Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bergheim mit Kleinern, Affoldern, Mehlen und Wellen 
(Ortsteile der Gemeinde Edertal, Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In Bergheim bestand eine jüdische Gemeinde vermutlich bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Einzelne jüdische Familien, die - außer in Bergheim - seit dem 18. Jahrhundert in den Ortschaften Kleinern, Affoldern, Mehlen und Wellen lebten, schlossen sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Gemeinde zusammen. Mittelpunkt der Gemeinde war Bergheim, wo sich die gemeinsamen Einrichtungen der jüdischen Familien dieser Orte befanden. 
  
An Einrichtungen gab es in Bergheim eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Raum im Synagogengebäude), vermutlich auch ein rituelles Bad (nicht im Synagogengebäude) und einen Friedhof. Ob zeitweise im 19. Jahrhundert ein jüdischer Lehrer in der Gemeinde tätig war, ist nicht bekannt. Vermutlich erhielten die jüdischen Kinder den Religionsunterricht meist durch auswärtige Lehrer, die weiteren religiösen Aufgaben in der Gemeinde (Vorbeterdienst in der Synagoge) wurden ehrenamtlich übernommen.    
   
Die Geschichte der jüdischen Familien in den einzelnen Orten entwickelte sich unterschiedlich (Angaben liegen bislang nur fragmentarisch vor).    
  
In Kleinern ist 1864 war der damals einzige dort lebende jüdische Einwohner abgewandert; 1868 ist wieder eine Familie zugezogen (Quelle: Arnsberg Bd. I zu Altenlotheim). Im Gedenkbuch wird die 1928 in Kleinern geborene Hannelore Schön genannt, die später in Frankfurt lebte und 1943 in Sobibor ermordet wurde.    
  
In Affoldern gab es im 19. Jahrhundert vor allem die Familien Katz, Löwenstein und Samuel, Anfang des 20. Jahrhunderts noch die Familie Löwenstern, von der etliche Mitglieder in der NS-Zeit umgekommen sind. 
 
Aus Bergheim ist bislang nur bekannt, dass die jüdische Familie Joseph bis 1925 (Tod des Eigentümers) in dem Gebäude, in dem sich auch die Synagoge befand, ihre Wohnung und ihr Gemischtwarengeschäft hatte.
 
In Wellen lebte vor allem eine Familie Hirsch. Aus dieser Familie ist das Ehepaar Samuel und Sara Hirsch 1906 beziehungsweise 1909 gestorben. Beide wurden im jüdischen Friedhof in Bad Wildungen beigesetzt. 1901 wird der Schuhmachermeister Jacob Hirsch in Wellen genannt (Anzeige siehe unten). Die 1903 in Wellen geborene August Michel geb. Hirsch lebte später in Köln, von wo aus sie 1941 deportiert wurde.      
   
Aus Mehlen liegen noch keine Angaben vor.   
    
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Überlegungen, die Gemeinde aufzulösen. Das Kreisamt in Wildungen nahm 1876 eine Befragung über die Bürgermeister der betreffenden Ortschaften vor mit dem Ergebnis, dass sich die in den Orten sesshaften jüdischen Familien nicht den jüdischen Gemeinden in Sachsenhausen, Züschen oder Wildungen anschließen, sondern zusammen in der Gemeinde Bergheim bleiben wollten. Die jüdische Gemeinde löste sich jedoch spätestens in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg auf. Auf dem Friedhof in Bergheim fand 1930 die letzte Beisetzung statt. 1932/33 lebte nach Angaben von Arnsberg noch eine jüdische Familie in Bergheim.   
         
Von den in Bergheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): eine Zusammenstellung zu Bergheim ist auf Grund dieser Listen nicht möglich, da zwischen den Orten "Bergheim" mit jüdischen Familien nicht ausreichend differenziert wird. 
  
Aus Affoldern sind umgekommen: Julie Fromm geb. Löwenstern (1858), Frieda Goldberg geb. Löwenstern (1907), Rosa (Röschen) Katz geb. Samuel (1880), Rosa Lilienfeld geb. Löwenstern (1877), Elias Emil Löwenstern (1871), Julius Löwenstern (1869), Klara Löwenstein (1904), Max Löwenstern (1867), Röschen Löwenstein geb. Samuel (1879), Isaak Samuel (1876), Max Samuel (1882), Alma Rosa Schönthal geb. Löwenstern (1902).       
   
Aus Kleinern ist umgekommen: Hannelore Schön (1928).
 
Aus Wellen ist umgekommen: Auguste Michel geb. Hirsch (1903).    
 
Aus Mehlen werden in den angegebenen Listen keine Personen genannt.      
   
  
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden - außer der nachstehenden Anzeige - noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Bergheim und den Orten der Umgebung gefunden. 

   
Anzeige des Schuhmachermeisters Jacob Hirsch in Wellen (1901)
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: 
"Suche per sofort oder 15. April einen zuverlässigen Schuhmachergesellen 
bei dauernder Arbeit und gutem Lohn. 
Jacob Hirsch
, Wellen bei Wildungen."   

  

   
    
       
 
         
Zur Geschichte der Synagoge   
   

Die Synagoge in Bergheim wurde spätestens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Beim Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude, das vermutlich in den 1730er-Jahren erstellt wurde. Ob das Gebäude schon ursprünglich in jüdischem Besitz war, ist nicht bekannt. Der Betraum befand sich im oberen Stockwerk. Hier gab es auch einen Raum für den Religionsunterricht und zwei Kammern zu Wohnzwecken. Ein rituelles Bad war nicht im Synagogengebäude. Im Erdgeschoss befand sich eine Wohnung sowie ein Laden, den zuletzt die jüdische Familie Joseph betrieb. 
  
Gottesdienste fanden bis um 1920 statt, danach war dies auf Grund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindeglieder nicht mehr möglich. Das Gebäude wurde um 1925 verkauft und wird seitdem zu Wohnzwecken genutzt.  
  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge       Kirchstraße 4     

Fotos
(Quelle: Altaras 1994 S. 63-65  2007 S. 180-182). 

Bergheim Synagoge 180.jpg (53051 Byte) Bergheim Synagoge 182.jpg (28370 Byte) Bergheim Synagoge 181.jpg (42704 Byte)
Isometrische Darstellung des Synagogengebäudes in Bergheim. Markiert ist der Bereich des Daches, bei dem man die Dachziegel zum Laubhüttenfest abnehmen konnte, um darunter die Sukka (Laubhütte) aufstellen zu können. Pläne des ehemaligen Synagogengebäudes (Eintragung des Standes bis Anfang des 1920er-Jahre): im Erdgeschoss befand sich der Laden und die Wohnung der jüdischen Familie Joseph; im Obergeschoss Schule und Betraum sowie zwei weitere Kammern. 
 
 
      
Gebäude der ehemaligen Synagoge Bergheim Synagoge 184.jpg (26028 Byte) Bergheim Synagoge 183.jpg (33153 Byte)
Blick auf das Gebäude von Nordwest mit den zwei Fenstern des ehemaligen Betraumes im Obergeschoss Straßengiebel mit Eingang
 
 Das ehemalige Synagogengebäude 
im Frühjahr 2010
Bergheim Synagoge 470.jpg (79949 Byte)   
     
       
Erinnerung an Familie Hirsch 
in Wellen
Bad Wildungen Friedhof 495.jpg (121192 Byte)  
  Grabstein für Sara Hirsch (1836-1906) und Samuel Hirsch (1838-1909) aus Wellen (heute: Ortsteil der Gemeinde Edertal)  

    
     
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Edertal   

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Bergheim (interner Link)   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 66-67.  
In Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 noch kein Abschnitt zu Bergheim. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 63-65.  
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 180-182.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 213-214. 

    

n.e.  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Dezember 2010