte) Binningen Synagoge 170.jpg (72691 Byte) Binningen Synagoge 173.jpg (60710 Byte)
Blick in den Hof, in dem die Synagoge und das jüdische Schulehaus standen Im Hintergrund das zu einem Wohnhaus umgebaute Synagogengebäude  
     

    
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Binningen 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Binningen (interner Link)   

Literatur:  

Schleindl Buch 02.jpg (79021 Byte)Angelika Schleindl: Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell. Hg. vom Landkreis Cochem-Zell. Briedel 1996. Das Buch ist auch online zugänglich!  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005 (mit weiteren Literaturangaben).
Katharina Wolter: Bauerbrot und Matzen. Informationen zu diesem Buch
  

n.e.            

 

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. November 2010